Schlagwort-Archive: Wohnmobil

T89-91, Hesnaes

Da sind wir also endlich wieder in HESNAES, diesmal mit mehr Zeit, gutem Wetter und vollem Kühlschrank.

Aber im weiteren Gegensatz zum Vorjahr sind wir nicht alleine. OK, ein paar andere Boote wird man sicher in jedem Hafen in dieser Ecke der Ostsee erwarten müssen. Neuerdings auch ein paar Wohnmobile, und sei der Stellplatz am Hafen dafür auch noch so abweisend.

Aber so viele Menschen haben wir hier in HESNAES niemals, also wirklich noch nie, erlebt.

Alte Fischfabrik und Waschhaus (ganz links) im Hafen von HESNAES

Auf den ersten Blick wirkt der sehr kleine Hafen wie immer. Alles so, wie es sein soll. Erst bei der kurzen Pilgerreise zum Waschhaus fällt auf, das auf der Wiese bestimmt zwanzig oder mehr Autos stehen und das ehemalige Fischfabrikgebäude in pastellrot seine großen schwarzen Tore geöffnet hat. Was ist denn da wohl jetzt drin?

Im Eingangsbereich ein paar Tische mit abgegriffenen Büchern darauf. Aha, wohl wieder so ein typisch dänischer Garagenflohmarkt? Nur langsam gewöhnen sich die Augen nach dem prallen Sonnenschein draußen an die relative Dunkelheit in der linken Halle der ehemaligen Fischfabrik zu HESNAES. Und wir erkennen: Nix Gragenflohmarkt!

Das ist jetzt eine Bäckerei!

Sparsames Hinweisschild auf das neue Café im Hafen von HESNAES

Im hinteren Teil sind die Öfen und Arbeitstische samt Roll-Regalwagen mit Brot darauf zu erkennen, etwa in der Mitte der Halle steht eine große Theke die den Publikumsbereich vom Arbeitsbereich trennt. Links sind ein paar einfache Kisten aufgebaut, in denen allerlei Backkram (Zutaten, einfache Küchengeräte) zum Kauf angeboten werden. Auf der rechten Seite stehen große Kühlschränke mit Softdrinks. Und Weißwein, Sekt und lokalem FALSTER Bier.

In der rechten Halle sind Esstische und ein Tresen aufgebaut, aber dort sitzen keine Menschen. Die Gäste habe es sich vor den beiden Hallen in der Sonne gemütlich gemacht und vernaschen super entspannt aussehend alles, was hier so angeboten wird.

Hafen von HESNAES / Falster

Nun, heute werden wir hier nichts probieren. Aber Morgen! Bestimmt.

Was folgt sind drei Nachmittage im Café von HESNAES.

Die Leute kommen aus der Umgebung tatsächlich hier her, um Kaffee zu trinken oder einfach nur vorzügliches Brot zum mitnehmen zu kaufen. Wer hätte das gedacht? Ein einfach gehaltenes Lokal bringt am Ende der (dänischen) Welt zu FALSTER das Leben in fast ein verlassenes Dorf zurück? Mehr braucht es scheinbar nicht.

Steilküste von HESNAES, im Hintergrund der Hafen

Gehen wir erst mal wandern.
Die Nordtour. Wie mittlerweile üblich finden wir den Anfang des Rundweges nicht und laufen daher am Wasser zum Fuße der brüchigen Steilküste über allerhand Steine und Seegras. Mühsam. Tritt man in Seegras, scheucht man Millionen von Ostseefliegen auf. Ab und zu hängt von der Oberkante der Steilküste eine alte Festmacherleine herunter, die ganz verwegene wohl für einen Aufstieg verwenden könnten. Doch nicht wir.

Keine Ahnung, wer da aufsteigen möchte…

Irgendwann finden wir einen Aufstieg ganz ohne Leine und landen prompt auf den zuvor gesuchten Wanderweg. Von hier oben ist die Kulisse doch etwas eindrucksvoller, als der von Seglern gewohnte Blick von der Wasseroberfläche. Herrlich gerade gewachsene, riesige Buchen stehen an der Kante. Bei genauerer Überlegung sind sie dem Tode geweiht, denn anders als in HERR DER RINGE können sie ja nicht wandern sondern nur geduldig darauf warten, das die Erdkante abbricht und sie in den Abgrund gerissen werden. Was für ein bestimmtes Schicksal!

Steilküste bei HESNAES
Abbruchkante der Steilküste bei HESNAES

Wir finden zwei kleine Ferienhäuser mit Seeblick auf Lichtungen im Wald. So schön der Anblick auch ist, so bitter ist wohl der Gedanke, das die Bewohner hier wohl niemals schwimmen gehen können. Kein Weg führt nach unten zum Wasser. Und selbst wenn, die Küste und das braune Wasser davor sieht hier nicht besonders badefreundlich aus.

Kleines Haus im Wald von HESNAES / FALSTER auf Lichtung
Kleines Haus im Wald von HESNAES / FALSTER: Blick aufs Meer, die Tage das Baumes sind wohl gezählt…

Der Rundweg wäre noch viel länger, wir gehen jedoch ins Landesinnere auf großen Forstwegen zurück zum Hafen von HESNAES. Was für ein riesiger Wald. Die Reifenspuren von großem Arbeitsgerät und die vielen Holzstapel lassen auf eine intensive Waldbewirtschaftung schließen. Doch wir hören nichts. Absolut nichts. Keine Maschinen, aber auch keine Vögel. Kein rascheln um Gehölz. Schon etwas merkwürdig?

Ganz schön viel gefällts Holz in der Nähe von HESNAES
Wald bei HESNAES

Zurück im Hafen wird im Café das FALSTER Bier, Kaffee und Kuchen getestet. Köstlich, alles samt.

Irgendwann stehen mehr Wohnmobile neben dem Café als Boote im Hafen liegen. Den Betreibern wird es egal sein, woher ihre Kunden kommen.

Anderntags machen wir uns auf den Südweg, der letzten Endes wohl bis GEDSER führen würde, würde man ihn denn vollständig abwandern. Daran ist natürlich nicht zu denken. Schließlich sind wir offizielle Segler, die sich nur mal ordentlich die Beine vertreten wollen.
Auf diesem Weg trifft man sogar Menschen! Das mag daran liegen, das hier noch ein weiteres, viel länger existierendes Lokal mit Namen POMLE NAKKE mitten im Wald, nahe der Steilküste gibt. Treue Gesellen, wie wir nun mal sind, kehren wir aber dort nicht ein, sondern freuen uns wieder auf “unser” HESNAES Café bei unserer Rückkehr.

Hinweisschild auf das Café POMLE NAKKE

Auch am dritten Tag sind wir unterwegs. Trotz der gut geplanten und auch durchgeführten Bunkeraktion in RÖDVIG hat sich unerwartet Mangel an Traubensaft ergeben. Das Wetter ist zunächst lausig, also mit dem Bus nach Stubbekøbing.
Der fährt fast jede Stunde einmal. So weit so gut. Nur kann man keine Fahrscheine kaufen. Dafür bräuchte man mal wieder eine HANDY APP mit einem besonderen Zahlungsmittel und so bleibt nur die an den Busfahrer gerichtete Bitte, uns auch ohne Fahrschein mit zu nehmen. Geht klar. Besser zwei nicht zahlende Fahrgäste in dem großen Bus als gar keine Fahrgäste.

Trostloses Stubbekøbing

Sollte eine Fernsehproduktionsgesellschaft eine Kulisse für einen Endzeitfilm suchen, in Stubbekøbing würde sie wohl fündig werden. Natürlich, der Ort kann nichts für das trübe Nieselregenwetter, aber so sterbend haben wir noch keine dänische Stadt gesehen. In der “Innenstadt” steht mindestens jeder zweite Laden leer. Viele auch schon länger. Außer einer Döner und einer Pizzabude gibt es kein Lokal. Der einzige Bäcker hat zwei Tische mit vier Stühlen im Regen stehen. Kaum ein Mensch auf der Straße. Wir besinnen uns auf den Anlass der heutigen Mission, besorgen den Traubensaft aus einem der beiden Discounter und sind in weniger als einer Stunde wieder mit dem Bus auf dem Rückweg nach HESNAES. Wieder erbettelt, denn auch in Stubbekøbing gibt es keine Automaten, an denen man einen Fahrschein käuflich erwerben könnte.

Trostloses Stubbekøbing

So oder so. Wir werden weiterreisen. Das Wetter scheint am nächsten Tag eine Weiterreise in den Großraum FEHMARN zu ermöglichen.

Mit Wind, mit Starkwind zwar, aber besser Starkwind als kein Wind.

So denken wir jedenfalls am Vorabend eines ungewollt anstrengenden Segeltages.

Peter.

Am Hafen von HESNAES
Wald in der Nähe von HESNAES

T64-69, KOSTER

Der Besuch ist weg, doch wir bleiben noch zwei weitere Tage am über belegten Schwimmsteg im Fahrwasser zwischen NORD- und SÜD KOSTER mit dem schönen Namen GÄSTBRYGGA KOSTERLÄNKEN, bevor wir uns für zwei weitere Tage auf den Ankerplatz KOSTERHAMMEN (58° 52,8’N, 11°03,1’E, 7M) an der Ostseite von SÜD-KOSTER vorholen.

Einlaufen KOSTER Fahrwasser

Die Nordinsel ist deutlich kleiner als die im Süden. Unsere Segelfreunde aus NORWEGEN meinten beim kurzen Treffen in SKAGEN im letzten Jahr, ihnen gefalle NORD-KOSTER besser und man solle ruhig ein paar Tage dort verbringen.

Päckchen an der GÄSTBRYGGA KOSTERLÄNKEN

Quasi an jeder Ecke liegt eine kleine Wanderkarte für beide Inseln zum Mitnehmen aus. Verlaufen wird somit unmöglich. Der Rundgang auf der Nordinsel hat eine Länge von ca. 6 Kilometern und führt über Stock und Stein, sehr viel Stein und manchmal auch über sehr großen Stein. Denn eigentlich ist KOSTER auch nur wieder ein Felshaufen im Meer, der aber über die Jahrhunderte tatsächlich bewachsen ist.

Ferienhaus auf NORD KOSTER

Es gibt richtige Urwälder, Steinwüsten und sogar auch Sandstrände. Letztere sind in den Schären recht selten und in diesen Ferientagen sehr gut besucht, denn neben den vielen Familien, die in den zahlreichen Ferienhäusern im Sommer hier leben gibt es noch sehr viele Tagestouristen, die mit der im Stundentakt verkehrenden Fähre vom nahe gelegenen STRÖMSTAD (4 Seemeilen, 8 Kilometer) vom Festland auf die Inseln kommen.

Frischwasser in Mangelware auf den KOSTER Inseln (hier in BREVIK)

Die Versorgung auf KOSTER ist durchaus ein kleines Problem. Auf den Stegen gibt es zwar Strom, aber kein Wasser. Einen Wasserhahn mit Trinkwasser findet man nur am Toilettenhaus, ca 300 Meter vom Steg entfernt. Zu erreichen über einen bei der aktuellen Trockenheit sehr staubigen Weg der entlang der alten Fischerhütten führt.

Geschlossener Supermarkt auf NORD KOSTER

Der einzige Kaufmann auf NORD-KOSTER hat im letzten Jahr Corona-bedingt geschlossen und nun gibt es nur noch einen ICA im Herzen der Südinsel, zu erreichen über eine kleine gelbe Kabelfähre und einen anschließenden Fußmarsch von gut 2 Kilometern. Es ist auch nicht so, das es besonders viele Cafe´s oder Restaurants auf beiden Inseln gibt.

Geschlossener Supermarkt auf NORD KOSTER

Mit anderen Worten: Wer zu den KOSTER Inseln segelt, der sollte gut verproviantiert und mit vollen Wassertanks dort ankommen.

Das STRANDKATEN Restaurant auf NORD KOSTER, direkt am Hafen. Im Regelfall Schlange stehen…

An den Schwimmstegen im Fahrwasser von VÄSTRA BRYGGAN dürfen maximal nur 3er Päckchen gebildet werden. Das kann man aber leider erst lesen, wenn man auf einem der Stege steht. Der Grund ist einfach: Die großen Fähren brauchen tatsächlich ein wenig Fahrwasser für ihre Manöver.

Päckchen auf den KOSTER Inseln – am Schwimmsteg wird tatsächlich auch geschwommen
Die kleine gelbe Kabelfähre, die NORD mit SÜD KOSTER verbindet – bei wenig Schiffsverkehr

Die kleine gelbe Kabelfähre, die in unmittelbarer Nähe die Nordinsel mit der Südinsel verbindet ist eigentlich eine selbst fahrende Fähre, die mit einer Chipkarte bedient wird. In der Saison jedoch, mit vielen unbedarften Touristen, gibt es tagsüber einen Fährmann in Form junger Studenten und Studentinnen, die sich hier ihr Geld verdienen. Eine einfache Fahrt kostet 15 schwedische Kronen, also etwa 1,50 €.
Wie unterschiedlich man seinen Job als Fährmann auf dieser wohl einmaligen Fähre ausfüllen kann, erleben wir an zwei aufeinander folgenden Tagen. Zunächst eine engagierte, freundliche und flinke junge Frau. Der Zugang zur Fähre ist auf beiden Seiten mit großen Stahlrohrtoren gesichert, die vom Fährmann händisch per Magnetschalter geöffnet werden müssen.

Kleine gelbe Kabelfähre: Blick vom SÜD Ponton zum Anleger auf NORD KOSTER

So schreitet die Fährfrau also flinken Schrittes voran und bringt die ankommenden Fährgäste durch das Tor an Land und nimmt dort die neuen auf, denn es wartet immer jemand. Doch nur 12 Fahrgäste auf einmal. Danach schließt sie das Tor und läuft der Gruppe hinterher zur Fähre. Auch auf der kleinen gelben Fähre selbst muss nun noch ein Tor gesichert werden und los geht die kurze, aber sehr langsame Fahrt am unter Wasser liegenden Drahtseil entlang. Kassiert wird mit einem mobilen Kartenlesegerät, Bargeld geht nicht. Dabei muss die Fährfrau natürlich auch noch den Boots- und Schiffsverkehr im Fahrwasser beobachten, denn dieser hat hier Vorfahrt. Bei Sportbooten hält die kleine gelbe Fähre dann mitten im Fahrwasser an, damit sie passieren können. Ist eine der großen Passagierfähren in der Nähe, fährt sie gar nicht erst los.

Kleine gelbe Kabelfähre – Ankunft auf SÜD Koster

Oft kommt es vor, das auf beiden Seiten lange Schlangen mit Menschen entstehen, die übersetzten wollen. Drei, manchmal vier Fahrten muss man dann warten, bis man endlich dran ist.
Das die Fähre nicht besonders schnell fährt ist wohl technisch bedingt.

Die junge Fährfrau jedenfalls hat den Bogen raus und wickelt den Verkehr so schnell wie möglich, und das auch noch super freundlich, ab.

Statt der kleinen gelben Kabelfähre mit dem eigenen Dingi: Mit Kinderwagen, Baby und beide am Handy. Ein Hund ist auch noch dabei. Ganz modern elektrisch.

Im Kontrast dazu der junge Mann am Folgetag. Schlaftablette wäre noch beschönigt. Schlurfend, schleppend und ganz offenkundig lustlos bewegt er sich über die Stege um die Fährgäste aufzunehmen oder abzusetzen. Die Magnetschlösser der großen Tore an Land werden von See kommend mit einem kleinen elektrischen Schalter geöffnet. Diese sind ca. 3 Meter vor dem Tor angebracht. Wie es dieser Fährmann zu Stande bringt zu vergessen, das der Knopf gedrückt werden muss bleibt ein Rätsel. Dann muss er eben noch mal zurück um den Knopf zu drücken.
Wirklich unsympathisch ist allerdings seine Art an Bord der Fähre zu kassieren. Statt mit dem mobilen Kartenleser herum zu gehen und freundlich abzukassieren, nimmt er erst mal wie ein König auf seinem Thron Platz und lässt dann alle Fährgäste zum Bezahlen antanzen. Erst danach setzt er die Fähre in Bewegung. Das kostet alles wertvolle Zeit. Sicher, man ist im Urlaub und hat jede Menge davon, aber sich diese von einem solchen offenkundigen Zeitdieb stehlen zu lassen kann ja auch niemand wollen.

Fischerhaus am SÜD-Anleger

Es ist nicht an uns Gästen, diesen Menschen zu kritisieren, aber ein Eingeborener hätte wohl durchaus mal das Wort ergreifen können. Die missmutigen Mienen einiger mitwartenden Männer sprachen Bände des Ärgers.

Auf der Südinsel kann man Fahrräder mieten!

Oder besser: Fahrradschrott zu sagenhaften Preisen, um genau zu sein. Unterschieden wird nach einem Fahrrad mit Gangschaltung, das kostet mal eben 200 schwedische Kronen am Tag, oder ohne Gangschaltung, das kostet “nur” 150 SEK.
Ohne Gangschaltung heißt aber nicht, das das Fahrrad keine hat, sondern das diese einfach nur nicht funktioniert. Nicht wirklich prickelnd, wenn man so im dritten Gang vor sich hin treten soll. Das bemerkt der Skipper aber erst später und tüftelt immer wieder daran, permanent den zweiten Gang eingelegt zu haben. Immerhin ohne Werkzeug, mit Erfolg, dafür aber mit schmutzigen Fingern.
Die Jungs, die beim Fahrradverleih arbeiten und in aller Seelenruhe bei den vielen Ausleihern die Sattelhöhe richtig einstellen haben wenigstens gute Laune und versprühen diese auch entsprechend. So bedenken wir sie bei Abgabe der Drahtesel auch untypisch mit einem kleinen Trinkgeld – und ernten überschwänglichen Dank dafür.

Ferienhaus auf NORD KOSTER (nähe Leuchttürme)

Eigentlich brausen wir ohne festes Ziel mit den Fahrrädern über SÜD-KOSTER, doch es ergibt sich, das wir alle möglichen Liegeplätze für Yachten abklappern. Muss irgendwas mit unserer Art des Reisens zu tun haben?
An viele Orte würden wir mit dem Boot nicht gehen wollen, doch BREVIK im Südwesten ist ein mögliches Ziel, wäre der Hafen nur nicht so brechend voll. Außer Natur ist da nix.

Hafen von BREVIK (SÜD KOSTER), Blick auf die Fischerhütten

Manchmal kann man mit den Fahrrädern auch die Wanderwege befahren, aber oft bleiben einem nur die größeren, ungeteerten Wege. Privaten Autoverkehr gibt es auf KOSTER zwar nicht, aber die vielen elektrischen Golfcars und die knatternden Dreirad-Mofas sorgen auch so für genug Verkehr, auf den man achten muss.

Dieser rustikale Wegweiser gehört zu…
…diesem geleckt schwarzen Ungetüm mit Namen KOSTERGARDEN

Auch auf der Südinsel gibt es sehr viele einzeln stehende Ferienhäuser, aber auch größere Ferienanlagen deren Einbettung in die Landschaft mehr oder weniger geglückt ist. Das riesige schwarze Holzhaus von KOSTERGARDEN wirkt durchaus bedrohlich, die gelb gestrichene Ferienanlage von BERGDALEN hingegen gehört hier einfach hin. Bewährte Regel: Wem es nicht gefällt, muss ja nicht da hin gehen.

Charmantes BERGDALEN
KOSTERS TRÄDGÄRDAR – Gärtnerei mit Cafe, oder auch umgekehrt

Bereits am Steg in KOSTERLÄNKEN wird die Mannschaft von einer ortskundigen Norwegerin darauf hingewiesen, das es auf der Südinsel eine wunderschöne Gärtnerei (KOSTER TRÄDGRÅDAR) gebe, die auch ein tolles Café habe. Schon klar, was das erste Ziel auf KOSTER SÜD sein würde. Die vielen abgestellten Fahrräder lassen schon erahnen, das auch andere diesen Tipp bekamen. Frühstück war wie immer noch nicht, jetzt ist Mittagszeit und die Mannschaft möchte sich im Garten sitzend stärken. Der Skipper auch und besorgt in weiser Voraussicht schon mal ein schattiges Plätzchen und wartet dort geduldig, während die Mannschaft ihre Bestellpflicht am Tresen sorgsam erfüllt. Doch die Mannschaft erscheint nur mit einem Kaffee und einem Bier. Nichts essbaren. Das werde noch in der Küche angerichtet und bald serviert, verspricht die Mannschaft.

KOSTERS TRÄDGÄRDAR – Gärtnerei mit Cafe, oder auch umgekehrt – Am Eingang

Bald, diese absolut undefinierte und somit auch überflüssige Zeiteinheit gefällt dem Skipper bekanntlich gar nicht. Bedeutet “Bald” doch oft, das man “Geduld” aufbringen muss.

KOSTERS TRÄDGÄRDAR – Gärtnerei mit Cafe, oder auch umgekehrt – Im Garten


Und schwups, nach gefühlt 60 Minuten oder so, kommt tatsächlich was essbares auf den Tisch. Kein totes Tier, wie in einer Gärtnerei auch nicht zu erwarten. Doch ein leckerer Salat mit geröstetem Kohl und ein Kartoffelauflauf in einer braunen Soße schmecken so gut, das dem Skipper das angeordnete Teilen recht schwer fällt. Der Verzicht auf ein eigentlich fälliges zweites Bier fällt da schon leichter. Es wird nicht mehr lange dauern und in Schweden herrschen die gleichen Verhältnisse wie in Norwegen oder wie damals in St. Tropez.

KOSTERS TRÄDGÄRDAR – Gärtnerei mit Cafe, oder auch umgekehrt – Im Garten

In der kleinen Gärtnerei, die eigentlich ein großes Restaurant mit ein wenig Garten umzu ist, wird es zunehmend voller und entsprechend lauter.

Zeit zu gehen.

Auf dem Rückweg kommen wir wieder an der prächtigen Kirche von SÜD-KOSTER vorbei. Im Vorgarten probt gerade ein Sänger in Begleitung eines Klavierspielers für einen Auftritt am Abend. Andächtig lauschen wir in der goldgelb strahlenden Spätnachmittagssonne einem vollständig sehr schön vorgetragenem schwedischen Liebeslied. Natürlich haben wir kein Wort verstanden, sind aber beide ganz sicher, das es nur ein Liebeslied sein konnte.

Musikprobe an der Kirche von SÜD KOSTER

Wir wenigen Zaungäste applaudieren freudig, der Sänger freut sich auch und lädt alle ein, am Abend zum eigentlichen Konzert zu kommen. Wirklich gute Stimmung.
Doch wie zu häufig in letzter Zeit, wir sind zu träge und als Ausrede auch nicht vorbereitet. Vom Ausflug erschöpft, hungrig und durstig, auf der falschen Insel (wer weiß schon, wie lange die Fähre fährt? Was ist mit den Fahrrädern?) und sicherlich auch für den Abend unpassend angezogen. Sicher, das könnte man alles ändern und in den Griff bekommen, doch wie schon erwähnt, die Trägheit gewinnt mal wieder.

Leider um ein paar Tage verpasst – es gibt in jedem Jahr Ende Juli ein kleines Musikfestival auf KOSTER.

Blick von den Leuchttürmen von NORD KOSTER auf die Südinsel

An einem anderen Tag drehen wir Morgens zu Fuß eine weitere Runde über NORD-KOSTER. Diesmal wollen wir die Leuchttürme und den Campingplatz erkunden. Auf dem Rückweg wollen wir irgendwo ein morgendliches Bad im Meere nehmen.

Badestelle auf NORD KOSTER bei Westwind
Campingplatz auf NORD KOSTER

Der Campingplatz liegt herrlich in einem Fichtenwald direkt am Wasser. Nur Zelte. Weit verstreut. Bei dem tollen Wetter der vergangenen Tage sicher ein großes Abenteuer für die vielen jungen Familien mit ihren kleinen Kindern, die hierher mit Sack und Pack per Fähre aus STRÖMSTAD kommen. Es gibt kleine Rollwagen, damit das Schleppen nicht gar zu beschwerlich wird. Wir sehen zwei Spülstationen unter freiem Himmel und eine Anordnung von Plumpsklos. Sehr rustikal, das ganze. Die “Brotbutiken” hat kurz vor Mittag geschlossen, doch immerhin scheint sie Morgens geöffnet zu haben. Wir fragen uns ernsthaft, wie man neben der Campingausrüstung auch noch Proviant für vier oder fünf Personen für drei oder vier Tage hierher schaffen soll?

Campingplatz auf NORD KOSTER

Der Aufstieg zu den beiden kleinen Leuchttürmen auf NORD-KOSTER ist kurz, steil und entsprechend anstrengend. Doch einmal oben angekommen erhält man einen grandiosen Blick über beide KOSTER Inseln und man möchte gar nicht wieder absteigen. Selbst die Badebucht nahe unserem Liegeplatz kann man von hier oben gut erkennen.

Badebucht auf NORD KOSTER

An diesem Tag weht ein guter Westwind und das Wasser in der gewählten Badebucht ist entsprechend aufgewühlt. Und kalt. Aber, und das gilt es zu betonen, beide Reisende stürzen sich mutig in die Fluten. Sollten wir immer so machen: Stramm spazieren gehen (um nicht Wandern zu sagen) und dann im kalten Meer baden. OK, das würde voraussetzen, das wir immer ein Meer mit kaltem Wasser in der Nähe haben. Könnte man ja mal daran arbeiten.

Leuchtturm von NORD KOSTER (einer von zwei)
Fahrwasser zwischen NORD- und SÜD KOSTER

Nach ein paar Tagen auf KOSTER übersehen wir beinahe, das wir gar nicht in NORWEGEN sind! Fast jedes hier liegende Boot trägt stolz eine riesige norwegische Flagge, auch das unseres Nachbarn im Päckchen. Ruhige, sympathische Leute, die hier einfach nur Urlaub machen. Überhaupt erleben wir kein Partyboot. Es ist voll, aber erstaunlich ruhig dabei. Wie schön!

Auf der Fähre STRÖMSTAD – KOSTER (Anleger NORD KOSTER)
Auf der Fähre STRÖMSTAD – KOSTER (Anleger NORD KOSTER)

Am Dienstag waren wir mit der Fähre in STRÖMSTAD. Auf Erkundungstour. Wir wollen den STORMVOGEL ein paar Tage hier oben alleine lassen, weil wir (glücklicherweise) einen Impftermin in Elmshorn bekommen haben. Die Mannschaft bekommt schon die zweite Dosis, der Skipper die erste. Irgendwie war der wohl mal wieder nicht systemrelevant. Jedenfalls in dem Land nicht, in dem er nicht zu knapp Steuern bezahlt hat. Von wegen, “in meiner Badewanne bin ich der Kapitän”!

Auf der Fähre STRÖMSTAD – KOSTER (Anleger STRÖMSTAD)

Die STRÖMSTAD MARINA liegt abseits des sehr geschäftigen Stadthafens und gefällt uns sehr gut. Hier buchen wir einen Liegeplatz für eine gute Woche und sehen uns den natürlich auch an. Sieht alles gut und sicher aus. Es gibt sogar einen Werftbetrieb, der über einen großen Kran verfügt. Doch aus dem Wasser wollen wir mit dem STORMVOGEL natürlich jetzt nicht.

Auf der Fähre STRÖMSTAD – KOSTER (Anleger NORD KOSTER) – Tagestouristen am späten Nachmittag, die nach Hause wollen

Im Fahrwasser zu beiden Seiten des KOSTER SUND darf die große Passagierfähre nur 10 Knoten laufen, doch im KOSTER SUND selbst, auf 200 Meter Wassertiefe, da darf sie Vollgas laufen. Gute 20 Knoten fühlen sich nicht schlecht an! Mit anderen als dem eigenen Boot ginge das sogar unter Segeln. Das lassen wir mal lieber den STORMVOGEL nicht hören!

Die letzten beiden KOSTER Tage verbringen wir auf dem großen Ankerplatz von KOSTERHAMMEN .

Das Ankerfeld von KOSTERHAMMEN

Der ist etwas merkwürdig. In der Seekarte ist ganz klar ein Zeichen für “Ankern verboten” eingezeichnet. In der Bucht stehen nördlich drei gelbe Spieren im Wasser die eindeutig ein Sperrgebiet markieren. Und vor dem langen von Nord nach Süd verlaufenden Strand liegen kleine Bojen mit einem Schild darauf, das besagt, das Ankern, Schwimmen und durchfahren verboten sei.

Mondaufgang in KOSTERHAMMEN

Dennoch liegen hier an die 50 Yachten! Und natürlich auch wir mit unserem STORMVOGEL. Während des Ankermanövers müssen wir ein wenig aufpassen, nicht doch in diesem Gewühl in einem Sperrgebiet zu landen. Wir ankern fast schon so eng zu den anderen Booten wie in einer Bucht von MALLORCA. Aber das sehr ruhige Wetter macht es uns ja auch einfach.

Verbotsschilder in KOSTERHAMMEN

Ein Boot versucht sein Glück recht nahe dem Fähranleger von KILESAND, zu gerne hätten wir gesehen ob die Fähre umzu fährt oder Signal gibt. Doch der Anker hielt wohl nicht und das Boot ist längst verschwunden, als die nächste Fähre kommt.
Mit dem Dingi brausen wir zum Steg der Ferienanlage von BERGDALEN und pilgern von dort aus über einen kleinen Dschungelpfad zum ICA Supermarkt im Herzen der Südinsel. Vermutlich ist dieser Pfad im Moment der kürzeste Versorgungsweg für Yachten auf KOSTER.

ICA Supermarkt auf SÜD KOSTER
BERGDALEN auf SÜD KOSTER

So auf Anker liegend kann man natürlich jederzeit auf kürzestem Wege Baden gehen und sich abkühlen. Von dieser Möglichkeit wird auch reichlich Gebrauch gemacht, allerdings laufen wir vorher einmal kurz über Deck und suchen die Umgebung nach Feuerquallen im Wasser ab. Im Moment sind sie noch ganz selten, vielleicht sieht man hier eine am Tag. Aber die würde ja reichen!
Zeit sich mit der Notfallbehandlung nach einer Feuerquallen-Attacke zu befassen. Die betroffene Haut auf keinen Fall trocken reiben, Süßwasser ist erstaunlicher Weise auch nicht gut. Aber, und das ist kein Scherz: Beim Googeln liest man immer wieder von Rasierschaum als bewährtes Heilmittel.

Wie jetzt?

Was war denn noch mal rasieren?

Rasieren mit Rasierschaum?

Glatte Haut. Ach, ist das lange her.

Peter.

STORMVOGEL auf KOSTER
Blumenfahrrad auf KOSTER
Briefkästen auf KOSTER
Ferienhaus und Dreirad-Mofa auf KOSTER
Ferienhaus auf KOSTER

Mars 2020

Und kannst Du nicht vollständig in die Ferne schweifen, so lasse wenigstens einen Teil von Dir neue Welten entdecken!

Doch welcher Teil eines Menschen ist entbehrlich?

Was ist alles ein Teil eines Menschen?

Nun, mein Name ist unzweifelhaft ein Teil von mir.

Den eigenen Namen auf Reisen zu schicken ist sicher einfacher los zu lösenden als eine Hand, Arm, Bein oder gar Kopf.

Sicher leichter in einem Reisegefährt, gleich welcher Art, zu verstauen.

Sicher mit viel Schall und Rauch, wie alle Namen.

Die Weltbevölkerung wird auf 7.800.000.000 Menschen geschätzt. Also gibt es wohl 7,8 Milliarden Namen. Denke, jeder Mensch wird einen Namen haben? Sicher wird es Menschen geben, die ihren Namen mit anderen teilen müssen. Weil die Eltern bei der Namensgebung nicht nachgedacht haben. Weil die Ahnen gleiche Berufe hatten. Weil es echt schwer ist, unter 7,8 Milliarden Namen einen einmaligen Namen zu haben.

Soweit ich weiß, gibt es nur einen Peter Wiedekamm. In Dänemark, bei den Ahnen meiner Frau Heidi gibt es wohl einen Per Wiedekamm. Aber Per ist nicht Peter. Fehlen ja mindestens zwei Buchstaben. Schon schwieriger ist es mit Heidi. Da gibt es schon mal zwei. Die eine ist meine lebenslange Begleiterin, die andere, ebenfalls in Dänemark ist jünger. Aber was zählt schon das Alter?

Nun, bleiben wir bei reisenden.

Bleiben wir bei reisenden Namen.

Bleiben wir bei meinem reisenden Namen!

Quelle: NASA – Microchips mit allen Namen (die drei Quadrate zwischen den beiden Schrauben)

Eingepfercht auf drei kleinen Microchips, zusammen mit 10.932.295 (-1) anderen Namen. Fast 11 Millionen andere Menschen. Ob ich davon einige kenne? 113.630 (-1) kommen oder wohnen aus/in Deutschland. Jetzt haben unser aller Namen 415.678.951 Kilometer seit unserem Start von der Erde zurück gelegt. Insgesamt müssen alle 11 Millionen Namen 480 Millionen Kilometer bis zum Ziel zurück legen. Das ist insofern interessant, als das der Mars eigentlich “nur” zwischen 55 und 70 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist. Doch so ein einfaches Raumschiff kann nicht einfach so gerade aus fliegen. Na toll: Da steht nix im Weg und trotzem muss man Umwege fliegen! Das wird hier von der ESA in einem alten Beitrag für eine andere Mission ganz gut erklärt. Da unsere Namen mit derzeit über 80.000 Kilometer pro Stunde fliegen, sind wir bald da.

Quelle: NASA – Kein Segelboot, kein Wohnmobil. Diesmal per Marsrover Perseverance (zu deutsch: Beharrlichkeit)

Wenn alles klar geht, landen wir am 18. Februar 2021.

Auf dem Mars!

Die NASA hat mir gestern freundlicher Weise meinen Mars Bording Pass geschickt. Muss ja alles seine Ordnung haben. Was für ein Chaos, wenn ohne Mars Bording Pass 11 Millionen Menschennamen auf dem Mars landen wollten?

Quelle: NASA – Mein MARS 2020 BordingPass



Also mache ich mich mal bereit und stelle schon mal eine Flasche kalt.

Wie aufregend!

Peter.

P.S.:
Schon klar. Das Titelbild ist ein Fake. Nix Mars. Blutmond von Deutschland aus am 27. Juli 2018 um 22:57 fotografiert. Hübsch rot…

P.S.2:
Die nächste Reise zum Mars wird schon vorbereitet. Wer will, kann hier seinen Namen mitfliegen lassen!

Greece 20-23, Patras, Ancona, Köln

Das letzte Frühstück in Griechenland findet am östlichen Strand von Patras statt. Der Wind bläst immer noch wie verrückt, es ist kühl, aber die Sonne und dieser sagenhaft strahlend blaue Himmel sind zurück! Klasse!

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: An der Brücke Rio Andirrio (Patras)

Doch wie immer an solch besonderen Reisetagen: Eine leichte Anspannung bei den Reisenden liegt in der Luft. Klappt alles mit der Fähre? Gibt es Reisebeschränkungen? Patras ist eine Großstadt. Von den 1,1 Millionen Bewohnern des Peloponnes wohnen hier 200.000 Menschen. Das riecht schon förmlich nach Coronagefahr. Für uns kein Problem, wollen wir die Stadt doch gar nicht besuchen. Wir sehen oft die Polizei, einige Streifen kontrollieren die Eingeborenen. Und wenig Menschen, wenn, dann alle mit Masken.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Wolken über den Bergen von Patras

Unsere kleine Reisegesellschaft löst sich feierlich am Strand auf: Die Autos sind für unterschiedliche Fähren gebucht, unsere geht gegen 17:30 Uhr, die Fähre der Freunde soll um 18:30 Uhr ablegen. Schon irre, oder? Da legen Samstag Abends gleich zwei Fähren, vollgepackt mit großen LKW´s, aus Patras (Griechenland) ab um irgendwelche Güter zunächst nach Ancona (Italien) und von dort aus irgendwo nach Europa zu bringen. Schon klar. Freier Warenverkehr und so. Aber so viel? Wollten wir das so?

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Die Fähre Superfast XI
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Die Fähre Superfast XI

Auf dem Weg in den Hafen den 120 Liter fassenden Dieseltank des Autos noch mal so richtig voll mit gutem griechischen Stoff füllen. Für faire 1,029 € / Liter. Das reicht dann locker bis Deutschland. In Italien kostet der Treibstoff schon mal 1,309 €, oder mehr. Bei einem so großen Tank macht ein Preisvergleich schon ordentlich was aus. In Deutschland verwenden wir übrigens die App “Clever-Tanken” in der Bezahlversion. Kostet pro Jahr 1,99 € und ist damit werbefrei, spart aber, wenn man auf Basis des damit möglichen regionalen Preisvergleiches klug tankt, gerne schon mal 10 Euro, wenn der Tank nur noch 20 Liter hat. Da freut man sich!

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Die Fähre Superfast XI

Obwohl wir schon bei der Anreise in Ancona unsere Rückfahrtickets bekommen haben, schickt uns der Security-Mann an der Zufahrt zum Hafen erst mal an den Schalter der Fährlinie. Die Fährgesellschaft hat eine andere Fähre eingesetzt und wir bekommen neue Tickets. Dann wieder zurück zur Sicherheitskontrolle. Das Auto wird nun tatsächlich genau in Augenschein genommen bevor es in das Sperrgebiet des Hafens einfahren darf. Wirklich nur zwei Personen? Oder etwa einen Flüchtling im Bett versteckt? Nein, natürlich nicht. Gut zu sehen, das die LKW´s auch genau untersucht werden: Die Laderäume werden tatsächlich geöffnet, mit Taschenlampen und Leitern der Inhalt untersucht.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Fähre im Hafen von Patras

Wie gut, das wir durch die neuen Tickets den Schiffsnamen unserer heutigen Fähre wissen: Superfast XI. Keine Schilder weisen im Hafengebiet einem den Weg. Also vielleicht in etwa: “Ancona da lang”. Einfach mal im Hafengewusel die Pier abfahren und zum Heck eines knallroten Dampfers durchdringen. Oh, ich habe ja mal auf einem knallroten Dampfer gearbeitet! Im ersten Leben. Kurze Erinnerung, dann Freestyleparking. Keine Einweiser. Keine Aufseher.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Ankunft der Fähre Cruise Europa der Fährlinie Minoan Lines

Da könnte man ja glatt noch ein paar coole Dampferfotos machen…

…wieder aus nächster Nähe. Bei der Suche nach der richtigen Perspektive darauf aufpassend, nicht von einem der vielen Sattelschlepper überfahren zu werden. Als ich von der kleinen Fotopirsch zurück komme, ist die Beifahrerin in heller Aufregung! Wir sollen unverzüglich an Bord fahren und hier nicht doofe Touristenbilder machen. Ja ja, schon klar 😉

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Ankunft der Fähre Cruise Europa der Fährlinie Minoan Lines

Flugs an Bord gekurvt, wieder über eine innen liegende Rampe ein Deck höher, wieder ganz ans Heck und wieder eine Lücke zwischen den großen eng stehenden Trucks auffüllen. Wozu Reisemobile so alles gut sind? Auto geparkt, Handbremse angezogen, Klamotten gegriffen und ab ins Schiff. Auf der Superfast gibt es zwar auch eine Rezeption, aber die Kabinenschlüssel sind aus Pappe und wir haben sie vorhin im Büro mit den neuen Tickets bekommen. Die Kajüte ist gefühlt etwas kleiner, das Bad aber größer als auf der Hinreise. Prima. Wir freuen uns nach 14 Tagen wassersparendem duschen auf das viele heiße Wasser, das hier mit Sicherheit aus der Wand kommt.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Ankunft der Fähre Cruise Europa der Fährlinie Minoan Lines

Zurück an Deck halten wir Ausschau nach unseren Freunden, die nun auch da unten irgendwo im Gewühl der LKW´s, Trailer und Zugmaschinen sein müssen. Wir entdecken sie tatsächlich und verabreden über Whatsapp eine winkende Vorbeifahrt.
Der Fährhafen von Patras ist eine ganz kluge Geschichte: Es gibt gleich zwei Hafeneinfahrten. Blickt man von der endlos langen Pier aufs Meer, laufen die Schiffe links in den Hafen ein, gehen metergenau rückwärts an einen relativ kleinen, der Schiffsbreite entsprechenden Treppenabsatz an ihren Liegeplatz und verlassen dann vorwärts auf der rechten Seite den Hafen. Also so eine Art Kreisverkehr für Schiffe mit minimalen Hafenmannövern, komplett ohne Wende. Clever, aber so eine Anlage braucht natürlich auch unendlich viel Platz an Land. Hier in Patras, wo der relativ neu wirkende Südhafen einfach weiter südlich der Stadt in die leere Landschaft gebaut wurde, ging das wohl gut. Aber in Ancona wäre ein solches Verfahren undenkbar. Zu viel Stadt um den Hafen herum.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: An Deck der Fähre Superfast XI

Dennoch scheint es eine Art Manöververbot zu geben, wenn gerade eine Fähre einläuft und eine andere auslaufen will. Denn erst als die leicht verspätete Fähre unserer Freunde direkt hinter uns fest macht, legt unsere ab obwohl wir offenkundig schon längst seeklar waren und nun dadurch selbst Verspätung haben. Solche Regeln machen aber auch Sinn, schließlich trennen keine 10 Meter die beiden Dampfer.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Der Hafen von Patras

Tja, und dann sind wir schon weg aus diesem tollen Griechenland. Mittels Straßennavigations-App OsmAnd finden wir heraus, das wir schon gut 25 Knoten laufen. Superfast halt. Das sind fast 50 km/h. Mit unserem Boot Stormvogel schaffen wir vielleicht 16 km/h, wenn es wirklich gut läuft. Kurz vor Mitternacht macht unser Dampfer noch kurz einen Zwischenstopp in Igoumenitsa und dann schließlich direkter Kurs auf Ancona. Das Meer ist auf der Rückreise etwas mehr in Bewegung als auf der Hinfahrt, aber der Dampfer bewegt sich kaum.

Sleep very well in your Bettgestell.

Je näher wir am Sonntag der italienischen Küste kommen, um so dichter wird der Seenebel. Mit OsmAnd schätzen wir nun den Abstand zum Ziel ein, denn diese App funktioniert auch offline, also ohne Handynetz. Die Luft ist raus. Jetzt reicht es uns auch. Ankommen und nach Hause.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Der Hafen von Ancona

Keine Einreisekontrolle in Italien. Doch die örtlichen Behörden wissen auch so, wer wir sind. Beim Einsteigen in Patras mussten wir ein Dokument mit unseren Kontaktdaten abgeben, in dem wir erklären das wir keine Corona-Symthome haben und nur auf der Durchreise sind.

Es ist kalt. Die kurzen Hosen und die blanken Füße werden zum Problem. Ein wenig Seenebel liegt noch über der Altstadt direkt am Hafen und an diesem Sonntagnachmittag wirken die Straßen sehr leer. Coronabeschränkungen. Auch hier.

Wir gehen noch mal kurz Lebensmittel einkaufen um dann direkt auf die Mautautobahn nach Norden zu gehen. Das Ziel für diese Nacht: Die deutsche Grenze. In den seit diesem Wochenende geltenden Coronaregeln für Deutschland wird zum Glück weiterhin zwischen “Aufenthalt” und “Durchreise” unterschieden. Wenn wir in maximal 24 Stunden Deutschland erreichen, haben wir uns nicht in den Risikogebieten Italien und Österreich aufgehalten.

So kommt es, das wir das phantastische Alpenpanorama der Brennerautobahn nicht sehen können. Rabenschwarze Nacht. Das ist schade. Gut, sogar sehr gut ist der sehr wenige Straßenverkehr in dieser Sonntagnacht. Wenn wir uns die Autobahn mit den ganzen wartenden LKW´s (Nachtfahrverbot für LKW´s) teilen müssten, würden wir wohl zwei oder drei Stunden mehr Zeit benötigen und mehr viel mehr Stress haben. Keine sichtbaren Kontrollen an der Grenze Italien / Österreich.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Der Hafen von Ancona

Aber auf der A93 an der Grenze von Österreich nach Deutschland. Montagmorgen, gegen 1:00 Uhr wird die Fahrbahn auf eine Spur verengt und zwei deutsche Grenzpolizisten sehen den im Schritttempo vorbei rollenden Fahrzeuginsassen streng ins Gesicht. Rechts daneben sind provisorische Zelte mit Flutlichtscheinwerfern aufgebaut, in denen offenbar Fahrzeuge unter- bzw. durchsucht werden.

Wir werden durchgewunken und müssen nicht halten. Die Kontrolle hat wohl nichts mit Corona zu tun, sondern mit irgendwelchen Ganoven?

Ein letztes Mal während dieser Reise haben wir mit PARK4NIGHT einen Platz für die Nacht ausgesucht. Wir stellen uns auf den offiziellen Wohnmobilstellplatz in Kiefersfelden um endlich ein paar Stunden zu schlafen. Touristisch beherbergt fühlen wir uns da nicht. Nur Müde.

Familienangelegenheiten führen uns am nächsten Tag nach Köln und nicht nach Hause. Muss so sein. Kann man machen nix.

So endet im tiefsten Bayern mitten in der Nacht völlig unspektakulär unsere außerordentlich schöne Griechenlandreise.

Viel Zeit mit Freunden verbracht.

Sehr gut gegessen.

Und auch was getrunken.

Einige tolle Bilder gemacht.

Jede Menge schöner Landschaften gesehen.

Noch viel mehr positive, gute Eindrücke in uns aufgesaugt.

Peter.

Greece 19, Korinth, Kamari

Wir sind nun ganz in der Nähe des Kanals von Korinth. Eigentlich steht Sightseeing bei einem Strandurlaub ja nicht ganz vorne auf dem Tagesplan, aber das Wetter wird nicht besser und, viel entscheidender, es gibt etwas nachzuholen: 2015 sind wir mit dem STORMVOGEL auf Anweisung der Kanalgesellschaft nur in Höchstgeschwindigkeit durch den Kanal gebrettert und haben ihn zwar so aus der Bootsperspektive erlebt, aber nicht von Land aus in Augenschein genommen.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Am Kanal von Korinth
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Am Kanal von Korinth

Das lässt sich doch heute sehr gut, nur fünf Jahre später, auf der Fahrt nach Kamari nachholen!

Wir parken die Autos in unmittelbarer Nähe der Brücke vor einer verlassenen Taverne. Von dieser Brücke aus kann man seinen 70 Meter Bungy-Jump Sprünge in den Kanal starten. Der Perspektivwechsel, nun von oben in den Kanal hinab schauend, ist schon fast beeindruckender als von unten nach oben zu sehen.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Am Kanal von Korinth
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Bungee Jump am Kanal von Korinth

So ein Sprung am Gummiband von der Brücke kostet nur 80 Euro. Unsere kleine Reisegruppe versucht sich gegenseitig einzuladen. Einzige Bedingung: Der Beschenkte muss auch wirklich springen. Komisch, das die Leute heutzutage so wählerisch bei der Annahme von Geschenken sind? Ist doch nett gemeint. Kommt vom Herzen. Liegt vermutlich am Alter. Denn eine Gruppe jüngerer Menschen springt der Reihe nach mutig in den Abgrund und nötigt so uns alten echten Respekt ab. Klar, man kann sich als mutloser Alter mit der besonnenen Frage nach dem “Warum” aus der Affäre ziehen – doch am Ende gibt es Menschen, die sich trauen. Und solche, die sich nicht trauen.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Bungee Jump am Kanal von Korinth

Im Anschluss an die Kanalspringer von Korinth besuchen wir die neue Stadt Korinth am östlichen Kanalausgang. Die hat nichts weiter mit der weltberühmten historischen Stadt zu tun. Im Unterschied zur alten Stadt leben hier einfach sehr viele Menschen in hässlichen Häusern.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Haus in Korinth
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Kirche in Korinth

Entsprechend gibt es viele Lifestyle Läden und jede Menge SchickiMicki. In diese Kulisse passen wir als wilde Camper so gar nicht hinein. Als wir damals den Kanal mit dem Boot passiert hatten, war es eine kurze Überlegung im örtlichen Hafen zu übernachten und die Stadt anzusehen. Wie gut, das wir das nicht gemacht haben. Sehr trost- und lieblos präsentiert sich uns der Hafen auf dieser Landtour. Einmal mehr sehen wir einen arbeitslosen Kreuzfahrer fest an einer Pier vertäut. Warten auf bessere Zeiten.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Hafen von Korinth
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Hafen von Korinth

Entlang der Straßen, die am dichtesten an der Küste entlang nach Osten führen, geht es weiter. Die führen uns durch endlose Ferienhaussiedlungen und sind teilweise sehr eng und verwunden. Doch die ganze Gegend ist in diesen Tagen wie ausgestorben und bei dem wenigen Verkehr ist das Durchkommen überhaupt kein Problem. Normalerweise würde man auf der Stelle umkehren und sich wieder in eine der einsamen Buchten des Peloponnes verdrücken. Doch wir wollen am letzten Abend diser herbstlichen Wohnmobiltour in der Nähe der Fährhafenstadt Patras übernachten. Die Fähren fahren zwar erst am frühen Abend, doch man soll gegen Mittag einchecken und man weiß ja nie, ob es auf den letzten Kilometern noch Probleme gibt.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Brandung am Strand von Kamari

Gemäß PARK4NIGHT finden wir den Platz von Kamari. Ein anderer Camper hat eine handschriftliche Lageskskizze von der Zufahrt angefertigt und als Bild in die App gestellt. Auf den letzten Metern der Zufahrt halten wir und beratschlagen. Der Weg führt nun direkt am Meer vorbei. Zur Linken eine abgesackte Böschung, zur Rechten ein hoher rostiger Zaun eines längst verlassenen Sportplatzes. Die Stelle ist so eng, dass wir uns die Böschung vor Passage schon genau ansehen müssen: Wenn die absackt, bleiben wir böse stecken. Wird wohl gehen, wenn wir uns ganz dicht am Zaun halten? Also mal wieder durch und gut.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Übernachten am Strand von Kamari

Der Platz ist riesig, schon fast ein wenig verschwenderisch. Die Brecher rollen mit Getöse an den steilen Strand, an Schwimmen gehen ist nicht im entferntesten zu denken. Auch nicht an draußen Essen. Der kalte Wind pfeift um jede Ecke und Ritze, da helfen auch die Autos als Windschutz nichts.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Kleines Fischerboot am Strand von Kamari

Wir kochen bei offenen Türen in den Autos und wollen auch drinnen essen. Selbstverständlich lassen wir die Schuhe draußen vor der Tür stehen. Schließlich wollen wir ja nicht den Straßendreck in den Bus tragen.

Es erscheint ein Hund.

Die freilaufenden, herrenlosen Hunde sind üblich in Griechenland. Wenn die Hunde Menschen sehen, betteln sie um Futter. Wir sind sehr ungeübt mit diesen aufdringlichen Tieren, aber unsere Freunde haben eine gute Methode, damit umzugehen. Fressnapf und Dosenfutter im Auto mitführen und den Tieren einfach mal, ohne groß herum zu machen, was zu Fressen geben. Das machen die beiden mit bettelnden Katzen auch, doch die haben ja immer noch die Chance auf einen schicken Mülleimer mit einem Festmahl. Oder Mäusen, falls diese Sorte von Katzen überhaupt noch weiß, was Mäuse sind.
Nun denn. Der Hund haut die erste Ration so mir nichts, dir nichts weg und wedelt mit dem Schwanz. Da gibt es doch wohl noch einen Nachschlag? Na ja, eigentlich nicht. Denn, so lernen wir, den ausgehungerten wilden Tieren bekommen solche Monstermahlzeiten nicht besonders. Doch irgendwann wird irgendwer schwach und des gibt doch noch einen Nachschlag – die Dose war doch sowieso fast leer!

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Abenddämmerung am Strand von Kamari

Auch die zweite Portion wird in Rekordzeit vertilgt und nun soll wirklich Schluss sein.

Das sieht der Hund nicht so und versucht, zunächst die leere Konservendose zu entführen. Da muss doch noch was drin sein? Das ist wirklich nicht schlau denn er könnte sich an der scharfkantigen Dose verletzten. Also wird sie ihm schnellstens abgenommen. Das findet der Hund echt blöd und entführt daraufhin den völlig ungefährlichen Fressnapf aus Platik.

Der will doch nur spielen, lasst ihn. Schließlich müssen wir uns weiter um Essenkochen kümmern. Hunger!

Unser demonstratives Desinteresse findet der Hund nun ganz schlecht und er steigert seine aufmerksamkeits-erhaschenden Aktionen.

Er klaut einen Schuh. Jedenfalls sehen wir, das er einen Schuh klaut.

Nein, nein so geht das nicht! Bei den eigenen Schuhen hört jegliche Toleranz gegenüber wild lebenden Tieren auf. Also mit der Taschenlampe hinter!

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Brandung am Strand von Kamari

300 Meter weiter, vor einen offenbar neuen, aber unbewohnten schönen blauen Haus mit jeder Menge eingeschaltetem Licht, sitzt der Hund. Und auf der kleinen Zufahrtsstraße davor der entführte Schuh. Dieser Fuchs. Er will doch nur spielen – und scheint echt was in der Birne zu haben.

Wir nehmen den Schuh mit und sichern alle anderen. Denken wir jedenfalls, denn bei der Sicherungsaktion fällt auf, das noch ein anderer Schuh fehlt! Vom Wind verweht? Nein, unter den Autos oder im näheren Umkreis findet sich der Schuh nicht wieder. So ein Mist!

Mit Taschenlampen bewaffnet suchen wir in stürmischer Nacht den Platz ab…und finden nichts! Der Hund beobachtet aufmerksam unsere Suchaktion, trägt aber nichts zu deren Erfolg bei. Selbst der Trick aller Tricks, ihn den anderen Schuh zu zeigen und ihn in deutscher Sprache zur Mithilfe zu bewegen scheitert kläglich.

Das hat so keinen Sinn. Allerdings strolcht der Hund auffallend oft um das unbewohnte, aber hell erleuchtete Haus herum. Das große Einfahrtstor ist gar nicht ganz geschlossen, vielleicht ein Spalt von 10, 15 Zentimetern ist offen. Merkwürdig. Aber der Hund passt da ja wohl nicht durch?

Für den Abend geben wir auf. Morgen, bei Tageslicht wollen wir noch mal eine Suchaktion starten. Der Hund hat zwischenzeitlich wohl gemerkt, wie viel er hemmungslos in sich hinein gefressen hat und legt sich vor dem Haus auf den nach warmen Asphalt.

Gute Nacht für heute.

Durch diese ganze Schuhnummer haben wir immerhin gelernt, das man auch über diesen anderen Weg auf den Platz kommt. Daher passieren wir am nächsten Morgen nicht noch mal die Engstelle mit der kaputten Böschung, sondern kommen an dem merkwürdigen blauen Haus vorbei. Die Suche nach dem Schuh beginnt von neuem und nach kurzem Suchen wird er auf einer angrenzenden Wiese durch eine der mitreisenden Frauen gefunden. Natürlich durch eine Frau. Männer finden ja nie was. Haben sie ja in der Nacht zuvor auch gerade bewiesen, trotz Taschenlampen.

Was für ein Glück. Sehr schön. Alle Schuhe komplett.

Doch was ist eigentlich mit dem wilden Hund?

Den finden wir auch wieder. Es sitzt stolz hinter dem großen Zufahrtstor des merkwürdigen blauen Hauses, das heute vollständig geschlossen ist.

Noch mal zur Klarheit: Er sitzt nicht VOR dem Tor, sondern DAHINTER!

So viel zu hungernden, wilden, verwahrlosten Hunden in Griechenland.

Peter.

Greece 17, Epidavros

PARK4NIGHT ist eine französische App, in der Wohnmobilfahrer aus ganz Europa für ganz Europa Stellplätze für die Autos markieren und sie so beschreiben, das andere Wohnmobilfahrer entscheiden können, ob sie da hin fahren wollen – oder nicht. Die App wird in den Sprachen Französisch, Deutsch, Spanisch, Niederländisch, Englisch und Italienisch angeboten. Wahrlich eine europäische Lösung!

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Polemarcha Beach

Wenn ein Platz bei PARK4NIGHT 4,46 von maximal 5 Bewertungssternen aus 10 Bewertungen bekommt, dann muss er wohl richtig gut sein.

Wenn ein Platz bei PARK4NIGHT gleich 11 Kommentare bekommt, dann muss er wohl ganz besonders sein. Obwohl, es gibt auch welche mit 70 oder mehr Kommentaren…

Wenn ein Platz bei PARK4NIGHT weit ab von jeglichen Ortschaften, Häusern, direkt am Strand und auf dem Weg nach Norden liegt, dann ist das auf dieser Reise unser nächstes logisches Ziel.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Polemarcha Beach

Nur ein wenig irritieren bei der Tagesplanung die Inhalte der 11 Kommentare für den Ort in der Nähe von Epidavros. Alle sind voll des Lobes über den tollen Ort. Doch 7 schreiben kryptische Zahlen wie “4×4” in den Text oder warnen direkt:

“…Es gibt höher gelegene Stellplätze, evtl. 4×4”

“…Road leading there is not the best but slowly we was managed with 27 years old Mercedes MB100”

“…The place is really beautiful but the path is really bad. We have Ducato and I have to refill some problematic part of the way by gravel. 4×4 is fully recommended”

“…Meiner Meinung lohnt sich der Platz nicht für eine Nacht, da der Weg dort runter doch sehr schlecht ist. Wir haben es mit unserem T3 geschafft (Hinterradantrieb), aber ich würde da nicht noch mal herunterfahren wollen.”

“…Die Straße ist sehr ausgewaschen. 4×4 empfehlenswert”

“…Path stranded but feasibile without problem with a converted van”

“…The path to accessed is stony but practicable”

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Zufahrt zur Polemarcha Beach

Mit anderen Worten: Schwierig zu erreichen. Das reizt. Das reizt sehr sogar! Das mitreisende Auto ist ein ganz normaler Alkhoven Ducato mit normalen Reifen und normaler Straßenlage. Wir haben ja unseren Ducato etwas verändert, aber eigentlich ist es auch nur ein normales Auto. Nicht im entferntesten 4×4.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Zufahrt zur Polemarcha Beach

Mittels GOOGEL EARTH können wir wunderbare Satellitenaufnahmen aus dem All auf diesen schwierig zu erreichenden Platz bekommen – da stehen ganz normale PKW´s am Strand. Das gibt den Ausschlag: Wenn die Eingeborenen da runter kommen, kommen die wohl auch wieder rauf. Und wir auch!

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Polemarcha Beach

Wir erreichen die Abzweigung von der Hauptstraße und begehen Fehler Nummer 1: Direkt drauf los und runter fahren, ohne die knappen 2 Kilometer einmal kurz zu Fuß abzulaufen und sich ein eigenes Bild vom Zustand des Weges zu machen.

Es geht Anfangs steil bergab. Wirklich steil. Es holpert, scheppert und rappelt im Auto. Immer schön langsam! Einmal ist der Weg am rechten Rand abgesackt und gleich direkt gegenüber am linken liegt ein halber Baum im Weg. Schön Abstand halten – vom Loch im Weg, nicht vom Baum!

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Sonnenaufgang an der Polemarcha Beach

So tasten wir uns sehr langsam nach unten und im Hinterkopf wächst bereits die Sorge vor dem unzweifelhaft anstehenden Rückweg. Ein Seemann schaut nie zurück, keine Ahnung, wie das Wohnmobilfahrer machen?

Auf dem letzten Drittel wird der Weg flacher und einfacher. Unten angekommen sind wir auf der Stelle begeistert. Toller Platz mit zwei wunderbaren Buchten und einer kleinen Insel, eigentlich nur ein paar Felsklötze, direkt am Strand. Es ist schon später am Nachmittag und bis wir die Autos so stehen haben, das sie uns etwas gegen den aufkommenden Seewind schützen ist die Sonne schon hinter dem Berg verschwunden und wir denken nicht mal mehr an ein Bad im Meer.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Sonnenaufgang an der Polemarcha Beach

Da wo wir stehen kann man in der Saison wohl nicht stehen. Direkt auf dem Strand. Die zahlreichen Spuren auf den terrassenartigen Plätzen unter den Bäumen deuten darauf hin, das hier viel mehr, vielleicht acht oder zehn Autos stehen können?

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Baum an der Polemarcha Beach

Leider legt der auflandige Wind immer weiter zu und der Himmel bedeckt sich mit bedrohlichen Wolken. Wann haben wir eigentlich zuletzt den Wetterbericht studiert? Vor zwei Tagen? Hätten wir wohl mal heute Morgen machen sollen?

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Parken direkt auf der Polemarcha Beach

Was wir nun nicht brauchen können ist ordentlicher Regen. Nicht, weil wir Regen nicht mögen und bekannter Maßen eher der Sonne zugeneigt sind. Nein. Regen würde schlicht den Weg zurück in die Zivilisation doch deutlich erschweren. Vielleicht sogar unmöglich machen. Denn die Vorderräder der schweren Autos brauchen natürlich irgend eine Art von Bodenhaftung (Neudeutsch: Gripp) , sollen sie die Fahrzeuge doch nach oben ziehen.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Parken direkt auf der Polemarcha Beach

Als wir den Grill anzünden fängt es an zu tropfen, die Markise ist auf der windabgewandten Seite schneller ausgefahren als der nun heftig einsetzende Regen auf uns herunter prasseln kann. Oh je! Fangen wir doch erst mal wieder ganz pragmatisch an, Regenwasser zu sammeln. Und grillen in aller Ruhe unter der Markise.
Der auflandige Wind legt weiter zu und in der nun herrschenden absoluten Dunkelheit erscheint der Abstand der Autos zum Meer plötzlich doch relativ knapp. Fehler Nummer 2. Zu doof, das der Mond sich hinter der Wolkendecke nicht durchsetzten kann. Mit der Taschenlampe überprüfen wir, ob das Meer tatsächlich näher kommt oder ob es sich nur um den typischen Dunkelheitseffekt handelt, bei dem alles näher erscheint, als es wirklich ist.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Stellplätze an der Polemarcha Beach

Alles gut. Das Meer bleibt da, wo es hin gehört, auch wenn die Wellen vom Wind aufgepeitscht an den Strand drängen. Die Regenschauer ist auch schon wieder vorbei.

Später im Bett macht sich der Fahrer Vorwürfe. Wieso sind wir bloß zwei Tage vor der Fähre hier herunter gekommen? Doch er beruhigt sich. Wenn wir hier stecken bleiben, fährt die Fähre vielleicht ohne uns, doch es droht absolut keine Gefahr. Irgendeinen Traktor oder PickUp werden wir schon organisieren können, um mit den großen Autos den Berg wieder herauf zu kommen. Durch das hintere Fenster im Auto wird immer mal wieder das Meer beobachtet. Es tobt mittlerweile, bleibt aber da, wo es hin gehört.

Und so kommt es, das der Fahrer den Sonnenaufgang erlebt. Mal was ganz neues. Die Kulisse ist ebenso sensationell wie die Farben im Himmel. Also schnell in die Rolle des Fotografen schlüpfen und die wohl Besten Bilder der ganzen Reise machen.

Zwei Stunden später sind alle Reisenden wach, der Himmel hat sich wieder vollständig bedeckt, die Farben sind weg, der Wind und die aufgewühlte See sind aber immer noch da. Klarer Fall von Abreise. Oder in diesem Fall: Abreiseversuch starten.

Dieser Aufstieg will geplant werden. Sonst wird das nichts!

Unser Auto ist leichter, hat die breiteren Reifen, mehr PS und eine Getriebefunktion namens “Traction Plus“. Wenn man die einschaltet, wird ein eventuell durchdrehendes Vorderrad mit weniger Drehmoment versorgt und das andere bekommt mehr Kraft. So sollen diese Autos auf schlechten Wegen immer den Berg hoch kommen. Also muss KNAUSi (so im übrigen der Name unseres Autos) zuerst fahren.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Polemarcha Beach

Direkt dahinter der Alkhoven der Freunde. Falls der stecken bleibt soll er mit einem 12 Tonnen Abschleppgurt von KNAUSi über die Problemstelle geschleppt werden. Aus der hinteren Garage wird der Motorroller heraus geholt. Zum einen wollen wir damit das Gesamtgewicht des Alkhovens reduzieren (der Roller wiegt immerhin gut 120 kg) und zum anderen wollen wir erreichen, das die Vorderräder mehr Haftung bekommen, wenn dieser große Hebel hinter der Hinterachse nicht mehr wirkt.

In der Reisegruppe findet sich eine ehemalige Endurofahrerin, die sich ohne mit der Wimper zu zucken zutraut, mit dem Roller über die Schotterpiste den Berg hoch zu fahren.

Als Alarmzeichen wird ein langes Hupen vereinbart. Bei Ertönen stehen bleiben und die Lage klären. Nun ist bergauf stehen bleiben auf schlechtem Untergrund zwar keine gute Idee, aber anders wird es ja wohl nicht gehen. Ansonsten Sichtkontakt durch den Rückspiegel.

Die ersten paar hundert Meter laufen gut, doch dann wird es steil und eng und bereits nach der dritten Kurve ist KNAUSi viel zu weit vorne und muss warten. Als im Rückspiegel der Alkhoven auftaucht, geht es weiter. Entgegen der Erwartung des Fahrers fährt der Bus sehr schön an, fast wie auf einer asphaltierten Straße. Überhaupt kein Problem.

Im Schritttempo geht es gut voran, doch dann ist der Alkhoven wieder verschwunden und kommt auch nicht nach. Mist. Hoffentlich bin ich jetzt nicht zu weit vorgefahren. Denn hier kann man unmöglich wenden und zum Anschleppen muss der ganze Weg rückwärts den Berg runter gerollt werden. Mal den Motor ausmachen. Vielleicht hört man ja was?
Totenstille. Der Wind rauscht in den Sträuchern und Bäumen, aber kein Motorengeräusch, kein Hupen, keine Rufe. Totenstille.
Wirklich Mist. Handbremse maximal angezogen, einen dicken Stein hinter ein Hinterrad gelegt und den Weg zu Fuß wieder runter. Totenstill.

Dann, auf einmal quälendes Motorengeräusch eines im Berge anfahrenden Autos. Ach je! KANUSi blockiert den Weg und das wäre ja jetzt wirklich doof, wenn der Alkhoven hier halten müsste. Also Bergauf zum Auto zurück laufen, den großen Stein zur Seite rollen, Motor an, Handbremse los und Gas geben! Im Rückspiegel erscheint ein Auto. Doch was ist das? Im Rückspiegel ist ein alter PickUp zu sehen, aber nicht der Alkhoven. Wo kommt der denn jetzt her?
Zum Glück taucht unmittelbar dahinter nun endlich auch der Alkhoven auf und wir zuckeln nun mit drei Autos den Berg hoch. Ob der PickUp den Alkhoven schleppt oder nicht kann ich nicht erkennen. Keine Spur von dem Motorroller oder dessen mutigen Fahrerin.

KNAUSi macht noch mal ein paar größere Bocksprünge bei vier völlig symetrischen Bodenwellen, doch dann sind wir oben an der Hauptstraße. Zum Glück gibt es hier eine halbwegs ebene Parkfläche (wohl für die Autos, die da nicht runter fahren wollen). Als der einheimische PickUp vorbei fährt wird klar: Der hat den Alkhoven nicht geschleppt, sondern ist nur Vorgefahren.

Als kurz danach der Alkhoven parkt freuen wir uns sehr, das wir tatsächlich mit beiden Autos aus eigener Kraft den Berg hinauf gekommen sind. Es stellt sich heraus, der der PickUp aus einem Nebenweg auftauchte und dachte, er müsse dem Alkhoven helfen. Das Pallaver hat in der fremden Sprache etwas länger gedauert und daher waren die Motoren aus. WalkiTalkis wären schon sehr von Vorteil, wenn man mit zwei Autos unterwegs ist. Liegen an Bord des STORMVOGELS. Muss man alles zwei mal haben?

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Polemarcha Beach

Als nächstes erscheinen die beiden Frauen – zu Fuß, ohne Roller. Der steht noch weiter unten im Berg. Die letzten Meter sind offenbar Chefsache – um nicht zu sagen, Achtung, politisch nicht korrekt: Männersache!

Nach gut 45 Minuten für 1.900 Meter Strecke schließen wir das Projekt Aufstieg mit dem Einladen des Rollers in den Alkhoven erfolgreich ab und sind sehr froh´ das es keine Schäden an Mensch und Material zu beklagen gibt.

Was für ein Abenteuer!

Wer braucht hier schon 4×4?

Peter.

Greece 15&16, Nisis Soupia, Poros, Vathy

Wir kurven weiter Richtung Norden.

Die Geschichte mit dem frischen Brot am Morgen besorgen artet ein wenig aus. Die Beschaffer kaufen mittlerweile in den Bäckereien nicht nur einfach Brot, sondern nun auch täglich eine Süßigkeit namens “Bougatsa“. Blätterteig, so knusprig wie man ihn schon lange nicht mehr gesehen hat (vielleicht noch nie?), gefüllt mit einer Puddingähnlichen festen Creme. Delikatessiös. Im höchsten Maße. Zum Glück wird immer nur eines je Tag von dieser lokalen Leckerei gekauft und dann tapfer durch vier geteilt.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Vor Nisis Soupia

Wäre nicht auszudenken, wenn man sich neben all den anderen leckeren Sachen auch noch jeden Morgen so einen, man muss es wohl sagen, Kuchen, verabreichen würde!

Das reguläre Frühstück besteht aus einem Weißbrot, das außen sehr kross gebacken ist und innen weich ist. Etwas gelblich. Lecker! Darauf dann Tomaten, Schafskäse und eine kleine Zwiebel. Nun könnte man einwenden, das so eine deftige Kost eines Frühstücks nicht würdig sei, doch in Anbetracht der Uhrzeit (so gegen 11:30, 12:00 Uhr) ist das dann schon OK. Außerdem kann man ja auch statt Tomate Marmelade verwenden. Zum Abschluss, also fast. Jedenfalls bevor das “Bougatsa” auf den Tisch kommt.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Stellplatzmöglichkeit vor Nisis Soupia

Nun denn, wir übernachten vor dem Eiland Nisis Soupia. Das liegt zwischen dem Festland des Peloponnes und der großen Insel Hydra (Idra). Scheint ein Schnorchel/Tauchparadis zu sein, denn gleich drei Segelboote ankern hier und schicken ihre Besatzungen unter Wasser.
Der Baum auf diesen Platz ist gigantisch, die Bauruine im Hintergrund gehört halt dazu. Kann es sein, das es in Griechenland mehr unvollendete Rohbauten als Einwohner gibt? Der Eindruck verstärkt sich.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Großer Baum vor Nisis Soupia

Der nächste Tag bringt mal wieder eine geschlossene Wolkendecke, aber es soll wenigstens trocken bleiben. Das trifft sich gut, wollen wir doch die Insel Poros besuchen und ein wenig erkunden, die jetzt hier gleich um die Ecke liegt. Der Fotograf in der Gruppe meckert ein wenig rum, denn diese herbstlichen Wolkentage versprechen nur blassgraue Farben auf den Bildern. Aber wer hört schon auf einen mitreisenden meckernden Fotografen?

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Waterfront von Poros

Das Motto dieser Reise lautet “Strandurlaub”.

Sonne = Strand.

Geschlossene Wolkendecke = Herumstrolchen.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Waterfront von Poros

Vermutlich gibt es überall auf der Welt diese kleinen Inseln, auf denen die Häuser dicht gepackt nebeneinander in den Berg gebaut wurden. Der diesjährige Vergleich zu Gullholmen drängt sich geradezu auf. Doch natürlich ist es irgendwie anders. Den markanten Turm mit der Uhr verfehlen wir gleich drei mal, finden ihn aber natürlich am Ende doch. Wie will man auch Kurs halten, wenn es auf & ab, links und rechts im Gewirr von Gassen und Treppen geht ohne einen Horizont zu erblicken?

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Treppengewirr in Poros

In Griechenland gilt nun auch im öffentlichen Raum die Maskenpflicht. Corona und kein Ende in Sicht. Ist schon mal jemand auf die Problematik gestoßen, das übergewichtige Touristen beim Treppensteigen auf Poros durch die Maske zu wenig Sauerstoff bekommen, stolpern und tief die Treppe hinab stürzen und schnell an Genickbruch sterben? Ist man dann eigentlich “an oder mit Corona” gestorben?
Doch kein Gejammer an dieser Stelle. Könnten ja auch zu Hause auf dem Sofa sitzen und RTL2 sehen.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: In Poros

An einer Tankstelle fragen wir nach Wasser, denn wir haben schon lange keinen öffentlichen Wasserhahn mehr gesehen und die Tanks in den Autos sind nahezu leer. Überhaupt kein Problem! Sehr gerne! Also tanken wir an einer Tankstelle für Diesel und Benzin bestes Trinkwasser aus dem Stadtwasserhahn mit eigenem Schlauch und stecken der Frau hinter der Kasse, die dafür (natürlich) kein Geld haben will, trotzdem ein kleines Trinkgeld als Dankeschön zu.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: In Poros

Es dauert seine Zeit, bis die Wassertanks beider Autos prall gefüllt sind und so wird in der Zwischenzeit ausprobiert, ob eine griechische Gasflasche in die deutschen Autos passt und ob die Europaadapter für den Gasanschluss auch wirklich passen. Nummer 2 passt perfekt und die Abmessungen der Flaschen sind auch OK. Gut zu wissen.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Uhrenturm von Poros
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Segelboot im Hafen von Poros

Der Hunger nach Tarvernen scheint unstillbar. Fisch soll es diesmal sein. Nach Recherche im Buch fahren wir am späten Nachmittag nach Vathy auf der Nachbar-Halbinsel Methana. Dort soll es guten Fisch in der Taverne Paleokastro geben und man kann direkt daneben unter Olivenbäumen übernachten. Hört sich gut an. Für die gut 20 Kilometer brauchen wir mal wieder eine knappe Stunde. Serpentinen, Steigungen, Abfahrten. Das übliche halt.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Vathy
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Stellplatz neben einer Taverne in Vathy

Das Problem ist nur: Die Taverne ist geschlossen und sie sieht auch nicht so aus, als ob sie so bald wieder öffnen würde. Mit einem etwas unguten Gefühl, einfach so ohne zu fragen (kein Mensch weit und breit) auf seinem Platz zu übernachten, parken wir die Autos dort und gehen zu Fuß in den kleinen, 1,5 Kilometer entfernten Hafen von Vathy. Dort gibt es gleich 5 oder 6 Tavernen, 4 haben auf, in keiner sitzt ein Gast. Was hier wohl in einem “Nicht-Corona-Sommer” los sein wird? Vermutlich die Hölle.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Hinterland von Vathy

Wir entscheiden uns für eine Taverne und fragen die Wirtin, ob das wohl mit den Autos neben der anderen Taverne OK sei? Ja, ja, kein Problem. Der Wirt sei ein Freund von ihr und habe sicher nichts dagegen. Serviert wird gegrillter Fisch und Oktopus. Leider beides nahezu kalt. Aber, so befinden wir einstimmig, der kostenlose Nachtisch war super. Und nett war es auch…

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Hinterland von Vathy

…am frühen nächsten Morgen erscheint auf einem Motorroller ein leicht verwahrloster Mann und setzt sich an einen Tisch auf der überdachten Terrasse in “unserer” geschlossenen Taverne und raucht in aller Ruhe eine Zigarette. Wir entschuldigen uns in Englisch bei ihm, das wir hier einfach so stehen, aber er meint: Überhaupt kein Problem! Alles gut. Sehr gerne! Wir sind beruhigt und erfahren, das die Taverne Coronabedingt geschlossen ist.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Wohnmobilfreundliche Taverne in Vathy

Wir alle machen uns keinen Kopf darüber, wie viele Leute das Virus um ihre Existenz bringen wird.

Nach dem Kaffee und dem Frühbade im Meere wird mal wieder eingepackt und der Standort gewechselt.

Peter.

Greece 14, Club Apollo Beach

Von einem Lost Place (Salida Beach) zum nächsten Lost Place, dem Club Apollo Beach westlich von Porto Heli.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Einfahrt zum Apollo Beach Club

Durchaus keine Planung. Absoluter Zufall. Schlicht auf der Suche nach einem guten Platz zum Baden und für den Abend bzw. die Übernachtung. Einmal mehr PARK4NIGHT bemüht. Die Zufahrt zu der irgendwann aufgegebenen Ferienanlage Club Apollo Beach führt durch ein unglaubliches Straßengewirr im Berg. Offensichtlich sollten hier im Hang viele privaten Ferienhäuser entstehen. Da hat man schon mal großzügig die Straßen in wilden Schlenkern gebaut. Mit Kanalisation, Laternen, aber mit ohne Bürgersteige. An dem Südwest Ende dann die geplante und großzügig angefangene Ferienanlage Apollo Beach.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Swimming Pool im Apollo Beach Club
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Ruine des Apollo Beach Club

Offenbar als Appartmentanlage geplant mit zentralem Gebäude in der Mitte für das Restaurant, Bars und so weiter. Bei Youtube findet man ein Video, in dem der Pool am Zentralgebäude in Betrieb war, doch die Ruinen der umliegenen Appartments erwecken den Eindruck, das sie nie fertig gestellt wurden. Merkwürdig.
Im Gegensatz zum Hotel von Saladi Beach ist der Club Apollo Beach keine Berühmtheit – obwohl mindestens genauso bizarr.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Badebucht des Apollo Beach Club
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Ruinen des Apollo Beach Club

Nun also eine durch wildes Grün überlagerte Ruinen- und Schuttwüste. Zunächst parken wir direkt auf den Tennisplatz – nicht ohne uns vorher zu vergewissern, das die Betonplatten die Autos wohl auch tragen werden. So richtig wohl fühlen wir uns da aber nicht und gehen zu Fuß noch mal auf die Pirsch. Weiter unten, direkt am Strand gibt es doch tatsächlich einen besseren Platz, also noch mal kurz vorholen. Beim Bade im Meere können wir uns dem Eindruck nicht verweigern, das die Buchten künstlich in den Berg gesprengt sein könnten und teilweise mit Waschbeton abgestützt wurden. Der Eindruck mag täuschen, doch er ist da.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Ruinen des Apollo Beach Club
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Ruine des Apollo Beach Club

Nun ist das morbide Endzeitambiente in so einer Anlage schon die eine Sache, doch verlässt man die Anlage um in den leeren Straßen der Ferienhaussiedlung herum zu laufen, fühlt man sich tatsächlich wie der letzte Mensch auf der Welt. Menschenleer, Bauruinen und die wenigen fertig gestellten Häuser hermetisch verrammelt. Endzeit am Meer.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Stellplatz im Apollo Beach Club

Doch wir bekommen auch hier das, was wir eigentlich wollen. Einsamkeit, Nachmittags und am Morgen des Folgetages ein Bad im Meere und jede Menge Sonne. Doch die Berge, Bäume und die Ruinen stehlen uns die Abendsonne früher als nötig. Daher fällt schon am ersten Abend die Entscheidung, am nächsten Morgen weiter zu ziehen.

Nach dem Baden 😉

Peter.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Strassengewirr vor dem Apollo Beach Club
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Kirche in der Nähe des Apollo Beach Club
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Ferienhäuser in der Nähe des Apollo Beach Club

Greece 11-13, Saladi Beach

Der Weg nach Saladi Beach (auch Salanti Beach genannt / geschrieben) führt uns über Nafplio.

Die Wettervorhersage für diesen Mittwoch behält leider Recht. Während wir seit Tagen blauen Himmel, ein paar Wolken und sehr angenehme Temperaturen von gut über 20°C genießen durften, fängt der neue Tag schon regnerisch und trübe an. Schlimmer noch: Für den Mittag ist Starkregen angesagt. Also ein guter Tag, um weiter zu reisen, einen Ort anzusehen und sich auf den Donnerstag zu freuen – denn da soll wieder perfekter Spätsommer sein.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Frühstück in Nafplio

Kaum haben wir den Strand von Kazarma verlassen, wird ist die Landschaft deutlich bebauter und ist städtischer geprägt. Luftlinie nach Athen so bummelig 250 Kilometer. Bereits gegen 09:00 Uhr fällt auf, hier stimmt was nicht! So vollkommen ruhig haben wir Griechenland um diese Uhrzeit noch nicht erlebt? In der Nähe von Nafplio frühstücken wir im strömenden Regen in den Autos auf einem verlassenen Parkplatz vor der Stadt. Kurze Zeit später parken wir auf dem Hafenparkplatz von Nafplio. Der ist als Kontrast gerammelt voll. Sehr merkwürdig.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Superyacht im Hafen von Nafplio

Beim Stadtrundgang wird klar das dieser regnerische Mittwoch ein Feiertag sein muss. Nur welcher?

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Hafen von Nafplio

Während die, die seit Jahren versuchen die Landessprache zu lernen, nicht so richtig weiter kommen, klärt die Beifahrerin mal eben auf Englisch diese schwerwiegende Feiertagsfrage. Einmal mehr stellen wir erfreut fest, das man mit Englisch wirklich sehr gut durchkommt. Bei den jungen Leuten sowieso, doch auch viele Griechen in unserem Alter sprechen diese Fremdsprache. Mindestens so gut / schlecht wie wir.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Altstadt von Nafplio

Der 28. Oktober ist traditionell der “Ochi-Tag” in Griechenland. Immerhin der zweit wichtigste weltliche Feiertag. “Ochi” bedeutet “Nein” und die Griechen sind stolz darauf, zu Beginn des zweiten Weltkrieges an der richtigen Stelle “Nein” gesagt zu haben. Kleines Beispiel dafür, das die Lenker anderer Länder sich bewusst anders entschieden haben.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Altstadt von Nafplio

Beim kleinen Stadtrundgang haben wir Glück mit dem Wetter, es bleibt für knapp zwei Stunden trocken. Doch dann geht es wieder los und wir fahren weiter.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: In den Bergen

Einmal mehr müssen wir hohe Berge erklimmen, wollen wir den nächsten Strand erreichen. Die Straßen sind recht glatt, besser schmierig aufgrund der langen Trockenheit und der aktuellen Feuchte. Gerade bei den Aufwärtsserpentinen drehen die Vorderräder gerne mal durch. Aber alles im Rahmen, kein wirkliches Problem.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Abfahrt nach Saladi Beach
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Blick auf Saladi Beach mit der Hotelruine im Mittelpunkt

Der Blick auf die Bucht von Saladi ist zu Beginn der Zielabfahrt auf den Strand geradezu spektakulär! Auf die markante Hotelruine inmitten der Bucht waren wir vorbereitet und betrachten sie einfach als Teil des Ganzen. Am super breiten Strand gibt es genügend Stellplätze für die paar Autos die zu dieser Jahreszeit noch unterwegs sind. Wir richten uns ein und stellen durchaus fest, der der Untergrund bei weitem nicht so fest ist, wie er erscheint.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Saladi Beach

Schließlich beginnt es zu tröpfeln und weil mal wieder Grillen angesagt ist, muss die Markise ausgefahren werden. Aus dem Tröpfeln wird sehr schnell Regen und aus dem Regen wird noch schneller Starkregen. Da ist er also, der angekündigte Starkregen hat Verspätung!
Die Markise steht gut und die Beifahrerin kommt kurz darauf auf die Grandiose Idee, das viele Regenwasser aufzufangen. In weniger als 10 Minuten sammeln wir 10 Liter bestes Regenwasser, dann sind unsere frei verfügbaren Speicherkapazitäten leider erschöpft. Zum ersten Mal seit wir in Griechenland sind, müssen wir im Auto bei geöffneter Schiebetür zu Abend essen.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Saladi Beach mit Hotelruine im Hintergrund

Wir überlegen kurz, ob der viele Regen über Nacht zum Problem werden kann? Kommen aber zu dem Schluss, das wohl keine Gefahr droht. Die Wettervorhersage ist sicher, das es in der Nacht aufhört zu regnen und selbst wenn das Regenwasser nicht abläuft oder versickert, stehen wir höchstens ein wenig im Wasser.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Saladi Beach

Der nächste Tag bringt die versprochene Sonne zurück und wir begreifen, an was für einen phantastischen Ort wir gelandet sind. Ein wirklich riesiger Strand, fast menschenleer. OK, durch den Regen hier und da ein wenig matschig, doch am Wasser sind wieder jede Menge Kieselsteine, völlig frei von Matsch.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Ziegengherde am Saladi Beach

Am ersten Tag treibt ein Ziegenhirte seine Herde mit schätzungsweise 100 Tieren über den Strand. Die großen Böcke fressen mit Vorliebe das Grün der wenigen Bäume an und scheuen dafür auch keine artistischen Kunsttücke, um an die unteren grünen Zweige zu kommen. Am zweiten Tag erscheint zunächst eine etwas kleinere Schafsherde, eine Stunde später kommen die bereits bekannten Ziegen wieder. Spät am Nachmittag geht es dann für beide Herden wieder nach Hause, wo immer das genau sein mag.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Stellplatz am Saladi Beach

Ein ungelöstes Rätsel werden die 30-Tonner bleiben, die aus einer offenkundigen Sackgasse, ca. 10 Kilometer entfernt weit am Strand vorbei brettern und sich den Berg empor schrauben. Was könnten diese Monstertrucks wohl in diesem abgelegenen Winkel des Peloponnes transportieren? Und so viel davon? Ein ungelöstes Rätsel halt. Jeder Ort braucht seine Geheimnisse.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Großer Baum am Saladi Beach

Gegen Mittag klappert ein kleiner Jeep mit einem älteren Herrn am Steuer alle Wohnmobile am Strand ab und offeriert frisches Brot, Gebäck, Wein und Konservendosen. Wir kaufen schon aus Höflichkeit immer etwas, sehr zur Freude des Mannes.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Saladi Beach

So kommt es, das wir drei Nächte an diesem Ort bleiben. Die Hotelruine ist als “Lost Places” eine kleine Berühmtheit, sogar im Fernsehen wurde darüber berichtet. Währen die Strandgerüchte zunächst von Wasserknappheit als Grund für die Schließung sprachen, beansprucht der kleine Beitrag von PRO7 Galileo wohl die ganze Wahrheit für sich. Doch kann das wirklich so gewesen sein? Zeitzeugen, die wir befragen könnten, treffen wir jedenfalls nicht.

In der täglichen Standroutine fällt nicht weiter auf, das wir eigentlich schon wieder beim Essen kochen improvisieren müssten. Kann ja keiner ahnen, das wir hier so lange bleiben werden. Da der Wunsch nach dem Besuch einer Taverne bisher nicht erfüllt wurde, kommen unglaubliche Strapazen auf den Fahrer zu, ohne das er diese zunächst bemerkt.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Abendstimmung am Saladi Beach

Die Idee der Mitreisenden: Wir gehen zu Fuß in eine Taverne im nächstgelegen Ort mit Namen Didima. Der liegt in den Bergen, nur 7 Kilometer entfernt. Nun, 7 Kilometer sollten drin sein, doch nach kurzer Überlegung fällt auf: Es gibt ja noch so was wie einen Rückweg. 14 Kilometer auf der Straße durch die Berge? Kann das gut gehen?

An dieser Stelle muss nun eingeschoben werden, das das mitreisende Wohnmobil einen Motorroller mit sich führt. EINEN, nicht zwei. Die am Knie operierte Beifahrerin könnte die Strecke also fahrender Weise absolvieren. Wir Gesunden müssen laufen. Und so machen wir uns am späten Nachmittag auf und laufen die ganze Serpentinenstraße bergauf um nach 1,5 Stunden, es ist mittlerweile 19:00 Uhr und dunkel, am Marktplatz von Didima auf einen Stuhl der Taverne Ταβέρνα Ψησταριά Μαρία erschöpft zu sinken und nach einem Mythos zu verlangen. Was für eine ungewohnte Anstrengung. Aber gut. Wirklich gut!

Noch besser ist das Essen. Griechischer Salat, Tzatziki, Lamm vom Grill mit selbst gemachten Kartoffelscheiben. Gekocht und serviert von Maria. In Wuppertal geboren, in Deutschland und Griechenland aufgewachsen, insgesamt 12 Jahre in Deutschland verbracht und sich doch für Griechenland entschieden. Nicht, das wir es darauf anlegen würden, in diesem Land in unserer Sprache sprechen zu wollen, doch eine gemeinsame Sprache erleichtert die Erklärung der Lebensumstände im Dorf, der Coronasituation und natürlich der Speisekarte ungemein. Einmal mehr: Sprache ist der Schlüssel.

Der Mann, der die Wohnmobile am Strand mit dem nötigsten versorgt, begrüßt uns. Es stellt sich raus, das seine Familie den Supermarkt und eine Bäckerei im Ort betreibt. Er kümmert sich nur noch um den selbst gemachten Honig – und um die Wintertouristen am Strand.

Der Rückweg ist hart. Der letzte Kilometer besonders.

Nun könnte man ja denken, des Nachts in den Bergen herrscht totenstille. Tut es nicht. Irgendwo bellt immer ein Hund, der hoffentlich angeleint ist. Und auf der Bergstraße bretten auch um 23:00 Uhr aus unerfindlichen Gründen die bereits erwähnten 30 Tonner durch die Serpentinen. Man tut gut daran, nicht auf der Straße zu stehen, wenn einer vorbei kommt.

Toller Ausflug, doch am nächsten Tag erstrecken sich die zurück gelegten Wege ausschließlich auf die kurze Distanz vom Auto zum Meer und wieder zurück. Doch wie immer im Leben. Wenn was richtig gut war möchte man es wiederholen und so gehen wir am übernächsten Tag wieder auf den Berg um die Taverne von Maria aufzusuchen, die sich sehr darüber freut. Auch wenn es die Mitreisenden nicht zugeben wollten, auch sie litten ein wenig unter dem ersten Rückweg. Und so kommt es, typisch Deutsch, zu einer ungeahnten Optimierung.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Saladi Beach nach dem Regen

Aus Asien wissen alle Reisenden, das auf einen normalen Motorroller auch mehr als eine Person sitzen kann. Also zwei. Oder drei? Vier wohl eher nicht, weil einer der vier ja eigentlich für zwei zählt womit es dann fünf auf dem einem Gefährt wären.
Und so trennt sich die Reisegruppe für den nun anstehenden Rückweg am Ortsausgang: Drei machen sich mit dem Roller auf den Weg, der eine, der diesbezüglich für zwei zählt erklimmt mit der Taschenlampe und bei Vollmond den Berg und hofft darauf, das die im eigentlichen Leben als Beifahrerin tätige mit dem Roller auch wirklich zurück auf den Berg kommt, um ihn abzuholen. Shuttleservice in der Wildnis. Viel früher als gedacht kommt die Abholerin wieder, die Plätze werden getauscht und es geht in gemäßigter Rauschefahrt den Berg hinunter. Viel Fußfreundlicher als vor zwei Nächten.

Ohne Zweifel.

Saladi Beach ist das bisherige Highlight der Reise.

Schauen wir mal, was die letzte Woche so bringen wird.

Peter.

Greece 8-10, Notia & Kazarma

So eine Strandrundreise im Herbst ist schon lustig. Immer auf der Suche nach einer noch besseren Bucht, nach einem noch besseren Strand. Dabei weiß man oft erst nach Verlassen eines Ortes, ob der nun gut oder schlecht war. Wobei “schlecht” in diesen Tagen wirklich relativ ist. Denn bisher konnten wir immer in Ruhe stehen, in praller Sonne schwimmen gehen und am Abend lecker kochen. Was bedeutet da schon “schlecht”?

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Schlucht in den Bergen
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Frühstück vor Fels
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Stellplatz von Notia

Nun, vielleicht die Bucht von Notia. Zu nennen wäre hier eine unanständig große Mörderstraße die in die Berge gesprengt wurde um komfortabel zu einer Bucht zu kommen, in der es nur zwei direkt neben einander liegende Tavernen gibt. Und einen riesigen Kieselstrand.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Anfahrt nach Notia
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Bucht von Notia
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Stellplatz von Notia

Ein wenig befremdlich, doch wir beschließen die Gunst des Ortes zu nutzen und an diesem Abend in einer der beiden Tavernen einzukehren und fürstlich zu Abend zu speisen. Doch als wir zu Beginn der Dämmerung dort auflaufen, ist die eine fest verschlossen. Der Wirt der anderen meint, er könne uns was zu trinken geben, aber Essen? Die Saison sei lange vorbei, seine Leute wären schon längst in Athen um dort über den Winter zu arbeiten. Essen gibt es keines.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Kirche in Notia

Nun, sicher Enttäuscht, aber auch so herausgefordert befragen wir die Kühlschränke der Autos und zaubern in kurzer Zeit ein köstliches Dreigängemenü am nächtlichen einsamen Strand von Notia. Der Platz auf dem wir stehen ist der “Parkplatz” der einen geschlossenen Taverne, direkt am Meer und neben einem ausgetrockneten Flußbett. Eigentlich ist alles wie immer, aber dennoch wirkt der Platz wie eine Abstellecke. Also einer der weniger guten.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Ställe von Notia
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Fischerboot in Notia

Daher geht es am nächsten Tag direkt weiter in die Gegend von Astros. Wir versuchen, soweit das geht, immer auf der Küstenstraße zu bleiben. Manchmal gibt es schlicht keine und wir erklimmen in endlosen Serpentinen immer wieder neue Berghöhen und Pässe, nur um direkt danach wieder auf Meereshöhe abzusteigen. So fährt man eher einen Durchschnitt von 30 km/h und hat viel Zeit, die grandiose Landschaft in sich aufzusaugen.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Brackwasser im Hinterland von Notia

Die tägliche Reiseroutine besteht derzeit darin, nach dem frühen Aufstehen so gegen 08:00 Uhr einen Kaffee zu kochen und den Becher in der schon warmen Morgensonne gemütlich zu leeren. Dann, auch wenn es mal schwer fällt, kurz ins Meer zu hüpfen und ein paar morgendliche Bahnen im salzigen Meerwasser zu ziehen. Die einen mehr, die anderen weniger. So gegen 10:00 Uhr fällt die basisdemokratisch getroffene Entscheidung: Weiter oder bleiben?

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Unterwegs

Bleiben ist einfach:
Buch raus, lesen. Computer raus, schreiben. Kamera raus, Bilder machen oder gemachte Bilder sortieren. Gegen Mittag dann Frühstück. Brot vom Bäcker, Schafskäse, Tomaten, wenn vorhanden auch griechische Salami. Und was süßes zum Dessert. Vielleicht noch mal ins Wasser. Wem zu warm ist. Das Wasser ist bisher überall glasklar und verführerisch türkis schimmernd. Zwar nicht direkt warm, aber sehr OK. Und erfrischend. Der restliche Nachmittag wird dann irgendwie verdödelt, was schrauben, was nachsehen und wieder lesen und so weiter. Strandleben halt.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Unterwegs

Weiterfahren ist etwas schwieriger:
Denn, wie immer, zunächst muss ein Ziel her. Neben der App PARK4NIGHT helfen uns die Bücher “Wohnmobil und Wandern Griechenland – Mit dem Wohnmobil und Wanderstock durch den Peloponnes” und “Mit dem Wohnmobil auf die Peloponnes – Womo Reihe Band 19″ bei der Auswahl eines neuen Zieles. 50 bis 80 Kilometer darf so eine Etappe höchstens entfernt sein. Und schön soll das Ziel sein. Und unterwegs noch ein schöner Platz fürs Frühstück wäre auch nicht schlecht. Und einen Bäcker, Markt oder Supermarkt. Und Wasser. Das ist locker, wenn man darauf achtet. Fast in jedem Ort gibt es öffentliche Wasserhähne, mit denen man seinen Wassertank im Auto auffüllen kann. Vermutlich ist es trinkbar, doch wir nehmen es nur als Brauchwasser und trinken lieber gekauftes Wasser aus Flaschen.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Unterwegs

Tag 9&10 führt uns an den Strand von Kazarma. Der liegt in der Nähe des Naturschutzgebietes von Astros. Flache Sumpflandschaft, derzeit ausgetrocknet. Weit und breit kein Haus. Und keine geöffnete Taverne. Da muss mal wieder der Grill ran – was auch sonst. Obwohl, manchmal wird auch ganz normal in Töpfen gekocht. Wir wissen nicht warum, aber das Gemüse schmeckt hier ganz famos. Vermutlich geben sich die zahlreichen Gemüsebauern in dieser Region wirklich viel Mühe mit dem Anbau. Denn einfach wird der Ackerbau hier wegen der Böden und der Trockenheit wohl nicht sein.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Hafen von Kazarma
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Baum am Strand von Kazarma
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Stellplatz am Strand von Kazarma

Wie üblich kommen tagsüber ein paar Leute zum Angeln vorbei, ganz wenige gehen auch Baden. Alle grüßen freundlich und lassen uns in Ruhe, obwohl wir hier “ihren” Strand in Beschlag nehmen.

Sehr freundlich, liebe Griechen, Danke!

Peter.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Strand von Kazarma
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Bucht von Kazarma