Archiv der Kategorie: Kultur

Transatlantic

Seit Wochen höre ich Transatlantic.

Wenn man es genau nimmt, ergibt die Addition der Wochen Monate. Sogar mehrere Monate. Vielleicht drei oder vier?

Meine erste Transatlantic CD Kaleidoscope habe ich schon Jahre. 2014 erschienen, da waren wir noch mit dem Segelboot unterwegs und ich war anderweitig beschäftigt. Gekauft wurde die CD Ende 2016 auf der ewigen Suche nach neuer Musik. Als die CD dann hier ankam einmal gehört, doof gefunden und ins Regal gestellt.
Im letzten Jahr, immer noch auf der ewigen Suche nach neuer Musik in einer anderen Lebenssituation eben jene CD aus dem Regal mal wieder in den CD Spieler gesteckt und für gut, später fürsehr gut und noch später sogar für sehr, sehr gut befunden. Wie der Geschmack sich doch ändern kann…oder das emotionale Lebenselexier Musik auch zum jeweiligen Leben passen muss, um für gut befunden werden?

Nun, auf die Studio-CD Kaleidoscope folgte eine echte Welttournee von Transatlanic, die zur Live-CD KaLIVEoscope führte. Klar, wenn man Studio schon gut fand, kauft man Live. Zumal es im Marillion-Shop auch die Deluxe-Box mit einem in Köln gefilmten Konzert gibt. Ebenfalls aus 2014. Das ist insofern doof, als das wir nicht dabei sein konnten. Da waren wir irgendwo in Indonesien, glaube ich. Da gab es auch viel Musik und Karaoke stand ganz oben auf der Liste. Das war aber ganz andere Musik. Wie kann man sich eigentlich darüber ärgern, das man vor Jahren nicht da war, wo man, Jahre später betrachtet, wohl hätte auch sein wollen?

Zeitreisen gehen nicht.

Bleibt also als Ersatz nur der große Fernseher, die große 5.1 Audioanlage und das immer da währende große Sofa. Und während man sich so der Musik hingibt fällt auf, das man als Frau hätte geboren werden müssen. Denn nur so könnte man die Funktion als mitreisendes Groupie einer Supergroup erfüllen, jedenfalls in erster Näherung. Das wäre in diesem Fall insofern wichtig gewesen, als dass das Köln-Konzert ja ganz nett auf DVD und BLURAY gebannt wurde, doch der Knaller war ganz offenkundig das Konzert in Tilburg. Das wurde in der gleichen Box auf CD gebannt und enthält neben dem wohl Besten Prog-Rock Publikum der Welt auch einen dort aufgenommenen extra-Bonus-Track, der Letzte von allen, nach gut drei Stunden Konzert, der es Wert ist, mindestens einmal am Tag gespielt zu werden (“All these things above / Stranger in your soul“). Die Version aus Köln (auf der DVD) fällt weit dagegen ab. Das ist live in echt: Mal so, mal so. Die letzten paar Minuten (ab 18:15) sind das grandioseste, was ich in meinem Leben bisher gehört habe. Jedenfalls meine ich das zur Zeit.

Mit dieser Feststellung stehe ich alleine.

Jedenfalls in dieser meiner Familie.

Das mit Sicherheit qualifizierteste, weil Bestens ausgebildet und als erfolgreicher Jungmusiker weltweit unterwegs befindliche jüngste Familienmitglied ließ sich anlässlich eines Kurzbesuches an Bord unserer luxuriösen Segelyacht in den Schwedischen Westschären in diesem Jahr zu folgender, nur aus der Erinnerung zu zitierender Aussage, hinreißen:

“Das ist ja clever! 20 Minuten Tracks nur um die längsten Gitarrensoli der Welt darin unterzubringen!”

Ach, diese Jugend!

Was soll man dazu sagen? Was kann man dazu sagen? An diesem lauen Sommerabend, in den Schären, umzingelt von Mücken auf dem Wasser erst mal nichts. Ich bin sicher, mit etwas mehr Aufmerksamkeit würde auch dieser junge Musiker das Werk, die Werte des Werkes anderer erkennen können.

Denn Transatlantic ist ja nicht wirklich irgend so eine daher gekommene Combo.

Transaltantic ist eine so genannte Supergroup!

Dabei ist “Super” wohl nicht als besonderes Qualitätsmerkmal gemeint, sondern eher dem Umstand geschuldet, das die vier Musiker eigentlich, so im täglichen Leben, in anderen Bands und Projekten ihr Dasein verdingen.

Also “Super” als über allem erhobene Metaebene. Als leidenschaftliches Hobby sozusagen.

Oh, ich bin Musiker, in meiner Band geht es gerade nicht so richtig weiter, was könnte ich außer Musik schon machen?

Musik! Musik, mit anderen! Neue, andere Musik, als Ergebnis eines anderen Künstlerkollektivs. Musik!

Nun, es mag sein, das Pete Trewavas, seines Zeichens ewiger Bassist von Marillion eben diese jene Gedanken trieb. Vielleicht war es wie so oft auch nur künstlerischer Größenwahn? Warum nur bei Marillion das Bass zupfen? Da geht doch mehr? Da muss doch mehr gehen?
Doch daran glaube ich nicht. So einer ist Pete Trewavas eher nicht. Kommt in Interviews und auf der Bühne eher sympathisch schüchtern rüber. Ich denke, ihm geht wahrhaftig um die Musik.

Nun, gehen wir also davon aus und erklären, das neben dem Briten auch noch der Schwede Roine Stolt mitspielt. An der Gitarre. An der grandiosen, an Understatement nicht zu überbietenden Gitarre. Der Mann hat eigentlich seine eigene Band The Flower Kings. Aber wohl auch zu viel Zeit. Oder, was besser wäre: Zu viel Musik im Hirn, die irgendwie raus muss!

Zum Glück, kann ich da nur sagen!

Damit wäre also diese Seite des Atlantiks geklärt.

Doch die Band heißt Transatlantic.

TRANS!

Also muss es wohl auch irgendwie um die andere Seite des Ozeans gehen. Das tut es auch in Form von zwei ganz besonderen amerikanischen Musikern, die so ziemlich anders sind als die beiden Europäer. Der Schlagzeuger Mike Portnoy (ex. Dream Theater) ist wohl eher auch gar kein Mensch. Er ist vermutlich ein außerordentlich gutes extrovertiertes Schlagzeugtier. Endlich mal wieder einer, der ordentlich drauf haut!
Der Herr an den Tasten, Neal Morese (ex. Spocks Beard), ist wohl so was wie die musikalisch treibende Kraft und übertrifft das Schlagzeugtier in der Selbstdarstellung auf der Bühne um ein vielfaches. Doch das sind, bei beiden, nur Äußerlichkeiten. Amerikaner halt. Schillernd. Laut. Was soll man machen? Nichts, denn was zählt ist: Allesamt exzellente Musiker.

Wer trotz Rock, Jazz und Prog-Rock immer wieder grandiose Harmonien, oft sogar viertstimmige Gesangsharmonieen an den richtigen Stellen hin bekommt, der hat es wohl echt drauf. Und das auch noch live. Das ist Können. Das ist Exzellenz!

Das ist sowieso etwas besonderes an Transatlantic: Neben dem hervorragendem bespielen des eigenen Instruments können alle singen. Richtig singen! Gemeinsam, im Chor. Einzeln, in Passagen oder im ganzen Stück. Fast könnte man meinen, das ist verabredet. Damit es eben nicht den einen gibt, der immer vorne im Scheinwerfer steht und alleine den Ruhm einheimst. Für Musikmänner im fortgeschrittenen Alter durchaus eine gute Idee. Zumal, wenn es alle drauf haben!

Wir nähern uns, trotz der ungebremsten Begeisterung einem Problem. Wie sollte es auch anders sein?

Mitglieder einer Supergroup haben natürlich eine ganze Reihe von anderen Verpflichtungen. Das bremst das gemeinsame musizieren in einer Supergroup wohl ordentlich aus. Und so hat Transatlantic seit 2014 auch nichts neues mehr gemacht und war auch nicht mehr live unterwegs. Das ist für den Moment noch nicht weiter beunruhigend, denn es gab bereits mal sechs Jahre zwischen 2003 und 2009 in denen sich nichts neues bei Transatlantic tat. Doch diese Zeit läuft nun unweigerlich ab und ich hoffe sehr, der Coronawahnsinn führt auch bei diesen vier Musikern zu neuen Ergebnissen.

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter:
Ich hoffe sehr, es gibt noch mindestens eine weitere Tour von Transatlantic, die ich dann erleben kann. Nicht als mitreisendes Groupie, sondern ganz normal als übergewichtiger Musikliebhaber mittlerem Alters, aber, und das ist wichtig, als einer mit vollem Haar!

Peter.

P.S.:
In Ermangelung eigener Bilder von Transatlantic habe ich diesen Beitrag einfach mit Bildern unserer beiden Atlantiküberquerungen illustriert. Klar, nicht wirklich die gleiche Abteilung. Aber sicher OK. Auf den Links in diesem Beitrag kann man sich auch so ein Bild von den Leuten machen.

Bei YOUTUBE könnte man sich mal zum Einstieg die verschiedenen Versionen von “We all need some light” ansehen. Vielleicht in dieser Reihenfolge:

Köln 2014

London 2010

Tilburg 2001

ACHTUNG KULTUR: Seemann – Rammstein

Das Lied ist 20 Jahre alt – echt!

Es ist nicht so, das es so lange dauert bis sehr gute Musik bei mir ankommt. Aber RAMMSTEIN hat es hin bekommen, das ihre Veröffentlichungen immer im Hochpreissegment angesiedelt waren und niemals verramscht werden mussten. Und ich habe (aus Überzeugung) meine Limits.
Nun denn, irgendwann ist mir bei dem ICH BIN DOCH NICHT BLÖD Laden im Grabbeltisch die DVD “LIVE AUS BERLIN” in die Hände gefallen. Gesehen, gekauft.

Keine Ahnung, ob SILBERMOND bei “DAS ENDE VOM KREIS” hier musikalische Anleihen genommen haben, aber bei SEEMANN ist der von Oliver Riedel exzellent gespielte Bass das tragende Element.
Klar, Gesang, Gitarre und Monsterschlagzeug sind auch vorhanden. Aber eher als Kontrapunkt zum sehr ruhigen Basspiel.

Der Text:

====== SCHNIP / SCHNAP =======
Seemann von Ramstein
Text und Musik: Oilver Riedel, Christian Lorenz, Christoph Schneider, Richard Kruspe, Paul Landers und Till  Lindemann

(01) Komm in mein Boot
(02) Ein Sturm kommt auf und es wird Nacht
(03) Wo willst du hin
(04) So ganz allein treibst du davon
(05) Wer hält deine Hand
(06) Wenn es dich nach unten zieht
(07) Wo willst du hin
(08) So uferlos die kalte See
(09) Komm in mein Boot
(10) Der Herbstwind hält die Segel straff

(11) Jetzt stehst du da an der Laterne
(12) Mit Tränen im Gesicht
(13) Das Tageslicht fällt auf die Seite
(14) Der Herbstwind fegt die Straße leer
(15) Jetzt stehst du da an der Laterne
(16) Hast Tränen im Gesicht
(17) Das Abendlicht verjagt die Schatten
(18) Die Zeit steht still und es wird Herbst

(19) Komm in mein Boot
(20) Die Sehnsucht wird der Steuermann
(21) Komm in mein Boot
(22) Der beste Seemann war doch ich

(23) Jetzt stehst du da an der Laterne
(24) Hast Tränen im Gesicht
(25) Das Feuer nimmst du von der Kerze
(26) Die Zeit steht still und es wird Herbst

(27) Sie sprachen nur von deiner Mutter
(28) So gnadenlos ist nur die Nacht
(29) Am Ende bleib ich doch alleine
(30) Die Zeit steht still
(31) Und mir ist kalt

====== SCHNIP / SCHNAP =======

Der Text beschreibt eine gewisse Einsamkeit, gar Traurigkeit, Hilfsbedürftigkeit. Macht aber auch ein helfendes Angebot. Das ist doch schön. Stutzig sollte der Hilfesuchende allerdings bei Zeile (22) werden: Kein noch so guter Seemann würde sich selbst als den “Besten” bezeichnen.
Die Sehnsucht als Steuermann hingegen (Zeile (20)) ist eine gute Besetzung. Die Sehnsucht nach dem anderen, nach dem unentdeckten, dem neuen, ist immer ein guter Antrieb. Sie gibt die Richtung vor, die zu allem außerhalb des bekannten führt.

Alle Kontroversen über RAMMSTEIN und deren Texte sind Nonsens. Wer so mit dieser unseren deutschen Sprache umgehen kann ist schlicht unantastbar.

Bei der Recherche zu diesem Beitrag ist mit eine Coverversion von SEEMANN von APOCALYPTICA und NINA HAGEN über den Weg gelaufen, die ich tatsächlich nicht kannte. Die Musik, na ja. Der Gesang von NINA HAGEN – genial. Gut, mal wieder von Frau Hagen zu hören!

Peter.

MARILLION – THE NEW KINGS

Auf den sehr ruhigen Nachtwachen während unserer ATLANTIK Überquerung im Januar 2016 auf MV SOUTHERN STAR habe ich einen kleinen Aufsatz mit dem Titel “MARILLION und ICH” geschrieben. War mir ein Bedürfnis.
Die deutsche Fraktion der weltweit organisierten MARILLION Fanclubs mit Namen “THE WEB GERMANY” hat den Aufsatz nun überarbeitet, leicht gekürzt und im aktuellen Magazin “MADE AGAIN” in der Rubrik “FROM YESTERDAY TILL TODAY” veröffentlicht.

Am Textende wünschte ich mir so sehr die baldige Veröffentlichung von #18 – dem achtzehnten (!) Album meiner musikalischen Helden. 18 war damals noch der Arbeitstitel – schon länger hat die neue Scheibe sogar einen richtigen Namen. Die Abkürzung lautet “F.E.A.R.” und steht für “FUCK EVERYONE AND RUN” – und FUCK meint dabei keine sexuelle Handlung. Das ist anders als bei GARDEN PARTY 1983. Der neue Titel steht vielmehr für die allgemeine Verarschung der ganz normal Steuerzahlenden Arbeitnehmer in aller Welt – und den wirklich Reichen, die merkwürdiger Weise immer reicher werden. Einfach, weil man mit Geld Geld machen kann – auch ohne zu arbeiten.
Eine inhaltliche Auseinandersetzung und Erläuterung zum sehr scharfen, aber herrlich süßlich-entspannt vorgetragenen Text findet man hier (in Englisch).

Nun, das sehnsüchtig erwartete Album F.E.A.R. erscheint leider erst am 23. September 2016. Kann man machen nix.

Aber für treue Fans (…also als blind auf Lieferung vertrauender Vorkasse zahlender Vorbesteller eines neuen unbekannten Werkes der so hochverehrten Musiker) gab es nun vorab schon mal den nagelneuen Titel “THE NEW KINGS” zum download. Das ist zum Glück ein MARILLION Longplayer, schlappe 16:30 Minuten lang. Andere würden daraus eine Mini-LP machen 😉

Offenbar hat von diesem Ereignis nur ein Radiosender bisher Notiz davon genommen?

Hallo? Aufwachen?

Ah, kommt bestimmt noch zum September. (Hoffentlich.)

Tja, und irgendwie habe ich es geschafft, die 38,5 Megabyte herunter zu laden und so in das Bordradio des STORMVOGELS einzuspeisen, das ich den nagelneuen MARILLION Titel in Endlosschleife abspielen kann.

Die Erlösung!

Die Krönung!

Die Begeisterung!

Die Freude!

Meine ad-hoc Highlight-Textzeilen sind:

I WILL TELL YOU A TAIL –
WE ARE TOO BIG TO FAIL –
AND WHEN WE DO ITS DOWN TO YOU

FUCK EVERYONE AND RUN

YOU ARE LIVING FOR THE NEW KING

Musikalisch allererste Sahne. Die ausgedehnten Instrumentalpassagen machen wie üblich Platz für eigene Gedanken und die Tempo und Rhythmuswechsel lassen keine Langeweile aufkommen.
Das muss man erst mal bringen: In Minute 15:59, einunddreißig Sekunden vor Schluss noch eine neue Melodie (geschätzt die fünfte) und neues, schnelleres Tempo. Irre. Irre gut!

Für alle noch nicht süchtigen hat MARILLION auf YOUTUBE eine sechs-minütige Hörprobe in Netz gestellt.

Aber ein jeder ungläubiger sei gewarnt:
Könnte süchtig machen. Wer das normale Radiogedudel nicht mehr hören kann und auf der Suche nach wirklich neuer Musik ist – am 23. September 2016 F.E.A.R. kaufen und bis Jahresende in Endlosschleife auf allen Wiedergabegeräten abspielen! Oder auch direkt auf ein Konzert gehen – die Tourdaten gibt es hier.

Stoppt akustische Umweltverschmutzung!

Spielt MARILLION!

Peter.

P.S.:
Ich sag’ nur LONDON, 4. Dezember 2016.

ACHTUNG Kultur: FISCH IM WASSER – NINA HAGEN

Mal wieder Kultur, mal wieder was klassisches, wie immer in Deutsch.

Von der damals überragenden NINA HAGEN. Heute mal etwas anders präsentiert – diesmal in Wort und Bild:

FISCH IM WASSER

(01) Sie will ein Fisch im Wasser sein
(02) Im flaschengrünen, tiefen See
(03) Sie will mit Wasser sich besaufen
(04) Und paar Blasen blubbern lassen

(05) Was sie dann will,
(06) Das ist mit Neptun schweigen
(07) Und in Ruhe tun, was sie sonst nie tut
(08) Was sie sonst nicht kann und soll

fisch_0011

Oder doch lieber kein Fisch? 😉

P.S. 1:
Befragte man den Fisch, so wäre er sicher lieber im Wasser geblieben. Aber die Suche nach Nahrung trieb ihn in die Arme eines Fischers. Der, ebenfalls auf der Suche nach Nahrung, verkauft ihn recht günstig an uns, die, wie wir nun mal eben sind, auch auf permanenter Nahrungssuche sind.

Und so verwandelt sich der ehemals stolze Fisch mittels Messer und Fleischwolf in kurzer Zeit in einige nicht mehr ganz so stolze Fischfrikadellen.

fisch_0016

Aber lecker, lecker sind sie dann doch 😉

Peter.

P.S.2: Aus der Ferne ein Geburtstagsgruß nach Köln. 80 Jahre. Nicht schlecht, nicht schlecht. Herzlichen Glückwunsch!

ACHTUNG Kultur: Dass Da Was War – Marius Müller-Westernhagen

Wieder eine echt alte, aber unvergessene Scheibe – “DASS DA WAS WAR” habe ich in VINYL auf der LP “Das Herz eines Boxers”. Nach meiner Erinnerung war die Langspielplatte (kurz LP genannt) im Radio insgesamt ein echter Flop und Herr Müller-Westernhagen verschwand für eine Weile in der medialen Versenkung…bis er Jahre später mit SEXY um so erfolgreicher aus eben jeder wieder aufzutauchen.Also es war im Jahr (ich glaube) 1982:

Ich war 17 und sie war äeinnundreisssig (die Aussprache entscheidet!) und über Liebe, wusste ich nicht viel…

…ach Mist, anderes Lied, gar nicht zu diesem Text hier passend und zuletzt leicht angeschäkert lauthals vor Anker liegend mit einem Britischen (denen mussten wir diesen Klassiker beibringen!) und einem Deutschen Paar (die kannten den, natürlich!) in der Bucht von RODNEY BAY, SAINT LUCIA zum Besten gegeben…

…also zum viel ernsteren und bedeutenderen “DAS DA WAS WAR”:

Es muss wirklich Anfang der 80´iger gewesen sein, als ich mir diese Platte gekauft habe. Den Text fand ich immer sehr gut – er hat so was von unersättlich, vom permanenten Maximum, vom alles haben wollen, vom alles machen wollen. OK, er sagt nichts darüber aus, wie und womit man die so anfallende Zeche bezahlen soll, aber er formuliert ganz klar:

LEBE DAS LEBEN UND LASSE NICHTS AUS, IN DIE SCHWARZE KISTE SPRINGST DU NOCH FRÜH GENUG!

Der Text:

================ SCHNIP / SCHNAP =====================
Musik: Michael Schenkenberg, Text: Marius Müller-Westernhagen

DASS DA WAS WAR

(01) Ich liebe den Wind, das Land, die Alleen und ich möchte schwimmen in allen Seen
(02) Ich möchte die Welt zur Verfügung haben und auf dem Rücken aller Pferde traben

(03) Ich möchte sein wie eine Luft und den Kosmos möchte ich mir einverleiben
(04) Von allen Musiken der ganzen Welt hätte ich so gern die schwarzen Scheiben

(05) Man muss  sich kneifen und weiß, man ist da und wenn man dann tot ist, dass da was war

(06) Warum nicht in den Häusern Chinas liegen dem China, so, wie es niemals war
(07) Ich möchte nie mehr die Menschen belügen und weise sein in einem Jahr

(08) Man muss sich kneifen und weiß, man ist da und wenn man dann tot ist, dass da was war

(09) Von allen Zeiten ein Zeuge sein und alles sehen und alles wissen
(10) Kein Tabu und keine Grenzen ich möchte vom Leben gar nichts missen

(11) Man muss sich kneifen und weiß, man ist da und wenn man dann tot ist, dass da was war
================ SCHNIP / SCHNAP =====================

Irgendwie hat mich Zeile (04) infiziert – mittlerweile habe ich echt viele “Scheiben” – längst nicht mehr alle schwarz, viele auch silbern. Ich liebe es, die Alben beim hören der Musik in den Händen zu halten und wo möglich, den Text mit zu lesen. In Zeiten von CD Inlets heutzutage nur noch mit Lupe möglich, aber doch wirklich ein tolles Stück Technik, das man Text so klein drucken kann, oder?

Tja, und das mit dem “Man muss sich kneifen…” im Refrain ist mittlerweile Wirklichkeit geworden:
Durchaus mehr als einmal kam mir (besser: Uns, Heidi auch) der Gedanke: Wahnsinn, kneif mich, jetzt! Wir stehen hier an diesem xyz Ort der Welt, hätten uns das vor ein paar Jahren nie träumen lassen und möchten das bisher Erlebte auf keinen Fall mehr missen!

Obwohl wir auf unserer Reise jede Menge Geld ausgeben, habe ich den Eindruck, ich werde reicher.

Peter.

ACHTUNG Kultur: Harte Männer weinen nicht – FEE

Die Neue Deutsche Welle hat damals viele, viele Bands mit sehr
interessanten Texten und guter Musik in die Radios gespült und bewiesen,
das man sehr gute Musik auch in Deutscher Sprache machen kann. Heute
selbstverständlich, früher neu.

Die Band FEE (ich glaube, aus Osnabrück) hatte wohl nur eine kurze
Karriere, aber ein Stück halte ich auch nach fast 30 Jahren für genial.
“Harte Männer weinen nicht” ist perfekt arrangiert, perfekt mit einer
(man verzeihe mir!) naiven Frauenstimme gesungen und mit einer
elektrischen Gitarre versehen, die Eddie van Halen (JUMP, van Halen,
BEAT IT Michael Jackson) recht alt aussehen lässt.

Die LP “Große Taten, Krumme Dinger” (erschienen 1985?) habe ich erst ein
Jahrzehnt nach deren Erscheinen in meinen Besitz gebracht – das Stück
ist mir immer durch die Lappen gegangen. Aber leider reicht keines der
anderen Stücke darauf an “Harte Männer weinen nicht” heran.
Geschmackssache. Sicherlich.

Es geht nur vordergründig und witzig um “Harte Männer”. Es geht um
reiche Männer, die sich alles leisten können. Inklusive geborgter Jugend
einer jugendlichen Gefährtin (vgl. ALLES ROT, Silly). Die Engländer
sprechen in diesem Fall offenbar vom Trophy Wife 😉
(Frei nach: Mein Haus, mein Auto, mein Boot…)

Aber warum der fiktive reiche, gar super reiche (Learjet etc.) Mann die
ganze Zeit weint, weiß ich wirklich nicht.

Hatte wohl keine Kinder, die ähnlichen Blödsinn wie seine jugendliche
Gespielin verzapften?

Wird offenbar in seiner vom Altersstarrsinn geprägten inneren Ruhe gestört?

Oder hat er, geizig wie er sein könnte, einfach mal aufaddiert was ihm
seine geliehene Jugend so kostet?

================= SCHNIP / SCHNAP ============================

(01) Ich hab dich niemals geschlagen ohne dich vorher zu warnen
(02) Mit deiner Harley bin ich Cross gefahren, tat dir das weh?
(03) Deinem Chauffeur hab ich den Kopf verdreht, mit dem Psychiater
geschlafen
(04) Dein Bürohaus hab ich angesprüht, das tut doch nicht weh?

(05) Du weinst und ich weiß nicht warum, Du siehst mich nur an und
bleibst stumm
(06) Doch mein Herz schlägt nur für dich, HARTE Männer weinen nicht
(07) Doch mein Herz schlägt nur für dich, wein doch nicht!

(08) Ich hab dein Landhaus beim Roulette verspielt und dein Scheckbuch
verloren
(09) Mit deinem Lear-Jet hab ich Bruch gemacht, tat dir das weh?
(10) Hab meine Öko-Freunde eingeflogen und deine Villa zur WG gemacht
(11) Hab deinen Swimming-Pool mit Sekt gefüllt, das tut doch nicht weh!

(12) Du weinst und ich weiß nicht warum, du siehst mich nur an und
bleibst stumm
(13) Doch mein Herz schlägt nur für dich, REICHE Männer weinen nicht
(14) Doch mein Herz schlägt nur für dich, wein’ doch nicht!

================= SCHNIP / SCHNAP ============================

Und schließlich die Erwartungshaltung seiner Gespielin: SIE bestimmt,
wann ER weinen darf.

Das, in der Tat, wäre ein Grund zum weinen – heulen gar!

Spätestens jetzt sollte ER sich mal durch den Kopf gehen lassen, wen er
sich da ans Bein gebunden hat 😉

Peter.

ACHTUNG Kultur: Das Ende vom Kreis – Silbermond

Irgendwann in einem dieser unendlichen Norddeutschen Winter, vielleicht 2009 oder 2010…im Januar?

Jedenfalls sind die Nächte lang, der Tag dunkel und grau. Es wird viel zu früh´ dunkel und wenn man nicht ab und zu im Business-Flieger über die Wolken aufsteigen würde, könnte man die Sonne fast vergessen.

Ein Albtraum.

Ein Leben ohne Sonne.

Es ist spät an diesem Abend, als ich vom Job nach Hause komme. In der Küche steht noch Essen vom Mittag der Familie auf dem Herd.

Herd an, Radio an…NDR2. Vermutlich war es ein Montag…da stellen die Radioleute neue Musik aus Deutschland vor.

Das Radio plätschert so vor sich hin, das Essen ist warm. Der Versuch abzuschalten…das Essen wie üblich als Kompensation für einen anstrengenden Tag…Verwunderung:

Die neue Scheibe von SILBERMOND wird vorgestellt. Vom Namen her bekannt, aber eher als irrelevant Teenie-Band abgestempelt. Ein Stück fällt sofort auf: “Das Ende vom Kreis”.

Das Intro nimmt mich unmittelbar in Besitz. Auf dem Bass eine eingängige Melodie gespielt, dann der irgendwie passende Texteinsatz:

================ SCHNIP / SCHNAP =================

(01) Gib nicht auf (02) DU bist gleich da (03) Und dann vergisst DU das, was vorher war

(04) DU bist gleich da (05) Am Ort wo vor DIR keiner war

(06) Halte durch (07) DU bist ganz nah (08) Und dann vergisst DU das, was vorher war

(09) Und Nichts hält DICH auf, (10) Nichts bringt DICH zum stehn, (11) Denn DU bist hier, (12) um bis ans Ende zu gehn (13) Kein Weg ist zu lang, (14) Kein Weg ist zu weit, (15) Denn DU glaubst an jeden Schritt, weil du weißt (16) Irgendwann schließt sich der Kreis

(17) Halte durch (18) Bleib jetzt nicht stehn (19) Das Ziel ist dort im Nebel schon zu sehn (20) Kannst DU es sehn?

(21) Das Ende ist kaum noch zu verfehln

(22) Denn Nichts hält UNS auf, (23) Nichts bringt UNS zum stehn, (24) Denn WIR sind hier (25) um bis ans Ende zu gehn (26) Kein Weg ist zu lang, (27) Kein Weg ist zu weit, (28) Denn ICH glaub an jeden Schritt, (29) weil ICH weiß (30) Irgendwann schließt sich der Kreis

(31) Gib nicht auf (32) DU bist gleich da (33) Am Ort, wo vor DIR keiner war

================ SCHNIP / SCHNAP =================

Ich frage mich noch, wie diese doch noch recht jungen Leute auf so einen tiefsinnigen Text kommen können. Was weiß man schon in dem Alter vom Durchhalten, vom Kämpfen um das Stück vom Glück, das alle suchen?

Nur wer einmal mehr aufsteht als die anderen, gewinnt. Hat angeblich so oder so ähnlich Churchill gesagt. Ich denke, er hat Recht.

Das Ende vom Kreis.

Was wird, was kann das sein?

Der Tot?

Oder die Erfüllung aller Träume?

Manchmal fühle ich mich so, als ob ich gerade den großen Kreis schließe…in jeder Hinsicht:

Ob als “CIRCLE OF LIFE”? (Wunderbare Hymne von ELTON JOHN aus KÖNIG DER LÖWEN – echt kein Kitsch – über den ewigen Lebenszyklus…)

Ob der anstehenden Erdumrundung? (Ein Drittel ist geschafft…)

Ob des 30 jährigen PANAMA-Kanal-Durchquerung Jubiläums? (Wie neulich überraschend festgestellt…)

Oder Ob der einfachen Rückkehr zur Seefahrt? (Mit anderen Mitteln…)

OK, der Text hinkt ein wenig – ich komme nicht wirklich an Orte, an denen vor mir keiner war. Vielleicht wenige, aber nie niemand…das wäre auf dieser unserer Erde wohl auch echt schwierig.

Es ist wohl eher eine gedankenschwere Metaebene gemeint, die man sowieso nur im Alleingang erreichen kann.

Obwohl, der aufmerksame Textleser hat es bereits gemerkt, SILBERMOND im zweiten Durchgang vom “UNS/WIR” spricht.

Es gibt mit Sicherheit eine Selenverwandschaft von Menschen, die ähnlich Denken, Handeln und Fühlen. Die Schnittmenge wird in unserem Zeitalter offenbar immer kleiner, aber sie existiert.

Gib nicht auf, das Ziel ist im Nebel schon zu sehen!

Peter.

PS: Diejenigen, die das Lied nicht kennen, können hier eine sehr gute Live-Performance von SILBERMOND bei YOUTUBE sehen…oder einfach nach “Ende vom Kreis” suchen.

PPS: Alles OK, musste aber mal gesagt (geschrieben) werden.

LAS PERLAS, PANAMA am 22. April 2013, 21:30 Uhr Orszeit.

ACHTUNG Kultur: Nichts haut einen Seemann um – Udo Lindenberg

Das Lied begleitet mich mein ganzes Leben – mal in Vergessenheit geraten, mal ein Ohrwurm, den man nie wieder los wird. So auch in diesem Tagen.

Heute hört es sich (so meine ich) leicht kitschig an – schon fast Schlager. Aber in jedem Fall immer noch eine Hymne an die Küste. Und an die Seeleute, die nach ihrer Fahrenszeit nicht wissen, was sie machen sollen.

Erschienen 1974. Ich habe damals (das muss so 1981 gewesen sein) eine Kassettenkopie der LP “Alles Klar Auf Der Andrea Doria” in die Hände bekommen.

Der Text ist schnell abgeschrieben, die Musik ist nur in der Originalversion richtig gut. Da gibt es klassisch ein Intro (…ok, könnte heutzutage auch ein NDR3 Trailer sein), den (kurzen) Gesangspart und zum Schluss ein (fast endloses) Gitarrensolo.

Zum sehr schönen Text…:

(01) Die Boote sind noch draußen,
(02) die Kneipe ist noch leer,
(03) ausser mir nur der alte Käptn
(04) der ist immer hier…der fährt nicht mehr
(05) der sitzt hier jeden Nachmittag und prüft den Rum
(06) doch nach dem dritten Glas schon singt er leise:
(07) Nichts haut einen Seemann um!
(08) IHN DOCH
(09) und er träumt von seinen guten Tagen
(10) da konnte er zehnmal mehr vertragen

(11) Über dem Tresen hängen Ansichtskarten
(12) die hat er mal geschickt
(13) und er denkt an die Japanerin
(14) die war so schön verrückt
(15) ja, damals war er noch ein schneller Junge
(16) das Leben war lebenswert
(17) doch was bleibt einem Seemann,
(18) der nicht mehr fährt?

(19) Die Boote sind im Hafen
(20) die Männer kommen gleich
(21) der Käptn wankt nach Hause
(22) er schleppt sich über den Deich
(23) er will nicht, dass die anderen sagen:
(24) Der kann ja wirklich nicht mehr viel vertragen
(25) und nun singt er sein Lied
(26) in den stürmischen Wind…

…stellen sich mir aber auch nach 39 Jahren immer noch brennende Fragen:

Zunächst Frage (A), mal so rein aus der Männer-Perspektive:

Wieso reimt Herr Lindenberg in jungen Jahren von Textzeile (12) auf (14) auf “die war so schön verrückt”?
Müsste es (dem Klischee folgend) nicht eher heißen “die hat er schön gef….”

Dann Frage (B) – welches Lied singt er (der Kapitän) denn da sturzbetrunken in den stürmischen Wind? “Nichts haut einen Seemann um” gibt es doch gar nicht, oder?

Und schließlich Frage (C) – welchen Rum trinkt er eigentlich – und in welcher Bar?
OK, wenn es sich um 40%iger Myers’s-Rum handelt, dann dürfte nach drei oder vier Gläsern wirklich Schluss sein. In dem (vermuteten) Alter! Wir haben eine Flasche davon an Bord – Segelfreund Lutz N. hat uns eine zum Abschied geschenkt…allerdings geht die nun dem Ende zu. Heidi´s Rumpunsch Versuche kosten halt Rum!

Für alle, die sich unter dem Lied gar nichts vorstellen können, hier zwei Links auf das Stück:

Originalmusik mit Hobby-Video

Konzertmitschnitt aus 2008 – Udo Lindenberg hat es in einer leicht modernisierten Version (leider ohne Intro) auf seiner famosen Comeback Tournee gespielt – aber leider hat das Lied es nicht auf die DVD geschafft. Warum wohl? Und wieso müssen gute Gitarristen sich so verändern?

Soweit der Griff in die Mottenkiste – aber es lohnt sich doch wohl solche Schätze ans Tageslicht zu holen, oder?

Peter.