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T93-100, LYÖ,FAABORG,MARSTAL und LABOE

Die zweite Impfwoche zu Hause ging genauso schnell vorbei wie die erste, allerdings war es schon erstaunlich, wie auch bei mir die zweite Dosis ihre (besser: eine) Wirkung zeigte. Dank guter Pflege ging es dem eingebildeten Kranken auch schnell wieder besser. Schließlich musste ja zum Beispiel noch der Rasen gemäht werden.

REGINA MARIS, viel in der Ostsee unterwegs

Bemerkenswert an der für den Landurlaub notwendigen An- und Abreise ELMSHORN <-> GROSSENBRODE ist die Tatsache, das man in SCHLESWIG HOLSTEIN für 116 Kilometer Luftlinie an einem ganz normalen Werktag 3 Stunden Fahrzeit benötigt. Mit der Bahn. Mit dem Auto wäre es vermutlich nur unwesentlich schneller, vielleicht 2,5 Stunden. Wir müssen nur überall alle Verkehrsmittel so schlecht machen, dann wird das Fahrrad auch auf Langstrecke zur echten Alternative.

Lastensegler OBAN vor LYÖ

Zurück an Bord des STORMVOGELS:
Einkaufen und Boot klarmachen. Essen gehen am Abend fällt aus: Keines der örtlichen Restaurants (oder teilweise eher Essensplätze) hat Platz für uns. Zwei haben Ruhetag. Die Ruhe muss man erst mal haben.
Am nächsten Tag mit wenig angesagtem Wind gut 60 Seemeilen nach LYÖ. Immerhin 20 Seemeilen davon konnten wir segeln, doch wie immer, wenn die Fahrt unter 4 Knoten fällt, geben wir in der Regel das Segeln auf und schmeißen die Unterwassergenua an. Was für ein merkwürdiger Tag auf See! Diesig, milchiges Wasser, kaum Wind und um&bei Fehmarn viel Bootsverkehr.

Immerhin: Viele Seiten im Buch geschafft.

REGINA MARIS und LUCIANA vor LYÖ

Am frühen Abend erreichen wir den Ankerplatz von LYÖ und treffen dort wie geplant unsere Segelfreunde auf der ANICO. Und werden gemeinsam Zeugen eines kleinen Traditionssegler-Stelldicheins im Hafen von LYÖ. Anderorts läuft die KIELER WOCHE und irgendwo müssen die großen Dampfer wohl bleiben, wenn sie auf der KIELER FÖRDE nicht gebraucht werden.
Auf einem dieser alten, aber wunderschönen Dampfer ist offenbar eine spielfreudige Blaskapelle an Bord. An diesem Abend und am nächsten Morgen gibt es ein richtiges Hafenkonzert, das durch den leichten Wind in hervorragender Qualität zu uns auf den naheliegenden Ankerplatz herübergetragen wird. Unseren Applaus gegen die Windrichtung werden die Musiker leider wohl eher nicht gehört haben.

CATHERINA und LUCIANA vor LYÖ

Tags darauf eine ordentliche LYÖ Fahrradtour, wie es sich auf dieser Insel nun mal gehört. Abends gemeinsames Grillen am Strand mit einem katastrophalen Fehler: Wer Abends am Strand grillen will, sollte bekanntlich die Haut mit langen Hosen und Hemden so weit als möglich bedecken und mit jeder Menge Autan eingesprüht sein.

Ignoranten werden unweigerlich zum Opfer!

(Merke: Das war und ist schon immer so, nicht nur bei eventuell noch nicht erfolgten Corona-Impfungen)

Denn wie überall auf der Welt kommen die fliegenden blutsaugenden Monster in der Dämmerung aus ihren Verstecken und verlangen nach frischem Menschenblut. Nun, die Mücken von LYÖ werden an diesem Abend bei einem Festmahl am Strand ihre wahre Freude gehabt haben.

Der Skipper des STORMVOGELS hingegen ärgert sich so was von einen Wolf! Wie doof kann man denn bloß sein? Sämtliche Mückenabwehrmittel sind an Bord reichlich vorhanden. Wie es sich für einen Langfahrer auch gehört. Doch kaum lockt eine laue Sommernacht mit Freunden am Strand einer Insel in der (dänischen) Südsee ist es mit der Umsicht offenbar vorbei.

So ein Mist.

LUCIANA vor Buganker im Hafen von LYÖ

Obwohl nachhaltig! Der Skipper hat noch tagelang was von der unfreiwilligen Blutspende…

Die Freunde müssen Sonntags in Kiel sein und brechen Freitagmittag Richtung Süden auf, wir haben keine Lust auf den für Samstag angesagten Regen auf Anker und vorholen uns lieber in das 6 Seemeilen entfernte FAABORG. Da waren wir noch nie.

Kunst am Hafen von FAABORG

Der dortige Gasthafen im “Alten Hafen” bietet um diese Jahreszeit viel Platz, auch bei Ankunft an einem Freitag. Die großzügige Einkaufsstrasse ist an diesem Abend noch recht belebt und die Mannschaft schmiedet (natürlich) große Pläne für den Samstagvormittag.

Die mittlerweile obligatorischen Wohnmobile am Yachthafen von FAABORG

Und wie immer mit Wetterberichten. Der ganz viele Regen bleibt aus, in der Nacht kommt zwar was runter und der Himmel hängt tagsüber bedrohlich dunkel und tief über uns, aber in Wahrheit…

…ist die Luft sowieso raus und das unfreundliche Wetter wohl nur vorgeschoben. Klar, wenn man jetzt astreines Spätsommerwetter hätte, dann würden die letzten Tage an Bord wohl noch mal sehr reizvoll werden. Aber wenn man in der Woche die echten Sonnenstunden an zwei Händen abzählen kann, dann soll es wohl nicht mehr so sein.

In der Altstadt von FAABORG

Also Rückzug.

Sonntags durch das innere Fahrwasser zwischen den Inseln der dänischen Süddsee: AVERNAKÖ, DREJÖ und ÄRÖ. Unter Segeln. Immerhin. Aber auch anstrengend in diesem Flachwassergebiet. Als einmal 1,60 Meter unterm Kiel angezeigt werden ist der Skipper doch sehr irritiert. Mitten im Fahrwasser. Scheint wohl zu versanden?

In MARSTAL angekommen gehen wir noch nicht mal mehr in den Ort. Sonntag, später Nachmittag, so das Vorurteil, wird es da ganz schön tot sein.

Für Montag ist noch guter Segelwind für LABOE angesagt. Wir brechen um 0900 in MARSTAL auf und machen um 1330 in LABOE fest. Keine schlechte Segelleistung. Die Welle war auch OK. Die Sonne fehlte natürlich. Und die 20°C Lufttemperatur oder mehr auch.

Nun lassen wir hier in LABOE also unseren OSTSEE 2021 Törn nach 100 Bordtagen zu Ende gehen.

Immerhin, aber Sang- und Klanglos.

Peter.

P.S.: Wer sich für Traditionssegler interessiert: Hier die hochauflösenden Galeriebilder – Details durch hineinzommen…

STORMVOGEL im Hafen von FAABORG

T92, Grossenbrode

In der Tat machen wir uns auch nach vielen Segeljahren vor jedem Törn “Gedanken”. Um nicht zu sagen “einen Plan”.

Wie wird das Wetter?

Route?

Ausweichhäfen?

Besonderheiten?

Proviant?

Wenn wir von Starkwind ausgehen müssen, stellt sich die Frage: Segeln wir in eine Wetterbesserung oder werden die Bedingungen eher schlechter? Der letzte Starkwindtörn von ANHOLT nach HELSINGÖR war zwar anfangs anstrengend und doof, aber wir wussten ja: Mit jeder Stunde wird es besser und leichter. Das motiviert ungemein!

Nun denn.

Bei der jetzt anstehenden 55 Seemeilenpassage von HESNAES nach GROSSENBRODE ist es leider genau umgekehrt. Geschützt von der Landmasse von FALSTER werden wir auf Südkurs bis GEDSER ganz gute Bedingungen haben, doch dann geht es gen West-Süd-West und der Wind wird auffrischen und auf Nordwest gehen. Ein weiser Segler meinte neulich: Wieso schaust Du überhaupt noch auf die angesagte Windgeschwindigkeit? Starke Böen sind doch eigentlich nur das Problem (?).

Stimmt.

Die Wettervorhersage von WINDY und vom DMI stimmen für den Nachmittag überein: Böen um und bei 34 Knoten. Bedeckt, Regenschauern.

So binden wir schon bei Abfahrt in aller Ruhe das zweite Reff ins Groß und gehen mit beiden Vorsegeln auf die Reise. Wie erwartet Bilderbuch-Talsperren-Downwind-Schnellsegeln mit ausgebaumten YANKEE. Bei GEDSER Riff shiften wir das YANKEE, nehmen den Baum weg und kürzen etwas ab. Die Untiefentonne bleibt heute mal an Backbord liegen. Nächstes Highlight ist das ungehinderte Passieren der Fahrrinne der Fähre, die gerade vor GEDSER dreht um nach ROSTOCK zu gehen.

Der Wind ist nun ohne Landabdeckung in der vollen Stärke von 25+ Knoten da, die Welle auch.

Das Verkehrstrennungsgebiet der KADETTRINNE liegt klar östlich von uns, daher gelten hier die normalen Ausweichregeln der Seeschifffahrtsstrassenordnung. Wir kommen für den West gehenden überholenden Verkehr unter Segeln diagonal von Steuerbord.
Dann hoffen wir mal, das die beiden fast parallel fahrenden Containerjäger uns auch sehen. Der eine läuft mit 14 Knoten, der andere mit 13,x Knoten. Elefantenrennen auf See.

Die eigene Mannschaft beobachtet auf dem Plotter die AIS Signale der beiden Dampfer ganz genau. Entscheidend ist der Wert CPA – “Closest Point of Approach”.
Eigentlich könnte unser Plotter anzeigen, ob die angezeigten 800 Meter Passierabstand VOR oder HINTER dem Dampfer liegen. Also ob wir ihn am Bug oder Heck passieren. Heck wäre ja zu schön, weil absolut sicher. Alle Daten dafür sind vorhanden, aber die Software gibt das leider nicht her. So eine permanente Vektorberechnung braucht wohl zu viel Rechenkraft.
In so engen Revieren wie hier zwischen FALSTER und FEHMARN ist CPA sowieso nur mit Vorsicht zu genießen. Denn die großen Dampfer müssen dem Fahrweg folgen und ändern entsprechend oft den Kurs. Was eben noch klar gehen würde, kann einen Moment später schon sehr eng werden.
Also beobachten wir die beiden Situationen sehr genau, elektronisch und optisch. Es ist trocken und die Sicht gut. Schließlich passieren wir beide Dampfer ein paar hundert Meter vor deren Bug. Bei beiden vermuten wir, das sie ihren Kurs um ein paar Grad nach Steuerbord geändert haben, um genug Abstand zu uns zu halten.

Ostverkehr haben wir gerade nicht, freie Fahrt.

Es sind nur sehr wenige Boote unterwegs. Auf dem AIS können wir vor uns einen anderen Segler auf gleichem Kurs ausmachen, der ein paar wilde Manöver fährt um den dicken Pötten nicht zu nahe zu kommen.

Der Wind frischt weiter auf und wir können mittlerweile gar nicht mehr so genau unterscheiden, ob wir in einer Böe stecken oder ob der viele Wind jetzt zum Dauerzustand wird. Mittlerweile ist das Groß weit offen, das Yankee dritten Reff und die Fock im zweiten Reff.

Knapp 5 Seemeilen vor der Ostspitze von FEHMARN (STABERHUK) wird die Welle sehr unangenehm. Regelrechte Brecher laufen voraus an Steuerbord auf. Ganz selten steigt mal eine am Bug ein, ansonsten nur jede Menge Spray über Deck und manchmal auch im Cockpit. Kein Wunder bei dem Wind. Wir lassen den STORMVOGEL auf maximal-Geschwindigkeit laufen, denn wir gehen davon aus, das die Welle hinter der Landabdeckung stirbt und die knappe Stunde kann man die Waschmaschine wohl gerade so ertragen.
Über FEHRMARN ziehen raabenschwarze Regenwolken und entladen sich kurz vor uns, die LÜBECKER Bucht ist zeitweise nicht mehr zu erkennen. So unangenehm die Situation jetzt auch ist: Unser Boot tanzt zuverlässig wie ein Korken auf den Wellen. Im Deckshaus ist es fast still und absolut gemütlich, kein Wunder das die Mannschaft sich auf der Bank verkeilt hat. Aber so ist unsere Arbeitsteilung an Bord ja häufig. Skipper draußen im tosenden Wind, Mannschaft lesend unter Deck.

OK. Wir ertragen ja viel.

Zu viel Wind.
OK, wenn es sein muss.

Mistige Welle gegenan.
OK, wenn es nicht anders geht.

Aber heftiger (kalter) Regen noch dazu, das geht ja wohl gar nicht!

Dafür fahren wir nicht zur See.

Und irgendwie klappt es tatsächlich mit dem trocken bleiben! Kein Ölzeug auf der ganzen Reise.

Auf der Südseite von FEHMARN ist die bösartige Welle wie erwartet weg. In solchen Reiseabschnitten hat der Skipper oft den Eindruck, das noch mal zwei, drei besonders heftige Brecher um die Ecke kommen, bis es dann schlagartig ruhiger wird. Dennoch sind wir erstaunt, wie hoch und kurz die Welle trotz Landabdeckung noch ist. Was für eine unglaubliche Energie dafür nötig ist?
Jetzt haben wir aber eher das Problem, das wir mehr Höhe laufen müssen, wollen wir die Ansteuerung von GROSSENBRODE ohne Kreuz erreichen. Auf den letzten Meilen locker eine Meile nach Süd versetzt. Auf was man auf dem (!) OSTSEE alles aufpassen muss?

An der Ansteuerungstonne von GROSSENBRODE bergen wir die Segel. Immer noch viel Wind und die Gefahr einer schweren Regenschauer, aber durch den Landschutz überhaupt keine Welle mehr. Die Anspannung legt sich etwas, jetzt nur noch einen passablen Anleger hin legen und gut ist.

Wir gehen erstmals in den Hafen der KLEMENS YACHTWERFT. Da haben wir uns für die kommende Woche einen Liegeplatz organisiert, denn wir “müssen” mal wieder eine Woche nach Hause. Impfen und Familie.

Der Anleger ist super einfach, denn man hat uns den einzigen Liegeplatz mit beidseitigen Schwimmstegen zugewiesen. Fest montierte Fender rundum. In diese Luxusbox kann man vermutlich auch bei 50 Knoten Wind einlaufen.

Später stellt sich beim Hafenmeister heraus, das gar nicht so klar ist, ob die Box die Woche frei ist. Können wir auch nicht ändern. Wir lassen den Bootschlüssel im Büro und versprechen telefonisch Hilfe zu leisten, falls die Werftcrew den Dampfer vorholen muss. 

Es ist nicht so, das dieser Törn richtig scheiße war.

Aber brauchen tun wir so was wirklich nicht.

Peter.

P.S.: Bilder gibt es natürlich nicht. Titelbild aus dem Archiv, gemacht von einem sehr guten Segler, der in seinem Blog im Mai schrieb, das er bei angesagtem Sturm nie wieder segeln würde…kuckst Du hier!

P.S.2: Macht sowieso mal wieder Sinn, im Blog von MAUNIE OF ARDWALL nachzusehen, denn die Sommertour von Dianne und Graham durch Schottland lieferte sensationell tolle Bilder! Und Geschichten sowieso!

T87,88, Rödvig, Hesnaes

Bei bestem Segelwetter verlassen wir Morgens den Museumshafen von HELSINGÖR und versuchen zunächst, mit dem großen WINGAKER ordentlich Fahrt zu machen. Aber irgendwie will dieses monströse Teil heute nicht richtig zum stehen kommen und so passiert mal wieder das, was man bei Strecke machen (immerhin 53 Seemeilen togo) eigentlich vermeiden möchte: Wir verlieren Zeit!

Also fix auf weiße Segel gewechselt und dann läuft es überraschend auch ganz vernünftig. Vorbei an KOPENHAGEN mit (gezählt) 20 riesigen Baukränen. Was die wohl vor haben? Auf Höhe DRAGÖR wird der Wind so wenig, das der Skipper an Abbruch denkt. Denn bis RÖDVIG ist es noch ein gutes Stück (über 20 Seemeilen). Mit “ohne Wind” ganz schön doof. Die Mannschaft braucht man eigentlich auch nicht mehr um ihre Meinung zu fragen. Deren Antwort ist ja immer “weiter!”.

So motoren wir das letzte Drittel tapfer um STEVNS KLINT herum und rechnen am Wochenende um diese späte Uhrzeit mit einem vollen Hafen. Pustekuchen. Nicht leer, aber beileibe auch nicht voll. Wir bekommen sogar unseren Luxusplatz im Fischerreihafen, den wir im letzten Jahr belegt hatten.

Einziger Grund in diesem Jahr für RÖDVIG ist bunkern. Der Supermarkt liegt zwar gut 800 Meter vom Dampfer entfernt, aber ein wenig laufen ist bestimmt nicht verkehrt. Wer nach HESNAES will, muss verproviantiert sein! Denn da gibt es nichts. Gar nichts. Jedenfalls in den letzten Jahren nicht.

So kaufen wir Leckerreien was das Zeug hält und schleppen uns auf dem Rückweg einen Wolf.

Essen kochen, essen, abwaschen, duschen, schlafen gehen. Leben an Bord halt. Nix besonderes.

Direkt am nächsten Morgen weiter. Mittlerweile dreht der zunehmende Wind langsam auf OST und wir Segeln, sobald die Messgeräte 8 Knoten Wind anzeigen. Bis MÖN können wir uns dann auch nicht beschweren, doch dann geht es auf Westkurs, vor den Wind. Das können wir auch! Baum ans YANKEE und “weiter geht die gute Fahrt!”.

Denkste.

3, auch mal 4 Knoten Fahrt sind Mist! Dümpel, Dümpel, Dümpel. Da hilft nur abwarten. Muss irgendwas mit “zu nah” unter Küste sein. Strom und Wind. Oder so.

Nach ´ner halben Stunde (gefühlt EINE!) ist der Spuk vorbei und der STORMVOGEL nimmt wieder Fahrt auf. Je weiter der Tag voran schreitet, um so mehr Boote sehen wir. War gestern auch schon so. Klar. Wochenende und viel näher an Deutschland.

Als wir am späten Nachmittag HESNAES nach nur 36 Seemeilen erreichen, sind wir überrascht. Bestimmt 10 Boote im Hafen und merkwürdig viele Menschen auf der Pier.

Was ist denn hier los?

Das, liebe Leser, verraten wir erst im nächsten Beitrag!

Peter.

T86, Helsingör

Nun wollen wir aber endlich mal wieder Strecke machen.

In drei Tagen soll es von ANHOLT nach HELSINGÖR nach RÖDVIG und schließlich nach HESNAES (hurra, hurra, hurra!) gehen.

Am Freitagmorgen, immerhin kein dreizehnter, ist der Skipper trotz der Ereignisses des Vorabends mit sich noch nicht wirklich im reinen. Aufbrechen oder nicht? Der Wind ist etwas herunter gekommen, so um und bei 22 Knoten, doch es heult immer noch abschreckend aus den Masten und draußen ist viel weißes Wasser zu sehen. Die Böen sind weiterhin sehr gemein, doch auf der Suche nach dem ewig positiven: Es ist trocken und soll es auch bleiben.

Im Museeumshafen von HELSINGÖR

So viel ist sicher: Wenn man nicht heute geht, dann kann man Segeln in den kommenden Tagen wohl wieder komplett vergessen. Samstag schon wieder Flaute, Sonntag vermutlich auch.

Und wie immer, wenn der Skipper wankt. Die Mannschaft stützt und strahlt extreme Zuversicht aus. Was wäre der Skipper wohl ohne diese seine Mannschaft? Vermutlich ein großes Nichts, ein großer Niemand.

Generalstabsmässig wird der Ableger geplant. Wir wollen das in Lee liegende Nachbarboot auf keinen Fall touchieren. Mit einer langen Luvleine sichern wir des STORMVOGELS Heck von der Pier damit wir den Bug näher an die unter Wasser liegende Mooringboje bekommen. Wie immer bei Starkwind richtig fest, um nicht zu sagen “ganz fest” gemacht: Bojenhaken mit Leine und zusätzlich eine Leine auf Slip. Bei dieser Konstruktion ist es allerdings schwierig, den Bojenhaken wieder heraus zu bekommen. So auch diesmal. Aber mit Maschine und der langen Luvleine kommen wir an die Mooringboje und den Haken schließlich frei. Es folgt das neu gelernte Wild-West-Mannöver á la ORION: Alle Leinen fliegend los und Vollgas!

Im Museeumshafen von HELSINGÖR

Klappt super.

Die ANHOLT Fähre ist gerade weg und im inneren Hafenbecken ist genug Platz für zwei Ehrenrunden, damit die Mannschaft Leinen und Fender weg stauen kann. Das Groß ist vorbereitet, um im Dritten Reff gesetzt zu werden. Doch wir haben beschlossen, es erst draußen in der kochenden See zu setzen, wo wir freien Seeraum haben. Das können wir.

Durch die heftige Grundsee der Hafeneinfahrt. Klappt besser als gedacht. Doch danach steigen ein paar Wellen an Deck ein. Das große Flach um ANHOLT lädt die kurzen Wellen natürlich geradezu dazu sein, sich zu brechen.

Wir setzten das Groß schnell im dritten Reff und dann die Fock.

Und weiter geht die gute Fahrt! (Running Gag auf dem Radiosender SWR3)

Es kachelt, der (!) Ostsee kocht und der Skipper ist vorsätzlich betäubt. Mit STUGERON, bereits seit zu Bett gehen am Vorabend. Zum Glück wirkt es. Sicher, wohl fühlt man sich bei dem Geschaukel und Gerappel nie, aber es ist erträglich.

Die X55 aus CHILE ist auch los. Anfangs länger unter Maschine, kommt sie nur unter Vorsegel gut an uns ran. Rennboot. Dann sind die Flachs passiert und es trennen sich unsere Kurse. Schnell sind wir alleine und wir bleiben alleine auf diesem windigen Meer, bis wir die dänische Küste erkennen. Dort sind nur ein paar Boote auf dem Wasser. Eigentlich kein Segelwetter.

Im Museeumshafen von HELSINGÖR

Wir laufen zwar in den Yachthafen von HELSOINGÖR ein, doch bereits im Vorhafen wird klar, das wir hier nix vernünftiges finden werden. Bei dem Wetter will niemand Nord. Also staut es sich hier wie immer. Aber wir haben ja im letzten Jahr den Museumshafen, gleich südlich der Burg, ausgekundschaftet. Da sollen eigentlich nur Boote größer 50 Fuß rein, 48 Fuß sind ja fast 50. Wir gehen im leeren Hafen längsseits an einen Schwimmponton und liegen wie in Abrahams Schoß.

Wirklich klasse.

Die Burg in nächster Nähe, das Museum, die alten Dampfer. Und, wie erhofft, erwünscht und auch ein wenig geplant: Sehr gute, längstjährige Freunde aus Bremen an Bord: Die beiden sind in der Nähe in einem Ferienhaus und wir haben die Route durch den Sund tatsächlich nur gewählt, damit wir wenigstens einen gemeinsamen Abend zusammen verbringen können.

Keine Ahnung, ob STUGERON zu den bewusstsein erweiternden Drogen gehört, in Verbindung mit allseits bekannten flüssigen Stoffen jedenfalls haut es auch einen großen Kerl glatt um. Der Skipper geht leider früher zu Bett, als die Gäste den STORMVOGEL verlassen.

Vermutlich unhöflich, aber unumgänglich.

Peter

T85, Anholt, Nachtrag

Der letzte Abend auf ANHOLT entwickelt sich irgendwie zu etwas ganz besonderem.

Der Skipper beschließt sicherheitshalber noch mal einige dieser kleinen metallischen Zylinder zu kaufen und pilgert daher zum nach wie vor hoch geschätzten SPAR KONGE am Hafen. Mit etwas Wehmut tätigt er seinen letzten Einkauf auf der Insel und verabschiedet sich von der stämmigen Besitzerin. Sie (er)kennt uns. Die Mannschaft hat sogar schon einen Kaffee bekommen – on the house.
Wir sind davon überzeugt: Wenn sich erst mal die Besitzerin eines Supermarkts an einen unter tausenden Sommertouristen erinnert, dann hat man es geschafft!

Dann gehört man dazu!

Dann ist man ohne Zweifel ein ANHOLTER!

Rettungshubschrauber auf ANHOLT. ohne Einsatz

Aber nicht nur das.
Selbst der Hafenmeister nickt uns auf der Straße (an)erkennend zu. Die dem Skipper in der Silhouette optisch ähnelnden alten Männer, die am Nachmittag auf den Holzbänken vor SPAR KONGE sitzend aus ihren eigenen kleinen runden metallischen Zylindern schlürfen kennen den dicken Deutschen auch schon. So oft, wie der hier schon an den Nachmittagen saß. Und so sitzt er also ein letztes mal mit sorgsam in Plastik eingeschweißten kleinen metallischen Zylindern zur linken und einer letzten Dose ELEFANT in der Rechten am Hafen von ANHOLT und denkt, wie gut man es wohl haben kann?

Wie Sau gut?

Megayacht aus Stuttgart mit unsschreibbaren Namen vor SPAR KONGE, ANHOLT

Zurück an Bord gibt es eine kleine Standpauke. Wo der Skipper sich denn wohl herum getrieben habe? Klassiker: “…ich geh´ mal eben ein paar Bier holen…” und dann einfach nicht zurück kommen. Doch die Wehmut erklärend rettet sich der Skipper vor schlimmeren und der Rauch verzieht sich schnell.

Endlich kommt der Skipper dazu, die Nationalflagge der in Luv liegenden X55 Yacht zu recherchieren. Vermutet hat er bisher irgendwas mit Osteuropa. Mazedonien, Serbien oder was auch immer.
Und dann geschieht etwas, was man doch wirklich nur als Wink des Schicksals verstehen kann.
Der geneigte Leser erinnert sich: Ein paar Abende zuvor haben wir gespannt den Patagonischen Reiseberichten von Michael gelauscht. Und damit dem sowieso schon vorhandenen Floh im Kopf neue Nahrung gegeben.

Rettungshubschrauber auf ANHOLT. ohne Einsatz

Nun, die Flagge der X55 ist zweifellos die Nationalflagge von CHILE.

Horizontal weiß/rot gestreift, links ein blaues Quadrat mit einem weißen Stern darin.

Klar. Das gibt es doch nicht! Ganz schön spucky, oder?
Eine X55 aus CHILE ist auf ANHOLT so ziemlich das unwahrscheinlichste, das man hier erwarten kann. Als die Mannschaft der X55 am letzten Abend das Boot verlässt, fängt der Skipper des STORMVOGELS die drei fremden Menschen auf der Pier ab und bittet um ein Wort bei über 20 Knoten Wind. Und erzählt, das ein guter Segelfreund, vor Jahren im Pazifik kennen gelernt, die letzten Abende von Patagonien und der Chilenischen Marine geradezu geschwärmt hat. Und dann treffen wir einen Tag später auf eine Yacht aus CHILE und verpennen es beinahe, die Mannschaft anzusprechen.

Miguel, so der Name des Skippers der X55 erklärt: Das Boot hat er 2019 in Dänemark gekauft und wollte 2020 anfangen, das Boot nach CHILE zu segeln. Ein Satz mit X, das war wohl nix. Corona. In diesem Jahr klappt es beruflich nicht bei ihm, aber immerhin will er am Wochenende bei einer Regatta bei AARHUS teilnehmen. Daher will er so wie wir auch am nächsten Tag los. Er meint, er kenne die “Kanäle” (also die großen Fjorde in Südchile, am Ende der Welt) sehr gut und wenn wir wirklich da unten ankommen würden, sollen wir uns auf jeden Fall bei ihm melden. Wir tauschen Visitenkarten mit Kontaktdaten…

Rettungshubschrauber auf ANHOLT. ohne Einsatz . Der Pilot muss es drauf haben. Landet zwischen Fähre, Fährtterminal und Rettungsschuppen. Cool.

…und wie um dieses besondere Ereignis noch zu toppen:
Miguel ist Winzer. Er würde gerne seinen Wein auch nach Deutschland verkaufen. Wenn ich da wohl einen Importeur kennen würde?

Leider, leider kenne ich niemanden, der im internationalen Weinhandel tätig ist.

Obwohl. Einen Großkonsumenten wüsste ich da schon…

Peter.

T82-85, ANHOLT

Das Geheule in der Takelage geht langsam auf die Nerven!

Der ganze Dampfer hängt mit guter Steuerbord-Schlagseite im Wasser und schaukelt fast so, als ob wir auf See wären. Wer weiß denn schon wirklich, wie viele Tonnen die Heckbojen von ANHOLT halten? Sind daran 19 Tonnendampfer OK, gerade noch OK oder gar nicht OK und somit völlig bescheuert? Wir haben gleich zwei Hilfsleinen an Backbord ausgebracht, damit der seitliche Druck auf die Heckboje ja nicht zu groß wird.

Fähre ANHOLT, fährt fast immer…

Heckboje. Bei uns ja nicht. Wir liegen mal wieder falsch herum in der Box und die Heckboje ist an unserem Bug.

Völlig egal bei dem Wind. Dienstag haben wir neben den 30 Knoten Nordwest auch noch schwere Schauerböen. Die zerren an allem, was den STORMVOGEL über Wasser ausmacht. In der Takelage klappert und rappelt es nur so. Erst mal alle Fallen vom Mast so weit weg gebunden, das mal Ruhe ist.

Auslaufen ANHOLT bei 30 Knoten West

Aber dieses nervtötende Geheule geht davon natürlich auch nicht weg.

Es ist nicht einfach nur beeindruckend, welche Kraft dieser Wind hat. Diese unbändige Kraft lässt erschauern. Eine Regenbö mit 35 Knoten ist, egal ob auf See oder im Hafen, die normative Kraft des unvermeidlich faktischen: Zu viel Segelfläche auf See oder schlecht angebunden im Hafen führt zu jeder Menge Ärger. Wir oder der Wind.

Brandung in ANHOLT

Wie kann es eigentlich sein, das nach einem vier Tage Sturm ein Tag Flaute herrscht, nur damit es dann wieder ein paar Tage stürmt?

Sind wir hier etwa am Kap Horn gelandet?
Hallo?
Ostsee?
Sommer?

Kein schönes (Segel)Wetter in Sicht. Schon klar. Woanders werden im Moment ganze Ortschaften von einer Regenflut weg gespült oder Tornados (Hallo? Tornados!) decken in Deutschland die Dächer ab. Da werden wir auf unserer Luxus-Lieblings-Lust Insel ANHOLT wohl ein paar stürmische Tage mehr abwettern können?

Auslaufen ANHOLT bei West, 25 Knoten

Immerhin schwimmt unser Gefährt ja. Dafür ist es gebaut. Immer schön über Wasser bleiben. Oberstes Gebot auf See. Außer für U-Boote vielleicht.

Die Überfahrt von VRANGÖ nach ANHOLT war im wahrsten Sinne des Wortes zum Kotzen. Nix mit Segeln. Kein Wind, aber dafür elendigen alten Schwell von den stürmischen Vortagen. Nach nur einer Stunde auf See muss der Skipper sich erst mal hin legen und den Magen beruhigen. Das Hirn ist leider noch voll da und fragt nagend, was das denn wohl für ein Skipper sein soll? Wegen eigentlich nix wirklich seekrank? Wie extrem beruhigend, das die Mannschaft, tapfer wie immer, ordentliche Wache geht.
Später geht es dann des Skippers Magen besser und er fängt tatsächlich auch an zu lesen. Natürlich nur eines jener Bücher, das die Mannschaft schon vor Tagen ausgelesen hat und ein paar Buchstaben übrig lies.

Auslaufen ANHOLT bei 30 Knoten, West

Zwei Highlights in 8 Stunden:
Das überqueren der Nord-Süd verlaufenden Schiffsarttrasse. Glück gehabt, die aus großen Dampfern bestehende endlose Perlenkette hat heute so große Lücken, das wir ohne Kursänderungen passieren können.
Und wir müssen sicherheitshalber kurz vor ANHOLT vom Steuerbord-Dieseltank auf den Backbord-Dieseltank umschalten. So wirklich ganz genau weiß man ja nie, wie viel Diesel noch im Tank ist. Und die äußerst unerfreuliche Erfahrung eines leeren Dieseltanks bei einem Einlaufmanöver hatten wir ja auch schon. Es ist halt wirklich so: ERFAHREN kommt von ER FÄHRT. Das Umstellen der Dieseltanks ist nur deshalb etwas besonderes, weil man es so selten macht. Dabei muss man nur kurz die Dieseleitung entlüften. Kein Problem. Nur Aufregung, die es nicht gäbe, wenn man es gewohnt wäre.
Der Anleger in ANHOLT bei immer noch sehr wenig Wind reine Routine. Der Hafen vielleicht nur zu einem viertel belegt. Erschreckend, wie schnell so eine Saison vorbei ist. 80% Deutsche. Geschätzt.
Am Abend rechnen wir noch stark damit am nächsten Morgen weiter gehen zu können, diesmal aber mit Wind. Daher legen wir keinen Strom, packen das Segel nicht ordentlich weg und bleiben reisebereit.

Lieblingsmotiv auf ANHOLT

Doch schon in der Nacht fängt es richtig an zu blasen und in der Takelage fängt es an zu klappern. Gegen 0800 dann schwere Regenböen die schlicht durch ihre Anwesenheit klar machen, heute besser nicht auf See zu gehen. Jedenfalls uns bangbüchsigenen.

Sportlicher Trimaran

Ein mittelgroßer eingeborener Schoner sieht das anders. Die ORION aus AARHUS ist eigentlich ein schöner Dampfer, hat aber mit Sicherheit schon bessere Tage gesehen. Es muss unglaublich schwierig auf aufwendig sein, solche alten Schiffe ordentlich in Schuss zu halten.
ORION liegt ganz außen mit dem Heck zur Pier, 30 Knoten voll auf die Backbordseite. Direkt daneben, an Steuerbord eine neue X55 aus Chile. An Bord der ORION 7 Personen, fünf irren mehr oder weniger planlos über Deck. Ein grauhaariger alter Mann scheint der Skipper zu sein und ein in knallrotem Ostfriesennerz steckender junger Kerl muss so was wie der Bootsmann sein. Immerhin gibt es einen.
Irgendwie kommt ORION nicht los. Schon klar. Mit dem starken Seitenwind wird man die X55 auf jeden Fall touchieren. Da könnten auch die vielen Fender an beiden Booten versagen. Des STORMVOGELS Skipper würde versuchen, mit der Ankerwisch den Bug in den Wind und so längsseits zur Pier zu kommen. Genug Platz wäre ja. Das macht er ständig. Sich bei problematischen Situationen anderer fragen, wie er das selbst lösen würde ohne es selbst lösen zu müssen. Aber natürlich sagt er nichts. Schon gar nicht zu Skippern von schönen, aber herunter gekommenen Segelschiffen (Schiffen! Nix Boote!).
Was genau der Grauhaarige im Schilde führt, kann des STORMVOGELS Skipper von Bord aus nicht nachvollziehen. Pullover an und als Zaungast auf die Pier. Eigentlich widerlich, diese Pontontouristen. Aber geschickt getarnt, denn er bietet ein paar STORMVOGEL Fender als Reserve der X55 an.
Mit einem kleinen Beiboot bringt die ORION Besatzung eine weitere Bugleine an einer weiter windwärts liegenden Boje aus. Diesmal auf Slip, die eigentliche Festmacherleine ist an einer näheren Boje fest geknotet.

Ferienahaus auf ANHOLT

Immer noch keine Ahnung, wie der Skipper der ORION hier raus kommen will.

Achtern, an der Pier ist mittlerweile auch eine Leine auf Slip. Der Steuerstand der ORION ist mittschiffs. Mit einem Male gibt der Grauhaarige Vollgas. Eine kleine schwarze Abgaswolke legt sich um das Schiff, die auf Slip liegende Bugleine wird ohne Probleme gelöst, die Heckleine kommt unter Spannung aber dann auch frei und die sehr lange an der näheren Boje fest geknotete Leine wird aus der Hand gefiert. Doch das Vollgas der Maschine und der Wind sorgen dafür, das die Leine viel schneller zu Ende ist, als gewollt, ausrauscht und ins Wasser fällt.
Entgegen der Überlegung des STORMVOGELS Skipper legt der Grauhaarige bei dem Manöver aber nicht Backbord Ruder, also in den Wind, sondern Steuerbord. Mit dem Wind.

Genial!

Mit dem Wind ablaufen und dadurch Mitschiffs und Heck von der X55 weg drehen.

Natürlich schießt die ORION viel zu schnell in die nahe liegende erste Boxengasse, doch in letzter Minute geht der Grauhaarige auf Backbord und dreht mit Vollgas das schwere Schiff in den Wind. Denn nun gilt es sofort wieder Ruhe in dieses Wildwest Manöver rein zu bringen und die verlorene Leine zu bergen.

Das ist der Job des Bootsmanns.

Fast schon Brandungssegeln

Zusammen mit einem Passagier (o.ä.) steigt er in das kleine feste Beiboot und versucht, gegen den Wind zur der Boje zu rudern. Ein Ding der Unmöglichkeit! Der Wind heult, auf der Pier muss man selbst als übergewichtiger Skipper aufpassen, nicht umgeweht zu werden.
Die Riemen fliegen immer wieder aus den Dollen. Kein Wunder bei der vielen Kraft, die der junge Bootsman in die Riemen legt. Sie treiben ab, erwischen aber noch eine andere Boje und machen dort erst mal fest.

Während dessen die ORION versucht, ihre Position im Innenhafen von ANHOLT gegen den Wind zu halten. Das klappt aber irgendwann nicht mehr und sie muss eine große Runde durch den Vorhafen drehen.

Auslaufen ANHOLT bei West, 25 Knoten POLARIS und LOTTE

Derweil der junge Bootsmann im kleinen festen Beiboot mit einem Tampen die Riemen auf die Dollen benzelt, damit sie unter Krafteinwirkung nicht immer raus fliegen. Wirklich clever.

Und dann rudert dieser tolle junge Mann was das Zeug hält! Gegen 30 Knoten Wind. Gegen eine miese Hafenwelle, die nicht wenig Wasser in das kleine feste Beiboot befördert. Und tatsächlich, nach vielleicht fünf Minuten für 200 Meter erreichen sie die Boje mit der fest geknoteten langen Leine, binden sie ab, bergen sie und rudern zur nun nahe liegenden ORION zurück.

Der junge Bootsmann, in seinem knallroten Ostfriesennerz klettert an Bord und sackt sichtlich erschöpft kurz zusammen, nur um dann sofort das Deck klar zu machen für die große Schaukelei draußen vor dem Hafen von ANHOLT.

Des STORMVOGELS Skipper dackelt beeindruckt und beseelt auf der vom Sturm umtosten Pier zurück zu seinem Boot. Der Grauhaarige hat es echt drauf und ein Schweine Glück, das er so einen famosen Bootsmann an Bord hat. Hoffentlich weiß er das!

ORION ist weg. Das nervtötende Geheule an Bord des STORMVOGELS bleibt.

Also viel Zeit an Land verbringen. Wie wir die Landschaft auf der kleinen Insel lieben!

Brandung auf ANHOLT

Zwei Tage später.

Auch wir denken, zur Not könnte man heute los. Aber so gegen 0900 entscheidet sich der Skipper im Hafen von ANHOLT zu bleiben. Was soll das? Wir haben Zeit, wir brauchen keine Schlechtwetterbestätigung und wir sind am Ende vielleicht einfach auch nur faule Leute. Faule Seeleute.

Ein Dampfer aus der Schweiz macht den Anfang und liefert spektakuläre Bilder beim Verlassen des Hafens. Keine Ahnung, was die Mannschaft im Schilde führt, denn sie motort gegen 25 oder mehr Knoten Wind und eine zwei Meter Welle. Zwei Stunden später kommen sie wieder zurück. Durchaus gute Seemannschaft, wenn man erkennt, das es nicht geht.

Gerade, als die Schweizer wieder einlaufen gehen noch drei andere Dampfer raus, aber auf viel freundlicheren Kursen gen Süden.

Könnte, hätte, sollte man vielleicht auch machen sollen.

Aber wozu eigentlich?

Peter.

Tag 49, Anholt

Jeden Tag wird nach dem ersten Morgenkaffee ein Fußmarsch angetreten. Wirklich jeden Morgen. Je nach Gemütslage die schnelle Runde in trauter Zweisamkeit in einer Stunde rund um den Nordbjerg auf der Inselhauptstrasse oder eine ausgeprägte Wanderung über gewundene und kaum sichtbare Trampelpfade mit der ganzen Horde.

Oder Extremtouren.

Eine weitere bisher, um hier genau zu sein und um nicht zu übertreiben.

Leuchttrum von ANHOLT

Nochmal durch die Wüste zum Leuchtturm von ANHOLT. Diesmal “mit ohne” Fahrräder. Wollten wir unbedingt unseren Besuchern zeigen. Strategisch geplant. 4 Liter Wasser auf zwei halbwüchsige Lastenesel verteilt, die in einem früheren Sommer eigentlich mal als Lebendfutter für nie gesehene Monster herhalten sollten. Merkwürdig. Je älter diese Lastenesel werden, um so störrischer werden sie. Ab wann setzt eigentlich Altersstarrsinn ein?

Düne beim Leuchttrum von ANHOLT

Den Proviant tragen abwechselnd die beiden Frauen. Des Skippers Rücken muss frei bleiben, schließlich hat er mit der mehreren Kilo schweren Kamera und dem lange vorhaltendem Inhalt längst vergangener kleiner zylindrischer Metallcontainer genug zu tun. Lang anhaltend ist nicht gleichbedeutend mit ewig, wohlgemerkt. Strammer Marsch am Morgen durch die Wüste bei nur einer kurzen Pause lautet die in die Tat umgesetzte Strategie. Meilen machen. Wie immer.
Ausgiebiges Picknick in einer netten Düne am Leuchtturm. Ja, ja, in den staubigen Schuhen stecken tatsächlich noch lebende Füße, wenn man sie denn auspackt und das Licht der Sonne erblicken lässt.

Düne beim Leuchttrum von ANHOLT

Der Rückweg vom weit entfernten Leuchtturm von ANHOLT führt uns diesmal am Nordstrand entlang. Nicht einfacher und auch nicht kürzer als durch die Wüste. Aber “schöner” – so jedenfalls der weibliche Teil der Reisegruppe. Die Lastenesel sehen da keinen Unterschied. Ist halt viel Sand, schwierig zu marschieren und einfach nur unendlich weit. Wir sehen einen toten. Am Strand. Einen toten Seehund. Gammelt da einfach so vor sich hin. Die Möwen scheinen kein Interesse an dem traurigen Gesellen zu haben. Na ja, bei dem Körpergeruch? Ein einsamer Kite-Surfer braust vorbei und freut sich sichtbar, im flachen Wasser die Balance zu halten. Mit dem Picknick mal eben eine 7 Stunden Exkursion für absolut untrainierte. Not that bad für einen Tag, will ich meinen.

Der Nordstrand von ANHOLT

Doch zurück zum normalen Tagesablauf auf der Insel.

Gegen Mittag wird dann endlich Frühstück auf den Tisch des Cockpits gestellt. Wenn man in diesen Tagen als Skipper nicht aufpasst, bekommt man schlicht nichts ab. Ist ja auch nicht wirklich clever, Lastenesel, die sich gelegentlich in gefräßige Löwen verwandeln, am gleichen Tisch wie Eignerin und Skipper abzufüttern.

Ja, früher!
Da gab es wenigstens noch eine Offiziersmesse und eine davon getrennte Mannschaftsmesse. Doch heute? Alles vermischt, vermengt, verhätschelt.

Toter Seehund am Strand von ANHOLT

Des Nachmittags ist in der Regel braten in der Sonne angesagt. Mit Abkühlung im sehr naheliegenden Meere, bei Bedarf. Obwohl der Hafen mittlerweile rappel voll ist, verteilen sich die vielen Menschen am großen Südstrand schnell. Das ist schön, weil sich niemand bedrängt fühlen kann.

Dingifahrschule im Hafen von ANHOLT

Hat die Oma richtig Lust, spielt sie mit den Enkeln “Eine Oma fährt im Hafen von Anholt Dingi, Dingi, Dingi. Eine Oma fährt im Hafen von Anholt…”. Und macht einen auf Fahrschule, obwohl offenbar selbst aus der Übung. Den Anlegern nach zu urteilen. Immerhin kann der Skipper die selbstbewusste Truppe davon abhalten, den großen Vorhafen von ANHOLT in Richtung offenes Meer zu verlassen. Wäre ja noch schöner. Rettungsaktion übermütiger.

Vierbeiniges Sicherheitsschuhmonster bewacht den Eingang zur Wüste von ANHOLT

Charterboote kommen hier kaum noch an. Eher Familiencrews aus Dänemark, Deutschland, Schweden und auch mal Norwegen. Alle Größen, alle Typen. Viele Boote führen ein großes Sortiment an Freizeitgeräten an Deck mit sich. Fahrräder, sogar eBikes, Surfbretter, Stand-Up Paddeling Boards und natürlich das obligatorische Dingi. Sportliche fahren dazu noch ein paar Segelsäcke auf dem Vorschiff. Die mit der Nationalen am Backstag.

Am Leuchtturm ANHOLT

Samstags fährt die Fähre jetzt zwei mal von GRENAA um die ganzen Urlauber vom Festland abzuholen. Neben uns Touristen im Yachthafen gibt es welche auf dem Campingplatz und natürlich viele in den weit über die Insel verteilten Ferienhäusern.

Am Leuchtturm ANHOLT

Das EM 2020 Fußballspiel Dänemark – Tschechien erleben wir in praller Abendsonne im Biergarten des Hostels CASABLANCA im Hafen. Umgeben von Dänen, die tatsächlich erkennbar stolz ihre Nationalhymne mitsingen. Beeindruckend. Gänsehautmoment. Einige tragen Rot-Weiße Kronen, andere Trikots ihrer Nationalmannschaft. Wir haben ein paar kleine Dänemarkflaggen zum wedeln dabei und gehen dem äußeren Anschein nach sicher als Eingeborene durch. Neben uns sitzt eine bereits angeschäkerte Dänin, der es davor graust, die Insel wieder zu verlassen. Denn ihr Freund, völlig auf das in der Abendsonne schwer zu erkennende Fernsehbild fixiert, hat sie überredet, in einem offenen Motorboot mit Außenborder nach ANHOLT zu kommen und das Wochenende im Zelt zu verbringen. Welch romantische Vorstellung, wenn man das Meer nicht kennt. Trotz ruhiger Wetterlage hat es wohl in dem kleinen Boot ganz gut gerappelt. Na ja, einen Tag zum Vergessen hat sie ja noch, dabei mag der Alkohol helfen.
Hat er früher auf See ja auch schon. Wenn der Alte vorher wusste, das es bei KAP HORN keine Kaffeefahrt geben wird gab es schon mal einen Schluck Rum.

Traditionssegler im Vorhafen von ANHOLT
Traditionssegler vom Vorhafen von ANHOLT
Abendstimmung im Hafen von ANHOLT

Aber die Idee, einfach mal so auf die Insel zu kommen ist ja nicht schlecht. Das CASBLANCA zum Beispiel hat offenbar ganzjährig geöffnet. Wenn man mal überlegt, das in der Nebensaison die Fährfahrt nur 20 Euro hin und zurück kostet, ist es doch durchaus mal eine Idee, auch ohne eigenes Boot für ein paar Tage hierher zu kommen. Baden im Meer fiele dann wohl temperaturbedingt eher aus, aber die vielen Pfade und Wege kann man auch im Frühjahr, Herbst oder gar Winter ablaufen.

Dicht gepackt im Hafen von ANHOLT

Was bei den ganzen Spaziergängen und Wanderungen auffällt:
Alles, was jemals auf die Insel gebracht wurde, scheint auch hier zu bleiben. Auf immer und ewig.
OK, der Hausmüll nicht, der wird verdichtet und in blauen Spezialcontainern mit der Fähre auf das Festland gebracht. Vermutlich jetzt in der Hochsaison täglich, denn alleine der Müllplatz am Yachthafen quillt jeden Morgen über.
Aber alte Container, verfallene Baracken, Bauschutt, gammlige Wohnwagen, Schrott aller Art, die bleiben für immer hier. Es sieht nicht vermüllt aus. Im Gegenteil. Die Insel samt Stränden ist so was von sauber, das ist schon fast unglaublich. Doch wenn man auf den großen Schrott achtet, fällt er auf. Wahrscheinlich kostet die Fährpassage für Schrott/Müll genau so viel wie für hochwertige Neuware. Geht ja wohl nur nach Gewicht und Platzbedarf. Neulich war eine Arbeitsschute hier, die zwei alte 40 Fuß Container gebracht hat, die zu Wohneinheiten umgebaut werden. Es gibt zwar erstaunlich viel großes Arbeitsgerät auf der Insel, aber natürlich keinen großen Kran, der solche Ungetüme bewegen kann. Die Schute hatte einen fest angebauten. Auf dem Dach der Container wurde eine Art Hinterachse während der Seereise gestaut. Die provisorische Hinterachse ist eigentlich nur ein Stahlträger mir zwei Reifen an den Stirnseiten. Die Hinterachse wurde zuerst auf die Pier gesetzt, dann darauf eine der Stirnseiten des Containers montiert. Auf der gegenüberliegenden Containerstirnseite greift die Forke eines Gabelstablers und dieser zieht dann das Ungetüm im Schneckentempo durch die kleine Gasse im Hafen in das Containerdorf von ANHOLT.

Dicht gepackt im Hafen von ANHOLT

Im Hinterhof des Hafens gibt es tatsächlich ein kleines Container- und Barackendorf, in dem die vielen Saisonarbeitskräfte hausen. Die meisten Bars und Essensplätze machen jetzt gegen 12:00 Uhr auf und schließen um 23:00 Uhr. Da braucht man sicher schon ein paar Menschen mehr, um den Betrieb über den Tag am Laufen zu halten.
Als es noch etwas ruhiger war hatten wir am Strand Judith und Sam kennen gelernt. Die beiden kommen aus den Niederlanden und jobben hier jetzt ein paar Wochen. Mit dem Inselflieger eingeflogen. Sam arbeitet in der Küche, Judith im Service. Vermutlich Studenten, die es mit ihrer Live-Work-Balance ernst nehmen.

In der Wüste von ANHOLT

So vergehen die Tage auf ANHOLT.

Ganz offiziell mit Nichtstun.

Gar nichts.

Auf einem Boot?

Wer glaubt denn so was?

OK, ertappt.

Habe neulich zum 10 mal oder so den Vergaser vom Außenborder auseinander gebaut. Für den Moment zwar wieder in Gang gesetzt, aber einen neuen bestellt. Das Teil ist einfach innerlich verwest. Keine Ahnung, ob dieser Gammel durch das Benzin selbst entsteht, oder ob das doch Spätfolgen der Wassertaufen von BORA-BORA sind. Eigentlich unwahrscheinlich, denn der Gammel ist ja im Vergaser und da war nach meiner Meinung kein Seewasser.
Am Ende ist das aber wohl eher so eine Nummer von Totgestanden. Wenn der Außenborder regelmäßig in Betrieb wäre, gäbe es solche Probleme eher nicht. Jedenfalls hat er uns vier Jahre zuverlässig durch die Gegend geschoben und kommt seit dem leider nur auf einen Bruchteil seiner ursprünglichen Betriebszeit.

Maschinen aller Art wollen geliebt werden!

Alte Weisheit eines geliebten Motorbootskippers.

Peter.

Tag 39: Anholt, Jungfrauen

Nach wie vielen Tagen auf einem Liegeplatz verwächst eigentlich eine Segelyacht mit eben jenem, dem Liegeplatz? Und die Besatzung gleich mit? Gibt es einen Zeitpunkt, ab dem es kein Entkommen mehr gibt? An dem man für immer, und ich meine FÜR IMMER (!), fest gewachsen an Ort und Stelle bleibt?

Schauen wir mal. Es gibt bestimmt eine Reihe von schlechteren Plätzen auf der Welt, an denen man fest wachsen könnte.

Wir werden es vermutlich heraus finden und berichten.

Derweil dieser und noch einiger mehr solch ungeklärter Fragen beschäftigt sich der Skipper des STORMVOGELS mit Jungfrauen. Im Allgemeinen und auch schon aus Prinzip völlig uninteressant. Andere wenige Männer stehen ja angeblich voll auf Jungfrauen. So sehr, das sie sich von wieder anderen, in der Regel älteren Männern einreden lassen, sie müssten nur möglichst viele so genannter ungläubiger umbringen und dabei den eigenen Tod in Kauf nehmen, um mit 50 oder mehr Jungfrauen belohnt zu werden. Tolle Wurst.

Jomfruhummer, Anholter Jungfrau

Also ich mache das ja anders, wenn ich in seltenen Momenten nach Jungfrauen verlange.

Ich kaufe mir Jungfrauen auf ANHOLT!

Frei angeboten, fast jeden Werktag, morgens um 0700 (gesprochen: Null-Siebenhundert). Direkt im Hafen. Das Kilo für 50 Dänische Kronen (gesprochen: 50 Kracher, denn die Währung im Ausland heißt bekanntlich immer Kracher).
Also um und bei 7 Euro. Aber ein Kilo Jungfrauen genügt natürlich nicht, es braucht schon zwei Kilo. Denn wenn man die vielen Jungfrauen komplett entblättert, um nicht zu sagen entkleidet hat, bleiben bei zwei Kilo vielleicht 500 Gramm verwertbar über. Ganz schön magere Ausbeute, was? Wer steht schon auf nur 500 Gramm Jungfrauen?

Jomfruhummer, Anholter Jungfrau

Also gut.

Es handelt sich bei meinen Jungfrauen natürlich um andere, als die bei denen im Namen Gottes mordenden Kerle. Vielleicht sollten die es mal zur Entspannung mit meinen ANHOLTER Jungfrauen versuchen, bevor sie mit Messern, Autos oder Bomben absolut unsinniges Zeug anstellen?

Jomfruhummer, Anholter Jungfrau

Für den Fall, das diese Männer zwar wissen, wie man Messer zückt, Bomben baut und stirbt, aber nicht, wie man gut lebt, hier ein kleiner Missionsplan für autarke Operationszellen auf einer schwimmenden Missionsbasis. So lässt sich schon zu Lebzeiten das Leben mit ANHOLTER Jungfrauen versüßen:

Jomfruhummer, Anholter Jungfrau. Phase 1: Verstümmeln

a) Missionsvorbereitung
Jeden späten Nachmittag bis zum frühen Abend den Hafen von ANHOLT beobachten. Genauer gesagt, den Schiffsverkehr. Sich dabei nicht von der großen weißen Fähre ablenken lassen, die in der Regel um 1600 einläuft. Die verhindert manchmal kurz die Sicht auf die tatsächlich auszuspähenden Objekte: Sind Fischerboote im Hafen und verlassen sie eben jenen am frühen Abend, kann man am nächsten Morgen mit hoher Wahrscheinlichkeit mit jeder Menge käuflicher Jungfrauen rechnen!
Dann, und nur dann, heißt es also Wecker stellen, sagen wir mal auf 0645. Aber bitte den richtigen Wecker, also den, der nur klingelt. Nicht den mit der Bombe dran! Bitte doppelt überprüfen um Fehler zu vermeiden. Fehler sind doof. Wer will schon doof sein?

Jomfruhummer, Anholter Jungfrau. Phase 2: Veredeln

b) Missionstag

b.1) Am frühen Morgen
Es ist nicht unbedingt notwendig, sich besonders chic anzuziehen oder gar die Haare zu kämmen. Denn der, zu dem man nun geht, sieht auch nicht besser als man selber um diese Uhrzeit aus. Eher im Gegenteil. Der zu besuchende hat die ganze Nacht durchgearbeitet, ist dementsprechend müde und freut sich eigentlich nur noch auf seinen Feierabend am frühen Morgen.
Die mitzunehmende Ausrüstung besteht aus: Ortsübliche, der Jahreszeit angepasste Kleidung. Kurze Hose, T-Shirt, Gummilatschen. Genau abgezählte Dänischer Kronen, sprich Kracher. Für den Anfang reichen mal zwei Kilo, also hundert Kracher. Eine große Plastiktüte, wie man sie von früher vom Einkaufen kennt, ist zwingend mitzuführen. Die Tüte sollte in einem guten Zustand sein, denn sonst tropfen die Jungfrauen und es lässt sich der genommene Weg zur schwimmenden Missionsbasis genau zurück verfolgen. Solch unnötige Spuren wollen wir vermeiden.
Mit möglichst beiläufiger Miene tritt man also auf der Pier vor den Fischer auf seinem Boot und fragt freundlich, ob er noch Jungfrauen hat. Entweder man kann das in Dänisch und geht so als Eingeborener durch, oder man spricht Deutsch und gibt vor ein Tourist zu sein, der günstig an frische ANHOLTER Jungfrauen kommen will. Dabei, ist es nicht komisch, das Tourist und Terrorist beide mit “T” anfangen und auf “ist” enden? Muss ein Zufall sein. Der Fischer, von dem hier die Rede ist, spricht jedenfalls kein Englisch.

Jomfruhummer, Anholter Jungfrau. Phase 2: Veredeln

Obwohl Räuber zur See, packt der ansonsten ordentliche Fischer einen seiner organgenen Fangkörbe auf die Waage, die man jedoch selbst nicht sehen kann und greift mit beiden Händen beherzt in einen Berg von Jungfrauen und füllt sie schließlich so lange in den Korb bis die unsichtbare Waage die gewünschten zwei Kilo anzeigt.
Dann gibt man ihm auf sein Verlangen hin die mitgebrachte Plastiktüte. Nun, jetzt vor den Augen des Käufers, schüttet der Fischer den Inhalt des organgenen Fangkorbes in die Tüte und verlangt bei der Übergabe der Tüte mit der anderen Hand sein Geld. Zug um Zug. Ware gegen Geld.
Hat man die Tüte mit den Jungfrauen in der Hand, verabschiedet man sich von dem Fischer und schlendert möglichst unbeteiligt wirkend zu der eigenen schwimmenden Missionsbasis am anderen Ende des Hafens zurück. Der einzig für die allgemeine Öffentlichkeit sichtbare Teil der Mission ist nun bereits erfolgreich erledigt. Glückwunsch, blieb man bisher unentdeckt!

Jomfruhummer, Anholter Jungfrau. Phase 3: Verwandeln

b.2) Später auf der schwimmenden Missionsbasis am anderen Ende des Hafens

b.2.1) Verstümmlung: Kopf vom Schwanz trennen
Ja ja, schon klar. Jetzt wird es etwas verwirrend.
Wieso haben die ANHOLTER Jungfrauen überhaupt einen Schwanz?
Na ja, die sind halt was ganz besonderes und um nun mit der Wahrheit heraus zu rücken: Bei den ANHOLTER Jungfrauen geht es wirklich nur um den Schwanz. Verrückte Welt. Bevor sich also die soeben erbeuteten Jungfrauen vernaschen lassen muss man ihnen leider den Kopf abreißen. Jeder einzelnen. Hört sich etwas grausamer an, als es in Wirklichkeit ist. Dabei wird eine spezielle Knack- und Drehtechnik in ungefährer Körpermitte angewendet, denn bei der Amputation des Kopfes geht es auch darum, den Darm dieses zierlichen Lebewesens möglichst vollständig in einem Rutsch direkt mit zu entfernen. Also so was ähnliches wie zwei Arbeitsschritte auf einen Streich. Immer dieser Effizienzwahn.

Jomfruhummer, Anholter Jungfrau. Phase 3: Verwandeln
Jomfruhummer, Anholter Jungfrau. Phase 3: Verwandeln

Für diese zweite Aufgabe sollte man schon etwas Zeit einplanen, ist man doch gehalten sehr sauber zu arbeiten und bloß nicht zu viel von den kostbaren ANHOLTER Jungfrauen wieder über Bord schmeißen. Denn das macht man mit den unnützen Klauen, Kopf und Darm.

b.2.2) Veredeln: Kochen
Auf dem hoffentlich vorhandenen Herd der schwimmenden Missionsbasis am anderen Ende des Hafens wird ein Topf mit leicht gesalzenem Wasser so erhitzt, das das Wasser kocht. Dann werden je nach Topfgröße eine Anzahl Schwänze der ANHOLTER Jungfrauen dazu geben und ein paar Minuten gewartet, bis diese oben schwimmen. Denn wer oben schwimmt, ist fertig, wird abgeschöpft und kommt in ein neues Gefäß ohne Flüssigkeit zum Abkühlen. Sind alle Schwänze abgekocht, geht es weiter.

Jomfruhummer, Anholter Jungfrau. Phase 3: Verwandeln – unnötige Reste

b.2.3) Verwandeln: Schwanz auspacken
Das wird nun echt tricky. Geht es doch darum den Schwanz der ANHOLTER Jungfrau in seiner ganzen Pracht in einem Stück aus seiner ansonsten massiven Hülle zu bekommen. Das wird zusätzlich kompliziert, weil sich die Schwänze durch die Hitze des Abkochens gekrümmt haben. Gesichert: Die Jungfrauen waren ja schon tot, die Verkrümmung kann also nicht vom Schmerz kommen. Ganz sicher nicht.
Nun, ein jeder wird seine eigene Technik entwickeln. Ein guter Startpunkt ist schon mal, das hintere Ende der Schwanzschale entgegen der Krümmung abzubrechen. Das Ende des Schwanzes ist das dünne Ende.
Am anderen, dem dicken Ende, versucht man nun die äußere Schale ein Stück abzupulen, damit man endlich an das Objekt der Begierde kommen kann: Den begehrenswerten Schwanz der ANHOLTER Jungfrau! Mit der Rechten Hand versucht man nun die Krümmung ein wenig zu begradigen, mit der linken Hand zieht man nun am Dicken Ende den Schwanz in einem Stück aus seiner Schale. Merke: Von dünn nach dick.
Hat man seine Sache gut gemacht, sieht der nun schon essbare Schwanz ganz manierlich aus. Misslingt die Aktion ein wenig, sieht das Ergebnis eher wie ein winziges gerupftes Huhn aus. Je nach dem, wie man den Schwanz der der ANHOLTER Jungfrau weiter verarbeiten möchte, macht das aber gar nichts. Will man allerdings am öffentlichen Grillplatz glänzen, sollten die Schwänze der ANHOLTER Jungfrauen schon ordentlich was her machen.

Jomfruhummer, Anholter Jungfrau. Phase 3: Verwanden – Das, was von 2 Kilo übrig bleibt

b.2.4) Vertilgen: Anrichten
Versuche die ANHOLTER Jungfrauen mit Mayonnaise zu verbinden haben sich leider als (Kalorien)Bombe erwiesen. In Folge dessen ist diese gewichtstechnisch explosive Zutat strikt zu meiden. Derzeitiger Favorit auf der schwimmenden Missionsbasis am anderen Ende des Hafens zu ANHOLT ist ein Dipp aus fettem Jogurt (10% Fett), frischen ANHOLTER Zwiebeln, Dill, Salz, Pfeffer und dänischen süß-sauren Gurkenscheiben (die, die man auch für Hot-Dogs nimmt). Die freigelegten Schwänze der ANHOLTER Jungfrauen zerschneidet man in kleine Stücke und gibt sie dazu. Der so angerichtete Salat passt hervorragend auf selbst gebackenem Brot oder zu Pellkartoffeln. Einfach köstlich!

Je nach nun erreichter Tageszeit (wir erinnern uns, der Wecker mit der Klingel stand bereits auf 0645!) darf sich dann durchaus der eine oder andere kleine zylindrische Metallcontainer dazu gesellen und schon gibt es absolut keinen Grund mehr, über das Leben anderer richten zu wollen.

Jedenfalls aus meiner Sicht.

Peter.

P.S.: Wie viele Namen kann es für ein und dieselbe Sache eigentlich geben? Die Dänen sagen Jomfruhummer dazu, in Deutschland heißt das Tier Kaisergranat oder Jungfrauen-Hummer. Natürlich gibt es auch einen Namen auf Latein, für die angehenden Wissenschaftler unter uns: Nephrops norvegicus

Wieso eigentlich nicht einfach Krabbe?

Anholt, eine der beiden Hauptstrassen

Tag 29-33, Anholt

Kommen wir also nun unter anderem zum Unvorhersehbaren aus dem vorherigen Beitrag.

Tags darauf, am frühen Nachmittag verlangt ein körperliches Bedürfnis zum unmittelbaren Landgang. Solche Geschäfte sollte man besser nicht an Bord eines Hotelbootes in einem Hafen erledigen. Kaum steht der einsame Skipper auf der Betonpier, da schallt es von einem gerade einlaufenden Boot “Peter?”

Hä?

Inselhauptstrasse auf ANHOLT

Der Skipper hält scharf Ausschau. Erkennt aber weder das einlaufende Boot noch den darauf befindlichen Skipper. Da kann ja jeder rufen! Doch der rufende erkennt schnell die Schwierigkeiten des eigentlich auf einem wichtigen Gang befindlichen und gibt sich zu erkennen.

Na, das ist ja eine, im wahrsten Sinne des Wortes, schöne Überraschung!

Die geübte zwei Mann Crew macht einen 1A Anleger, kurze, freudige Begrüßung und erst dann, nun bereits mit einer gewissen Dringlichkeit, kann der Skipper des STORMVOGELS seinen Landgang fortsetzen.

Wie schön. Nix mit mönchsartiger Einsamkeit auf einer kleinen Insel im KATTEGAT namens ANHOLT. Eher das genaue Gegenteil davon.

Für Beste Unterhaltung ist gesorgt. Über Details wird, wie es sich unter Seeleuten gehört, geschwiegen. Drei unverhofft gute Abende werden miteinander verbracht, am Freitag Morgen dann macht sich die Crew auf ihren Weg nach Süden und der Skipper ist nun tatsächlich und unzweifelhaft allein.

Allein, Allein. (Polarkreis 18)

Inselhauptstrasse auf ANHOLT

Des Nachmittags, so gegen 1600, hat sich eine Art “Fähre-Einlauf-Ritual” entwickelt. Entweder werden die Hafenmanöver der Fähre auf dem Vorschiff des STORMVOGELS sitzend aufmerksam verfolgt, oder an Land gegenüber auf einer Bank vor dem Hafenkaufmann von ANHOLT, SPAR KONGE mit Namen.

Da sitzt man nie alleine. Es stehen fünf Tische mit fest angeschraubten Bänken vor dem Kaufmann. Da sitzen Eingeborene, rauchen und trinken ein Bier. Oder Touristen, beim Kaffee. Es braucht eigentlich nicht erwähnt werden, mit welcher Flüssigkeit genau sich der Skipper dort niederlässt und das Hafenmanöver der einlaufenden Fähre verfolgt.

Wegweiser auf ANHOLT, für die, die nicht wissen, wo es lang geht…

Präzise, aber nicht langsam gleitet die Fähre auf ihren Liegeplatz. Sicher unter Einsatz von vielen, vielen PS. Vorne und hinten. Das aufgewirbelte Hafenwasser färbt sich in Sekunden Sandgelb, richtig tief ist es hier nicht. Die voraus liegenden Fischer stören die Fähre nicht die Bohne. Kaum sind die jeweils beiden Vor- und Achterleinen fest, werden die Passagierluken in der Backbord-Bordwand geöffnet und die in der Regel schwer bepackten Fährgäste verlassen zu Fuß den Dampfer. Einige wissen zielstrebig um den zurückzulegenden Weg, andere kommen erst mal an, orientieren sich und trotten dann langsam in Richtung SPAR KONGE. Denn da scheint für Ortsunkundige das Inselleben zu beginnen. In jedem Fall freuen sich alle Neuankömmlinge sichtbar, endlich auf ANHOLT zu sein. Deutlich zu erkennen an einem breiten, sehr gelöst wirkenden Grinsen auf ihren Gesichtern.
Gut 30 Minuten nach dem Festmachen der Fähre ist der kleine Ankommenstrubel auch schon wieder vorbei und im Hafen wird es so still, wie vor dem Einlaufen.

Düne auf ANHOLT

Nach nun bummelig 10 Tagen kommt sich der Skipper durchaus schon wie in Insulaner vor. Um für einen vor SPAR KONGE sitzenden Eingebohrenen gehalten zu werden, müsste er allerdings noch das Rauchen anfangen. Noch ein Laster mehr. Ach nee, das lassen wir mal lieber.

Mindestens einmal am Tag muss sich des STORMVOGELS Skipper einem starken Impuls, sich selbst zum Hafenmeister zu ernennen, widerstehen, auch wenn es ihm sehr (sehr) schwer fällt, die Füße wirklich still zu halten.

Seenebel vor dem Hafen von ANHOLT

Bemisst der Skipper die eigenen Manöver mit dem STORMVOGEL nach dem sehr klaren Schulnotensystem 1-6, hat er nun beschlossen, die Skala nach unten um die Ziffern 7 bis 12 zu ergänzen. Zu dieser Einsicht der Notwendigkeit gelangte er beim Studium der vielen deutschen Charterdampfer, die hier ankommen. In der Regel von MOLA aus BREEGE. Was die Mannschaften auf diesen Booten abliefern ist selbst bei Besten Bedingungen in der Regel irgendwas zwischen 9 und 12. Und schon erschient eine der seltenen STORMVOGEL 4- schon gar nicht mehr so schlimm, gell? Alles eine Frage des Standpunktes, von dem man aus auf ein Manöver blickt. Erst Recht, wenn man bereits fest ist, sich seit Wochen nicht bewegt hat und klug schnacken kann!

Aber im Ernst:
Vier Mann auf 38 Fuß, offensichtlich Nachfahrt, Ankunft Morgens um 0700. Mannschaft verpackt wie Eskimos. War wohl kalt, die Nacht. Eigentlich klare Bug gegen Wind direkt in die Box Nummer. Aber der Skipper will rückwärts ran. Bojenmannöver: Mann soll mit Pippifax Bootshaken 6 Tonnen Boot halten und gleichzeitig Leine einfädeln. Kann natürlich nicht funktionieren. Wer hat schon vier Arme und kann 6 Tonnen halten? Dampfer vertreibt und gerät auf die Heckleine des Nachbars, wodurch dieser geweckt wird und im Schlafanzug bei lausiger Frühkälte versucht, das Gewirr von Booten und Leinen zu klarieren. Nach einer Stunde (!) sind die dann endlich fest.

Fünf Mann auf 46 Fuß, zugegeben bei schwierigen 20 Knoten Seitenwind. Haben es irgendwie gebacken bekommen, das der viel zu selten gesehene Hafenmeister mit dem Dingi kommt um ihnen die Vorleine in die Boje zu fädeln. Das macht der an Backbord auch, was an Steuerbord passiert sieht er warum auch immer nicht: Mit zu viel Fahrt läuft das Heck unter eingekuppelter Maschine über die Bojenleine des Nachbarn. Der Propeller erwischt die Leine, die würgt die Maschine ab und nun treiben sie ohne Fahrt und ohne Fender auf den viel kleineren Nachbarn. Völlig passiv, irgendwie entgeistert, stehen Skipper und Mannschaft da und scheinen darauf zu warten, das ihnen geholfen wird. Der Hafenmeister ist derweil mit seinem Dingi längst wieder abgeschwirrt.

Heidelandschaft auf ANHOLT

Meine Meinung:
Anleger können schief gehen. Das liegt in der Natur der Sache. Und manchmal braucht man wirklich Hilfe. Aber das darf natürlich nicht der Regelfall sein. Learning By Doing ist auch OK, so lange man andere nicht unfreiwillig daran beteiligt. Man stelle sich nur mal vor, was passiert wäre, wenn das Nachbarboot nicht gerade besetzt gewesen wäre. Ohne Heckleine mit dem Steven gegen die Pier knallend. Insbesondere einer großen Crew muss es doch möglich sein, (halbwegs) gute Anleger zu fahren? So viel Hände!

Wird Zeit, das die Mannschaft wieder kommt. Sonst endet das hier noch in besserwisserischen Prozessanalysen, Flip-Charts und Power-Point Präsentationen. Denn theoretisch ist die Sache ja völlig klar.

Um selbst in Form zu bleiben müsste man eigentlich jeden Tag, bei jedem Wetter mit dem Dampfer einmal kurz um den Block brettern und nach einer Stunde oder so wieder fest machen.

Oh ja, das schlage ich meiner Mannschaft bei Rückkehr als erstes vor!

Falls sie flüchten möchte: Unmöglich. Die nächste Fähre geht ja erst am Folgetag 🙂

Peter.

Tag 28: Anholt – Grenaa – Anholt, Sixt

Ganz schnell wird es einsam auf dem Dampfer.

Erst ist der Besuch weg, dann die Mannschaft. Landurlaub. War versprochen und was Skipper verspricht, das hält er auch. Nach eigener Einschätzung. Das war schon immer so, das mit der eigenen Einschätzung. Einen besonderen Sinn von solchen Landurlauben allerdings kann der Skipper natürlich nicht erkennen. Aber wenn es sein muss, dann muss es eben sein.

Hafen von ANHOLT

Und so bringt der Skipper seine Mannschaft mit der Fähre zum Festland nach GRENAA, klärt als zurückbleibender Reiseleiter die Geschichte mit dem SIXT Meet & Greet Mietwagen und schon ist er mutterseelen alleine.

Denkt er und die Mannschaft zumindest.

Doch bevor wir zu unvorhersehbaren kommen, soll zunächst das SIXT Meet & Greet erläutert werden.

Passagierterminal im Hafen von ANHOLT

Obwohl gut frequentierter Fährhafen, ist GRENAA so ziemlich am Ende der Welt. Dementsprechend gibt es auch nur die beiden Mietwagen Anbieter SIXT und AVIS im Hafen. Doch während AVIS ein Büro dort unterhält, hat SIXT eine besondere Lösung: Man reserviert ein Auto im voraus über das Internet. Innerhalb von maximal zwei Tagen bekommt man die Bestätigung, das das auch so klappen wird. Und dann trifft man sich zu einer verabredeten Uhrzeit auf dem Parkplatz des Fährhafens mit einem SIXT Mitarbeiter, der extra anreist und Mietvertrag und Autoschlüssel übergibt. Dann kann es los gehen.

Wendemanöver der Fähre im Hafen von ANHOLT. Bitte schön Abstand halten…

Was hat sich der Skipper für Sorgen wegen der Bezahlung gemacht. Am liebsten bezahlt er so was im voraus und gut ist. Doch das ging nicht. Laut offiziellem Verfahren soll auf dem Parkplatz die Kreditkarte samt PIN vorhanden sein. Bargeld oder V-PAY würden nicht akzeptiert.
In der Realität wollte der SIXT Mensch dann noch nicht mal die Kreditkarte sehen. Darauf angesprochen meinte er, die Daten hätten wir ja schon bei der Reservierung angegeben und durch die neuen Sicherheitsbestimmungen der Kreditkartenanbieter sei es technisch gar nicht möglich, auf dem Parkplatz zu bezahlen. Soll uns nur recht sein! Wenn man bedenkt, das der Skipper nur mit nach GRENAA gefahren ist, weil die Mannschaft ihre Kreditkarte in ELMSHORN vergessen hat und der Fahrer bei Anmietung zwingend eine Kreditkarte haben muss, die seinen Namen trägt. Also ist der Skipper der Mieter & Fahrer mit Kreditkarte und die Mannschaft zweiter Fahrer…und lässt dann den Mieter & Fahrer dann einfach auf dem Parkplatz stehen und braust davon.

Im Laderaum der ANHOLT Fähre
Im Laderaum der ANHOLT Fähre

Bei der Übergabe wird auch klar, wieso diese zwei Tage Bestätigungszeit dazwischen liegen. Die bringen nicht extra ein Auto auf den Parkplatz, sondern haben da immer zwei oder drei stehen. Und wenn keins da ist, kommt auch keines dazu. Wenn dann der Kunde kommt, kommt ein SIXT Mensch mit einem anderen Auto von sonst wo her und macht die Übergabe. Abgabe noch einfacher. Auto da parken, wo man es übernommen hat und Schlüssel in einen Briefkasten im STENA LINE Bürogebäude stecken.

Promenadendeck der Fähre von ANHOLT
Windpark vor GRENAA von DONG ENERGY

Bei der Reservierungsanfrage war eine Sache komisch: Während zunächst alle gefahrenen Kilometer inklusive sein sollten, waren später nur 700 KM enthalten, jeder mehr sollte extra bezahlt werden. In der Zwischenzeit hatte ich im selben Browser bei AVIS nach Preisen recherchier. Da waren immer die 700 KM, aber auch der knapp vierfache Preis. Also in einem anderen Browser SIXT nochmal reserviert und da wieder unbegrenzte Kilometer. Diese Schlitzohren!

SIXT meet&Greet Parkplatz im Fährhafen von GRENAA, vor dem STENA LINE Gebäude

Also denn.

Die Mannschaft ist weg, der Skipper dampft mit der Fähre drei langweilige Stunden zurück auf seine Insel. Obwohl, es gab gleich nach Verlassen des Hafens drei recht aufregende Minuten! Immerhin. Unvermittelt, ohne jede Ankündigung und ohne jeden ersichtlichen Grund legt die Fähre hart Steuerbord Ruder, neigt sich ob der vollen Fahrt spürbar auf die Seite. Wir fahren einen halbwegs sauberen, aber engen Vollkreis. Dann geht es weiter Richtung ANHOLT. Es folgt eine Durchsage auf Dänisch, irgendwelche technischen Probleme hätten dieses Manöver ausgelöst.

Könnte sein.

Die Fähre ANHOLT im Fährhafen von GRENAA

Kann aber auch nicht sein. Die Nummer hat mich doch sehr an eine Begebenheit auf dem STORMVOGEL in 2012 im niederländischen Wattenmeer vor der Insel VLIELAND erinnert. Der stolze Skipper hatte damals eine detaillierte Route im Plotter für das Fahrwasser nach HARLINGEN angelegt und dann dem Autopiloten befohlen, die Route abzufahren…

Die Fähre ANHOLT im Fährhafen von GRENAA

…doch in seinem Eifer hatte der Skipper glatt übersehen, das sein Boot den Startpunkt der Route längst passiert hatte. Woraufhin der Autopilot selbstverständlich zu der Einsicht kam, das Boot hart zu wenden um auf direktem Wege zum Startpunkt zu kommen, um von da aus ordnungsgemäß die Route abzufahren.
Und genau das könnte auch auf der Fähre der Fall gewesen sein, denn nach Verlassen des Hafens von GRENAA werden die Herren auf der Brücke den Autopiloten eingeschaltet haben…

Aber das war wirklich die einzige Aufregung.

Ansonsten Seefahrt mit Aussicht auf Windpark.

Rückfahrt der Fähre nach ANHOLT: Schiebewind am Windpark GRENAA

Peter.

P.S.:
Die Tage 25-27 haben wir auch gelebt! Aber recht faul. Am Strand und so…

Rückreise. ANHOLT in Sicht, endlich!