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Yachthafen Anholt

Der Yachthafen von ANHOLT liegt im gleichen Hafenbecken wie die Pier für die Berufsschiffahrt, bestehend aus Fähre, Fischern und Arbeitsschuten. Er ist nahezu perfekt gegen den Schwell des Kattegats durch einen großen Vorhafen und einem verschwenkten Fahrwasser abgesichert. Allerdings kann Starkwind oder Sturm aus NORD, WEST oder SÜD doch dafür sorgen, das man lieber ein paar Stunden an Land verbringt, denn der gesamte Hafen wurde zu Füßen des Nordbjergs ganz im Westen der Insel ins Meer hinein gebaut und ist entsprechend windanfällig.

Ordentlich Wind im Hafen von ANHOLT
Ordentlich Wind im Hafen von ANHOLT

Dadurch, das die Yachten und die Berufsschiffe sich das gleiche Hafenbecken teilen, gibt es zwei Uhrzeiten am Tag, an denen der durch Yachten verursachte Bootsverkehr unerwünscht ist. Nicht direkt verboten, sondern typisch dänisch ausdrücklich, per Aushang im Hafenhaus nachzulesen, unerwünscht. Immer dann, wenn die Fähre ANHOLT – GRENAA – ANHOLT an- oder ablegt, braucht sie die ganze freie Wasserfläche vor ihrer Pier für das Manöver. Morgens legt sie in ANHOLT pünktlich um 0800 ab und muss einmal drehen um dann durch das verschwenkte Fahrwasser die Hafenausfahrt zu erreichen. Am Nachmittag, irgendwann zwischen 1530 und 1600 kommt sie dann wieder und legt an ihrem Liegeplatz in ANHOLT ohne Wende an. Dadurch, das man aus allen Blickrichtungen, von See und im Hafen, erkennen kann, das die Fähre gerade einläuft, kann man sich gut frei halten und wenige Minuten warten.

Freifläche im Hafen von ANHOLT. Die in Husum gebaute Motoryacht SANSOUCI STAR für eine Nacht zu Besuch

Auf keinen Fall sollte man versuchen, kurz vor der Fähre einzulaufen, denn man wird nicht sofort einen Platz im Yachthafen finden und dann wird es schnell unnötig eng.
Die genauen Zeiten sind sehr gut auf der Internetseite der Fährgesellschaft nachzulesen. Samstags in der Hochsaison und Sonntags gibt es abweichende Zeiten.

Hafeneinfahrt, verschwenktes Fahrwasser, Freifläche und Fähre im Hafen von ANHOLT. Rechts hinter der Fähre die Notpier

Außerhalb der Hochsaison (Dänische Schulferien) könnte man den Eindruck bekommen, es gebe keinen Hafenmeister auf ANHOLT. Doch man kann versichert sein, es ist immer einer da und sieht nach dem Rechten. Bezahlt wird, wie in Dänemark üblich, bei einem eisernen Hafenmeister, dem bekannten BEAS Automaten im Hafenhaus.
Doch zur Hochsaison gibt es ein richtiges Hafenmeisterteam, das sich im gut motorisierten RIB um die einlaufenden Yachten kümmert. Also Liegeplatzzuweisung und sogar (auf Wunsch) Hilfe beim Festmachen an der Mooringboje.
Eigentlich ist es nicht notwendig, im voraus Kontakt mit dem Hafenmeister aufzunehmen. Ist bei Ankunft einer mit dem Schlauchboot auf dem Wasser, richtet man sich (selbstverständlich) nach seinen Anweisungen. Ist keiner da, kümmert man sich gefälligst selbst. Wie sonst auch immer. Will man dennoch auf Nummer Sicher gehen, kann man gerne anrufen. Alles was wichtig ist, auch die Kontaktdaten, ist auf der Internetseite der Hafens von ANHOLT nachzulesen.

Einlaufend an Steuerbord die Pier für größere Yachten. Gut zu erkennen die Mooringbojen

Hat man einlaufend das innere Hafenbecken erreicht, befindet sich die Pier der Berufsschifffahrt gleich an Backbord. Sehr viele Hinweisschilder weisen darauf hin, das man dort auf keinen Fall festmachen darf. In der hintersten Ecke, vor dem Kaufmannsladen SPAR KONGE erkennt man an der Pier eine gelb gestrichelte Markierung, dort befindet sich die ebenfalls frei zu haltende Tankstelle.

Ganz hinten die Tankstelle im Hafen von ANHOLT, links daneben die wirklich großen Yachten, dann die Fischer

Ganz an Steuerbord befindet sich eine hohe feste Pier, an der die größeren Yachten fest machen sollen. Die vielen Hinweisschilder weisen jeden Skipper auf eine Mindestbootsgröße von >= 13 bis 15 Meter hin. Wenn kleinere Boote hier fest machen, müssen sie die gleiche Hafengebühr wie die großen bezahlen. Außerhalb der Hochsaison kümmert sich aber nie jemand darum.

Hafenmeister im RIB im Hafen von ANHOLT

Aber in der Hochsaison hält der Hafenmeister aktiv die Liegeplätze für große Yachten frei. So passiert es regelmäßig, das kleine Boote erst mal fest machen und froh´ sind, einen Liegeplatz zu haben und dann kommt der Hafenmeister mit seinem RIB und schickt einen wieder weg.
An einigen der äußeren Plätze hängt ein “Reserviert” Schild.

Reserviert-Schilder abgehangen, 14-Meter Schild aufgehangen im Hafen von ANHOLT

Doch in Wirklichkeit gibt es keine Reservierung, sondern die Hafenmeister wollen damit nur erreichen, das wenigstens ein paar Plätze für große Boote frei bleiben. Sozusagen als zusätzliche Abschreckung. Ganz große Yachten von 20 oder mehr Metern machen sowieso auf Anordnung des Hafenmeisters in der Nähe der Tankstelle fest. Es gibt zwar einen Plan, eine neue Pier für wirklich große Yachten im Vorhafen zu errichten, doch ob & wann die kommt kann der Hafenmeister nicht sagen.

Doch keine Angst:
Der Hafenmeister schickt einen nicht einfach so weg, sondern bringt einen Falschlieger zu einem geeigneteren Liegeplatz an einem der drei Schwimmstege im zentralen Hafenbecken. Dort sind freie Plätze für Ankommer mitunter gar nicht so leicht zu entdecken. Aber wenn die anderen Boote ein wenig geschoben werden, passt schon noch ein weiteres dazwischen.
Ist kein Helfer auf dem Schwimmsteg, muss man sich auf einen kleinen Sprung vom Bug oder Heck einstellen, denn naturgemäß sind die Schwimmstege sehr flach. Wenn dann wirklich nichts mehr frei ist, wird in zweiter Reihe fest gemacht. Sieht wild aus und ist es wohl auch, man möchte so liegend sicher keinen Starkwind erleben.

Die Zeiten, in denen man per Heckanker in ANHOLT fest machte, sind lange vorbei. Nun gibt es fest verankerte Mooringbojen, die ca. 1 Meter aus dem Wasser ragen. An deren Kopf befindet sich ein Rundauge, in dem idealerweise ein solider Bojenhaken mit einer guten langen Festmacherleine daran eingeklinkt wird. Doch scheinbar nur etwa die Hälfte der Yachten führt diesen nützlichen Helfer mit sich. Alle anderen müssen mehr oder weniger mühsam eine Leine während des Anlegemanövers in das Auge einfädeln. Je nach Windstärke und Windrichtung kann das schon mal schwieriger werden. Ist die Leine dann auch noch zu kurz, misslingt der Anleger, weil das Boot die Pier nicht erreicht.

Es ist nicht so, das jedem Boot eine eigene Mooringboje “zusteht”. Oft muss eine Mooringboje zu zweit oder dritt geteilt werden. Daher ist mit größter Vorsicht in einer Boxengasse zu manövrieren: Häufig sind die Bojen, an denen Boote fest gemacht sind, unter Wasser und als Festmacherleinen werden der Länge wegen oft dünne, fast unsichtbare Schooten verwendet. Dadurch wirkt die Boxengasse viel breiter, als sie in Wirklichkeit ist. Diese Mooringbojen sind schwer zu erkennen und leicht zu überfahren. Also wie immer: So lange wie möglich immer hübsch in der gefühlten Mitte bleiben und dann zügig rechtwinklig in den Liegplatz eindrehen.

Große Motoryachten im Hafen von ANHOLT im Päckchen

Wird es wirklich eng im Yachthafen, wird angefangen am hintersten (innersten) kleinen Schwimmsteg Päckchen zu bauen. Dorthin werden Boote bis ungefähr 12 Meter gelotst, denn die Boxengasse ist wirklich sehr eng.
Liegt man dort ist es klug, sich direkt am nächsten Tag zu vorholen, wenn die ersten Boote wieder auslaufen und einen besseren Platz frei machen. Die großen Motoryachten liegen auch in dieser Ecke. Auch im Päckchen, wenn es sein muss.

Notpier im Aussenhafen von ANHOLT, einlaufend an Backbord – noch leer
Notpier im Aussenhafen von ANHOLT, einlaufend an Backbord – jetzt im 3er Päckchen

Einlaufend an Backbord gibt es im verschwenkten Fahrwasser eine hohe Holzpier an der man längsseits beidseitig fest machen kann. Völlig ab vom Schuss, aber immerhin Landzugang mit Strom und Wasser an der Pier. Bei viel Südwind sehr unruhig weil der Schwell dort ungehindert aufläuft. Also eher ein Notplatz für maximal vier Boote, wenn kein Päckchen gebildet wird. Direkt an der Backbord-Außenmole gibt es auch noch einen Liegeplatz für Großsegler und ähnliche schwer zu manövrierenden Fahrzeuge, ungeeignet für normale Yachten.
Im Vorhafen kann man außerhalb des Fahrwassers (einlaufend an Steuerbord) auf gut haltendem Sandgrund ankern. Platz für zwei, drei oder sogar vier Boote, wenn sich nicht gerade einer genau in die Mitte gelegt hat. Doch Obacht: Auch hier sind die Hafengebühren zu bezahlen.

Ankerlieger im Aussenhafen von ANHOLT

Im Prinzip kann man rund um die ganze Insel ankern, außer natürlich im großen Naturschutzgebiet im Osten beim Leuchtturm von ANHOLT. Sehr beliebt ist der Ankerplatz gleich neben dem Hafen vor dem Weststrand, aber natürlich nur, wenn es die Wind- und Schwellbedingungen erlauben. Denn eine geschützte Bucht oder auch nur Einbuchtung gibt in der ganzen Küstenlinie der Insel nicht. Vor Anker liegt man auf ANHOLT immer zur offenen See.

Einsamer Ankerlieger vor dem Weststrand in der Nähe des Hafens von ANHOLT

Interessant zu sehen ist, das die dänischen Boote eindeutig die Schwimmstege im inneren Hafenbecken bevorzugen. Da findet man kaum deutsche Boote. Die liegen lieber weiter außen. Könnte schlicht an lokalen Revierkenntnissen liegen, oder daran, das die Dänen gerne in der Nähe des öffentlichen Grillplatzes sind.

Grillplatz im Hafen von ANHOLT (Blick vom Hafenhaus)

Schwierig sind eigentlich nur Starkwindverhältnisse aus NORDWEST und SÜDOST. Dann macht man quer zur Windrichtung fest und wird entsprechend schnell vertrieben. Klappt es dann mit der Bojenleine auf Anhieb nicht, ist es keine Schande, mit einer Spring erst mal am Nachbarboot fest zu machen, die Stegleine zu klarieren und dann in Ruhe die Bojenleine klar zu bekommen. Wenn man Glück hat, ist gerade ein helfendes Dingi oder SUP Board in der Nähe. Wenn nicht und die Boje ist unter Wasser, muss wohl einer baden gehen.
Was gar nicht geht ist einen Festmacher ohne ausgebrachte Fender zu fahren. Passiert offenbar nur Charterbooten. Gerade wenn viel Seitenwind herrscht lässt sich ein Bootskontakt zu einem eng liegenden Nachbarboot nicht vermeiden. Ordentlich abgefendert für niemanden ein Problem.

Ist der Hafen leer und kein Nachbar da, kann man ja beliebig oft einen Anlauf nehmen um das Bojenmanöver erfolgreich hin zu bekommen. Allerdings machen viele Boote dann lieber längsseits fest. Vermutlich weil es einfacher erscheint. Allerdings ändert sich die Liegeplatzsituation täglich und so ist es im Juni passiert, das eine kleine Flotte von HALBERG RASSYs durch längsseits liegen alle Plätze für große Boote dicht gemacht hat.

Kleine HALBERG RASSY Flotte längsseits im Hafen von ANHOLT

Das ist für große Neuankommer doof, weil sie auf kleinen Plätzen die Bojenleine dann als Mittschiffsspring legen müssen und die Boje an der Bordwand haben. Kann man versuchen abzufendern, aber schön ist es nicht. In dieser Zeit war der Hafenmeister nahezu unsichtbar, dann hat er wohl doch mal was gesagt…

…und die Boote haben bei Windstille in aller Ruhe den vorgesehenen Liegeplatz eingenommen und gut ist.

Peter.

Zweite Reihe Festmacher im Hafen von ANHOLT
Zweite Reihe Festmacher im Hafen von ANHOLT
Zweite Reihe Festmacher im Hafen von ANHOLT
Nach außen (links) verlängerte Päckchen am Schwimmponton
Zu kleines Boot auf zu großem Platz mit zu kurzen Leinen
Mooringbojen unter Wasser im Hafen von ANHOLT
Hafenmeister weist Neuankommer im Hafen von ANHOLT ein
Leerer Hafen von ANHOLT
Radarturm über dem Hafen von ANHOLT

Tag 49, Anholt

Jeden Tag wird nach dem ersten Morgenkaffee ein Fußmarsch angetreten. Wirklich jeden Morgen. Je nach Gemütslage die schnelle Runde in trauter Zweisamkeit in einer Stunde rund um den Nordbjerg auf der Inselhauptstrasse oder eine ausgeprägte Wanderung über gewundene und kaum sichtbare Trampelpfade mit der ganzen Horde.

Oder Extremtouren.

Eine weitere bisher, um hier genau zu sein und um nicht zu übertreiben.

Leuchttrum von ANHOLT

Nochmal durch die Wüste zum Leuchtturm von ANHOLT. Diesmal “mit ohne” Fahrräder. Wollten wir unbedingt unseren Besuchern zeigen. Strategisch geplant. 4 Liter Wasser auf zwei halbwüchsige Lastenesel verteilt, die in einem früheren Sommer eigentlich mal als Lebendfutter für nie gesehene Monster herhalten sollten. Merkwürdig. Je älter diese Lastenesel werden, um so störrischer werden sie. Ab wann setzt eigentlich Altersstarrsinn ein?

Düne beim Leuchttrum von ANHOLT

Den Proviant tragen abwechselnd die beiden Frauen. Des Skippers Rücken muss frei bleiben, schließlich hat er mit der mehreren Kilo schweren Kamera und dem lange vorhaltendem Inhalt längst vergangener kleiner zylindrischer Metallcontainer genug zu tun. Lang anhaltend ist nicht gleichbedeutend mit ewig, wohlgemerkt. Strammer Marsch am Morgen durch die Wüste bei nur einer kurzen Pause lautet die in die Tat umgesetzte Strategie. Meilen machen. Wie immer.
Ausgiebiges Picknick in einer netten Düne am Leuchtturm. Ja, ja, in den staubigen Schuhen stecken tatsächlich noch lebende Füße, wenn man sie denn auspackt und das Licht der Sonne erblicken lässt.

Düne beim Leuchttrum von ANHOLT

Der Rückweg vom weit entfernten Leuchtturm von ANHOLT führt uns diesmal am Nordstrand entlang. Nicht einfacher und auch nicht kürzer als durch die Wüste. Aber “schöner” – so jedenfalls der weibliche Teil der Reisegruppe. Die Lastenesel sehen da keinen Unterschied. Ist halt viel Sand, schwierig zu marschieren und einfach nur unendlich weit. Wir sehen einen toten. Am Strand. Einen toten Seehund. Gammelt da einfach so vor sich hin. Die Möwen scheinen kein Interesse an dem traurigen Gesellen zu haben. Na ja, bei dem Körpergeruch? Ein einsamer Kite-Surfer braust vorbei und freut sich sichtbar, im flachen Wasser die Balance zu halten. Mit dem Picknick mal eben eine 7 Stunden Exkursion für absolut untrainierte. Not that bad für einen Tag, will ich meinen.

Der Nordstrand von ANHOLT

Doch zurück zum normalen Tagesablauf auf der Insel.

Gegen Mittag wird dann endlich Frühstück auf den Tisch des Cockpits gestellt. Wenn man in diesen Tagen als Skipper nicht aufpasst, bekommt man schlicht nichts ab. Ist ja auch nicht wirklich clever, Lastenesel, die sich gelegentlich in gefräßige Löwen verwandeln, am gleichen Tisch wie Eignerin und Skipper abzufüttern.

Ja, früher!
Da gab es wenigstens noch eine Offiziersmesse und eine davon getrennte Mannschaftsmesse. Doch heute? Alles vermischt, vermengt, verhätschelt.

Toter Seehund am Strand von ANHOLT

Des Nachmittags ist in der Regel braten in der Sonne angesagt. Mit Abkühlung im sehr naheliegenden Meere, bei Bedarf. Obwohl der Hafen mittlerweile rappel voll ist, verteilen sich die vielen Menschen am großen Südstrand schnell. Das ist schön, weil sich niemand bedrängt fühlen kann.

Dingifahrschule im Hafen von ANHOLT

Hat die Oma richtig Lust, spielt sie mit den Enkeln “Eine Oma fährt im Hafen von Anholt Dingi, Dingi, Dingi. Eine Oma fährt im Hafen von Anholt…”. Und macht einen auf Fahrschule, obwohl offenbar selbst aus der Übung. Den Anlegern nach zu urteilen. Immerhin kann der Skipper die selbstbewusste Truppe davon abhalten, den großen Vorhafen von ANHOLT in Richtung offenes Meer zu verlassen. Wäre ja noch schöner. Rettungsaktion übermütiger.

Vierbeiniges Sicherheitsschuhmonster bewacht den Eingang zur Wüste von ANHOLT

Charterboote kommen hier kaum noch an. Eher Familiencrews aus Dänemark, Deutschland, Schweden und auch mal Norwegen. Alle Größen, alle Typen. Viele Boote führen ein großes Sortiment an Freizeitgeräten an Deck mit sich. Fahrräder, sogar eBikes, Surfbretter, Stand-Up Paddeling Boards und natürlich das obligatorische Dingi. Sportliche fahren dazu noch ein paar Segelsäcke auf dem Vorschiff. Die mit der Nationalen am Backstag.

Am Leuchtturm ANHOLT

Samstags fährt die Fähre jetzt zwei mal von GRENAA um die ganzen Urlauber vom Festland abzuholen. Neben uns Touristen im Yachthafen gibt es welche auf dem Campingplatz und natürlich viele in den weit über die Insel verteilten Ferienhäusern.

Am Leuchtturm ANHOLT

Das EM 2020 Fußballspiel Dänemark – Tschechien erleben wir in praller Abendsonne im Biergarten des Hostels CASABLANCA im Hafen. Umgeben von Dänen, die tatsächlich erkennbar stolz ihre Nationalhymne mitsingen. Beeindruckend. Gänsehautmoment. Einige tragen Rot-Weiße Kronen, andere Trikots ihrer Nationalmannschaft. Wir haben ein paar kleine Dänemarkflaggen zum wedeln dabei und gehen dem äußeren Anschein nach sicher als Eingeborene durch. Neben uns sitzt eine bereits angeschäkerte Dänin, der es davor graust, die Insel wieder zu verlassen. Denn ihr Freund, völlig auf das in der Abendsonne schwer zu erkennende Fernsehbild fixiert, hat sie überredet, in einem offenen Motorboot mit Außenborder nach ANHOLT zu kommen und das Wochenende im Zelt zu verbringen. Welch romantische Vorstellung, wenn man das Meer nicht kennt. Trotz ruhiger Wetterlage hat es wohl in dem kleinen Boot ganz gut gerappelt. Na ja, einen Tag zum Vergessen hat sie ja noch, dabei mag der Alkohol helfen.
Hat er früher auf See ja auch schon. Wenn der Alte vorher wusste, das es bei KAP HORN keine Kaffeefahrt geben wird gab es schon mal einen Schluck Rum.

Traditionssegler im Vorhafen von ANHOLT
Traditionssegler vom Vorhafen von ANHOLT
Abendstimmung im Hafen von ANHOLT

Aber die Idee, einfach mal so auf die Insel zu kommen ist ja nicht schlecht. Das CASBLANCA zum Beispiel hat offenbar ganzjährig geöffnet. Wenn man mal überlegt, das in der Nebensaison die Fährfahrt nur 20 Euro hin und zurück kostet, ist es doch durchaus mal eine Idee, auch ohne eigenes Boot für ein paar Tage hierher zu kommen. Baden im Meer fiele dann wohl temperaturbedingt eher aus, aber die vielen Pfade und Wege kann man auch im Frühjahr, Herbst oder gar Winter ablaufen.

Dicht gepackt im Hafen von ANHOLT

Was bei den ganzen Spaziergängen und Wanderungen auffällt:
Alles, was jemals auf die Insel gebracht wurde, scheint auch hier zu bleiben. Auf immer und ewig.
OK, der Hausmüll nicht, der wird verdichtet und in blauen Spezialcontainern mit der Fähre auf das Festland gebracht. Vermutlich jetzt in der Hochsaison täglich, denn alleine der Müllplatz am Yachthafen quillt jeden Morgen über.
Aber alte Container, verfallene Baracken, Bauschutt, gammlige Wohnwagen, Schrott aller Art, die bleiben für immer hier. Es sieht nicht vermüllt aus. Im Gegenteil. Die Insel samt Stränden ist so was von sauber, das ist schon fast unglaublich. Doch wenn man auf den großen Schrott achtet, fällt er auf. Wahrscheinlich kostet die Fährpassage für Schrott/Müll genau so viel wie für hochwertige Neuware. Geht ja wohl nur nach Gewicht und Platzbedarf. Neulich war eine Arbeitsschute hier, die zwei alte 40 Fuß Container gebracht hat, die zu Wohneinheiten umgebaut werden. Es gibt zwar erstaunlich viel großes Arbeitsgerät auf der Insel, aber natürlich keinen großen Kran, der solche Ungetüme bewegen kann. Die Schute hatte einen fest angebauten. Auf dem Dach der Container wurde eine Art Hinterachse während der Seereise gestaut. Die provisorische Hinterachse ist eigentlich nur ein Stahlträger mir zwei Reifen an den Stirnseiten. Die Hinterachse wurde zuerst auf die Pier gesetzt, dann darauf eine der Stirnseiten des Containers montiert. Auf der gegenüberliegenden Containerstirnseite greift die Forke eines Gabelstablers und dieser zieht dann das Ungetüm im Schneckentempo durch die kleine Gasse im Hafen in das Containerdorf von ANHOLT.

Dicht gepackt im Hafen von ANHOLT

Im Hinterhof des Hafens gibt es tatsächlich ein kleines Container- und Barackendorf, in dem die vielen Saisonarbeitskräfte hausen. Die meisten Bars und Essensplätze machen jetzt gegen 12:00 Uhr auf und schließen um 23:00 Uhr. Da braucht man sicher schon ein paar Menschen mehr, um den Betrieb über den Tag am Laufen zu halten.
Als es noch etwas ruhiger war hatten wir am Strand Judith und Sam kennen gelernt. Die beiden kommen aus den Niederlanden und jobben hier jetzt ein paar Wochen. Mit dem Inselflieger eingeflogen. Sam arbeitet in der Küche, Judith im Service. Vermutlich Studenten, die es mit ihrer Live-Work-Balance ernst nehmen.

In der Wüste von ANHOLT

So vergehen die Tage auf ANHOLT.

Ganz offiziell mit Nichtstun.

Gar nichts.

Auf einem Boot?

Wer glaubt denn so was?

OK, ertappt.

Habe neulich zum 10 mal oder so den Vergaser vom Außenborder auseinander gebaut. Für den Moment zwar wieder in Gang gesetzt, aber einen neuen bestellt. Das Teil ist einfach innerlich verwest. Keine Ahnung, ob dieser Gammel durch das Benzin selbst entsteht, oder ob das doch Spätfolgen der Wassertaufen von BORA-BORA sind. Eigentlich unwahrscheinlich, denn der Gammel ist ja im Vergaser und da war nach meiner Meinung kein Seewasser.
Am Ende ist das aber wohl eher so eine Nummer von Totgestanden. Wenn der Außenborder regelmäßig in Betrieb wäre, gäbe es solche Probleme eher nicht. Jedenfalls hat er uns vier Jahre zuverlässig durch die Gegend geschoben und kommt seit dem leider nur auf einen Bruchteil seiner ursprünglichen Betriebszeit.

Maschinen aller Art wollen geliebt werden!

Alte Weisheit eines geliebten Motorbootskippers.

Peter.

Tag 29-33, Anholt

Kommen wir also nun unter anderem zum Unvorhersehbaren aus dem vorherigen Beitrag.

Tags darauf, am frühen Nachmittag verlangt ein körperliches Bedürfnis zum unmittelbaren Landgang. Solche Geschäfte sollte man besser nicht an Bord eines Hotelbootes in einem Hafen erledigen. Kaum steht der einsame Skipper auf der Betonpier, da schallt es von einem gerade einlaufenden Boot “Peter?”

Hä?

Inselhauptstrasse auf ANHOLT

Der Skipper hält scharf Ausschau. Erkennt aber weder das einlaufende Boot noch den darauf befindlichen Skipper. Da kann ja jeder rufen! Doch der rufende erkennt schnell die Schwierigkeiten des eigentlich auf einem wichtigen Gang befindlichen und gibt sich zu erkennen.

Na, das ist ja eine, im wahrsten Sinne des Wortes, schöne Überraschung!

Die geübte zwei Mann Crew macht einen 1A Anleger, kurze, freudige Begrüßung und erst dann, nun bereits mit einer gewissen Dringlichkeit, kann der Skipper des STORMVOGELS seinen Landgang fortsetzen.

Wie schön. Nix mit mönchsartiger Einsamkeit auf einer kleinen Insel im KATTEGAT namens ANHOLT. Eher das genaue Gegenteil davon.

Für Beste Unterhaltung ist gesorgt. Über Details wird, wie es sich unter Seeleuten gehört, geschwiegen. Drei unverhofft gute Abende werden miteinander verbracht, am Freitag Morgen dann macht sich die Crew auf ihren Weg nach Süden und der Skipper ist nun tatsächlich und unzweifelhaft allein.

Allein, Allein. (Polarkreis 18)

Inselhauptstrasse auf ANHOLT

Des Nachmittags, so gegen 1600, hat sich eine Art “Fähre-Einlauf-Ritual” entwickelt. Entweder werden die Hafenmanöver der Fähre auf dem Vorschiff des STORMVOGELS sitzend aufmerksam verfolgt, oder an Land gegenüber auf einer Bank vor dem Hafenkaufmann von ANHOLT, SPAR KONGE mit Namen.

Da sitzt man nie alleine. Es stehen fünf Tische mit fest angeschraubten Bänken vor dem Kaufmann. Da sitzen Eingeborene, rauchen und trinken ein Bier. Oder Touristen, beim Kaffee. Es braucht eigentlich nicht erwähnt werden, mit welcher Flüssigkeit genau sich der Skipper dort niederlässt und das Hafenmanöver der einlaufenden Fähre verfolgt.

Wegweiser auf ANHOLT, für die, die nicht wissen, wo es lang geht…

Präzise, aber nicht langsam gleitet die Fähre auf ihren Liegeplatz. Sicher unter Einsatz von vielen, vielen PS. Vorne und hinten. Das aufgewirbelte Hafenwasser färbt sich in Sekunden Sandgelb, richtig tief ist es hier nicht. Die voraus liegenden Fischer stören die Fähre nicht die Bohne. Kaum sind die jeweils beiden Vor- und Achterleinen fest, werden die Passagierluken in der Backbord-Bordwand geöffnet und die in der Regel schwer bepackten Fährgäste verlassen zu Fuß den Dampfer. Einige wissen zielstrebig um den zurückzulegenden Weg, andere kommen erst mal an, orientieren sich und trotten dann langsam in Richtung SPAR KONGE. Denn da scheint für Ortsunkundige das Inselleben zu beginnen. In jedem Fall freuen sich alle Neuankömmlinge sichtbar, endlich auf ANHOLT zu sein. Deutlich zu erkennen an einem breiten, sehr gelöst wirkenden Grinsen auf ihren Gesichtern.
Gut 30 Minuten nach dem Festmachen der Fähre ist der kleine Ankommenstrubel auch schon wieder vorbei und im Hafen wird es so still, wie vor dem Einlaufen.

Düne auf ANHOLT

Nach nun bummelig 10 Tagen kommt sich der Skipper durchaus schon wie in Insulaner vor. Um für einen vor SPAR KONGE sitzenden Eingebohrenen gehalten zu werden, müsste er allerdings noch das Rauchen anfangen. Noch ein Laster mehr. Ach nee, das lassen wir mal lieber.

Mindestens einmal am Tag muss sich des STORMVOGELS Skipper einem starken Impuls, sich selbst zum Hafenmeister zu ernennen, widerstehen, auch wenn es ihm sehr (sehr) schwer fällt, die Füße wirklich still zu halten.

Seenebel vor dem Hafen von ANHOLT

Bemisst der Skipper die eigenen Manöver mit dem STORMVOGEL nach dem sehr klaren Schulnotensystem 1-6, hat er nun beschlossen, die Skala nach unten um die Ziffern 7 bis 12 zu ergänzen. Zu dieser Einsicht der Notwendigkeit gelangte er beim Studium der vielen deutschen Charterdampfer, die hier ankommen. In der Regel von MOLA aus BREEGE. Was die Mannschaften auf diesen Booten abliefern ist selbst bei Besten Bedingungen in der Regel irgendwas zwischen 9 und 12. Und schon erschient eine der seltenen STORMVOGEL 4- schon gar nicht mehr so schlimm, gell? Alles eine Frage des Standpunktes, von dem man aus auf ein Manöver blickt. Erst Recht, wenn man bereits fest ist, sich seit Wochen nicht bewegt hat und klug schnacken kann!

Aber im Ernst:
Vier Mann auf 38 Fuß, offensichtlich Nachfahrt, Ankunft Morgens um 0700. Mannschaft verpackt wie Eskimos. War wohl kalt, die Nacht. Eigentlich klare Bug gegen Wind direkt in die Box Nummer. Aber der Skipper will rückwärts ran. Bojenmannöver: Mann soll mit Pippifax Bootshaken 6 Tonnen Boot halten und gleichzeitig Leine einfädeln. Kann natürlich nicht funktionieren. Wer hat schon vier Arme und kann 6 Tonnen halten? Dampfer vertreibt und gerät auf die Heckleine des Nachbars, wodurch dieser geweckt wird und im Schlafanzug bei lausiger Frühkälte versucht, das Gewirr von Booten und Leinen zu klarieren. Nach einer Stunde (!) sind die dann endlich fest.

Fünf Mann auf 46 Fuß, zugegeben bei schwierigen 20 Knoten Seitenwind. Haben es irgendwie gebacken bekommen, das der viel zu selten gesehene Hafenmeister mit dem Dingi kommt um ihnen die Vorleine in die Boje zu fädeln. Das macht der an Backbord auch, was an Steuerbord passiert sieht er warum auch immer nicht: Mit zu viel Fahrt läuft das Heck unter eingekuppelter Maschine über die Bojenleine des Nachbarn. Der Propeller erwischt die Leine, die würgt die Maschine ab und nun treiben sie ohne Fahrt und ohne Fender auf den viel kleineren Nachbarn. Völlig passiv, irgendwie entgeistert, stehen Skipper und Mannschaft da und scheinen darauf zu warten, das ihnen geholfen wird. Der Hafenmeister ist derweil mit seinem Dingi längst wieder abgeschwirrt.

Heidelandschaft auf ANHOLT

Meine Meinung:
Anleger können schief gehen. Das liegt in der Natur der Sache. Und manchmal braucht man wirklich Hilfe. Aber das darf natürlich nicht der Regelfall sein. Learning By Doing ist auch OK, so lange man andere nicht unfreiwillig daran beteiligt. Man stelle sich nur mal vor, was passiert wäre, wenn das Nachbarboot nicht gerade besetzt gewesen wäre. Ohne Heckleine mit dem Steven gegen die Pier knallend. Insbesondere einer großen Crew muss es doch möglich sein, (halbwegs) gute Anleger zu fahren? So viel Hände!

Wird Zeit, das die Mannschaft wieder kommt. Sonst endet das hier noch in besserwisserischen Prozessanalysen, Flip-Charts und Power-Point Präsentationen. Denn theoretisch ist die Sache ja völlig klar.

Um selbst in Form zu bleiben müsste man eigentlich jeden Tag, bei jedem Wetter mit dem Dampfer einmal kurz um den Block brettern und nach einer Stunde oder so wieder fest machen.

Oh ja, das schlage ich meiner Mannschaft bei Rückkehr als erstes vor!

Falls sie flüchten möchte: Unmöglich. Die nächste Fähre geht ja erst am Folgetag 🙂

Peter.

Tag 28: Anholt – Grenaa – Anholt, Sixt

Ganz schnell wird es einsam auf dem Dampfer.

Erst ist der Besuch weg, dann die Mannschaft. Landurlaub. War versprochen und was Skipper verspricht, das hält er auch. Nach eigener Einschätzung. Das war schon immer so, das mit der eigenen Einschätzung. Einen besonderen Sinn von solchen Landurlauben allerdings kann der Skipper natürlich nicht erkennen. Aber wenn es sein muss, dann muss es eben sein.

Hafen von ANHOLT

Und so bringt der Skipper seine Mannschaft mit der Fähre zum Festland nach GRENAA, klärt als zurückbleibender Reiseleiter die Geschichte mit dem SIXT Meet & Greet Mietwagen und schon ist er mutterseelen alleine.

Denkt er und die Mannschaft zumindest.

Doch bevor wir zu unvorhersehbaren kommen, soll zunächst das SIXT Meet & Greet erläutert werden.

Passagierterminal im Hafen von ANHOLT

Obwohl gut frequentierter Fährhafen, ist GRENAA so ziemlich am Ende der Welt. Dementsprechend gibt es auch nur die beiden Mietwagen Anbieter SIXT und AVIS im Hafen. Doch während AVIS ein Büro dort unterhält, hat SIXT eine besondere Lösung: Man reserviert ein Auto im voraus über das Internet. Innerhalb von maximal zwei Tagen bekommt man die Bestätigung, das das auch so klappen wird. Und dann trifft man sich zu einer verabredeten Uhrzeit auf dem Parkplatz des Fährhafens mit einem SIXT Mitarbeiter, der extra anreist und Mietvertrag und Autoschlüssel übergibt. Dann kann es los gehen.

Wendemanöver der Fähre im Hafen von ANHOLT. Bitte schön Abstand halten…

Was hat sich der Skipper für Sorgen wegen der Bezahlung gemacht. Am liebsten bezahlt er so was im voraus und gut ist. Doch das ging nicht. Laut offiziellem Verfahren soll auf dem Parkplatz die Kreditkarte samt PIN vorhanden sein. Bargeld oder V-PAY würden nicht akzeptiert.
In der Realität wollte der SIXT Mensch dann noch nicht mal die Kreditkarte sehen. Darauf angesprochen meinte er, die Daten hätten wir ja schon bei der Reservierung angegeben und durch die neuen Sicherheitsbestimmungen der Kreditkartenanbieter sei es technisch gar nicht möglich, auf dem Parkplatz zu bezahlen. Soll uns nur recht sein! Wenn man bedenkt, das der Skipper nur mit nach GRENAA gefahren ist, weil die Mannschaft ihre Kreditkarte in ELMSHORN vergessen hat und der Fahrer bei Anmietung zwingend eine Kreditkarte haben muss, die seinen Namen trägt. Also ist der Skipper der Mieter & Fahrer mit Kreditkarte und die Mannschaft zweiter Fahrer…und lässt dann den Mieter & Fahrer dann einfach auf dem Parkplatz stehen und braust davon.

Im Laderaum der ANHOLT Fähre
Im Laderaum der ANHOLT Fähre

Bei der Übergabe wird auch klar, wieso diese zwei Tage Bestätigungszeit dazwischen liegen. Die bringen nicht extra ein Auto auf den Parkplatz, sondern haben da immer zwei oder drei stehen. Und wenn keins da ist, kommt auch keines dazu. Wenn dann der Kunde kommt, kommt ein SIXT Mensch mit einem anderen Auto von sonst wo her und macht die Übergabe. Abgabe noch einfacher. Auto da parken, wo man es übernommen hat und Schlüssel in einen Briefkasten im STENA LINE Bürogebäude stecken.

Promenadendeck der Fähre von ANHOLT
Windpark vor GRENAA von DONG ENERGY

Bei der Reservierungsanfrage war eine Sache komisch: Während zunächst alle gefahrenen Kilometer inklusive sein sollten, waren später nur 700 KM enthalten, jeder mehr sollte extra bezahlt werden. In der Zwischenzeit hatte ich im selben Browser bei AVIS nach Preisen recherchier. Da waren immer die 700 KM, aber auch der knapp vierfache Preis. Also in einem anderen Browser SIXT nochmal reserviert und da wieder unbegrenzte Kilometer. Diese Schlitzohren!

SIXT meet&Greet Parkplatz im Fährhafen von GRENAA, vor dem STENA LINE Gebäude

Also denn.

Die Mannschaft ist weg, der Skipper dampft mit der Fähre drei langweilige Stunden zurück auf seine Insel. Obwohl, es gab gleich nach Verlassen des Hafens drei recht aufregende Minuten! Immerhin. Unvermittelt, ohne jede Ankündigung und ohne jeden ersichtlichen Grund legt die Fähre hart Steuerbord Ruder, neigt sich ob der vollen Fahrt spürbar auf die Seite. Wir fahren einen halbwegs sauberen, aber engen Vollkreis. Dann geht es weiter Richtung ANHOLT. Es folgt eine Durchsage auf Dänisch, irgendwelche technischen Probleme hätten dieses Manöver ausgelöst.

Könnte sein.

Die Fähre ANHOLT im Fährhafen von GRENAA

Kann aber auch nicht sein. Die Nummer hat mich doch sehr an eine Begebenheit auf dem STORMVOGEL in 2012 im niederländischen Wattenmeer vor der Insel VLIELAND erinnert. Der stolze Skipper hatte damals eine detaillierte Route im Plotter für das Fahrwasser nach HARLINGEN angelegt und dann dem Autopiloten befohlen, die Route abzufahren…

Die Fähre ANHOLT im Fährhafen von GRENAA

…doch in seinem Eifer hatte der Skipper glatt übersehen, das sein Boot den Startpunkt der Route längst passiert hatte. Woraufhin der Autopilot selbstverständlich zu der Einsicht kam, das Boot hart zu wenden um auf direktem Wege zum Startpunkt zu kommen, um von da aus ordnungsgemäß die Route abzufahren.
Und genau das könnte auch auf der Fähre der Fall gewesen sein, denn nach Verlassen des Hafens von GRENAA werden die Herren auf der Brücke den Autopiloten eingeschaltet haben…

Aber das war wirklich die einzige Aufregung.

Ansonsten Seefahrt mit Aussicht auf Windpark.

Rückfahrt der Fähre nach ANHOLT: Schiebewind am Windpark GRENAA

Peter.

P.S.:
Die Tage 25-27 haben wir auch gelebt! Aber recht faul. Am Strand und so…

Rückreise. ANHOLT in Sicht, endlich!

Tag 20&21: Ballen

Das Wetter für die kommenden Tage wird nicht richtig hilfreich für die weitere Passage Richtung ANHOLT werden.

Warum dann nicht am Sonntag Nachmittag als Kaffeefahrt bei “fast Flaute” unter Maschine 18 Seemeilen nach BALLEN (SAMSÖ) dampfen?

Ja, ja, schon klar. Da wollten wir eigentlich nicht wieder hin. Liegt aber so schön strategisch für einen langen Schlag nach ANHOLT, da kommt der bekanntlich planerisch versessene Skipper einfach nicht dran vorbei. Und Vergangenheit ist sowieso Vergangenheit.

Kleiner Windpark von Samsö, die auf ihre autonome Energieversorgung stolz sind…

Das Groß als Stützsegel gesetzt, sieht ja auch besser aus. So ein Segelboot mit Segel dran. Die kurze Reise verläuft völlig ereignislos, der Hafen ist am späten Sonntagnachmittag nicht so leer wie gedacht und so gehen wir wieder auf unseren “Lieblingsplatz” aus dem vergangenen Jahr. Und lesen tatsächlich im eigenen Blog nach, wie man sich bei diesem digitalisiertem Liegeplatzsystem noch mal anmeldet. Schön das man immer noch vergessen kann, gell?

Sicherheitshalber wollen wir noch mal beim Supermarkt direkt am Hafen bunkern. Auf dem Rückweg muss der Skipper auf die Mannschaft warten, setzt sich bepackt mit seinem soeben erbeuteten vielen kleinen zylindrischen Metallcontainern auf eine Bank am Hafen und fragt sich was für eine Flüssigkeit in diesen kleinen zylindrischen Metallcontainern wohl so stecken mag? Mal ganz in Ruhe eine Probe ziehen…

Südspitze v,on Samsö

…während er also da so sitzt und darüber nachdenkt, das man die Flüssigkeit wohl doch besser kühlen sollte, beobachtet er am nahen Sanitärgebäude einen fremden Mann im mittleren Alter. Der Gestik nach zu urteilen irgendwie unzufrieden. Doch erst nach ein paar Minuten realisiert der Skipper, das der fremde Mann offenbar ein Deutscher ist. Doch was gibt es bloß an diesem lauschigen Sonntagabend in BALLEN zu benörgeln?

Die Blicke treffen sich, der Skipper, nach eigener Einschätzung durchaus erfahren in BALLEN-Aufenthalten, fragt ohne seine komfortable Bank zu verlassen den fremden Mann besorgt, was denn wohl los sei?

Der fremde Mann kommt auf ihn zu und klagt sein Leid: Er sei gerade erst angekommen und wolle seinen Liegeplatz bezahlen, bevor der Hafenmeister kommt und Strafgebühren erhebt. Doch da hänge nur so ein komischer C-PAY Automat herum, bei dem man eine Nummer eingeben könne. Eiserne Hafemmeister kenne er ja durchaus, aber dieses Modell sei ihm noch nie untergekommen.

Allee auf Samsö

Der Skipper grinst still in sich hinein und drückt dem fremden Mann erst mal einen seiner kleinen zylindrischen Metallcontainer in die Hand, bittet ihn Platz zu nehmen und prostet ihm beruhigend zu.

Immer hübsch der Reihe nach.

Da, wo das schicke Stahlboot des fremden Mannes liegt, sind die Liegeplätze ja noch gar nicht digitalisiert. Keine kaum lesbaren LED Anzeigetafeln, also kein C-PAY Liegeplatz. Freundlich weist der Skipper mit dem Arm auf das am Hafenende gelegene Büro des Hafenmeisters. Dort werde der fremde Mann die Sorte von eisernen Hafenmeistern finden, die er bisher aus Dänemark kenne. Der fremde Mann ist zunächst irritiert ob der vielen freundlich vorgetragenen Detailinformation, doch dann ist er fast spürbar erleichtert, beruhigt und dem Ankommen in einem fremden Hafen gebührend endlich entspannt.

Mittlerweile ist die Mannschaft des Skippers wieder aufgetaucht, gesellt sich zu der kleinen Herrenrunde am Hafen, verzichtet auf einen eigenen kleinen zylindrischen Metallcontainer, interessiert sich für den fremden Mann und erfährt: Er sei im Vorruhestand, vor einigen Jahren aus den Ruhrgebiet an die Schlei gezogen, kurz bevor die Immobilienpreise auch dort explodierten. Im letzten Jahr habe er sich dann seinen Dampfer gekauft und beschlossen, auf dem Meere zu reisen.

Gute Idee!

Haus am Strand von Samsö

Nun, ob der fortgeschrittenen Stunde und der immer noch währenden Sorge des fremden Mannes vor einem echten und womöglich kontrollierenden Hafenmeister möchte der nun nicht mehr so fremde Mann seine Pflicht als Neuankömmling endlich erfüllen, verabschiedet sich und bricht auf.

Der Skipper rafft seine verbliebenen kleinen zylindrischen Metallcontainer zusammen und trottet der Mannschaft hinterher zurück zum Boot.

Der STORMVOGEL ist an diesem Steg momentan das Einzige Boot.

Stehen auf dem Steg zwei uns den Rücken zukehrende Eis schleckende Menschen und betrachten unseren Dampfer. Erst als wir in ihrer unmittelbaren Nähe sind bemerken sie uns. Ist ja eigentlich auch keine Art, sich so von hinten anzuschleichen?

Was für ein wunderschönes Boot der STORMVOGEL denn wohl sei! Bis vor zwei Jahren hätten sie eine 40iger KOOPMANNS gesegelt, doch jetzt seien sie zu alt dafür und hätten sich, sie trauten es sich kaum zu sagen, ein Motorboot gekauft.

Wie jetzt, zu alt?

Noch ein Haus am Strand von Samsö

Mann und Frau sehen zwar älter aus als wir, aber doch nicht so alt?

Es stellt sich heraus, das die Frau gerade 80 Jahre alt geworden ist und der Mann zwei Jahre davor steht. Unglaublich und nur damit zu erklären, das sie zum einen sicherlich auf ihren Körper geachtet haben, zum anderen aber wohl auch, weil das Leben an Bord deutlich fitter hält als ein Leben auf dem heimischen Sofa.

Da Skipper und Mannschaft bekanntlich zu der Sorte der sehr toleranten Seglern gehören, die auch mit netten Motorbootfahrern gut klar kommen, ergibt sich ein weiterer kleiner Steg-Schnack. Der Mann ist Bestens informiert und hat unser Boot bereits geGOOGLEt. Steht schon länger zu Verkauf?

Ja, ach, was man dazu sagen?

Nun, der Mann gibt ernsthaft zu bedenken, das es kein zweites Leben gebe und man, so lange man könne, sein Leben auf dem Wasser verbringen solle. Genau aus diesem Grund hätten sie nicht einfach ihre KOOPMANS verkauft und sich auf ihr Sofa zurück gezogen, sondern einen brandneuen Motorkreuzer gekauft. Einfacher in der Handhabung und wohl auch in Verdrängerfahrt mit 6 Knoten brauchbar.

Soweit, so sympathisch und der Skipper steht kurz davor, eine Einladung zum Sundowner auszusprechen. Heute oder Morgen?

Doch dann erfahren wir von staatlich gelenkten Medien, die den Auftrag haben eine massive Coronapanik zu schüren, damit die Mächtigen der Welt ihre perfiden Pläne leichter umsetzten können. Dazu gebe es sogar ein offizielles, aber geheimes Strategiepapier der Bundesregierung, das nun im Internet verfügbar sei. Ob wir das wohl schon gelesen hätten?

Äh, nö?

Es mag am Inhalt der kleinen zylindrischen Metallcontainer gelegen haben oder an der späten Stunde. Doch mit einem Male werden Mannschaft und Skipper etwas einsilbig, verzichten auf Gegenrede und sehen zu, das sie ihre sieben Sachen an Bord bekommen. So verabschiedet man sich freundlich und jeder geht seiner Wege.

Ist es nicht beängstigend, das gut gebildete, gut situierte, gut alt gewordene Menschen absurde Verschwörungstheorien folgen? Vermutlich weil es so schön einfach ist?

Alles Blau-Grau in Samsö. Jedenfalls an diesem Tag.

BALLEN ist ein Ort, an dem man viele Menschen treffen kann!

Zumindest einen noch.

Tags darauf. Wir kommen gerade von einem ausgiebigen Spaziergang zurück und setzten uns auf die gastlichen Stühle des Hafenimbisses, der sich geschickt zwischen Strand und Hafen platziert hat. Die große Kamera liegt auf dem Tisch, damit sie nicht im Dreck liegen muss. Die Mannschaft hat Kaffee und Bier besorgt und wir bemitleiden unsere Füße.

Es erscheint Jens. Hagerer Däne mit wenig Zähnen, bestimmt über 60 Jahre alt, leicht zerlumpt, ein wenig mehr nur, als es der Skipper zu sein pflegt. Sein Aufreißerspruch: Was das denn wohl für eine verdammt große Kamera sei? Doch in Wahrheit hat er es wohl nur auf die Mannschaft ab gesehen, wie sich wenig später heraus stellt.
Zunächst verschwindet Jens am Tresen, Cola und Hot Dog organisieren. Er setzt sich an den Nebentisch und es entspinnt sich ein kleiner Schnack in einer radebrechenden Mixtur aus Dänisch, Englisch und sogar ein wenig Deutsch.
Schon nach dem zweiten Schluck Cola kommt Jens darauf, das ich ja wohl eine sehr schöne Frau hätte. Er habe keine. Es gab mal eine, früher, aber die sei schon lange weg. Wir verstehen, das es aus dieser Zeit wohl eine Tochter (oder war es ein Sohn?) gibt und er vor kurzem Opa geworden sei. Aber die würden alle auf dem Festland leben, kein Kontakt. Er suche noch nach einer neuen Frau, alleine sein wäre nicht so schön. Doch auf der Insel sei das alles nicht so einfach. Wir finden nicht heraus, was “das alles” wohl sein könnte. Denn kaum ist die Cola alle und der Hot Dog vertilgt, springt Jens mit einem Male auf, schnappt sich sein E-Bike und radelt los. Kein Tschüß, kein Auf Wiedersehen. Nix. Und wech.

Nun, die Idee mit dem Hot Dog war eine gute, die der Skipper nun nur zu gerne übernimmt. Kaum ist auch dieser Heiße Hund Geschichte verlassen wir unseren Rastplatz und pilgern zum Boot zurück. Mit einem Male sehen wir wieder Jens auf seinem E-Bike. Aber er uns nicht.

Sucht wohl immer noch am Hafen nach einer neuen Frau.

Ob das wohl der richtige Ort ist?

Peter.

Tag 54 bis 56: Drei auf einen Streich

Die drei sind Marstrand, Vrängö und Anholt, letzteres sicher ein kleiner Frevel.

Doch der Reihe nach:

Der Gast steigt planmäßig in Marstrand aus und wird mit dem Bus nach Göteborg, mit der Fähre nach Kiel und mit der Bahn nach Elmshorn reisen. Der Mannschaft ist der Trennungsschmerz anzumerken und auch der Skipper sorgt sich ein wenig, ob der Gast denn wirklich diese komplizierte Reiseroute meistern wird. Doch, wie immer, hilft Rationalität: Der Gast ist nicht nur einfach Kind. Wird er ja auch ewig bleiben. Nein, er ist mittlerweile selbst ein erfahrener Reisender, der hat schon ganz andere Wege in der Welt zurück gelegt.

Abschied, ein wenig Wehmut, doch wir werden uns ja schon bald wieder sehen.

Es ist bereits Nachsaison in Marstrand, doch der Liegeplatz ist super-teuer im Vergleich zu einem Ankerplatz. (Toller Vergleich, oder?) Der Unterschied liegt jedoch nicht nur einfach im Preis. Die Nutzung der Waschmaschinen im Hafenhaus ist mittlerweile im Liegegeld enthalten und so waschen wir tapfer 4 (in Worten VIER) Ladungen und trocknen sie auch gleich. Schon erscheint einem das Liegegeld sehr angemessen, geradezu attraktiv! Doch wir würden nicht soweit gehen, das man nach Marstrand gehen sollte, um seine Wäsche zu waschen.

Eine kurze Abkühlung an der nahe gelegenen Badestelle, eine leckere Pizza am Hafen in neuer alter Zweisamkeit und die Entscheidung, am kommenden Tag nach Vrängö, südlich von Göteborg zu gehen.

Einmal mehr vollständig unter Maschine.

Auf dem Weg dorthin scouten wir zwar noch die eine oder andere alternative Ankerbucht, doch an einem Sommerwochenende in der Nähe von Göteborg braucht man wohl nicht ernsthaft nach Ruhe und Abgeschiedenheit zu suchen. Jeder Schwede hat mindestens ein Boot. Und wenn die Sonne scheint, ist er damit unterwegs. Logisch.

Eigentlich wollen wir in den netten kleinen Hafen von Vrängö, doch gleich gegenüber der Hafeneinfahrt liegen ein paar Boote bei nahezu völlig glattem Wasser auf Anker. Ein Blick in die Seekarte verrät, das man hier ganz gut aufpassen muss: Ein Felsen mit 1 Meter Wasser darüber, ein anderer mit 1,5 Meter. Gut, das sich Felsen in der Regel nicht bewegen und man diese Untiefen mit langsamer Fahrt und Sicherheitsabstand gut umschiffen kann.

Wir ankern etwas zu nah an einem Tagesausflügler auf 6 Meter Wasser (57° 34,8’N 11° 45,4’E) vor den unbewohnten Felseninseln Lockholmen, Mavholmen und Mavholmeskar. Der Tagesausflüger geht am späten Nachmittag Anker auf und so liegen wir ohne eigenes Zutun perfekt.

Keine Quallen in Sicht und der Skipper stürzt sich erst mal tapfer in die Fluten.

Benötigt er doch ein wenig Abkühlung, denn er muss sich endlich mal entscheiden:
Wir wollen stramm nach Süden. Aber hier oben im Kattegatt ist auf Tage hinaus kein Segelwind angesagt. Einfach gar kein Wind. Erst südlich von Anholt wird es wieder wehen. Nun könnte man Stur hier liegen bleiben und warten…oder unter Maschine die 55 Seemeilen nach Anholt abspulen und direkt am folgenden Tag unter Segeln gut nach Samsö kommen.

Keine leichte Kiste. Selbst wenn man die naheliegenden Termine mit einem kurzen Landabstecher per Mietwagen erledigen könnte, Mitte September wäre unsere Segelsaion sowieso vorbei, da die Mannschaft zur Reparatur muss und zwei, drei Wochen ausfällt.

Außer in den Schären sind wir in dieser Saison nicht besonders viel motort und so entscheidet sich der Skipper am späteren Abend für die klassische Form des Niederländischen Segelns: Motorsegeln.

Die Mannschaft ist´s zufrieden. Hauptsache Süd!

Sehr früh los, gegen 6:00 Uhr. Herrlich. Diese Stille! Einmalige Stimmung am frühen Morgen, nur der Wind fehlt. Die letzten Felsen an der schwedischen Südwestküste, dann bis zum Horizont nur noch Wasser. Jede Menge blaues Wasser. Auch mal wieder gut zu sehen.

Wir setzten und trimmen das Groß und machen später dadurch gut 0,5 bis 1,0 Knoten mehr Fahrt. Durch den seit Tagen fehlenden Wind gibt es auch absolut keine Welle. Wie ungewöhnlich auf dem offenen Meer. Die Schifffahrtswege passieren wir ohne Ausweichmanöver.

Irgendwann am Nachmittag kommen wir auf Anholt an. Das Wochenende ist vorbei, die dänischen Ferien auch. Ergebnis: Der Hafen ist nur zu einem drittel belegt und fest in deutscher Hand. Schnell den Dampfer aufgeklart, noch ein paar Sachen einkaufen (…der Laden am Hafen ist noch geöffnet!) und dann geschwind an den einmaligen Strand in das einmalige Wasser! Wenigstens für eine Stunde oder so. Mitnehmen, was geht.

Die Mannschaft bleibt unternehmungslustig und wir pilgern später zum Sundowner in die Orakel Bar am Hafen. Noch einen Sonnenuntergang ansehen. Hatten ja in diesem Jahr erst 1.000 oder so. Der Skipper, experimentierfreudig wie er nun mal ist, möchte standesgemäß einen roten Cocktail im tiefroten Abendrot genießen und beauftragt die Mannschaft, eine Bloody Mary am Tresen zu beschaffen.

Ein Fehler, wie sich kurze Zeit später heraus stellt.

Denn offenbar hat die Mannschaft den Barmixer bestochen und ihn dazu veranlasst, beim Mixen auf jeglichen Wodka zu verzichten und so sitzt der Skipper leicht betrübt im Abendrot mit seinem vereisten Tomatensaft, während die Mannschaft frohlockend an ihrem leckeren kalten Bier nippt.

Es gibt halt wirklich nichts ehrlicheres als ein einfaches, kaltes, frisch gezapftes Bier.

Peter.

Tag 30, Anholt

Dieses Geheule der Masten im Wind in einen Yachthafen geht einem irgendwann unglaublich auf den Keks. Wer das verneint, muss taub sein. Oder permanent betrunken. Oder unglaublich abgestumpft.

Die Wettervorhersage verspricht einen leichten Wechsel von Nord-West (NW) auf West (W) bei abnehmenden Wind, aber ob das wirklich so kommt? Daher laufen wir aus und gehen unter Maschine außerhalb des Fahrwassers gut 10 Seemeilen nach Nordwest zum Ausgang des Öresunds. Erst hier setzten wir Segel, Vollzeug, und stellen den Brüllaffen im Keller ab. Am Wind, gemäßigt, direkter Kurs. Läuft gut, aber noch jede Menge Meilen vor uns. 40 oder so?

Die Mannschaft macht Frühstück. Das hat sich so in den letzten Wochen eingependelt. Nach dem Aufstehen einen Kaffee, das Ablegemanöver besprechen, die Navigation klar machen und natürlich das Deck Seeklar. Dann ein Blick in den Maschinenraum. Rational völlig überflüssig, dieser tägliche Blick nach dem Brüllaffen. Der kann da ja nicht weg. Aber diesen Kuddel, diese Umarmung, diese Anerkenntnis von täglichen Respekt über die Leistung, die der Brüllaffe in völliger Dunkelheit und Einsamkeit da erbringen muss, hilft. Maschinen wollen geliebt werden. Dann funktionieren sie. Ignoriert man sie, sind sie beleidigt und verweigern ihren Dienst. Meist ohne Ankündigung. Woher ich solche Weisheiten habe? Von Robbie, den australischen Motorbootfahrer und wohl Besten Maschinenflüsterer weltweit (Entschuldige Wolfgang!). Auch nach vielen Jahren halte ich seine Ratschläge in Ehren. Und folge ihnen unbedingt, ohne Zweifel.

Nun, wir segeln also so dahin, irgendwann wird es dem Skipper langweilig. Der Mannschaft wird nie langweilig. Wir haben ca. 1.000 Bücher (mehr oder weniger) an Bord und nach getaner Versorgungsarbeit wird gelesen, was das Zeug hält. Der Skipper bildet sich ein, das Boot fahren zu müssen. Schiffsverkehr, Segeltrimm, Navigation. Da kommt keine Lust nach Buch auf. Aber Musik. Musik geht immer!

Bald haben wir den Radarturm von Anholt am Horizont, dann schält sich langsam der kleine Westhügel vom Horizont, man erkennt ganz im Osten den dortigen Leuchtturm. Nach gut 4 Stunden überholen wir endlich eine 11 Meter Yacht, an der wir ewig dran sind. Segelt verdammt gut, das Teil. Andere Boote kommen in Sicht, die meisten aus Richtung Grena. Die Mannschaft wird unruhig. Bekommen wir noch einen Platz in dem in der Regel im Sommer übervollen Hafen? Der Skipper ist sicher: Klar, irgendwas geht immer.

Nun, wir tricksen. Wir umfahren nicht die weiträumigen Flachs, wir gehen mit direktem Zielkurs auf die Hafeneinfahrt darüber. Als wir das Groß bergen sehen wir mal kurz 2,60 Meter auf dem Lot. Na ja, das ist wirklich wenig. Aber unter uns. Stehen könnte man immer noch nicht. Alle anderen gehen weit umzu und so laufen wir alleine in den Hafen ein. Sieht nicht wirklich voll aus. Die Mannschaft ist erleichtert.
Der Skipper auch, hat man doch mittlerweile Schilder angebracht, welche Bootslänge wo hin soll. Da, wo wir hin sollen ist Platz, eine Heckboje schwimmt da auch noch rum und los gehts. Wie immer bisher, mit dem Heck an Land. So wird die Heckboje zur Bugboje. Das Manöver klappt exzellent und in einer Art Großzügigkeit lasse ich den herbei geeilten Helfer die Luv-Heckleine um den Poller legen. Hätte ich auch selbst hin bekommen. Aber, na ja. Bei allem Vorsatz zum selber können muss man ja die Helfer nicht vor dem Kopf stoßen.

Wir sind fest und das erste Anlegerbier ist schon im Hals, da kommt eine 55 Fuß Halberg Rassy aus Norwegen. Auch zwei Personen an Bord. Sondiert die Lage, will neben uns. Viel Platz und gleich noch zwei Bojen frei. Doch schon beim ersten Anlauf wird klar, das die beiden neu im Geschäft sind. Der Skipper peilt zwar eine Boje an, seine Mannschaft soll den Riesendampfer mit dem Bootshaken dran fest halten. Nun, wer außer dem unheimlichen Hulk hält schon geschätzet 25 Tonnen mit der Hand fest? Im zweiten Anlauf werden mehrere male die Bojen überfahren und ich rufe den Norweger, hoch oben über allem sitzend und nichts ahnenden, an und teile ihm meine Sorge um seinen Propeller mit. Er gibt zu verstehen, das er dieses Mooringsystem nicht kenne und ich rufe zurück: Kein Problem: Platz genug, Zeit genug, kann nix passieren.
Anlauf drei und vier misslingen auch. Kommt ein Dingi vorbei, fädelt die Leinen in die Bojen ein und spielt auch noch Bugsierschlepper, um den Dampfer in Position zu halten. Die Heckleinen gehen an Land und eigentlich ist alles klar. Doch dann fällt dem Skipper auf, das sie so nicht an Land kommen können: In den riesigen Davits am Heck hängt ein riesiges Dingi, voll Wasser gelaufen im übrigen. Also helfen wir auch noch beim zu Wasser lassen des Dingis und nun endlich ist auch dieser Supertanker fest.

Der Norweger berichtet, er sei früh´ am Morgen aus Kopenhagen aufgebrochen und habe uns lange auf AIS verfolgt. Wollte uns überholen, hätte es wohl auch fast geschafft, wenn er über die Flachs hätte gehen können. Kopenhagen – Anholt in one go. Not bad, not bad!

Und weil wir Deutschen ja so gerne in Misserfolgen baden, Dinge schlechter machen als sie eigentlich sind, endlos klagen auf dem höchsten aller Nivaus bespreche ich in aller Ruhe mit meiner Mannschaft, was aus meiner Sicht bei dem Norweger alles schief gegangen ist und weise eindringlich darauf hin, das meine Mannschaft im ersten Anlauf die Leine selbst an die Boje bekommen hat und wir völlig ohne Probleme, 30 Minuten zuvor, das Boot fest bekommen haben. Wir können das. Wenn wir uns konzentrieren, mitdenken und aufpassen.

Der Abend ist malerisch schön, jedenfalls wenn der Wind auf der Hafenmeile ein wenig von den Gebäuden abgedeckt wird.

Der folgende Tag besteht aus Schrauben, Schrauben und nochmals Schrauben. Kann man im aktuellen Lagebericht nachlesen. Ferner bietet die Außenwelt Starkwind, Regenschauer und Nieselregen. Erst am frühen Abend klart es etwas auf, die Schrauberei hat ein Ende und flanieren wieder am Fähranleger. Schon schön hier, auch wenn es sich schwer nach Herbst anfühlt.

Die Vorhersage für den folgenden Tag verspricht optimalen Wind für den Schlag nach Laesö. Wieder viel Wind, aber was soll das?

Es ist in Wirklichkeit doch so: Der viele Wind macht dem Stormvogel nichts aus. Entsprechend gerefft und getrimmt läuft er beruhigend stabil. Nur die Hafenmanöver in den engen Boxengassen und Fahrwassern machen bei viel Wind Streß.

Aber da kann das Boot nix dafür.

Das gehört ja auch nicht hier hin.

Peter.

P.S.: Keine Bilder. War irgendwie nix mit fotografieren. Noch nicht mal ein Liegeplatzbild. Wie doof. Entschuldigung.