Würde man von Westen kommend Straßenkarten vertrauen, würde man wohl in echte Schwierigkeiten geraten.
Jedenfalls ist es so SAFAR undWIM gegangen, wie sie in ihren Blogs berichten. Beide dachten sich wieso den Umweg über BOUARFA (N17/N4) nehmen, wenn man über die R602 (P6117) direkt nach FIGUIG durchfahren kann? Nun, die Abkürzung gibt es tatsächlich, aber nur als schwierige Piste, irgendwo mittendrin, wie beide berichten.
Von schwieriger Piste hat des KNAUSi´s Besatzung erst mal genug. Also lieber komfortabler Umweg. Von BOUAFRA sind es ja auch nur noch 110 Kilometer bis FIGUIG. Dadurch kann man sehr früh´ ankommen und den Tag für die die Ortserkundung verwenden und, wenn man der Meinung ist genug gesehen zu haben, am kommenden Tag wieder weiter ziehen.
Der Stellplatz in BOUARFA ist zwar direkt an einer Straße gelegen, aber nur wenige hundert Meter vom großen Palmenhain entfernt. Die Ankunft am Vormittag in der gar nicht mal kleinen Stadt könnte gespenstischer nicht sein. Haben wir etwa eine Geisterstadt angesteuert? Wird hier gerade ein Endzeitfilm gedreht? Zum Glück gibt es an einem Kreisverkehr der Hauptstraße einen kleinen Straßenmarkt auf dem sich dann doch vielleicht 50 Menschen aufhalten. Der Himmel eintönig grau, extrem begrenzte Sicht und ein kalter Wind bläst den Staub durch die Straßen. Unwirklich.
Tolle Wurst, denkt die aktuelle Beifahrerin. (vermutlich)
Am Stellplatz kein anders Auto, auch keine anderen Menschen. Nach einem kurzen Frühstück im Auto Wanderschuhe an und ab in den Palmenhain! Wie so oft auf unseren Reisen: Einfach mal los strolchen und sehen, was passiert. Vermutlich recht oft übersieht man Dinge weil man nicht weiß das sie da sein müssen, aber manchmal passieren schräge Sachen mit denen man vorher nicht rechnen kann.
So auch an diesem Tag in FIGUIG.
Der Palmenhain ist riesig, die vielen großen Wasserbecken die der Bewässerung der Anlage dienen und nicht etwa als Swimmingpools für Touristen herhalten sollen sind randvoll gefüllt. Hier und da, sehr selten, sieht man jemanden auf der Anlage arbeiten. Ansonsten menschenleer. Die einzelnen Gärten sind über labyrintartige schmale Verbindungswege miteinander verbunden. Als Ortsunkundiger hat man da so seine Schwierigkeiten sich zurecht zu finden. Aber man hat eben auch jede Menge Zeit und daher macht es gar nichts, wenn es irgendwo mal wieder nicht weiter geht.
Ach wenn das Wetter nur etwas freundlicher zu den gemachten Fotos wäre?
Aber vielleicht muss das genau so sein wie es ist? Für Marokkaner ist das hier das Ende der Welt. Später lernen wir, das FIGUIG relativ reich sei weil viele Familien Geld aus EUROPA von dort arbeitenden Familienmitgliedern bekämen. Zum anderen habe FIGUIG einen großen Markt, der Geld in die Stadtkassen spüle. In der Tat sieht man hier und da regelrechte Protzbauten, offenbar unbewohnt. Vielleicht nur im Sommer?
Nun, genug der Palmen. Zurück zum Kreisverkehr und Abendessen kaufen.
Auf dem Weg dahin überholt uns ein Fahrradfahrer, leicht verlottert angezogen. Wenig Zähne im Mund. Er grüßt sehr freundlich und gibt zu verstehen das wir uns unbedingt etwas ansehen müssten. Grob gibt er die Himmelsrichtung vor, aber es gelingt beileibe nicht zu verstehen, was er bloß meint. Nun, man verabschiedet sich artig, der Mann radelt seines Weges und die im Moment sehr kleine Reisegruppe macht sich lieber auf die Suche nach Essbarem statt auf die Suche nach bestaunbaren.
Dem Geruch von frisch gebackenen Brot folgend landet man zielstrebig vor einer Bäckerei. Während die eine im Laden das noch warmes Brot kauft, steht der andere auf der Straße als der verlotterte Fahrradfahrer ankommt. Gelächter, er will auch Brot kaufen. Ob wir denn schon da waren, wo er uns hin haben wollte?
Nein, verflixt, wo ist bloß was?
Der Mann gibt nicht auf. Na das muss ja eine tolle Sehenswürdigkeit sein? Selbstverständlich schauen die wenigen anderen Menschen auf der Straße zu was da wohl gerade von Statten geht? Ein weiterer Mann, ebenfalls nicht in seinem Sonntagszeug mit völlig ruinierten Schlappen, Socken, die diese Bezeichnung schon lange nicht mehr verdienen und am rechten Fuß einem kleinen Zeh´ der durch ein Loch im Schlappen herausragt und somit jederzeit die aktuell nicht vorhandene Sonne sehen könnte.
Der Fahrradmann trägt dem Schlappenmann auf uns zur Sehenswürdigkeit zu führen, er habe dafür keine Zeit. Packt sein mittlerweile erstandenes Brot ein und radelt davon.
Und schwupps hat die kleine Reisegruppe unverhofft einen Führer an der Backe, der mit Sicherheit als solcher nie seinen Lebensunterhalt bestritten hat und auch vor wenigen Minuten selbst noch nicht wusste, das er eine ungewöhnliche Nachmittagsbeschäftigung hat.
Während der aktuelle KNAUSi Fahrer die Sache noch vor der Bäckerei beenden möchte ist die aktuelle Beifahrerin der Ansicht, das man die Situation ja mal laufen lassen könnte. Der Schlappenmann spricht außer Arabisch noch ein paar Brocken französisch. Worum es eigentlich geht, bleibt immer noch offen. Verflixt.
Also los wandern in den Nordosten von FIGUIG.
Aha, hier gibt es eine Altstadt, im wesentlichen verlassen. OK, haben wir nicht gewusst, hätten wir übersehen, macht schon Sinn sich die mal anzusehen.
An einem 19 Meter hohen uraltem Turm, gebaut nur aus Steinen und Lehm, hätte es einen Brunnen geben sollen, doch der ist trocken. Nun, das der Turm immer noch steht ist durchaus bemerkenswert. Nun geht es wild durch enge und dunkle Gassen, vermutlich jede verfügbare Moschee wird gezeigt, mangels Sprachkenntnisse der Reisenden aber leider nicht erklärt.
Und nun kommt wahrlich der Spuky Teil des unerwarteten Ausflugs in die Vergangenheit von FIGUIG:
Irgendwann steigt der Schlappenmann Treppen hinab. Sehr enge Wände, unregelmäßige Felsstufen, es geht schnell sehr tief herunter. Huch? Wo gehen wir denn jetzt bloß hin? Der Schlappenmann stößt eine Eisentür auf, es wird absolut dunkel und nur die „Taschenlampen“ der Handys ermöglichen in dieser Finsternis ein Weiterkommen. Noch mehr Treppen, noch tiefer unter die Erde.
Oh Gott, wo bringt der Schlappenmann uns bloß hin?
Gefühlt irgendwas mit 15 oder 20 Metern unter der Erde kann man im Licht der kleinen LED´s in zwei separaten Kammern rechteckige Wasserbecken erkennen. Jetzt erst verstehen wir wo wir sind: Hier waschen die Frauen traditionell die Wäsche der Familie. Ein Waschsalon tief unter der Erde!
Verdammt. Das ist nicht lustig hier unten. Bedrückend, dunkel, kalt und echt unheimlich. Der Schlappenmann ist glücklich über das sichtbare Verständnis seiner kleinen Reisegruppe und eben jene ist sehr froh´ wieder das Tageslicht zu erblicken ohne beim Aufstieg auf den endlosen Treppenstufen gestolpert zu sein.
Irgendwie reicht es jetzt aber auch, nur fällt dem Schlappenmann immer noch was ein was er uns zeigen könnte. Von wegen Geisterstadt FIGUIG. Doch der aktuelle KNAUSi Fahrer macht nun klar das wir nach Hause gehen wollen. Selbstverständlich hat sich der Schlappenmann einen Obolus für seine Tätigkeit verdient, ohne danach zu fragen. Wenn er schlau ist kauft er sich vom gerne gegebenen Geld ein paar neue, richtig passende Schlappen?
Zurück an KNAUSi stellt die aktuelle Beifahrerin fest das der Schrittzähler mal wieder deutlich im fünfstelligen Bereich angekommen ist.
Ach was, denkt der aktuelle KNAUSi Fahrer.
Das spürt er auch so.
Peter.






