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Tag 19&20: Ballen

Das Wetter für die kommenden Tage wird nicht richtig hilfreich für die weitere Passage Richtung ANHOLT werden.

Warum dann nicht am Sonntag Nachmittag als Kaffeefahrt bei “fast Flaute” unter Maschine 18 Seemeilen nach BALLEN (SAMSÖ) dampfen?

Ja, ja, schon klar. Da wollten wir eigentlich nicht wieder hin. Liegt aber so schön strategisch für einen langen Schlag nach ANHOLT, da kommt der bekanntlich planerisch versessene Skipper einfach nicht dran vorbei. Und Vergangenheit ist sowieso Vergangenheit.

Kleiner Windpark von Samsö, die auf ihre autonome Energieversorgung stolz sind…

Das Groß als Stützsegel gesetzt, sieht ja auch besser aus. So ein Segelboot mit Segel dran. Die kurze Reise verläuft völlig ereignislos, der Hafen ist am späten Sonntagnachmittag nicht so leer wie gedacht und so gehen wir wieder auf unseren “Lieblingsplatz” aus dem vergangenen Jahr. Und lesen tatsächlich im eigenen Blog nach, wie man sich bei diesem digitalisiertem Liegeplatzsystem noch mal anmeldet. Schön das man immer noch vergessen kann, gell?

Sicherheitshalber wollen wir noch mal beim Supermarkt direkt am Hafen bunkern. Auf dem Rückweg muss der Skipper auf die Mannschaft warten, setzt sich bepackt mit seinem soeben erbeuteten vielen kleinen zylindrischen Metallcontainern auf eine Bank am Hafen und fragt sich was für eine Flüssigkeit in diesen kleinen zylindrischen Metallcontainern wohl so stecken mag? Mal ganz in Ruhe eine Probe ziehen…

Südspitze v,on Samsö

…während er also da so sitzt und darüber nachdenkt, das man die Flüssigkeit wohl doch besser kühlen sollte, beobachtet er am nahen Sanitärgebäude einen fremden Mann im mittleren Alter. Der Gestik nach zu urteilen irgendwie unzufrieden. Doch erst nach ein paar Minuten realisiert der Skipper, das der fremde Mann offenbar ein Deutscher ist. Doch was gibt es bloß an diesem lauschigen Sonntagabend in BALLEN zu benörgeln?

Die Blicke treffen sich, der Skipper, nach eigener Einschätzung durchaus erfahren in BALLEN-Aufenthalten, fragt ohne seine komfortable Bank zu verlassen den fremden Mann besorgt, was denn wohl los sei?

Der fremde Mann kommt auf ihn zu und klagt sein Leid: Er sei gerade erst angekommen und wolle seinen Liegeplatz bezahlen, bevor der Hafenmeister kommt und Strafgebühren erhebt. Doch da hänge nur so ein komischer C-PAY Automat herum, bei dem man eine Nummer eingeben könne. Eiserne Hafemmeister kenne er ja durchaus, aber dieses Modell sei ihm noch nie untergekommen.

Allee auf Samsö

Der Skipper grinst still in sich hinein und drückt dem fremden Mann erst mal einen seiner kleinen zylindrischen Metallcontainer in die Hand, bittet ihn Platz zu nehmen und prostet ihm beruhigend zu.

Immer hübsch der Reihe nach.

Da, wo das schicke Stahlboot des fremden Mannes liegt, sind die Liegeplätze ja noch gar nicht digitalisiert. Keine kaum lesbaren LED Anzeigetafeln, also kein C-PAY Liegeplatz. Freundlich weist der Skipper mit dem Arm auf das am Hafenende gelegene Büro des Hafenmeisters. Dort werde der fremde Mann die Sorte von eisernen Hafenmeistern finden, die er bisher aus Dänemark kenne. Der fremde Mann ist zunächst irritiert ob der vielen freundlich vorgetragenen Detailinformation, doch dann ist er fast spürbar erleichtert, beruhigt und dem Ankommen in einem fremden Hafen gebührend endlich entspannt.

Mittlerweile ist die Mannschaft des Skippers wieder aufgetaucht, gesellt sich zu der kleinen Herrenrunde am Hafen, verzichtet auf einen eigenen kleinen zylindrischen Metallcontainer, interessiert sich für den fremden Mann und erfährt: Er sei im Vorruhestand, vor einigen Jahren aus den Ruhrgebiet an die Schlei gezogen, kurz bevor die Immobilienpreise auch dort explodierten. Im letzten Jahr habe er sich dann seinen Dampfer gekauft und beschlossen, auf dem Meere zu reisen.

Gute Idee!

Haus am Strand von Samsö

Nun, ob der fortgeschrittenen Stunde und der immer noch währenden Sorge des fremden Mannes vor einem echten und womöglich kontrollierenden Hafenmeister möchte der nun nicht mehr so fremde Mann seine Pflicht als Neuankömmling endlich erfüllen, verabschiedet sich und bricht auf.

Der Skipper rafft seine verbliebenen kleinen zylindrischen Metallcontainer zusammen und trottet der Mannschaft hinterher zurück zum Boot.

Der STORMVOGEL ist an diesem Steg momentan das Einzige Boot.

Stehen auf dem Steg zwei uns den Rücken zukehrende Eis schleckende Menschen und betrachten unseren Dampfer. Erst als wir in ihrer unmittelbaren Nähe sind bemerken sie uns. Ist ja eigentlich auch keine Art, sich so von hinten anzuschleichen?

Was für ein wunderschönes Boot der STORMVOGEL denn wohl sei! Bis vor zwei Jahren hätten sie eine 40iger KOOPMANNS gesegelt, doch jetzt seien sie zu alt dafür und hätten sich, sie trauten es sich kaum zu sagen, ein Motorboot gekauft.

Wie jetzt, zu alt?

Noch ein Haus am Strand von Samsö

Mann und Frau sehen zwar älter aus als wir, aber doch nicht so alt?

Es stellt sich heraus, das die Frau gerade 80 Jahre alt geworden ist und der Mann zwei Jahre davor steht. Unglaublich und nur damit zu erklären, das sie zum einen sicherlich auf ihren Körper geachtet haben, zum anderen aber wohl auch, weil das Leben an Bord deutlich fitter hält als ein Leben auf dem heimischen Sofa.

Da Skipper und Mannschaft bekanntlich zu der Sorte der sehr toleranten Seglern gehören, die auch mit netten Motorbootfahrern gut klar kommen, ergibt sich ein weiterer kleiner Steg-Schnack. Der Mann ist Bestens informiert und hat unser Boot bereits geGOOGLEt. Steht schon länger zu Verkauf?

Ja, ach, was man dazu sagen?

Nun, der Mann gibt ernsthaft zu bedenken, das es kein zweites Leben gebe und man, so lange man könne, sein Leben auf dem Wasser verbringen solle. Genau aus diesem Grund hätten sie nicht einfach ihre KOOPMANS verkauft und sich auf ihr Sofa zurück gezogen, sondern einen brandneuen Motorkreuzer gekauft. Einfacher in der Handhabung und wohl auch in Verdrängerfahrt mit 6 Knoten brauchbar.

Soweit, so sympathisch und der Skipper steht kurz davor, eine Einladung zum Sundowner auszusprechen. Heute oder Morgen?

Doch dann erfahren wir von staatlich gelenkten Medien, die den Auftrag haben eine massive Coronapanik zu schüren, damit die Mächtigen der Welt ihre perfiden Pläne leichter umsetzten können. Dazu gebe es sogar ein offizielles, aber geheimes Strategiepapier der Bundesregierung, das nun im Internet verfügbar sei. Ob wir das wohl schon gelesen hätten?

Äh, nö?

Es mag am Inhalt der kleinen zylindrischen Metallcontainer gelegen haben oder an der späten Stunde. Doch mit einem Male werden Mannschaft und Skipper etwas einsilbig, verzichten auf Gegenrede und sehen zu, das sie ihre sieben Sachen an Bord bekommen. So verabschiedet man sich freundlich und jeder geht seiner Wege.

Ist es nicht beängstigend, das gut gebildete, gut situierte, gut alt gewordene Menschen absurde Verschwörungstheorien folgen? Vermutlich weil es so schön einfach ist?

Alles Blau-Grau in Samsö. Jedenfalls an diesem Tag.

BALLEN ist ein Ort, an dem man viele Menschen treffen kann!

Zumindest einen noch.

Tags darauf. Wir kommen gerade von einem ausgiebigen Spaziergang zurück und setzten uns auf die gastlichen Stühle des Hafenimbisses, der sich geschickt zwischen Strand und Hafen platziert hat. Die große Kamera liegt auf dem Tisch, damit sie nicht im Dreck liegen muss. Die Mannschaft hat Kaffee und Bier besorgt und wir bemitleiden unsere Füße.

Es erscheint Jens. Hagerer Däne mit wenig Zähnen, bestimmt über 60 Jahre alt, leicht zerlumpt, ein wenig mehr nur, als es der Skipper zu sein pflegt. Sein Aufreißerspruch: Was das denn wohl für eine verdammt große Kamera sei? Doch in Wahrheit hat er es wohl nur auf die Mannschaft ab gesehen, wie sich wenig später heraus stellt.
Zunächst verschwindet Jens am Tresen, Cola und Hot Dog organisieren. Er setzt sich an den Nebentisch und es entspinnt sich ein kleiner Schnack in einer radebrechenden Mixtur aus Dänisch, Englisch und sogar ein wenig Deutsch.
Schon nach dem zweiten Schluck Cola kommt Jens darauf, das ich ja wohl eine sehr schöne Frau hätte. Er habe keine. Es gab mal eine, früher, aber die sei schon lange weg. Wir verstehen, das es aus dieser Zeit wohl eine Tochter (oder war es ein Sohn?) gibt und er vor kurzem Opa geworden sei. Aber die würden alle auf dem Festland leben, kein Kontakt. Er suche noch nach einer neuen Frau, alleine sein wäre nicht so schön. Doch auf der Insel sei das alles nicht so einfach. Wir finden nicht heraus, was “das alles” wohl sein könnte. Denn kaum ist die Cola alle und der Hot Dog vertilgt, springt Jens mit einem Male auf, schnappt sich sein E-Bike und radelt los. Kein Tschüß, kein Auf Wiedersehen. Nix. Und wech.

Nun, die Idee mit dem Hot Dog war eine gute, die der Skipper nun nur zu gerne übernimmt. Kaum ist auch dieser Heiße Hund Geschichte verlassen wir unseren Rastplatz und pilgern zum Boot zurück. Mit einem Male sehen wir wieder Jens auf seinem E-Bike. Aber er uns nicht.

Sucht wohl immer noch am Hafen nach einer neuen Frau.

Ob das wohl der richtige Ort ist?

Peter.

Tag 17&18: Juelsminde

Den Liegeplatz in MIDDELFART müssen wir sowieso verlassen, unsere ursprünglich gewünschte nächste Etappe SEJERÖ haben wir irgendwie stillschweigend beerdigt.

Echt kein Wind um 40 Meilen gen Ost zu machen.

Aber wie wäre es mit gut 20 Seemeilen gen Nord-Ost kreuzen? Die angesagten 10 bis 15 Knoten Wind laden doch geradezu dazu ein, dieses für uns doch eher ungewohnte Manöver mal wieder richtig auszukosten?

Dänischer Kreuzfahrer

Wir starten früh am Morgen. Der Strom wird noch mit uns sein und später am Nachmittag soll es auffrischen. Erstmal unter Maschine durch das S-Kurven Fahrwasser zwischen MIDDELFART und FREDERICIA, das Groß ist schon gesetzt. Dann Fock und Yankee raus und wir starten zu unserem (für unserer Verhältnisse) großen Kreuzzug.

So sieht unserer Kreuzzug auf dem YellowBrick Tracker aus…nur alle zwei Stunden eine Position

Die Wenden klappen erstaunlich gut, als wir uns nach der Dritten Wende daran erinnern, wie es am Besten geht: Der Skipper schmeißt beide Back stehenden Vorsegel auf einmal los, die Mannschaft holt die Fock, der Skipper das Yankee durch. Der Autopilot steuert eine sichere 100° Wende. Sobald die Segel wieder stehen geht der Skipper ein paar Grad höher an den Wind und schon läuft der Dampfer wieder.

So sieht der Kreuzzug bei MARINETRAFFIC aus. Die lesen einfach unser frei empfangbares AIS Signal mit. Weltweit, wo immer sie können

Ich will nicht sagen, das es mir Spaß macht, nur auf einem verrückten Zick-Zack Kurs zum Ziel zu kommen. Doch als die Sonne uns wohlig wärmt und auch die Welle sich dem schönen Wetter völlig ergibt, ist es schon erquicklich, dieses Kreuzen.

Und so sieht der Kreuzzug auf unserem FURUNO Plotter aus, der den eigenen zurückgelegten Pfad als Track protokollieren kann

Wir gönnen uns sogar den Luxus, um die große Untiefe von JUELSMINDE (BJOENRSKNUDE FLAK) zu kreuzen. Denn: 2,70 Meter Tiefgang sind mehr als 1,50 Meter!

Kiel einfahren, Maschine an und direkter Kurs?

Die Untiefe vor Juelsminde

Normalerweise vermutlich schon, heute nicht. Erst kurz vor dem Hafen bergen wir die Segel, machen den Dampfer Hafenklar und laufen in diesen sehr großen Sportboothafen mit gleich vier Hafenbecken ein. Die Mannschaft macht einen erstklassigen freien Liegeplatz aus, easy going gegen den Wind und schon sind wir fest. Diesmal mit ohne Geschrei.

Hafen von Julesminde

Der Hafen vibriert von den vielen Touristen. Gleich drei Restaurants im Hafen, ein erstklassiger Fischhändler und: Kostenlose Waschmaschinen und Trockner! Den Rest des Tages machen wir einen auf Max. Max hießen die Chinesischen Wäscher auf den großen Berufsschiffen. Keine Ahnung, ob es die noch gibt?

Umgebung von Juelsminde

Klar, die vielen Touristen irritieren ein wenig, doch ist es nicht auch herrlich, das die Menschen wieder draußen sind, die Kinder johlen, Eis gegessen wird und alle den Tag genießen?

Doch, ist es! Ganz eindeutig.

Umgebung von Juelsminde

Das mit dem Waschen finden wir so toll, das wir nach dem obligatorischen Morgenspaziergang am nächsten Tag einfach weiter waschen. Die Mannschaft hat fest gestellt, das wir schon fast seit drei Wochen im gleichen Bettzeug schlafen.

Donnerknittel.

Woran man alles merken kann, wie die Zeit vergeht?

Peter.

Böser Schwimmsteg im neuen Hafenbecken von Juelsminde

Tag 15&16: Middelfart

Den späten Nachmittag auf Anker vor dem Hafen von LYÖ nutzten wir für Polierarbeiten. Mal schön in aller Ruhe in der Abendsonne dem kostbaren Edelstahl an Deck was gutes tun, mit Musik, natürlich.

Gute Laune!

Vor Anker vor LYÖ

Die Nacht wird unruhig. Das war so nicht geplant. Doch der Wind frischt unerwartet auf und in den Böen heult es bedenklich im Mast. Muss der Skipper doch glatt nach Mitternacht für ein paar Stunden Ankerwache gehen? So ein Mist. Meteorologe müsste man sein. Viel Geld, erzählen was man will. Kommt eh anders.

Mit dem ersten Tageslicht beruhigt sich das Wetter und es ergibt sich doch noch ein wenig Schlaf für den Skipper. Die Mannschaft hat nicht viel mit bekommen. Nur schlecht geträumt.

Gegen 0800 dann Anker auf und mit bummelig 10 Knoten Wind aus Südost gen Norden.

Roter Vermesser

Es läuft zwar, aber nicht schnell. Der raume Kurs trägt sicher dazu bei. Ein knallroter Vermesser fährt auf unserer Strecke auf und ab und begegnet uns so glatt drei mal. Muss ja ganz schön langweilig sein, so ein Job?

Roter Fischer

So richtig mag das Wetter sich nicht entscheiden. Mistigkalt, doch auf der ewigen Suche nach dem positiven: Es ist trocken!

Die Passage der Bägö/Ärö Inseln gelingt dank mitlaufendem Strom so gerade unter Segeln, danach geht endlich die Post ab! Halbwind, Vollzeug und in Böen macht der STORMVOGEL 9,2 Knoten Fahrt. Klasse! Wirklich klasse! So stellt man sich das Segeln auf einer Talsperre vor. Absolut keine Welle, dafür aber maximaler Speed. Ganz so, wie wir es im letzten Jahr auf Südkurs erlebt hatten. Merkwürdig, aber dieser Abschnitt des kleinen Belts scheint in beiden Richtungen eine optimale Rennstrecke zu sein.

High-Speed Segeln im kleinen Belt

In der Abschattung der hohen Bäume rund um das Fahrwasser von MIDDELFART läuft es natürlich nicht mehr ganz so gut, aber erst auf der letzten Meile müssen wir die Maschine starten. Passt ganz gut, schließlich muss der Dampfer ja klar zum Anleger gemacht werden.

Getreu dem Motto, in diesem Jahr öfters mal was neues, wollen wir im Stadthafen (GAMMELHAVN) fest machen. Der ist natürlich immer noch so eng wie der Inspektion im letzten Jahr, doch nun wissen wir ja, worauf wir uns einlassen.

Denken wir jedenfalls.

In Ermangelung eines Liegeplatzes gehen wir bei einem Segelkutter längsseits. Bei allen anderen hängen Schilder wie “bloß nicht fest machen” oder “verlasse den Hafen um 15:45 Uhr”. An unserem Päckchengeber hängt nix. Und es ist auch keiner zu sehen. Nach einer Stunde immer noch nicht und so verlassen wir das Boot, um dem Grund unserer Ankunft nachzukommen: Einkaufen und Bargeld beschaffen.

Anderthalb Stunden später sind wir zurück und auf dem Kutter sehen wir eine Horde Menschen.

Unser Boot bewegt sich!

Die Kuttermannschaft will den STORMVOGEL gerade fachmännisch vorholen, damit sie ablegen können. Wir entschuldigen uns für die Blockade, die Dänen entschuldigen sich, das sie ablegen wollen und bieten an, uns beim erneuten Festmachen zu helfen. Um 2100 seien sie zurück und müssten dann wieder innen an die Pier. Also nochmal vorholen….

Nix für uns.

Kurzerhand beschließen wir, einen Hafen weiter zu gehen. Zum Glück haben wir noch keinen Landstrom gelegt und auch keine Hafengebühren bezahlt. Maschine an und los.

Die nächste Liegeplatzmöglichkeit ist nur ein paar hundert Meter weiter nördlich. Die Mannschaft wirbelt ordentlich, um das Deck klar zu bekommen, der Skipper kann Fragen bezüglich des Festmachers natürlich wieder nicht beantworten. Hin fahren und nachsehen, wie immer bei neuen Häfen.

Die Boxengasse bei Einlaufen an Steuerbord ist eng und verläuft in einem Bogen. Immerhin Heckpfähle. Aber so eng, das da vier Meter wohl nicht durch passen. Also rückwärts wieder raus, an Wenden ist nicht zu denken.

Wer baut denn so was?

Gleich Backbord neben der Einfahrt gibt es auch freie Plätze, doch das System von Pfählen und Mooringbojen erschließt sich dem Skipper nicht. So gehen wir längsseits in eine offenbar freie Box, vielleicht 16 Meter Länge und ein Stahlband mit fetten Schrauben ca. 50 Zentimeter über der Wasserlinie.

Wer baut denn so was?

Das fragen wir uns dann noch des öfteren in diesem Hafen.

Doch zunächst gibt es Streit. Der Anleger geht schief. Die Mannschaft bekommt zwar die Spring zum Eindampfen rüber, aber die Geschichte mit der Vorleine geht völlig schief. Durch den Wind wird das Boot immer wieder nach Achtern gedrückt und das Stahlband der Hafenmole kommt dem schönen blauen Lack des STORMVOGELS gefährlich nahe. Nur mit Maschine und Spring ist das Boot einigermaßen auf Position zu halten.

Zunächst schreit der Skipper nur, um gegen den Wind gehört zu werden. Dann schreit er, weil er vor Wut fast platzt. Und erreicht damit, wie im übrigen immer, das genaue Gegenteil von dem, was er eigentlich erreichen will.
Statt die Mannschaft zurück ins Cockpit zu rufen und ihr zu erklären, was anliegt und wie wir die Situation in Ruhe zu lösen können, gerät er immer weiter in Rage und macht die Mannschaft völlig konfus. Zeit ist genug, denn mit Maschine und Spring ist das Boot ja auf Position zu halten.

Ganz schlechte Seemannschaft.

Digitalisierte Liegeplatzvergabe: Wer findet hier grün, wer rot?

Das ernennt der Skipper immerhin noch selbst, bekommt zu gerade die Kurve, die Mannschaft bekommt die Vorleine fest und die Stimmung ist erst mal völlig versaut. Wegen Peanuts.

Wie blöd kann Mann sein?

Digitalisierte Liegeplatzvergabe: Nur zu erkennen, wenn keine Sonne scheint und man direkt davor steht. Links ein Sensor, der merkt, ob ein Boot auf dem Platz liegt

Wie zum Hohn erkennt der Skipper später eine dieser “famosen” elektronischen Anzeigetafeln auf der geschrieben steht, das der Platz ab Übermorgen reserviert sei. Na toll, immerhin zwei Nächste dürfen wir also bleiben, wenn wir wollen.

Digitalisierte Liegeplatzvergabe: Man legt auf Grün an und auf einmal springt das Teil auf Rot – reserviert….

Diese NYHAVN 2 genannte Marina ist eigentlich ein Witz. Mit viel Geld für wirklich luxuriöses Material gebaut, aber völlig verplant und auf Gäste eindeutig nicht eingerichtet. Die ganze Anlage ist eher ein Parkplatz für große Motorboote. Mehr nicht. Die Sanitärcontainer auf dem Wohnmobilstellplatz sind immerhin luxuriös groß….

NY HAVN 2 Marina in Middelfart

Und wieder:
Auf der Suche nach dem Positiven findet sich ein sehr guter KVICKLY Supermarkt 3 Minuten entfernt. Also ideal zum Bunkern von Bier und sekundären anderen Lebensmitteln. In der darauf folgenden Nacht schütteln uns mehrere Sturmböen gehörig durch. Ganz komfortabel, wenn man gut abgefendert in einer Marina und nicht vor Anker liegt.

Bauen was das Zeug hält…

Genau wie in Deutschland wird auch in Dänemark gebaut, was das Zeug hält. Direkt am Hafen luxuriöse Penthouse Wohnungen, Einkaufszentren und weiter oben in der Stadt, in der Nähe der alles überragenden NY LILLEBAELTSBRO Brücke auch Einfamilienhäuser. Ganz schön laut, der Straßenverkehr auf der Brücke. Warum bloß baut man sein Heim in der Nähe einer Autobahn?

Bauen was das Zeug hält…

Warum denn nur?

Ganz schön viele offenen Fragen in einem einzigen Beitrag.

Peter.

Großstadtkulisse in der NY HAVN 2 Marina Middelfart

Tag 14&15: Lyø, Avernakø, Lyø

Ein Motto der diesjährigen Segelreise könnte sein, auf jeden Fall und wann immer möglich, neue Ziele anzulaufen.

Beim finden attraktiver neuer Ziele hilft bekanntlich der allseits beliebte Schnack auf dem Steg oder Segelfreunde, die heimlich still und leise die Mannschaft auf besondere Ideen bringen.

Korshavn auf Avernakø

Letzteres war vermutlich die Ursache dafür, das wir am Montag gegen den schwachen Südwestwind unter Maschine eine sehr kurze Seereise von 6,5 Seemeilen antraten. Für 6,5 Seemeilen würde der Skipper normalerweise nicht mal müde mit der Schulter zucken, doch ordentlich nach Norden kommt er bei dem wenigen umlaufenden Wind auch nicht. Warum denn also nicht?

Das unbekannte Ziel: Die Insel AVERNAKÖ und dort der südliche Minihafen KORSHAVN.

Strasse von Süd nach Nord auf Avernakø

Wassertiefe im Hafen so um und bei 2 Meter, aber bei der Länge des STORMVOGELS wohl nur wenig brauchbare Boxen. Egal. Denn wenn wir dort nichts finden, können wir zurück in den eigentlichen Yachthafen von AVERNAKÖ im Norden oder ein sehr kleines Stück weiter um im Süden der Insel zu ankern. Das Wetter passt.

Liegeplätze an der Außenmole von Korshavn auf Avernakø

KORNSHAVN ist wirklich winzig und sehr verlassen. Ein Dänisches Motorboot liegt noch im Hafen, ein kleines Segelboot an der langen unruhigen Außenpier.

Kein Mensch zu sehen.

An Land wird gerade ein wunderbares Haus wieder her gerichtet, die Leute scheinen Dänen zu sein. Der Gelassenheit nach zu urteilen.

Yachthafen im Norden der Insel Avernakø

Nachdem wir den Dampfer ordentlich angebunden haben und eine ewig lange Stromleitung verlegen kommt, was auf so einer Insel kommen muss. Die allseits beliebte Inselerkundung per Fahrrad! Hurra wäre glatt übertrieben. Fahrräder stehen nicht abgeschlossen am Hafen herum, die kleine Miete steckt man in einen hölzernen Briefkasten. In diesem Jahr scheint die Sattelfrage zu einer existentiellen zu werden. Der Skipper will sich das Recht des Stärkeren heraus nehmen und besteht auf dem einzigen Damenfahrrad mit einem schön komfortablen Sattel. Doch die Mannschaft besteht auf ihr Recht als Herzallerliebste und so geht es für einen der beiden doch recht unkomfortabel gen Norden. Kaufmann und nördlicher Yachthafen als Landziel.

Blick von Avernakø zur nördlichen Nachbarinsel Lyø

Schöne, andere, flacherer Landschaft als bei der Nachbarinsel LYÖ, doch auch hier geht es mitunter AUF und AB und beim AUF kapitulieren beide Reisende zu oft. Doch was will man von bewegungsarmen Seglern auch erwarten?

Wie gut, das wir den nördlichen Hafen von AVERNAKÖ (BADEHAVN) noch nie angesteuert haben. Sehr, sehr langweilig. Keine Ahnung, wieso man hier her kommen sollte? Der Kaufmann im Ort ist da schon interessanter. Etwas wunderbar wuselig dort, doch die alte Frau hinter dem Tresen kann Gedanken lesen! Denkt jedenfalls die Mannschaft, als sie frischen Salat sucht und die Frau aus dem Kühlraum ungefragt einen sehr gut aussehenden Salatkopf auf den Tisch legt. Wie schön! Der Skipper stellt zwei kalte Bier dazu und wie üblich bei diesen kleinen Kaufmannsläden sitzt man gemütlich vor dem Laden und leert die soeben erstandenen Flaschen, stellt das Leergut in die dafür bereit stehende Kiste und zieht seines Weges.

Schon wieder ein Boot an der falschen Stelle

Auf dem Rückweg nach KORSHAVN kauft die Mannschaft noch frische Eier, Marmelade und Petersilie an einem der zahlreichen Hofstände entlang des Weges. Profis zahlen hier mit dem Handy per MOBILE PAY, wir schnöden Deutschen Touristen legen brav Bargeld in die Kassette.

Gauner, Arschlöcher und Gierige hätten ihre wahre Freude. Könnte man hier doch was zu Essen UND Geld auf einmal klauen. Ohne Videoaufnahme. Ohne Polizei. Ohne Konsequenz. Ist ein auf großes Vertrauen aufgebauter Lebensentwurf nicht so grandios, das er für Stadtbewohner unwahrscheinlich klingt? Mag sein, doch hier, im ländlichen Dänemark wird er gelebt und es ist uns eine wahre Freude, ein Teil davon zu sein!

Verkehrstechnik auf Avernakø

Zurück auf dem STORMVOGEL genießen wir die sehr stille Abendstimmung und sind froh´, dem Rat der Segelfreunde gefolgt zu sein.

Am kommenden Morgen erwandern wir die Südspitze von AVERNAKÖ und schaffen so locker unsere vorgenommene mindestens einstündige körperliche Ertüchtigung am Tag. Zum einen sind wir wie immer deutlich länger unterwegs, zum anderen führt die Mannschaft den Rückweg über den von groben Kieselstein übersäten Strand. Ganz schön anstrengend!

Ankerbucht im Süden von Avernakø

Frühstück, Dampfer Seeklar machen und am frühen Nachmittag wieder unter Maschine zurück nach LYÖ, doch diesmal auf Anker. Denn am nächsten Morgen wollen wir mit dem aufkommenden Ostwind in einem Rutsch nach MIDDELFART, da ist eine vorweg genommene Reisestunde durchaus willkommen!

Peter.

Traumhaus im Süden von Avernakø

Tag 8,9,10: Mommark und Als

Das Wetter bleibt lausig. Unfassbar. Um die 10°C, Regen, Wind und eine Garstigkeit, die dem Ende des angeblichen Wonnemonats Mai gar nicht gut zu Gesichte steht.

Kann Mann immer noch machen nix.

Spekulatius über das, was die Zukunft bringen mag, hilft da auch nicht. Da müssen doch noch ein paar richtig gute Wochen kommen? Ein paar mehr, bitte schön!

Jede Menge Parkplatz, für ca. 500 Autos?

Das Wetter könnte uns ja auch egal sein, denn jetzt wollen wir erst mal das Gebiet zwischen MOMMARK und FYNSHAVN ein wenig zu Fuß und mit dem Fahrrad erkunden. Brütend heiße Sonne ist da auch nicht wirklich hilfreich. Aber das Gegenteil davon eben auch nicht. Zu sehr sehnt man sich in diesen Tagen nach Regenschutz und Wärme.

Aber immerhin Blick auf den Kleinen Belt

Die Küste der Halbinsel ALS zwischen den beiden Häfen ist recht hügelig. Man könnte auch sagen, bergig. Verlässt man die fast ebene Verbindungsstrasse und bleibt dicht an der Küstenlinie, geht es permanent auf und ab. So lange es runter geht ist es ja ganz lustig, mit voller Fahrt auf zwei Rädern durch den Nieselregen zu brausen. Doch bergauf ist es ein Grauß! Eher nur schiebender Weise zu Fuß zu erledigen.

Unmittelbarer Handlungsbedarf

Interessiert sehen wir uns Häuser an. Solche, die zu verkaufen sind, solche, die einfach so vor sich hin zerfallen und solche, die sehr hübsch anzusehen sind. Die Gegend ist in der Tat recht tot. Oder sollte man lieber sagen, sehr ruhig? Ein paar große Schweinemastbetriebe hier und da, die über kleinen Schornsteine ihre Abluft aus den Mastställen kilometerweit über die Landschaft verstreuen. Je nach Windrichtung und Stärke ist man ob der Geruchsintensität schon mal überrascht. Ansonsten: Nichts. Hier und da mal eine Ferienhaussiedlung, aber die haben ja auch noch keine Saison.

Blick von ALS auf den KLEINEN BELT mit dem Nordkap von AERÖ im Hintergrund

Oft folgen wir dem Wanderweg “ALSSTIEG“. Wenn man einmal den Pfad gefunden hat, kann man sich nicht verlaufen: Immer auf gut zwei Meter Breite frisch gemäht, da wo Wiese oder Feld ist. Ansonsten gut sichtbare Wegweiser. Manchmal ist es aber schwer, den Faden aufzunehmen – so haben wir zum Beispiel am ersten Abend in MOMMARK den Pfad nicht gefunden, obwohl er unmittelbar beim Hafen startet. Dafür zwei Tage später. Denn es muss ja schließlich auch gefunden werden, was da sein soll.

Auf dem ALSSTIEG

Direkt am Hafen von MOMMARK gibt es einen recht guten Sandstrand. Der südliche und nördliche Küstenabschnitt besteht jedoch aus groben Kielsel, Felsen und Geröll. Gar nicht so einfach, darauf zu laufen ohne mit dem Fuß umzuknicken. An Baden ist natürlich nicht zu denken – es sei denn, man ist verrückt. Tatsächlich sehen wir zwei Eingeborene, die gerade mit krebsroter Haut aus dem Wasser kommen. Ganz offenkundig verrückt.

Runinen auf einem Meergrundstück – und im Urwald

Einmal am Tag fallen wir unseren Freunden auf ihrer Großbaustelle auf den Wecker. Oh, wie fürchterlich aufhaltend solche Bautouristen sein können, gell? Mit unserer Anwesenheit erzwingen wir sozusagen eine kurze Arbeitspause, damit diese offenkundige Selbstausbeutung wenigstens an drei Tagen in Folge nicht in einer schleichenden Selbstzerstörung endet.

Noch ein Haus, am Waldrand, garantiert ohne Sonne

Und wie immer, wenn das Wetter auf die Stimmung drückt: Es kann nur besser werden! Das wird es auch. Der Wetterbericht verspricht Sonne, Sonne und nochmals Sonne für das Wochenende. Etwas wärmer soll es auch werden, aber (natürlich) immer noch viel zu kühl.

Kleine Allee mitten im Nirgendwo

Wie schön! Da vorholen wir uns doch als nächstes glatt mal 12 Seemeilen nordöstlich auf die Insel LYÖ und warten im Hafen auf die Segelfreunde, die beim letzten Versuch vom Wetter ausgebremst wurden.

Peter.

P.S.: Die “NICHT”-Farben der Bilder entsprechen der Wirklichkeit.

Tag 4,5,6: Aerö

Da ist es wieder!

Es ist sofort wieder da. Hervorgekrochen aus der untersten Bilge.

Unbemerkt hat es das Kommando an Bord übernommen. Heimlich, still und leise. Beharrlich in der Absicht, unbeschwert in der Ausführung.

STORMVOGEL im Gasthafen von MARSTAL

Das gemeinhin bekannte Bord-Lotterleben hat uns voll vereinnahmt!

So schnell, wenige Tage nur hat es gedauert. Eigentlich sogar noch in Stunden auszudrücken.

Zugegeben. Beim Skipper hatte das Bord-Lotterleben wie üblich ein leichtes Spiel. Einmal in einem Hafen angekommen verliert er nur zu leicht die Kontrolle und diese heimliche Macht aus der Bilge kann ohne große Mühe die Kontrolle über den wichtigsten, weil einzigen Mann an Bord übernehmen. Bei der Mannschaft fällt ihr das schon schwerer. Fängt diese doch in der Regel an, den Dampfer aufzuräumen, gar zu putzen! Doch auch dieses ungebührliche Verhalten von getarnten Landratten schwächt sich zusehends bei der Mannschaft ab. In diese aufklaffende Lücke breitet sich das Bord-Lotterleben somit auch bei jenen aus, die Standhaft bleiben wollen.

Tisch im Garten

Kann Mann machen nix.

Frau im übrigen auch nix.

Die Koje wird je nach Wetterlage am Vormittag verlassen. Regnet es, dauert es länger. Scheint die Sonne, auch mal früher. Nur selten erbarmt sich einer der beiden Reisenden, wenigstens nur kurz die Koje zu verlassen um die Heizung einzuschalten. Denn das ist im Moment allen Tagen, egal ob Regen oder Sonne, gemein: Kalt, kalt, viel zu kalt.
So eine belegte Doppelkoje, zumal eine warme, ist da schon deutlich attraktiver als der kühle Decksalon am Morgen.

Strandhäuser in MARSTAL

Nun, irgendwann ist mal also kurz vorm Wundliegen und steht endlich auf. Eine kocht Kaffee, der andere wartet geduldig auf dessen Fertigstellung, während er durch aufmerksamen Rundumblick die Lage sondiert. Sitzen beide endlich beim Kaffee, werden Vorsätze für den neuen Tag gemacht. Zumeist gilt es, die wichtigste Frage des Tages zu klären: Was gibt es heute Abend zu essen? In der Regel ergibt sich daraus eine kleine Pilgerreise in das Zentrum von MARSTAL.

Hochzeitshaus am Strand von MARSTAL

Nach der zweiten Tasse Kaffee fällt dem Skipper in der Regel endlich auch ein sinnvoller Bootsjob ein, den man mal erledigen könnte. Betonung liegt auf “MAL”. Also nicht jetzt, nicht hier und heute, schon gar nicht unmittelbar. Die Mannschaft in ihrer nahezu unmerklichen Bestimmtheit verfügt dann aber doch ein “Was Du heute kannst besorgen, verschiebe nicht auf Morgen” und der Skipper überlegt als nächstes, wie er aus der Nummer wieder raus kommen könnte.
Doch vertiefen wir an dieser Stelle diese kleine Schraubereien am Boot nicht weiter, sondern wenden uns wieder dem viel schöneren Bord-Lotterleben zu.

Anker des Küstenmotorschiffes SAMKA in MARSTAL

Verlangt also der abendliche Speiseplan einen Besuch des Supermarktes wird ein Rucksack als Transportbehältnis gewählt, die Wanderschuhe angezogen und mit Chance vor Aufbruch klugerweise sogar ein Einkaufszettel geschrieben.

Navigationshinweis für Leute mit schwachen Navigationskenntnissen

Der Weg vom Gasthafen zu eben jenem begehrenswerten Einkaufstempel namens Burgsen führt an der alten Schiffswerft vorbei in die kleinen Gassen und Straßen von MARSTAL. Die kleinen Häuser mit ihren Sprossenfenstern sind alle bunt zurecht gemacht und strahlen eine große Gemütlichkeit aus.
Erreicht man die kleine Einkaufsstraße hat man es fast geschafft. An deren Ende liegt eigentlich das Ziel. Nur wird es nun zunehmend schwieriger, dieses auch tatsächlich zu erreichen, wird man je nach Tageszeit doch durch allerlei interessantem links und rechts des Weges abgelenkt. Die eine mehr, der andere weniger.

Schutzhütte für Fischer

Endlich dort angekommen, wo es die Dinge zu kaufen gibt, die erst Stunden später gebraucht werden, fällt es schwer standhaft zu bleiben und sich an den Einkaufszettel zu halten. Erdbeertörtchen, Fischfrikadellen und Tuborg Classic in Dosen stehen nicht darauf, verlangen aber dennoch nach Beachtung.

Der Grund für jene unerfindliche Empfänglichkeit für diese geradezu luxuriöse Verführung ist schnell gefunden:

Dieses elendige Bord-Lotterleben!

Endlich eine neue Farbe!

Nun denn, wer schwelgen will muss zuvor leiden. Jedes Erbeertörtchen, jede Fischfrikadelle, ja ein jedes Tuborg Classic will verdient sein! Und damit ist nicht der kurze Weg zwischen Boot und Supermarkt gemeint.
In trauter Zweisamkeit strolchen Skipper und Mannschaft zu Fuß sozusagen in jeder freien Minute (nein, nein, keine Übertreibung) über die Insel. In die Nähe zu den hübschen, bunten Strandhäusern, oder in das ferne Aerösköbing. Immerhin 11 Kilometer. One Way! Aber nur, nach dem die beiden heraus gefunden haben, das der Inselbus auch an Feiertagen verkehrt. Ein Rückmarsch auf eigenen Füßen würde wohl bleibende Schäden verursachen?

Zurück an Bord:

Irgendwo muss doch hier noch ein Stück Schokolade sein?

Ach, dieses herrliche Bord-Lotterleben lässt einen nicht los.

Peter.

Zerbochener Steg
Kleiner Steg

Tag 3: Marstal

Ursprünglich haben wir uns über Pfingsten mit Segelfreunden auf LYÖ verabredet. Doch der Wetterbericht verheißt nichts gutes. Regen und starker Südwind – das macht dann keine wirkliche Freude auf Anker. Wenn es sein müsste, dann würde es wohl gehen, aber es muss ja nicht sein.

Sonne in Sicht

Ausweichtreffpunkt ist MARSTAL. Da kann man bei jedem Wetter im Ort rumstrolchen, gemütlich an Bord im Hafen Bücher lesen oder auch mal angespültes am Strand suchen.

Aufbruch um 0730, der Himmel wolkenverhangen, keine 10°C. Vom Westwind ist hier dicht unter Land noch nichts zu spüren, aber der kommt schon noch. Bei dem Himmel. Auf der ganzen Kieler Förde sehen wir nur drei andere Sportboote. Könnte wohl auch November sein?

Kiel Leuchtturm achteraus

Querab von STRANDE setzen wir Vollzeug. Ganz in Ruhe, denn nach dem Anschlagen der Segel ist es ja das erste Mal in dieser Saison, das diese “white flappy things” wieder am Mast hängen. Und siehe da, nach dem auch das große Yankee draußen ist laufen wir gute 6 Knoten. Brüllaffe aus, es wird gesegelt!

So läuft es eine Weile, irgendwann sind wie bei 7+ Knoten, die Welle ist OK und dem ersten Törn der Saison durchaus angemessen.

Aus dem Ei gepellt, gell?

Kommt ein Schmetterlingssegler von Backbord. Wie doof. Wer muss denn nun wem ausweichen? Äh, noch mal kurz ins Buch schauen. Könnten wohl wir selbst sein? Ach nö, keine Lust, läuft doch so gut. Also Stand-By hinterm Ruder im zugigen Wind, jederzeit bereit in den Wind zu schießen, sollte es doch zu knapp werden. Aber dank einer kräftigen Böe sind wir gut 300 Meter vor ihm rüber.

Keiner da

Knapp zwei Stunden später wird die Sache mit dem Ausweichmannöver größer. Ein riesiger Saugbagger stiehlt offenbar Sand von einer 6 Meter Untiefe in der Marstal Bucht. Heimlich, still und Leise. Schon ganz gut abgeladen, das Arbeitsschiff. Kaum sind wir in der Nähe, macht sich der vermeintliche Dieb auf nach Süden. Wie gut, das wir ihn Windwärts passieren und so mehr als genügend Abstand behalten.

Noch eine Stunde später erreichen wir die Ansteuerung des Marstal-Fahrwassers, bergen in aller Seelenruhe die Segel, schmeißen den Brüllaffen an und gehen wie gewohnt in den gebaggerten Kanal.

Keine schlechte Fahrt…

Wie gewohnt?

Irgendwas ist anders, stellt der Skipper mit einem Male verdutzt fest.

Wieso steht ER, der Skipper, nicht am Ruder?

Wieso posiert da angeberisch mit beiden Beinen auf beiden Backskisten abgestemmt stehend die Mannschaft herum und steuert den STORMVOGEL?

Na ja, denkt sich still der Skipper: Hat sich wohl so ergeben und die paar Fender und Leinen kann er ja auch mal selbst klar machen. Durch die Bewegung wird ihm bestimmt auch wieder warm. Der Mannschaft wird noch mollig warm sein, hat sie doch während der Passage ein paar hundert Seiten eines neuen Buches im Deckssalon verschlungen und dem Skipper so das Gefühl vermittelt, er sei Einhand unterwegs.

Kurz vor der Hafeneinfahrt regt der Skipper vorsichtig an, etwas Fahrt heraus zu nehmen, damit der 90° Backbord-Abzweig nicht zu schwungvoll genommen wird. Kurz darauf möchte die Mannschaft aus unerfindlichen Gründen dann doch lieber das Ruder abgeben und will wissen, wie wir denn heute genau fest machen.

Immer diese Fragen.

Woher soll ein Skipper so was wissen?

Es ist einfach.

Der STORMVOGEL ist das schönste Segelboot im Gasthafen und darf sich daher den Liegeplatz auch frei aussuchen.

Oder liegt beides schlicht daran, das kein anders (gar kein anderes!) Boot da ist?

Ein jeder, der MARSTAL ein wenig kennt und den Kalender im Kopf hat, bekommt wohl das kalte Grausen. Der Hafen ist um diese Jahreszeit immer voll, an Wochenenden dann übervoll. Jetzt also das Gegenteil von voll.

Aha, endlich mal wieder ein echtes Schiff!

Der böige Seitenwind macht den Anleger schwieriger als eigentlich nötig, klappt aber doch ganz gut und trotz der äußeren Leere fühlen wir uns innerlich schon mal sehr erfüllt. Gute erste Passage 2021 beendet, die Sonne kommt raus, Erbeertörtchen und Fischbrötchen im Ort warten schon bestimmt auf uns.

Schauen wir mal, was die kommenden Tage außer Regen und Wind noch so bringen.

Peter.

Ostsee 2020

Bis zuletzt war unklar, ob wir den Sommer auf unserem Boot STORMVOGEL auf der Ostsee verbringen werden. Das Coronavirus machte jede Planung unmöglich. Für uns stand fest: Wenn wir nicht wenigstens nach Dänemark einreisen dürfen, dann lassen wir STORMVOGEL in der Halle und bringen ihn gar nicht erst zu Wasser.

Route Ostsee 2020 – darauf klicken um auf die interaktive Karte zu kommen

Doch Mitte Juni entspannte sich die Cornalage in Europa und Dänemark erlaubte zunächst die Einreise für Deutsche aus Schleswig-Holstein, später dann für alle Deutsche. Einen konkreten Törnplan hatten wir aufgrund der Dynamik der Pandemie nicht erstellt, standen aber in regelmäßigen Kontakt zu Segelfreunden aus Deutschland und Norwegen. Der grobe Plan war, uns irgendwo in der westlichen Ostsee, Kattegatt oder Skagerak mit den Booten zu treffen.

Stormvogel vor Anker auf Lyö (Dänemark)

Immer wenn wir vom Haus auf das Boot ziehen dauert es ein paar Tage, bis wir uns an Bord eingelebt haben. Das hängt wohl auch mit der Verwandlung von “wir” zu “Skipper” und Mannschaft” zusammen. Nicht zu erwähnen sind, wie in jedem Jahr, die ersten Hafen- und Schleusenmanöver zu Beginn der Segelsaison. Aber nach ein paar Tagen läuft es wie am Schnürchen und wir leben auf dem Wasser.

Im Nachhinein betrachtet lässt sich unsere gut zweimonatige Sommereise in fünf Reiseabschnitte unterteilen. In dieser Zeit hat der Skipper einen Reiseblog geführt und tägliche Eindrücke, Erlebnisse und Reisefotos darin festgehalten. Durch Klicken auf die jeweiligen Links (grüne Schrift) kommt man ganz einfach zum jeweiligen Beitrag mit Fotos.

Nach der Passage des Nord-Ostsee-Kanals trieben wir uns in den ersten beiden Wochen in der Dänischen Südsee herum: Einleben an Bord im Hafen von Marstal, Segelfreunde vor Anker auf Lyö (Lyø) treffen, eine Kühlschrankreparatur in Sonderburg (Sønderborg) und unerwartet tolle Livemusik ganz im Norden vor Langeland, in Lohals.

Rödvig / Stevens (Dänemark)

Danach wollten wir uns mit Enkeln, Neffen und einem Bruder auf Rügen treffen. Also auf nach Stralsund in zwei Etappen! Zunächst durch das wunderbare Smaland Fahrwasser im rauhen Wind (Smålandsfarvandet) nach Osten, durch den Grönsund (Grønsund) in Windstille nach Süden und endlich mal wieder im Besten Hafen der westlichen Ostsee übernachtet: Haesnes (Hesnæs). Leider im Regen, leider nur für eine Nacht. Der Wind steht gut. Daher am nächsten Tag direkt weiter in den Stadthafen von Stralsund. Zeitweise haben wir dort acht Gäste an Bord. Unter Deck, es regnet! Doch im Prinzip haben wir Glück mit dem Wetter und verbringen eine gute Zeit auf dem Greifswalder Bodden und den Häfen von Hiddensee und Ralswiek.

Hiddensee / Hafen Langer Ort (Vitte)

Mit Blick auf den Kalender wird klar, das wir uns mal langsam nach Norden aufmachen müssten, wollen wir noch tatsächlich unsere Segelfreunde aus Norwegen irgendwo treffen. Die Route führt uns in einem wunderbaren Übernachter über Rödvig (Rødvig) in den Öresund (Øresund) und zunächst nach Helsingör (Helsingør). Dort bleiben wir ein paar Tage: Die Suche nach einem kleinem Leck kostet uns einen ganzen langen Tag, das unpassende Wetter für den nächsten Schlag nach Anholt trägt auch nicht zu einer schnellen Weiterreise bei. Das ist aber alles weiter nicht schlimm, denn so erkunden wir in aller Ruhe die Stadt und lassen uns es gut gehen.

Nach vier Tagen geht es endlich weiter nach Anholt. Kaum sind wir dort fest kommt eine große Halberg Rassy aus Norwegen und führt das ganz große Hafenkino auf. Unsere Segelfreunde aus Norwegen sind es zum Glück nicht, die liegen derweil auf der Lauer am südlichen Ausgang des Oslofjords und warten auf ein Wetterfenster für den Schlag nach Süden. Das wird aber erst mal nichts, denn es herrschen nur für uns günstige südwestliche Winde, die uns perfekt nach Laesö (Læsø) wehen. Dort bleiben wir eine ganze Weile, oder besser der Skipper bleibt dort lange. Denn seine Mannschaft hat sich schon seit Monaten für einen Familientermin in Berlin verabredet. Selbst an Bord des STORMVOGELS unter dem Kommando seines selbstsüchtigen Skippers kann und darf seine Mannschaft ihre eigenen Prioritäten setzten. Unglaublich, aber wahr.

Strand auf Anholt

Mittlerweile sind die Freunde in Skagen eingetroffen, wir liegen 30 Seemeilen weiter südlich auf Laesö. Wie erwartet, wie erhofft kommt die Mannschaft planmäßig zurück und bringt sogar noch einen Sohn als Gast für die kommenden zwei Wochen mit. So verlassen wir tags darauf Laesö und gehen auch nach Skagen. Da waren wir noch nie. Endlich mal wieder Neuland, auch wenn sich die kleine Stadt so ganz anders als die ländliche Idylle von Laesö (Læsø) anfühlt. Man könnte auch sagen, dieser riesige Fischereihafen ist aufregend anders und das lag sicher nicht nur an der großen Aquavitverkostung in Skagen!

Stormvogel im Fischereihafen von Skagen (Dänemark)

Die Coronasituation ändert sich täglich und die Norweger befürchten, nach Rückkehr aus Dänemark in Quarantäne zu müssen. So trennen wir uns nach drei Tagen wieder. Die einen gehen zurück in den Oslofjord, wir andere in die Schären der Westküste von Schweden, nördlich von Marstrand. Unsere Freunde kennen das Revier recht gut und haben uns ein paar gute Ankerplätze in die Seekarte gesetzt. Die ersten beiden Tage vertrödeln wir vor Anker auf Danholmen. Mit dem Bade im Meere will es aber zunächst nicht richtig klappen. Ausnahmsweise liegt es nicht an den Temperaturen, sondern an den vielen roten Feuerquallen im Wasser. Im folgenden Bienenstock von Gullholmen geben wir uns nur eine Nacht – viel zu viel Menschen auf Booten in Partylaune. Doch die sehr eng mit süßen kleinen Häuschen bebaute Insel war die Nacht auf jeden Fall wert. In Fiskebäckskil treffen wir deutsche Segelfreunde, die wir erstmals vor vielen Jahren im Pazifik, auf Niue kennen gelernt haben. Zusammen verziehen wir auf Anker vor der Insel Lyr und verbringen dort zwei perfekte Sommertage. Inklusive Baden, Campfire und BBQ am Strand. Die Tage waren ein echtes Highlight der Reise.

Lagerfeuer vor Lyr (Schweden)

So langsam wird es Zeit an die Rückreise zu denken. Mitte September hat die Mannschaft einen weiteren wichtigen Termin und wir wollen dann zu Hause sein. Dem Gast sind die Tage mit den Eltern genug und er mustert via Fähren und Bus bereits in Marstrand ab. Wieder alleine machen wir uns also auf den Rückweg und verbringen eine letzte Nacht in Schweden vor Anker auf Vrängö (Vrångö). Tags darauf direkt nach Anholt, unter Maschine. Große Flaute für die kommenden Tage im Norden, südlich von Anholt guter Segelwind für den weiteren Südkurs. Nur eine Nacht in Anholt, aber diesmal mit Sundowner in der Orakelbar.

Abendstimmung auf Samsö

Wetter und Mannschaften anderer Boote machen uns auf Samsö (Samsø) ein wenig zu schaffen. Aber auch die Digitalisierung von Yachthäfen steigert die schlechte Laune des Skippers. Doch im Grunde liegt die schlechte Laune nur an der Rückreise. Rückreisen sind immer doof und der Skipper möchte das Ende dieser schönen Reise eigentlich immer weiter heraus zögern. Doch Middelfart und erneut Lyö (Lyø) bringen uns unweigerlich näher nach Hause. Nach 65 Tagen an Bord machen wir in Wendtorf fest. Zum Glück bei schlechtem Wetter!

Das war er also. Unser Sommertörn 2020 auf der Ostsee.

Stillstand ist der Tot.

Runter vom Sofa, raus in die Welt.

Peter.

P.S: Etwas Statistik

Anhand des wie immer geführten Logbuchs ergibt der Übertrag in EXCEL (12/10/2020) folgende Kennzahlen:

  • 987 Seemeilen
  • 65 Reisetage
  • 35 Segeltage
  • 30 Hafentage
  • 10 Ankertage
  • 1 Übernachter
  • 70 Motorstunden

Wenn wir die Rückreise von Wendtorf nach Glückstadt mit einbziehen, kommen wir auf gut 1.000 Seemeilen – fühlte sich nicht so an!