Archiv der Kategorie: Ostsee 2021

Reiseberichte der Ostsee-Segeltour 2021

T58-T63, nach KOSTER in vier Etappen

Planmäßig nehmen wir in FREDIKSHAVN die Segelfreunde auf, denen wir es im positivsten aller Bedeutungen zu verdanken haben, das wir damals die ALGAVE abgesegelt sind.

Doch kaum nimmt man erfahrende Segler an Bord, ist der Wind weg!

Was soll denn das bitte?

Normaler Weise würde man ja nun den JONAS in der Mannschaft suchen, der dafür verantwortlich ist. Und ihn kurzerhand einfach über Bord werfen, um wieder an Wind zu kommen.

Jedoch ist zu bedenken:
Die Zeiten sind wahrlich andere als früher und Freunde wirft man ja wohl schon gar nicht über Bord. Heute wie damals nicht.

Traditionssegler vor LYR
Traditionssegler vor LYR

Und so ergab es sich tatsächlich, das wir in den Etappen FREDIKSHAVN (Hafen) – LYR (53sm, Anker) – VALÖN/FURÖN (41sm, Anker) – GREBBESTSAD (28sm, Hafen) – RESÖ (18sm, Anker) – KOSTER (12sm, Hafen) insgesamt vielleicht für 2 Stunden ein Segel oben hatten. Ansonsten die eiserne Unterwassergenua. Wer weiß schon, wozu das gut war? Unter Maschine kann man auf jeden Fall mehr und in Ruhe die wunderbar bizarre Schärenlandschaft von Nord-West SCHWEDEN in sich aufsaugen.

Schärennavigation

Die lange Passage von FREDIKSHAVN nach LYR (Ankerposition 58°04,2’N 11°32,1’E, 7 Meter) war völlig ohne besondere Vorkommnisse. Normalerweise wäre sie mangels Wind auch noch langweilig gewesen, doch mit der frischen Mannschaft waren die Stunden auf See eher kurzweilig. Ab und zu mal ein Dampfer, der nach seinem Wegerecht verlangt. Oder der Versuch, bei sehr wenig Wind mit dem blauen Monster zu segeln. Mehr Show als Nutzen.
Den Ankerplatz von LYR hatten wir ja schon im letzten Jahr für uns entdeckt und auch diesmal hielt es uns direkt zwei Nächte in der kleinen Bucht. Etwas busy in der Hochsaison, aber nun sind ja wirklich überall Ferien. Ein historischer Segler legt sich auch in die Bucht und wir schwanken bei dessen Beobachtung zwischen “Beeindruckt” und “Besorgt” ob des straffen Regiments, das die Mannschaft mit der an Bord befindlichen Jugendgruppe führt. Am Morgen und am Abend Appell auf Deck – mit Händen hinter den Rücken. An Land wird gerudert. Und auch dort ist eine straffe Ordnung, eine starke Anleitung zu sehen. Vielleicht ist das auch der Grund, warum diese Jungendgruppe in absoluter Nähe wahrlich nicht als Belästigung wahrgenommen wird.

Fischer bei der Arbeit

Wir verlassen den Ankerplatz von LYR und sind etwas in Sorge, einen so guten Platz noch mal in Nord zu finden.

Finden wir aber.

Einfach durch Blick auf die Karte. Beuteschema wie üblich: Große Bucht mit kleiner Einfahrt, nach möglichst vielen Windrichtungen geschützt und zum Ufer hin langsam abflachende Wassertiefen. Das bietet de Ankerplatz vor VALÖN/FURÖN (Ankerposition 58°29,4’N 11°18,0’E, 7 Meter). Für bestimmt 30 oder 40 Boote in großzügigem Abstand. Wie auch schon in LYR gibt es ein paar blaue Mooringbojen der schwedischen Segelvereinigung, freier Anker ist überhaupt kein Problem. Das obligatorische Bad im Meere aber kein Landausflug.

Offenbar ein guter Rasenmäher vorhanden

Irgend jemand an Bord isst zu viel. Vom trinken ganz zu schweigen. In der Folge setzt die Kombüse Einkaufen auf die Tagesordnung. Zunächst hoffen wir, auf dem Weg nach Norden im HAMBURG SUND einen kurzen Shopping-Anleger zu fahren. Doch wir sind schon um kurz nach Neun dort und es ist absolut kein Liegeplatz zu ergattern – auch für ein paar Stunden nicht. Und auch nicht am extra vorhandenen ICA (Supermarktkette in Schweden) Anleger. Alles voll.
Also beschließen wir nach GREBBESTAD zu laufen. Dort kommen wir am frühen Nachmittag an und der Skipper bekommt schon beim Einlaufen kalte Füße. Gefühlt eine Millionen Boote auf dem Wasser, laute Musik dröhnt vom Ufer aufs Wasser und so fällt es dem Skipper sehr schwer, in dem Trubel den Überblick zu behalten. Kein Liegeplatz in Sicht. Auch nicht im Päckchen, auch nicht “mit ohne” Landzugang. Einfach gar nichts.

Grebbestad
Grebbestad
Grebbestad

Beim ratlosen herum kurven fällt eine Lücke zwischen kleinen, im Päckchen liegenden Segelbooten (2*2) und einem einsamen kleinen Motorboot auf. Je weiter man weg ist, um so größer wirkt die Lücke! Ein Probeanleger zeigt jedoch auf, das gut zwei Meter fehlen. Ein Skipper eines der kleinen Segelboote bewegt alleine das kleine Motorboot einen Meter Richtung Ufer, gibt aber dann auf. Also setzten wir einen Mann auf der nahe gelegenen Fischereipier ab und zu zweit gelingt es, mehr Platz zu schaffen. Immerhin so viel, das vorn und achtern 50 Zentimeter Platz sind und wir den STORMVOGEL sauber an die Pier bekommen. Das kleine Motorboot liegt nun zwar sehr weit vorne am Ufer, ist aber mit einer zusätzlichen Leine des STORMVGELS gut gesichert. Der Skipper vom kleinen Segelboot meint, er habe da seit Tagen niemanden gesehen. Auf uns wirkt das kleine Motorboot leicht marode.

Grebbestad

Es dauert keine zwei Stunden, da haben wir zwei weitere Boote im Päckchen an Steuerbord und die Besatzung des kleinen Motorboots erscheint dann auch noch. Zunächst nicht erfreut, doch wir entschuldigen uns wortreich und bieten Hilfe beim Ablegen an – denn das könnte durchaus schwierig werden, so dicht, wie das kleine Motorboot nun am Ufer liegt. Doch das Hilfsangebot wird abgelehnt und der Ableger geht (natürlich) schief, zu großer Wendewinkel und zu wenig Wasser in unmittelbarer Ufernähe. Doch mit viel Gas kommt er frei und ist erst mal weg.

Nord-Koster

Wir liegen technisch zwar gut, doch an der Pier gibt es weder Wasser noch Strom. Strom brauchen wir auch nicht, so viel Maschine, wie wir gelaufen sind. Aber Wasser wäre schon gut. An der gegenüberliegenden Dauerliegerpier für kleine Motorboote gibt es Wasser. Also bauen wir einen Schlauchadapter, verlängern den vorhandenen Schlauch mit einem Bordschlauch und bringen beides mit dem Dingi über die Boxengasse auf unsere Pier. Herrlich, wenn man Mannschaft hat!

Der zuvor helfende Skipper des kleinen Segelboots bekommt das mit und fragt, ob er auch den quer durch die Boxengasse laufenden Schlauch haben könnne?

Urwald auf Nord-Koster

Hallo? Selbstverständlich!

Wir bauen die gewagte Konstruktion gerade zurück, als die Besatzung des ganz außen in unserem Päckchen liegenden Motorboots aus NORWEGEN zurück kommt und etwas enttäuscht fest stellt, zu spät gekommen zu sein.

Müll ist wie immer ein Problem. Wenn man unterwegs ist produziert man Müll. Erschreckend viel Müll. Wenn man zu viert ist, noch mehr Müll. Eine yachtgerechte Entsorgungsstation finden wir nicht. Also stopfen wir unsere Beutel notgedrungen in die Mülleimer, die an der Hafenpromenade herum stehen.

Beschweren können wir uns nicht. Alle Versorgungsaufgaben inklusive Einkaufen sind gelöst worden, es kommt niemand, um Liegegeld zu kassieren. Merkwürdiger Hafen.

Tagsüber läuft ein Oldtimer-Rave mit mörder lauter Musik durch die Straßen, abends beschallt uns bis 0300 die sehr nahe gelegene Disko. OK, thats life.

Nord-Koster

Alles im allem ein Platz zum Versorgen aber dann so schnell wie möglich wieder weg!

Auch, wenn diesmal im SKAGERAK draußen ordentlich Wind pustet. Eigentlich wollen wir in einem Rutsch nach KOSTER, doch das Fahrwasser führt uns einmal “nach draußen” (also da, wo die Schären das offene Meer nicht mehr abschirmen) und wir beschließen einmütig, einen Ankerplatz zu suchen.

Anker vor Resö

Den finden wir auch vor RESÖ (Ankerposition 58°47,9’N 11°11,6’E, 6 Meter). Wir drehen zwar noch eine sehr vorsichtige Ehrenrunde im Flachwasser nach einem besseren Platz, finden ihn aber nicht und so legen wir uns da hin, wo schon zwei andere Boote liegen. Später kommt dann noch das kleine schwedische Boot aus GREBBESTAD mit dem hilfreichen Skipper, was für ein Zufall.

Nord-Koster

Ein wunderbarer Abend, gefolgt von einem wunderbaren Morgen.

Was will man mehr? Was kann man mehr erwarten?

Die letzte Etappe nach KOSTER ist mit 12 Seemeilen sehr kurz. Die Welle ist weg und als wir den immerhin 200 Meter tiefen KOSTER SUND überqueren haben wir einen spiegelglatten Ententeich unter unserem Boot.

Die kleine Pier im Fahrwasser zwischen Nord- und Süd-KOSTER ist rappelvoll. Eigentlich hoffnungslos. Wir fahren einmal auf und ab, da signalisiert ein Norweger, das sich das Päckchen demnächst auflösen wird. Also warten wir und gehen schließlich als zweiter ins neue 3er Päckchen. Was für ein Glück, vielleicht auch ein wenig Planungserfolg, weil wir vor 1200 hier auflaufen?

Deutlich mehr NORWEGER als SCHWEDEN hier. Dann DÄNEN und ganz vereinzelt auch mal DEUTSCHE. Aber egal welcher Nation die Menschen hier zugehörig sind, es sind viele, sehr viele!

Diese Menschenmassen mögen auch an der im Halb-Stundentakt verkehrenden Fähre von STRÖMSTAD liegen.

Doch das ist eine andere Geschichte.

Nord-Koster

Unsere Mannschaft mustert leider schon wieder per Fähre ab. Termine zu Hause. Und Geburtstag, den man (natürlich!) im Kreise der Familie verbringen möchte. Also früher, da hätte man diese beiden Menschen einfach Schangheit und gut wär´s gewesen.

Ja, ja. Früher, das hatten wir ja schon.

Peter.

T56, weiter

Die Tage als Hotelschiff auf ANHOLT sind vorbei. Drei Tage nach Abreise der Gäste steht der Wind günstig für einen 60 Seemeilen Schlag nach FREDRIKSHAVN. Da wollen wir neue Besucher aufpicken – aber diesmal segelnde Besucher. Mal was neues, für uns jedenfalls.

Letzter Abend auf ANHOLT

Am Vorabend den Dampfer endlich mal wieder seeklar gemacht und in weiser Voraussicht die Leinen und Blöcke für unser Parasail der Marke Wingaker ausgebracht. Weil der Wind am frühen Nachmittag einschlafen soll, Frühstart um 0600.

Da ist es endlich mal wieder, das große blaue Monster

Raus aus dem Hafen, unter Maschine das große blaue Monstersegel gesetzt und erst 8 Stunden später kurz vor dem Anleger in FREDIRKSHAVN wieder geborgen. Die letzte Stunde war allerdings nicht von wenig, sondern von zu viel Wind geprägt und die Mannschaft hat mehr als einmal darum gebeten, das Segel zu bergen. Doch was soll ein Skipper machen, wenn das Boot ganz hervorragend mit 8 Knoten vor sich her läuft und der Hafen in der Nähe ist?

Eben, nur noch kurz weiter segeln,

Peter-

P.S.:
Von hier aus irgendwie, irgendwo nach Schweden in die Westschären. Und wenn es geht, nach Norden. Schauen wir mal, woher der Wind weht.

P.S.2:
Das blaue Monster fahren wir ja nicht sehr oft. Aber jedes mal denke ich darüber nach, das der STORMVOGEL eigentlich einen Gennakerbaum haben müsste, damit das Vorliek des Wingakers auch wirklich frei von allem (Bugkorb, Yankee) schwingen kann. Ach ja, diese möglichen Projekte…

Vorliek des Wingakers
Vorliek des Wingakers

Yachthafen Anholt

Der Yachthafen von ANHOLT liegt im gleichen Hafenbecken wie die Pier für die Berufsschiffahrt, bestehend aus Fähre, Fischern und Arbeitsschuten. Er ist nahezu perfekt gegen den Schwell des Kattegats durch einen großen Vorhafen und einem verschwenkten Fahrwasser abgesichert. Allerdings kann Starkwind oder Sturm aus NORD, WEST oder SÜD doch dafür sorgen, das man lieber ein paar Stunden an Land verbringt, denn der gesamte Hafen wurde zu Füßen des Nordbjergs ganz im Westen der Insel ins Meer hinein gebaut und ist entsprechend windanfällig.

Ordentlich Wind im Hafen von ANHOLT
Ordentlich Wind im Hafen von ANHOLT

Dadurch, das die Yachten und die Berufsschiffe sich das gleiche Hafenbecken teilen, gibt es zwei Uhrzeiten am Tag, an denen der durch Yachten verursachte Bootsverkehr unerwünscht ist. Nicht direkt verboten, sondern typisch dänisch ausdrücklich, per Aushang im Hafenhaus nachzulesen, unerwünscht. Immer dann, wenn die Fähre ANHOLT – GRENAA – ANHOLT an- oder ablegt, braucht sie die ganze freie Wasserfläche vor ihrer Pier für das Manöver. Morgens legt sie in ANHOLT pünktlich um 0800 ab und muss einmal drehen um dann durch das verschwenkte Fahrwasser die Hafenausfahrt zu erreichen. Am Nachmittag, irgendwann zwischen 1530 und 1600 kommt sie dann wieder und legt an ihrem Liegeplatz in ANHOLT ohne Wende an. Dadurch, das man aus allen Blickrichtungen, von See und im Hafen, erkennen kann, das die Fähre gerade einläuft, kann man sich gut frei halten und wenige Minuten warten.

Freifläche im Hafen von ANHOLT. Die in Husum gebaute Motoryacht SANSOUCI STAR für eine Nacht zu Besuch

Auf keinen Fall sollte man versuchen, kurz vor der Fähre einzulaufen, denn man wird nicht sofort einen Platz im Yachthafen finden und dann wird es schnell unnötig eng.
Die genauen Zeiten sind sehr gut auf der Internetseite der Fährgesellschaft nachzulesen. Samstags in der Hochsaison und Sonntags gibt es abweichende Zeiten.

Hafeneinfahrt, verschwenktes Fahrwasser, Freifläche und Fähre im Hafen von ANHOLT. Rechts hinter der Fähre die Notpier

Außerhalb der Hochsaison (Dänische Schulferien) könnte man den Eindruck bekommen, es gebe keinen Hafenmeister auf ANHOLT. Doch man kann versichert sein, es ist immer einer da und sieht nach dem Rechten. Bezahlt wird, wie in Dänemark üblich, bei einem eisernen Hafenmeister, dem bekannten BEAS Automaten im Hafenhaus.
Doch zur Hochsaison gibt es ein richtiges Hafenmeisterteam, das sich im gut motorisierten RIB um die einlaufenden Yachten kümmert. Also Liegeplatzzuweisung und sogar (auf Wunsch) Hilfe beim Festmachen an der Mooringboje.
Eigentlich ist es nicht notwendig, im voraus Kontakt mit dem Hafenmeister aufzunehmen. Ist bei Ankunft einer mit dem Schlauchboot auf dem Wasser, richtet man sich (selbstverständlich) nach seinen Anweisungen. Ist keiner da, kümmert man sich gefälligst selbst. Wie sonst auch immer. Will man dennoch auf Nummer Sicher gehen, kann man gerne anrufen. Alles was wichtig ist, auch die Kontaktdaten, ist auf der Internetseite der Hafens von ANHOLT nachzulesen.

Einlaufend an Steuerbord die Pier für größere Yachten. Gut zu erkennen die Mooringbojen

Hat man einlaufend das innere Hafenbecken erreicht, befindet sich die Pier der Berufsschifffahrt gleich an Backbord. Sehr viele Hinweisschilder weisen darauf hin, das man dort auf keinen Fall festmachen darf. In der hintersten Ecke, vor dem Kaufmannsladen SPAR KONGE erkennt man an der Pier eine gelb gestrichelte Markierung, dort befindet sich die ebenfalls frei zu haltende Tankstelle.

Ganz hinten die Tankstelle im Hafen von ANHOLT, links daneben die wirklich großen Yachten, dann die Fischer

Ganz an Steuerbord befindet sich eine hohe feste Pier, an der die größeren Yachten fest machen sollen. Die vielen Hinweisschilder weisen jeden Skipper auf eine Mindestbootsgröße von >= 13 bis 15 Meter hin. Wenn kleinere Boote hier fest machen, müssen sie die gleiche Hafengebühr wie die großen bezahlen. Außerhalb der Hochsaison kümmert sich aber nie jemand darum.

Hafenmeister im RIB im Hafen von ANHOLT

Aber in der Hochsaison hält der Hafenmeister aktiv die Liegeplätze für große Yachten frei. So passiert es regelmäßig, das kleine Boote erst mal fest machen und froh´ sind, einen Liegeplatz zu haben und dann kommt der Hafenmeister mit seinem RIB und schickt einen wieder weg.
An einigen der äußeren Plätze hängt ein “Reserviert” Schild.

Reserviert-Schilder abgehangen, 14-Meter Schild aufgehangen im Hafen von ANHOLT

Doch in Wirklichkeit gibt es keine Reservierung, sondern die Hafenmeister wollen damit nur erreichen, das wenigstens ein paar Plätze für große Boote frei bleiben. Sozusagen als zusätzliche Abschreckung. Ganz große Yachten von 20 oder mehr Metern machen sowieso auf Anordnung des Hafenmeisters in der Nähe der Tankstelle fest. Es gibt zwar einen Plan, eine neue Pier für wirklich große Yachten im Vorhafen zu errichten, doch ob & wann die kommt kann der Hafenmeister nicht sagen.

Doch keine Angst:
Der Hafenmeister schickt einen nicht einfach so weg, sondern bringt einen Falschlieger zu einem geeigneteren Liegeplatz an einem der drei Schwimmstege im zentralen Hafenbecken. Dort sind freie Plätze für Ankommer mitunter gar nicht so leicht zu entdecken. Aber wenn die anderen Boote ein wenig geschoben werden, passt schon noch ein weiteres dazwischen.
Ist kein Helfer auf dem Schwimmsteg, muss man sich auf einen kleinen Sprung vom Bug oder Heck einstellen, denn naturgemäß sind die Schwimmstege sehr flach. Wenn dann wirklich nichts mehr frei ist, wird in zweiter Reihe fest gemacht. Sieht wild aus und ist es wohl auch, man möchte so liegend sicher keinen Starkwind erleben.

Die Zeiten, in denen man per Heckanker in ANHOLT fest machte, sind lange vorbei. Nun gibt es fest verankerte Mooringbojen, die ca. 1 Meter aus dem Wasser ragen. An deren Kopf befindet sich ein Rundauge, in dem idealerweise ein solider Bojenhaken mit einer guten langen Festmacherleine daran eingeklinkt wird. Doch scheinbar nur etwa die Hälfte der Yachten führt diesen nützlichen Helfer mit sich. Alle anderen müssen mehr oder weniger mühsam eine Leine während des Anlegemanövers in das Auge einfädeln. Je nach Windstärke und Windrichtung kann das schon mal schwieriger werden. Ist die Leine dann auch noch zu kurz, misslingt der Anleger, weil das Boot die Pier nicht erreicht.

Es ist nicht so, das jedem Boot eine eigene Mooringboje “zusteht”. Oft muss eine Mooringboje zu zweit oder dritt geteilt werden. Daher ist mit größter Vorsicht in einer Boxengasse zu manövrieren: Häufig sind die Bojen, an denen Boote fest gemacht sind, unter Wasser und als Festmacherleinen werden der Länge wegen oft dünne, fast unsichtbare Schooten verwendet. Dadurch wirkt die Boxengasse viel breiter, als sie in Wirklichkeit ist. Diese Mooringbojen sind schwer zu erkennen und leicht zu überfahren. Also wie immer: So lange wie möglich immer hübsch in der gefühlten Mitte bleiben und dann zügig rechtwinklig in den Liegplatz eindrehen.

Große Motoryachten im Hafen von ANHOLT im Päckchen

Wird es wirklich eng im Yachthafen, wird angefangen am hintersten (innersten) kleinen Schwimmsteg Päckchen zu bauen. Dorthin werden Boote bis ungefähr 12 Meter gelotst, denn die Boxengasse ist wirklich sehr eng.
Liegt man dort ist es klug, sich direkt am nächsten Tag zu vorholen, wenn die ersten Boote wieder auslaufen und einen besseren Platz frei machen. Die großen Motoryachten liegen auch in dieser Ecke. Auch im Päckchen, wenn es sein muss.

Notpier im Aussenhafen von ANHOLT, einlaufend an Backbord – noch leer
Notpier im Aussenhafen von ANHOLT, einlaufend an Backbord – jetzt im 3er Päckchen

Einlaufend an Backbord gibt es im verschwenkten Fahrwasser eine hohe Holzpier an der man längsseits beidseitig fest machen kann. Völlig ab vom Schuss, aber immerhin Landzugang mit Strom und Wasser an der Pier. Bei viel Südwind sehr unruhig weil der Schwell dort ungehindert aufläuft. Also eher ein Notplatz für maximal vier Boote, wenn kein Päckchen gebildet wird. Direkt an der Backbord-Außenmole gibt es auch noch einen Liegeplatz für Großsegler und ähnliche schwer zu manövrierenden Fahrzeuge, ungeeignet für normale Yachten.
Im Vorhafen kann man außerhalb des Fahrwassers (einlaufend an Steuerbord) auf gut haltendem Sandgrund ankern. Platz für zwei, drei oder sogar vier Boote, wenn sich nicht gerade einer genau in die Mitte gelegt hat. Doch Obacht: Auch hier sind die Hafengebühren zu bezahlen.

Ankerlieger im Aussenhafen von ANHOLT

Im Prinzip kann man rund um die ganze Insel ankern, außer natürlich im großen Naturschutzgebiet im Osten beim Leuchtturm von ANHOLT. Sehr beliebt ist der Ankerplatz gleich neben dem Hafen vor dem Weststrand, aber natürlich nur, wenn es die Wind- und Schwellbedingungen erlauben. Denn eine geschützte Bucht oder auch nur Einbuchtung gibt in der ganzen Küstenlinie der Insel nicht. Vor Anker liegt man auf ANHOLT immer zur offenen See.

Einsamer Ankerlieger vor dem Weststrand in der Nähe des Hafens von ANHOLT

Interessant zu sehen ist, das die dänischen Boote eindeutig die Schwimmstege im inneren Hafenbecken bevorzugen. Da findet man kaum deutsche Boote. Die liegen lieber weiter außen. Könnte schlicht an lokalen Revierkenntnissen liegen, oder daran, das die Dänen gerne in der Nähe des öffentlichen Grillplatzes sind.

Grillplatz im Hafen von ANHOLT (Blick vom Hafenhaus)

Schwierig sind eigentlich nur Starkwindverhältnisse aus NORDWEST und SÜDOST. Dann macht man quer zur Windrichtung fest und wird entsprechend schnell vertrieben. Klappt es dann mit der Bojenleine auf Anhieb nicht, ist es keine Schande, mit einer Spring erst mal am Nachbarboot fest zu machen, die Stegleine zu klarieren und dann in Ruhe die Bojenleine klar zu bekommen. Wenn man Glück hat, ist gerade ein helfendes Dingi oder SUP Board in der Nähe. Wenn nicht und die Boje ist unter Wasser, muss wohl einer baden gehen.
Was gar nicht geht ist einen Festmacher ohne ausgebrachte Fender zu fahren. Passiert offenbar nur Charterbooten. Gerade wenn viel Seitenwind herrscht lässt sich ein Bootskontakt zu einem eng liegenden Nachbarboot nicht vermeiden. Ordentlich abgefendert für niemanden ein Problem.

Ist der Hafen leer und kein Nachbar da, kann man ja beliebig oft einen Anlauf nehmen um das Bojenmanöver erfolgreich hin zu bekommen. Allerdings machen viele Boote dann lieber längsseits fest. Vermutlich weil es einfacher erscheint. Allerdings ändert sich die Liegeplatzsituation täglich und so ist es im Juni passiert, das eine kleine Flotte von HALBERG RASSYs durch längsseits liegen alle Plätze für große Boote dicht gemacht hat.

Kleine HALBERG RASSY Flotte längsseits im Hafen von ANHOLT

Das ist für große Neuankommer doof, weil sie auf kleinen Plätzen die Bojenleine dann als Mittschiffsspring legen müssen und die Boje an der Bordwand haben. Kann man versuchen abzufendern, aber schön ist es nicht. In dieser Zeit war der Hafenmeister nahezu unsichtbar, dann hat er wohl doch mal was gesagt…

…und die Boote haben bei Windstille in aller Ruhe den vorgesehenen Liegeplatz eingenommen und gut ist.

Peter.

Zweite Reihe Festmacher im Hafen von ANHOLT
Zweite Reihe Festmacher im Hafen von ANHOLT
Zweite Reihe Festmacher im Hafen von ANHOLT
Nach außen (links) verlängerte Päckchen am Schwimmponton
Zu kleines Boot auf zu großem Platz mit zu kurzen Leinen
Mooringbojen unter Wasser im Hafen von ANHOLT
Hafenmeister weist Neuankommer im Hafen von ANHOLT ein
Leerer Hafen von ANHOLT
Radarturm über dem Hafen von ANHOLT

Tag 49, Anholt

Jeden Tag wird nach dem ersten Morgenkaffee ein Fußmarsch angetreten. Wirklich jeden Morgen. Je nach Gemütslage die schnelle Runde in trauter Zweisamkeit in einer Stunde rund um den Nordbjerg auf der Inselhauptstrasse oder eine ausgeprägte Wanderung über gewundene und kaum sichtbare Trampelpfade mit der ganzen Horde.

Oder Extremtouren.

Eine weitere bisher, um hier genau zu sein und um nicht zu übertreiben.

Leuchttrum von ANHOLT

Nochmal durch die Wüste zum Leuchtturm von ANHOLT. Diesmal “mit ohne” Fahrräder. Wollten wir unbedingt unseren Besuchern zeigen. Strategisch geplant. 4 Liter Wasser auf zwei halbwüchsige Lastenesel verteilt, die in einem früheren Sommer eigentlich mal als Lebendfutter für nie gesehene Monster herhalten sollten. Merkwürdig. Je älter diese Lastenesel werden, um so störrischer werden sie. Ab wann setzt eigentlich Altersstarrsinn ein?

Düne beim Leuchttrum von ANHOLT

Den Proviant tragen abwechselnd die beiden Frauen. Des Skippers Rücken muss frei bleiben, schließlich hat er mit der mehreren Kilo schweren Kamera und dem lange vorhaltendem Inhalt längst vergangener kleiner zylindrischer Metallcontainer genug zu tun. Lang anhaltend ist nicht gleichbedeutend mit ewig, wohlgemerkt. Strammer Marsch am Morgen durch die Wüste bei nur einer kurzen Pause lautet die in die Tat umgesetzte Strategie. Meilen machen. Wie immer.
Ausgiebiges Picknick in einer netten Düne am Leuchtturm. Ja, ja, in den staubigen Schuhen stecken tatsächlich noch lebende Füße, wenn man sie denn auspackt und das Licht der Sonne erblicken lässt.

Düne beim Leuchttrum von ANHOLT

Der Rückweg vom weit entfernten Leuchtturm von ANHOLT führt uns diesmal am Nordstrand entlang. Nicht einfacher und auch nicht kürzer als durch die Wüste. Aber “schöner” – so jedenfalls der weibliche Teil der Reisegruppe. Die Lastenesel sehen da keinen Unterschied. Ist halt viel Sand, schwierig zu marschieren und einfach nur unendlich weit. Wir sehen einen toten. Am Strand. Einen toten Seehund. Gammelt da einfach so vor sich hin. Die Möwen scheinen kein Interesse an dem traurigen Gesellen zu haben. Na ja, bei dem Körpergeruch? Ein einsamer Kite-Surfer braust vorbei und freut sich sichtbar, im flachen Wasser die Balance zu halten. Mit dem Picknick mal eben eine 7 Stunden Exkursion für absolut untrainierte. Not that bad für einen Tag, will ich meinen.

Der Nordstrand von ANHOLT

Doch zurück zum normalen Tagesablauf auf der Insel.

Gegen Mittag wird dann endlich Frühstück auf den Tisch des Cockpits gestellt. Wenn man in diesen Tagen als Skipper nicht aufpasst, bekommt man schlicht nichts ab. Ist ja auch nicht wirklich clever, Lastenesel, die sich gelegentlich in gefräßige Löwen verwandeln, am gleichen Tisch wie Eignerin und Skipper abzufüttern.

Ja, früher!
Da gab es wenigstens noch eine Offiziersmesse und eine davon getrennte Mannschaftsmesse. Doch heute? Alles vermischt, vermengt, verhätschelt.

Toter Seehund am Strand von ANHOLT

Des Nachmittags ist in der Regel braten in der Sonne angesagt. Mit Abkühlung im sehr naheliegenden Meere, bei Bedarf. Obwohl der Hafen mittlerweile rappel voll ist, verteilen sich die vielen Menschen am großen Südstrand schnell. Das ist schön, weil sich niemand bedrängt fühlen kann.

Dingifahrschule im Hafen von ANHOLT

Hat die Oma richtig Lust, spielt sie mit den Enkeln “Eine Oma fährt im Hafen von Anholt Dingi, Dingi, Dingi. Eine Oma fährt im Hafen von Anholt…”. Und macht einen auf Fahrschule, obwohl offenbar selbst aus der Übung. Den Anlegern nach zu urteilen. Immerhin kann der Skipper die selbstbewusste Truppe davon abhalten, den großen Vorhafen von ANHOLT in Richtung offenes Meer zu verlassen. Wäre ja noch schöner. Rettungsaktion übermütiger.

Vierbeiniges Sicherheitsschuhmonster bewacht den Eingang zur Wüste von ANHOLT

Charterboote kommen hier kaum noch an. Eher Familiencrews aus Dänemark, Deutschland, Schweden und auch mal Norwegen. Alle Größen, alle Typen. Viele Boote führen ein großes Sortiment an Freizeitgeräten an Deck mit sich. Fahrräder, sogar eBikes, Surfbretter, Stand-Up Paddeling Boards und natürlich das obligatorische Dingi. Sportliche fahren dazu noch ein paar Segelsäcke auf dem Vorschiff. Die mit der Nationalen am Backstag.

Am Leuchtturm ANHOLT

Samstags fährt die Fähre jetzt zwei mal von GRENAA um die ganzen Urlauber vom Festland abzuholen. Neben uns Touristen im Yachthafen gibt es welche auf dem Campingplatz und natürlich viele in den weit über die Insel verteilten Ferienhäusern.

Am Leuchtturm ANHOLT

Das EM 2020 Fußballspiel Dänemark – Tschechien erleben wir in praller Abendsonne im Biergarten des Hostels CASABLANCA im Hafen. Umgeben von Dänen, die tatsächlich erkennbar stolz ihre Nationalhymne mitsingen. Beeindruckend. Gänsehautmoment. Einige tragen Rot-Weiße Kronen, andere Trikots ihrer Nationalmannschaft. Wir haben ein paar kleine Dänemarkflaggen zum wedeln dabei und gehen dem äußeren Anschein nach sicher als Eingeborene durch. Neben uns sitzt eine bereits angeschäkerte Dänin, der es davor graust, die Insel wieder zu verlassen. Denn ihr Freund, völlig auf das in der Abendsonne schwer zu erkennende Fernsehbild fixiert, hat sie überredet, in einem offenen Motorboot mit Außenborder nach ANHOLT zu kommen und das Wochenende im Zelt zu verbringen. Welch romantische Vorstellung, wenn man das Meer nicht kennt. Trotz ruhiger Wetterlage hat es wohl in dem kleinen Boot ganz gut gerappelt. Na ja, einen Tag zum Vergessen hat sie ja noch, dabei mag der Alkohol helfen.
Hat er früher auf See ja auch schon. Wenn der Alte vorher wusste, das es bei KAP HORN keine Kaffeefahrt geben wird gab es schon mal einen Schluck Rum.

Traditionssegler im Vorhafen von ANHOLT
Traditionssegler vom Vorhafen von ANHOLT
Abendstimmung im Hafen von ANHOLT

Aber die Idee, einfach mal so auf die Insel zu kommen ist ja nicht schlecht. Das CASBLANCA zum Beispiel hat offenbar ganzjährig geöffnet. Wenn man mal überlegt, das in der Nebensaison die Fährfahrt nur 20 Euro hin und zurück kostet, ist es doch durchaus mal eine Idee, auch ohne eigenes Boot für ein paar Tage hierher zu kommen. Baden im Meer fiele dann wohl temperaturbedingt eher aus, aber die vielen Pfade und Wege kann man auch im Frühjahr, Herbst oder gar Winter ablaufen.

Dicht gepackt im Hafen von ANHOLT

Was bei den ganzen Spaziergängen und Wanderungen auffällt:
Alles, was jemals auf die Insel gebracht wurde, scheint auch hier zu bleiben. Auf immer und ewig.
OK, der Hausmüll nicht, der wird verdichtet und in blauen Spezialcontainern mit der Fähre auf das Festland gebracht. Vermutlich jetzt in der Hochsaison täglich, denn alleine der Müllplatz am Yachthafen quillt jeden Morgen über.
Aber alte Container, verfallene Baracken, Bauschutt, gammlige Wohnwagen, Schrott aller Art, die bleiben für immer hier. Es sieht nicht vermüllt aus. Im Gegenteil. Die Insel samt Stränden ist so was von sauber, das ist schon fast unglaublich. Doch wenn man auf den großen Schrott achtet, fällt er auf. Wahrscheinlich kostet die Fährpassage für Schrott/Müll genau so viel wie für hochwertige Neuware. Geht ja wohl nur nach Gewicht und Platzbedarf. Neulich war eine Arbeitsschute hier, die zwei alte 40 Fuß Container gebracht hat, die zu Wohneinheiten umgebaut werden. Es gibt zwar erstaunlich viel großes Arbeitsgerät auf der Insel, aber natürlich keinen großen Kran, der solche Ungetüme bewegen kann. Die Schute hatte einen fest angebauten. Auf dem Dach der Container wurde eine Art Hinterachse während der Seereise gestaut. Die provisorische Hinterachse ist eigentlich nur ein Stahlträger mir zwei Reifen an den Stirnseiten. Die Hinterachse wurde zuerst auf die Pier gesetzt, dann darauf eine der Stirnseiten des Containers montiert. Auf der gegenüberliegenden Containerstirnseite greift die Forke eines Gabelstablers und dieser zieht dann das Ungetüm im Schneckentempo durch die kleine Gasse im Hafen in das Containerdorf von ANHOLT.

Dicht gepackt im Hafen von ANHOLT

Im Hinterhof des Hafens gibt es tatsächlich ein kleines Container- und Barackendorf, in dem die vielen Saisonarbeitskräfte hausen. Die meisten Bars und Essensplätze machen jetzt gegen 12:00 Uhr auf und schließen um 23:00 Uhr. Da braucht man sicher schon ein paar Menschen mehr, um den Betrieb über den Tag am Laufen zu halten.
Als es noch etwas ruhiger war hatten wir am Strand Judith und Sam kennen gelernt. Die beiden kommen aus den Niederlanden und jobben hier jetzt ein paar Wochen. Mit dem Inselflieger eingeflogen. Sam arbeitet in der Küche, Judith im Service. Vermutlich Studenten, die es mit ihrer Live-Work-Balance ernst nehmen.

In der Wüste von ANHOLT

So vergehen die Tage auf ANHOLT.

Ganz offiziell mit Nichtstun.

Gar nichts.

Auf einem Boot?

Wer glaubt denn so was?

OK, ertappt.

Habe neulich zum 10 mal oder so den Vergaser vom Außenborder auseinander gebaut. Für den Moment zwar wieder in Gang gesetzt, aber einen neuen bestellt. Das Teil ist einfach innerlich verwest. Keine Ahnung, ob dieser Gammel durch das Benzin selbst entsteht, oder ob das doch Spätfolgen der Wassertaufen von BORA-BORA sind. Eigentlich unwahrscheinlich, denn der Gammel ist ja im Vergaser und da war nach meiner Meinung kein Seewasser.
Am Ende ist das aber wohl eher so eine Nummer von Totgestanden. Wenn der Außenborder regelmäßig in Betrieb wäre, gäbe es solche Probleme eher nicht. Jedenfalls hat er uns vier Jahre zuverlässig durch die Gegend geschoben und kommt seit dem leider nur auf einen Bruchteil seiner ursprünglichen Betriebszeit.

Maschinen aller Art wollen geliebt werden!

Alte Weisheit eines geliebten Motorbootskippers.

Peter.

Eine Huldigung an die Glasenuhr

Eine Glasenuhr ist eine Art Kuckucksuhr zur See. Also absolut nix mit Schwarzwald, hohen Bäumen und Bergen, dafür eher mit Wasserwüste.

Wasserwüste und Horizont. Sonst nichts.

Und Menschen, die auf einem Boot (oder Schiff) gerade darauf aufpassen, das nix passiert. Das ist die Wache. Und damit die Wache weiß, was die Uhr geschlagen hat, gibt es an Bord eines jeden zur See fahrenden Fahrzeugs eine Glasenuhr. Die macht Geräusche, aber eben nicht Kuckuck, Kuckuck, sondern Ding, Ding, Ding.

SCHATZ ROYAL MARINA Glasenuhr: Mechanisches Uhrwerk

Auf jedem? Auf wirklich jedem?

Na ja, nur auf den Booten und Schiffen, auf denen der Skipper wissen will, was die Uhr geschlagen hat. Also bei denen, die es auf See Ernst meinen.

Ganz früher gab es nur Zweiwachenschiffe. Jede Wache ging 6 Stunden, dann 6 Stunden frei und dann wieder 6 Stunden Wache. Da funktioniert eine heutige Glasenuhr nur bedingt. Denn eigentlich ist sie für ein Dreiwachensystem ausgelegt. 4 Stunden Wache, 8 Stunden frei, dann wieder 4 Stunden Wache. Das Glasensystem ist sogar älter als die Uhren selbst. Das Wort Glasen leitet sich nämlich davon ab, das Stundengläser (Sanduhren) jede halbe Stunde gedreht werden mussten damit man die Uhrzeit fortschreiben konnte.

SCHATZ ROYAL MARINA Glasenuhr: Mechanisches Uhrwerk

Wachwechsel in einem Dreiwachsystem ist jeweils um 0400 (1600), 0800 (2000) und 1200 (2400) Uhr.

Und genau in dieses Schema schlägt die Glasenuhr:

8 Schläge zum Wachwechsel, dann wieder von vorne, für jede halbe Stunde ein Schlag.

SCHATZ ROYAL MARINA Glasenuhr: Mechanisches Uhrwerk – das offene Herz

Beispiele:

00:30, 04:30, 08:30, 12:30, 16:30, 20:30 Uhr: 1 Schlag

02:00, 06:00, 10:00, 14:00, 18:00, 22:00 Uhr: 4 Schläge.

Durch die Wachroutine wissen die Wachhabenden natürlich automatisch, in welchem Schema sie gerade stecken. Wenn es dann ungerade schlägt, ist es schon mal irgendwas mit “halb” 😉

Nun denn. In der heutigen Zeit gibt es natürlich jede Menge Batterie gespeister Quarzuhren oder Computer, die per GPS die Uhrzeit ermitteln. Doch selbstverständlich gibt es auch noch (noch!) weiterhin rein mechanische Uhrwerke, die alle zwei Tage mit einem Vierkantschlüssel aufgezogen werden müssen, damit sie nicht einfach stehen bleiben.  Das Aufziehen einer mechanischen Glasenuhr ist des Skippers Privileg.

SCHATZ ROYAL MARINA Glasenuhr: Transplantiertes elektronisches Uhrwerk mit mechanischen Gong

An Bord des STORMVOGELS fahren wir eine BARIGO Glasenuhr. Sie versieht nun seit zehn Jahren klaglos ihren Dienst und hält hoffentlich noch viel länger, so lange wir sie pfleglich behandeln. Auf ein Holzschott montiert, ist ihr Schlag weithin an Bord zu hören. Auch des Nachts, natürlich. Doch auch wer gerade auf Freiwache ist (also pennt), gewöhnt sich irgendwann daran und überschläft das Geräusch.
Einzig das Gehäuse lässt zu wünschen übrig. Obwohl niemals mit Seewasser in Berührung gekommen, ist das Gehäuse an verschiedenen Stellen angelaufen und die Messingschicht unrettbar verloren. Authentische Altersfurchen.

Mechanische BARIGO Glasenuhr an Bord des STORMVOGELS

Einige Jahre nach unsere langen Reise, auf einem Flohmarkt in LEMVIG am Westende des LIMFJPORDs findet der Skipper eine weitere Glasenuhr. Hätte er gerne für sein Arbeitszimmer in Elmshorn, das allerdings längst nicht mehr diesen Namen verdient.
Die Uhr ist kaputt, entsprechend günstig ist der Preis auf dem er sich mit dem dänischen Verkäufer nach einigem Palaver einigt.

Wird ja wohl jemand wieder in Gang bekommen können (?). Ist ja nur Mechanik.

Der heimatliche Uhrmacher versucht sein Glück, zum halben Neupreis gelingt es, der wunderbaren alten SCHATZ Glasenuhr neues Leben einzuhauchen. Der Skipper wäre durchaus mit dem Ergebnis zufrieden, wenn es denn von Dauer gewesen wäre. Doch nach zwei Jahren bleibt die Uhr einfach stehen.

SCHATZ ROYAL MARINA Glasenuhr: Transplantiertes elektronisches Uhrwerk mit mechanischen Gong

Muss wohl doch ein Spezialist her?

Und jetzt kommen wir zu dem Problem, das in der westlichen Welt ganze Berufe einfach aussterben, weil die Erfahrenen altersbedingt weg sterben und keine, oder nicht genug, junge Menschen nachfolgen. Schuster, zu Beispiel.

Oder eben Uhrmacher.

Uhrmacher für Glasenuhren.

Nach einigem Googlen findet man dann Herrn Engelhardt. Er ist gelernter Uhrmachermeister und kennt sich verdammt gut mit Glasenuhren aus. Und wohnt nur 60 Kilometer von Elmshorn entfernt! Zwar in der Richtung, in der eine A20 Autobahn zu vernünftigen Fahrzeiten geführt hätte, wäre sie denn mal gebaut worden. So kurvt man anderthalb Stunden über die Dörfer, um in den Nord-Osten von Schleswig-Holstein zu kommen.

SCHATZ ROYAL MARINA Glasenuhr: Transplantiertes elektronisches Uhrwerk mit mechanischen Gong – Schall-Löcher


Nun muss an dieser Stelle so kurz wie möglich, weil peinlich, erwähnt werden, das der Skipper in seiner leider immer noch üppig vorhandenen Überheblichkeit der Ansicht war, selbst Uhrmacher sein zu können und “hat irgendwie an der (zuvor teuer, aber nicht nachhaltig reparierten) Glasenuhr herum gefummelt”, nach dem sie ihren Dienst verweigerte. Selbstverständlich erfolglos.

Herr Engelhardt steht weit jenseits solch Amateurhaften Rettungsversuchen. Schon 1.000 mal erlebt. Nix neues, nix besonderes. Infolgedessen muss es einem auch nicht peinlich sein, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Im Gegenteil: Wer sich für Glasenuhren, insbesondere der Marke SCHATZ, interessiert, kommt an dem Mann wahrlich nicht vorbei. Schließlich führte er Jahrelang die SCHATZ Handelsvertretung in Deutschland, bevor die Handelsrechte der insolventen SCHATZ auf das dänische Unternehmen DELITE (www.delite.dk) übergegangen waren. Auf seiner Internetseite hat Herr Engelhardt die Festschrift der Firma SCHATZ, die anlässlich des 100 jährigen Jubiläums (1881-1981) erstellt wurde, als kostenloses PDF zum Download. Aufschlussreich.

DELITE elektronisches Uhrwerk mit mechanischen Glasenschlag

Nun denn, wer eine kaputte SCHATZ Glasenuhr sein Eigen nennt, der sollte Herrn Engelhardt ansprechen. Oder wer denkt, er könne eine defekte SCHATZ Glasenuhr günstig bei eBAY ersteigern und reparieren (lassen). Sollte man sich gut vorher überlegen, denn die nachhaltigen Erfolgsaussichten sind gering.

Hätte, hätte, Fahrradkette.

Hätte der Skipper nicht eine defekte Uhr in LEMVIG gekauft und hätte er sie dann nicht bei einem lokalen Uhrmachermeister reparieren lassen, dann hätte er, alles in allem, das Geld für eine Niegelnagelneue mechanische Glasenuhr zusammen gehabt.

Hat er aber nicht. Statt dessen hat er von Herrn Engelhardt ein klares Todesurteil für das SCHATZ Uhrwerk erhalten. Diese seien nie von besonders guter Qualität gewesen und nach 30, 40 oder auch mal 50 Jahren seien alle Lager eingelaufen, die Federn ausgeleiert und einfach das Lebensende erreicht. Ersatzteile gibt es schon lange nicht mehr. Teile bauen kostet ein Vermögen. Tolle Wurst. Da denkt man sein Leben lang, so ein mechanisches Uhrwerk ist für die Ewigkeit gebaut und lernt dann, das dem nicht so ist. Und noch nie war.

Was tun?

Herr Engelhart rät zum Verkauf als Defekt bei eBAY und sparen auf eine neue mechanische Glasenuhr.

Dafür ist es ja wohl schon zu spät.

Alles wieder an Ort und Stelle – und vor allem: In Funktion!

Transplantation ist der einzig gangbare Weg, will man wenigstens das massive Messinggehäuse erhalten. Dabei wird das mechanische Uhrwerk durch ein elektrisches Quarzuhrwerk ersetzt, welches zusätzlich, Tärä, Tärä, immerhin ein mechanisches Schlagwerk in sich trägt. Damit bleibt wenigstens der markante Glasenschlag erhalten. Allerdings ist dieser ein wenig schwach auf der Brust, weswegen das Gehäuse der Glasenuhr an der Unterseite mit 24 Schall-Löchern versehen werden muss, damit der Klang nach außen dringt. Ein neues Ziffernblatt muss dann auch noch her, weil die Löcher für den Vierkantchlüssel zum Aufziehen der Mechanik ja ebenfalls entfallen. Neue Zeiger natürlich auch, jetzt sogar mit Sekundenzeiger.

Nun hängt die kaputte, reparierte und letztendlich transplantierte Glasenuhr also wieder im Arbeitszimmer in Elmshorn und schlägt munter jede halbe Stunde die Glasen. Leider etwas leise, im ganzen Haus ist das Schallsignal nicht mehr hörbar. Hat aber vielleicht ja auch Vorteile.

Zu Hause geht ja sowieso keiner Wache.

Peter.

Tag 39: Anholt, Jungfrauen

Nach wie vielen Tagen auf einem Liegeplatz verwächst eigentlich eine Segelyacht mit eben jenem, dem Liegeplatz? Und die Besatzung gleich mit? Gibt es einen Zeitpunkt, ab dem es kein Entkommen mehr gibt? An dem man für immer, und ich meine FÜR IMMER (!), fest gewachsen an Ort und Stelle bleibt?

Schauen wir mal. Es gibt bestimmt eine Reihe von schlechteren Plätzen auf der Welt, an denen man fest wachsen könnte.

Wir werden es vermutlich heraus finden und berichten.

Derweil dieser und noch einiger mehr solch ungeklärter Fragen beschäftigt sich der Skipper des STORMVOGELS mit Jungfrauen. Im Allgemeinen und auch schon aus Prinzip völlig uninteressant. Andere wenige Männer stehen ja angeblich voll auf Jungfrauen. So sehr, das sie sich von wieder anderen, in der Regel älteren Männern einreden lassen, sie müssten nur möglichst viele so genannter ungläubiger umbringen und dabei den eigenen Tod in Kauf nehmen, um mit 50 oder mehr Jungfrauen belohnt zu werden. Tolle Wurst.

Jomfruhummer, Anholter Jungfrau

Also ich mache das ja anders, wenn ich in seltenen Momenten nach Jungfrauen verlange.

Ich kaufe mir Jungfrauen auf ANHOLT!

Frei angeboten, fast jeden Werktag, morgens um 0700 (gesprochen: Null-Siebenhundert). Direkt im Hafen. Das Kilo für 50 Dänische Kronen (gesprochen: 50 Kracher, denn die Währung im Ausland heißt bekanntlich immer Kracher).
Also um und bei 7 Euro. Aber ein Kilo Jungfrauen genügt natürlich nicht, es braucht schon zwei Kilo. Denn wenn man die vielen Jungfrauen komplett entblättert, um nicht zu sagen entkleidet hat, bleiben bei zwei Kilo vielleicht 500 Gramm verwertbar über. Ganz schön magere Ausbeute, was? Wer steht schon auf nur 500 Gramm Jungfrauen?

Jomfruhummer, Anholter Jungfrau

Also gut.

Es handelt sich bei meinen Jungfrauen natürlich um andere, als die bei denen im Namen Gottes mordenden Kerle. Vielleicht sollten die es mal zur Entspannung mit meinen ANHOLTER Jungfrauen versuchen, bevor sie mit Messern, Autos oder Bomben absolut unsinniges Zeug anstellen?

Jomfruhummer, Anholter Jungfrau

Für den Fall, das diese Männer zwar wissen, wie man Messer zückt, Bomben baut und stirbt, aber nicht, wie man gut lebt, hier ein kleiner Missionsplan für autarke Operationszellen auf einer schwimmenden Missionsbasis. So lässt sich schon zu Lebzeiten das Leben mit ANHOLTER Jungfrauen versüßen:

Jomfruhummer, Anholter Jungfrau. Phase 1: Verstümmeln

a) Missionsvorbereitung
Jeden späten Nachmittag bis zum frühen Abend den Hafen von ANHOLT beobachten. Genauer gesagt, den Schiffsverkehr. Sich dabei nicht von der großen weißen Fähre ablenken lassen, die in der Regel um 1600 einläuft. Die verhindert manchmal kurz die Sicht auf die tatsächlich auszuspähenden Objekte: Sind Fischerboote im Hafen und verlassen sie eben jenen am frühen Abend, kann man am nächsten Morgen mit hoher Wahrscheinlichkeit mit jeder Menge käuflicher Jungfrauen rechnen!
Dann, und nur dann, heißt es also Wecker stellen, sagen wir mal auf 0645. Aber bitte den richtigen Wecker, also den, der nur klingelt. Nicht den mit der Bombe dran! Bitte doppelt überprüfen um Fehler zu vermeiden. Fehler sind doof. Wer will schon doof sein?

Jomfruhummer, Anholter Jungfrau. Phase 2: Veredeln

b) Missionstag

b.1) Am frühen Morgen
Es ist nicht unbedingt notwendig, sich besonders chic anzuziehen oder gar die Haare zu kämmen. Denn der, zu dem man nun geht, sieht auch nicht besser als man selber um diese Uhrzeit aus. Eher im Gegenteil. Der zu besuchende hat die ganze Nacht durchgearbeitet, ist dementsprechend müde und freut sich eigentlich nur noch auf seinen Feierabend am frühen Morgen.
Die mitzunehmende Ausrüstung besteht aus: Ortsübliche, der Jahreszeit angepasste Kleidung. Kurze Hose, T-Shirt, Gummilatschen. Genau abgezählte Dänischer Kronen, sprich Kracher. Für den Anfang reichen mal zwei Kilo, also hundert Kracher. Eine große Plastiktüte, wie man sie von früher vom Einkaufen kennt, ist zwingend mitzuführen. Die Tüte sollte in einem guten Zustand sein, denn sonst tropfen die Jungfrauen und es lässt sich der genommene Weg zur schwimmenden Missionsbasis genau zurück verfolgen. Solch unnötige Spuren wollen wir vermeiden.
Mit möglichst beiläufiger Miene tritt man also auf der Pier vor den Fischer auf seinem Boot und fragt freundlich, ob er noch Jungfrauen hat. Entweder man kann das in Dänisch und geht so als Eingeborener durch, oder man spricht Deutsch und gibt vor ein Tourist zu sein, der günstig an frische ANHOLTER Jungfrauen kommen will. Dabei, ist es nicht komisch, das Tourist und Terrorist beide mit “T” anfangen und auf “ist” enden? Muss ein Zufall sein. Der Fischer, von dem hier die Rede ist, spricht jedenfalls kein Englisch.

Jomfruhummer, Anholter Jungfrau. Phase 2: Veredeln

Obwohl Räuber zur See, packt der ansonsten ordentliche Fischer einen seiner organgenen Fangkörbe auf die Waage, die man jedoch selbst nicht sehen kann und greift mit beiden Händen beherzt in einen Berg von Jungfrauen und füllt sie schließlich so lange in den Korb bis die unsichtbare Waage die gewünschten zwei Kilo anzeigt.
Dann gibt man ihm auf sein Verlangen hin die mitgebrachte Plastiktüte. Nun, jetzt vor den Augen des Käufers, schüttet der Fischer den Inhalt des organgenen Fangkorbes in die Tüte und verlangt bei der Übergabe der Tüte mit der anderen Hand sein Geld. Zug um Zug. Ware gegen Geld.
Hat man die Tüte mit den Jungfrauen in der Hand, verabschiedet man sich von dem Fischer und schlendert möglichst unbeteiligt wirkend zu der eigenen schwimmenden Missionsbasis am anderen Ende des Hafens zurück. Der einzig für die allgemeine Öffentlichkeit sichtbare Teil der Mission ist nun bereits erfolgreich erledigt. Glückwunsch, blieb man bisher unentdeckt!

Jomfruhummer, Anholter Jungfrau. Phase 3: Verwandeln

b.2) Später auf der schwimmenden Missionsbasis am anderen Ende des Hafens

b.2.1) Verstümmlung: Kopf vom Schwanz trennen
Ja ja, schon klar. Jetzt wird es etwas verwirrend.
Wieso haben die ANHOLTER Jungfrauen überhaupt einen Schwanz?
Na ja, die sind halt was ganz besonderes und um nun mit der Wahrheit heraus zu rücken: Bei den ANHOLTER Jungfrauen geht es wirklich nur um den Schwanz. Verrückte Welt. Bevor sich also die soeben erbeuteten Jungfrauen vernaschen lassen muss man ihnen leider den Kopf abreißen. Jeder einzelnen. Hört sich etwas grausamer an, als es in Wirklichkeit ist. Dabei wird eine spezielle Knack- und Drehtechnik in ungefährer Körpermitte angewendet, denn bei der Amputation des Kopfes geht es auch darum, den Darm dieses zierlichen Lebewesens möglichst vollständig in einem Rutsch direkt mit zu entfernen. Also so was ähnliches wie zwei Arbeitsschritte auf einen Streich. Immer dieser Effizienzwahn.

Jomfruhummer, Anholter Jungfrau. Phase 3: Verwandeln
Jomfruhummer, Anholter Jungfrau. Phase 3: Verwandeln

Für diese zweite Aufgabe sollte man schon etwas Zeit einplanen, ist man doch gehalten sehr sauber zu arbeiten und bloß nicht zu viel von den kostbaren ANHOLTER Jungfrauen wieder über Bord schmeißen. Denn das macht man mit den unnützen Klauen, Kopf und Darm.

b.2.2) Veredeln: Kochen
Auf dem hoffentlich vorhandenen Herd der schwimmenden Missionsbasis am anderen Ende des Hafens wird ein Topf mit leicht gesalzenem Wasser so erhitzt, das das Wasser kocht. Dann werden je nach Topfgröße eine Anzahl Schwänze der ANHOLTER Jungfrauen dazu geben und ein paar Minuten gewartet, bis diese oben schwimmen. Denn wer oben schwimmt, ist fertig, wird abgeschöpft und kommt in ein neues Gefäß ohne Flüssigkeit zum Abkühlen. Sind alle Schwänze abgekocht, geht es weiter.

Jomfruhummer, Anholter Jungfrau. Phase 3: Verwandeln – unnötige Reste

b.2.3) Verwandeln: Schwanz auspacken
Das wird nun echt tricky. Geht es doch darum den Schwanz der ANHOLTER Jungfrau in seiner ganzen Pracht in einem Stück aus seiner ansonsten massiven Hülle zu bekommen. Das wird zusätzlich kompliziert, weil sich die Schwänze durch die Hitze des Abkochens gekrümmt haben. Gesichert: Die Jungfrauen waren ja schon tot, die Verkrümmung kann also nicht vom Schmerz kommen. Ganz sicher nicht.
Nun, ein jeder wird seine eigene Technik entwickeln. Ein guter Startpunkt ist schon mal, das hintere Ende der Schwanzschale entgegen der Krümmung abzubrechen. Das Ende des Schwanzes ist das dünne Ende.
Am anderen, dem dicken Ende, versucht man nun die äußere Schale ein Stück abzupulen, damit man endlich an das Objekt der Begierde kommen kann: Den begehrenswerten Schwanz der ANHOLTER Jungfrau! Mit der Rechten Hand versucht man nun die Krümmung ein wenig zu begradigen, mit der linken Hand zieht man nun am Dicken Ende den Schwanz in einem Stück aus seiner Schale. Merke: Von dünn nach dick.
Hat man seine Sache gut gemacht, sieht der nun schon essbare Schwanz ganz manierlich aus. Misslingt die Aktion ein wenig, sieht das Ergebnis eher wie ein winziges gerupftes Huhn aus. Je nach dem, wie man den Schwanz der der ANHOLTER Jungfrau weiter verarbeiten möchte, macht das aber gar nichts. Will man allerdings am öffentlichen Grillplatz glänzen, sollten die Schwänze der ANHOLTER Jungfrauen schon ordentlich was her machen.

Jomfruhummer, Anholter Jungfrau. Phase 3: Verwanden – Das, was von 2 Kilo übrig bleibt

b.2.4) Vertilgen: Anrichten
Versuche die ANHOLTER Jungfrauen mit Mayonnaise zu verbinden haben sich leider als (Kalorien)Bombe erwiesen. In Folge dessen ist diese gewichtstechnisch explosive Zutat strikt zu meiden. Derzeitiger Favorit auf der schwimmenden Missionsbasis am anderen Ende des Hafens zu ANHOLT ist ein Dipp aus fettem Jogurt (10% Fett), frischen ANHOLTER Zwiebeln, Dill, Salz, Pfeffer und dänischen süß-sauren Gurkenscheiben (die, die man auch für Hot-Dogs nimmt). Die freigelegten Schwänze der ANHOLTER Jungfrauen zerschneidet man in kleine Stücke und gibt sie dazu. Der so angerichtete Salat passt hervorragend auf selbst gebackenem Brot oder zu Pellkartoffeln. Einfach köstlich!

Je nach nun erreichter Tageszeit (wir erinnern uns, der Wecker mit der Klingel stand bereits auf 0645!) darf sich dann durchaus der eine oder andere kleine zylindrische Metallcontainer dazu gesellen und schon gibt es absolut keinen Grund mehr, über das Leben anderer richten zu wollen.

Jedenfalls aus meiner Sicht.

Peter.

P.S.: Wie viele Namen kann es für ein und dieselbe Sache eigentlich geben? Die Dänen sagen Jomfruhummer dazu, in Deutschland heißt das Tier Kaisergranat oder Jungfrauen-Hummer. Natürlich gibt es auch einen Namen auf Latein, für die angehenden Wissenschaftler unter uns: Nephrops norvegicus

Wieso eigentlich nicht einfach Krabbe?

Anholt, eine der beiden Hauptstrassen

Eine Huldigung an den Flaggenstock

Was für eine Fahne dahinten ist denn das?

Hä?

Hinten?

Fahne?

Hinten ist Heck und eine Fahne hat der, der (zu viel) Alkohol getrunken hat. Sonst gibt es keine Fahne(n) an Bord eines zur See fahrenden Fahrzeuges.

An Bord eines Schiffes, mithin auch eines Bootes gibt es nur Flaggen. Und davon mit Sicherheit eine ganze Menge.

Kreuzt man mit seinem Dampfer im Heimatland herum, ist nur die eigene Nationalflagge am Heck zu führen. Für uns Deutsche also Schwarz-Rot-Gold, horizontal von oben nach unten. Über die Größe der zu führenden Landesflagge gibt es insbesondere unter internationalen Seglern unterschiedliche Auffassungen. Dänen und Briten zum Beispiel neigen zur Übertreibung und führen in der Regel eine so große Nationalflagge, das stets ein Zipfel das Wasser berührt, weht nicht genug Wind um die Nationalflagge in ihrer ganzen Pracht in der Luft zu halten.

Deutsche Charteryachten führen in der Regel die kleinsten jemals hergestellten Deutschlandflaggen. Vermutlich, damit nur auf den zweiten Blick erkannt werden kann, woher das sowieso nackt aussehende Boot mit einer Horde von Männern im Besten Alter darauf wirklich herkommt.

Einige binden die Nationale (so die Kurzform) einfach an das Achterstag. Insbesondere schnell fahrende Segelboote oder Boote von Skippern die denken, sie führten ein schnell fahrendes Segelboot, versuchen dadurch, sich so eine zweifelhaft sportliche Note zu geben.

Doch dieses einfache Anbinden wird einer Nationalflagge natürlich nicht gerecht. Sämtliche anderen Flaggen an Bord, ob wichtig oder unwichtig, werden an irgendwelchen Tampen oder Benseln geknotet und zwecks Sichtbarmachung an irgend etwas anderem hoch gezogen. Gehisst, um im Fachjargon zu bleiben.

Eine richtige Nationalflagge verdient selbstverständlich einen respektablen Flaggenstock, an dem sie gehisst werden kann.

Ein respektabler Flaggenstock kann ja schon mal kein Fahnenmast oder Fahnenstock sein, denn es gibt ja gar keine Fahnen an Bord. Siehe oben.

Ein respektabler Flaggenstock ist nur dann wirklich respektabel, wenn er von angemessener Länge ist, das verwendete Material aus edlem Holz besteht und er am Fuße eine echte Messingklampe für die untere Flaggenleine führt.

Ein respektabler Flaggenstock führt ein gefährliches Leben. Überragt er doch das Heck eines jeden Fahrzeugs zur See, mithin Schiffe, Boote und Segelboote. Je nach Länge mal mehr, mal weniger. Das führt dann manchmal dazu, das die dort geführte Flagge samt respektablen Flaggenstock einfach heraus fällt und verloren geht. Oder bei einem missglückten Anlegemannöver einfach abbricht weil der Skipper irgendwie übersehen hat, das sein Dampfer doch länger als gedacht ist.

Einige respektablen Flaggenstöcke sind weit gereist und haben in ihrem Dasein viele Länder besucht. Manche respektablen Flaggenstöcke sind sogar weiter gereist und haben mehr Länder besucht, als ihr Skipper und ihre Mannschaft. Aber immer alleine tapfer im Wind am Heck leicht angewinkelt stehend.

Ein respektabler Flaggenstock ist der Solitär an Bord.

Insbesondere weit gereisten respektablen Flaggenstöcken ist oft anzusehen, das ihnen Wind und Wetter übel mitspielen und sie schneller altern als ihre Artgenossen in heimischen Revieren, die gelegentlich zum gemütlichen Kaffeekränzchen im Hafen an Bord heraus geholt werden.

Die verschiedene Stadien der Verwitterung sind untrügliche Zeichen von weit gereisten respektablen Flaggenstöcken. Ganz so wie die Furchen im Gesicht eines Skippers. Ist der Lack erst mal ab, fällt es selbst einem edlen Flaggenstockholz in der rauen Umgebung der See schwer zu überleben.

Sanierter respektabler Flaggenstock

Das obige, wie immer so kurz wie möglich voraus geschickt, bringt uns das nun zum stolzen und respektablen Flaggenstock des STORMVOGELS. Nunmehr bereits im Alter von 10 Jahren, mit um und bei 28.000 Seemeilen Erfahrung als Träger der Deutschen Nationalflagge.

Der Kopf des Flaggenstocks längst von der Sonne verbrannt. Am grazilen, bewundernswert schlanken Holzkörper blättert der Lack in großen Stücke ab, an einigen der so bloßgelegten Oberfläche sind sogar Anzeichen einer beginnenden Fäulnis zu erkennen.

Der Skipper, der die inneren Werte eines weit gereisten respektablen Flaggenstocks sehr zu schätzen weiß, bemüht sich im Rahmen seiner in der Regel handwerklich sehr beschränkten Möglichkeiten, dem stolzen und sehr respektablen Flaggenstock des STORMVOGELS den Glanz vergangener Tage zurück zu geben.

Ein einfacher Ersatz kommt nicht in Frage.

Schließlich hat der respektable Flaggenstock Dinge gesehen, die Skipper und Mannschaft nie zu Gesicht bekommen werden.

Sanierter respektabler Flaggenstock

Schließlich könnte so ein Jungspunt von Flaggenstock Unglück über Boot und Mannschaft bringen. Respektabel müsste er überdies in den kommenden Jahren erst noch werden.

Und so schleift und schmiegelt der Skipper in der heimischen Garage den respektablen Flaggenstock des STOMVOGELS, um ihn dann über zwei Wochen hinweg  mit acht Schichten  Bestem Bootslack zu überziehen. Mit Zwischenschliff, selbstverständlich. Ganz so, wie es ein fachkundiges Familienmitglied angeregt hat, ohne sich dabei selbst der unbeschreiblichen Herausforderung zu stellen.

Sanierter respektabler Flaggenstock

Das Ergebnis: Sehr erfreulich, möchte wenigstens der Skipper meinen!

Satte einunddreißig Tage seit Aufbruch zur diesjährigen Reise versah der wieder hergestellte, stolze und respektable Flaggenstock wie immer stumm seinen Dienst am Heck des ebenso stolzen STORMVOGELS.

Doch mit einem Male, eher unbemerkt, bei 35 Knoten Wind von der Seite im sicheren Hafen von ANHOLT, knickt der zuvor so gehätschelte und mit viel Liebe überhäufte respektable Flaggenstock einfach so ein.

Knick. Knack. Kaputt.

Einfach so. Ohne vernehmbares Ächzen. Ohne Seufzen. Einfach so.

Am unteren Ende, da wo das edle Holz in der metalleren Halterung steckt. Da, wo es immerzu eng und feucht ist. Da war der stolze und respektable Flaggenstock des STORMVOGELS wohl unmerklich, unbemerkt innerlich verfault.

Wir schade!

Um nicht zu sagen, wie tragisch!

Doch ein jedes edles Holz kann mit einem einfachen Schnitzmesser bearbeitet werden. Geschwind den morschen Stumpf vollends amputiert, mit dem Schnitzmesser so professionell wie möglich verjüngt und den nun wieder respektablen Flaggenstock in die metalleren Halterung eingeführt.

Morscher Flaggenstock

Problemlos möglich. Denn der STORMVOGEL führt seine Nationale zwar mit Stolz, aber eben diese ist nicht übermäßig groß.

Das stieß bisher, in dieser Saison, bereits bei zwei Segelfreunden auf Kritik, doch, wie immer bei pragmatischen Seeleuten:

Design follows Function.

Peter.

P.S.: Jedenfalls im allgemeinen. Im besonderen steht der Skipper schlicht auf lackiertem Alu und Teak. Zum Beispiel. Völlig bescheuert.







Tag 29-33, Anholt

Kommen wir also nun unter anderem zum Unvorhersehbaren aus dem vorherigen Beitrag.

Tags darauf, am frühen Nachmittag verlangt ein körperliches Bedürfnis zum unmittelbaren Landgang. Solche Geschäfte sollte man besser nicht an Bord eines Hotelbootes in einem Hafen erledigen. Kaum steht der einsame Skipper auf der Betonpier, da schallt es von einem gerade einlaufenden Boot “Peter?”

Hä?

Inselhauptstrasse auf ANHOLT

Der Skipper hält scharf Ausschau. Erkennt aber weder das einlaufende Boot noch den darauf befindlichen Skipper. Da kann ja jeder rufen! Doch der rufende erkennt schnell die Schwierigkeiten des eigentlich auf einem wichtigen Gang befindlichen und gibt sich zu erkennen.

Na, das ist ja eine, im wahrsten Sinne des Wortes, schöne Überraschung!

Die geübte zwei Mann Crew macht einen 1A Anleger, kurze, freudige Begrüßung und erst dann, nun bereits mit einer gewissen Dringlichkeit, kann der Skipper des STORMVOGELS seinen Landgang fortsetzen.

Wie schön. Nix mit mönchsartiger Einsamkeit auf einer kleinen Insel im KATTEGAT namens ANHOLT. Eher das genaue Gegenteil davon.

Für Beste Unterhaltung ist gesorgt. Über Details wird, wie es sich unter Seeleuten gehört, geschwiegen. Drei unverhofft gute Abende werden miteinander verbracht, am Freitag Morgen dann macht sich die Crew auf ihren Weg nach Süden und der Skipper ist nun tatsächlich und unzweifelhaft allein.

Allein, Allein. (Polarkreis 18)

Inselhauptstrasse auf ANHOLT

Des Nachmittags, so gegen 1600, hat sich eine Art “Fähre-Einlauf-Ritual” entwickelt. Entweder werden die Hafenmanöver der Fähre auf dem Vorschiff des STORMVOGELS sitzend aufmerksam verfolgt, oder an Land gegenüber auf einer Bank vor dem Hafenkaufmann von ANHOLT, SPAR KONGE mit Namen.

Da sitzt man nie alleine. Es stehen fünf Tische mit fest angeschraubten Bänken vor dem Kaufmann. Da sitzen Eingeborene, rauchen und trinken ein Bier. Oder Touristen, beim Kaffee. Es braucht eigentlich nicht erwähnt werden, mit welcher Flüssigkeit genau sich der Skipper dort niederlässt und das Hafenmanöver der einlaufenden Fähre verfolgt.

Wegweiser auf ANHOLT, für die, die nicht wissen, wo es lang geht…

Präzise, aber nicht langsam gleitet die Fähre auf ihren Liegeplatz. Sicher unter Einsatz von vielen, vielen PS. Vorne und hinten. Das aufgewirbelte Hafenwasser färbt sich in Sekunden Sandgelb, richtig tief ist es hier nicht. Die voraus liegenden Fischer stören die Fähre nicht die Bohne. Kaum sind die jeweils beiden Vor- und Achterleinen fest, werden die Passagierluken in der Backbord-Bordwand geöffnet und die in der Regel schwer bepackten Fährgäste verlassen zu Fuß den Dampfer. Einige wissen zielstrebig um den zurückzulegenden Weg, andere kommen erst mal an, orientieren sich und trotten dann langsam in Richtung SPAR KONGE. Denn da scheint für Ortsunkundige das Inselleben zu beginnen. In jedem Fall freuen sich alle Neuankömmlinge sichtbar, endlich auf ANHOLT zu sein. Deutlich zu erkennen an einem breiten, sehr gelöst wirkenden Grinsen auf ihren Gesichtern.
Gut 30 Minuten nach dem Festmachen der Fähre ist der kleine Ankommenstrubel auch schon wieder vorbei und im Hafen wird es so still, wie vor dem Einlaufen.

Düne auf ANHOLT

Nach nun bummelig 10 Tagen kommt sich der Skipper durchaus schon wie in Insulaner vor. Um für einen vor SPAR KONGE sitzenden Eingebohrenen gehalten zu werden, müsste er allerdings noch das Rauchen anfangen. Noch ein Laster mehr. Ach nee, das lassen wir mal lieber.

Mindestens einmal am Tag muss sich des STORMVOGELS Skipper einem starken Impuls, sich selbst zum Hafenmeister zu ernennen, widerstehen, auch wenn es ihm sehr (sehr) schwer fällt, die Füße wirklich still zu halten.

Seenebel vor dem Hafen von ANHOLT

Bemisst der Skipper die eigenen Manöver mit dem STORMVOGEL nach dem sehr klaren Schulnotensystem 1-6, hat er nun beschlossen, die Skala nach unten um die Ziffern 7 bis 12 zu ergänzen. Zu dieser Einsicht der Notwendigkeit gelangte er beim Studium der vielen deutschen Charterdampfer, die hier ankommen. In der Regel von MOLA aus BREEGE. Was die Mannschaften auf diesen Booten abliefern ist selbst bei Besten Bedingungen in der Regel irgendwas zwischen 9 und 12. Und schon erschient eine der seltenen STORMVOGEL 4- schon gar nicht mehr so schlimm, gell? Alles eine Frage des Standpunktes, von dem man aus auf ein Manöver blickt. Erst Recht, wenn man bereits fest ist, sich seit Wochen nicht bewegt hat und klug schnacken kann!

Aber im Ernst:
Vier Mann auf 38 Fuß, offensichtlich Nachfahrt, Ankunft Morgens um 0700. Mannschaft verpackt wie Eskimos. War wohl kalt, die Nacht. Eigentlich klare Bug gegen Wind direkt in die Box Nummer. Aber der Skipper will rückwärts ran. Bojenmannöver: Mann soll mit Pippifax Bootshaken 6 Tonnen Boot halten und gleichzeitig Leine einfädeln. Kann natürlich nicht funktionieren. Wer hat schon vier Arme und kann 6 Tonnen halten? Dampfer vertreibt und gerät auf die Heckleine des Nachbars, wodurch dieser geweckt wird und im Schlafanzug bei lausiger Frühkälte versucht, das Gewirr von Booten und Leinen zu klarieren. Nach einer Stunde (!) sind die dann endlich fest.

Fünf Mann auf 46 Fuß, zugegeben bei schwierigen 20 Knoten Seitenwind. Haben es irgendwie gebacken bekommen, das der viel zu selten gesehene Hafenmeister mit dem Dingi kommt um ihnen die Vorleine in die Boje zu fädeln. Das macht der an Backbord auch, was an Steuerbord passiert sieht er warum auch immer nicht: Mit zu viel Fahrt läuft das Heck unter eingekuppelter Maschine über die Bojenleine des Nachbarn. Der Propeller erwischt die Leine, die würgt die Maschine ab und nun treiben sie ohne Fahrt und ohne Fender auf den viel kleineren Nachbarn. Völlig passiv, irgendwie entgeistert, stehen Skipper und Mannschaft da und scheinen darauf zu warten, das ihnen geholfen wird. Der Hafenmeister ist derweil mit seinem Dingi längst wieder abgeschwirrt.

Heidelandschaft auf ANHOLT

Meine Meinung:
Anleger können schief gehen. Das liegt in der Natur der Sache. Und manchmal braucht man wirklich Hilfe. Aber das darf natürlich nicht der Regelfall sein. Learning By Doing ist auch OK, so lange man andere nicht unfreiwillig daran beteiligt. Man stelle sich nur mal vor, was passiert wäre, wenn das Nachbarboot nicht gerade besetzt gewesen wäre. Ohne Heckleine mit dem Steven gegen die Pier knallend. Insbesondere einer großen Crew muss es doch möglich sein, (halbwegs) gute Anleger zu fahren? So viel Hände!

Wird Zeit, das die Mannschaft wieder kommt. Sonst endet das hier noch in besserwisserischen Prozessanalysen, Flip-Charts und Power-Point Präsentationen. Denn theoretisch ist die Sache ja völlig klar.

Um selbst in Form zu bleiben müsste man eigentlich jeden Tag, bei jedem Wetter mit dem Dampfer einmal kurz um den Block brettern und nach einer Stunde oder so wieder fest machen.

Oh ja, das schlage ich meiner Mannschaft bei Rückkehr als erstes vor!

Falls sie flüchten möchte: Unmöglich. Die nächste Fähre geht ja erst am Folgetag 🙂

Peter.

Tag 28: Anholt – Grenaa – Anholt, Sixt

Ganz schnell wird es einsam auf dem Dampfer.

Erst ist der Besuch weg, dann die Mannschaft. Landurlaub. War versprochen und was Skipper verspricht, das hält er auch. Nach eigener Einschätzung. Das war schon immer so, das mit der eigenen Einschätzung. Einen besonderen Sinn von solchen Landurlauben allerdings kann der Skipper natürlich nicht erkennen. Aber wenn es sein muss, dann muss es eben sein.

Hafen von ANHOLT

Und so bringt der Skipper seine Mannschaft mit der Fähre zum Festland nach GRENAA, klärt als zurückbleibender Reiseleiter die Geschichte mit dem SIXT Meet & Greet Mietwagen und schon ist er mutterseelen alleine.

Denkt er und die Mannschaft zumindest.

Doch bevor wir zu unvorhersehbaren kommen, soll zunächst das SIXT Meet & Greet erläutert werden.

Passagierterminal im Hafen von ANHOLT

Obwohl gut frequentierter Fährhafen, ist GRENAA so ziemlich am Ende der Welt. Dementsprechend gibt es auch nur die beiden Mietwagen Anbieter SIXT und AVIS im Hafen. Doch während AVIS ein Büro dort unterhält, hat SIXT eine besondere Lösung: Man reserviert ein Auto im voraus über das Internet. Innerhalb von maximal zwei Tagen bekommt man die Bestätigung, das das auch so klappen wird. Und dann trifft man sich zu einer verabredeten Uhrzeit auf dem Parkplatz des Fährhafens mit einem SIXT Mitarbeiter, der extra anreist und Mietvertrag und Autoschlüssel übergibt. Dann kann es los gehen.

Wendemanöver der Fähre im Hafen von ANHOLT. Bitte schön Abstand halten…

Was hat sich der Skipper für Sorgen wegen der Bezahlung gemacht. Am liebsten bezahlt er so was im voraus und gut ist. Doch das ging nicht. Laut offiziellem Verfahren soll auf dem Parkplatz die Kreditkarte samt PIN vorhanden sein. Bargeld oder V-PAY würden nicht akzeptiert.
In der Realität wollte der SIXT Mensch dann noch nicht mal die Kreditkarte sehen. Darauf angesprochen meinte er, die Daten hätten wir ja schon bei der Reservierung angegeben und durch die neuen Sicherheitsbestimmungen der Kreditkartenanbieter sei es technisch gar nicht möglich, auf dem Parkplatz zu bezahlen. Soll uns nur recht sein! Wenn man bedenkt, das der Skipper nur mit nach GRENAA gefahren ist, weil die Mannschaft ihre Kreditkarte in ELMSHORN vergessen hat und der Fahrer bei Anmietung zwingend eine Kreditkarte haben muss, die seinen Namen trägt. Also ist der Skipper der Mieter & Fahrer mit Kreditkarte und die Mannschaft zweiter Fahrer…und lässt dann den Mieter & Fahrer dann einfach auf dem Parkplatz stehen und braust davon.

Im Laderaum der ANHOLT Fähre
Im Laderaum der ANHOLT Fähre

Bei der Übergabe wird auch klar, wieso diese zwei Tage Bestätigungszeit dazwischen liegen. Die bringen nicht extra ein Auto auf den Parkplatz, sondern haben da immer zwei oder drei stehen. Und wenn keins da ist, kommt auch keines dazu. Wenn dann der Kunde kommt, kommt ein SIXT Mensch mit einem anderen Auto von sonst wo her und macht die Übergabe. Abgabe noch einfacher. Auto da parken, wo man es übernommen hat und Schlüssel in einen Briefkasten im STENA LINE Bürogebäude stecken.

Promenadendeck der Fähre von ANHOLT
Windpark vor GRENAA von DONG ENERGY

Bei der Reservierungsanfrage war eine Sache komisch: Während zunächst alle gefahrenen Kilometer inklusive sein sollten, waren später nur 700 KM enthalten, jeder mehr sollte extra bezahlt werden. In der Zwischenzeit hatte ich im selben Browser bei AVIS nach Preisen recherchier. Da waren immer die 700 KM, aber auch der knapp vierfache Preis. Also in einem anderen Browser SIXT nochmal reserviert und da wieder unbegrenzte Kilometer. Diese Schlitzohren!

SIXT meet&Greet Parkplatz im Fährhafen von GRENAA, vor dem STENA LINE Gebäude

Also denn.

Die Mannschaft ist weg, der Skipper dampft mit der Fähre drei langweilige Stunden zurück auf seine Insel. Obwohl, es gab gleich nach Verlassen des Hafens drei recht aufregende Minuten! Immerhin. Unvermittelt, ohne jede Ankündigung und ohne jeden ersichtlichen Grund legt die Fähre hart Steuerbord Ruder, neigt sich ob der vollen Fahrt spürbar auf die Seite. Wir fahren einen halbwegs sauberen, aber engen Vollkreis. Dann geht es weiter Richtung ANHOLT. Es folgt eine Durchsage auf Dänisch, irgendwelche technischen Probleme hätten dieses Manöver ausgelöst.

Könnte sein.

Die Fähre ANHOLT im Fährhafen von GRENAA

Kann aber auch nicht sein. Die Nummer hat mich doch sehr an eine Begebenheit auf dem STORMVOGEL in 2012 im niederländischen Wattenmeer vor der Insel VLIELAND erinnert. Der stolze Skipper hatte damals eine detaillierte Route im Plotter für das Fahrwasser nach HARLINGEN angelegt und dann dem Autopiloten befohlen, die Route abzufahren…

Die Fähre ANHOLT im Fährhafen von GRENAA

…doch in seinem Eifer hatte der Skipper glatt übersehen, das sein Boot den Startpunkt der Route längst passiert hatte. Woraufhin der Autopilot selbstverständlich zu der Einsicht kam, das Boot hart zu wenden um auf direktem Wege zum Startpunkt zu kommen, um von da aus ordnungsgemäß die Route abzufahren.
Und genau das könnte auch auf der Fähre der Fall gewesen sein, denn nach Verlassen des Hafens von GRENAA werden die Herren auf der Brücke den Autopiloten eingeschaltet haben…

Aber das war wirklich die einzige Aufregung.

Ansonsten Seefahrt mit Aussicht auf Windpark.

Rückfahrt der Fähre nach ANHOLT: Schiebewind am Windpark GRENAA

Peter.

P.S.:
Die Tage 25-27 haben wir auch gelebt! Aber recht faul. Am Strand und so…

Rückreise. ANHOLT in Sicht, endlich!

Tag 22-25: Anholt

Bisher haben wir in diesem Jahr nicht besonders viele Seemeilen zurück gelegt und das wird sich auch erst mal nicht ändern. Die nun endlich geronnene Sommerplanung besagt, das der STORMVOGEL in den kommenden Wochen zum Hotelschiff auf ANHOLT mutiert.

Und weil der erste Besuch auf der Insel nur gerade jetzt Zeit hat, sehen wir am Dienstag zu, irgendwie von BALLEN nach ANHOLT zu kommen. Irgendwie, weil es laut Wetterberichten nur gerade so mit Segelwind klappen soll, Mittwoch wäre als Reisetag besser, Donnerstag sogar noch besser. Doch Freitags müssen die Freunde bereits wieder abreisen, also machen wir das, was wir eigentlich nicht mehr machen wollen:

Krieger im Yachthafen von Anholt

Wir begeben uns wissentlich auf einen blöden Schlag.

Dabei laufen die ersten drei Stunden überraschend gut. Früh´ am Morgen in BALLEN los, durch das enge Fahrwasser im Norden und dann endlich wieder halbwegs offenes Meer. Doch wie schon bei der Süd-Reise im letzten Jahr ändert sich nördlich von SAMSÖ der Wind schlagartig. Als wenn es da einen festen, aber unsichtbaren Grenzübergang der Wettersysteme des Kattegats und der Belte geben würde. Statt super-schnellem Halbwindkurs mit ordentlich Wind jetzt was Raumes mit zu wenig Wind. Die 7, 8, 9 oder manchmal auch 10 Knoten Wind helfen auf dem Kurs nicht wirklich weiter. Schon gar nicht bei dieser konfusen Welle. 4 Knoten Fahrt, immer wieder heftig flappende Segel. So wird das nichts. Also beide Vorsegel weg und mit Maschine weiter. Spaß macht das nun wirklich nicht.

Krieger im Yachthafen von Anholt

20 Seemeilen vor Anholt baumen wir das Yankee aus und segeln tatsächlich noch ein Stück vor dem Wind, doch der Skipper muss die Mannschaft immer wieder streng darauf hinweisen, das Blumen pflücken während der Fahrt streng verboten ist. So langsam geht es voran.

Geduld, Geduld!

Fischer im Hafen von Anholt

Der Hafen von ANHOLT ist erstaunlich leer, doch da, wo wir uns hinlegen wollen ist kein Platz. Da liegt ein großer Krieger längsseits und erweckt nicht den Anschein, das er da jemals wieder verschwinden würde. Schon erstaunlich, wie der Kapitän seinen Dampfer in diesen Yachthafen mit den unzähligen Mooringbojen bekommen hat. Also legen wir uns im gebührenden Abstand an sein Heck. Kaum sind wir fest, kommen die Freunde mit der Fähre an und es wird ein kleines Wiedersehen gefeiert.

So endet dieser schlechte Segeltag wenigstens zum Abschluss mit einem gutem Timing und großer Wiedersehensfreude.

Im Hafen von Anholt

Am folgenden Tag sind die Köpfe unerwartet schwer und der Tatendrang dem entsprechend reduziert. Dafür ist das Wetter fantastisch!

ANHOLT ist, wie immer und in jedem Zustand fantastisch!

Zu Fuß einmal in den Ort und zurück, viel mehr ist körperlich nicht drin. Immerhin 7 Kilometer. Not that bad.

Schafe auf Anholt

Doch am folgenden Mittwoch werden Fahrräder zu Inselpreisen gemietet und selbst wir als “öfters mal auf ANHOLT” gewesene entdecken noch eine für uns völlig neue Landschaft auf dieser kleinen Insel:

Preistafel des Fahrradverleihers im Hafen von Anholt

Die Wüste von ANHOLT!

Klar, ein jeder der “WÜSTE”, “INSEL” und “ANHOLT” liest denkt sich sicher, klarer Fall von Marketingübertreibung. So auch wir. Der örtliche Fahrradverleiher hat auf den Fahrrädern Aufkleber angebracht, auf denen steht, das man damit nicht am Strand fahren dürfe. Macht Sinn: Salzwasser und Sand kommt bei den ganzen Kugellagern, Zahnrädern und Ketten an so einem Drahtesel nicht gut. Als wir spät am Nachmittag aus der Wüste von ANHOLT zurück kommen und die Fahrränder wieder abgeben, lesen wir mit Schrecken am Haus ein noch viel größeres Schild: In die Wüste von ANHOLT dürfen diese Fahrränder eigentlich auch nicht…

Die Wüste von Anholt, Anfangs noch ein wenig grün

…ja, stimmt. Macht wohl auch Sinn, denn hinter her betrachtet war dieser Ausflug mit Fahrrädern durchaus grenzwertig.

Denn es gibt sie wirklich, die Wüste von ANHOLT!

Etwas anders, als man sich gemeinhin vielleicht so eine Wüste vorstellt. Zu einer echten Wüste gehört ja wohl zu vorderst Sand! Auf jeden Fall Unmengen von Sand. Unglaublich viel Sand ist auf ANHOLT schon mal vorhanden. So viel, das in Zukunft wohl findige Bauunternehmer auf den Gedanken kommen könnten, die Insel komplett abzutragen um an kostbaren Bausand zu kommen. Was wollte Herr Trump eigentlich mit Grönland? Als Bauunternehmer wäre doch ANHOLT als Objekt der Begierde viel schlauer gewesen? Schon klar, echter Wüstensand taugt nicht zum bauen, aber was ist eigentlich mit dem gut verpacken Sand in der Wüste von ANHOLT?

Die Wüste von Anholt, später viel Sand, wenig grün

Denn der Sand der Wüste von ANHOLT verbirgt sich unter einer zarten Schicht aus vertrocknetem Moos, Flechten und Heide. Verlässt man den tief sandigen Pfad weil man denkt, auf dieser zarten Pflanzenschicht komme man besser voran, täuscht man sich. Die Pflanzen sind so ausgedörrt, die tragen gar nichts, man sackt ein und steckt wieder im Sand fest.

Aber diese dummen Baugedanken passen ja sowieso nicht in die heutige Zeit. Lassen wir das also.

Der Pfad nahe dem kleinen Flugplatz vom Hauptort der Insel durch die Wüste von ANHOLT bis zum weithin sichtbaren Ziel, dem Leuchtturm von ANHOLT an der Nord-Ost Spitze der Insel, ist immerhin ganze 9 Kilometer lang! Bereits nach wenigen hundert Metern geben wir auf. Das schaffen wir nie! Schon gar nicht wieder zurück.

Die Wüste von Anholt, der letzte Kilometer zum Leuchttum von Anholt

Wir kehren um und suchen den laut Inselkarte vorhandenen zweiten Pfad, der von der befestigten Inselhauptstrasse abzweigt. Dort sieht es zunächst deutlich besser aus, doch dem erste Anschein, um nicht zu sagen der ersten Verlockung, folgen wirklich schwierige Streckenabschnitte, in denen die Sandpiste völlig zerfahren und breit getreten ist. Selbst zu Fuß und ohne ein Fahrrad als Ballast hätte man da seine Schwierigkeiten, durch zu kommen. Und so dauert es gut drei Stunden, bis wir den Leuchtturm erreichen.

Aber wir erreichen ihn!

Leuchttum von Anholt

Erschöpft, aber in der Gewissheit, das wir einige bestens gekühlte zylindrische Metallcontainer mit uns führen und uns selbst somit eine kleine Belohnung verabreichen können. Natürlich braucht man nicht darüber nachzudenken, ob die darin befindliche Flüssigkeit denn die richtige für einen Ausflug in die Wüste von ANHOLT war. War sie natürlich nicht.

Das Naturschutzgebiet im Nord-Osten von Anholt
Seehunde auf Sandbank vor Anholt. Man achte auf den 400 Meter Schatten im Hintergrund…
Seehunde auf Sandbank vor Anholt
Seehunde auf Sandbank vor Anholt

Nun denn. Pause!

Und natürlich durch das dort vorhandene (kostenlose!) Riesenteleskop die weit entfernt auf einer Sandbank liegenden Seehunde beobachten.

Wir sind uns nicht so sicher, was ANHOLT hier eigentlich bezwecken möchte. Zum einen wird das Naturschutzgebiet mit den Seehunden stark als “must see” beworben und vor Ort am Leuchttrum auch gut dokumentiert. Absperrungen und Tafeln weisen auf das strikte Betretungsverbot hin. Zum anderen führt der Weg dorthin durch die Wüste über zwei Pfade, die ihren Namen nicht verdienen. Weicht man davon ab, um zum Ziel zu kommen, zerstört man unweigerlich die zarte Heidelandschaft. Dann wohl eher auch die Wüste von ANHOLT für Touristen sperren? Oder wenigstens einen Pfad mit Schotter passierbar machen? Wie immer schwierig, dieser Spagat zwischen Naturschutz und Tourismus.

Deutlich abgesperrtes Naturschutzgebiet auf Anholt

Nun, wir alle wissen um den langen Rückweg. Also los! Da wir die Fahrräder einen Kilometer vor dem Leuchttum zurück gelassen haben, weil der Sand schlicht zu viel wurde, stapfen wir erst mal befreit ein Stück zurück.

Dann wieder im permanenten Wechsel von auf “dem Fahrradsattel sitzend rollen”, “zu Fuß gehen” und “abspringen”, wenn das Vorderrad im Sand unvermittelt stecken bleibt. Nach weiteren drei Stunden des Weges erreichen wir die befestigte Inselstraße und sind nun völlig erschöpft, weil am Ende unserer Kräfte.

Und sehr zufrieden mit uns!

Der Pfad in die Wüste von Anholt. Im Vordergrund die Inselhauptstrasse, im Hintergrund der Leuchtturm von Anholt

Eine wirklich tolle Tour. Sehr anstrengend, doch diese menschenleere Landschaft, von der prallen Nachmittagssonne aufgeheizt ist in der Tat einmalig und sehr erlebenswert. In der ganzen Zeit haben wir nur ein junges Paar gesehen, das zu Fuß in der Wüste von ANHOLT unterwegs war. Am Leuchtturm noch ein anderes, aber die wollten auf keinen Fall zurück durch die Wüste von ANHOLT, sondern ihr Glück am Strand versuchen. Wir haben sie nie wieder gesehen…

Heidi, auf dem Hinweg als ehemalige Enduro-Fahrerin noch bemerkenswert vorweg gestürmt, meint später: Seit der Bergbesteigung von MAUPITI habe ich nichts anstrengenderes mehr erlebt. Ups, das ist lange her.

Merke:
Selbst wer nur zur See fährt kann in einer Sandwüste landen!

Unsere Besucher sind erfahrende Sportler und empfehlen zum Abschluss der Wüstentour ein Bad im kalten Meere. Also so was ähnlichem, wie die berühmte Eistonne der Profi-Fußballspieler. Obwohl völlig überhitzt, erschöpft und nach Abkühlung lechzend, kommt der innere Schweinehund ganz schnell wieder nach vorne, als er bemerkt, das es nun nach sehr heiß also sehr kalt werden soll. Bei einer der Mitreisenden obsiegt er völlig und das kalte Wasser wird als gar nicht mehr so attraktiv wahr genommen, zwei stürzen sich beherzt in die Fluten und einer braucht eine ganze Weile, bis der Kopf auch wirklich unter Wasser ist. Nur das zählt.

Logisch, das der nächste Tag ein Ruhetag sein muss. Wir vorholen den STORMVOGEL auf einen besseren Platz, als der Krieger den Hafen verlässt. Das Wetter bleibt perfekt, bis der Besuch am Freitag wieder abreist. Man könnte auch denken, die beiden hätten das gute Wetter mit gebracht…aber dann auch einfach wieder mit genommen.

Unverschämtheit!

Peter.

Zum Abschluss noch was grünes. Muss sein 😉