Ohne einen Beweis für einen Montagefehler der NORSAND Werft in WHANGEREI / NEUSEELAND zu haben stand für den damaligen Skipper der SY STORMVOGEL recht früh´ fest, das dort in WHANGEREI ein schlimmer Fehler bei den Arbeiten am Schwenkkiel der stolzen KOOPMAN´s Aluminiumsegelyacht begangen wurde.
Der zeitliche Zusammenhang zwischen den Arbeiten bei NORSAND (19. März 2014) und dem Unfall (95 Tage später, am 22. Juni 2014) sowie die 613 fehlerfreien Tage seit Abreise aus DEUTSCHLAND am 14. Juli 2012 lässt diesen Verdacht auch ohne genauen Beweise wohl durchaus zu.
Dieser Beitrag war unglaublich aufwendig und schwierig in der Erstellung. Damals mussten über 500 Tage vergehen, bis man zu einer halbwegs akzeptablen Vereinbarung kommen konnte. Daher ist dieser Beitrag wohl auch recht trocken, wenig unterhaltsam und absolut ernüchternd.
Überall, wo im folgenden Text „HIER“ steht gelangt man per Click auf das entsprechende Originaldokument als PDF. Zur Illustration kann man Bilder aus den jeweiligen Zeitabschnitten der LANGE REISE sehen – damit die 500 vergangenen Tage ein Gesicht bekommen.
Zur besseren Orientierung hier zunächst die beteiligen Unternehmen und Personen:
a) NORSAND Ltd.
Rolle: Werft, die den Schaden verursacht hat
Ort: Whangerei, Neuseeland
Personen: Peter Palmer, Manager; Karl Fuller, Mechaniker
b) NORSHIP, Ltd.
Rolle: Werft, die den Schaden repariert hat
Ort: Cairns, Australien
Personen: n.n.
c) VERO MARINE
Rolle: Versicherungsgesellschaft von NORSAND Ltd.
Ort: Neuseeland
Personen: Kerry Walker, Claims Manager
d) HOWELLS MARITIME SERVICES
Rolle: Gutachter im Auftrag von VERO MARINE
Ort: Redlynch, Australien
Personen: Zac Howells, Gutachter
e) HENDERSON REEVES CONNELL RISHWORTH
Rolle: Eigene Anwaltskanzlei
Ort: Whangerei, Neuseeland
Personen: Jermey Browne, Anwalt, Arla Kerr, Anwältin
f) ARGOS MARINE SURVEY
Rolle: Eigener Gutachter
Ort: Neuseeland
Personen: Gerry Lindberg, Gutachter
g) McELROYS
Rolle: Anwälte von VERO MARINE
Ort: Auckland, Neuseeland
Personen: Matthew Flyn, Anwalt, Andrew Colgen, Anwalt
h) PANTEANIUS
Rolle: Eigener Versicherungsmakler
Ort: Hamburg, Deutschland
Personen n.n.
i) ROLAND-Rechtsschutzversicherung
Rolle: Eigener Rechtsschutzversicher über PANTAENIUS
Ort: Köln, Deutschland
Personen n.n.
Im ersten Anlauf eine Art gütliche Einigung mit dem Verursacher des Schadens, also der NORSDAND Werft per selbst verfasster eMAIL versuchen. Das waren doch vernünftige Leute (?). Die Originalnachricht an NORSAND kann man hier lesen. HIER.
Die erste Antwort von NORSAND, noch geschrieben von unserem damaligen Ansprechpartner Peter Palmer, konnte man denn auch durchaus sachlich positiv verstehen. HIER.
Nach Ankunft in CAIRNS wird mit der Reparatur auf der dortigen NORSHIP Werft begonnen. NORSAND hat mittlerweile ihre Versicherungsgesellschaft VERO MARINE eingeschaltet, eine direkte Kommunikation mit NORSAND ist ab diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich.
VERO MARINE hat den Gutachter ZAC HOWELLS in AUSTRALIEN beauftragt den Schaden vor Ort in CAIRNS zu begutachten. HIER.
Nicht überraschend, das ZAC HOWELLS zu dem Schluss kommt, NORSAND habe nichts falsch gemacht. Entsprechend dann auch das jede Verantwortung ablehnende Schreiben vom 14. September 2014 von KERRY WALKER, Claims Manager von VERO MARINE. HIER.
Die Erkenntnis das man als Privatmensch in dieser Sache wohl nicht weiter kommen wird war schon längst gereift, doch erst jetzt wurde ein eigener Anwalt in WHANGEREI engagiert. Fast schon lustig daran: Der erste angesprochene Anwalt in WHANEGEI konnte den Auftrag nicht übernehmen, da er unter anderem auch für NORSAND arbeitete.
Nun, der Anwalt JEREMEY BROWN von HENDERSON REEVES wollte den Job gern übernehmen, aber nur gegen ein Deponat in Höhe von zunächst 1.500 NZ$ zu 340 NZ$ / Stunde (ca. 210 €).
Am 22. September 2014 startet JEREMEY BROWN seine Bemühungen mit einer Übersicht an möglichen Aktivitäten um NORSAND zu einer Schadensbegleichung zu bewegen. HIER.
Doch in den nächsten Wochen passiert fast gar nichts. Über VERO MARINE übermittelt NORSAND zwar vier der angeforderten „Dokumente“, doch mehr Unterlagen hat die Werft angeblich nicht.
Über Weihnachten ist die STORMVOGEL Crew in DEUTSCHLAND und vereinbart einen persönlichen Termin mit dem eigenen Versicherungsmakler, PANTAENIUS in HAMBURG. Die beiden Herren aus der Schadensabteilung hören sich den Unfallverlauf sowie den Stand der Dinge bei der Schadensregulierung an und kommen zu dem Schluss, das alle Beteiligen des Seenotfalles einen sehr guten Job gemacht hätten.
Logisch.
Wäre STORMVOGEL gesunken hätte PANTAENIUS 500.000 € für den Totalverlust zahlen müssen.
Die an MV SOUTHERN STAR entstandenen Schäden bei der wieder an Bordnahme des Dingis würde kein Versicherer der Welt übernehmen da sich ja ansonsten immer zwei Boote zum Versicherungsbetrug verabreden könnten.
Merke: „Wenn Du jemanden in Seenot hilfst und Dir dabei ein eigener Schaden entsteht, stehst Du alleine da.“

Immerhin regeln die PANTAENIUS Mitarbeiter das die ebenfalls abgeschlossene Rechtsschutzversicherung für die SY STORMVOGEL für alle anwaltlichen Kosten einspringen wird. Außerdem empfehlen sie die Einschaltung eines eigenen Gutachters: GERRY LINDBERG von ARGOS MARINE SURVEY soll auf Basis aller verfügbaren Dokumente ein eneues Gutachten erstellen, das die eigenen Überlegungen fachlich unterstützt.
Auch diese Kosten würden von der Rechtsschutzversicherung, die im übrigen bei ROLAND-Rechtsschutz bestand, übernommen.
Also wird GERRY LINDBERG beauftragt. Er kommt leider nicht zu einem eindeutigen Ergebnis, kann sich aber durchaus vorstellen, das NORSAND einen Fehler gemacht hat. HIER.
Na toll.
Auch JEREMY BROWN ist unglücklich mit dem was in dem Gutachten steht. HIER. Allerdings will offenbar GERRY LINDBERG darin nicht deutlicher werden.
Merke: Auch eigene Gutachter stehen nicht unbedingt auf der einen Seite. HIER.
Am 4. Februar 2015 nimmt JEREMY BROWN den Ball wieder auf und schreibt NORSAND über welches juristische Verfahren er den Streit lösen möchte. HIER.
Nun kommt insofern Bewegung in die Sache, das auch VERO MARINE, also der Versicherer von NORSAND, den Vorgang an einen Anwalt abgibt. Das erste Schreiben von MATTHEW FLYN von McELROYS kann man dann auch so lesen:
„Was will der lästige und offenbar verständnisarme Skipper vom STORMVOGEL eigentlich? Alle haben ihm lang & breit erklärt das NORSAND keinen Fehler gemacht hat!“. HIER.
In der Sache selbst passiert immer weniger, wohl auch weil der STORMVOGEL im Mai 2015 in der TÜRKEI angekommen ist und die aktuelle Reiselogistik sowie das jeweils erlebte auch noch verarbeitet werden muss. Aber immerhin erinnert zu dieser Zeit JEREMEY BROWN MATHEW FLYN immer mal wieder, das es da noch einen Fall zu lösen gebe.
Die Taktik von McELROYS ist zu offensichtlich: Aussitzen!
Am 17. Juni 2015 stellt JEREMEY BROWN dann schließlich selbst fest, das man so nicht weiter kommt und stellt unter anderem die Aufgabe des Anspruches zur Diskussion. HIER.
Das kommt natürlich nicht in Frage!
Aufgeben war noch nie eine Option!
Da wollen wir doch mal sehen, wer hier Recht bekommt!
Am 22. September 2015 schließlich hat JEREMEY BRWON das finale „Statement Of Claim“ zur Einreichung bei Gericht erstellt. Einem „guten Brauch“ folgend schickt er dieses Dokument noch mal an die Anwälte der Gegenseite (McELROYS) um sich doch noch außergerichtlich zu einigen. Er gibt der Gegenseite eine Woche für eine Reaktion. HIER.
Diese Formalität hat offenbar gewirkt denn bereits am 30. September 2015 schickt ANDREW COLGAN von McELROYS einen Vorschlag zu einer Einigung. Natürlich am untersten Ende, zum Einstieg in Verhandlungen. Und natürlich ohne jede Anerkenntnis einer Schuld. Immerhin 10.000 NZ$ werden erstmalig zur Kompensation angeboten. HIER.
Nun folgen Verhandlungen wie auf einem türkischen Basar, aber anders als in Realität hier nur in absoluter Zeitlupe. Es dauert bis zum 11. November 2015, der STORMVOGEL ist mittlerweile im Winterlager in SPANIEN angekommen, bis man sich bei 12.500 NZ$ virtuell die Hand gibt. HIER.
Zu diesem Zeitpunkt machte es schlicht keinen Sinn mehr, weiter vorzugehen.
507 Tage nach dem Unfall, Abertausende von Seemeilen später.
Gewonnen haben ohne Zweifel die Anwälte von NORSAND mit ihrer grandiosen Verzögerungs- und „was-will-der-Kläger-eigentlich“ Strategie. Hätte man auch nur im Ansatz geahnt, das der durch den Seenotfall angerichtete Schaden viel, viel größer war als die 2014 ermittelten knapp 20.000 €, hätte man wohl vor Ort in NEUSEELAND bleiben müssen und ein richtig großes Fass aufgemacht. Die Haftungssumme der ROLAND-Rechtsschutzversicherung betrug nur 100.000 €, kleiner Funfact am Rande.
Die über 60.000 €, die benötigt wurden um den kapitalen Rumpfschaden am STORMVOGEL 2019/2020 zu beheben lassen sich nach felsenfester Überzeugung des ehemaligen STORMVOGEL Skippers eindeutig auf den Seenotfall am 22. Juni 2014 zurückführen. Spätfolgen, so zu sagen.
Keiner der Gutachter kam auf die Idee, den Bleiballast nach dem Wassereinbruch zu untersuchen. Keine der beteiligen Werften äußerte eine Vermutung.
Doch dazu in einem weiteren Beitrag später mehr.
Das niemand freiwillig die Verantwortung für einen angerichteten Schaden übernimmt ist leider Standard in unserer profitorientierten Gesellschaft. Werften wie NORSAND können nur dadurch überleben, das sie viel Laufkundschaft in Form von durchreisenden Booten bedienen. Geht bei denen mal was schief: Who cares?
It´s me.
Peter.








