Greece 1, Pill

Die aktuelle Reise beginnt vor der Haustür. Mitten in der Nacht. Genauer gesagt um 01:30 Uhr an einem Sonntag Morgen. Das Auto am Samstag gepackt, gewartet und gewienert. Nur noch die warmen Bettdecken und die Kopfkissen rein, Kaffee kochen und in Thermobecher umfüllen und dann los!

Der frühe Start hat Gründe. Wir wollen in einem Rutsch bis an die Grenze nach Österreich kommen. Bei dem Autoverkehr in Deutschland sind gute 900 Kilometer kein Pappenstil. Also haben wir uns folgendes ausgedacht: Wir starten in der Nacht zu Sonntag und brausen mit 100 km/h auf der “Ostautobahn” (A7 bis Hannover, A2 bis Magdeburg, A14 bis Leipzig, A9 bis München, A8 nach Rosenheim, A93 zur Grenze) nach Süden. Die A7 ist schon lange keine Option mehr. Endlose Baustellen und elendig viel Verkehr. Durch den Osten ist die Strecke nur unwesentlich länger. Spätestens alle 350 Kilometer Zwangspause.

Wie erhofft läuft es super, in den ersten Stunden spielt auch die Müdigkeit keine Rolle. Leider auch bei der Beifahrerin nicht und so sind unsinniger Weise beide Reisenden wach und können sich nicht wie geplant gegenseitig beim Fahren ablösen. Der Morgengrauen ist schwierig, doch die zunehmende Helligkeit macht wach! Erst gegen 10:00 Uhr nimmt der Verkehr deutlich zu, bleibt aber gut im Fluss.

So kommt es also, das wir nicht wie geplant auf der Deutschen Seite der Grenze übernachten, sondern gut gelaunt noch ca. 60 Kilometer weiter, in den Österreichischen Ort Pill weiter fahren. Laut PARK4NIGHT gibt es dort einen netten kleine Campingplatz, ohne Umwege zu erreichen. Landschaftlich wirklich gut gelegen, Corona und Saison bedingt natürlich relativ tot. Für ein paar Fotos, aber auch zwecks allgemeiner Ertüchtigung machen wir uns zu einer kleinen Ortsbegehung auf. Der hier fließende Inn führt schon ganz ordentlich Wasser, doch erst bei der Schneeschmelze wird das üppige Flussbett wohl richtig ausgefüllt. Wir lassen uns die Abendsonne auf den Pelz brennen und verkrümeln uns füh´ in den Bus samt Gasheizung.

Der kleine Campingplatz gehört zum Hotel Plankenhof. Vom Wirt haben wir erfahren, das er den Platz im Winter nicht offen halten kann, weil die einfachen, aber sehr sauberen sanitären Anlagen bei Frost einfach einfrieren würden. Neben Duschen und WC gibt es sogar eine Spülküche mit Waschmaschine und Trockner. Es hat in den vergangenen Tagen ordentlich geregnet und so ist die große von Bäumen umsäumte Wiese recht matschig. Ein PÖSSL Bus aus Norwegen hat sich bereits auch glatt darin fest gefahren. Wir mit unseren Monsterbreiten Reifen nicht – zum Glück! Am Abend, es ist schon dunkel, kommt noch ein großes Wohnmobil, bemerkt rechtzeitig das vorübergehende Sumpfgebiet und parkt wie wir mutig zwischen den Bäumen.

Das war so ziemlich die letzte Beobachtung an diesem langen Tage. Denn der Tag endet für uns früh´, hat er doch auch sehr früh begonnen!

Peter.

P.S.: Griechenland ist im Deutschen ein so langes Wort. Greece im Englischen ist so schön kurz…


Coroniod 2

Bevor an dieser Stelle in sehr kurzer Kürze mal wieder über eine neue Reise berichtet wird, muss in diesem Beitrag zur Klarstellung einmal mehr auf unsere Haltung zum Coronavirus eingegangen werden. Nicht, das wir am Ende noch als Coronaleugner verleugnet werden 😉

Grundsatz:
Wir halten uns strikt an die im jeweiligen Land geltenden Gesetzte und Verordnungen. Punkt.

Wenn es also ein Reiseverbot geben würde, würden wir nicht reisen. Wenn es eine Anordnung gibt, ein Land zu verlassen, würden wir das Land verlassen. Wenn es ein Einreiseverbot gibt, dann würden wir nicht einreisen. Wenn ein Mund-Nase Schutz getragen werden soll, werden wir ihn tragen. Egal wo.

Nun wird es für uns alle zunehmend schwierig den Überblick zu behalten. Das geht schon los mit den Definitionen. Was ist schon, ganz genau betrachtet, ein Land?

Nun, innerhalb Deutschlands gibt es unsere schönen Bundesländer. Da hat doch unser Heimatbundesland Schleswig Holstein jüngst ein Einreiseverbot für Bewohner von innerdeutschen Risikogebieten verkündet. Genannt hat das unserer Ministerpräsident “Beherbergungsverbot”. Ein Anwalt aus Nordreihnwestfalen hat dieses Verbot vor dem Landesverfassungsgericht von Schleswig Holstein angefochten, verloren und ist trotzdem nach Sylt, welches unzweifelhaft in unserem wunderbaren Bundesland liegt, eingereist. Das Schlupfloch, das er fand: Geschäftliche Reisen sind erlaubt. Schließlich will niemand, auch wir Nordlichter nicht, die Wirtschaft gefährden. Soweit, so trickreich. Hätte er, der Anwalt, jetzt nur nicht seine Familie mit auf die “Geschäftsreise” genommen, wäre das halbwegs glaubhaft. Doch wo leben wir eigentlich, wenn Anwälte vor Gericht ganz offiziell verlieren und dann geltendes das Recht brechen? Haben Anwälte nicht eine besondere Verpflichtung, sich an rechtmäßige Gerichtsurteile zu halten?

Nun, wir sind keine Anwälte. Wir brechen auch kein Recht. Wir halten uns an Recht. Daher brauchen wir auch keinen Anwalt. Wir halten uns an Recht in der einzigen Überzeugung, das sonst das Zusammenleben von 80 Millionen Einwohnern nicht funktionieren kann.

Diese durchaus strikte Haltung haben wir gegenüber Appellen und Hinweisen aller Art nicht. Auch nicht, wenn die Bundeskanzlerin in einem Video dazu auffordert, auf Reisen aller Art zu verzichten, wenn sie nicht unbedingt notwendig seien. Nun haben wir Frau Merkel sicher nicht gewählt, doch respektieren und achten wir sie. Sehr sogar. Doch was wollte sie uns bloß damit sagen?

Allein, über eine Notwendigkeit ließe sich sicherlich vortrefflich diskutieren. Noch viel besser mit einem Bier oder Wein. Endlos. Also macht es gar keinen Sinn, auf eine eventuelle Notwendigkeit einzusteigen.

Die inhaltliche Frage ist doch wohl, WIE gereist wird?

Wenn man, ganz platt betrachtet, im Flieger zum Ballermann brettern würde, dann ist die Gefahr einer Coronainfektion wohl unbestritten hoch. Wenn man im eigenen Auto (Wohnmobil) durch die Gegend kurvt, Restaurants und Lokale aller Art meidet, die AHA Regeln strikt anwendet und sich generell viel alleine zu zweit im Freien aufhält, was bitteschön soll da schon passieren?

Das Thema ist wohl Eigenverantwortung und Augenmaß. Wie wollen wir eigentlich in den kommenden Jahren mit dem Coronavirus leben? Einsam zu Hause auf dem Sofa sitzend und vor der Glotze völlig verblöden? Das Virus wird ja nicht einfach verschwinden. Selbst wenn es mal einen wirksamen Impfstoff gibt, bleibt das Virus. Es hat schon längst unser Leben, unser Handeln für immer verändert.

Die Frage, die wir uns vorlegen müssen ist doch: Wollen wir uns anpassen oder wollen wir uns im nicht vorhandenen Keller verkriechen?

Wir passen uns an und lassen uns unsere Reisen von diesem miesen Virus nicht vermiesen.

Stillstand ist der Tod.

Peter.

Daumen drücken!

Daumen drücken für einen guten Kerl!

Bob McDavitt ist ein pensionierter Meteorologe in Neuseeland. Seit Jahrzehnten kümmert er sich ehrenamtlich um die Segler im Pazifik und versendet einmal pro Woche, immer Sonntags seinen “Bob Blog” Newsletter per eMail mit der aktuellen Wettersituation im Pazifik. Kurz und bündig erläutert er darin die Wetterlage und gibt Hinweise und Tipps für die Passage der Hauptrouten über den größten Ozean der Welt.

Wer will, kann Bob auch individuell buchen um für die eigene Passage eine zweite Wettermeinung einzuholen. Dafür nimmt er Geld, aber so wenig, das es sich wohl eher eine Art Schutzgebühr handelt, um nicht in Arbeit unterzugehen.

Schon im Mai 2013, auf Galapagos haben wir Bob´s kostenlosen Newsletter abonniert. Sieben Monate später, im November 2013 haben wir ihn dann in Opua, Neuseeland auch persönlich kennen gelernt. Wenn er sich nicht gerade sehr gut mit Wetter auskennen würde, könnte er bei seinem perfekten Aussehen auch glatt jeden Job als Weihnachtsmann annehmen. Für unsere Passage von Neuseeland nach Vanuatu im Mai 2014 haben wir ihn dann um eine tägliche, individuelle Wetterberatung gebeten.

Bestes Segelwetter, voll gerefft.

Die durchaus freundlich und herzlich gemeinte Anekdote dazu ist folgende:
In Absprache mit Bob das richtige Wetterfenster für die neun geplanten Seetage abgewartet. Bei gegenläufiger Welle am Wind aufgebrochen, nach zwei Tagen perfektes Hochsee-Segelwetter. Dann per eMail die Warnung von Bob: Nördlich von euch kommt ein Sturmtief durch. Lauft mindestens 7 Knoten um vorher auf Vanuatu anzukommen oder fahrt so langsam wie möglich, damit es vor euch durch zieht.
7 Knoten im Durchschnitt für ein paar Tage sind wirklich eine Menge, also lieber bei Bestem Wetter reffen und mit bummelig 4 Knoten vor sich hin eiern. Doch wir waren wohl immer noch zu schnell: Zwei Tage vor Vanuatu bekommen wir eine mächtige See und gut 40 Knoten Wind. Und der Skipper des STORMVOGELS viele Sorgenfalten ins Gesicht.

Doch wie meinte Per, der unerschütterliche Norweger von der Segelyacht ODA:

“Mensch Peter, 40 Knoten sind überhaupt kein Problem. Solange sie aus der richtigen Richtung kommen!”

Per Mandt, 17. Mai 2014

Stimmt. Raumschots auf offener See vielleicht unangenehm, aber in der Tat kein Problem.

Gestern, am Sonntag den 11. Oktober 2020 erhielten wir nun den kürzesten Bob Blog seit dieser Zeit und darin ein echtes Problem:

“I’m in hospital now (complications with Bone Cancer) and may be in for a while, so this brief blog may be it for a while from me. Bob for MetBob.”

Bob McDavitt, 11. Oktober 2020

Zu Hochdeutsch:
“Ich bin jetzt im Krankenhaus (Komplikationen mit Knochenkrebs) und kann eine Weile in der Klinik sein. Dieser kurze Blog kann es für eine Weile von mir sein. Bob für MetBob”

Umgangssprachlich: Schöne Scheiße!

Also denn mal Daumen drücken – auch wenn das wohl nicht wirklich helfen kann.

Peter.

NEUER Coronia Selbstversuch?

Irritierend viele Monate sind seit dem letzten Geheimbericht von Dr. Peter und Schwester Heidi vergangen. Offenbar gingen sie in der Zwischenzeit einem völlig anderen als dem Forscherleben nach. Soweit bekannt, bereisten sie im Sommer aufwendig an Bord einer Segelyacht die westliche Ostsee, offenbar um ihre wahre Identität und Tätigkeit zu verschleiern. Verwirrend erscheinen die in dieser Zeit abweichend verwendeten Decknamen “Skipper” und “Mannschaft”. Die geheime Forschung nach dem Serum der Serums, der Entdeckung eines universellen Corona-Antivirus zur Befriedigung der gierig mit den Hufen scharrenden Öffentlichkeit geriet unverantwortlicher Weise in den Hintergrund.

Bei Dr. Peter muss man wohl erneut Selbstsucht und Eigennutz unterstellen. Die Motivlage von Schwester Heidi ist selbstverständlich nach wie vor über jede Spekulation erhaben.

Doch nun, Anfang Oktober eines durchaus denkwürdigen Jahres, erreichen uns aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen die neuesten, nicht weniger kühnen Pläne von Dr. Peter und Schwester Heidi zum Jahresende. In berauschender Siegesgewissheit der üblichen Selbstüberschätzung von Dr. Peter sprach eben jener völlig unbefangen in der letzten Woche mit einer langjährig vertrauten Person, die sich vermutlich bereits im neu entdeckten Operationsgebiet befindet. Wir konnten zwar das unverschlüsselte Telefonat abfangen, benötigten aber über eine Woche um die sehr undeutliche Aussprache von Dr. Peter (vermutlich lallen infolge Einnahme gesundheitsbedenklicher Substanzen) auch inhaltlich zu verstehen:

+++ BREAKING NEWS +++
Dr. Peter plant offenbar in neuem Operationsgebiet einen sensationell neuen Coronia-Selbstversuch! Schwester Heidi wird ihn wieder begleiten und Dr. Peter wie üblich auf den Boden der wissenschaftlichen, aber auch zwischenmenschlichen Tatsachen zurück holen!
+++ BREAKING NEWS +++

Quelle: Der Freund eines Freundes.

Die Meldung im Einzelnen:
In den kommenden Tagen, spätestens jedoch in der vierten Oktoberwoche wird Dr. Peter mit Schwester Heidi im geheimen mobilen Forschungslabor auf vier Rädern erneut gen Süden aufbrechen. Der Kohle betriebene Versuchshochofen wurde in der Zwischenzeit durch ein neueres Modell ersetzt. Nach dem frühlingshaften Desaster in Südfrankreich und der überstürzten Abreise soll offenbar diesmal Griechenland die neue Operationsbasis werden. Die genaue Route ist offensichtlich so streng geheim, das sie nicht mal Dr. Peter selbst zu kennen scheint. Unbeabsichtigt gab Dr. Peter einen Hinweis darauf, wie er gedenkt bei der Anreise ins Operationsgebiet seine ansonsten unübersehbaren Spuren zu verwischen. Russische Internet Trolle, aber auch westliche Geheimdienste spielten uns umfangreiche Protokolldateien seines Internetbrowsers zu. Aus dieser Quelle geht klar hervor geht, das er die Fährverbindung von Ancona (Italien) nach Patras (Griechenland, Peloponnes) favorisiert.
Offenbar steht das herbstliche Forschungsvorhaben unter dem Eindruck einer zeitlich hoch optimierten Anreise in das Operationsgebiet. Dabei ist Zeit eigentlich genug vorhanden. Soweit bekannt, setzte sich Dr. Peter selbst offiziell ab Mitte September auf Kurzarbeit Null. Es anzunehmen, das mehr Zeit in den geheimen Forschungslaboren des neuen Operationsgebietes verbracht werden soll als beim letzten Coronia-Selbstversuch Anfang des Jahres in Südfrankreich.

Da sich offenbar enge Vertraute bereits im zukünftigen Operationsgebiet befinden, ist erneut von einem kollaborativen Forschungsansatz auszugehen. Unbestätigten Gerüchten zufolge waren die gleichen, weiterhin noch unbekannten Personen, auch in Südfrankreich Teil des Erkundungsteams.

Aufgrund der vermuteten herbstlichen Witterung auch im Süden Europas sucht Dr. Peter offenbar sichere, im Besonderen um diese Jahreszeit geöffnete Forschungsstätten auf dem Peloponnes. Unter dem Decknamen “Wintercamping” hat er auf Basis dieser Informationsquelle eine Landkarte für die anstehenden Experimente und Selbstversuche in wechselnden Laboren erstellt.

Der genaue Abreisetermin scheint derweil aber noch nicht fest zu stehen. Ganz wie im März dieses Jahres, verfügen spontan lokale Landesfürsten (…in grenzenloser Unwissenheit bezüglich der geheimen Forschungstätigkeit von Dr. Peter und Schwester Heidi) lokalste Reisebeschränkungen. Diese schwer Verständlichen Anordnungen werden vermutlich unmittelbaren Einfluss auf diese lebensnotwendige Forschungsreise haben. Selbst seltene in der Eigenwahrnehmung höchstintelligente Selbstversuchsforscher wie Dr. Peter haben offenbar mittlerweile Schwierigkeiten, der erneut aufkommenden hysterischen Coronia Dynamik zu folgen.

Stay tuned – Ouzo calling!

Der Freund eines Freundes.

(Ausdrücklich nicht der Feind eines Feindes eines Freundes.)


Transatlantic

Seit Wochen höre ich Transatlantic.

Wenn man es genau nimmt, ergibt die Addition der Wochen Monate. Sogar mehrere Monate. Vielleicht drei oder vier?

Meine erste Transatlantic CD Kaleidoscope habe ich schon Jahre. 2014 erschienen, da waren wir noch mit dem Segelboot unterwegs und ich war anderweitig beschäftigt. Gekauft wurde die CD Ende 2016 auf der ewigen Suche nach neuer Musik. Als die CD dann hier ankam einmal gehört, doof gefunden und ins Regal gestellt.
Im letzten Jahr, immer noch auf der ewigen Suche nach neuer Musik in einer anderen Lebenssituation eben jene CD aus dem Regal mal wieder in den CD Spieler gesteckt und für gut, später fürsehr gut und noch später sogar für sehr, sehr gut befunden. Wie der Geschmack sich doch ändern kann…oder das emotionale Lebenselexier Musik auch zum jeweiligen Leben passen muss, um für gut befunden werden?

Nun, auf die Studio-CD Kaleidoscope folgte eine echte Welttournee von Transatlanic, die zur Live-CD KaLIVEoscope führte. Klar, wenn man Studio schon gut fand, kauft man Live. Zumal es im Marillion-Shop auch die Deluxe-Box mit einem in Köln gefilmten Konzert gibt. Ebenfalls aus 2014. Das ist insofern doof, als das wir nicht dabei sein konnten. Da waren wir irgendwo in Indonesien, glaube ich. Da gab es auch viel Musik und Karaoke stand ganz oben auf der Liste. Das war aber ganz andere Musik. Wie kann man sich eigentlich darüber ärgern, das man vor Jahren nicht da war, wo man, Jahre später betrachtet, wohl hätte auch sein wollen?

Zeitreisen gehen nicht.

Bleibt also als Ersatz nur der große Fernseher, die große 5.1 Audioanlage und das immer da währende große Sofa. Und während man sich so der Musik hingibt fällt auf, das man als Frau hätte geboren werden müssen. Denn nur so könnte man die Funktion als mitreisendes Groupie einer Supergroup erfüllen, jedenfalls in erster Näherung. Das wäre in diesem Fall insofern wichtig gewesen, als dass das Köln-Konzert ja ganz nett auf DVD und BLURAY gebannt wurde, doch der Knaller war ganz offenkundig das Konzert in Tilburg. Das wurde in der gleichen Box auf CD gebannt und enthält neben dem wohl Besten Prog-Rock Publikum der Welt auch einen dort aufgenommenen extra-Bonus-Track, der Letzte von allen, nach gut drei Stunden Konzert, der es Wert ist, mindestens einmal am Tag gespielt zu werden (“All these things above / Stranger in your soul“). Die Version aus Köln (auf der DVD) fällt weit dagegen ab. Das ist live in echt: Mal so, mal so. Die letzten paar Minuten (ab 18:15) sind das grandioseste, was ich in meinem Leben bisher gehört habe. Jedenfalls meine ich das zur Zeit.

Mit dieser Feststellung stehe ich alleine.

Jedenfalls in dieser meiner Familie.

Das mit Sicherheit qualifizierteste, weil Bestens ausgebildet und als erfolgreicher Jungmusiker weltweit unterwegs befindliche jüngste Familienmitglied ließ sich anlässlich eines Kurzbesuches an Bord unserer luxuriösen Segelyacht in den Schwedischen Westschären in diesem Jahr zu folgender, nur aus der Erinnerung zu zitierender Aussage, hinreißen:

“Das ist ja clever! 20 Minuten Tracks nur um die längsten Gitarrensoli der Welt darin unterzubringen!”

Ach, diese Jugend!

Was soll man dazu sagen? Was kann man dazu sagen? An diesem lauen Sommerabend, in den Schären, umzingelt von Mücken auf dem Wasser erst mal nichts. Ich bin sicher, mit etwas mehr Aufmerksamkeit würde auch dieser junge Musiker das Werk, die Werte des Werkes anderer erkennen können.

Denn Transatlantic ist ja nicht wirklich irgend so eine daher gekommene Combo.

Transaltantic ist eine so genannte Supergroup!

Dabei ist “Super” wohl nicht als besonderes Qualitätsmerkmal gemeint, sondern eher dem Umstand geschuldet, das die vier Musiker eigentlich, so im täglichen Leben, in anderen Bands und Projekten ihr Dasein verdingen.

Also “Super” als über allem erhobene Metaebene. Als leidenschaftliches Hobby sozusagen.

Oh, ich bin Musiker, in meiner Band geht es gerade nicht so richtig weiter, was könnte ich außer Musik schon machen?

Musik! Musik, mit anderen! Neue, andere Musik, als Ergebnis eines anderen Künstlerkollektivs. Musik!

Nun, es mag sein, das Pete Trewavas, seines Zeichens ewiger Bassist von Marillion eben diese jene Gedanken trieb. Vielleicht war es wie so oft auch nur künstlerischer Größenwahn? Warum nur bei Marillion das Bass zupfen? Da geht doch mehr? Da muss doch mehr gehen?
Doch daran glaube ich nicht. So einer ist Pete Trewavas eher nicht. Kommt in Interviews und auf der Bühne eher sympathisch schüchtern rüber. Ich denke, ihm geht wahrhaftig um die Musik.

Nun, gehen wir also davon aus und erklären, das neben dem Briten auch noch der Schwede Roine Stolt mitspielt. An der Gitarre. An der grandiosen, an Understatement nicht zu überbietenden Gitarre. Der Mann hat eigentlich seine eigene Band The Flower Kings. Aber wohl auch zu viel Zeit. Oder, was besser wäre: Zu viel Musik im Hirn, die irgendwie raus muss!

Zum Glück, kann ich da nur sagen!

Damit wäre also diese Seite des Atlantiks geklärt.

Doch die Band heißt Transatlantic.

TRANS!

Also muss es wohl auch irgendwie um die andere Seite des Ozeans gehen. Das tut es auch in Form von zwei ganz besonderen amerikanischen Musikern, die so ziemlich anders sind als die beiden Europäer. Der Schlagzeuger Mike Portnoy (ex. Dream Theater) ist wohl eher auch gar kein Mensch. Er ist vermutlich ein außerordentlich gutes extrovertiertes Schlagzeugtier. Endlich mal wieder einer, der ordentlich drauf haut!
Der Herr an den Tasten, Neal Morese (ex. Spocks Beard), ist wohl so was wie die musikalisch treibende Kraft und übertrifft das Schlagzeugtier in der Selbstdarstellung auf der Bühne um ein vielfaches. Doch das sind, bei beiden, nur Äußerlichkeiten. Amerikaner halt. Schillernd. Laut. Was soll man machen? Nichts, denn was zählt ist: Allesamt exzellente Musiker.

Wer trotz Rock, Jazz und Prog-Rock immer wieder grandiose Harmonien, oft sogar viertstimmige Gesangsharmonieen an den richtigen Stellen hin bekommt, der hat es wohl echt drauf. Und das auch noch live. Das ist Können. Das ist Exzellenz!

Das ist sowieso etwas besonderes an Transatlantic: Neben dem hervorragendem bespielen des eigenen Instruments können alle singen. Richtig singen! Gemeinsam, im Chor. Einzeln, in Passagen oder im ganzen Stück. Fast könnte man meinen, das ist verabredet. Damit es eben nicht den einen gibt, der immer vorne im Scheinwerfer steht und alleine den Ruhm einheimst. Für Musikmänner im fortgeschrittenen Alter durchaus eine gute Idee. Zumal, wenn es alle drauf haben!

Wir nähern uns, trotz der ungebremsten Begeisterung einem Problem. Wie sollte es auch anders sein?

Mitglieder einer Supergroup haben natürlich eine ganze Reihe von anderen Verpflichtungen. Das bremst das gemeinsame musizieren in einer Supergroup wohl ordentlich aus. Und so hat Transatlantic seit 2014 auch nichts neues mehr gemacht und war auch nicht mehr live unterwegs. Das ist für den Moment noch nicht weiter beunruhigend, denn es gab bereits mal sechs Jahre zwischen 2003 und 2009 in denen sich nichts neues bei Transatlantic tat. Doch diese Zeit läuft nun unweigerlich ab und ich hoffe sehr, der Coronawahnsinn führt auch bei diesen vier Musikern zu neuen Ergebnissen.

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter:
Ich hoffe sehr, es gibt noch mindestens eine weitere Tour von Transatlantic, die ich dann erleben kann. Nicht als mitreisendes Groupie, sondern ganz normal als übergewichtiger Musikliebhaber mittlerem Alters, aber, und das ist wichtig, als einer mit vollem Haar!

Peter.

P.S.:
In Ermangelung eigener Bilder von Transatlantic habe ich diesen Beitrag einfach mit Bildern unserer beiden Atlantiküberquerungen illustriert. Klar, nicht wirklich die gleiche Abteilung. Aber sicher OK. Auf den Links in diesem Beitrag kann man sich auch so ein Bild von den Leuten machen.

Bei YOUTUBE könnte man sich mal zum Einstieg die verschiedenen Versionen von “We all need some light” ansehen. Vielleicht in dieser Reihenfolge:

Köln 2014

London 2010

Tilburg 2001

I Love Teak

So ein richtiges Teakdeck auf einer Segelyacht ist schon eine tolle Sache.

Also für den, der es mag.

Also für mich:

I love Teak!

Zum einen laufe ich sehr gerne Barfuß darauf herum. Wenn es zu kalt ist natürlich nicht, dann mit Schuhen. Zu heiß wird es nicht, wer auf der Barfußroute unterwegs ist baut jede Menge Hornhaut an den Fußsohlen auf!

Jederzeit guter Halt, schön anzusehen und geschmeidig. Doch wie immer bei schönen Dingen, sie wollen geliebt werden! Wie zeigt man einem Teakdeck seine Liebe?

Rechtes Laufdeck: Wo es grau wird, ist noch nicht geschrubbt 😉

“Ich Liebe Dich” ist leicht so dahin gesagt. Kostet nicht viel und ist schnell mal vergessen. Das ist ja wohl kein Liebesbeweis!

Beweise, Beweise! Wir brauchen für alles Beweise! Auch für die Liebe!

Was also dann?

Üblicher Weise kann man seine Liebe relativ einfach durch Pflege beweisen. Viele lassen ihr Teakdeck einfach so vor sich hin gammeln und wundern sich dann, das es irgendwann schäbig aussieht, rufen Skandal und wenden sich ab.
In frühen Jahren, an Bord der schönsten Bananendampfer der Welt, Cap San Diego und Cap San Augustin, wurde ich von erfahrenen Seeleuten in die Pflege von Teakdecks ausführlich unterwiesen:

Schrubben, Schrubben und nochmals Schrubben!

Noch gut in Erinnerung ist der Begriff “Kaustisch Soda“. Damals gab es ja noch kein aufklärendes Google, das auch Ätznatron dazu sagt, doch das das Zeug ätzend war, wussten wir alle. Gummistiefel und Gummihandschuhe waren beim Schrubben Pflicht. Vermutlich angerührt mit Frischwasser, gespült mit Seewasser. So genau erinnere ich das leider nicht mehr. Nun, 40 Jahre später hat die Welt sich weiter gedreht und ich käme nicht im entferntesten auf den Gedanken, “Kaustisch Soda” zum Schrubben des STORMVOGEL-Teakdecks zu verwenden.

Links geschrubbt, Mitte Schatten, Rechts noch nicht geschrubbt

Ein guter Kompromiss ist wohl handelsübliches Waschpulver (?).

Im ersten Gang direkt aufs nasse Deck gestreut und im zweiten verdünnt in der Pütz. Große Freiflächen mit Schrubber am Stil, alle Ecken und Kanten mit der Handbürste. Da kann man Stunden, viele Stunden mit verbringen.

Doch das Ergebnis ist berauschend schön und motiviert so zu einem erhöhten körperlichen Arbeitseinsatz.

Damit das Teakdeck dann möglichst lange hübsch bleibt, behandeln wir es abschließend dann einmalig mit “Boracol“. Diese wässrige Lösung ist auch nicht ohne: Kann Hautreizungen und Augenschäden verursachen – muss wohl auch so sein, soll es doch Schimmel, Moos und Bewuchs auf dem Teakdeck verhindern. “Boracol” bringt man mit den Quast oder großen Pinsel auf dem gerade noch feuchten (nicht nassem!) Teakdeck auf. Das verliert dann zwar den leicht rötlichen Ton, wird aber dann würdig Silbergrau und bleibt dann auch so!

Eine Zeitlang. Bis man denn nach einem oder zwei Jahren wieder von vorne anfängt:

Schrubben, Schrubben und nochmals Schrubben!

Das ist wahre Liebe!

Wiederholte Pflege.

Immer wieder!

Peter.

P.S.:
Auf keinen Fall setzten wir einen Hochdruckreiniger ein! Auf dem ersten Blick eine enorme Arbeitserleichterung. Einige meinen, man würde damit das Holz zerstören. Das glaube ich zwar bei der Materialstärke auf dem STORMVOGEL nicht, aber mit Hochdruck Wasser in alle Nähte und Übergänge zu pressen, scheint mir höchst bedenklich. So genau kann man gar nicht auf die Holzstreifen zielen, als das nicht passieren würde. So einen Wasserdruck erreicht man bei Regen oder durch Seewasser überspülten Deck wohl nie. Und dann hat man den Schlamasel: Wasser unter dem Teakdeck, das da freiwillig nie wieder heraus kommt…

P.S.2:
Was schon komisch ist: Auf der Langen Reise haben wir das Deck so gut wie nie geschrubbt. (Sauberes) Seewasser und Sonne haben das Deck sehr gut in Schuss gehalten. Erst als wir wieder nach Nordeuropa kamen, wurde es dreckig…

Tag 60-64, DAS ENDE

Das Problem mit Rückreisen ist ja immer, das man weiß, dass das Ende naht.

So auch dieses mal. Stramm nach Süden, wenn es das Wetter zulässt.

Der Schlag von Samsö nach Middelfahrt gelingt zwar bis zur Ansteuerung des Kleinen Belts unter Segeln, doch es ist nasskalt, trübe und trostlos.

Rückreisewetter.

Je näher wir dem Festland kommen, um so weniger wird der Wind. Welle ist schon lange keine mehr vorhanden. Dafür jede Menge Segelboote um uns herum und auch wieder Schiffsverkehr, der beachtet werden will.

Eigentlich wollen wir den alten Stadthafen von Middelfart ausprobieren, nach dem wir 2017 bereits länger in der Marina herum lungerten. Doch die kurze Inspektion ergibt: Ganz schön klein hier, jede Menge Holzkutter an denen geschraubt und gemalt wird und Abends wird es bestimmt rappel voll mit Charterbooten sein. Unser Bedarf ist gedeckt! Also einmal ganz rum um die Halbinsel und wieder in die Marina Middelfart, die so elendig weit ab vom Schuss liegt.

Alles so trostlos, wie wir es in Erinnerung haben. Kein guter Ort, um ein paar Tage auf besseren Wind zu warten, aber was soll das Jammern? Ein langer Spaziergang in die überraschend schöne und aktive Innenstadt von Middelfart, ein paar Einkäufe und natürlich ein paar Bootjobs.

Zwei Tage später, am Tag 63 geht es weiter nach Süden. Eigentlich haben wir gar keine Lust mehr auf Häfen und streben daher an, nach Lyö auf Anker zu gehen. Der Südwestwind ist Anfangs sehr gut segelbar, bis zu engen Passage von Bägö überhaupt keine Welle. Danach wird es erst mal unangenehm.

Logisch:
Wenn es tagelang ordentlich aus Süd weht, steht erst mal eine alte Wellte in den kleinen Belt. Aber der Stormvogel läuft und erst als wir kurz vor Lyö stehen und die Nordansteuerung nehmen wollen, wird es wirklich doof. Zum einen lässt der Wind nach und dreht weiter zu Ost, zum anderen ist die Welle mittlerweile völlig chaotisch und es setzt Nordstrom.

Mit anderen Worten: Es läuft gar nicht mehr.

Brüllaffe im Keller an, Vorsegel weg und die letzten paar Meilen bis zum Ankerplatz unter Diesel. Was solls?

Herrlich, diese Ruhe! Herrliche diese unkomplizierte Art des Übernachtens. Wenn der Ort stimmt. Wo könnte er mehr stimmen, als auf Lyö? Das sehen schätzungsweise 15 andere Boote an diesem Abend auch so. Kein Problem, die Bucht hat Platz für 100.

Mit der Erinnerung der doofen Welle vom Vortag und der Windvorhersage, die einen Mittags einschlafenden Wind prophezeit, entscheidet sich der Skipper am Folgetag, durch das Marstal Fahrwasser nach Süden zu gehen. Das eröffnet die Gelegenheit auf einen Abbruch in Marstal, verspricht ruhigeres Fahrwasser und ist nur knapp 8 Seemeilen länger.

Früh´ am Morgen geht es los, trüb, aber tolle leichte Ostbriese, die uns für zwei, drei Stunden gute Fahrt beschert. Die Mannschaft will lieber direkt nach Wendtorf durchfahren, jetzt tickt doch irgendwo die Uhr und die Luft ist raus. Einziges Gegenmittel wäre wohl ein echter Sommertag, doch der ist nicht in Sicht. Es ist gefühlt trübster Herbst.

So passieren wir ohne Halt unter Groß und Maschine Marstal, eine Reihe von Booten läuft gerade aus und verstreut sich auf alle möglichen Südkurse. Nur wenige nehmen Kurs auf die Kieler Förde. Wir versuchen erst gar nicht zu segeln. Der Wind steht jetzt auf Süd-Süd-West mit 8 Knoten. Klar, echte Segler würden jetzt aufwendig kreuzen und den Tag auf See genießen. Auch im Regen.
Doch wir fahren einen Holländer mit großen Dieseltanks und top-fitter Maschine. Also stellen wir den Brüllaffen erst ab, als wir bei nun völliger Windstille in Wendtorf fest machen.

Hier endet nach 64 guten Tagen unsere Ostseereise 2020.

Der Dampfer bleibt in der ewigen Baurunine der sogenannten “Marina Wendtorf” für zwei Wochen, dann bringen wir ihn in einer grandiosen Kanalfahrt in nur einem Tag bis nach Glückstadt. Grandios, weil wir bei beiden Schleusen keine Wartezeit hatten und die 12 Seemeilen auf der Elbe in knapp 1,5 Stunden bei auflaufend Wasser zurück legen konnten. Wir rechnen fest damit, das wir das Sperrwerk in Glückstadt noch passieren können. Doch bei Ankunft werden gerade die Tore geschlossen, gut 45 Minuten vor der offiziellen Zeit. Angeblich wegen aktuellem Wetter…oder war nicht Sonntag Abend?

Ende gut, alles gut.

War eine gute Zeit.

Viele alte Segelfreunde getroffen, kaum neue gemacht.

Viel Zeit zusammen verbracht und die Lust am Segeln nicht verloren.

Peter.

P.S. 1
Zitat von der Website www.marina-wendtorf.de:

“Die Marina Wendtorf ist seit 2015 ein moderner familienfreundlicher Hafen mit neuen, gut ausgerüsteten Echtholzstegen und einer neuen modernen Sanitärausstattung.”

Was für ein Schmarrn!

Der Hafen verkommt immer weiter, der Eigentümer und Betreiber Ship Shape Deutschland GmbH verschachert immer mehr Land an die Ferienhausbude Planethaus und bringt die Anlage um einen entscheidenden Vorteil: Das Parken von Autos direkt am Steg. Keine Ahnung, wie die sich das vorstellen, wenn da erst mal überall Ferienhäuser stehen. Und die Autos der Bewohner.

“neue, gut ausgerüstete Echtholzstege” – kein Kommentar.

“modernen Sanitärausstattung” – Klar, die von Amateuren selbst umgebauten Container auf dem schmuddeligen Industrieponton sind neuer als das mittlerweile abgerissene Sanitärgebäude. Abgerissen, weil man den Platz wohl auch verkauft hat.

Es ist noch nicht einmal problemlos möglich, seine Hafengebühren zu bezahlen. Die so genannten Hafenmeister sind kaum da, der Automat funktioniert nur manchmal. Und das ist wirklich bezeichnend. Denn es ist ein aus Dänemark und Schweden bekannter BEAS Automat, die wirklich überall tadellos funktionieren. Nur die Kiste in Wendtorf kann weder Karten noch Scheine. Da hilft auch das Schild nichts, das der Automat manchmal nicht funktioniere und man bitte warten möge, bis das Hafenbüro mal besetzt ist.


Wäre mal eine Geschichte für einen ambitionierten Lokaljournalisten: Was geht da eigentlich seit über 10 Jahren wirklich ab?

P.S.2
Die Charmeoffensive des Nord-Ostsee-Kanals (NOK) geht offenbar weit über die neuerdings kostenlose Benutzung hinaus. Wartete man “früher” gerne mal in Kiel 4 bis 6 Stunden auf eine Sportbootschleusung, geht es jetzt “sofort”: In Kiel wartet bereits ein Boot, als wir ankommen. Kaum sind wir zu zweit, wird die große Kammer aufgemacht und wir Zwerge verlieren uns in der riesigen Schleuesenkammer.
In Brunsbüttel sind wir gar alleine. Die Schleuse wartet sogar schon auf uns, Null Minuten Wartezeit.

Nicht, das wir das darüber beschweren würden.

Tag 57-59, Samsö

Gut 60 Seemeilen nach Südwest, nach Samsö.

Früher Vogel fängt den Wurm, früher Segler fängt den Wind.

Unter Vollzeug über die Untiefen, am Windpark von Grena vorbei, doch Geschwindigkeit schreibt man anders. Wer 60 Seemeilen abspulen will, muss Geschwindigkeit machen. Erst Recht, wenn die Wettervorhersage für den späteren Nachmittag von einem Flautenloch um Samsö spricht.

Also beschäftigt sich der Skipper mehr als üblich mit dem Segeltrim und leichten Kursänderungen bis er irgendwann zufrieden ist. Die Mannschaft macht derweil Frühstück und als auch das erledigt ist, widmen wir uns unserer neuesten Beschäftigung auf See:

PODCAST hören!

Ganz was modernes. Man nehme:

1) Ein Mobiltelefon
2) Einen Bluetooth Lautsprecher mit dickem Akku
3) Die App “ARD Audiothek
4) Eine Internetverbindung (an Land, im Hafen)
5) Man lade **VOR** Auslaufen ein paar, oder ein paar mehr Podcasts herunter. Als da wären: ARD Radiotatort, Fernseh-Krimis, Fernseh-Talkshows oder, absoluter Favorit in diesen Tagen: “Wischmeyers Stundenhotel” (mehr dazu gleich…)

Und wenn dann die Zeit ist, schmeißt man das Teil an und lauscht, geht Ausguck und trimmt mal nach, wenn einem danach ist.

Wischmeyers Stundenhotel wird vom Radiosender Bremen 2 produziert. Gehobener Nonsens mit manchmal denkwürdigen Gedanken, vorgetragen von Tina Voß und Dietmar Wischmeyer. Letzteren kennt man aus der heute-show, schließlich ist er der Kumpel von Oliver Welke aus den längst vergangenen Tagen des legendären ffn Frühstyxradios Ende des letzten Jahrtausends.

Nun, jeden Monat eine Folge, eine gute Stunde lang. Wenn man den Podcast für sich neu entdeckt, hat man gut zu tun, sich alle Folgen anzuhören.

Wir nähern uns Samsö, der Wind frischt auf und wir rasen geradezu auf das enge Fahrwasser der Nordansteuerung von Samsö zu. Der Gedanke ans Reffen kommt auf, aber es läuft doch gerade so gut! Von wegen Flautenloch! Kommt wohl erst später am Tag?

Und dann wird es wirklich spuuky:

Erst, unmittelbar vor der Enge von Vejrö und Nordby ist der Wind innerhalb von jetzt auf gleich vollkommen weg. Einfach weg. Unheimlich! Eben noch über 7 Knoten Fahrt, jetzt flattern die Segel.

Das ist aber nicht nur unheimlich, sondern auch doof. Schließlich müssen wir hier recht genau auf Kurs bleiben. Also kurzer Streßeinsatz: Maschine an, Vorsegel weg, Groß fest setzten und mal weiter auf der Kurslinie tuckern. Vielleicht kommt der Wind ja gleich wieder? Tür auf und Tür zu?

Nun, er kommt nicht wieder, doch mit einem mal machen wir “boiling water”, kochendes Wasser, voraus aus. Untrügliches Zeichen von massiver Strömung. Die Meerenge ist hier keine Seemeile lang, doch irgendwie will das Wasser nach Norden, wir nach Süden und selbst mit erhöhter Drehzahl kommen wir zunächst nicht über 4 Knoten, noch mehr Drehzahl bringt dann die 5 vor dem Komma. Mehr wollen wir in dieser Situation nicht.

Und dann, fast unmerklich, ist die Strömung weg, spiegelglatte See und, natürlich, immer noch kein Wind. Da ist es also wirklich, das angesagte Flautenloch von Samsö! Auch egal, in gut 4 Seemeilen liegt der Hafen von Ballen. Also packen wir schon mal in Ruhe das Groß weg, bringen Fender und Festmacherleinen aus und haben beim Einlaufen in den Hafen auch keine Lust mehr. 60 Seemeilen sind halt 60 Seemeilen.

Um die Uhrzeit ist der Hafen natürlich voll, der Skipper entschiedet sich für eine einsame Mooringboje und geht wieder mit dem Heck an die Pier. Komisch. Wieso liegt hier keiner? Die vielen Längsseitslieger  in Ballen haben längst Päckchen gebildet und hier sind noch vier, fünf gute Plätze frei. Natürlich klappt das Manöver bei der Windstille auf Anhieb. Kaum sind wir fest, entdeckt der Skipper in der Holzpier eine eingelassene LED-Tafel. Die leuchtet Rot. Also im Schatten des Stormvogels leuchtet sie rot. Die Sonne steht tief im Westen und die LED´s sind natürlich völlig machtlos gegen die Sonnenstrahlen, die bei Auftreffen auf die LED´s trotz schlapper 150 Millionen zurückgelegter Kilometer einfach heller sind. 

Nun, üblicherweise ist die Farbe Rot auf einem Liegeplatz keine gute Farbe. Keine oder Grün wäre besser. Aber Rot? Das erklärt erst mal, wieso hier keiner liegt. Ob der erhöhten Pier klettert der Skipper wie ein Bergsteiger an Land und will den Hafenmeister suchen. Doch weit muss er nicht pilgern, denn er fragt den Skipper eines längsseits liegenden Motorbootes und der hat die Telefonnummer des Hafenmeisters.

Der Anruf ergibt, das wir das, wo wir jetzt liegen, nicht liegen sollten. Denn das sind Plätze, die man über das Internet im voraus buchen kann. Die ultimative digitalisierung des Yachthafens!

Mit anderen Worten: In Ballen auf Samsö kann man jetzt für seinen Dampfer vorab virtuell ein Handtuch auslegen lassen.

Wir sollen beim Boot warten, er kommt gleich mal vorbei…tut er auch tatsächlich und meint, wir können bleiben. Doch wenn jemand in der Nacht den Platz buche, müssen wir da Morgen weg.

In Ermangelung von Wind wissen wir, das wir am Folgetag nicht weiter gehen werden und so beschließt, viel später am Abend, nach dem obligatorischen Bade im Meere, nach Einkaufen, Duschen und Abendessen, der Skipper sich dieses famose Liegeplatz-Buchungssystem mal genauer anzusehen.

In der Zwischenzeit liegt im übrigen eine Rennziege aus Hetlingen direkt neben uns und daneben ein prominenter Großdampfer aus Bremen. Alle auf Rot.

Das Liegeplatz-Buchungssystem ist ein einziges IT Desaster! Wer auch immer dafür verantwortlich zeichnet, wer auch immer seine Finger (Hirn war wohl nicht dabei) bei der Entwicklung beteiligte, wer auch nur in der Nähe bei der Entstehung dieser “Lösung” war, dem gehört die Tastatur für immer weg genommen!

Geht schon los mit dem famosen Namen:

www.cpay.dk

CPAY – C hört sich in Englisch wohl so ähnlich an wie Sea, Seapay, ach wie toll.

Nun gut. Das ist noch Geschmackssache.

Ein paar dänische Häfen machen da mit. So auch Ballen. Man bucht darüber nicht einen speziellen Platz, sondern nur “einen Platz”. Dafür werden im Hafen einfach mal 10 Plätze blockiert, also elektrisch auf Rot gesetzt und wenn dann einer bucht, wird über die immer noch rote LED Tafel der Bootsname eingeblendet. Wenn man also ankommt, muss man erst mal suchen fahren, und wenn die Sonne tief steht, auch für Schatten vor der Tafel sorgen. Und wenn keiner gebucht hat, bleiben die Plätze eben auf rot. Und leer.

Der Buchungsprozess ist, na ja, OK. Doch im Laufe der einzelnen Schritte bekommt man 4 (VIER!) Codes, die alle wichtig seien. Ein PIN Code, einen Zugangscode für die Dusche, eine Kunden und eine Rechnungsnummer. Per Kreditkarte zu bezahlen.

Und nun kommt die nächste Hürde bei der Verknüpfung der virtuellen mit der realen Welt: Irgendwie muss ja nun an den Dampfer ein Aufkleber als Bestätigung dafür, das bezahlt wurde. Sonst weckt einen womöglich noch der Hafenmeister, denn der ist noch analog und weiß bei seiner Stegkontrolle leider nicht, wer online gebucht und bezahlt hat. Also **GENAU** nach Anweisung den PIN am Hafenautomaten eingegeben, doch die doofe Blechkiste meint, sie kenne die Nummer nicht. Tagsüber ist kein Hafenmeister zu sehen. Irgendwann probiert der Skipper einfach alle Nummern durch und siehe da, nicht der verlangte PIN Code ist der, der zum ersehnten Aufkleber führt, sondern die Ziffernfolge, die für die Dusche zuständig ist. OK, da hat der, der die Anleitung geschrieben hat, wohl gepennt und den Prozess nicht wirklich durchprobiert. Klassiker.

Jetzt müsste ich noch schreiben, wie man Strom über dieses System bucht. Denn die Steckdosen sind individualisiert und ebenfalls online zu buchen. Oder am Hafenautomaten. Aber nur da (am Hafenautomaten) kann man die Steckdose einigermaßen vernünftig auswählen…wenn man sich vorher gemerkt hat, welche frei ist.

Was für ein Scheiß!

Wenn man so eingestimmt nach einem langen Seetag sich zur Ruhe begibt, kann der nächste Morgen ja auch nicht besser werden.

Der Morgen beginnt um 06.00 Uhr. Mit einem unglaublichen Getöse und mit noch viel mehr laut ausgesprochenen, ganz offenkundig überflüssigen Sätzen eines mitteilungsbedürftigen Skippers einer Rennziege aus Hetlingen. Die legt im Morgengrauen neben uns ab. Klar, wenn so eine tolle Regattamannschaft bei Windstille am frühen Morgen ablegt, müssen alle Besatzungen der umliegenden Boote auch wach werden, um Respekt zu zollen. Schon klar. Was für ein Selbstbewusstsein. Was für eine Überheblichkeit. Was für ein unsympathisches auftreten!

Schade nur, das der Regen erst eine Stunde später einsetzt.

Aber wenn man denkt, jetzt sind sie weg, dann liegt man falsch. Denn an “unserer” Mooringboje war nicht nur die Rennziege aus Hetlingen fest, sondern auch noch der prominente 18 Meter Dampfer aus Bremen. Auch nur so eine verkappte Kojencharterkiste mit Gastskipper. Der hat sich gleich an zwei Mooringbojen fest gemacht und mit seinen Vorleinen die anderen Boote quasi gefesselt. Wenn man raus will, muss man erst mal die Leine des Bremer Dampfers weg nehmen…und wieder an die Boje bekommen.

OK, ich gebe zu, dieser Krampf mit insbesondere deutschen “Großyachtseglern” geht mir vielleicht mehr als nötig auf den Keks. Doch wie um das ganze noch zu toppen, feiern in der nächsten Nacht drei tolle dänische Kerle eine riesige lautstarke Orgie auf “ihrer” 54er HANSE. Mit völlig überdrehten Inseldamen, die sie offenbar irgendwo aufgerissen haben. Gegen drei Uhr siegt endlich (!) der Alkohol und Stille macht sich breit.

Um 6:00 Uhr legen wir in aller Ruhe ab.

Peter.

P.S.: Das Problem mit einem 48 Fuß Eignerdampfer in der Südwestlichen Ostsee ist doch, das man alleine ist. Boote in ähnlicher Größe sind zu 90% Charterdampfer mit (vielleicht) einem wissenden Skipper und einer Reihe von Landratten. Und die wollen in der einen Woche, die sie sich den Dampfer leisten können, maximalen “Spaß”. Kann man nachvollziehen, muss man aber wohl nicht gut finden.
Mit einem kleineren Boot läge man wohl eher da, wo gleichgesinnte sind.

P.S.2: Mehr Bilder gibt es tatsächlich nicht. Wir haben zwar am freien Tag eine Fahrradtour gemacht, doch die fand während einem ausgeprägten Landregen statt und der Skipper fand kein lohnenswertes Motiv. Die Mannschaft hingegen fand einen Laden auf dem Lande (…nachdem der Skipper mühevoll den Ort gefunden hat. Ohne Plotter!) mit wunderschönen Anziehsachen. Sagte die Mannschaft und ruinierte die nicht vorhandene Bordkasse.

P.S.3: Und vor lauter Mecker fast das wirklich schöne vergessen: An beiden Abenden, in der Abendsonne, tummeln sich 5, 10, 15 jugendliche am Hafen und springen voller Herzenslust ins Hafenbecken. In der Gruppe auf Kommando, einzeln mit Salto und so lange des der Hafenmeister nicht mit bekommt, auch von wackelig aufgetürmten Sitzbänken. Arschbombe bevorzugt. Begeistert schauen wir den jungen Menschen zu, Lebensfreude pur. Erst beim zweiten Hinsehen fällt ein lachendes Mädchen in Burkini auf das genau wie alle anderen lacht, johlt und springt. Und als ihr Bruder Abdul uns kurz auf deutsch anspricht nur um direkt neben uns vom Festmachpoller sich wieder ins Hafenbecken zu stürzen, wird uns mal wieder klar, wie einfach die Welt sein könnte. Und wie einfach sie hier & jetzt gerade ist. Jedenfalls für diese Horde jungendlicher Wasserspringer! Und uns Zuschauer.



Tag 54 bis 56: Drei auf einen Streich

Die drei sind Marstrand, Vrängö und Anholt, letzteres sicher ein kleiner Frevel.

Doch der Reihe nach:

Der Gast steigt planmäßig in Marstrand aus und wird mit dem Bus nach Göteborg, mit der Fähre nach Kiel und mit der Bahn nach Elmshorn reisen. Der Mannschaft ist der Trennungsschmerz anzumerken und auch der Skipper sorgt sich ein wenig, ob der Gast denn wirklich diese komplizierte Reiseroute meistern wird. Doch, wie immer, hilft Rationalität: Der Gast ist nicht nur einfach Kind. Wird er ja auch ewig bleiben. Nein, er ist mittlerweile selbst ein erfahrener Reisender, der hat schon ganz andere Wege in der Welt zurück gelegt.

Abschied, ein wenig Wehmut, doch wir werden uns ja schon bald wieder sehen.

Es ist bereits Nachsaison in Marstrand, doch der Liegeplatz ist super-teuer im Vergleich zu einem Ankerplatz. (Toller Vergleich, oder?) Der Unterschied liegt jedoch nicht nur einfach im Preis. Die Nutzung der Waschmaschinen im Hafenhaus ist mittlerweile im Liegegeld enthalten und so waschen wir tapfer 4 (in Worten VIER) Ladungen und trocknen sie auch gleich. Schon erscheint einem das Liegegeld sehr angemessen, geradezu attraktiv! Doch wir würden nicht soweit gehen, das man nach Marstrand gehen sollte, um seine Wäsche zu waschen.

Eine kurze Abkühlung an der nahe gelegenen Badestelle, eine leckere Pizza am Hafen in neuer alter Zweisamkeit und die Entscheidung, am kommenden Tag nach Vrängö, südlich von Göteborg zu gehen.

Einmal mehr vollständig unter Maschine.

Auf dem Weg dorthin scouten wir zwar noch die eine oder andere alternative Ankerbucht, doch an einem Sommerwochenende in der Nähe von Göteborg braucht man wohl nicht ernsthaft nach Ruhe und Abgeschiedenheit zu suchen. Jeder Schwede hat mindestens ein Boot. Und wenn die Sonne scheint, ist er damit unterwegs. Logisch.

Eigentlich wollen wir in den netten kleinen Hafen von Vrängö, doch gleich gegenüber der Hafeneinfahrt liegen ein paar Boote bei nahezu völlig glattem Wasser auf Anker. Ein Blick in die Seekarte verrät, das man hier ganz gut aufpassen muss: Ein Felsen mit 1 Meter Wasser darüber, ein anderer mit 1,5 Meter. Gut, das sich Felsen in der Regel nicht bewegen und man diese Untiefen mit langsamer Fahrt und Sicherheitsabstand gut umschiffen kann.

Wir ankern etwas zu nah an einem Tagesausflügler auf 6 Meter Wasser (57° 34,8’N 11° 45,4’E) vor den unbewohnten Felseninseln Lockholmen, Mavholmen und Mavholmeskar. Der Tagesausflüger geht am späten Nachmittag Anker auf und so liegen wir ohne eigenes Zutun perfekt.

Keine Quallen in Sicht und der Skipper stürzt sich erst mal tapfer in die Fluten.

Benötigt er doch ein wenig Abkühlung, denn er muss sich endlich mal entscheiden:
Wir wollen stramm nach Süden. Aber hier oben im Kattegatt ist auf Tage hinaus kein Segelwind angesagt. Einfach gar kein Wind. Erst südlich von Anholt wird es wieder wehen. Nun könnte man Stur hier liegen bleiben und warten…oder unter Maschine die 55 Seemeilen nach Anholt abspulen und direkt am folgenden Tag unter Segeln gut nach Samsö kommen.

Keine leichte Kiste. Selbst wenn man die naheliegenden Termine mit einem kurzen Landabstecher per Mietwagen erledigen könnte, Mitte September wäre unsere Segelsaion sowieso vorbei, da die Mannschaft zur Reparatur muss und zwei, drei Wochen ausfällt.

Außer in den Schären sind wir in dieser Saison nicht besonders viel motort und so entscheidet sich der Skipper am späteren Abend für die klassische Form des Niederländischen Segelns: Motorsegeln.

Die Mannschaft ist´s zufrieden. Hauptsache Süd!

Sehr früh los, gegen 6:00 Uhr. Herrlich. Diese Stille! Einmalige Stimmung am frühen Morgen, nur der Wind fehlt. Die letzten Felsen an der schwedischen Südwestküste, dann bis zum Horizont nur noch Wasser. Jede Menge blaues Wasser. Auch mal wieder gut zu sehen.

Wir setzten und trimmen das Groß und machen später dadurch gut 0,5 bis 1,0 Knoten mehr Fahrt. Durch den seit Tagen fehlenden Wind gibt es auch absolut keine Welle. Wie ungewöhnlich auf dem offenen Meer. Die Schifffahrtswege passieren wir ohne Ausweichmanöver.

Irgendwann am Nachmittag kommen wir auf Anholt an. Das Wochenende ist vorbei, die dänischen Ferien auch. Ergebnis: Der Hafen ist nur zu einem drittel belegt und fest in deutscher Hand. Schnell den Dampfer aufgeklart, noch ein paar Sachen einkaufen (…der Laden am Hafen ist noch geöffnet!) und dann geschwind an den einmaligen Strand in das einmalige Wasser! Wenigstens für eine Stunde oder so. Mitnehmen, was geht.

Die Mannschaft bleibt unternehmungslustig und wir pilgern später zum Sundowner in die Orakel Bar am Hafen. Noch einen Sonnenuntergang ansehen. Hatten ja in diesem Jahr erst 1.000 oder so. Der Skipper, experimentierfreudig wie er nun mal ist, möchte standesgemäß einen roten Cocktail im tiefroten Abendrot genießen und beauftragt die Mannschaft, eine Bloody Mary am Tresen zu beschaffen.

Ein Fehler, wie sich kurze Zeit später heraus stellt.

Denn offenbar hat die Mannschaft den Barmixer bestochen und ihn dazu veranlasst, beim Mixen auf jeglichen Wodka zu verzichten und so sitzt der Skipper leicht betrübt im Abendrot mit seinem vereisten Tomatensaft, während die Mannschaft frohlockend an ihrem leckeren kalten Bier nippt.

Es gibt halt wirklich nichts ehrlicheres als ein einfaches, kaltes, frisch gezapftes Bier.

Peter.

Tag 52&53: Lyr

Die Insel Lyr (oder Lyrön) befindet sich gut 20 Seemeilen südlich von uns. Wie schon fast üblich packen wir die Segel gar nicht erst aus, sondern laufen unter Maschine im Schärenfahrwasser vorbei an Felsen, passieren offene Seebereiche und kleine Orte.

Wie wir später auf einer Hinweistafel lernen, liegt Lyr inmitten des Naturschutzgebietes Stigfjorden. Doch die meisten Uferzonen sind vom Naturschutzgebiet ausgenommen. Jetzt kurven wir schon ein paar Tage durch die Felsen und gewöhnen uns an deren Anblick, doch als wir das Nord-Süd laufende Hauptfahrwasser verlassen und nach Osten in den Stigfjord einlaufen, wirken die Felsen noch viel mehr nach Mond. Einige auch nach Mars, denn sie sind rötlich. Viel weniger Bootsverkehr hier.

Dank Seekarte und Plotter die Ankerbucht auf Anhieb gefunden, zwei Eingeborene liegen an Mooringbojen. Wir erkunden in einer kurzen Schleife zunächst die Wassertiefen und ankern dann auf 5 Meter Wasser (58° 04,2’N 11° 32,1′ E) ganz komfortabel zwischen den Felsen. Optisch ist die Bucht nach Osten ganz gut offen, was vielleicht schlecht bei Oststurm wäre. Doch wir haben seit Tagen schönes Wetter mit wenig Wind und auch die Vorhersage sieht perfekt aus.

Die Überragende Nachricht des Tages: Die Gegend ist völlig frei von Quallen. Die Badesaison ist eröffnet!

Ebenso wichtig: Vor Abreise aus Fiskebäckskil waren wir Morgens noch kurz in einem “Tempo” einkaufen. Spaßig, diese Namensspielchen. Einem Ankerleben in Saus & Braus steht nichts mehr im Wege!

Der Gast an Bord kommt mit dem Außenborder vom Dingi nicht so richtig klar und paddelt lieber. Auch OK, spart schließlich Benzin und schon die Umwelt. Irgendwo muss man ja anfangen. Während die einen schwimmen, die anderen scouten, wo man wohl ein kleines Campfire anzünden könnte, ist der Skipper schwer mit Büroarbeit beschäftigt. Also früher, da lag man irgendwo auf Anker, hatte kein Handy (oder später wenigstens keinen Handyempfang) und war schlicht unerreichbar.

Doch 2020 ist das anders.

Wirklich kein Schnack:
In Dänemark und Schweden haben wir zu jeder Zeit, an jedem Ort vollen 4G Empfang. Seit der EU Roomingverordnung kaufen wir keine lokalen SIM Karten mehr, sondern reisen mit ALDITALK (also EPLUS) und als Rückfallposition mit PENNY MOBIL (also TELEKOM). Doch die braucht man wirklich nicht, denn die EPLUS Roomingpartner sind in beiden Ländern exzellent.
Also keine Ausreden und übernommene Verpflichtungen werden klaglos erfüllt. Auch vom Skipper.

Nun, zurück nach Lyr.

Der Gast verkündet, wann er abreisen möchte (Genug ist Genug!) und der Skipper rechnet und plant. Auch noch Reisebüro! Doch am Ende ist es auch die Mannschaft, die mal genauer wissen möchte, wann & wie wir wieder zurück nach Hause kommen. Wichtige Termine warten. Oder besser: Wir warten seit Monaten auf Termine, die wir auf keinen Fall verschieben wollen. Klar, es geht um Arzttermine. Routine, Routine.

Am Tage streifen wir über die Insel und sind erstaunt, wie erschlossen sie ist. Vom Wasser aus sah´ sie nahezu unbewohnt aus, doch wir finden eine Straße die zu einer mittelgroßen Fähre führt. Daran ab und zu einen Bauernhof und, natürlich, Ferienhäuser. Aber nur wenige Menschen sehen wir. Dabei sind doch in Schweden noch Sommerferien.

Die Fähre ist drahtgebunden und fährt auch bei Bedarf. Dazu muss man nur klingeln 😉

Es ist heiß, an der Fähre gibt es leider kein Bier und zurück sind es bestimmt drei Kilometer. Dann trotten wir mal los…gehen schwimmen, tanken frische Kräfte auf dem Kühlschrank und bereiten uns auf den Abend vor: Grillen & Lagerfeuer auf der kleinen Insel Bockholmama an der Ostseite des Fahrwassers. Während ANICO ein HighSpeed Dingi sein Eigen nennt, tuckern wir mit unserer Schnecke schon mal los. Der Skipper fragt sich, ob denn auch Dingis tiefgangbehindert sein können. Drei Personen, Grillzeug, Drinks und vor allem jede Menge Wasser im Boot. Das läuft ja auch nicht raus, wenn das Schlauchboot so tief im Wasser liegt. Nun, der Strand ist nahe und dort werden wir das Wasser garantiert los.

Irgend jemand hat eine Feuerstelle eingerichtet, ein Messer und, man glaubt es kaum, eine Spiritusflasche zurück gelassen. Wir sammeln Treibholz und drapieren unsere karge Beute in der Feuerstelle. Feuer = Wichtig. Mücken mögen kein Feuer. Oder wenigstens keinen Qualm.

Unser mobiler Grill muss erst mal jede Menge Gemüse über sich ergehen lassen. Vegetarier bestehen auf fleischfreie Zubereitung. Wenn wir auch noch einen Veganer dabei hätten, würde es wirklich schwierig! Erst als die Gemüseberge alle sind kommt das auf den Grill, weswegen Grills überhaupt erfunden wurden: Totes Tier. Jede Menge totes Tier.

Das Feuer entzündet, jetzt doch etwas unsicher, ob wir innerhalb oder außerhalb des Naturschutzgebietes sind. Später stellt sich heraus: Ganz klar außerhalb der Sperrzone. Alles richtig gemacht.

Mit dem letzten Tageslicht zurück zum Boot.

Was für ein besonderer Abend! Sehr schön und irgendwie so eine Art krönender Abschluss.

Morgen den Gast zum Bus in Marstrand bringen, dann weiter nach Vrängö, Anholt und Samsö, durch den kleinen Belt in die Kieler Förde.

Das ist der Plan…

das ist der RÜCKREISEplan.

Schauen wir mal, was das Wetter dazu sagt.

Peter.

…neues von Familie, Segeln und Fotos