Tag 51, Fiskebäckski

Jetzt wird es romanisch, äh, ramontisch, ach nee, romatisch!

Nach Fiskebäckski gehen wir nur, weil wir dort die Mannschaft von ANICO treffen wollen. Die beiden haben wir auf der großen Reise 2013 auf der Pazifikinsel NIUE kennen gelernt. ANICO ist mittlerweile eine andere, die beiden erkennen wir aber bestimmt wieder. Schließlich haben wir uns seit dem ab und zu mal an Land getroffen.

Fiskebäckski liegt etwas nördlich der großen Insel Orust auf der Insel Skaftö am Ende eines tief in Nord-Süd Richtung einschneidenden Fjords. Der Skipper der ANICO kennt den Ort von früher (15 Jahre?) und möchte mal erkunden, wie es da wohl jetzt aussieht.

Für uns, die wir Fiskebäckski zum ersten mal besuchen, wirkt der Ort wie jeder andere Ort am Wasser in Schweden auch: Rote Bootshäuser säumen das Ufer, an jeder freien Stelle steht auf den Felsen ein Haus mit Blick auf das Wasser. Je neuer die Häuser, um so gewöhnlicher.

Wiedersehen feiern in Coronazeiten und vor lauter Gerede fast vergessen, den Ort wenigstens einmal kurz zu Fuß zu durchstreifen. Das wäre, wie sich wenig später heraus stellt, schade gewesen. Denn auf dem höchsten Felsen der Insel steht eine alte schwarze Windmühle. Von dort aus hat man einen grandiosen Blick nach Westen.

Blick nach Westen…
… Abend…
…Freunde…
…Sonnenuntergang!

Ich sag doch, jetzt wird es ramontisch!

Nun, weil die Marina auch nicht gerade billig ist und uns außer Geld verplempern auch sonst kein Grund einfällt, hier länger bleiben, beschließen wir später am Abend, die Sonne ist da schon längst ins Wasser gefallen, mit beiden Booten am nächsten Tag eine neue Ankerbucht weiter im Süden auszuprobieren. Somit wird dieser Ort, ganz spontan, der nördliche Wendepunkt unserer diesjährigen Sommerreise.

Keine 100 Kilometer von Norwegen entfernt.

Peter.

Tag 50: Gullholmen

Obwohl ODA längst in Süd-Norwegen angekommen ist, beeinflusst Per zunächst unseren kleinen Schweden-Ausflug.

Gullholmen sei ein muss, wenn man schon mal in der Gegend ist. Der Ort läge auf einer kleinen Insel und die zahlreichen Häuser seien so dicht aneinander gebaut, das man kaum dazwischen laufen könne. Nun, das hört sich interessant an. Der dazugehörige Hafen ist auf der Seekarte einziges WirrWarr an Zu- und Abfahrten. Nach dem Ankern in freier Wildbahn also mal wieder eine kleine Herausforderung für den Skipper bei Ankunft.

Die 12 Seemeilen nach Norden spulen wir unter Maschine ab. Segelwind wäre vielleicht so gerade eben, doch wird das Fahrwasser durch die Felsen so eingeengt, das der Skipper auf die großen weißen Dinger lieber verzichtet. Die Eingeborenen hingegen segeln überwiegend…oder Motorsegeln bei genauerer Betrachtung 😉

An der ohne Ortskenntnisse kaum zu erkennenden Hafeneinfahrt fahren wir fast vorbei. Als wir das bemerken, haben wir vor lauter Schiffsverkehr Schwierigkeiten, auf die andere Fahrwasserseite zu kommen. Doch wenn man sich einfach mal quer zum Fahrwasser legt wird den anderen Booten schnell klar, wo man hin möchte und es tun sich Lücken auf in den Ameisenkolonnen ähnelnden endlosen Schiffsverkehr.

Genau so viel Verkehr ist im kleinen Hafenbecken. Rein, Raus, Liegeplatz wechseln und dann noch wir. Ein junger Mann (offenbar eine Art Hafenmeister) fragt, ob wir über Nacht bleiben wollen…dann wäre da hinten neben dem gelben Boot ein Platz für uns. Da kommen wir aber erst mal gar nicht hin, weil ein anderer Dampfer seinen Liegeplatz wechseln möchte. Als geklärt ist, das der Deutsche Gast ist, kommen wir um dieses schwimmende Hindernis herum. Zu freundlich, diese Schweden!

Stehen wir nun unmittelbar vor dem zugewiesenen Liegeplatz, erkennen wir, das ein Boot, drei Plätze weiter, dorthin vorholen will. Hallo? Hafenmeister hat gesagt…ach ja, dann vorhole ich eben nicht, bitte sehr, Dein Platz. Zu freundlich, diese Schweden!

Rückwärts quetscht sich der Stormvogel endlich an seinen Platz, die Nummer mit dem Grundgeschirr kennen wir ja schon. Doch es dauert seine Zeit, bis man die Vorleine zwischen den ganzen Fendern nach vorne gezottelt hat. Wie schon öfters mal überragt das Vorschiff des Stormvogels die umliegenden Boote um ein weites. Alle drei Personen an Bord haben unmittelbar das Gefühl, in einem Bienenstock gelandet zu sein. Liegt das nur am Kontrast der einsamen Ruhe des Ankerplatzes die Tage zuvor oder steppt hier wirklich der Bär?

Schnell ist die Umgebung abgechekt: Supermarkt in unmittelbarer Nähe, Duschen und WC sowie ein Hotelrestaurant, in dem man Take Away Pizza bekommen kann. Schon mal gut.

Ob der frühen Stunde am frühen Nachmittag machen sich Mannschaft und Skipper auf zur Inselerkundung, der Gast beliebt in Ruhe gelassen zu werden. Klar, so alleine auf einem Luxusdampfer zurück bleibend, lässig mit Sonnebrille im Cockpit sitzend und die zahlreichen Komplimente (“I like your boat”, “What a beautiful boat”) entgegen nehmend.

Die Brücke zur kleinen Insel wird gerade saniert und ist eine betretbare Baustelle. Wirkt wirklich alles sehr beengt, klein und lieblich. Wir fragen uns, was die Leute damals wohl geritten hat, ihre Häuschen so dicht aufeinander zu bauen. Vermutlich Armut. Doch heute sind die hübsch zurecht gemachten Häuschen allesamt Feriendomizile. Jedes Haus, das irgendwie einen Blick auf das beidseitig verfügbare Wasser hat, verfügt auch irgendwie über eine Terrasse, auf der man sitzen könnte, würde man ein solches Haus bewohnen.

Beide Inseln sind Autofrei. Klar, ein paar Servicevehikel kurven hier rum, um z.B. das Gepäck der Feriengäste zu befördern, die hier zahlreich mit der Fähre ankommen oder abfahren.

Auf dem Weg zur Badestelle an der Westseite kommen wir an einem großen Kinderspielplatz, einem Picknickbereich sowie einem Fussballplatz vorbei. Alles im satten Grün. Doch Wiese und Rasen hören schnell auf und die Felsen dominieren wieder. Eine kleine kurze Kraxelei und wir erreichen die Badestelle: Eine Leiter, die hinunter ins Meer führt. Die Temperaturen verlangen nach einem Bade im Meere, die zahlreichen Feuerquallen wohl auch, allein die Furcht der kleinen Reisegruppe vor diesen Dingern überwiegt und wir verlassen diese Mondlandschaft.

Doch nun wird es gespenstisch: Rasch und unbemerkt breitet sich mitten am Nachmittag Seenebel aus und hüllt alles und jeden in ein ein kühles Wattepäckchen. Erst als wir wieder den Hafen erreichen wird uns klar, wie schwierig die Situation werden kann, wenn man noch im Fahrwasser mit dem Boot unterwegs ist: Zahlreiche Boote legen an und warten auf den Abzug des Nebels. Scheint hier wohl gar nicht so selten vorzukommen. Der Skipper möchte nicht darüber nachdenken, ohne Sicht unterwegs zu sein.

Nun, der Inselrundgang hat ein paar Eindrücke und Bilder gebracht, doch die Entscheidung steht fest. Am nächsten Morgen schnell weiter.

Bienenstöcke waren noch nie unser Ding. Zu geschäftig hier.

Peter.

Tag 48&49, Danholmen

Die Überfahrt von Skagen in die Schwedischen Westschären ist perfekt.

Halbwind, kaum Welle, Sonnenschein!

Den vor der Schwedischen Küste nordlaufenden Strom kennen wir zwar schon, sind aber doch wieder von dessen Heftigkeit überrascht. Neben dem Vorhalten des Boots erkennt man die Strömung sehr gut an den Fischerbojen, die heftig umspült werden.

Die anzusteuernde Ankerbucht bei Danholmen haben wir aus einem Buch von Per (ODA): HAVENGUDIEN 5 (ISBN 978-82-92284-97-1). Es gelingt, trotz einiger zu passierenden Felsen und Inseln, den Ankerplatz komplett unter Segeln anzusteuern, wenn auch am Ende der Wind einschläft.

So fällt nach 37 Seemeilen auf 9 Meter endlich mal wieder der Anker in Position 56° 06,9’N 11°25,5’E. Ein paar mehr Boote sind auch hier, aber die Bucht ist groß. Es gibt die klassischen Felslieger (Bug an Fels mit Leine, Heckanker), 7 Boote hängen an drei Mooringbojen und ein paar Ankerlieger wie wir.

Alle an Bord wollen sofort schwimmen gehen – doch im Wasser sehen wir jeden Menge Feuerquallen. Das wird erst mal nichts. Dann pumpen wir doch schon mal das Dingi auf und machen den Außenborder klar. Vielleicht kann man ja in der Nähe der Felsklötze schwimmen gehen?

Nein, kann man nicht. Die spätere Erkundungstour bringt jede Menge Feuerquallen, Seetang und Algen in Felsnähe. Also hier fällt Schwimmen leider aus.

Mit dem Dingi setzten wir zum größten Felsen über und erklettern ihn kühn. Nur so können wir uns mal einen Überblick verschaffen, wo wir hier wohl gelandet sind. Ein paar gute Fotos gelingen, der Gast wird temporär auf einer Mini-Felsinsel ausgesetzt…und vertraut offenbar dabei darauf, das die Eltern wieder kommen.

Schließlich liegt der Stormvogel im Sonnenuntergang und zeigt sein schönstes Ankerantlitz.

War eine gute Idee, nach Schweden rüber zu segeln.

War eine gute Idee, nördlich vom schon bekannten Marstrand den Landfall zu planen.

War eine gute Idee, segeln zu gehen.

Peter.

Tag 45 bis 47, Skagen

ODA mit Elisabeth und Per liegen in Skagen und wollen da nicht weg. El Dorado für Norweger, in jeder Hinsicht.

STORMVOGEL mit Heidi und Peter und neuerdings Gast liegen auf Laesö.

Beide Mannschaften wollen sich treffen. 28 Seemeilen liegen dazwischen. Aber auch eine kurze steile Gegenanwelle und ein Westwind, der mal scharlt und auf auch gerne aus Nordwest weht.

Aber die Sonne scheint. Blauer Himmel. Die gestern Abend erst zurück gekommene Mannschaft ist nach dem langen Landurlaub hoch motiviert, der Gast auch und der Skipper kennt bald jedes Sandkorn von Vesterö und umzu.

Also nix wie los!

Wie so häufig läuft es Anfangs nicht so rund, wie der Skipper es gerne hätte. Groß und Yankee im zweiten Reff, die Welle stoppt alle paar Minuten den Dampfer auf. Es läuft nicht rund!

Liegt vielleicht auch daran, das der Skipper sehr hoch an den Wind will, aber ohne Schwenkkiel. 2,7 Meter Tiefgang bei 3,5 Meter Wasser hört sich irgendwie nicht charmant an. Der Skipper will hoch an den Wind, weil der Wind später zeitweise auf Nordwest gehen soll. Dann kommt er gegen an und die letzten Meilen werden zur Qual, wenn wir vorher nicht die Höhe zum Abfallen geholt haben.

Wir passieren ein Monströses Arbeitsschiff, vermutlich Rohrverleger, kurz vor Fredrikshavn, danach kaum Schiffsverkehr. Aber mit einem male läuft der Dampfer, wie er soll. Endlich! Bei Annäherung Skagen durchfahren wir ein riesiges Ankerfeld von Berufsschiffen aller Art. Ein Riesen Dockschiff (könnte auch ein Raumschiff sein), ein AIDA Kreuzfahrer (eher Geisterschiff), ein Gastanker (eine schwimmende Bombe) und so weiter. Lungern hier alle rum und warten auf Arbeit. Die Bucht ist geradezu genial für Dickschiffe. Und für Segler, die da kreuz und quer durch wollen. Den Windschatten dieser schwimmenden Bauklötze indes gilt es natürlich zu vermeiden.

Der Hafen von Skagen wird gerade umgebaut und erweitert. Der Skipper muss tatsächlich langsam fahren um sich im Gewirr von Hafenbecken und Kanälen nicht zu verfahren. Das richtige Dock gefunden, sehen wir im Dschungel von im Päckchen liegenden Yachten eine norwegische Flagge winken.

Klarer Fall von das müssen sie sein – doch ODA sehen wir noch nicht. Im Hafen liegt man entweder längsseits oder vor Heckanker an Schwimmpontons. Die machen das Becken ganz schön eng doch zum Glück können wir über Steuerbord wenden und dann gegen den Wind rückwärts an ODA andocken. Die haben ihre Bordwand mit ihrem Leben verteidigt, damit wir und nur wir ihr Päckchenpartner werden. Sagen sie…

Wiedersehen auf Corna: Keine Umarmung. Kein in den Arm nehmen. Keine Küsschen unter Männern…unter Seemännern!

Lang ist es her, der Witz ist, das wir alle es gar nicht genau auf Anhieb wissen. Waren die beiden zuletzt bei uns oder wir bei denen? Der Skipper plädiert für letzteres und behauptet diese seine unsichere Meinung auch stark. Besser eine starke Behauptung als ein schwacher Beweis.

Nun, wir wissen die Zeit ist endlich und wir wissen, diese gemeinsame Zeit ist endlicher. So verbringen wir bei Tageslicht jede Minute mit einander und haben eine richtig gute Zeit, auch wenn es am Tage nach unserer Ankunft regnet und die Mannschaft mit dem Skipper in der Frühe eine neue Druckwasserpumpe einbauen will (mehr zu dieser desolaten Geschichte in einem noch zu schreibenden Lagebericht).

Der Skipper lässt sich vom wissenden Norweger in die mögliche Vielfalt in der Welt des gemeinen Aquavits einführen, die Mannschaft zählt derweil die notwendigen Scheine, um uns beide auszulösen. Wie immer ist “teuer” eine Frage der Perspektive. So geschult (und ggf. auch benebelt) strolcht der Skipper am Nachmittag durch die Innenstadt und durchsucht alle Läden mit Alkohol nach “Aalborg Grill”. Absoluter Favorit des Tages mit einer leichten Vanille im Abgang. Das Problem ist nur, das die Dame, die den Stoff in nur leicht gekühlten Flaschen in dem Frühstückscafe am Hafen heran schaffte meinte, der sei eher für die Ladies. Hallo? GRILL? Also in meiner Sprache ist das OK. Sehr OK sogar.

Nun denn: Ein Satz mit X, das war wohl nix! In ganz Skagen kein “Aalborg Grill”. Nochmal Hallo? Aalborg liegt doch gleich um die Ecke? Ein freundlicher Verkäufer bemühte sogar den Computer um nach 10 Minuten der Recherche mitzuteilen, genau der sei ausverkauft.
Somit ist der Skipper also im Moment nicht auf der Jagd nach Ersatzteilen, sondern nach “Aalborg Grill”. Wird schon noch…

Wer von Laesö nach Skagen kommt, der kommt aus der dänischen Wildnis in eine Welt-Industriestadt. In einen Hafen der Megatrwaler. Ich denke, ich habe schon so einige Fischdampfer gesehen, aber diese riesigen Dampfer in der Werft sind mir neu. Alle frisch in Farbe und einige mit irgendwie eleganten Linien. Fast schon Yachten.

Doch sie alle sind nur die Dampfer der Räuber der Meere. Und das hier müssen die Super-Gangster sein. Wer solch große Dampfer zur See schickt, der muss mit dem großen Geld rechnen. Kann man das Geschäftsmodell gut finden? Riesige Mengen Fisch mit riesigen Maschinen aus dem Meer klauen und damit riesiges Geld verdienen? Ohne einen Finger dafür zu krümmen, das der Fisch (weltweit) eine Zukunft hat?

Nö, kann man nicht. Da ist die mieseste Hühnerfarm ehrlicher.

Sagt der, der Fisch in jeder Form und allen Mengen gerne isst.

Nun denn, die Dampfer sind trotzdem ein Hingucker und entsprechend fokussiert sind auch die Bilder dieses Beitrags.

Den Gang zur nördlichsten Spitze Dänemarks verweigern wir uns kollektiv. Die kleine Fahrradtour zum Kap endet auf einem großen Parkplatz in den Dünen zwischen Nord- und Ostsee und inmitten von Menschenmassen. Doch die sind nichts gegen die Horde von menschlichen Ameisen, die sich im seichten Wasser der Sandbank sichtbar um den letzten Zipfel Dänemarks bemüht. Was für ein absurder Wahnsinn. Erst Recht in diesen Zeiten.

OK, lausige Qualität der kleinen Kamera mit maximalen Tele…

Norwegen verschärft in unseren gemeinsamen Skagentagen seine Risikohinweise für seine Einwohner in Bezug auf Dänemark und lockert Schweden nicht. Also wird das auch nichts mit mehr Aquavit, sondern die Trennung rückt näher. ODA geht NonStop in den Oslofjord und STORMVOGEL geht im exzellenten Segelwind in die Schwedischen Westschären nördlich von Marstrand. Da waren wir noch nie.

Neuland entdecken.

Darum geht es doch beim zur Seefahren, oder?

Peter.

Tag 37 bis 44, Laesö

Also irgendwie haut das mit dem Zählen der Tage nicht hin. Ist ja auch logisch, die 10 Finger sind ja schon alle, wenn man beim elften Tag ankommt. Keine zwei Wochen taugen die Finger zum Zählen. Vielleicht Arbeitstage? Nun, nach reiflicher Überlegung und Hinzuziehens des einzigen amtlichen Dokumentes an Bord, dem Logbuch, komme ich zu dem Schluss, dass ich hier und jetzt über den Zeitraum Tag 37 bis 44 zu berichten habe.

Irgendwo davor habe ich mich verzählt. Ganz offenkundig, denn ausgelassen habe ich nichts. Also jedenfalls nicht, das ich wüsste.

Laesö heißt die Insel, die wir nach Anholt ansteuern wollen. Denn eigentlich wollen wir uns hier im Norden des Kattegatts irgendwo mit unseren Freunden von der ODA aus Norwegen treffen. Vor vielen Tagen, sagen wir mal Tag 1 minus 60 war auch mal angedacht, das wir ganz nach Südnorwegen hoch kommen könnten, doch irgendwie ist es immer später im Jahr geworden und der Skipper kann sich dafür nicht mehr erwärmen.
ODA ist schon in Südnorwegen und wartet auf ein Wetterfenster, um nach Süden zu kommen…

Wir verlassen Anholt zwei Tage früher als nötig, doch der Wind steht mit SW 15kn gut und so was lässt man sich als Segler nicht entgehen. Wie immer Frühstart, viele Boote gehen mit uns raus. Auch der Norweger mit seinem Supertanker.

Laesö liegt im Norden und ist viel mehr von Untiefen umgeben als Anholt. Von Süden kommend, muss man sich gut davon klar halten und einen Umweg von gut 8 Seemeilen laufen, um zum westlichen Hafen mit Namen Vesterö zu kommen. Da hilft auch unser geringer Tiefgang nichts. Einen Meter, 50 Zentimeter oder auch mal 20. Das ist wirklich wenig Wasser mitten im Meer.

Direkt nach Verlassen des Hafens geht der Norweger in den Zweikampf mit dem STORMVOGEL. Kommt von achtern mächtig auf – beeindruckende Segel. Na ja, bei dem riesigen Mast muss ja auch was riesiges dran hängen. Eine kurze Zeitlang denken wir, er hat uns gleich, so schnell wie er da ankommt. Aber dann, auf einmal, bleibt der Abstand relativ konstant. Komisch, lief da etwa noch die Unterwassergenua mit? Am Wind kann es nicht liegen…

So laufen wir auf nahezu identischem Kurs gen Nord-Westen. Als der Wind weiter nach Süd dreht, gehen wir etwas mehr nach Westen, um dann, wenn er voll aus Süd weht, mit Nordkurs platt vor dem Wind laufen zu können. Downwind. Das können wir gut. Groß auf die eine Seite, Yankee am Baum auf die andere.

Der Norweger steht viel weiter östlich und eigentlich haben wir ihn schon fast vergessen. Doch mit einem male kommt er fix auf uns zu. Hat wohl bemerkt, das es flach ist, da wo er jetzt ist? Bei den Kursen ist es jetzt gar nicht so klar, wer von wo kommt und wer eigentlich wen überholt…und vor allem wer wem wie ausweichen müsste. Erst mal Kurs halten und näher kommen lassen.

Das denkt der Skipper auch noch, als der Norweger schließlich gut 50 Meter vor dem Bug des STORMVOGELS vorbei geht und nun ganz offenbar Kurs auf Fredrikshavn gesetzt hat. Soll uns auch Recht sein. Hauptsache er ist wech…

Der Wind hat zugenommen, das merkt man beim Vor-Dem-Wind-Segeln nie so richtig, höchstens an der Geschwindigkeit. Daher planen wir die Halse an der Nord-West Untiefentonne genau. Yankee, weg, Baum weg. Bullenstander vom Groß weg. Die Tonne zieht in 100 Metern an Steuerbord vorbei, Groß ganz dicht holen, Kurs um 90° nach Steuerbord ändern, hübsch langsam, Baum kommt, Groß auch. Hui, da ist der Wind nun auch gefühlt, wie das kachelt!

Da bleibt das Yankee lieber drin und die Fock kommt mal wieder zum Einsatz. Mit perfektem Halbwind bretten wir mit über 7 Knoten auf den Hafen zu. Zur Abwechselung mal auf der Backbord-Backe.

Die letzten paar hundert Meter gehen wir unter Maschine im Fahrwasser, die Mannschaft bereitet Leinen und Fender vor und der Skipper hofft, das die Fähre nicht dann ausläuft, wenn wir in der Hafeneinfahrt stehen. Tut sie nicht,  wir sind drin und schon wieder heult der Wind in den zahreichen Masten. Sommermusik.

Besonders groß ist der Hafen nicht, doch wir kennen ihn und wissen um die Methode des Festmachens. Grundgeschirr: Bug oder Heck ganz normal am Ponton, die andere Seite dann mit einer am Grund befestigten Leine vom Ponton weg halten. An diese Leine kommt man aber nur, wenn man ihr Ende am Ponton aufnimmt, längs am Boot damit vorbei läuft und dann ordentlich stramm das am Grund befestigte Ende zieht.
Die Kunst dabei ist, schnell zu sein. Denn natürlich vertreibt das Boot im Hafen und man schlägt schneller quer, als es einem recht sein kann. Einfacher ist es natürlich, wenn Rechts und Links schon ein Dampfer liegt, dann wird man von denen gehalten, bis man seine eigene Grundleine fest hat.

Nun, der Hafen ist halb gefüllt und wir müssen sehen, wo wir bleiben. Der Skipper hat seine Wahl getroffen, da ruft ein Deutscher, das “da hinten” noch ein guter Platz frei sei. Mal ansehen fahren. Na ja, sieht besser aus. Die Mannschaft ruft: Da liegen drei Dingis drin…vermutlich von den daneben liegenden Motorbooten. Also wieder da hin zurück, wo der Skipper ursprünglich wollte. Schön frei von allem, gegen den Wind ganz außen am mittleren Ponton. Rückwärts ran. Die Mannschaft tüddelt etwas zu lange (5 Sekunden?) mit der Grundleine herum, der Skipper übernimmt und läuft damit zum Bug, derweil die Mannschaft die Heckleinen fest bekommt. Etwas hektisch, hat aber trotz spontanem Rollentausch gut geklappt.

Wir sind mal wieder fest und wollen auch volle sieben Tage bleiben. Geplant, geplant. Nicht weil die Insel so schön ist (ist sie), sondern weil die Mannschaft einen lange geplanten Landgang antreten möchte und mit Fähre und Mietwagen in heimische Gefilde entschwinden wird. Der Skipper schaltet unmittelbar nach dem Anleger auf Werbewoche um und zeigt sich von seiner Besten Seite. Möchte er doch sicher stellen, das die Mannschaft auch wirklich zurück kommt!

Die Abreise der Mannschaft mit der ersten Fähre am Morgen ist merkwürdig. Abschiede sind immer merkwürdig. Abschiede von Menschen, die sich sehr nahe stehen, sowieso. Vielleicht liegt diese besondere Stimmung aber auch nur am frühen Morgen (6:00 Uhr) und an dem Umstand, das vielleicht nur 10 Passagiere und ein paar Autos zum Festland fahren. Nun, da ist die Mannschaft also erst mal weg…

Es ist absolut kein Problem, die Tage in Versterö zu verbringen. Wandern an der Nordostküste durch Heide und Wald, am Strand in der Sonne liegen an der Nordwest Küste. Durchaus auch mal das Wasser betreten. Einkaufen gehen und, natürlich, ein paar Bootjobs erledigen.
Der Tagestarif für Boote ist üppig. Doch es gibt auch eine 10er Karte mit Fährticket. Rechnet sich erst ab 8 Tagen. Und, ganz besonders in diesem Jahr: Liegt man zwei bezahlte Tage in Versterö, bekommt man einen kostenlosen Tag auf Österby, dem Hafen im Osten der Insel. Das Ding ist nur: Um da hin zu kommen muss man 14 Seemeilen abspulen. Denn auch nach Norden erstreckt sich eine gut 4 Seemeilen lange Sandbank, die man umfahren muss. Na ja, wir heben mal die Quittungen auf und sehen, ob wir später in den Genuss dieser Corona-Rabatt Aktion kommen können.

Die Norweger der ODA liegen mittlerweile in Skagen und haben keine Lust, noch weiter nach Süden zu kommen. Zum einen gefällt ihnen der Trubel dort, zum anderen müssen sie ja auch, genau wie wir, den Rückmarsch im Auge behalten. Ferner sind die beiden verunsichert, ob es wirklich schlau ist, sich in Coronazeiten zu treffen. Erst Recht mit Leuten, die gerade auf Landurlaub in Berlin waren.
Nun, an Bord des Stormvogels sehen wir das so: Wir halten uns an die offiziellen Regeln der Länder, in denen wir gerade sind und an unseren (hoffentlich noch) gesunden Menschenverstand. Aber darüber hinaus wollen wir nicht gehen. Keine vorsorgliche Einschränkung, keine vorsorgliche Kontaktvermeidung. Dann hätten wir zu Hause bleiben müssen. Nach per eMail geführter Diskussion sehen die Norweger das auch so und wir beschließen uns in Skagen zu treffen.

Wie geplant und erhofft, kommt die Mannschaft am Montag Abend wieder, eine Fähre früher als gedacht und bringt auch gleich noch einen Passagier mit. Der trägt eine vom Skipper bestellte Druckwasserpumpe und könnte somit als Bote durchgehen, würde er wieder abreisen. Doch der jüngste Sohn wird uns begleiten, eine Zeit lang.

Weil es Mittwochs stürmen und regnen soll, beschließen wir mit viel Wind, aber Sonne bereits am Dienstag nach Skagen zu gehen.

Na, wenn was mal was wird!

Peter.

Tag 30, Anholt

Dieses Geheule der Masten im Wind in einen Yachthafen geht einem irgendwann unglaublich auf den Keks. Wer das verneint, muss taub sein. Oder permanent betrunken. Oder unglaublich abgestumpft.

Die Wettervorhersage verspricht einen leichten Wechsel von Nord-West (NW) auf West (W) bei abnehmenden Wind, aber ob das wirklich so kommt? Daher laufen wir aus und gehen unter Maschine außerhalb des Fahrwassers gut 10 Seemeilen nach Nordwest zum Ausgang des Öresunds. Erst hier setzten wir Segel, Vollzeug, und stellen den Brüllaffen im Keller ab. Am Wind, gemäßigt, direkter Kurs. Läuft gut, aber noch jede Menge Meilen vor uns. 40 oder so?

Die Mannschaft macht Frühstück. Das hat sich so in den letzten Wochen eingependelt. Nach dem Aufstehen einen Kaffee, das Ablegemanöver besprechen, die Navigation klar machen und natürlich das Deck Seeklar. Dann ein Blick in den Maschinenraum. Rational völlig überflüssig, dieser tägliche Blick nach dem Brüllaffen. Der kann da ja nicht weg. Aber diesen Kuddel, diese Umarmung, diese Anerkenntnis von täglichen Respekt über die Leistung, die der Brüllaffe in völliger Dunkelheit und Einsamkeit da erbringen muss, hilft. Maschinen wollen geliebt werden. Dann funktionieren sie. Ignoriert man sie, sind sie beleidigt und verweigern ihren Dienst. Meist ohne Ankündigung. Woher ich solche Weisheiten habe? Von Robbie, den australischen Motorbootfahrer und wohl Besten Maschinenflüsterer weltweit (Entschuldige Wolfgang!). Auch nach vielen Jahren halte ich seine Ratschläge in Ehren. Und folge ihnen unbedingt, ohne Zweifel.

Nun, wir segeln also so dahin, irgendwann wird es dem Skipper langweilig. Der Mannschaft wird nie langweilig. Wir haben ca. 1.000 Bücher (mehr oder weniger) an Bord und nach getaner Versorgungsarbeit wird gelesen, was das Zeug hält. Der Skipper bildet sich ein, das Boot fahren zu müssen. Schiffsverkehr, Segeltrimm, Navigation. Da kommt keine Lust nach Buch auf. Aber Musik. Musik geht immer!

Bald haben wir den Radarturm von Anholt am Horizont, dann schält sich langsam der kleine Westhügel vom Horizont, man erkennt ganz im Osten den dortigen Leuchtturm. Nach gut 4 Stunden überholen wir endlich eine 11 Meter Yacht, an der wir ewig dran sind. Segelt verdammt gut, das Teil. Andere Boote kommen in Sicht, die meisten aus Richtung Grena. Die Mannschaft wird unruhig. Bekommen wir noch einen Platz in dem in der Regel im Sommer übervollen Hafen? Der Skipper ist sicher: Klar, irgendwas geht immer.

Nun, wir tricksen. Wir umfahren nicht die weiträumigen Flachs, wir gehen mit direktem Zielkurs auf die Hafeneinfahrt darüber. Als wir das Groß bergen sehen wir mal kurz 2,60 Meter auf dem Lot. Na ja, das ist wirklich wenig. Aber unter uns. Stehen könnte man immer noch nicht. Alle anderen gehen weit umzu und so laufen wir alleine in den Hafen ein. Sieht nicht wirklich voll aus. Die Mannschaft ist erleichtert.
Der Skipper auch, hat man doch mittlerweile Schilder angebracht, welche Bootslänge wo hin soll. Da, wo wir hin sollen ist Platz, eine Heckboje schwimmt da auch noch rum und los gehts. Wie immer bisher, mit dem Heck an Land. So wird die Heckboje zur Bugboje. Das Manöver klappt exzellent und in einer Art Großzügigkeit lasse ich den herbei geeilten Helfer die Luv-Heckleine um den Poller legen. Hätte ich auch selbst hin bekommen. Aber, na ja. Bei allem Vorsatz zum selber können muss man ja die Helfer nicht vor dem Kopf stoßen.

Wir sind fest und das erste Anlegerbier ist schon im Hals, da kommt eine 55 Fuß Halberg Rassy aus Norwegen. Auch zwei Personen an Bord. Sondiert die Lage, will neben uns. Viel Platz und gleich noch zwei Bojen frei. Doch schon beim ersten Anlauf wird klar, das die beiden neu im Geschäft sind. Der Skipper peilt zwar eine Boje an, seine Mannschaft soll den Riesendampfer mit dem Bootshaken dran fest halten. Nun, wer außer dem unheimlichen Hulk hält schon geschätzet 25 Tonnen mit der Hand fest? Im zweiten Anlauf werden mehrere male die Bojen überfahren und ich rufe den Norweger, hoch oben über allem sitzend und nichts ahnenden, an und teile ihm meine Sorge um seinen Propeller mit. Er gibt zu verstehen, das er dieses Mooringsystem nicht kenne und ich rufe zurück: Kein Problem: Platz genug, Zeit genug, kann nix passieren.
Anlauf drei und vier misslingen auch. Kommt ein Dingi vorbei, fädelt die Leinen in die Bojen ein und spielt auch noch Bugsierschlepper, um den Dampfer in Position zu halten. Die Heckleinen gehen an Land und eigentlich ist alles klar. Doch dann fällt dem Skipper auf, das sie so nicht an Land kommen können: In den riesigen Davits am Heck hängt ein riesiges Dingi, voll Wasser gelaufen im übrigen. Also helfen wir auch noch beim zu Wasser lassen des Dingis und nun endlich ist auch dieser Supertanker fest.

Der Norweger berichtet, er sei früh´ am Morgen aus Kopenhagen aufgebrochen und habe uns lange auf AIS verfolgt. Wollte uns überholen, hätte es wohl auch fast geschafft, wenn er über die Flachs hätte gehen können. Kopenhagen – Anholt in one go. Not bad, not bad!

Und weil wir Deutschen ja so gerne in Misserfolgen baden, Dinge schlechter machen als sie eigentlich sind, endlos klagen auf dem höchsten aller Nivaus bespreche ich in aller Ruhe mit meiner Mannschaft, was aus meiner Sicht bei dem Norweger alles schief gegangen ist und weise eindringlich darauf hin, das meine Mannschaft im ersten Anlauf die Leine selbst an die Boje bekommen hat und wir völlig ohne Probleme, 30 Minuten zuvor, das Boot fest bekommen haben. Wir können das. Wenn wir uns konzentrieren, mitdenken und aufpassen.

Der Abend ist malerisch schön, jedenfalls wenn der Wind auf der Hafenmeile ein wenig von den Gebäuden abgedeckt wird.

Der folgende Tag besteht aus Schrauben, Schrauben und nochmals Schrauben. Kann man im aktuellen Lagebericht nachlesen. Ferner bietet die Außenwelt Starkwind, Regenschauer und Nieselregen. Erst am frühen Abend klart es etwas auf, die Schrauberei hat ein Ende und flanieren wieder am Fähranleger. Schon schön hier, auch wenn es sich schwer nach Herbst anfühlt.

Die Vorhersage für den folgenden Tag verspricht optimalen Wind für den Schlag nach Laesö. Wieder viel Wind, aber was soll das?

Es ist in Wirklichkeit doch so: Der viele Wind macht dem Stormvogel nichts aus. Entsprechend gerefft und getrimmt läuft er beruhigend stabil. Nur die Hafenmanöver in den engen Boxengassen und Fahrwassern machen bei viel Wind Streß.

Aber da kann das Boot nix dafür.

Das gehört ja auch nicht hier hin.

Peter.

P.S.: Keine Bilder. War irgendwie nix mit fotografieren. Noch nicht mal ein Liegeplatzbild. Wie doof. Entschuldigung.

Tag 26, Helsingör

Rödvig ist ja ganz nett, aber eigentlich wollen wir weiter.

Die Coronasituation im Großraum Kopenhagen ist uns unklar. Eine weitere touristische Höchstleistung erscheint uns nicht notwendig. Also ist der Plan, die Kogebucht in Richtung Nord-Nord-Ost (NNE) zu überqueren und dann am Rande des westlichen Fahrwassers den Öresund mit strammen Nordkurs zu durchlaufen. Gut 52 Seemeilen.

Raus aus dem Hafen, Segel setzten, das Groß bereits im ersten Reff und los gehts ohne Welle wegen der Landabdeckung um das Kap Stevens herum. Läuft super, aber der Skipper bereitet die Mannschaft darauf vor, das es so nicht bleiben wird.

Ein paar Boote laufen mit uns, ein paar Boote kommen uns entgegen. Die Welle nimmt stetig zu, die Böen auch. Irgendwann reicht es uns wir legen mal kurz das zweite Reff ins Groß ein. Das Manöver klappt sehr gut, obwohl wir es schon lange nicht mehr unter solchen Bedingungen durchgeführt haben. Und wie immer: Die Fahrt geht kaum runter, dafür hauen uns die Böen nicht mehr so extrem auf die Steuerbordbacke.

Dragör, der Flughafen von Kopenhagen, das Fahrwasser nach Kopenhagen und schließlich die zehn Windräder an Backbord gelassen, auf den Nordkurs nun immer um Höhe kämpfend, damit wir nicht als Geisterfahrer im Fahrwasser der Frachter landen.

Ab der Ruineninsel Middelgrunden Fort wird es unangenehm. Der Westwind hat aufgefrischt und etwas zu Nord gedreht, die Welle ist sehr kurz und oft steigt eine mal über den Bug ein und am (sagen wir mal) unschönsten sind nun die Böen von um und bei 30 Knoten, die uns manchmal so auf Steuerbord drücken, das das Gangbord im Wasser ist. Irgendwann nervt es und wir reffen das Yankee. Im Nachhinein betrachtet hätte man durchaus auch das dritte Reff ins Groß setzen können. Wir versuchen, dichter unter Land zu kommen, doch bei dem daraus folgenden am Wind Kurs verlieren wir Fahrt und geben diesen Versuch der Segelkomfortverbesserung wieder auf. Hilft alles nix. Das Boot läuft, der Kurs steht und am Nachmittag kommt die Burg von Helsingör endlich in Sicht.

Und die Schnellfähren.

Da der Yachthafen direkt hinter der Burg liegt bergen wir die Segel vor der Burg – und vor den Schnellfähren und laufen die eine Meile unter Maschine um die Ecke. Strom und Welle nerven, bei Einfahrt in den Yachthafen setzt der Strom so stark quer, das wir ordentlich vorhalten müssen. Endlich drin und schon auf den ersten Blick stellen wir fest, das es hier voll ist. Sehr voll. Der Wind heult ohrenbetäubend in den vielen Masten, der Himmel ist dicht Wolkenverhangen aber es gerade noch so trocken. Bereits am Eingang zum Hauptfahrweg liegen die Boote im 4er Päckchen und machen das Fahrwasser schon am Anfang sehr eng. Also erst mal rein und weiter drinnen nach einem Liegeplatz suchen. Doch das wird nichts. Die Boote liegen kreuz und quer, jedes Fleckchen mit Landzugang ist belegt. Die wenigen freien Boxen sind alle viel zu eng – steht auch im Hafenhandbuch: Der Yachthafen von Helsingör “glänzt” mit vielen viel zu engen Liegeplätzen. Also wenden und wieder raus…

…ganz auf Anfang zur Einfahrt. Vielleicht irgendwo als Dritter ins Päckchen? Da bemerken wir einen großen Stahldampfer der längsseits quer an der Nordmole liegt. Komisch, wieso liegt der verlassen wirkende Segler alleine? Egal. Fender raus, Spring vorbereiten und der Mannschaft eingeschärft, wie wichtig es bei dem querab setzenden Wind ist, unsere kurze Spring auf seine Mittelklampe zu bringen. Mit großer Vorsicht, aber auch mit guter Fahrt kommt der Stormvogel längsseits und fast hätte das Manöver auch geklappt. Fast. Doch die Leine kommt nicht rüber, wir vertreiben wieder und müssen in einem großen Bogen einen neuen Anlauf nehmen.

Cafe Kaiser: Bestes Frühstück der Welt!

Was ist schief gegangen?

Die Klampen des anderen Dampfers werden durch ein Süllbord leicht verdeckt und zu allem Überfluss läuft noch eine gespannte Reffleine direkt daran vorbei. Da hätte die Mannschaft Zeit zum tüddeln gebraucht – die der Skipper ihr bei dem Wind nicht geben konnte.

Zweiter Anlauf: Der Skipper bringt den Stormvogel nicht nah´ genug heran und wir vertreiben viel zu schnell. War ja klar. Der zweite Versuch geht immer schief.

Wieder die große Wenderunde, zum Glück immer über Steuerbord, denn das mag der Stormvogel lieber. Doch immer müssen wir das Boot auf engem Raum einmal durch den Wind bringen.

Der Skipper beruhigt sich selbst, aber auch die Mannschaft: Wir können das. Wir haben schon ganz andere Anleger hin bekommen. Wir können so oft wiederholen, wie wir wollen.

Doch beim dritten Anlauf stehen mit einem mal zwei Männer auf dem anderen Dampfer und wollen helfen. Wie freundlich!

Während ich im Regelfall Landhilfe ablehne (…weil nur Übung den Meister macht und man zu zweit den eigenen Dampfer ja wohl alleine anbinden kann) freue ich mich wirklich. Das Manöver mit der Mittelspring kennen sie, drücken die von der Mannschaft übergebene Leine auf die Mittelklampe und wir sind dran. Ein wenig tüddel mit der Vorleine weil ein Dingi immer zwischen die Boote gerät und dann sind wir schließlich fest.

Die Helfer stammen von zwei deutschen Motorbooten (!) die uns beobachtet haben. Danke!

Unser Päckchenpartner ist offenbar schon lange nicht mehr in Fahrt. Zwar gut in Farbe, aber keine Segel angeschlagen, Blumenkübel am Heck. Kein Mensch zu sehen.

Nun, ist auch egal. Der Wind kann heulen wie er will, wir sind fest und Morgen kommt ein neuer Tag.

Wir bleiben drei volle Tage auf unserem Platz. Neben einer großen Schrauberei und dem Besuch der wunderschönen Innenstadt lässt der nördliche Wind und Sprühregen sowieso keine Weiterreise zu. Am zweiten Tag hätten wir Mittags vorholen können, weil einige Boote Südgehend auslaufen. Doch das wäre unsinnig, am Abend liegen alle wieder in 3er Päckchen.

Peter.

P.S.:
Unmittelbar vor der Burg liegt der Stadt- oder besser jetzt Museumshafen. Ein großes Schild an der Hafeneinfahrt weist darauf hin, das hier nur Boote ab 50 Fuß einlaufen dürfen. Das hatten wir beim Passieren auch registriert, doch wollten wir den Regeln folgen. Hätten wir in Yachthafen von Helsingör wirklich nichts gefunden, wären wir wohl in den (wie sich später heraus stellte) gähnend leeren Museumshafen eingelaufen. Es bleibt ein kleines Rätsel, warum dieser Hafen nicht für Transitboote ausgebaut wird. Platz ist genug vorhanden.

Zur Lage XXXVIV

Seit mehr als 24 Tagen unterwegs und noch kein Lagebericht?

Kann doch nicht sein. Es ist doch ein Boot! Auf einem Boot passiert immer was! Auf einem Boot geht immer (jedenfalls, wenn es in Fahrt ist) was kaputt!

Aha. Wenn das so ist und jetzt ein Lagebericht kommt, dann ist wohl was kaputt!

Na ja, so platt kann man das nicht sagen. Wie immer muss eine jede Wahrheit differenziert dargestellt werden. Und selbst dann kann man ja mittlerweile bezweifeln, ob eine Darstellung der Wahrheit überhaupt der einen, unzweifelhaft richtigen Wahrheit entsprechen kann.

Wahr oder Falsch?

Schon länger, eigentlich schon seit den ersten Seetagen beobachten wir eine kleine, eine sehr kleine Menge von Seewasser in der Maschinenraumbilge. Vielleicht 100 oder 200 Milliliter. Immer fein aufgewischt, immer fein beobachtet. Keine Ursache erkannt, aber gedanklich über die Tage immer mehr auf eine kleine Leckage im Seewasserkreislauf der Maschine eingeschossen. Die Indizien:

  • Im Hafen kein Wasser
  • Wasser immer nach Maschineneinsatz
  • Mehr Meerwasser, wenn die Maschine mehr Last hatte

Da wir ja nun auf unseren dritten Reiseabschnitt gen Norden ins Kattegatt wollten, kamen Skipper und Mannschaft in Rödvig überein, endlich die genaue Ursache finden zu wollen. Schließlich kann aus einem kleinen Leck immer auch ein größeres werden. Man stelle sich einen seewasserführenden Gummischlauch vor, der an der Schlauchschelle altersbedingt eingerissen ist und im Moment nur leicht tropft…bis der Riss sich unter Last auf einmal weiter öffnet und das Seewasser nicht mehr zirkulieren kann. Zwei Probleme würden folgen: Die Maschine würde überhitzten und wir hätten unkontrollierten Wassereinbuch im Maschinenraum.

Nix gut. Unbedingt vermeiden!

Einmal mehr die Maschine inspiziert. Diesmal als einzigen Tagesordnungspunkt. Mit dem großen Schminkspiegel und Taschenlampe alle seewasserführenden Schläuche in aller Ruhe angesehen. Mit der Hand alle Schlauchschellen ertastet. Letzteres unter Aufgabe einer unversehrten Haut an Hand und Unterarm, denn die Schläuche liegen zwar alle gebündelt an der Backbordseite, doch sämtlich unter dem Wärmetauscher und somit schwer zugänglich.

Nichts, gar nichts. Keine Laufspur, kein getrocknetes Salz, keine Spur.

Maschine an, im Leerlauf auf 2.000 Umdrehungen 30 Minuten laufen lassen. Die Nummer mit dem Schminkspiegel wird nun schwieriger, muss man doch höllisch aufpassen, damit nicht in den rotierenden Keilriemen zu geraten.

Nichts, gar nichts.

Kann ja wohl nicht sein!

Maschine aus. So kommen wir nicht weiter. Kontroverse Diskussion zwischen Mannschaft und Skipper. Externe Hilfe während einer Reise war bisher in der Regel nie so richtig erfolgreich. Doch der Skipper, ganz der erfahrene Projektmanager, besteht darauf.

Zuvor aber noch selbst das Schnüffelventil des Schwanenhalses überprüfen. Vielleicht ist da ja was nicht in Ordnung? Auch (mal wieder) nicht so leicht erreichbar, aber der Skipper bekommt es ab, inspiziert das winzige Jokerventil, findet aber bis auf ganz wenig Ablagerungen nichts. Zusammenbauen. Das war also auch wieder nichts.

Also externe Hilfe suchen.

In Rödvig gibt es eine relativ große Werft, nach kurzem herum fragen findet der Skipper den Motorenmann und der kommt, zum Erstaunen des fragenden, sofort mit an Bord des Stormvogels. Der Herr mittleren Alters spricht leider weder Englisch noch Deutsch, wir (bekanntlich) kein Dänisch. Und so untersucht der die Maschine, versucht den Kühlkreislauf nachzuvollziehen und findet – nichts.
Der Skipper möge bitte die Maschine starten. Gute Idee. Nach ein paar Minuten kommt er strahlend aus der Achterkajüte wieder heraus und meint, Maschine aus, er habe das Leck gefunden!

Klasse! Super, Astrein!

Wo, wo bloß?

Er zeigt mir den Schwanenhals und die Schraubverbindung des Schnüffelventils. Alles nass.

Der Skipper schweigt stille. Deprimiert über diese eigene grandiose (nicht)Leistung. Was für eine Niederlage, was für eine Schmach.

Der Mechaniker schraubt das Schnüffelventil richtig zusammen und ist zufrieden über seine Leistung. Der Skipper signalisiert gespielte Zufriedenheit und ist froh´, als der Mechaniker unter Einstreichung eines angemessenen Lohnes für eine Stunde Arbeit das Boot verlässt.
Das Sprachproblem, der Habitus des Mechanikers und der selbst gebaute Fehler lassen den Skipper erkennen, das er so nicht weiter kommen wird.

Die Fakten:

  • Die Maschine sieht trocken aus
  • Eine Ursache für das Seewasser in der Bilge ist nicht erkennbar
  • Es ist so wenig Wasser, das man daraus wohl kein Drama machen sollte

Die Entscheidung liegt auf der Hand: Weiter fahren und vor allem weiter beobachten!

Die Reise von Rödvig nach Helingör ist rauer, im letzten Drittel sogar viel rauer als gedacht. Die Maschine brauchen wir nur zum Aus- und Einlaufen, in der schrecklichen Enge des Yachthafens von Helsingör und dem vielen Wind muss die Maschine bei den Wenden in den engen Boxengassen öfters mal auf eine hohe, sehr hohe Drehzahl.

Als wir am nächsten Tag die Bilge untersuchen, sind wir beide frustriert. 8-10 Liter holen wir heraus. Das ist viel. Das ist richtiger Mist!

Die Maschine wieder mit dem Spiegel abgesucht, wieder keine Spur.

Da hilft alles nichts. Spätestens jetzt ist Telefonjoker Wolfgang gefragt. In einem langen Telefongespräch wird die Situation erörtert, Prüf- und Testverfahren besprochen und vor allem die Wichtigkeit der Ursachenfindung fest gestellt.

Entsprechend motiviert geht es wieder in die Motorbilge.

Doch was ist das?
Fragt die Mannschaft.

Ja, was ist denn das?
Wieso steht denn da vorne schon wieder eine kleine Mini-Pfütze?

Wir hatten die Bilge doch gestern trocken gelegt?
Da kann so eine Minipfütze ja nicht einfach vom Himmel fallen?
Schon gar nicht vor der Maschine!
Wenn, dann unter oder (weil der Stormvogel achterlich getrimmt ist) hinter der Maschine. Aber doch nicht davor?

Und nun sind wir wieder bei der Wahr oder Falsch Frage.

Was ist die Wahrheit, was ist Irrglaube, was ist Fehleinschätzung? Was ist eine Verdrehung von (vermeintlichen) Tatsachen?

Ab wann verrennt man (im speziellen der Skipper) sich in eine Idee?

Die Mannschaft will wissen, wieso das Wasser vor der Maschine steht. Der Skipper gibt an, das es da vorne eine von oben nicht sichtbare Verbindung zur Wassermacherbilge gebe, aber der Wassermacher könne es nicht sein, da dessen Seeventil seit Reisebeginn geschlossen sei.

Dennoch:
Wassermacherbilge aufmachen und mit der Taschenlampe in Ruhe genauestens inspizieren. Alle Schläuche sehen gut aus, da tropft nix. Das Boot wird im Hafen von Helsingör durch den Wind ganz gut durchgeschüttelt. Da, die Mannschaft bemerkt es schon wieder zu erst: Eine ganz kleine, eine ganz zarte Laufspur auf der Bordwand! Eher eine Reihe von Tropfen als ein Bächlein.

Trotz intensiver Suche: Die Quelle ist nicht zu identifizieren. Vermutlich irgendwo unterhalb des aus Holz gebauten Fundaments des Wassermachers. Im Skipper baut sich ein innerer Widerstand auf: Das Teil will (muss?) ja wohl nicht ausgebaut werden?

Anruf bei Telefonjoker Wolfgang: Erleichterung, das endliche eine heiße Spur gefunden wurde und das die Maschine wohl gar nicht die Ursache ist. Und die klare Ansage: Kann ja wohl kein Problem sein, den Wassermacher auszubauen, oder?

Na ja, irgendwie ist der ja auch da rein gekommen und irgendwie werden wir wohl an die Montageschrauben kommen und irgendwie bekommen wir auch die umfangreiche Elektrik abgeklemmt. Der innere Widerstand bröckelt, die Mannschaft ist hoch motiviert. Das steckt an!

Mittlerweile sind wir seit gut 8 Stunden auf Fehlersuche. Gegen 15:00 Uhr legen wir los, gegen 16:30 Uhr ist das Monster draußen und das Fundament demontiert. Nun haben wir einen klaren Blick auf die Quelle der Tropfenspur und stellen erleichtert fest: Kein Leck der Bordwand, kein verdeckter Schlauch defekt, keinde diffundierende Schweißnaht. Das Wasser kommt innerhalb eines Spantabschnitts von oben. Von oben, von oben!

Da ist ein Borddurchlass. Genau einer. Gerade so über der Wasserlinie. Das Teil ist der Auslass des Wassermachers. Da kommt die Salzlake heraus, die der Wassermacher im Betrieb übrig lässt, nachdem er das Frischwasser über eine andere Leitung abgeführt hat.
Der Wassermacher wurde 2012 in der Karibik eingebaut. Das Loch für den Auslass wurde dort gebohrt und der Auslass ordentlich verschraubt und verklebt. Wir können das Teil nicht richtig sehen und nur ertasten. Keine Spur von Wasser oder Salz. Nichts wackelig. Angeschlossener Schlauch OK.

Ist dieser Borddurchlass wirklich die Ursache für das Seewasser in der Motorbilge?

Die Fakten:

  • Auf der Reise von Stralsund nach Rödvig lagen wir kaum auf der Backe, bei dem wenigen Wind eher aufrecht gesegelt
  • Auf der Reise von Rödvig nach Helsingör lagen wir ordentlich, in den Böen auch sehr ordentlich auf der Backe. Die ganze Zeit. Der Borddurchlass war vermutlich über eine Zeit von 8 Stunden gut einen Meter unter Wasser.

Könnte sein, könnte sein!

Der Dampfer sieht innen aus wie eine Kombination aus Lager und Werkstatt. Mittlerweile ist es nach 18:00 Uhr.

Mit einer Armverlängerung stopfen wir ordentlich viel Löschpapier (in Form von Küchenrollenpapier) in die Umgebung des Borddurchlasses. Wir räumen den Dampfer wieder ein und achten dabei darauf, das wir den Borddurchlass einfacher auch während der Fahrt erreichen können.

Über 12 Stunden Arbeit. Zu zweit. Also eher 24 Stunden.

Doch wir werden belohnt. Zwei Tage später. Auf der Reise von Helingör nach Anholt geht es zwar nicht ganz so doll zur Sache, wie auf der Reise zuvor, doch wir liegen wieder gut auf der Steuerbordbacke und unmittelbar nach dem Festmachen auf Anholt stellt der Skipper fast schon freudig fest: Das Löschpapier ist klitsche Nass!

Nun, die Ursache für das Seewasser in der Maschinenraumbilge ist eindeutig gefunden.

Man muss trotz allem auch das positive sehen. Nur so kommt man weiter.

Bereits in Helingör, also vor der Beweisführung, wurden mit Wolfgang Möglichkeiten einer möglichen Notreparatur erörtert. Denn natürlich ist es zu vermeiden, das Boot vor dem Winterlaqger auf der Durchreise aus dem Wasser holen zu müssen.

Die Lösung in Kurzform: Skikkaflex und Klebefolie.

Wäre da nur nicht das aktuelle Schmuddelwetter auf Anholt. Doch es nützt ja nichts.

Dingi aufbauen, ins Wasser längsseits an der Baustelle fixieren. Reinigungsmittel, Sikka, Spachtel, Schere, Klebefolie und Einmalhandschuhe bereit legen und los geht es. Wir haben Glück, das der starke Wind das Boot nach Backbord krängt und so die Unterkante des Borddurchlass ca. 5 Zentimeter oberhalb der Wasseroberfläche liegt. Wellenschlag durch das Dingi ist zu vermeiden.

Die Außenseite des Borddurchlasses ist schnell gereinigt, dick mit Sikka eingestrichen und kurz vor dem einsetzenden Nieselregen gelingt es auch noch, die Baustelle großflächig mit der Klebefolie abzukleben.

Das war Teil 1. Außen.

Innen folgt Teil 2. Mittels Finger der Mannschaft und Spachtel wird über eine halbe Tube Sikkaflex um den Borddurchlass geschmiert – viel besser geht es nicht und es geht hier ja auch nicht um Schönheit, sondern um Dichtigkeit. Und nur darum.
Eine ähnliche Aktion hatten wir ja mal 2012 auf dem Atlantik: Da war ein Borddurchlass eines Tankverschlusses an Deck undicht. Von außen konnte man damals nicht arbeiten, aber von innen haben wir den Durchlass so eingekleistert, das es für den Rest der ganzen Reise dicht blieb (…und erst beim Refit 2016/2017 ordentlich behoben wurde).

Mit dem guten Gefühl, etwas verbessert zu haben machen wir uns einen Tag später auf nach Läsö, wieder mit ordentlich Wind und Steuerbord Lage. Nach Ankunft ist das eingebrachte Löschpapier trocken, die Bilgen auch. Allerdings ist die in Anholt noch bombenfest sitzende Klebefolie verschwunden. Der Sikkapfropf sitzt aber noch.

Also haben wir erst mal zunächst das Problem gelöst. Mit telefonischer Hilfe von Wolfgang. Aber mit ohne Mechaniker, die auf durchreisenden Booten keine Lust haben.

Könnte sein, das wir vor diesjährigem Reiseende da noch mal ran müssen. Kann aber auch sein, das dieser Flicken noch vier bis sechs Wochen hält.

Jetzt wissen wir ja, wo wir suchen müssen.

Peter.

P.S.: Es gibt noch weitere kleine Bootjobs. Mal sehen, ob sich daraus ein weiterer Lagebericht ergibt 😉

Tag 24

Der Plan war:

Nachmittags Stralsund verlassen und auf das Ankerfeld vor Barhöft zu gehen, dort grillen, übernachten und am frühen Sonntag Morgen die gut 50 Meilen nach Rödvig überzusetzten, da ab Mittags der Wind einschlafen solle.

Man achte auf den Bootsnamen!

Guten Ankerplatz gefunden, der Haken direkt drin, Grill an und den ersten ruhigen Abend seit einer guten Woche eingeläutet. Wie schön!

Ein Blick aufs Wetter. Muss sein, wenn man auf einem Boot lebt: Huch, jetzt ist für Sonntag gar kein Wind mehr angesagt, aber in dieser Nacht sähe es noch gerade so gut aus. Das passiert bei der Wettervorhersage ja oft: Zeitliche Verschiebung, früher oder später.

Der Plan beginnt zu bröckeln.

Erst mal Essen. Herrlich. Die Abendsonne im Westen klar im Blick, eine leichte Ostbriese, Ruhe und Geborgenheit. Während wir essen kommen noch ein paar mehr Ankerlieger und einige legen sich verdächtig nahe an andere, aber uns geht es gut. Auch nach dem Essen. Beim Spülen dann:

Was wäre denn, wenn wir einen Übernachter aus dem anstehenden Schlag machen? Wetter optimal. In dieser Nacht nur. Tagsüber nicht mehr. Bleibt lange hell und wird früh hell.

Na ja. Man müsste mal ´ne Kanne Kaffee kochen, Nachtfutter in Form von Schokolade und Keksen ist genug an Bord und bis auf die Überquerung des östlichen Endes der Kadetrinne auch kein Hauptschiffahrtsweg zu queren.

Na denn.

Neuer Plan.

Seeklar machen und los gehts. Direkt nach Anker auf setzen wir im Fahrwasser Vollzeug und verlassen den Bodden gegen 20:30 Uhr. Ein paar andere Boote haben offenbar den gleichen Gedanken und so sind wir vier oder fünf Dampfer im Fahrwasser nach Norden. Der Skipper gibt sich Mühe mit der Segelstellung und wir überholen alle im absolut ungewohnt spiegelglatten Wasser der Ostsse. Alle. Also wirklich alle. Alle alle. Auch den riesen-Charter-Dampfer mit 6 Kerlen an Bord die ihre Segel viel zu dicht getrimmt haben und die ewig lange in Stralsund beim Hafenmeisterbüro lagen. Auch die. Man lernt nie aus und freut sich über Lernerfolge. Immer noch.

Wir zählen über 20 Boote die auf der Westseite von Hiddensee ankern. Klar, bei dem Ostwind geht das und Morgen soll die große Flaute sein. Dennoch. Selten exponierter Ankerplatz. Der STORMVOGEL läuft und läuft und der Skipper rechnet schon. Oh Mist, bloß nicht zu früh´ ankommen. Doch die Sorge ist natürlich unbegründet. Erstmal den weit auf See liegenden Windschatten von Hiddensee abbummeln, drei, dreieinhalb, ganz selten mal vier Knoten. Besser Knötchen. Geht aber, weil es absolut keine Welle gibt und die Segel nicht wie sonst üblich schlagen.
Irgendwann laufen wir für eine Stunde unter Maschine, weil wirklich gar nichts mehr geht. Dann auf einmal wieder 10 Knoten Wind und der Brüllaffe wird gnadenlos abgestellt.

Es wird dämmrig und schummrig, aber nicht richtig dunkel. In der Kadettrinne ist die Hölle los, aber die von West kommenden Frachter machen uns keine Probleme, auch wenn sie auf eine Seemeile heran kommen. Doch aus Ost kommt so ein tiefgangbehindertes Monstrum schnell auf und wir fahren einen Riesen Schlenker um ihn hinter seinem Heck zu passieren. Dieses AIS ist schon eine tolle Sache, schade nur, das es für Yachten immer noch nicht vorgeschrieben ist. Damit kann man ganz hervorragend die Situation am Bildschirm abschätzen und seine Manöver genau absetzten.

Nun, irgendwie hat das mit der Wacheinteilung nicht geklappt. Die Mannschaft pennt immer noch in der Seekoje und wird einfach nicht von alleine Wach. Der Skipper wittert Betrug, findet jedoch keinen Gesprächspartner um seinen Verdacht äußern zu können. So eine wieder erlangte Zweisamkeit hat auch Nachteile.

Kurz vor Mön kommen von Backbord gleich drei Schwedenfähren auf und bleiben eisern auf Kurs. Wie angetackert. Laut AIS 800 Meter Abstand, na ja. Man kann sie klar sehen und weiß wo sie hin wollen. Es wird bereits wieder hell, auf UKW Funk versucht ein Guardvessel (Sicherungsfahrzeug) einen ebenfalls nordgehenden Segler ohne AIS davon abzuhalten, in die Windparkbaustelle Kriegers Flak einzufahren. Der Segler reagiert aber nicht. Wir sind nicht gemeint. Zu weit weg und durch unser aktives AIS könnte der Funker uns auch direkt mit Namen ansprechen. Diese Windparkbaustellen sind eine Pest. Doch wie heißt es so schön? Einen Tot muss man sterben. Wie wahr.

Eine gute Stunde vor Rödvig auf Stevns Klint ist der Wind endgültig weg und das Monster im Keller muss wieder ran. Gegen 8:00 Uhr am Sonntag Morgen kurven im Yachthafen herum. Brechendvoll, 5er Päckchen. OK, wirklich keine gute Uhrzeit zum ankommen.

Ganz schlechter Stil des zu Gast befindlichen Deutschen Skippers im fremden Hafen: Die auserwählte Box ist mal wieder zu klein und ob der vielen Bugstrahlmanöver dürfte nun jeder der zahlreich anwesenden Dänen wirklich wach sein. Oh, wie peinlich. Die Müdigkeit hat wohl einen klaren Gedanken behindert.

Ab in den Fischereihafen und da geht doch gerade ein Däne aus einer breiten Box raus, wir rein und schwups, Übernachter erfolgreich beendet.

Allerdings, so ein spontaner Übernachter fordert seinen Tribut. Immer. Nix ist umsonst. Den ganzen Tag hängen wir durch – wir! Und das, obwohl die Mannschaft sauber den Trip verpennt hat und nur mal eben locker zum Festmachen an Deck erschienen ist. Aber das kennen wir von früher. Die Anspannung bleibt, auch im Schlaf. Erst nach drei, vier Tagen kommt die Routine und die Nachtruhe.

Früher war Rödvig ein sehr geschäftiger Fischereihafen. Das ist wohl etwas zurück gegangen, dafür liegen jetzt gleich vier Windpark-Crewfähren an der Kai. Während der Skipper sich durch die Manövierfähigkeit dieser Boote beeindrucken lässt, schießt ihm die Ironie durch den Kopf: Die Dampfer brauchen mordsmäßig viel Diesel, um mit über 20 Knoten die Servicetechniker zu den Baustellen zu bringen. Um dann irgendwann einmal saubere Energie zu erzeugen.

Und weil Fahrtensegeln auf den ersten Blick doch viele Gemeinsamkeiten mit Wohnmobilreisen hat, gibt es jetzt überall an den Häfen ausgewiesene Stellplätze für die Raumschiffe zu Land. Man teilt sich Duschen und WC, sogar den eisernen Hafenmeister in Form eines Automaten zum bezahlen.

Nun, Rödvig ist ein geschäftiges Tourinest. Erst Recht an einem Sonntag. Erst Recht an einem Sonntag in den Dänischen Sommerferien. Wie schön, wieder in Dänemark zu sein!

Warum?

Weil offenbar nur hier in Dänemark die wahre Schönheit des STORMVOGELS den vorbeilaufenden Menschen auffällt und diese spontan zu “was für ein schönes Boot!” Bemerkungen hingerissen werden.

Ja, finden wir auch!

Peter.

Tag 15 bis 23 oder so

Gar nicht so leicht, die Tage zu zählen.

Auch egal. Die Gäste treffen Freitags planmäßig ein und ob der abliefernden Begleitpersonen sind wir auf einmal 10 Personen an Bord. Im Hafen zu Stralsund, im Regen. Unter Deck, wohl behütet und von der Mannschaft gut bekocht.

Mit einer durchaus frischen Briese brettern wir tags darauf im Fahrwasser gen Norden. Das Ziel ist Vitte auf Hiddensee. Zum Glück regnet es nicht mehr, doch es ist sehr anstrengend dem Fahrwasser zu folgen. Viele Tonnen, viele andere Boote und das Wissen um das flache Wasser zu beiden Seiten sorgen für ein wenig Stress beim Skipper. Am frühen Mittag erreichen wir den Yachthafen Langer Ort und finden einen guten Platz. Bettenwechsel auf dem Wasser. Die Horde mitreisender Jungendlicher stürmt an den Strand, der Wind sorgt für tolle Brandungswellen.

Doch es bleibt der Jugend vorbehalten, auch wirklich ins Wasser zu gehen. Die Stamm-Mannschaft versucht den Skipper mit provozierenden Sprüchen á la “…früher wärst Du einfach rein gegangen” zu einem unnötigen Kälteschock zu überreden. Dabei ist gar nicht klar, wann genau der Kälteschock einsetzten würde. Bereits beim Entkleiden am Strand, weht doch eine durchaus steife Briese, oder doch erst beim Eintauchen in das Nass?

Der Skipper bleibt standhaft, wie immer. Wir bleiben ja noch ein paar Tage. Gelegenheit genug. Vitte ist durchaus ein echter kleiner Urlaubsort und so vergnügen sich die Gäste auch mal ohne die Erwachsenen. Möglicherweise war die kleine Wanderung zum Leuchtturm im wahrsten Sinne des Wortes wegweisend. Beschäftigt ihr euch nicht selbst, beschäftigt euch der Skipper.

Vier Strand- und Urlaubstage später gehts im Regen weiter. In den Jasmunder Bodden nach Ralswiek. Es nieselt, doch es weht eine leichte Briese und wir können fast die ganze Strecke im Fahrwasser mit dem Vorsegel segeln. Manchmal ganz, ganz langsam. Der Großteil der Gäste lungert unter Deck herum und hat keinen Blick für die herrlich leere, stille Landschaft.

Wir wussten vorher, das es in diesem Jahr keine Störtebecker Festspiele in Ralswiek gibt. Der Hafen ist bis auf ein paar Dauerlieger nahezu gähnend leer. Das Augenmaß des Skippers wird offenbar durch den Regen getrübt und so fehlen ca. 10 Zentimeter zwischen den Festmacherpfählen der Box der ersten Wahl. Da die aus ummantelten Beton bestehen hilft auch kein Drücken. Egal, gibt es doch genug andere Boxen.

Deutlicher als in Ralswiek kann man wohl kaum die Auswirkungen der Coronabeschränkungen erleben. Es laufen zwar ein paar vereinzelte Touristen herum, doch eigentlich ist der Ort selbst nur noch eine Coronakulisse. Tragisch und Schade, hätten wir doch gerne wie viele andere auch eine Show besucht.

Ein Teil, genauer gesagt 50% der Jugendlichen mustert hier ab und wir machen uns Freitags auf den Rückweg nach Stralsund. Zunächst üben wir noch ein wenig Kreuzen auf dem Jasmunder Bodden. Besser als hier kann man wohl kaum ein Hochseeboot Segelanfängern näher bringen. Überall gut 6 Meter Wasser, Raum genug und auch bei viel Wind nahezu keine Welle. Doch irgendwann ist das nördliche Fahrwasser erreicht und wir gehen für eine halbe Stunde unter Motor. Eine gut eingespielte Mannschaft hätte vielleicht diesen Abschnitt auch durchsegeln können, doch einmal mehr: Der Skipper fürchtet die Flachs.

Wie durch ein Wunder bekommen wir wieder einen guten Liegeplatz in Stralsund. Lag vielleicht daran, dass das Wetter besser wird und unglaublich viele Boote gen Norden, vermutlich Hiddensee, laufen.

Samstags Einkaufen (so lange noch ein Auto verfügbar ist), Abmustern und Boot ein- und umräumen.

Jetzt also wieder zu zweit.

In Stralsund hält uns nicht mehr und so gehen wir am Nachmittag unter Maschine im Fahrwasser zum Ankerplatz von Barhöft. Toller Platz, sechs andere Boote sind schon da…

…der Plan ist, hier zu übernachten. Doch was ist schon ein Plan?

Peter.

…neues von Familie, Segeln und Fotos