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Tag 26, Helsingör

Rödvig ist ja ganz nett, aber eigentlich wollen wir weiter.

Die Coronasituation im Großraum Kopenhagen ist uns unklar. Eine weitere touristische Höchstleistung erscheint uns nicht notwendig. Also ist der Plan, die Kogebucht in Richtung Nord-Nord-Ost (NNE) zu überqueren und dann am Rande des westlichen Fahrwassers den Öresund mit strammen Nordkurs zu durchlaufen. Gut 52 Seemeilen.

Raus aus dem Hafen, Segel setzten, das Groß bereits im ersten Reff und los gehts ohne Welle wegen der Landabdeckung um das Kap Stevens herum. Läuft super, aber der Skipper bereitet die Mannschaft darauf vor, das es so nicht bleiben wird.

Ein paar Boote laufen mit uns, ein paar Boote kommen uns entgegen. Die Welle nimmt stetig zu, die Böen auch. Irgendwann reicht es uns wir legen mal kurz das zweite Reff ins Groß ein. Das Manöver klappt sehr gut, obwohl wir es schon lange nicht mehr unter solchen Bedingungen durchgeführt haben. Und wie immer: Die Fahrt geht kaum runter, dafür hauen uns die Böen nicht mehr so extrem auf die Steuerbordbacke.

Dragör, der Flughafen von Kopenhagen, das Fahrwasser nach Kopenhagen und schließlich die zehn Windräder an Backbord gelassen, auf den Nordkurs nun immer um Höhe kämpfend, damit wir nicht als Geisterfahrer im Fahrwasser der Frachter landen.

Ab der Ruineninsel Middelgrunden Fort wird es unangenehm. Der Westwind hat aufgefrischt und etwas zu Nord gedreht, die Welle ist sehr kurz und oft steigt eine mal über den Bug ein und am (sagen wir mal) unschönsten sind nun die Böen von um und bei 30 Knoten, die uns manchmal so auf Steuerbord drücken, das das Gangbord im Wasser ist. Irgendwann nervt es und wir reffen das Yankee. Im Nachhinein betrachtet hätte man durchaus auch das dritte Reff ins Groß setzen können. Wir versuchen, dichter unter Land zu kommen, doch bei dem daraus folgenden am Wind Kurs verlieren wir Fahrt und geben diesen Versuch der Segelkomfortverbesserung wieder auf. Hilft alles nix. Das Boot läuft, der Kurs steht und am Nachmittag kommt die Burg von Helsingör endlich in Sicht.

Und die Schnellfähren.

Da der Yachthafen direkt hinter der Burg liegt bergen wir die Segel vor der Burg – und vor den Schnellfähren und laufen die eine Meile unter Maschine um die Ecke. Strom und Welle nerven, bei Einfahrt in den Yachthafen setzt der Strom so stark quer, das wir ordentlich vorhalten müssen. Endlich drin und schon auf den ersten Blick stellen wir fest, das es hier voll ist. Sehr voll. Der Wind heult ohrenbetäubend in den vielen Masten, der Himmel ist dicht Wolkenverhangen aber es gerade noch so trocken. Bereits am Eingang zum Hauptfahrweg liegen die Boote im 4er Päckchen und machen das Fahrwasser schon am Anfang sehr eng. Also erst mal rein und weiter drinnen nach einem Liegeplatz suchen. Doch das wird nichts. Die Boote liegen kreuz und quer, jedes Fleckchen mit Landzugang ist belegt. Die wenigen freien Boxen sind alle viel zu eng – steht auch im Hafenhandbuch: Der Yachthafen von Helsingör “glänzt” mit vielen viel zu engen Liegeplätzen. Also wenden und wieder raus…

…ganz auf Anfang zur Einfahrt. Vielleicht irgendwo als Dritter ins Päckchen? Da bemerken wir einen großen Stahldampfer der längsseits quer an der Nordmole liegt. Komisch, wieso liegt der verlassen wirkende Segler alleine? Egal. Fender raus, Spring vorbereiten und der Mannschaft eingeschärft, wie wichtig es bei dem querab setzenden Wind ist, unsere kurze Spring auf seine Mittelklampe zu bringen. Mit großer Vorsicht, aber auch mit guter Fahrt kommt der Stormvogel längsseits und fast hätte das Manöver auch geklappt. Fast. Doch die Leine kommt nicht rüber, wir vertreiben wieder und müssen in einem großen Bogen einen neuen Anlauf nehmen.

Cafe Kaiser: Bestes Frühstück der Welt!

Was ist schief gegangen?

Die Klampen des anderen Dampfers werden durch ein Süllbord leicht verdeckt und zu allem Überfluss läuft noch eine gespannte Reffleine direkt daran vorbei. Da hätte die Mannschaft Zeit zum tüddeln gebraucht – die der Skipper ihr bei dem Wind nicht geben konnte.

Zweiter Anlauf: Der Skipper bringt den Stormvogel nicht nah´ genug heran und wir vertreiben viel zu schnell. War ja klar. Der zweite Versuch geht immer schief.

Wieder die große Wenderunde, zum Glück immer über Steuerbord, denn das mag der Stormvogel lieber. Doch immer müssen wir das Boot auf engem Raum einmal durch den Wind bringen.

Der Skipper beruhigt sich selbst, aber auch die Mannschaft: Wir können das. Wir haben schon ganz andere Anleger hin bekommen. Wir können so oft wiederholen, wie wir wollen.

Doch beim dritten Anlauf stehen mit einem mal zwei Männer auf dem anderen Dampfer und wollen helfen. Wie freundlich!

Während ich im Regelfall Landhilfe ablehne (…weil nur Übung den Meister macht und man zu zweit den eigenen Dampfer ja wohl alleine anbinden kann) freue ich mich wirklich. Das Manöver mit der Mittelspring kennen sie, drücken die von der Mannschaft übergebene Leine auf die Mittelklampe und wir sind dran. Ein wenig tüddel mit der Vorleine weil ein Dingi immer zwischen die Boote gerät und dann sind wir schließlich fest.

Die Helfer stammen von zwei deutschen Motorbooten (!) die uns beobachtet haben. Danke!

Unser Päckchenpartner ist offenbar schon lange nicht mehr in Fahrt. Zwar gut in Farbe, aber keine Segel angeschlagen, Blumenkübel am Heck. Kein Mensch zu sehen.

Nun, ist auch egal. Der Wind kann heulen wie er will, wir sind fest und Morgen kommt ein neuer Tag.

Wir bleiben drei volle Tage auf unserem Platz. Neben einer großen Schrauberei und dem Besuch der wunderschönen Innenstadt lässt der nördliche Wind und Sprühregen sowieso keine Weiterreise zu. Am zweiten Tag hätten wir Mittags vorholen können, weil einige Boote Südgehend auslaufen. Doch das wäre unsinnig, am Abend liegen alle wieder in 3er Päckchen.

Peter.

P.S.:
Unmittelbar vor der Burg liegt der Stadt- oder besser jetzt Museumshafen. Ein großes Schild an der Hafeneinfahrt weist darauf hin, das hier nur Boote ab 50 Fuß einlaufen dürfen. Das hatten wir beim Passieren auch registriert, doch wollten wir den Regeln folgen. Hätten wir in Yachthafen von Helsingör wirklich nichts gefunden, wären wir wohl in den (wie sich später heraus stellte) gähnend leeren Museumshafen eingelaufen. Es bleibt ein kleines Rätsel, warum dieser Hafen nicht für Transitboote ausgebaut wird. Platz ist genug vorhanden.

Zur Lage XXXVIV

Seit mehr als 24 Tagen unterwegs und noch kein Lagebericht?

Kann doch nicht sein. Es ist doch ein Boot! Auf einem Boot passiert immer was! Auf einem Boot geht immer (jedenfalls, wenn es in Fahrt ist) was kaputt!

Aha. Wenn das so ist und jetzt ein Lagebericht kommt, dann ist wohl was kaputt!

Na ja, so platt kann man das nicht sagen. Wie immer muss eine jede Wahrheit differenziert dargestellt werden. Und selbst dann kann man ja mittlerweile bezweifeln, ob eine Darstellung der Wahrheit überhaupt der einen, unzweifelhaft richtigen Wahrheit entsprechen kann.

Wahr oder Falsch?

Schon länger, eigentlich schon seit den ersten Seetagen beobachten wir eine kleine, eine sehr kleine Menge von Seewasser in der Maschinenraumbilge. Vielleicht 100 oder 200 Milliliter. Immer fein aufgewischt, immer fein beobachtet. Keine Ursache erkannt, aber gedanklich über die Tage immer mehr auf eine kleine Leckage im Seewasserkreislauf der Maschine eingeschossen. Die Indizien:

  • Im Hafen kein Wasser
  • Wasser immer nach Maschineneinsatz
  • Mehr Meerwasser, wenn die Maschine mehr Last hatte

Da wir ja nun auf unseren dritten Reiseabschnitt gen Norden ins Kattegatt wollten, kamen Skipper und Mannschaft in Rödvig überein, endlich die genaue Ursache finden zu wollen. Schließlich kann aus einem kleinen Leck immer auch ein größeres werden. Man stelle sich einen seewasserführenden Gummischlauch vor, der an der Schlauchschelle altersbedingt eingerissen ist und im Moment nur leicht tropft…bis der Riss sich unter Last auf einmal weiter öffnet und das Seewasser nicht mehr zirkulieren kann. Zwei Probleme würden folgen: Die Maschine würde überhitzten und wir hätten unkontrollierten Wassereinbuch im Maschinenraum.

Nix gut. Unbedingt vermeiden!

Einmal mehr die Maschine inspiziert. Diesmal als einzigen Tagesordnungspunkt. Mit dem großen Schminkspiegel und Taschenlampe alle seewasserführenden Schläuche in aller Ruhe angesehen. Mit der Hand alle Schlauchschellen ertastet. Letzteres unter Aufgabe einer unversehrten Haut an Hand und Unterarm, denn die Schläuche liegen zwar alle gebündelt an der Backbordseite, doch sämtlich unter dem Wärmetauscher und somit schwer zugänglich.

Nichts, gar nichts. Keine Laufspur, kein getrocknetes Salz, keine Spur.

Maschine an, im Leerlauf auf 2.000 Umdrehungen 30 Minuten laufen lassen. Die Nummer mit dem Schminkspiegel wird nun schwieriger, muss man doch höllisch aufpassen, damit nicht in den rotierenden Keilriemen zu geraten.

Nichts, gar nichts.

Kann ja wohl nicht sein!

Maschine aus. So kommen wir nicht weiter. Kontroverse Diskussion zwischen Mannschaft und Skipper. Externe Hilfe während einer Reise war bisher in der Regel nie so richtig erfolgreich. Doch der Skipper, ganz der erfahrene Projektmanager, besteht darauf.

Zuvor aber noch selbst das Schnüffelventil des Schwanenhalses überprüfen. Vielleicht ist da ja was nicht in Ordnung? Auch (mal wieder) nicht so leicht erreichbar, aber der Skipper bekommt es ab, inspiziert das winzige Jokerventil, findet aber bis auf ganz wenig Ablagerungen nichts. Zusammenbauen. Das war also auch wieder nichts.

Also externe Hilfe suchen.

In Rödvig gibt es eine relativ große Werft, nach kurzem herum fragen findet der Skipper den Motorenmann und der kommt, zum Erstaunen des fragenden, sofort mit an Bord des Stormvogels. Der Herr mittleren Alters spricht leider weder Englisch noch Deutsch, wir (bekanntlich) kein Dänisch. Und so untersucht der die Maschine, versucht den Kühlkreislauf nachzuvollziehen und findet – nichts.
Der Skipper möge bitte die Maschine starten. Gute Idee. Nach ein paar Minuten kommt er strahlend aus der Achterkajüte wieder heraus und meint, Maschine aus, er habe das Leck gefunden!

Klasse! Super, Astrein!

Wo, wo bloß?

Er zeigt mir den Schwanenhals und die Schraubverbindung des Schnüffelventils. Alles nass.

Der Skipper schweigt stille. Deprimiert über diese eigene grandiose (nicht)Leistung. Was für eine Niederlage, was für eine Schmach.

Der Mechaniker schraubt das Schnüffelventil richtig zusammen und ist zufrieden über seine Leistung. Der Skipper signalisiert gespielte Zufriedenheit und ist froh´, als der Mechaniker unter Einstreichung eines angemessenen Lohnes für eine Stunde Arbeit das Boot verlässt.
Das Sprachproblem, der Habitus des Mechanikers und der selbst gebaute Fehler lassen den Skipper erkennen, das er so nicht weiter kommen wird.

Die Fakten:

  • Die Maschine sieht trocken aus
  • Eine Ursache für das Seewasser in der Bilge ist nicht erkennbar
  • Es ist so wenig Wasser, das man daraus wohl kein Drama machen sollte

Die Entscheidung liegt auf der Hand: Weiter fahren und vor allem weiter beobachten!

Die Reise von Rödvig nach Helingör ist rauer, im letzten Drittel sogar viel rauer als gedacht. Die Maschine brauchen wir nur zum Aus- und Einlaufen, in der schrecklichen Enge des Yachthafens von Helsingör und dem vielen Wind muss die Maschine bei den Wenden in den engen Boxengassen öfters mal auf eine hohe, sehr hohe Drehzahl.

Als wir am nächsten Tag die Bilge untersuchen, sind wir beide frustriert. 8-10 Liter holen wir heraus. Das ist viel. Das ist richtiger Mist!

Die Maschine wieder mit dem Spiegel abgesucht, wieder keine Spur.

Da hilft alles nichts. Spätestens jetzt ist Telefonjoker Wolfgang gefragt. In einem langen Telefongespräch wird die Situation erörtert, Prüf- und Testverfahren besprochen und vor allem die Wichtigkeit der Ursachenfindung fest gestellt.

Entsprechend motiviert geht es wieder in die Motorbilge.

Doch was ist das?
Fragt die Mannschaft.

Ja, was ist denn das?
Wieso steht denn da vorne schon wieder eine kleine Mini-Pfütze?

Wir hatten die Bilge doch gestern trocken gelegt?
Da kann so eine Minipfütze ja nicht einfach vom Himmel fallen?
Schon gar nicht vor der Maschine!
Wenn, dann unter oder (weil der Stormvogel achterlich getrimmt ist) hinter der Maschine. Aber doch nicht davor?

Und nun sind wir wieder bei der Wahr oder Falsch Frage.

Was ist die Wahrheit, was ist Irrglaube, was ist Fehleinschätzung? Was ist eine Verdrehung von (vermeintlichen) Tatsachen?

Ab wann verrennt man (im speziellen der Skipper) sich in eine Idee?

Die Mannschaft will wissen, wieso das Wasser vor der Maschine steht. Der Skipper gibt an, das es da vorne eine von oben nicht sichtbare Verbindung zur Wassermacherbilge gebe, aber der Wassermacher könne es nicht sein, da dessen Seeventil seit Reisebeginn geschlossen sei.

Dennoch:
Wassermacherbilge aufmachen und mit der Taschenlampe in Ruhe genauestens inspizieren. Alle Schläuche sehen gut aus, da tropft nix. Das Boot wird im Hafen von Helsingör durch den Wind ganz gut durchgeschüttelt. Da, die Mannschaft bemerkt es schon wieder zu erst: Eine ganz kleine, eine ganz zarte Laufspur auf der Bordwand! Eher eine Reihe von Tropfen als ein Bächlein.

Trotz intensiver Suche: Die Quelle ist nicht zu identifizieren. Vermutlich irgendwo unterhalb des aus Holz gebauten Fundaments des Wassermachers. Im Skipper baut sich ein innerer Widerstand auf: Das Teil will (muss?) ja wohl nicht ausgebaut werden?

Anruf bei Telefonjoker Wolfgang: Erleichterung, das endliche eine heiße Spur gefunden wurde und das die Maschine wohl gar nicht die Ursache ist. Und die klare Ansage: Kann ja wohl kein Problem sein, den Wassermacher auszubauen, oder?

Na ja, irgendwie ist der ja auch da rein gekommen und irgendwie werden wir wohl an die Montageschrauben kommen und irgendwie bekommen wir auch die umfangreiche Elektrik abgeklemmt. Der innere Widerstand bröckelt, die Mannschaft ist hoch motiviert. Das steckt an!

Mittlerweile sind wir seit gut 8 Stunden auf Fehlersuche. Gegen 15:00 Uhr legen wir los, gegen 16:30 Uhr ist das Monster draußen und das Fundament demontiert. Nun haben wir einen klaren Blick auf die Quelle der Tropfenspur und stellen erleichtert fest: Kein Leck der Bordwand, kein verdeckter Schlauch defekt, keinde diffundierende Schweißnaht. Das Wasser kommt innerhalb eines Spantabschnitts von oben. Von oben, von oben!

Da ist ein Borddurchlass. Genau einer. Gerade so über der Wasserlinie. Das Teil ist der Auslass des Wassermachers. Da kommt die Salzlake heraus, die der Wassermacher im Betrieb übrig lässt, nachdem er das Frischwasser über eine andere Leitung abgeführt hat.
Der Wassermacher wurde 2012 in der Karibik eingebaut. Das Loch für den Auslass wurde dort gebohrt und der Auslass ordentlich verschraubt und verklebt. Wir können das Teil nicht richtig sehen und nur ertasten. Keine Spur von Wasser oder Salz. Nichts wackelig. Angeschlossener Schlauch OK.

Ist dieser Borddurchlass wirklich die Ursache für das Seewasser in der Motorbilge?

Die Fakten:

  • Auf der Reise von Stralsund nach Rödvig lagen wir kaum auf der Backe, bei dem wenigen Wind eher aufrecht gesegelt
  • Auf der Reise von Rödvig nach Helsingör lagen wir ordentlich, in den Böen auch sehr ordentlich auf der Backe. Die ganze Zeit. Der Borddurchlass war vermutlich über eine Zeit von 8 Stunden gut einen Meter unter Wasser.

Könnte sein, könnte sein!

Der Dampfer sieht innen aus wie eine Kombination aus Lager und Werkstatt. Mittlerweile ist es nach 18:00 Uhr.

Mit einer Armverlängerung stopfen wir ordentlich viel Löschpapier (in Form von Küchenrollenpapier) in die Umgebung des Borddurchlasses. Wir räumen den Dampfer wieder ein und achten dabei darauf, das wir den Borddurchlass einfacher auch während der Fahrt erreichen können.

Über 12 Stunden Arbeit. Zu zweit. Also eher 24 Stunden.

Doch wir werden belohnt. Zwei Tage später. Auf der Reise von Helingör nach Anholt geht es zwar nicht ganz so doll zur Sache, wie auf der Reise zuvor, doch wir liegen wieder gut auf der Steuerbordbacke und unmittelbar nach dem Festmachen auf Anholt stellt der Skipper fast schon freudig fest: Das Löschpapier ist klitsche Nass!

Nun, die Ursache für das Seewasser in der Maschinenraumbilge ist eindeutig gefunden.

Man muss trotz allem auch das positive sehen. Nur so kommt man weiter.

Bereits in Helingör, also vor der Beweisführung, wurden mit Wolfgang Möglichkeiten einer möglichen Notreparatur erörtert. Denn natürlich ist es zu vermeiden, das Boot vor dem Winterlaqger auf der Durchreise aus dem Wasser holen zu müssen.

Die Lösung in Kurzform: Skikkaflex und Klebefolie.

Wäre da nur nicht das aktuelle Schmuddelwetter auf Anholt. Doch es nützt ja nichts.

Dingi aufbauen, ins Wasser längsseits an der Baustelle fixieren. Reinigungsmittel, Sikka, Spachtel, Schere, Klebefolie und Einmalhandschuhe bereit legen und los geht es. Wir haben Glück, das der starke Wind das Boot nach Backbord krängt und so die Unterkante des Borddurchlass ca. 5 Zentimeter oberhalb der Wasseroberfläche liegt. Wellenschlag durch das Dingi ist zu vermeiden.

Die Außenseite des Borddurchlasses ist schnell gereinigt, dick mit Sikka eingestrichen und kurz vor dem einsetzenden Nieselregen gelingt es auch noch, die Baustelle großflächig mit der Klebefolie abzukleben.

Das war Teil 1. Außen.

Innen folgt Teil 2. Mittels Finger der Mannschaft und Spachtel wird über eine halbe Tube Sikkaflex um den Borddurchlass geschmiert – viel besser geht es nicht und es geht hier ja auch nicht um Schönheit, sondern um Dichtigkeit. Und nur darum.
Eine ähnliche Aktion hatten wir ja mal 2012 auf dem Atlantik: Da war ein Borddurchlass eines Tankverschlusses an Deck undicht. Von außen konnte man damals nicht arbeiten, aber von innen haben wir den Durchlass so eingekleistert, das es für den Rest der ganzen Reise dicht blieb (…und erst beim Refit 2016/2017 ordentlich behoben wurde).

Mit dem guten Gefühl, etwas verbessert zu haben machen wir uns einen Tag später auf nach Läsö, wieder mit ordentlich Wind und Steuerbord Lage. Nach Ankunft ist das eingebrachte Löschpapier trocken, die Bilgen auch. Allerdings ist die in Anholt noch bombenfest sitzende Klebefolie verschwunden. Der Sikkapfropf sitzt aber noch.

Also haben wir erst mal zunächst das Problem gelöst. Mit telefonischer Hilfe von Wolfgang. Aber mit ohne Mechaniker, die auf durchreisenden Booten keine Lust haben.

Könnte sein, das wir vor diesjährigem Reiseende da noch mal ran müssen. Kann aber auch sein, das dieser Flicken noch vier bis sechs Wochen hält.

Jetzt wissen wir ja, wo wir suchen müssen.

Peter.

P.S.: Es gibt noch weitere kleine Bootjobs. Mal sehen, ob sich daraus ein weiterer Lagebericht ergibt 😉

Tag 24

Der Plan war:

Nachmittags Stralsund verlassen und auf das Ankerfeld vor Barhöft zu gehen, dort grillen, übernachten und am frühen Sonntag Morgen die gut 50 Meilen nach Rödvig überzusetzten, da ab Mittags der Wind einschlafen solle.

Man achte auf den Bootsnamen!

Guten Ankerplatz gefunden, der Haken direkt drin, Grill an und den ersten ruhigen Abend seit einer guten Woche eingeläutet. Wie schön!

Ein Blick aufs Wetter. Muss sein, wenn man auf einem Boot lebt: Huch, jetzt ist für Sonntag gar kein Wind mehr angesagt, aber in dieser Nacht sähe es noch gerade so gut aus. Das passiert bei der Wettervorhersage ja oft: Zeitliche Verschiebung, früher oder später.

Der Plan beginnt zu bröckeln.

Erst mal Essen. Herrlich. Die Abendsonne im Westen klar im Blick, eine leichte Ostbriese, Ruhe und Geborgenheit. Während wir essen kommen noch ein paar mehr Ankerlieger und einige legen sich verdächtig nahe an andere, aber uns geht es gut. Auch nach dem Essen. Beim Spülen dann:

Was wäre denn, wenn wir einen Übernachter aus dem anstehenden Schlag machen? Wetter optimal. In dieser Nacht nur. Tagsüber nicht mehr. Bleibt lange hell und wird früh hell.

Na ja. Man müsste mal ´ne Kanne Kaffee kochen, Nachtfutter in Form von Schokolade und Keksen ist genug an Bord und bis auf die Überquerung des östlichen Endes der Kadetrinne auch kein Hauptschiffahrtsweg zu queren.

Na denn.

Neuer Plan.

Seeklar machen und los gehts. Direkt nach Anker auf setzen wir im Fahrwasser Vollzeug und verlassen den Bodden gegen 20:30 Uhr. Ein paar andere Boote haben offenbar den gleichen Gedanken und so sind wir vier oder fünf Dampfer im Fahrwasser nach Norden. Der Skipper gibt sich Mühe mit der Segelstellung und wir überholen alle im absolut ungewohnt spiegelglatten Wasser der Ostsse. Alle. Also wirklich alle. Alle alle. Auch den riesen-Charter-Dampfer mit 6 Kerlen an Bord die ihre Segel viel zu dicht getrimmt haben und die ewig lange in Stralsund beim Hafenmeisterbüro lagen. Auch die. Man lernt nie aus und freut sich über Lernerfolge. Immer noch.

Wir zählen über 20 Boote die auf der Westseite von Hiddensee ankern. Klar, bei dem Ostwind geht das und Morgen soll die große Flaute sein. Dennoch. Selten exponierter Ankerplatz. Der STORMVOGEL läuft und läuft und der Skipper rechnet schon. Oh Mist, bloß nicht zu früh´ ankommen. Doch die Sorge ist natürlich unbegründet. Erstmal den weit auf See liegenden Windschatten von Hiddensee abbummeln, drei, dreieinhalb, ganz selten mal vier Knoten. Besser Knötchen. Geht aber, weil es absolut keine Welle gibt und die Segel nicht wie sonst üblich schlagen.
Irgendwann laufen wir für eine Stunde unter Maschine, weil wirklich gar nichts mehr geht. Dann auf einmal wieder 10 Knoten Wind und der Brüllaffe wird gnadenlos abgestellt.

Es wird dämmrig und schummrig, aber nicht richtig dunkel. In der Kadettrinne ist die Hölle los, aber die von West kommenden Frachter machen uns keine Probleme, auch wenn sie auf eine Seemeile heran kommen. Doch aus Ost kommt so ein tiefgangbehindertes Monstrum schnell auf und wir fahren einen Riesen Schlenker um ihn hinter seinem Heck zu passieren. Dieses AIS ist schon eine tolle Sache, schade nur, das es für Yachten immer noch nicht vorgeschrieben ist. Damit kann man ganz hervorragend die Situation am Bildschirm abschätzen und seine Manöver genau absetzten.

Nun, irgendwie hat das mit der Wacheinteilung nicht geklappt. Die Mannschaft pennt immer noch in der Seekoje und wird einfach nicht von alleine Wach. Der Skipper wittert Betrug, findet jedoch keinen Gesprächspartner um seinen Verdacht äußern zu können. So eine wieder erlangte Zweisamkeit hat auch Nachteile.

Kurz vor Mön kommen von Backbord gleich drei Schwedenfähren auf und bleiben eisern auf Kurs. Wie angetackert. Laut AIS 800 Meter Abstand, na ja. Man kann sie klar sehen und weiß wo sie hin wollen. Es wird bereits wieder hell, auf UKW Funk versucht ein Guardvessel (Sicherungsfahrzeug) einen ebenfalls nordgehenden Segler ohne AIS davon abzuhalten, in die Windparkbaustelle Kriegers Flak einzufahren. Der Segler reagiert aber nicht. Wir sind nicht gemeint. Zu weit weg und durch unser aktives AIS könnte der Funker uns auch direkt mit Namen ansprechen. Diese Windparkbaustellen sind eine Pest. Doch wie heißt es so schön? Einen Tot muss man sterben. Wie wahr.

Eine gute Stunde vor Rödvig auf Stevns Klint ist der Wind endgültig weg und das Monster im Keller muss wieder ran. Gegen 8:00 Uhr am Sonntag Morgen kurven im Yachthafen herum. Brechendvoll, 5er Päckchen. OK, wirklich keine gute Uhrzeit zum ankommen.

Ganz schlechter Stil des zu Gast befindlichen Deutschen Skippers im fremden Hafen: Die auserwählte Box ist mal wieder zu klein und ob der vielen Bugstrahlmanöver dürfte nun jeder der zahlreich anwesenden Dänen wirklich wach sein. Oh, wie peinlich. Die Müdigkeit hat wohl einen klaren Gedanken behindert.

Ab in den Fischereihafen und da geht doch gerade ein Däne aus einer breiten Box raus, wir rein und schwups, Übernachter erfolgreich beendet.

Allerdings, so ein spontaner Übernachter fordert seinen Tribut. Immer. Nix ist umsonst. Den ganzen Tag hängen wir durch – wir! Und das, obwohl die Mannschaft sauber den Trip verpennt hat und nur mal eben locker zum Festmachen an Deck erschienen ist. Aber das kennen wir von früher. Die Anspannung bleibt, auch im Schlaf. Erst nach drei, vier Tagen kommt die Routine und die Nachtruhe.

Früher war Rödvig ein sehr geschäftiger Fischereihafen. Das ist wohl etwas zurück gegangen, dafür liegen jetzt gleich vier Windpark-Crewfähren an der Kai. Während der Skipper sich durch die Manövierfähigkeit dieser Boote beeindrucken lässt, schießt ihm die Ironie durch den Kopf: Die Dampfer brauchen mordsmäßig viel Diesel, um mit über 20 Knoten die Servicetechniker zu den Baustellen zu bringen. Um dann irgendwann einmal saubere Energie zu erzeugen.

Und weil Fahrtensegeln auf den ersten Blick doch viele Gemeinsamkeiten mit Wohnmobilreisen hat, gibt es jetzt überall an den Häfen ausgewiesene Stellplätze für die Raumschiffe zu Land. Man teilt sich Duschen und WC, sogar den eisernen Hafenmeister in Form eines Automaten zum bezahlen.

Nun, Rödvig ist ein geschäftiges Tourinest. Erst Recht an einem Sonntag. Erst Recht an einem Sonntag in den Dänischen Sommerferien. Wie schön, wieder in Dänemark zu sein!

Warum?

Weil offenbar nur hier in Dänemark die wahre Schönheit des STORMVOGELS den vorbeilaufenden Menschen auffällt und diese spontan zu “was für ein schönes Boot!” Bemerkungen hingerissen werden.

Ja, finden wir auch!

Peter.

Tag 15 bis 23 oder so

Gar nicht so leicht, die Tage zu zählen.

Auch egal. Die Gäste treffen Freitags planmäßig ein und ob der abliefernden Begleitpersonen sind wir auf einmal 10 Personen an Bord. Im Hafen zu Stralsund, im Regen. Unter Deck, wohl behütet und von der Mannschaft gut bekocht.

Mit einer durchaus frischen Briese brettern wir tags darauf im Fahrwasser gen Norden. Das Ziel ist Vitte auf Hiddensee. Zum Glück regnet es nicht mehr, doch es ist sehr anstrengend dem Fahrwasser zu folgen. Viele Tonnen, viele andere Boote und das Wissen um das flache Wasser zu beiden Seiten sorgen für ein wenig Stress beim Skipper. Am frühen Mittag erreichen wir den Yachthafen Langer Ort und finden einen guten Platz. Bettenwechsel auf dem Wasser. Die Horde mitreisender Jungendlicher stürmt an den Strand, der Wind sorgt für tolle Brandungswellen.

Doch es bleibt der Jugend vorbehalten, auch wirklich ins Wasser zu gehen. Die Stamm-Mannschaft versucht den Skipper mit provozierenden Sprüchen á la “…früher wärst Du einfach rein gegangen” zu einem unnötigen Kälteschock zu überreden. Dabei ist gar nicht klar, wann genau der Kälteschock einsetzten würde. Bereits beim Entkleiden am Strand, weht doch eine durchaus steife Briese, oder doch erst beim Eintauchen in das Nass?

Der Skipper bleibt standhaft, wie immer. Wir bleiben ja noch ein paar Tage. Gelegenheit genug. Vitte ist durchaus ein echter kleiner Urlaubsort und so vergnügen sich die Gäste auch mal ohne die Erwachsenen. Möglicherweise war die kleine Wanderung zum Leuchtturm im wahrsten Sinne des Wortes wegweisend. Beschäftigt ihr euch nicht selbst, beschäftigt euch der Skipper.

Vier Strand- und Urlaubstage später gehts im Regen weiter. In den Jasmunder Bodden nach Ralswiek. Es nieselt, doch es weht eine leichte Briese und wir können fast die ganze Strecke im Fahrwasser mit dem Vorsegel segeln. Manchmal ganz, ganz langsam. Der Großteil der Gäste lungert unter Deck herum und hat keinen Blick für die herrlich leere, stille Landschaft.

Wir wussten vorher, das es in diesem Jahr keine Störtebecker Festspiele in Ralswiek gibt. Der Hafen ist bis auf ein paar Dauerlieger nahezu gähnend leer. Das Augenmaß des Skippers wird offenbar durch den Regen getrübt und so fehlen ca. 10 Zentimeter zwischen den Festmacherpfählen der Box der ersten Wahl. Da die aus ummantelten Beton bestehen hilft auch kein Drücken. Egal, gibt es doch genug andere Boxen.

Deutlicher als in Ralswiek kann man wohl kaum die Auswirkungen der Coronabeschränkungen erleben. Es laufen zwar ein paar vereinzelte Touristen herum, doch eigentlich ist der Ort selbst nur noch eine Coronakulisse. Tragisch und Schade, hätten wir doch gerne wie viele andere auch eine Show besucht.

Ein Teil, genauer gesagt 50% der Jugendlichen mustert hier ab und wir machen uns Freitags auf den Rückweg nach Stralsund. Zunächst üben wir noch ein wenig Kreuzen auf dem Jasmunder Bodden. Besser als hier kann man wohl kaum ein Hochseeboot Segelanfängern näher bringen. Überall gut 6 Meter Wasser, Raum genug und auch bei viel Wind nahezu keine Welle. Doch irgendwann ist das nördliche Fahrwasser erreicht und wir gehen für eine halbe Stunde unter Motor. Eine gut eingespielte Mannschaft hätte vielleicht diesen Abschnitt auch durchsegeln können, doch einmal mehr: Der Skipper fürchtet die Flachs.

Wie durch ein Wunder bekommen wir wieder einen guten Liegeplatz in Stralsund. Lag vielleicht daran, dass das Wetter besser wird und unglaublich viele Boote gen Norden, vermutlich Hiddensee, laufen.

Samstags Einkaufen (so lange noch ein Auto verfügbar ist), Abmustern und Boot ein- und umräumen.

Jetzt also wieder zu zweit.

In Stralsund hält uns nicht mehr und so gehen wir am Nachmittag unter Maschine im Fahrwasser zum Ankerplatz von Barhöft. Toller Platz, sechs andere Boote sind schon da…

…der Plan ist, hier zu übernachten. Doch was ist schon ein Plan?

Peter.

TAG 14

Logisch, nach 13 kommt 14 und wenn man direkt weiter segelt, dann ist auch gleich wieder ein Reisetag.

Gut 50 Seemeilen nach Stralsund, erst mal stramm nach Süd-Ost, den Windpark Baltic 1 gerade so an Steuerbord liegen lassen und dann abkürzend durch die Untiefen in das Fahrwasser von Barhöft einlaufend. Das ist der Plan, so wird es gemacht.

Wir baumen relativ schnell das Yankee aus, die Welle läuft zwar auch etwas achterlich, passt aber nicht so richtig zum Wind. Auf halber Strecke macht dieser für ´ne Stunde oder so auch mal direkt Pause und wir eiern mit 5 oder 6 Knoten herum. Doch dunkle Wolken bringen den Wind wieder und es briest wieder auf. Während wir in Dänemark kaum andere Boote gesehen haben, wird es voller, je näher wir Deutschland kommen. Von überall her, in alle Richtungen. 20, 30 Boote im Bereich des Fahrwassers von Barhöft. Die vielen Charterbasen in dieser Region hinterlassen ihre Spuren.

Wir laufen unter Segel in das Fahrwasser ein und mogeln nur in unmittelbarer Nähe von Barhöft mit der Maschine, als das Fahrwasser für eine knappe Meile nach Westen schwenkt. Vor Barhöft 5 Boote vor Anker, im Fahrwasser nach Stralsund 10. Was für ein Verkehr!

Als wir am späten Nachmittag Stralsund erreichen ist es alles andere als gemütlich. Wind, Dunkel und das Gefühl von Regen. Kurz vor Weltuntergang. Es gleicht wie schon immer einer Lotterie, einen guten Liegeplatz in der Citymarina Stralsund zu ergattern. Angeblich haben die 150 Gastliegeplätze. Wir kurven ein wenig rum, legen uns dann längsseits auf einen 15 Meter Platz. Wohl wissentlich, das wir im Päckchen enden werden.

Denn es gibt drei Zeiten am Tag, in denen hier 10, 20 oder auch mal 30 Boote gleichzeitig einen Platz suchen: 12:20, (15:20) und 17:20 Uhr. Dann öffnet die Eisenbahnbrücke des Rügendamms für Sportboote. D.h. kurz vorher geht ein Schwung Boote raus, die nach Süden (Greifswald und umzu) wollen und kurz nachher kommt ein (in der Regel größerer) Schwung gen Norden und sucht einen Platz für die Nacht.
Irgendwie passt es immer, jedenfalls für mutige (großer Dampfer ganz innen in der Boxengasse) oder kreative (einfach mal ins 3er Päckchen und keine Landleine legen).

Nun, das Wetter wird immer beschissener (Entschuldigung). Es stürmt, es nieselt, es regnet und es ist kalt. Kalt!

Wie schön, das Freitags unsere Gäste eintreffen. 4 halbstarke Kerle mit mehr Selbstbewusstsein als Grund dazu und ein Bruder. Zusammen wollen wir den Bodden erkunden. Und eine Woche Badeurlaub machen. Ist doch egal, ob man von oben oder unten nass wird, gell?

Viele Grüße,

Peter.

P.S. Schietwetter im allgemeinen und Regen im Besonderen braucht man nicht zu fotografieren…

Tag 13, Haesnes

13 ist nur dann eine Unglückszahl, wenn sie auf einen Freitag fällt. Dann verlässt traditionell kein verantwortungsbewusster Skipper den Hafen. Fällt die 13 hingegen auf einen anderen Wochentag, obliegt es der freien Entscheidung des Skippers, die Leinen zu lösen.

Wetter?

Ach, kein Problem! In diesem Jahr ist es auf der Ostsee wieder einfach da es wieder nur drei Wetterzustände gibt:

1) Sturm
2) (sehr viel) Starkwind
3) Flaute

Also fahren wir immer bei (2). Der Vorteil: Eine schnelle Reise, ganz so wie es James Onedin von seinem ersten Maat Mr. Bains an Bord der Charlotte Rhodes immer gefordert hat. Eine schnelle Reise! Ja, ja, ich weiß: Das war Fiktion. Aber geliebt habe ich diese Fernsehserie immer! Die Onedin Linie vergangener Tage.
Nun, die beiden sind Anfangs England – Portugal Linie gefahren, wir sind als Tramp in der Ostsee unterwegs. Schon ein Unterschied.

Nun also von Lohals (Nordwest Langeland) nach Haesnes (Nordost Falster). Gut 60 Seemeilen, irgendwas zwischen 20 und 25 Knoten Wind angesagt. Wenn man mit dem STORMVOGEL erst mal aus dem Hafen raus ist und die Segel (in einem solchen Fall im 2. Reff) ordentlich gesetzt sind, ist alles gut.

Obwohl viel Schiffsverkehr im Tiefwasserfahrweg des Großen Belts kommen wir ohne Kursänderung über den Verkehrsweg. Wohl auch, weil die Mannschaft ihre Liebe zum Plotter und deren AIS Informationen wieder entdeckt hat. Stolz verkündet sie kleinste Abstände und Zeitpunkt der nächsten Annäherung. Sehr gut!

Danach durch die südlichen Untiefen von Omö. Und während wir da so rumkurven fällt mir ein, warum wir nicht auf Kurslinie sind: Hier herrscht ganz gut Strom herrscht und so können wir nicht wie geplant durch die Flachs brettern. Kurs prüfen, Vorhalten, Aufpassen.

Ein Seemann schaut zwar nie zurück, doch tut er es doch, sieht er womöglich eine viel kleinere Yacht die ihn unter Vollzeug verfolgt. Und, was für ein Ärger: Eine, die näher kommt!

Nun, Vollzeug ist bekloppt. Ganz klar. Böen über 30 Knoten. Was soll denn das?

Da kurven wir doch lieber aufrecht segelnd mit dem 2. Reff im Groß und ausgebaumten Yankee. So geht diese Verfolgungsjagd ein paar Stunden. Für einen zweiten ist es ja immer einfacher: Braucht sich nur am ersten zu orientieren! Obwohl, er fährt auch anders. Eher vor dem Wind kreuzend – hatte unsere Navigationssoftware auch vorgeschlagen. Was für ein Aufwand! Baum raus und gut!

Schließlich passiert, was nicht zu vermeiden war. Der kleine Flitzer “Rosa-Lux” überholt, es gelingen ein paar coole Bilder und zum eigenen erstaunen sitzt in dem Rennboot keine ehrgeizige Altherrenmannschaft, sondern ein junger Kerl mit zwei kleinen Kindern. Na ja. Vielleicht hat ihm auch jemand eine schnelle Reise befohlen?

Wir erreichen das Fahrwasser von Stubbeköbing mit den beiden großen Brücken davor. 26 Meter Durchfahrtshöhe. Kein Problem. Ein Problem hingegen ist aber, das das östliche Fahrwasser der ersten Brücke im Storström gesperrt ist. Mit hübschen kleinen gelben Tonnen, die man bei der Welle dann erkennt, wenn man quasi davor steht.

Ja, ähm, wie kommen wir denn von hier aus in das Ausweichfahrwasser?

Elegant, äußerst elegant durch Auslassen der ersten Tonne ohne Änderung der Segelstellung.

Endlich, die Welle ist weg, der Wind immer mal wieder auch, weil die Wälder den Wind einfach stehlen und ihn in ein großes Rauschen übersetzten. Doch der Strom ist mit uns und so gleiten wir mit 7 Knoten im Fahrwasser. Der Himmel wird immer bedrohlicher. Die Bedrohung äußert sich in Form der Himmelsfarbe SCHWARZ. Tiefschwarz. Was soll das?

Eine heftige kurze Böe lässt uns das Groß einpacken, als wir später die traumhaft schöne Enge von Härbölle Pynt passieren, die die Inseln Mön und Falster trennt, ist es mit dem Segeln ganz vorbei. Im Engen Fahrwasser unter Maschine nach Süden, zunächst wie auf einem windstillen Binnensee, am südlichen Ende so heftig, was wir zwei, drei Brecher über Deck rollen sehen. Aber da führt kein Weg dran vorbei. Außer umkehren. Nachdem die Brecher in den Untiefen der Ansteuerung überstanden sind und wir auf direktem Kurs die letzten zwei Meilen Haesnes ansteuern können ist die Welt fast wieder in Ordnung. Wenn es Nachmittags um vier nicht schon dunkel werden würde, wenn es nicht nieseln würde, wenn es nicht kalt wäre.

Haesnes. Zwei Boote. Jetzt drei. Bei Westwind eine Oase der Ruhe. Fast stilles Wasser. Wie schön. Der Anleger gelingt im zweiten Anlauf, weil ich mich beim Zählen der Pfähle offenbar verzählt habe…nicht schlimm. Schon gar nicht nach so einer schnellen Reise.

Im Regenzeug einen kurzen Ortsrundgang. Den kleinen Kaufmann gibt es nicht mehr. Schade. Aber wovon soll der auch leben?

Und wie die Erinnerung doch einen täuschen kann: Mal eben nachgeprüft. Bereits bei unserem letzten Besuch von Haesnes 2008 (!) gab es den Kaufmann nicht mehr. Wie kann man so was vergessen? Ja, OK es liegt eine größere andere Reise zwischen diesen Besuchen und da kann man schon mal durcheinander kommen.

Die ehemaligen Fischerhäuser sind schön anzusehen, die zurecht gemachte Luxusvilla, vielleicht ist es auch ein mietbares Ferienhaus, auch. Zurück an Bord, die letzten Reste des in Lohals vorgekochten Hühnerfrikassee´s verspeist und mit der Zufriedenheit eines vollen Magens und dem einen oder anderen Anlegerbier eine schwere Entscheidung gefällt:

Morgen direkt weiter nach Stralsund. Denn Donnerstag gibt es keinen Wind mehr, also (3). Also ganz doof für 55 Seemeilen.

Doch wie motiviert man sich, wenn man trotz innerer Zufriedenheit unbedingt mindestens einen Landtag in Haesnes verbringen wollte?

Ganz einfach: Wir kommen wieder!

Bei besserem Wetter, mit leckerm Grillzeug, Wein und Bier!

In diesem Jahr noch!

Das ist ein Plan.

Peter.

Lohals, Tag 11 um und bei

Lohals.

Ganz im Nordosten von LANGELAND. Eigentlich ganz nah´, doch weiter weg von allem geht im zentralen Nordeuropa wohl kaum.

Insellage.

Zufall. Lag irgendwie mal wieder auf dem Weg. Mal wieder, weil wir im fantastischen Segelsommer 2005 mit unserem ersten Boot Hägar (“…das schreckliche”) und den Jungs schon mal hier waren. Ganz schön beschaulich. Die Ansteuerung nicht. Die betonnte Passage führt durch Untiefen von 40 cm Wasser. Bei Niedrigwasser auch weniger. Scarry, aber problemlos machbar.

Eigentlich wollten wir gar nicht los. Oder besser: Der Skipper wollte nicht los. Wettervorhersage: Zunächst kaum Wind, hier und da mal Regen. Doch die Mannschaft meinte so gegen 10:00 Uhr, also weit jenseits einer normalen Startzeit, warum noch länger in SONDERBURG bleiben? Selbst wenn wir Anfangs motoren müssten, weil Wind erst später am Tag einsetzten sollte:

Warum nicht los?
Ja, warum eigentlich nicht?

Mal kurz den Dampfer Seeklar gemacht und los. Erstaunlich: Segelwind ohne Ende, direkt am Anfang. Angenehm zu ertragen im dicken Rollkragenpullover der Marke RYMHART. Der wolkenverhangene Himmel erschreckt uns nicht: Vollzeug, von Anfang an!

Der STORMVOGEL schießt bei gutem Halbwind nur so durch das Wasser, 7, 8 Knoten Fahrt erfreuen Skipper und Mannschaft. Wenn bloß nicht so viel Schiffsverkehr auf der Flensburger Förde wäre. Müssen wir hier doch tatsächlich Ausschau gehen? Watn Schiet! Wer hat jetzt noch mal genau Vorfahrt?

Endlich offene See. Jetzt fast alleine. Die vielen dunklen Wolken bringen Wind, viel Wind. In Böen auch noch mehr. Aber keine Welle. Und vor allem keinen Regen!

Nach ein paar Stunden erreichen wir das Fahrwasser von MARSTAL. Kennen wir schon. Selbst in diesem Jahr vor kurzem schon einmal befahren. Allerdings unter Maschine.

Aber diesmal nicht. Diesmal unter Vollzeug den Ansteuerungskanal hochgebrettert, den verführerisch leeren Hafen an Backbord liegen lassend, die kurze Leeabschattung der großen Halle elegant mit Restfahrt passiert und dann weiter Ost im Fahrwasser an der Nordwest Seite von Langeland. Wenig Boote unterwegs. Wetter? Corona?

Etikettenschwindel. Nix Lohals. Rudköbing mit Bus.

Die Brückenpassage von RUDKÖBING wie immer tricky, aber auch hier unter Vollzeug. Wind und Strom sind mit uns. Glück wohl auch. Ein mitlaufender kleiner Dampfer macht freiwillig platz Platz damit wir einem Entgengenkommer unter Maschine im engen Fahrwasser ausweichen können. Wie freundlich!

Dann endlich wieder offenes Wasser zwischen FÜNEN und LANGELAND. Starker achterlicher Wind. Das seit langem wieder erstmalige setzten des Spinackerbaums dauert ungewöhnlich lange und muss zweimal erfolgen. Die Mannschaft weist weise lächelnd den Skipper darauf hin, das er vergessen hat, die Yankeeschoot in den Baum einzuscheeren. Wat? Kann ja wohl nicht wahr sein! So ein Schiet. Nochmal den Baum reinkurbeln, Schoot rein und wieder raus! Wie gut das bei dieser praktischen Übung keine Welle läuft und wir alle Zeit der Welt dafür haben.

Yachthafgenprommenande

Der STORMVOGEL fliegt nach Norden, eine wahre Freude. Jetzt, nach mehr als acht Stunden erreicht uns doch noch ganz leichter Nieselregen, die Regenklamotten bleiben trotzdem unter Deck. Zu wenig von oben und wir sind sowieso fast da.

An der Ansteuerungstonne bergen wir die Segel. Wir könnten bei dem Wind die knapp zwei Meilen der Passage auch durchsegeln, wollen aber unser Glück nicht unnötig herausfordern. Und die Mannschaft besteht seit geraumer Zeit auf immer mehr Vorlauf zum Klarmachen des Dampfers zum Einlaufen.

Wir gehen in den nördlichen alten Fischereihafen. Dort sollen die Liegeplätze größer sein als im jüngeren Yachthafen. Unser Dampfer ist einfach zu groß für die Ostsee. Verdammt eng, als wir durch den kurzen Kanal das innere Becken erreichen. Windig ist es ja sowieso. Zwei Yachties zeigen auf eine Ecke und meinen, da sei noch eine Box frei. Das Glück ist mit dem Mutigen, das Bugstrahlruder mit dem Skipper und so gelingt es auf Anhieb den Dampfer rückwärts in die Box zu bringen. Die Mannschaft ist ob des Knieschonendes Manövers zufrieden, der Skipper auch.

“Neuer” Yachthafen Lohals

Mittlerweile ist es kurz nach halb acht. Das Anlegerbier ist schneller offen, als der Regen einsetzten kann, da ertönt Gitarrenmusik über den kleinen Hafenplatz.

Musik. Neben Sex und Drugs ist Rock’n Roll ganz klar das Ding des Skippers. Schon immer.

Etwas ermattet ob des langen Segeltages pilgern Skipper und Mannschaft über den leeren Platz, ca. 50 Schritte zum Atrium des Hafenhaus zu LOHALS als Quelle der akustischen Überraschung.

“Fischereihafen” Lohals

Da steht ein einsamer Musiker.

Akustische Gitarre am Verstärker, Mikrofon. Kein Publikum.

Der in der Zwischenzeit einsetzende Nieselregen, die späte Stunde, der Wind, Corona. Alles keine ernsthafte Ausrede, diesem Herren älteren Semesters nicht in körperlicher Präsenz zu lauschen!

Da steht er also nun. Allein auf weiter Flur.

Kurzes, sogar sehr kurzes graues Haar. Brille, natürlich.

Cooles schwarzes Hemd, leger über der Hose getragen. Die Blue Jeans hat wohl auch schon mal bessere Tage gesehen, doch anstatt an den Vorderseiten der Knien aufgeschubbert zu sein, sind Schadstellen ganz klar an den Seiten eben jener Kniegelenke zu erkennen. Also entweder der Mann hat ganz abstruse Gymnastikübungen in Blue Jeans auf Lager, oder die Fabrik in Indien hat beim künstlichen Voraltern der Hose irgendwie Murks gemacht.

Der eigentliche Hingucker sind aber die Schuhe. Oder besser: Die Sandalen. Irgendwelche Keans Immitate. Oder doch original? Man müsste näher ran um das zu erkennen. Klettverschlüsse überall. Immerhin mit ohne Socken.

Barfuß in den Sandeln steckende im Rythmus der Musik wippenden nackte Füße eines älteren Mannes.

Worauf man so alles achtet? Jetzt bloß nicht zum Fußfetischesten werden!

Er steht im Atrium, wir sitzen Corona Respekt zollend draußen und trinken Bier vom Faß aus schnöden Plastikbechern. Ein paar Menschen kommen noch dazu. Wirklich nur ein paar. Wie schade für den Künstler! Doch wer hier am Ende der Welt auftritt, der weiß wohl worauf er sich einlässt. Hoffentlich, sonst wird er sich wohl in den den Schlaf weinen müssen.

Tags darauf, wir hängen wegen viel zu viel Wind und Regen weiter in Lohals fest, gastiert sogar eine richtige Band im Atrium des Hafenhauses.

Eintritt schon wieder frei. Trinkt Bier und die Musiker können bezahlt werden! Oh, da können wir helfen. Und wie!

Die Band in klassischer Besetzung. Gitarre und Gesang, Schlagzeug, Bass und eine weitere Gitarre. Der Typ an Mikrofon ist OK, aber seine Stimme ist doch recht dünn. Da konnte der gestern besser singen. Aber der hatte keine Band. Der am kleinen Schlagzeug werkelnde Kerl wirkt irgendwie abgedreht. Scheinbar völlig mühelos hat er sein Instrument im Griff, doch sein sehr oft verklärter Blick auf den Sänger lassen tiefste Dänische Niederungen männlicher Beziehungen erahnen. Vorurteile?
Die Dame am Bass zupft zunehmend souverän an den Saiten ihres Instruments und liefert wo nötig die zweite Stimme. Inmitten der durchaus grau mellierten Herren gehobenen Alters ist die nordische Blondine durchaus sehenswert. Jedenfalls für einfältige, männliche deutsche Skipper.
Jedoch, und das ist schwer zuzugeben, der Typ des Abends ist einmal mehr der Gitarrist. Ganz rechts stehend scheinen ihm Anfangs noch kalte Hände Schwierigkeiten zu bereiten. Doch der Abend wird lang und der nach nettem Onkel aussehende Typ hat es schlicht faustdick hinter den Ohren. Etwas zu laut abgemischt, des Sängers Stimme geht manchmal unter. Wirklich cool, wirklich gut. Leicht verschmitzt, wenn er ein Solo gut hin bekommen hat, danach immer auf den Herrn Sänger blickend, ob er wohl zufrieden sei? Elvis, Beatles, irgendwas rockiges dänisches. Gute Laune. Summer of 69, mit ordentlich Schwung.

Es ist ja wohl so:
Wenn man ohne jede Erwartung an einem toten Ende der Welt fest macht und dann zwei Nächte in Folge tolle Live Musik geboten bekommt, dann kann man mal durchaus zufrieden sein. Hochzufrieden sogar.

Da spielt es keine Rolle, das Böen von 39 Knoten durch den Hafen brettern!

Da spielt es keine Rolle, das der Mief im Boot dem eines U-Bootes gleicht, weil es bei dem Regen schlicht unmöglich ist, zu lüften, ohne zu fluten!

Da spielt es keine Rolle, das man am Ende der Welt fest hängt, auch wenn am Sonntag keine Musik erklingt!

Peter.

P.S.: Die machen noch den ganzen Juli am Wochenende Musik im Hafen von Lohals. Kannst Du gucken hier.

Tag Acht

Oder so. Könnte auch Neun sein. Hab´ vergessen, wie ich zählen wollte.

Ist ja auch egal. Bei Bestem Segelwetter haben wir uns im Fahrwasser gen Norden, nach Lyö aufgemacht. Die Insel bietet eine gegen fast alle Windrichtungen geschützte Ankerbucht, nur nach Ost ist sie ein wenig offen.

Noch in Martal. Mühsam aufgebaut, abends von den Flammen geraubt. Sonnenwende in DK.

Wir haben Ost. 15 Knoten stetig, manchmal 20. Der Dampfer stampft gemächlich am Anker, aber wir sind uns sicher, wir haben schon deutlich schlechter gelegen und das Wetter wird ruhiger werden.

Tags drauf dänische Süddsee pur. Sonne, baden, kühle Drinks. Ach ja, so könnte es immer sein!

Aeroskoeping

Dingi war schon in Marstal aufgeblasen, Außenborder lief so leidlich. Jetzt immer noch. Keine Selbstheilungskräfte zu erkennen. Obwohl mit altem, gut abgelagerten Benzin gefüttert. Das Teil ärgert mich so, das ich es wieder an Bord hole und zerlege, reinige und wieder zusammen schraube. Und siehe da, mit etwas Liebe und Pflege schnurrt das Teil schon beim ersten Seilzug.
Na ja, neben Liebe und Pflege war da auch noch ´ne neue Zündkerze und ein neue Benzinfilter im Spiel.

Segelfreunde kreuzen (im wahrsten Sinne des Wortes!) am Freitag Abend auf und wir verbringen einige Zeit miteinander. Nur das gemeinsame Grillen am nächsten Abend fällt aus. Gewitter. Sonntags wollen beide Boote nach Sonderburg, einer will kreuzen, der andere beugt sich zunächst dem Schicksal, schmeißt aber nach ein paar Meilen doch die Unterwassergenua an. Später, einiges später, fragt er sich selbst, was das wohl sollte? Vermutlich wollte er dem direkten Vergleich mit einem Regatta-Ass auf einer Regatta-Renn-Ziege aus dem Weg gehen…???

Nun denn. Die einen müssen wieder zur Arbeit, die anderen haben mit Dies&Das auch eine Beschäftigung. Eine muss mal kurz nach Hause – Artztermin. Die sind mittlerweile ja so kostbar, das man weite Anreisen in Kauf nimmt. Einer muss sich um den Kühlschrank kümmern. Auf Anker besonders aufgefallen: Geht einfach nicht mehr aus. Obwohl wir in Glückstadt einen Kältetechniker an Bord hatten, der Kühlmittel eingefüllt hat. Lief danach auch sehr gut. Ein paar Tage. Also vermutlich ein Leck im Kühlmittekreislauf. Jetzt tauschen wir in Sonderburg den Verdampfer, der alte scheint am Anschlussstück undicht zu sein. Jedenfalls sagt das so eine Schnüffelmaschine und das Leckspray. Löten kann man so was nicht. Sagt der dänische Kältetechniker. Na ja, für kaltes Bier, energiesparend gekühlt, kann man ja einiges unternehmen.

Lyö. Erstes Haus am Hafen.

Ja, und das was es denn auch schon.

Vielleicht sollte ich noch kurz über das Wetter meckern. Nach der grandiosen Auftaktwoche Regen und Sturm. Was soll das denn? Und Sturm steht weiter auf dem Plan. So ein Blödsinn!

Peter.

Tag FÜNF

Tag 5, nicht on the Road,

on the Boot (!!!)

Wer hätte das im Frührjahr 2019 gedacht?

Nun, wenn ich jetzt auch noch schreibe das Tag 4 ein extraordinärer, ein Weltspitzentag im Segeln war, dann vermuten wohl nicht wenige Leser, jetzt übertreibt ER aber. Doch nein, das tut ER nicht: Kann man hier auf unserem Tracker selbst überprüfen.

Offenkundig sind wir also mal wieder auf den STORMVOGEL gezogen und nahezu zeitgleich haben die Dänen verkündet, das Deutsche aus Schleswig-Holstein ungehindert einreisen dürfen. Das ist doch sehr freundlich von den Dänen, gell?

Obwohl natürlich auch diskriminierend…jedoch: Würde in diesen Tagen jemand von ganzem Herzen Freunde aus dem Landkreis Gütersloh zu sich nach Hause einladen?

Doch zurück auf den Anfang:
Die Passage der Elbe war kein Problem. Direkt nach dem Öffnen des Sperrwerks in GLÜCKSTADT gingen wir direkt auf dem großen Strom, auch wenn die Flut noch zwei Stunden aufläuft. Mit 2.200 Umdrehungen gute 5 Knoten gegen ordentlich Wind und Strom gelaufen. Das erschien uns ganz schlau, denn wenn der Strom später kentert und das Wasser gen Nordsee strömt, hat man ganz fix die bekannte “Wind gegen Strom” Situation auf der Elbe mit diesen völlig bescheuerten Wellen, die keiner will.

Glück vor der Schleuse in BRUNSBÜTTEL: 4 andere Sportboote und ein Binnenschiff wollen in den Kanal, das Wasser wird bereits kabbelig, schwups, nach 30 Minuten sind wir drin. Die ersten 40 Kanalkilometer abspulen und um 19:45 Uhr fest in GIESELAU Schleuse, dem einmaligen Paradies auf Erden.

Spätestens jetzt sollte erwähnt werden, das wir uns die Kanalpassage ganz PANAMA-Kanal like zwei Linehandler angeheuert haben. In Person sind das die, die wir letztes Jahr in SCHOTTLAND am Ufer des Loch Ness dem dort hausenden Seeungeheuer erfolglos zur Nahrungsaufnahme als Lebendfutter angeboten hatten. Nun, die beiden sind ein Jahr älter und kräftiger und sollten somit in der Lage sein, die leicht lädierte Mannschaft bei den Schleusenmanövern erfolgreich zu unterstützen. Sollten, KONJUNKTIV, denn mit dem Zuhören klappt es auch in diesem Alter nicht so ganz und so misslingt der erste Anleger dann doch etwas. Um es vorweg zu nehmen: Mit jedem der vier folgenden Manöver (Gieselau Schleuse, Zahlstelle Holtenau (35 €, !!!, einer muss ja die neue Schleuse in Brunsbüttel bezahlen!), Schleuse Holtenau, Laboe) wurde es besser. Klarer Fall von Übung macht den Meister!

Für einen Sonntag im Kanal wenig Sportboote. Um 07:15 Uhr Leinen los und 60 km abspulen. Manchmal durchaus langweilig. Und wieder Glück: Ein Tanker von der Förde kommend sollte geschleust werden, die Schleuse war aber Kanalseitig noch offen, wir waren zufällig da und durften mit. In der Südschleuse Holtenau sind 45 Minuten nach unserer Ankunft vielleicht 10 Freizeitfahrzeuge zu zählen – sonst nix. Kein großer Dampfer. Kein Arbeitsgerät. Nix.

Am frühen Nachmittag in LABOE bei wenig Wind fest gemacht. Wie sich das Publikum über die Jahre, die wir die Baltic Bay Marina nun schon kennen, doch geändert hat. Riesige, ich meine wirklich riesige Motorboote, Charterboote ohne Ende, alles etwas wuselig durch die vielen mit Kindern besetzten Dingis und heroischen Stand-Up Paddeling-Typen in den sowieso schon engen Boxengassen. Das Holz der Schwimmstege ist mittlerweile auch ganz schön herunter gekommen. Jedenfalls am Steg “D”. Das man dafür satte 35 € pro Nacht nehmen kann, ist doch klar!
Doch ganz so schlimm ist es wohl nicht. 29 € wären OK 😉

Montag gegen 08:30 Uhr los nach MARSTAL, Insel ÄRÖ. 29 Seemeilen nach NNO. Zu HÄGAR´s Zeiten eine Weltreise. Doch auch der STORMVOGEL will ordentlich gesegelt werden, soll er schnell laufen. Nach der ausgefallenen Segelsaison 2019 muss der Skipper erst mal wieder an allen Tampen ziehen und zerren, lose geben und sich wundern, wie er den Dampfer wohl    aufgetakelt hat. Wie gut das der STORMVOGEL die Strecke in 4,5h abgesegelt hat und ER in Ruhe nachjustieren kann…

…MARSTAL ist gar nicht mehr so einfach zu finden wie früher! Irgendwer hat nicht nur das Schwimmdock geklaut, sondern auch alle Kräne. Da sieht man von See nur noch den Kirchturm. Dafür liegt mitten in der Hafenweinfahrt ein großer Dampfer und löscht Sand. Jawohl: Sand: Den karren Traktoren mit großen Anhängern zum Südstrand. Ist wohl was wech gekommen?

Der Anleger mit Normalbesatzung (die Decksjungen wurden in Laboe an Land verbracht) an den Pfählen kein Problem, wählte der Skipper doch die Knieschonende Heckvariante, bei der ER selbst springen muss, während sich die Mannschaft mit den Vorleinen an den Pfählen verlustiert.

Nun sind wir also mal wieder da, wo wir immer mal wieder hin kommen:

Magisch, Magnetisch, MARSTAL!

Hängen hier noch ein paar Tage ab und vorholen uns dann auf Anker bei LYÖ.

Irgendwie muss ER ja den Mittelwert der horrenden Liegegebühren (Marstal: 28 €) senken!

Peter.

Zur Lage XXXVIII

Die drei Phasen des Eignerwahnsinns einer Aluminium Blauwasseryacht:

1) Happyness
2) Die Hölle
3) Happyness

Bisher haben wir ja immer Geld für unser Boot ausgegeben, weil wir damit irgendeine Verbesserung herbei führen wollten. Technisch, Optisch, Ausrüstung. Zuletzt mit dem großen Refit 2016/2017. Denn die verwendeten Baumaterialien erlauben ja immer wieder eine Aufarbeitung. Innen, Außen. Technik kann ordentlich gewartet werden, oder bei ernsthaften Defekt auch durch eine neue Komponente getauscht werden. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen! Ungeübte hielten den Stormvogel in der Sommersaison 2017 für einen Neubau.

Der Salon im Sommer 2015

Soweit alles klar?
Aye, Sir! Alles klar!

Phase 1: Happyness.
Es läuft! Keine technischen Probleme, an Deck alles im Lack, unter Deck pure Gemütlichkeit. Ganz so, wie es auf hoher See für den Normalsegler sein soll. Ab und zu muss man sich kneifen, so einen Dampfer sein Eigen nennen zu dürfen.

Soweit alles klar?
Aye, Sir! Alles klar!

Doch wie immer, wenn das schöne Wetter zu lange anhält, schleicht sich unbemerkt eine Schlechtwetterfront an und wenn man am wenigsten damit rechnet, schlägt das Eignerschicksal zu. Völlig unvorbereitet, überraschend bricht die Hölle los:

Phase 2: Die Hölle
Wie üblich, in kleinen Scheiben ins Vorderhirn dringend. Nach einem tollen Australienausflug 2019 wollten wir im Frühjahr in der Nord- und Ostsee wieder segeln gehen, doch das Boot war kaputt. Einfach so. Ohne zutun des Eigners oder eines Dritten. Kaputt an einer Stelle, die niemand für möglich gehalten hätte.

Der Salon im Sommer 2019

Die Erkenntnis, das der ganze Ballast aus dem Boot ausgebaut werden muss um den Schaden begutachten zu können bescherte nicht nur dem Eigner schlaflose Nächte. Was für ein Aufwand! Was für ein Dreck! Was für ein Mist!

Der Salon im Sommer 2019

In der Folge mussten gut 2,5 m² der Bordwand an Steuerbord saniert werden. 14 Monate Laufzeit, nicht Bauzeit. In jedem Fall Höllenzeit. Doch mit jedem kleinen Reparaturfortschritt reifte auch die Gewissheit, das das Boot sehr gut repariert werden kann. Wie immer: Wenn man etwas richtig macht, wird es richtig gut.

Ausgetauschte Bordwand im Frühjahr 2020

Soweit alles klar?
Aye, Sir! Schöner Mist!

Ausgetauschte Bordwand im Frühjahr 2020

Nach dem Schlechtwetter wird es wieder schön! Der STORMVOGEL schwimmt wieder, gestern haben wir sogar die Polster wieder eingebaut und wir nähern uns, ohne Streß, ohne Reue,

Phase 3: Happyness

Der Salon im Sommer 2020 – noch am einräumen…

Mit anderen Worten: Ende gut, Alles gut. Die Probefahrt steht zwar noch aus, aber unser Dampfer ist wieder in einem TipTop Zustand, alle technischen und schönen Dinge sind so, wie sie sein sollen und wir schauen mal, wohin der Probeschlag uns führen wird.

Später im Jahr dann an die deutsche Ostseeküste und die Westküste von Schweden. Irgendwie & Irgendwo die verrückten Norweger von der ODA treffen.

Das ist der Plan.

Soweit alles klar?
Aye, Sir! Alles klar!

Na dann mal los!

Peter.

STORMVOGEL im Sommer 2020