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Greece 5&6, Monemvasia

Wer glaubt schon einem Navi, das für 280 Kilometer 7,5 Stunden Fahrzeit mit dem Auto angibt?

Wir nicht.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: In den Bergen von Aigeira

Die schnellere Strecke über die Maut-Autobahn auf den Dritten Finger im Südosten des Peloponnes soll 340 Kilometer in 4,5 Stunden sein. Auf Autobahnen im allgemeinen sieht man nichts, wir haben die Anreise hinter uns gebracht, das Wetter ist mit Sonnenschein und 24°C optimal und wir haben ja Zeit.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Das Tal von Tripoli

Stellt sich nur die Frage, wieso wir am ersten Tag direkt so weit in den Süden wollen? Das ist einfach zu beantworten: Da sind Freunde von uns. Die gondeln schon seit Wochen in Griechenland herum und wir wollen einige Zeit zusammen verbringen.

Das eingebaute PIONEER NAVGATE EVO Navi an Bord soll die Camperedition sein. Was auch immer dieses Marketingsprech bedeuten mag – wie schon in Schottland im letzen Jahr wählt es Straßen oder besser Wege, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Geschweige denn von einem Wohnmobil befahren wurden. Stimmt im einzelnen natürlich so nicht, kommt uns aber so vor. Als wir schließlich eine Schotterpiste in eine wie eine Sandkuhle anmutende Senke fahren sollen zögert der Fahrer kurz, doch ein Seemann schaut bekanntlich nie zurück, also weiter!

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Unterwegs

Und so kommt es, das wir tatsächlich über sieben Stunden unterwegs sind. Ein paar Pausen zwar, aber die waren kurz. Das Landesinnere ist eigentlich ein grandiose Gebrigslandschaft und so durchfahren wir auch mal einen Gebirgspass in 1.200 Metern Höhe. Gar nicht mal so schlecht, wenn man bei Abreise aus Deutschland nur Strand, Baden und Sonne im Kopf hatte!

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Am Strand in der Nähe von Epidavros Limera (Monemvasia)

Später am Nachmittag wird es noch wärmer, wir durchfahren Gebiete mit Orangenbäumen und Olivenplantagen. Die Straßen sind nun wieder breiter und gegen 17:00 Uhr erreichen wir den Strand in der Nähe von Monemvasia, an dem bereits die Freunde stehen. Strand bedeutet hier in der Gegend wie überall auf der Welt zwar auch irgendetwas mit Meer und Sand, letzterer ist allerdings nur sehr spärlich vorhanden. Auf einem Streifen von 10 bis 30 Metern besteht der Strand direkt am Wasser aus Kieselsteinen aller Größen, mehr oder minder steil abfallend in Wasser. Also ist man entweder im früheren Leben Fakir gewesen und kann ohne Schmerzen Barfuß über den Kiesel laufen, oder man zieht sich Gummilatschen an die Füße um ins erfrischende, aber nicht wirklich kalte Wasser zu gelangen. Das ist, im Gegensatz zur Ostsee ,sehr salzig und es ist klug, den Mund zu halten. Einmal mehr.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Am Strand in der Nähe von Epidavros Limera (Monemvasia)

Am Strand stehen noch einigermaßen weit verstreut vier andere Wohnmobile. Eigentlich ist Wildcampen (“Freistehen”) wie in fast allen anderen Ländern Europas auch in Griechenland verboten, doch genau Griechenland ist dafür bekannt, das es durchaus einige Plätze gibt, in denen das frei stehen geduldet, oder wohl richtiger, ignoriert wird. An vielen solcher Strände gibt es eine Frischwasserdusche und Mülleimer, Toiletten sind hingegen sehr selten. Aber die fährt ja immer mit uns.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Am Strand in der Nähe von Epidavros Limera (Monemvasia)

Vermutlich basiert die Ignoranz auf der Menge. Jetzt, im nahenden Winter sind zwar einige Wohnmobile (die meisten im übrigen aus Deutschland!) hier unterwegs, aber im Sommer werden es ungleich mehr sein und Gastfreundschaft und Toleranz werden mancher Orts offenbar über strapaziert. Daher stellen einige Gemeinden nun explizit “Campen Verboten” Schilder auf. Im Prinzip versuchen wir die zu beachten, wenn aber wirklich nichts (Dörfer, Häuser, Höfe) und niemand (Menschen, Tiere) in der Nähe ist, verstoßen wir gegen diese Gastregel. Nicht schön. Das wissen wir selbst.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Am Strand in der Nähe von Epidavros Limera (Monemvasia)

Griechenland hat nur knapp 11 Millionen Einwohner und in manchen Landstrichen ist es sehr, sehr einsam. Zum Vergleich die Einwohner pro Quadratkilometer: Griechenland 83, Deutschland 232. Da stören wir wohl eher nicht, wenn wir uns abseits der bewohnten Gebiete halten.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Gasse in der historischen Altstadt von Monemvasia
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Kirchturm in der historischen Altstadt von Monemvasia
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Kirchen in der historischen Altstadt von Monemvasia

Am nächsten Tag leihen wir uns den mitgebrachten Motorroller der Freunde und fahren 10 Kilometer in den von außen betrachtet wenig spektakulären Ort Monemvasia. Klar, da liegt ein riesiger Felsen vor dem Ort. Aber solche absurd anmutenden Landschaften gibt es öfters auf der Welt. Über eine kleine Brücke gelangt man zum Felsen und fährt zunächst auf der von unserem Strand aus nicht einsehbaren Seite verwundert eine kleine Küstenstraße längs. Verwundert, weil hier hunderte Autos in Reihe geparkt sind. Wo sind all diese Menschen, die zu diesen Autos gehören?

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Historischen Altstadt von Monemvasia
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Historischen Altstadt von Monemvasia
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Historischen Altstadt von Monemvasia

Die Straße endet an einer kleinen Wendeschleife an deren Kopfseite sich ein kleines Portal aus massiven Steinblöcken befindet. Offenbar was antikes. Gibt es in Griechenland zuhauf. Während sich der Fahrer nun darauf einrichtet, irgend einen Betrag als Eintritt zu berappen nur um dann Ruinen längst vergangener Tage betrachten zu können, trifft ihn fast der Schlag, als er das Portal durchschritten hat:

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Historischen Altstadt von Monemvasia
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Oberstadt der historischen Altstadt von Monemvasia
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Oberstadt der historischen Altstadt von Monemvasia

Aus dem dunklen Gewölbe wieder ins strahlende Sonnenlicht hinaus tretend, erblickt er eine niedliche kleine Gasse mit völlig intakten Häusern, kleinen Läden und Geschäftchen. Die Gasse ist mit groben Felssteinen gepflastert, nur wenige Menschen sind zu sehen. Eine Kasse, an der man einen Eintritt hätte bezahlen müssen, gibt es nicht. Dafür aber eine große Hinweistafel, das es ratsam sei, hier eine Maske wegen COVID-19 zu tragen. Dann mal auf Mund und Nase mit dem Teil, denn bei der engen Gasse ist klar, das man die 1,5 Meter Abstand zum nächsten nicht ernsthaft einhalten wird.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Weg in die Oberstadt der historischen Altstadt von Monemvasia

So pilgern wir staunend die leicht ansteigende Gasse entlang und entdecken neben den Geschäftchen auch urige Restaurants und Bars. Und kleine Gebäude, in denen sich offenbar Rezeptionen befinden. Denn da stehen Menschen mit kleinen Rollkoffern vor dem Tresen und melden sich ab oder an. Später stellen wir dann fest, das man in diesem wunderbar wieder aufgebauten historischen Dorf kleine Häuschen mieten kann. Statt langweiliger Hotelzimmer in Bettenburgen urige Steinhäuser in einer antiken Stadt. Gute Idee!

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Gasse der historischen Altstadt von Monemvasia

Die Gasse führt uns auf einen Marktplatz mit Kirche und eröffnet zur Rechten den Ausblick auf das Meer, zu linken auf den riesigen Felsen, der fast senkrecht die Stadt überragt. Nun, der geneigte Leser ahnt es sicher schon: Es gibt eine Treppe. Eine Treppe zur Oberstadt. Denn wo immer Menschen sich am Fuße eines Berges nieder gelassen haben, gab es auch immer schon Menschen, die den Gipfel dieses Berges erklimmen wollten, um über den anderen zu leben.

Während es die Mitreisende durchaus bestimmt ablehnt, die Treppen empor zu steigen, sieht der Berichterstatter seine persönliche Erstbesteigung dieses Felsbrockens im Meer geradezu als persönliche Pflicht an. So trennt sich die kleine Reisegruppe für eine Weile und verabredet den Marktplatz als Treffpunkt.

Der Aufstieg ist mühsam. Mund-Nasen-Schutz, holprige Treppen aus kleinen Felssteinen und die nachmittagliche Wärme machen neben dem jahrelangen Übergewicht den Aufstieg zur sportlichen Höchstleistung. Doch wie immer, wenn man sich anstrengt: Man wird belohnt. Belohnt mit grandiosen Blicken auf den Ort als ganzes, aber auch auf sehr schön zurecht gemachte einzelne Häuschen. Nachdem die Unterstadt zu Füßen liegt, windet sich in Serpentinen ein Treppenpfad recht schnell in die Höhe. Ein Gewölbe bildet mal wieder den Eingang und dann steht man in der Oberstadt. Jedenfalls in dem, was davon übrig ist. Denn hier sind in der Tat nur Ruinen zu sehen. Nun, was nicht ist, kann ja noch werden.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Unterwegs

Der Abstieg ist wie üblich nicht einfacher als der Aufstieg. Auf dem Marktplatz trifft sich die kleine Reisegruppe wie verabredet wieder und beschließt, in diesem kuscheligen Open-Air Ambiente noch einen Drink zu nehmen. Die eine Kaffee, der andere Bier. Mythos heißt das hier, im eiskalten Glas, leicht angefroren serviert. Oh Mann, wie köstlich! Der Kaffee 😉

Mit dem Motorroller am frühen Abend zurück zum Strand.

Was für ein Gefühl von grenzenloser Freiheit!

Peter.

Greece 3&4 , Fähre, Egialia

Die Fähre!

Die Fähre in Norditalien die uns nach Südgriechenland bringen soll!

Ganz anders als die Fähren in Deutschland, Australien, Dänemark, Schweden und Norwegen (…Angeber!). Statt einfach mit dem Auto an einem Schalter vorzufahren und sein Ticket und die Bordinglane auf dem Warteparkplatz an der Verladestation in Empfang zu nehmen, muss man in Ancona (Italien) erst mal ganz schnöde ins Büro. Das ist zwar auch irgendwo im Hafen, aber eben nicht da, wo die Fähren sind. Nun denn, Büro gefunden, mit Maske das Gebäude betreten und nach 20 Minuten Tickets erhalten und der Schnitzeljagd folgend, das nächste Ziel im Hafen in Angriff nehmend: Die Pier.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Im Fährhafen von Ancona

Wir fahren also wie befohlen zur Pier 16, da gibt es keine nummerierten Wartereihen, sondern einen Typen der meint: Stellt euch mal da hin. Das machen wir auch so, nur damit viel später andere Typen kommen, die meinen, wir stehen da falsch, wir sollten da und da hin. Wohlgemerkt immer noch an Pier 16.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Im Fährhafen von Ancona

Als unsere Fähre, die Helenic Spirit der Anek Line, am Nachmittag in Ancona ankommt, bekommt der eigentlich im Winterlager befindliche Skipper nicht genug zu sehen! Coole Hafenmanöver von einem schnittig großen Dampfer, völlig ohne Schlepperunterstützung. So entstehen ungestört viele Bilder aus nächster Nähe, bis einem Hafenmann auffällt, das da ein Tourist wie doof Fotos direkt an der Pier macht. Der soll da bloß mal ganz schnell verschwinden…ja, ja, schon klar!

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Die Fähre Helenic Spirit im Hafen von Ancona der Fährgesellschaft Anek Lines
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Die Fähre Helenic Spirit im Hafen von Ancona der Fährgesellschaft Anek Lines
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Die Fähre Helenic Spirit im Hafen von Ancona der Fährgesellschaft Anek Lines
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Die Fähre Helenic Spirit im Hafen von Ancona der Fährgesellschaft Anek Lines

Was dann folgt wirkt auf den Außenstehenden wie eine gehobene Form des absoluten Chaos. Die beiden Laderampen öffnen sich und spucken jede Menge große 30-Tonner LKW´s aus. Sie entkommen dem großen Schiffsbauch Vorwärts, Rückwärts, auf der Pier wendent, nur Meter vom nächsten rückwärts fahrenden Truck. Noch haben wir ja keine Ahnung, was im inneren dieses Schiffes gerade abgeht. Dock spätestens als über die eine Laderampe bereits LKW´s an Bord fahren während auf der anderen immer noch die Trucks aus dem Schiff heraus quellen wird klar: Das hat System! Welches ist unklar, aber es hat ein System! Es muss ein System haben!

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Die Fähre Helenic Spirit im Hafen von Ancona der Fährgesellschaft Anek Lines
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Die Fähre Helenic Spirit im Hafen von Ancona der Fährgesellschaft Anek Lines
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Die Fähre Helenic Spirit im Hafen von Ancona der Fährgesellschaft Anek Lines

Wir stehen immer noch auf unserer neuen Warteposition, die meisten der zu verladenen LKW´s sind schon an Bord. Irgendwann kommt ein uniformierter und meint, “to the ship, to the ship!”. Ja ja, schon klar, wir wollen zum Schiff, aber sollen wir jetzt im Ernst in diesem Getümmel etwa los fahren? Ja, sollen wir.

Über die linke Rampe in den Laderaum. Es dröhnen die LKW Motoren, Geschrei aus allen Richtungen, Abgase dringen in die Nase. War es eben noch gleißend Hell in der prallen Nachmittagssonne von Ancona, wird es mit einem Male schummrig dunkel. Wir sollen im Laderaum über eine dort befindliche weitere Rampe ein Deck höher in Richtung Bug fahren.Für uns anspruchsvoll, doch wenn die großen Lastwagen da rauf und runter kommen, werden wir das ja wohl auch hin bekommen. Oben angekommen geht es wieder zurück in Richtung Heck. Zwei laut schreiende Einweiser bugsieren die ankommenden Fahrzeuge in ihre endgültige Parkposition. Laut schreien müssen sie auch. Denn es ist unglaublich laut! Beide Ladedecks sind eigentlich nur rechteckige Schuhkartons die in der Mitte längsschiff durch Treppenhäuser und Versorgungsleitungen getrennt sind. Wir sollen wenden und rückwärts vor einen LKW. Kein Problem, doch jetzt wird es sehr eng und stählerne, gelb gestrichene Stützen die das darüber liegende Deck tragen tauchen unvermittelt im Rückspiegel auf. Die ob der Mannöver arg geforderten LKW Motoren und das Geschrei in allen Sprachen dieser Welt ist ohrenbetäubend. Als es um die Feinarbeit geht vernehmen wir mit einem male Deutsch: Rechts, Links, Weiter, weiter, weiter und schließlich Stop!

Knapp 10 Zentimeter kommen wir vor dem Führerhaus eines LKW´s zu stehen, zu beiden Seiten ist der Abstand etwas größer, aber von einem dieser gelben Stahlträger trennen unsere noch makellose Fahrzeugaußenhaut vielleicht 5 Zentimeter. Derweil kommen weitere LKW´s, die meisten parken nun vorwärts ein. Das heißt, sie müssen bei Ankunft rückwärts wieder raus bugsiert werden.

Unsere Sachen sind schon längst gepackt. Klamotten für eine Nacht, Waschzeug, Computer und Kamera gegriffen, Auto abgeschlossen und sich das Heck von Deck 6 als Parkposition gemerkt. Über das erste erreichbare Treppenhaus nach oben. Komisch, das hier jetzt so gar nichts beschriftet ist? Wohl nicht für Passagiere gedacht. Nicht ein Hinweisschild findet sich und so kommen wir auf Deck 10 heraus und müssen uns erst mal zurecht finden. Mittschiffs ist ja immer gut, zwei Decks runter und schon sind wir da, wo wir sein sollten: An der Rezeption!

Seit dem wir das Auto verlassen haben tragen wir unsere Masken, das wird an Bord auch so verlangt. Wir bekommen unsere Kabinenkarten und ein Page bringt uns mit dem Aufzug zurück auf Deck 10. Welch Luxus!
Die Kajüte ist OK und ähnelt sehr denen auf den Fähren im Norden. Zwei Einzelbetten, Nasszelle und ein leerer Kühlschrank. Eigentlich sind diese Fähren wohl auch gar nicht auf Passagiere ausgelegt, sondern auf den Transport von LKW´s. Die Fahrer sind dann eher Beiwerk. Keine Ahnung, wo die unter kommen. Würde mich nicht wundern, wenn die Fahrer einen Urlaubstag für die gut 20 stündige Passage einreichen müssten und ihr Essen an Bord selbst bezahlen sollten. Bier, so finden wir heraus, bekommen die LKW Fahrer zum halben Preis. Wir nicht. Wir sind halt schnöde Touristen.

Obwohl die beiden Laderäume sehr voll wirkten, laufen auf dem “Vergnügungsdeck” kaum Menschen herum. Schade ist, das man nur achtern nach draußen kann und keinen freien Außenblick nach voraus bekommt. Aber so verfolgen wir am Heck aufmerksam das Ablegemanöver und wundern uns noch immer darüber, das es beim Ent- und Beladen keine Unfälle gegeben hat.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Im Hafen von Ancona

Nach passieren der Hafeneinfahrt gehen wir auf dem Vergnügungsdeck 8 nach vorne in die leere Mythos Bar und genießen den Blick auf eine völlig ruhige Adria. Wir können uns nicht erinnern, jemals ein so ruhiges Meer gesehen zu haben.
Derweil hat unser Gastdampfer nun Reisegeschwindigkeit erreicht und selbst ganz vorne ist die Vibration der Maschinen noch sehr wohltuend zu spüren.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: An Bord der Fähre Helenic Spirit – Auf See

Für den Abend haben wir uns ein Picknick aus dem Auto mitgebracht. Die wie unsere Kajüte auf Deck 10 befindliche Disco ist Coronabedingt geschlossen und so wird das mit dem sowieso nicht vorgehabten Tanzen auch spontan nichts. So eine leicht schwankende und vibrierende Koje ist ja zur Abwechselung auch nicht schlecht.

Bei Sonnenaufgang passieren wir an der Backbordseite Albanien und an der Steuerbordseite Corfu. Tatsächlich waren wir 2015 mit dem STORMVOGEL genau in diesem Revier auf Nordwestkurs, jetzt in die Gegenrichtung und halt ein paar Nummern größer.
Die Handys stellen wir lieber auf Flugmodus, loggen sie sich doch immer wieder in das Mobilfunknetz von Albanien ein – das ist immer noch richtiges Ausland! Nix EU Rooming.

Wir nähern uns dem planmäßigen Zwischenstopp Igoumenitsa in Griechenland und sind gespannt, wie das Hafenmanöver gefahren wird. Gutes Wetter, aber ordentlich ablandiger Wind. Unser Dampfer geht mit dem Heck zu Pier, keine Landverbindung zu beiden Seiten, kurz mal zwei Heckleinen rüber, dann offenbar Maschine langsam voraus und in einem Affenzahn verlassen ungefähr 50 Trucks und ein paar PKW´s das Schiff. Keine 30 Minuten später sind wir wieder unterwegs. Dolle Sache das!

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: An Bord der Fähre Helenic Spirit – Zwischenstop in Igoumenitsa
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: An Bord der Fähre Helenic Spirit – Zwischenstop in Igoumenitsa
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: An Bord der Fähre Helenic Spirit – Zwischenstop in Igoumenitsa
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: An Bord der Fähre Helenic Spirit – Zwischenstop in Igoumenitsa
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: An Bord der Fähre Helenic Spirit – Zwischenstop in Igoumenitsa

Im Prinzip kann man die Küste immer gut erkennen und wir verbringen den Nachmittag auf dem Achterdeck. Direkter Kurs auf Patras, der großen Stadt im Norden des Peloponnes, gleich neben der riesigen Rio Andirrio Brücke, die wir 2015 auf Heimatkurs mit dem eigenen Boot passiert haben.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: An Bord der Fähre Helenic Spirit – Ansteuerung Patras

Gegen 15:00 Uhr ist der Dampfer angebunden und wir sitzen schon seit 20 Minuten startklar in unserem Auto. Doch vor uns stehen viele, sehr viele LKW´s und die müssen alle die schmale eine Rampe runter. So mancher LKW Fahrer macht seine Sache sehr gut, andere brauchen viel Unterstützung von den Einweisern. Die ihre Sache wirklich sehr gut, aber auch sehr riskant machen. Oft sind weniger als 10 Zentimeter Abstand zwischen den Fahrzeugen, das ist eng. Das ist sehr eng. Die Einweiser turnen und wuseln nur so um die LKW´s herum, ein falsches Manöver und sie würden eingequetscht. Spätestens wenn die Trucks dann die Rampe runter fahren wird es noch enger, denn die Außenspiegel sind jetzt ausgeklappt und schleifen manchmal am Geländer. Aber da steht kein Einweiser mehr. Gegen 16:30 Uhr sind wir frei geparkt und wir dürfen los. Endlich!

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: An Bord der Fähre Helenic Spirit – Ansteuerung Patras

Wir verlassen das schwimmende Parkhaus ohne Blessuren am Fahrzeug über die innere und äußere Rampe und sind froh´, die Anreise nach Griechenland hinter uns gebracht zu haben.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: An Bord der Fähre Helenic Spirit – im Laderaum
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: An Bord der Fähre Helenic Spirit – im Laderaum
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: An Bord der Fähre Helenic Spirit – im Laderaum
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: An Bord der Fähre Helenic Spirit – im Laderaum

Nun wird es jedoch noch mal spannend. Wie von Griechenland gefordert, haben wir im Vorfeld der Reise online ein PLF (Passenger Locator Form) ausgefüllt und wie von Griechenland versprochen, haben wir tatsächlich in der Nacht eine eMail mit einem Barcode von der Griechischen Regierung bekommen. Dieser Barcode ist für eine Einreise in Coronazeiten zwingend notwendig. Und, tärä, wir werden tatsächlich angehalten und müssen das PLF Dokument (als eMail Anhang PDF) mit dem Barcode vorweisen. Ein Scan, ein Blick, alles klar.

Nun aber wirklich: Willkommen in Griechenland, willkommen in Patras!

Die Verkehrsführung will uns zügig auf die Autobahn leiten, das wollen wir aber nicht. Ein Supermarkt wäre jetzt nicht schlecht und dank Herrn GOOGLE finden wir auch einen. Auf dem Weg dahin tanken wir das Auto voll mit Diesel. Für 1,019 € je Liter. Sensationell günstig. Jedoch, so denken wir später, irgendetwas stimmt mit dem Stoff nicht. Keine andere Tankstelle ist so günstig (eher 1,109 €) und die Verbrauchsnadel bewegt sich relativ schnell gen leer.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Egialia, PLO Beach Cafe

“Voll” getankt und frisch versorgt machen wir uns auf den Weg zu unserem ersten Übernachtungsplatz. Mal wieder mit PARK4NIGHT ausgekundschaftet. 60 Kilometer in der Abenddämmerung gen Osten, nach Egialia, ins PLO Beach Cafe. Angenehm warm. Und aufregend fremd die Fahrt durch die Straßen. Definitiv Mittelmeer, fast schon ein wenig eine arabische Anmutung. Vielleicht auch Einbildung.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Egialia, PLO Beach Cafe

Den Platz bei Egialia zu finden ist trotz Navi gar nicht so leicht, aber natürlich gelingt es doch. Um diese Jahreszeit sind wir zunächst die einzigen Gäste und der geschäftstüchtige, aber durchaus sehr freundliche Besitzer überzeugt uns schnell, bei ihm zu Essen. Sein Geschäftsmodell: Wenn man 30 € für Essen und Trinken in seiner kleinen Taverne bei ihm lässt, braucht man für den Standplatz nichts zu bezahlen. Das bekommen wir hin, natürlich.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Am Strand von Egialia

Später am Abend kommt nur noch ein weiteres Auto und so bleibt sie sehr ruhig, unsere erste Nacht auf dem Peloponnes.

Nach drei Tagen unterhaltsamer Anreise, 1.700 Autokilometern und gut 20 Stunden Fährfahrt sind wir da, wo wir hin wollten.

Im warmen und sonnigen Griechenland!

Hurra!

Peter.

Greece 2, Offagna

Wer früh´ zu Bett geht, wird auch früh wieder wach!

(So Gott, oder wer auch immer, will!)

Das macht am zweiten Reisetag auch wirklich Sinn, denn wir wollen 650 Kilometer schaffen. Die zu erreichende Fähre nach Griechenland startet am Dienstagnachmittag ab Ancona, das liegt in Nordost Italien. Also besteht der heutige Montagsplan darin, so nah wie möglich an den Fährhafen zu kommen um am Folgetag so stressfrei wie möglich das Schiff zu erreichen.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Offagna in der Nähe des Fährhafens von Ancona

Gegen 06:30 Uhr geht es los, nach 30 Minuten sind wir schon wieder auf der Autobahn Richtung Brenner. Die in Österreich notwendigen Vignetten und Streckenmaut haben wir vorab im Internet gekauft. Nur wenn man sich als Geschäftsmann ausgibt, kann man die elektronische Variante auch noch einen Tag vor der Reise buchen. Das ist mal wieder so ein Verbraucherschutznonsens: Wer als Privatmensch einen Vertrag über das Internet abschließt, hat ein 14-tägiges Widerspruchsrecht. Im Geschäftsleben gilt das nicht. Bedeutet: Man könnte sich eine elektronische Vignette kaufen, damit die Straße in Österreich befahren und dann, innerhalb von 14 Tagen nach Kauf, von eben jenem Kauf zurück treten und sein Geld zurück verlangen. Der Gedanke ist offenbar so verlockend, das vermeintlich clevere Zeitgenossen so was wohl auch glatt versuchen würden. Um jeder Diskussion aus dem Weg zu gehen wird der kurzfristige Vignettenkauf für Privatkunden also einfach vom Betreiber verhindert und man wird ordentlicher Mensch gezwungen, etwas nicht ganz sauberes zu machen, weil nicht ganz saubere Trickser tricksen. Irre!

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Altstadt von Offagna in der Nähe des Fährhafens von Ancona

Die elektronische Vignette und die elektronische Streckenmaut funktioniert anhand des Nummernschilds. Also beim Buchen sicher sein, was da wirklich am Auto dran hängt! Für das Befahren der Brennerautobahn und des Brennertunnels muss man neben der normalen Vignette noch eine so genannte Streckenmaut berappen. Geld, immer kostet alles Geld! Könnte man denken. Doch wenn man die Strecke mal gefahren ist, wird man anerkennen müssen, das solche Bauwerke wohl auch enorm teuer sind.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Offagna in der Nähe des Fährhafens von Ancona

In der Morgendämmerung erheben sich die mächtigen Berge der Alpen entlang der Autobahn. Der Verkehr läuft, aber die Fahrspuren sind so eng, das der Fahrer wohl doch besser immer auf die Straße und nicht auf das grandiose Bergpanorama schaut! So befindet jedenfalls die stets aufmerksame Beifahrerin. Der Brennertunnel hoch oben ist mit ein paar hundert Metern so, das er eigentlich gar keine Show ist. Danach, nun auf der Italienischen Seite, geht es gefühlt endlos bergab.

Aber irgendetwas ist auch anders. Das Verkehrsaufkommen ist eigentlich gleich geblieben, doch wieso sieht sich der Fahrer mit einem Male Streß ausgesetzt?

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Offagna in der Nähe des Fährhafens von Ancona

Nach kurzer, wie immer präziser Analyse:
In Österreich darf man 100, manchmal 110 km/h fahren. Die LKW´s wie bei uns 80 km/h. In Italien dürfen die PKW´s 130 Kilometer pro Stunde zurücklegen – und darauf achten die auch genau. Ferner ist die Nutzung des Blinkers offenbar kostenpflichtig und am Jahresende erhält derjenige Fahrer, der die kürzesten Abstände zum Vordermann ohne technische Hilfsmittel einhalten konnte, die Ehrenmitgliedschaft auf Lebenszeit im Italienischen Automobilclub.

Versucht nun der gemeine Deutsche, mit seinem Bus mit ca. 100 km/h die gleiche Straße wie die Eingeborenen zu befahren, kommt es zu einer Alternativlosen Konfliktsituation. Oder besser: Es könnte dazu kommen, wenn man als gemeiner Deutscher auf sein Europäisches Koexistenzrecht bestehen würde.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Offagna in der Nähe des Fährhafens von Ancona

Die Autobahnmaut in Italien ist klassisch über Mautstationen geregelt: Man zieht ein Ticket und wenn man von der Autobahn abfährt, errechnet ein Blechaffe die zu bezahlende Gebühr. Kann auch mal mehr werden!
Das Tanken ist in Italien zu vermeiden – deutlich teurer als in Österreich oder, in unserem Fall, Griechenland. Wie schön das unser Bus 120 Liter Kraftstoff aufnehmen kann!

Über PARK4NIGHT haben wir uns den Ort Offagna, ca. 20 Kilometer von Ancona entfernt, als Übernachtungsplatz ausgesucht. Historische Altstadt auf einem Berg (andere würden Hügel dazu sagen), offizieller Wohnmobilstellplatz mit allen Versorgungsmöglichkeiten für 5 Euro die Nacht. Prima!

15 Kilometer vor dem Ziel verlassen wir endlich die Autobahn, die Beifahrerin schluckt kurz an der Mautstelle ob der knapp 50 Euro mit denen wir den Straßenbau in Italien zwischen dem Brenner und Ancona finanzieren sollen. Deren Land, deren Regeln. Deren Straßen, unser Geld.

Das Navi führt uns über eine Nebenstrecke auf den Berg, kein Gegenverkehr, kein Problem.

Der Stellplatz ist super gelegen, bietet Platz für 8 Autos, zwei Eingeborene sind schon da. Es ist früher Nachmittag, grandioser blauer Himmel, Sonnenschein und gute Laune! Also Latschen aus, Wanderschuhe an und den Ort erkunden!

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Offagna in der Nähe des Fährhafens von Ancona

Wir sehen kaum andere Menschen, aber die, die wir sehen, tragen alle ihren allseits bekannten Mund-Nase-Schutz. Auch im freien. Auch, wenn sie vollkommen alleine sind. Also Herrn GOOGLE konsultiert und fest gestellt, das hier tatsächlich auch im freien eine Maske getragen werden soll. Also Maske an, fühlt sich nun reichlich bescheuert an, und weiter.

Alle Restaurants sind geschlossen. Das hat aber wohl nichts mit Corona zu tun, sondern mit der Uhrzeit. Siesta gibt es nicht nur in Spanien. Wir scouten die Pizzeria Sotto la Rocca bei der man auch draußen sitzen kann und die schon ab 18:00 Uhr öffnet. Das wird dann wohl die unsere sein!

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Offagna in der Nähe des Fährhafens von Ancona

Eine echte Pizza in Italien muss ja wohl drin sein.

Natürlich sind wir zu früh´ und stellen verwundert fest, das gleich neben an ein Schlachter sein Geschäft hat. Gegen erbitterten Widerstand der Mitreisenden werden überschaubare Portionen von Mortadella, Salami und Schinken gekauft. Made in Italy. So, für unterwegs. Statt Obst.

Die Pizza ist klasse. Das liegt auch am Konzept, das sich der Koch überlegt hat. Eine normale Pizza kostet je Person so zwischen 6 und 8 Euro. Er hat sich aber eine Pizza für zwei Personen ausgedacht, die man mit (anteilig) mit vier verschiedenen Belägen bestücken kann. Die wählt man einfach aus den normal zur Verfügung stehenden Pizzen aus. Die zwei Personen Pizza kostet dann 19 Euro – und ist jeden Cent Wert. Gute Idee, mehr Umsatz, zufriedene Gäste.

Weniger gut war die Idee des berichtenden, so viel davon zu essen und auch noch den örtlichen Wein, Grappa und Nachtisch zu sich zu nehmen. Aber das wäre eine andere Geschichte, wollte man darüber wirklich schreiben.

Die Nacht verbringen wir ruhig und zufrieden im geheizten Auto.

Peter.

Greece 1, Pill

Die aktuelle Reise beginnt vor der Haustür. Mitten in der Nacht. Genauer gesagt um 01:30 Uhr an einem Sonntag Morgen. Das Auto am Samstag gepackt, gewartet und gewienert. Nur noch die warmen Bettdecken und die Kopfkissen rein, Kaffee kochen und in Thermobecher umfüllen und dann los!

Der frühe Start hat Gründe. Wir wollen in einem Rutsch bis an die Grenze nach Österreich kommen. Bei dem Autoverkehr in Deutschland sind gute 900 Kilometer kein Pappenstil. Also haben wir uns folgendes ausgedacht: Wir starten in der Nacht zu Sonntag und brausen mit 100 km/h auf der “Ostautobahn” (A7 bis Hannover, A2 bis Magdeburg, A14 bis Leipzig, A9 bis München, A8 nach Rosenheim, A93 zur Grenze) nach Süden. Die A7 ist schon lange keine Option mehr. Endlose Baustellen und elendig viel Verkehr. Durch den Osten ist die Strecke nur unwesentlich länger. Spätestens alle 350 Kilometer Zwangspause.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Zwischenstop in Pill / Österreich – Plankenhof

Wie erhofft läuft es super, in den ersten Stunden spielt auch die Müdigkeit keine Rolle. Leider auch bei der Beifahrerin nicht und so sind unsinniger Weise beide Reisenden wach und können sich nicht wie geplant gegenseitig beim Fahren ablösen. Der Morgengrauen ist schwierig, doch die zunehmende Helligkeit macht wach! Erst gegen 10:00 Uhr nimmt der Verkehr deutlich zu, bleibt aber gut im Fluss.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Zwischenstop in Pill / Österreich – Plankenhof

So kommt es also, das wir nicht wie geplant auf der Deutschen Seite der Grenze übernachten, sondern gut gelaunt noch ca. 60 Kilometer weiter, in den Österreichischen Ort Pill weiter fahren. Laut PARK4NIGHT gibt es dort einen netten kleine Campingplatz, ohne Umwege zu erreichen. Landschaftlich wirklich gut gelegen, Corona und Saison bedingt natürlich relativ tot. Für ein paar Fotos, aber auch zwecks allgemeiner Ertüchtigung machen wir uns zu einer kleinen Ortsbegehung auf. Der hier fließende Inn führt schon ganz ordentlich Wasser, doch erst bei der Schneeschmelze wird das üppige Flussbett wohl richtig ausgefüllt. Wir lassen uns die Abendsonne auf den Pelz brennen und verkrümeln uns füh´ in den Bus samt Gasheizung.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Zwischenstop in Pill / Österreich – der Fluss Inn

Der kleine Campingplatz gehört zum Hotel Plankenhof. Vom Wirt haben wir erfahren, das er den Platz im Winter nicht offen halten kann, weil die einfachen, aber sehr sauberen sanitären Anlagen bei Frost einfach einfrieren würden. Neben Duschen und WC gibt es sogar eine Spülküche mit Waschmaschine und Trockner. Es hat in den vergangenen Tagen ordentlich geregnet und so ist die große von Bäumen umsäumte Wiese recht matschig. Ein PÖSSL Bus aus Norwegen hat sich bereits auch glatt darin fest gefahren. Wir mit unseren Monsterbreiten Reifen nicht – zum Glück! Am Abend, es ist schon dunkel, kommt noch ein großes Wohnmobil, bemerkt rechtzeitig das vorübergehende Sumpfgebiet und parkt wie wir mutig zwischen den Bäumen.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Zwischenstop in Pill / Österreich – der Fluss Inn

Das war so ziemlich die letzte Beobachtung an diesem langen Tage. Denn der Tag endet für uns früh´, hat er doch auch sehr früh begonnen!

Peter.

P.S.: Griechenland ist im Deutschen ein so langes Wort. Greece im Englischen ist so schön kurz…

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Zwischenstop in Pill / Österreich – Unterwegs


Coroniod 2

Bevor an dieser Stelle in sehr kurzer Kürze mal wieder über eine neue Reise berichtet wird, muss in diesem Beitrag zur Klarstellung einmal mehr auf unsere Haltung zum Coronavirus eingegangen werden. Nicht, das wir am Ende noch als Coronaleugner verleugnet werden 😉

Grundsatz:
Wir halten uns strikt an die im jeweiligen Land geltenden Gesetzte und Verordnungen. Punkt.

Wenn es also ein Reiseverbot geben würde, würden wir nicht reisen. Wenn es eine Anordnung gibt, ein Land zu verlassen, würden wir das Land verlassen. Wenn es ein Einreiseverbot gibt, dann würden wir nicht einreisen. Wenn ein Mund-Nase Schutz getragen werden soll, werden wir ihn tragen. Egal wo.

Nun wird es für uns alle zunehmend schwierig den Überblick zu behalten. Das geht schon los mit den Definitionen. Was ist schon, ganz genau betrachtet, ein Land?

Nun, innerhalb Deutschlands gibt es unsere schönen Bundesländer. Da hat doch unser Heimatbundesland Schleswig Holstein jüngst ein Einreiseverbot für Bewohner von innerdeutschen Risikogebieten verkündet. Genannt hat das unserer Ministerpräsident “Beherbergungsverbot”. Ein Anwalt aus Nordreihnwestfalen hat dieses Verbot vor dem Landesverfassungsgericht von Schleswig Holstein angefochten, verloren und ist trotzdem nach Sylt, welches unzweifelhaft in unserem wunderbaren Bundesland liegt, eingereist. Das Schlupfloch, das er fand: Geschäftliche Reisen sind erlaubt. Schließlich will niemand, auch wir Nordlichter nicht, die Wirtschaft gefährden. Soweit, so trickreich. Hätte er, der Anwalt, jetzt nur nicht seine Familie mit auf die “Geschäftsreise” genommen, wäre das halbwegs glaubhaft. Doch wo leben wir eigentlich, wenn Anwälte vor Gericht ganz offiziell verlieren und dann geltendes das Recht brechen? Haben Anwälte nicht eine besondere Verpflichtung, sich an rechtmäßige Gerichtsurteile zu halten?

Nun, wir sind keine Anwälte. Wir brechen auch kein Recht. Wir halten uns an Recht. Daher brauchen wir auch keinen Anwalt. Wir halten uns an Recht in der einzigen Überzeugung, das sonst das Zusammenleben von 80 Millionen Einwohnern nicht funktionieren kann.

Diese durchaus strikte Haltung haben wir gegenüber Appellen und Hinweisen aller Art nicht. Auch nicht, wenn die Bundeskanzlerin in einem Video dazu auffordert, auf Reisen aller Art zu verzichten, wenn sie nicht unbedingt notwendig seien. Nun haben wir Frau Merkel sicher nicht gewählt, doch respektieren und achten wir sie. Sehr sogar. Doch was wollte sie uns bloß damit sagen?

Allein, über eine Notwendigkeit ließe sich sicherlich vortrefflich diskutieren. Noch viel besser mit einem Bier oder Wein. Endlos. Also macht es gar keinen Sinn, auf eine eventuelle Notwendigkeit einzusteigen.

Die inhaltliche Frage ist doch wohl, WIE gereist wird?

Wenn man, ganz platt betrachtet, im Flieger zum Ballermann brettern würde, dann ist die Gefahr einer Coronainfektion wohl unbestritten hoch. Wenn man im eigenen Auto (Wohnmobil) durch die Gegend kurvt, Restaurants und Lokale aller Art meidet, die AHA Regeln strikt anwendet und sich generell viel alleine zu zweit im Freien aufhält, was bitteschön soll da schon passieren?

Das Thema ist wohl Eigenverantwortung und Augenmaß. Wie wollen wir eigentlich in den kommenden Jahren mit dem Coronavirus leben? Einsam zu Hause auf dem Sofa sitzend und vor der Glotze völlig verblöden? Das Virus wird ja nicht einfach verschwinden. Selbst wenn es mal einen wirksamen Impfstoff gibt, bleibt das Virus. Es hat schon längst unser Leben, unser Handeln für immer verändert.

Die Frage, die wir uns vorlegen müssen ist doch: Wollen wir uns anpassen oder wollen wir uns im nicht vorhandenen Keller verkriechen?

Wir passen uns an und lassen uns unsere Reisen von diesem miesen Virus nicht vermiesen.

Stillstand ist der Tod.

Peter.

Daumen drücken!

Daumen drücken für einen guten Kerl!

Bob McDavitt ist ein pensionierter Meteorologe in Neuseeland. Seit Jahrzehnten kümmert er sich ehrenamtlich um die Segler im Pazifik und versendet einmal pro Woche, immer Sonntags seinen “Bob Blog” Newsletter per eMail mit der aktuellen Wettersituation im Pazifik. Kurz und bündig erläutert er darin die Wetterlage und gibt Hinweise und Tipps für die Passage der Hauptrouten über den größten Ozean der Welt.

Wer will, kann Bob auch individuell buchen um für die eigene Passage eine zweite Wettermeinung einzuholen. Dafür nimmt er Geld, aber so wenig, das es sich wohl eher eine Art Schutzgebühr handelt, um nicht in Arbeit unterzugehen.

Schon im Mai 2013, auf Galapagos haben wir Bob´s kostenlosen Newsletter abonniert. Sieben Monate später, im November 2013 haben wir ihn dann in Opua, Neuseeland auch persönlich kennen gelernt. Wenn er sich nicht gerade sehr gut mit Wetter auskennen würde, könnte er bei seinem perfekten Aussehen auch glatt jeden Job als Weihnachtsmann annehmen. Für unsere Passage von Neuseeland nach Vanuatu im Mai 2014 haben wir ihn dann um eine tägliche, individuelle Wetterberatung gebeten.

Bestes Segelwetter, voll gerefft.

Die durchaus freundlich und herzlich gemeinte Anekdote dazu ist folgende:
In Absprache mit Bob das richtige Wetterfenster für die neun geplanten Seetage abgewartet. Bei gegenläufiger Welle am Wind aufgebrochen, nach zwei Tagen perfektes Hochsee-Segelwetter. Dann per eMail die Warnung von Bob: Nördlich von euch kommt ein Sturmtief durch. Lauft mindestens 7 Knoten um vorher auf Vanuatu anzukommen oder fahrt so langsam wie möglich, damit es vor euch durch zieht.
7 Knoten im Durchschnitt für ein paar Tage sind wirklich eine Menge, also lieber bei Bestem Wetter reffen und mit bummelig 4 Knoten vor sich hin eiern. Doch wir waren wohl immer noch zu schnell: Zwei Tage vor Vanuatu bekommen wir eine mächtige See und gut 40 Knoten Wind. Und der Skipper des STORMVOGELS viele Sorgenfalten ins Gesicht.

Doch wie meinte Per, der unerschütterliche Norweger von der Segelyacht ODA:

“Mensch Peter, 40 Knoten sind überhaupt kein Problem. Solange sie aus der richtigen Richtung kommen!”

Per Mandt, 17. Mai 2014

Stimmt. Raumschots auf offener See vielleicht unangenehm, aber in der Tat kein Problem.

Gestern, am Sonntag den 11. Oktober 2020 erhielten wir nun den kürzesten Bob Blog seit dieser Zeit und darin ein echtes Problem:

“I’m in hospital now (complications with Bone Cancer) and may be in for a while, so this brief blog may be it for a while from me. Bob for MetBob.”

Bob McDavitt, 11. Oktober 2020

Zu Hochdeutsch:
“Ich bin jetzt im Krankenhaus (Komplikationen mit Knochenkrebs) und kann eine Weile in der Klinik sein. Dieser kurze Blog kann es für eine Weile von mir sein. Bob für MetBob”

Umgangssprachlich: Schöne Scheiße!

Also denn mal Daumen drücken – auch wenn das wohl nicht wirklich helfen kann.

Peter.

NEUER Coronia Selbstversuch?

Irritierend viele Monate sind seit dem letzten Geheimbericht von Dr. Peter und Schwester Heidi vergangen. Offenbar gingen sie in der Zwischenzeit einem völlig anderen als dem Forscherleben nach. Soweit bekannt, bereisten sie im Sommer aufwendig an Bord einer Segelyacht die westliche Ostsee, offenbar um ihre wahre Identität und Tätigkeit zu verschleiern. Verwirrend erscheinen die in dieser Zeit abweichend verwendeten Decknamen “Skipper” und “Mannschaft”. Die geheime Forschung nach dem Serum der Serums, der Entdeckung eines universellen Corona-Antivirus zur Befriedigung der gierig mit den Hufen scharrenden Öffentlichkeit geriet unverantwortlicher Weise in den Hintergrund.

Bei Dr. Peter muss man wohl erneut Selbstsucht und Eigennutz unterstellen. Die Motivlage von Schwester Heidi ist selbstverständlich nach wie vor über jede Spekulation erhaben.

Doch nun, Anfang Oktober eines durchaus denkwürdigen Jahres, erreichen uns aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen die neuesten, nicht weniger kühnen Pläne von Dr. Peter und Schwester Heidi zum Jahresende. In berauschender Siegesgewissheit der üblichen Selbstüberschätzung von Dr. Peter sprach eben jener völlig unbefangen in der letzten Woche mit einer langjährig vertrauten Person, die sich vermutlich bereits im neu entdeckten Operationsgebiet befindet. Wir konnten zwar das unverschlüsselte Telefonat abfangen, benötigten aber über eine Woche um die sehr undeutliche Aussprache von Dr. Peter (vermutlich lallen infolge Einnahme gesundheitsbedenklicher Substanzen) auch inhaltlich zu verstehen:

+++ BREAKING NEWS +++
Dr. Peter plant offenbar in neuem Operationsgebiet einen sensationell neuen Coronia-Selbstversuch! Schwester Heidi wird ihn wieder begleiten und Dr. Peter wie üblich auf den Boden der wissenschaftlichen, aber auch zwischenmenschlichen Tatsachen zurück holen!
+++ BREAKING NEWS +++

Quelle: Der Freund eines Freundes.

Die Meldung im Einzelnen:
In den kommenden Tagen, spätestens jedoch in der vierten Oktoberwoche wird Dr. Peter mit Schwester Heidi im geheimen mobilen Forschungslabor auf vier Rädern erneut gen Süden aufbrechen. Der Kohle betriebene Versuchshochofen wurde in der Zwischenzeit durch ein neueres Modell ersetzt. Nach dem frühlingshaften Desaster in Südfrankreich und der überstürzten Abreise soll offenbar diesmal Griechenland die neue Operationsbasis werden. Die genaue Route ist offensichtlich so streng geheim, das sie nicht mal Dr. Peter selbst zu kennen scheint. Unbeabsichtigt gab Dr. Peter einen Hinweis darauf, wie er gedenkt bei der Anreise ins Operationsgebiet seine ansonsten unübersehbaren Spuren zu verwischen. Russische Internet Trolle, aber auch westliche Geheimdienste spielten uns umfangreiche Protokolldateien seines Internetbrowsers zu. Aus dieser Quelle geht klar hervor geht, das er die Fährverbindung von Ancona (Italien) nach Patras (Griechenland, Peloponnes) favorisiert.
Offenbar steht das herbstliche Forschungsvorhaben unter dem Eindruck einer zeitlich hoch optimierten Anreise in das Operationsgebiet. Dabei ist Zeit eigentlich genug vorhanden. Soweit bekannt, setzte sich Dr. Peter selbst offiziell ab Mitte September auf Kurzarbeit Null. Es anzunehmen, das mehr Zeit in den geheimen Forschungslaboren des neuen Operationsgebietes verbracht werden soll als beim letzten Coronia-Selbstversuch Anfang des Jahres in Südfrankreich.

Da sich offenbar enge Vertraute bereits im zukünftigen Operationsgebiet befinden, ist erneut von einem kollaborativen Forschungsansatz auszugehen. Unbestätigten Gerüchten zufolge waren die gleichen, weiterhin noch unbekannten Personen, auch in Südfrankreich Teil des Erkundungsteams.

Aufgrund der vermuteten herbstlichen Witterung auch im Süden Europas sucht Dr. Peter offenbar sichere, im Besonderen um diese Jahreszeit geöffnete Forschungsstätten auf dem Peloponnes. Unter dem Decknamen “Wintercamping” hat er auf Basis dieser Informationsquelle eine Landkarte für die anstehenden Experimente und Selbstversuche in wechselnden Laboren erstellt.

Der genaue Abreisetermin scheint derweil aber noch nicht fest zu stehen. Ganz wie im März dieses Jahres, verfügen spontan lokale Landesfürsten (…in grenzenloser Unwissenheit bezüglich der geheimen Forschungstätigkeit von Dr. Peter und Schwester Heidi) lokalste Reisebeschränkungen. Diese schwer Verständlichen Anordnungen werden vermutlich unmittelbaren Einfluss auf diese lebensnotwendige Forschungsreise haben. Selbst seltene in der Eigenwahrnehmung höchstintelligente Selbstversuchsforscher wie Dr. Peter haben offenbar mittlerweile Schwierigkeiten, der erneut aufkommenden hysterischen Coronia Dynamik zu folgen.

Stay tuned – Ouzo calling!

Der Freund eines Freundes.

(Ausdrücklich nicht der Feind eines Feindes eines Freundes.)


Transatlantic

Seit Wochen höre ich Transatlantic.

Wenn man es genau nimmt, ergibt die Addition der Wochen Monate. Sogar mehrere Monate. Vielleicht drei oder vier?

Meine erste Transatlantic CD Kaleidoscope habe ich schon Jahre. 2014 erschienen, da waren wir noch mit dem Segelboot unterwegs und ich war anderweitig beschäftigt. Gekauft wurde die CD Ende 2016 auf der ewigen Suche nach neuer Musik. Als die CD dann hier ankam einmal gehört, doof gefunden und ins Regal gestellt.
Im letzten Jahr, immer noch auf der ewigen Suche nach neuer Musik in einer anderen Lebenssituation eben jene CD aus dem Regal mal wieder in den CD Spieler gesteckt und für gut, später fürsehr gut und noch später sogar für sehr, sehr gut befunden. Wie der Geschmack sich doch ändern kann…oder das emotionale Lebenselexier Musik auch zum jeweiligen Leben passen muss, um für gut befunden werden?

Nun, auf die Studio-CD Kaleidoscope folgte eine echte Welttournee von Transatlanic, die zur Live-CD KaLIVEoscope führte. Klar, wenn man Studio schon gut fand, kauft man Live. Zumal es im Marillion-Shop auch die Deluxe-Box mit einem in Köln gefilmten Konzert gibt. Ebenfalls aus 2014. Das ist insofern doof, als das wir nicht dabei sein konnten. Da waren wir irgendwo in Indonesien, glaube ich. Da gab es auch viel Musik und Karaoke stand ganz oben auf der Liste. Das war aber ganz andere Musik. Wie kann man sich eigentlich darüber ärgern, das man vor Jahren nicht da war, wo man, Jahre später betrachtet, wohl hätte auch sein wollen?

Zeitreisen gehen nicht.

Bleibt also als Ersatz nur der große Fernseher, die große 5.1 Audioanlage und das immer da währende große Sofa. Und während man sich so der Musik hingibt fällt auf, das man als Frau hätte geboren werden müssen. Denn nur so könnte man die Funktion als mitreisendes Groupie einer Supergroup erfüllen, jedenfalls in erster Näherung. Das wäre in diesem Fall insofern wichtig gewesen, als dass das Köln-Konzert ja ganz nett auf DVD und BLURAY gebannt wurde, doch der Knaller war ganz offenkundig das Konzert in Tilburg. Das wurde in der gleichen Box auf CD gebannt und enthält neben dem wohl Besten Prog-Rock Publikum der Welt auch einen dort aufgenommenen extra-Bonus-Track, der Letzte von allen, nach gut drei Stunden Konzert, der es Wert ist, mindestens einmal am Tag gespielt zu werden (“All these things above / Stranger in your soul“). Die Version aus Köln (auf der DVD) fällt weit dagegen ab. Das ist live in echt: Mal so, mal so. Die letzten paar Minuten (ab 18:15) sind das grandioseste, was ich in meinem Leben bisher gehört habe. Jedenfalls meine ich das zur Zeit.

Mit dieser Feststellung stehe ich alleine.

Jedenfalls in dieser meiner Familie.

Das mit Sicherheit qualifizierteste, weil Bestens ausgebildet und als erfolgreicher Jungmusiker weltweit unterwegs befindliche jüngste Familienmitglied ließ sich anlässlich eines Kurzbesuches an Bord unserer luxuriösen Segelyacht in den Schwedischen Westschären in diesem Jahr zu folgender, nur aus der Erinnerung zu zitierender Aussage, hinreißen:

“Das ist ja clever! 20 Minuten Tracks nur um die längsten Gitarrensoli der Welt darin unterzubringen!”

Ach, diese Jugend!

Was soll man dazu sagen? Was kann man dazu sagen? An diesem lauen Sommerabend, in den Schären, umzingelt von Mücken auf dem Wasser erst mal nichts. Ich bin sicher, mit etwas mehr Aufmerksamkeit würde auch dieser junge Musiker das Werk, die Werte des Werkes anderer erkennen können.

Denn Transatlantic ist ja nicht wirklich irgend so eine daher gekommene Combo.

Transaltantic ist eine so genannte Supergroup!

Dabei ist “Super” wohl nicht als besonderes Qualitätsmerkmal gemeint, sondern eher dem Umstand geschuldet, das die vier Musiker eigentlich, so im täglichen Leben, in anderen Bands und Projekten ihr Dasein verdingen.

Also “Super” als über allem erhobene Metaebene. Als leidenschaftliches Hobby sozusagen.

Oh, ich bin Musiker, in meiner Band geht es gerade nicht so richtig weiter, was könnte ich außer Musik schon machen?

Musik! Musik, mit anderen! Neue, andere Musik, als Ergebnis eines anderen Künstlerkollektivs. Musik!

Nun, es mag sein, das Pete Trewavas, seines Zeichens ewiger Bassist von Marillion eben diese jene Gedanken trieb. Vielleicht war es wie so oft auch nur künstlerischer Größenwahn? Warum nur bei Marillion das Bass zupfen? Da geht doch mehr? Da muss doch mehr gehen?
Doch daran glaube ich nicht. So einer ist Pete Trewavas eher nicht. Kommt in Interviews und auf der Bühne eher sympathisch schüchtern rüber. Ich denke, ihm geht wahrhaftig um die Musik.

Nun, gehen wir also davon aus und erklären, das neben dem Briten auch noch der Schwede Roine Stolt mitspielt. An der Gitarre. An der grandiosen, an Understatement nicht zu überbietenden Gitarre. Der Mann hat eigentlich seine eigene Band The Flower Kings. Aber wohl auch zu viel Zeit. Oder, was besser wäre: Zu viel Musik im Hirn, die irgendwie raus muss!

Zum Glück, kann ich da nur sagen!

Damit wäre also diese Seite des Atlantiks geklärt.

Doch die Band heißt Transatlantic.

TRANS!

Also muss es wohl auch irgendwie um die andere Seite des Ozeans gehen. Das tut es auch in Form von zwei ganz besonderen amerikanischen Musikern, die so ziemlich anders sind als die beiden Europäer. Der Schlagzeuger Mike Portnoy (ex. Dream Theater) ist wohl eher auch gar kein Mensch. Er ist vermutlich ein außerordentlich gutes extrovertiertes Schlagzeugtier. Endlich mal wieder einer, der ordentlich drauf haut!
Der Herr an den Tasten, Neal Morese (ex. Spocks Beard), ist wohl so was wie die musikalisch treibende Kraft und übertrifft das Schlagzeugtier in der Selbstdarstellung auf der Bühne um ein vielfaches. Doch das sind, bei beiden, nur Äußerlichkeiten. Amerikaner halt. Schillernd. Laut. Was soll man machen? Nichts, denn was zählt ist: Allesamt exzellente Musiker.

Wer trotz Rock, Jazz und Prog-Rock immer wieder grandiose Harmonien, oft sogar viertstimmige Gesangsharmonieen an den richtigen Stellen hin bekommt, der hat es wohl echt drauf. Und das auch noch live. Das ist Können. Das ist Exzellenz!

Das ist sowieso etwas besonderes an Transatlantic: Neben dem hervorragendem bespielen des eigenen Instruments können alle singen. Richtig singen! Gemeinsam, im Chor. Einzeln, in Passagen oder im ganzen Stück. Fast könnte man meinen, das ist verabredet. Damit es eben nicht den einen gibt, der immer vorne im Scheinwerfer steht und alleine den Ruhm einheimst. Für Musikmänner im fortgeschrittenen Alter durchaus eine gute Idee. Zumal, wenn es alle drauf haben!

Wir nähern uns, trotz der ungebremsten Begeisterung einem Problem. Wie sollte es auch anders sein?

Mitglieder einer Supergroup haben natürlich eine ganze Reihe von anderen Verpflichtungen. Das bremst das gemeinsame musizieren in einer Supergroup wohl ordentlich aus. Und so hat Transatlantic seit 2014 auch nichts neues mehr gemacht und war auch nicht mehr live unterwegs. Das ist für den Moment noch nicht weiter beunruhigend, denn es gab bereits mal sechs Jahre zwischen 2003 und 2009 in denen sich nichts neues bei Transatlantic tat. Doch diese Zeit läuft nun unweigerlich ab und ich hoffe sehr, der Coronawahnsinn führt auch bei diesen vier Musikern zu neuen Ergebnissen.

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter:
Ich hoffe sehr, es gibt noch mindestens eine weitere Tour von Transatlantic, die ich dann erleben kann. Nicht als mitreisendes Groupie, sondern ganz normal als übergewichtiger Musikliebhaber mittlerem Alters, aber, und das ist wichtig, als einer mit vollem Haar!

Peter.

P.S.:
In Ermangelung eigener Bilder von Transatlantic habe ich diesen Beitrag einfach mit Bildern unserer beiden Atlantiküberquerungen illustriert. Klar, nicht wirklich die gleiche Abteilung. Aber sicher OK. Auf den Links in diesem Beitrag kann man sich auch so ein Bild von den Leuten machen.

Bei YOUTUBE könnte man sich mal zum Einstieg die verschiedenen Versionen von “We all need some light” ansehen. Vielleicht in dieser Reihenfolge:

Köln 2014

London 2010

Tilburg 2001

I Love Teak

So ein richtiges Teakdeck auf einer Segelyacht ist schon eine tolle Sache.

Also für den, der es mag.

Also für mich:

I love Teak!

Zum einen laufe ich sehr gerne Barfuß darauf herum. Wenn es zu kalt ist natürlich nicht, dann mit Schuhen. Zu heiß wird es nicht, wer auf der Barfußroute unterwegs ist baut jede Menge Hornhaut an den Fußsohlen auf!

Jederzeit guter Halt, schön anzusehen und geschmeidig. Doch wie immer bei schönen Dingen, sie wollen geliebt werden! Wie zeigt man einem Teakdeck seine Liebe?

Rechtes Laufdeck: Wo es grau wird, ist noch nicht geschrubbt 😉

“Ich Liebe Dich” ist leicht so dahin gesagt. Kostet nicht viel und ist schnell mal vergessen. Das ist ja wohl kein Liebesbeweis!

Beweise, Beweise! Wir brauchen für alles Beweise! Auch für die Liebe!

Was also dann?

Üblicher Weise kann man seine Liebe relativ einfach durch Pflege beweisen. Viele lassen ihr Teakdeck einfach so vor sich hin gammeln und wundern sich dann, das es irgendwann schäbig aussieht, rufen Skandal und wenden sich ab.
In frühen Jahren, an Bord der schönsten Bananendampfer der Welt, Cap San Diego und Cap San Augustin, wurde ich von erfahrenen Seeleuten in die Pflege von Teakdecks ausführlich unterwiesen:

Schrubben, Schrubben und nochmals Schrubben!

Noch gut in Erinnerung ist der Begriff “Kaustisch Soda“. Damals gab es ja noch kein aufklärendes Google, das auch Ätznatron dazu sagt, doch das das Zeug ätzend war, wussten wir alle. Gummistiefel und Gummihandschuhe waren beim Schrubben Pflicht. Vermutlich angerührt mit Frischwasser, gespült mit Seewasser. So genau erinnere ich das leider nicht mehr. Nun, 40 Jahre später hat die Welt sich weiter gedreht und ich käme nicht im entferntesten auf den Gedanken, “Kaustisch Soda” zum Schrubben des STORMVOGEL-Teakdecks zu verwenden.

Links geschrubbt, Mitte Schatten, Rechts noch nicht geschrubbt

Ein guter Kompromiss ist wohl handelsübliches Waschpulver (?).

Im ersten Gang direkt aufs nasse Deck gestreut und im zweiten verdünnt in der Pütz. Große Freiflächen mit Schrubber am Stil, alle Ecken und Kanten mit der Handbürste. Da kann man Stunden, viele Stunden mit verbringen.

Doch das Ergebnis ist berauschend schön und motiviert so zu einem erhöhten körperlichen Arbeitseinsatz.

Damit das Teakdeck dann möglichst lange hübsch bleibt, behandeln wir es abschließend dann einmalig mit “Boracol“. Diese wässrige Lösung ist auch nicht ohne: Kann Hautreizungen und Augenschäden verursachen – muss wohl auch so sein, soll es doch Schimmel, Moos und Bewuchs auf dem Teakdeck verhindern. “Boracol” bringt man mit den Quast oder großen Pinsel auf dem gerade noch feuchten (nicht nassem!) Teakdeck auf. Das verliert dann zwar den leicht rötlichen Ton, wird aber dann würdig Silbergrau und bleibt dann auch so!

Eine Zeitlang. Bis man denn nach einem oder zwei Jahren wieder von vorne anfängt:

Schrubben, Schrubben und nochmals Schrubben!

Das ist wahre Liebe!

Wiederholte Pflege.

Immer wieder!

Peter.

P.S.:
Auf keinen Fall setzten wir einen Hochdruckreiniger ein! Auf dem ersten Blick eine enorme Arbeitserleichterung. Einige meinen, man würde damit das Holz zerstören. Das glaube ich zwar bei der Materialstärke auf dem STORMVOGEL nicht, aber mit Hochdruck Wasser in alle Nähte und Übergänge zu pressen, scheint mir höchst bedenklich. So genau kann man gar nicht auf die Holzstreifen zielen, als das nicht passieren würde. So einen Wasserdruck erreicht man bei Regen oder durch Seewasser überspülten Deck wohl nie. Und dann hat man den Schlamasel: Wasser unter dem Teakdeck, das da freiwillig nie wieder heraus kommt…

P.S.2:
Was schon komisch ist: Auf der Langen Reise haben wir das Deck so gut wie nie geschrubbt. (Sauberes) Seewasser und Sonne haben das Deck sehr gut in Schuss gehalten. Erst als wir wieder nach Nordeuropa kamen, wurde es dreckig…

Tag 60-64, DAS ENDE

Das Problem mit Rückreisen ist ja immer, das man weiß, dass das Ende naht.

So auch dieses mal. Stramm nach Süden, wenn es das Wetter zulässt.

Der Schlag von Samsö nach Middelfahrt gelingt zwar bis zur Ansteuerung des Kleinen Belts unter Segeln, doch es ist nasskalt, trübe und trostlos.

Rückreisewetter.

Je näher wir dem Festland kommen, um so weniger wird der Wind. Welle ist schon lange keine mehr vorhanden. Dafür jede Menge Segelboote um uns herum und auch wieder Schiffsverkehr, der beachtet werden will.

Eigentlich wollen wir den alten Stadthafen von Middelfart ausprobieren, nach dem wir 2017 bereits länger in der Marina herum lungerten. Doch die kurze Inspektion ergibt: Ganz schön klein hier, jede Menge Holzkutter an denen geschraubt und gemalt wird und Abends wird es bestimmt rappel voll mit Charterbooten sein. Unser Bedarf ist gedeckt! Also einmal ganz rum um die Halbinsel und wieder in die Marina Middelfart, die so elendig weit ab vom Schuss liegt.

Alles so trostlos, wie wir es in Erinnerung haben. Kein guter Ort, um ein paar Tage auf besseren Wind zu warten, aber was soll das Jammern? Ein langer Spaziergang in die überraschend schöne und aktive Innenstadt von Middelfart, ein paar Einkäufe und natürlich ein paar Bootjobs.

Zwei Tage später, am Tag 63 geht es weiter nach Süden. Eigentlich haben wir gar keine Lust mehr auf Häfen und streben daher an, nach Lyö auf Anker zu gehen. Der Südwestwind ist Anfangs sehr gut segelbar, bis zu engen Passage von Bägö überhaupt keine Welle. Danach wird es erst mal unangenehm.

Logisch:
Wenn es tagelang ordentlich aus Süd weht, steht erst mal eine alte Wellte in den kleinen Belt. Aber der Stormvogel läuft und erst als wir kurz vor Lyö stehen und die Nordansteuerung nehmen wollen, wird es wirklich doof. Zum einen lässt der Wind nach und dreht weiter zu Ost, zum anderen ist die Welle mittlerweile völlig chaotisch und es setzt Nordstrom.

Mit anderen Worten: Es läuft gar nicht mehr.

Brüllaffe im Keller an, Vorsegel weg und die letzten paar Meilen bis zum Ankerplatz unter Diesel. Was solls?

Herrlich, diese Ruhe! Herrliche diese unkomplizierte Art des Übernachtens. Wenn der Ort stimmt. Wo könnte er mehr stimmen, als auf Lyö? Das sehen schätzungsweise 15 andere Boote an diesem Abend auch so. Kein Problem, die Bucht hat Platz für 100.

Mit der Erinnerung der doofen Welle vom Vortag und der Windvorhersage, die einen Mittags einschlafenden Wind prophezeit, entscheidet sich der Skipper am Folgetag, durch das Marstal Fahrwasser nach Süden zu gehen. Das eröffnet die Gelegenheit auf einen Abbruch in Marstal, verspricht ruhigeres Fahrwasser und ist nur knapp 8 Seemeilen länger.

Früh´ am Morgen geht es los, trüb, aber tolle leichte Ostbriese, die uns für zwei, drei Stunden gute Fahrt beschert. Die Mannschaft will lieber direkt nach Wendtorf durchfahren, jetzt tickt doch irgendwo die Uhr und die Luft ist raus. Einziges Gegenmittel wäre wohl ein echter Sommertag, doch der ist nicht in Sicht. Es ist gefühlt trübster Herbst.

So passieren wir ohne Halt unter Groß und Maschine Marstal, eine Reihe von Booten läuft gerade aus und verstreut sich auf alle möglichen Südkurse. Nur wenige nehmen Kurs auf die Kieler Förde. Wir versuchen erst gar nicht zu segeln. Der Wind steht jetzt auf Süd-Süd-West mit 8 Knoten. Klar, echte Segler würden jetzt aufwendig kreuzen und den Tag auf See genießen. Auch im Regen.
Doch wir fahren einen Holländer mit großen Dieseltanks und top-fitter Maschine. Also stellen wir den Brüllaffen erst ab, als wir bei nun völliger Windstille in Wendtorf fest machen.

Hier endet nach 64 guten Tagen unsere Ostseereise 2020.

Der Dampfer bleibt in der ewigen Baurunine der sogenannten “Marina Wendtorf” für zwei Wochen, dann bringen wir ihn in einer grandiosen Kanalfahrt in nur einem Tag bis nach Glückstadt. Grandios, weil wir bei beiden Schleusen keine Wartezeit hatten und die 12 Seemeilen auf der Elbe in knapp 1,5 Stunden bei auflaufend Wasser zurück legen konnten. Wir rechnen fest damit, das wir das Sperrwerk in Glückstadt noch passieren können. Doch bei Ankunft werden gerade die Tore geschlossen, gut 45 Minuten vor der offiziellen Zeit. Angeblich wegen aktuellem Wetter…oder war nicht Sonntag Abend?

Ende gut, alles gut.

War eine gute Zeit.

Viele alte Segelfreunde getroffen, kaum neue gemacht.

Viel Zeit zusammen verbracht und die Lust am Segeln nicht verloren.

Peter.

P.S. 1
Zitat von der Website www.marina-wendtorf.de:

“Die Marina Wendtorf ist seit 2015 ein moderner familienfreundlicher Hafen mit neuen, gut ausgerüsteten Echtholzstegen und einer neuen modernen Sanitärausstattung.”

Was für ein Schmarrn!

Der Hafen verkommt immer weiter, der Eigentümer und Betreiber Ship Shape Deutschland GmbH verschachert immer mehr Land an die Ferienhausbude Planethaus und bringt die Anlage um einen entscheidenden Vorteil: Das Parken von Autos direkt am Steg. Keine Ahnung, wie die sich das vorstellen, wenn da erst mal überall Ferienhäuser stehen. Und die Autos der Bewohner.

“neue, gut ausgerüstete Echtholzstege” – kein Kommentar.

“modernen Sanitärausstattung” – Klar, die von Amateuren selbst umgebauten Container auf dem schmuddeligen Industrieponton sind neuer als das mittlerweile abgerissene Sanitärgebäude. Abgerissen, weil man den Platz wohl auch verkauft hat.

Es ist noch nicht einmal problemlos möglich, seine Hafengebühren zu bezahlen. Die so genannten Hafenmeister sind kaum da, der Automat funktioniert nur manchmal. Und das ist wirklich bezeichnend. Denn es ist ein aus Dänemark und Schweden bekannter BEAS Automat, die wirklich überall tadellos funktionieren. Nur die Kiste in Wendtorf kann weder Karten noch Scheine. Da hilft auch das Schild nichts, das der Automat manchmal nicht funktioniere und man bitte warten möge, bis das Hafenbüro mal besetzt ist.


Wäre mal eine Geschichte für einen ambitionierten Lokaljournalisten: Was geht da eigentlich seit über 10 Jahren wirklich ab?

P.S.2
Die Charmeoffensive des Nord-Ostsee-Kanals (NOK) geht offenbar weit über die neuerdings kostenlose Benutzung hinaus. Wartete man “früher” gerne mal in Kiel 4 bis 6 Stunden auf eine Sportbootschleusung, geht es jetzt “sofort”: In Kiel wartet bereits ein Boot, als wir ankommen. Kaum sind wir zu zweit, wird die große Kammer aufgemacht und wir Zwerge verlieren uns in der riesigen Schleuesenkammer.
In Brunsbüttel sind wir gar alleine. Die Schleuse wartet sogar schon auf uns, Null Minuten Wartezeit.

Nicht, das wir das darüber beschweren würden.