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Zur Lage XXXVIV

Seit mehr als 24 Tagen unterwegs und noch kein Lagebericht?

Kann doch nicht sein. Es ist doch ein Boot! Auf einem Boot passiert immer was! Auf einem Boot geht immer (jedenfalls, wenn es in Fahrt ist) was kaputt!

Aha. Wenn das so ist und jetzt ein Lagebericht kommt, dann ist wohl was kaputt!

Na ja, so platt kann man das nicht sagen. Wie immer muss eine jede Wahrheit differenziert dargestellt werden. Und selbst dann kann man ja mittlerweile bezweifeln, ob eine Darstellung der Wahrheit überhaupt der einen, unzweifelhaft richtigen Wahrheit entsprechen kann.

Wahr oder Falsch?

Schon länger, eigentlich schon seit den ersten Seetagen beobachten wir eine kleine, eine sehr kleine Menge von Seewasser in der Maschinenraumbilge. Vielleicht 100 oder 200 Milliliter. Immer fein aufgewischt, immer fein beobachtet. Keine Ursache erkannt, aber gedanklich über die Tage immer mehr auf eine kleine Leckage im Seewasserkreislauf der Maschine eingeschossen. Die Indizien:

  • Im Hafen kein Wasser
  • Wasser immer nach Maschineneinsatz
  • Mehr Meerwasser, wenn die Maschine mehr Last hatte

Da wir ja nun auf unseren dritten Reiseabschnitt gen Norden ins Kattegatt wollten, kamen Skipper und Mannschaft in Rödvig überein, endlich die genaue Ursache finden zu wollen. Schließlich kann aus einem kleinen Leck immer auch ein größeres werden. Man stelle sich einen seewasserführenden Gummischlauch vor, der an der Schlauchschelle altersbedingt eingerissen ist und im Moment nur leicht tropft…bis der Riss sich unter Last auf einmal weiter öffnet und das Seewasser nicht mehr zirkulieren kann. Zwei Probleme würden folgen: Die Maschine würde überhitzten und wir hätten unkontrollierten Wassereinbuch im Maschinenraum.

Nix gut. Unbedingt vermeiden!

Einmal mehr die Maschine inspiziert. Diesmal als einzigen Tagesordnungspunkt. Mit dem großen Schminkspiegel und Taschenlampe alle seewasserführenden Schläuche in aller Ruhe angesehen. Mit der Hand alle Schlauchschellen ertastet. Letzteres unter Aufgabe einer unversehrten Haut an Hand und Unterarm, denn die Schläuche liegen zwar alle gebündelt an der Backbordseite, doch sämtlich unter dem Wärmetauscher und somit schwer zugänglich.

Nichts, gar nichts. Keine Laufspur, kein getrocknetes Salz, keine Spur.

Maschine an, im Leerlauf auf 2.000 Umdrehungen 30 Minuten laufen lassen. Die Nummer mit dem Schminkspiegel wird nun schwieriger, muss man doch höllisch aufpassen, damit nicht in den rotierenden Keilriemen zu geraten.

Nichts, gar nichts.

Kann ja wohl nicht sein!

Maschine aus. So kommen wir nicht weiter. Kontroverse Diskussion zwischen Mannschaft und Skipper. Externe Hilfe während einer Reise war bisher in der Regel nie so richtig erfolgreich. Doch der Skipper, ganz der erfahrene Projektmanager, besteht darauf.

Zuvor aber noch selbst das Schnüffelventil des Schwanenhalses überprüfen. Vielleicht ist da ja was nicht in Ordnung? Auch (mal wieder) nicht so leicht erreichbar, aber der Skipper bekommt es ab, inspiziert das winzige Jokerventil, findet aber bis auf ganz wenig Ablagerungen nichts. Zusammenbauen. Das war also auch wieder nichts.

Also externe Hilfe suchen.

In Rödvig gibt es eine relativ große Werft, nach kurzem herum fragen findet der Skipper den Motorenmann und der kommt, zum Erstaunen des fragenden, sofort mit an Bord des Stormvogels. Der Herr mittleren Alters spricht leider weder Englisch noch Deutsch, wir (bekanntlich) kein Dänisch. Und so untersucht der die Maschine, versucht den Kühlkreislauf nachzuvollziehen und findet – nichts.
Der Skipper möge bitte die Maschine starten. Gute Idee. Nach ein paar Minuten kommt er strahlend aus der Achterkajüte wieder heraus und meint, Maschine aus, er habe das Leck gefunden!

Klasse! Super, Astrein!

Wo, wo bloß?

Er zeigt mir den Schwanenhals und die Schraubverbindung des Schnüffelventils. Alles nass.

Der Skipper schweigt stille. Deprimiert über diese eigene grandiose (nicht)Leistung. Was für eine Niederlage, was für eine Schmach.

Der Mechaniker schraubt das Schnüffelventil richtig zusammen und ist zufrieden über seine Leistung. Der Skipper signalisiert gespielte Zufriedenheit und ist froh´, als der Mechaniker unter Einstreichung eines angemessenen Lohnes für eine Stunde Arbeit das Boot verlässt.
Das Sprachproblem, der Habitus des Mechanikers und der selbst gebaute Fehler lassen den Skipper erkennen, das er so nicht weiter kommen wird.

Die Fakten:

  • Die Maschine sieht trocken aus
  • Eine Ursache für das Seewasser in der Bilge ist nicht erkennbar
  • Es ist so wenig Wasser, das man daraus wohl kein Drama machen sollte

Die Entscheidung liegt auf der Hand: Weiter fahren und vor allem weiter beobachten!

Die Reise von Rödvig nach Helingör ist rauer, im letzten Drittel sogar viel rauer als gedacht. Die Maschine brauchen wir nur zum Aus- und Einlaufen, in der schrecklichen Enge des Yachthafens von Helsingör und dem vielen Wind muss die Maschine bei den Wenden in den engen Boxengassen öfters mal auf eine hohe, sehr hohe Drehzahl.

Als wir am nächsten Tag die Bilge untersuchen, sind wir beide frustriert. 8-10 Liter holen wir heraus. Das ist viel. Das ist richtiger Mist!

Die Maschine wieder mit dem Spiegel abgesucht, wieder keine Spur.

Da hilft alles nichts. Spätestens jetzt ist Telefonjoker Wolfgang gefragt. In einem langen Telefongespräch wird die Situation erörtert, Prüf- und Testverfahren besprochen und vor allem die Wichtigkeit der Ursachenfindung fest gestellt.

Entsprechend motiviert geht es wieder in die Motorbilge.

Doch was ist das?
Fragt die Mannschaft.

Ja, was ist denn das?
Wieso steht denn da vorne schon wieder eine kleine Mini-Pfütze?

Wir hatten die Bilge doch gestern trocken gelegt?
Da kann so eine Minipfütze ja nicht einfach vom Himmel fallen?
Schon gar nicht vor der Maschine!
Wenn, dann unter oder (weil der Stormvogel achterlich getrimmt ist) hinter der Maschine. Aber doch nicht davor?

Und nun sind wir wieder bei der Wahr oder Falsch Frage.

Was ist die Wahrheit, was ist Irrglaube, was ist Fehleinschätzung? Was ist eine Verdrehung von (vermeintlichen) Tatsachen?

Ab wann verrennt man (im speziellen der Skipper) sich in eine Idee?

Die Mannschaft will wissen, wieso das Wasser vor der Maschine steht. Der Skipper gibt an, das es da vorne eine von oben nicht sichtbare Verbindung zur Wassermacherbilge gebe, aber der Wassermacher könne es nicht sein, da dessen Seeventil seit Reisebeginn geschlossen sei.

Dennoch:
Wassermacherbilge aufmachen und mit der Taschenlampe in Ruhe genauestens inspizieren. Alle Schläuche sehen gut aus, da tropft nix. Das Boot wird im Hafen von Helsingör durch den Wind ganz gut durchgeschüttelt. Da, die Mannschaft bemerkt es schon wieder zu erst: Eine ganz kleine, eine ganz zarte Laufspur auf der Bordwand! Eher eine Reihe von Tropfen als ein Bächlein.

Trotz intensiver Suche: Die Quelle ist nicht zu identifizieren. Vermutlich irgendwo unterhalb des aus Holz gebauten Fundaments des Wassermachers. Im Skipper baut sich ein innerer Widerstand auf: Das Teil will (muss?) ja wohl nicht ausgebaut werden?

Anruf bei Telefonjoker Wolfgang: Erleichterung, das endliche eine heiße Spur gefunden wurde und das die Maschine wohl gar nicht die Ursache ist. Und die klare Ansage: Kann ja wohl kein Problem sein, den Wassermacher auszubauen, oder?

Na ja, irgendwie ist der ja auch da rein gekommen und irgendwie werden wir wohl an die Montageschrauben kommen und irgendwie bekommen wir auch die umfangreiche Elektrik abgeklemmt. Der innere Widerstand bröckelt, die Mannschaft ist hoch motiviert. Das steckt an!

Mittlerweile sind wir seit gut 8 Stunden auf Fehlersuche. Gegen 15:00 Uhr legen wir los, gegen 16:30 Uhr ist das Monster draußen und das Fundament demontiert. Nun haben wir einen klaren Blick auf die Quelle der Tropfenspur und stellen erleichtert fest: Kein Leck der Bordwand, kein verdeckter Schlauch defekt, keinde diffundierende Schweißnaht. Das Wasser kommt innerhalb eines Spantabschnitts von oben. Von oben, von oben!

Da ist ein Borddurchlass. Genau einer. Gerade so über der Wasserlinie. Das Teil ist der Auslass des Wassermachers. Da kommt die Salzlake heraus, die der Wassermacher im Betrieb übrig lässt, nachdem er das Frischwasser über eine andere Leitung abgeführt hat.
Der Wassermacher wurde 2012 in der Karibik eingebaut. Das Loch für den Auslass wurde dort gebohrt und der Auslass ordentlich verschraubt und verklebt. Wir können das Teil nicht richtig sehen und nur ertasten. Keine Spur von Wasser oder Salz. Nichts wackelig. Angeschlossener Schlauch OK.

Ist dieser Borddurchlass wirklich die Ursache für das Seewasser in der Motorbilge?

Die Fakten:

  • Auf der Reise von Stralsund nach Rödvig lagen wir kaum auf der Backe, bei dem wenigen Wind eher aufrecht gesegelt
  • Auf der Reise von Rödvig nach Helsingör lagen wir ordentlich, in den Böen auch sehr ordentlich auf der Backe. Die ganze Zeit. Der Borddurchlass war vermutlich über eine Zeit von 8 Stunden gut einen Meter unter Wasser.

Könnte sein, könnte sein!

Der Dampfer sieht innen aus wie eine Kombination aus Lager und Werkstatt. Mittlerweile ist es nach 18:00 Uhr.

Mit einer Armverlängerung stopfen wir ordentlich viel Löschpapier (in Form von Küchenrollenpapier) in die Umgebung des Borddurchlasses. Wir räumen den Dampfer wieder ein und achten dabei darauf, das wir den Borddurchlass einfacher auch während der Fahrt erreichen können.

Über 12 Stunden Arbeit. Zu zweit. Also eher 24 Stunden.

Doch wir werden belohnt. Zwei Tage später. Auf der Reise von Helingör nach Anholt geht es zwar nicht ganz so doll zur Sache, wie auf der Reise zuvor, doch wir liegen wieder gut auf der Steuerbordbacke und unmittelbar nach dem Festmachen auf Anholt stellt der Skipper fast schon freudig fest: Das Löschpapier ist klitsche Nass!

Nun, die Ursache für das Seewasser in der Maschinenraumbilge ist eindeutig gefunden.

Man muss trotz allem auch das positive sehen. Nur so kommt man weiter.

Bereits in Helingör, also vor der Beweisführung, wurden mit Wolfgang Möglichkeiten einer möglichen Notreparatur erörtert. Denn natürlich ist es zu vermeiden, das Boot vor dem Winterlaqger auf der Durchreise aus dem Wasser holen zu müssen.

Die Lösung in Kurzform: Skikkaflex und Klebefolie.

Wäre da nur nicht das aktuelle Schmuddelwetter auf Anholt. Doch es nützt ja nichts.

Dingi aufbauen, ins Wasser längsseits an der Baustelle fixieren. Reinigungsmittel, Sikka, Spachtel, Schere, Klebefolie und Einmalhandschuhe bereit legen und los geht es. Wir haben Glück, das der starke Wind das Boot nach Backbord krängt und so die Unterkante des Borddurchlass ca. 5 Zentimeter oberhalb der Wasseroberfläche liegt. Wellenschlag durch das Dingi ist zu vermeiden.

Die Außenseite des Borddurchlasses ist schnell gereinigt, dick mit Sikka eingestrichen und kurz vor dem einsetzenden Nieselregen gelingt es auch noch, die Baustelle großflächig mit der Klebefolie abzukleben.

Das war Teil 1. Außen.

Innen folgt Teil 2. Mittels Finger der Mannschaft und Spachtel wird über eine halbe Tube Sikkaflex um den Borddurchlass geschmiert – viel besser geht es nicht und es geht hier ja auch nicht um Schönheit, sondern um Dichtigkeit. Und nur darum.
Eine ähnliche Aktion hatten wir ja mal 2012 auf dem Atlantik: Da war ein Borddurchlass eines Tankverschlusses an Deck undicht. Von außen konnte man damals nicht arbeiten, aber von innen haben wir den Durchlass so eingekleistert, das es für den Rest der ganzen Reise dicht blieb (…und erst beim Refit 2016/2017 ordentlich behoben wurde).

Mit dem guten Gefühl, etwas verbessert zu haben machen wir uns einen Tag später auf nach Läsö, wieder mit ordentlich Wind und Steuerbord Lage. Nach Ankunft ist das eingebrachte Löschpapier trocken, die Bilgen auch. Allerdings ist die in Anholt noch bombenfest sitzende Klebefolie verschwunden. Der Sikkapfropf sitzt aber noch.

Also haben wir erst mal zunächst das Problem gelöst. Mit telefonischer Hilfe von Wolfgang. Aber mit ohne Mechaniker, die auf durchreisenden Booten keine Lust haben.

Könnte sein, das wir vor diesjährigem Reiseende da noch mal ran müssen. Kann aber auch sein, das dieser Flicken noch vier bis sechs Wochen hält.

Jetzt wissen wir ja, wo wir suchen müssen.

Peter.

P.S.: Es gibt noch weitere kleine Bootjobs. Mal sehen, ob sich daraus ein weiterer Lagebericht ergibt 😉

Zur Lage XXXVI

Aha, es geht weiter!

Sogar heiter weiter!

Endlich, werden die wenigen sagen, die unser Reparaturprojekt aufmerksam verfolgen und sich seit Oktober 2019 fragen, wieso es keine Neuigkeiten gibt.

Nun, es gab schlicht nichts zu berichten. Jedenfalls nichts, was irgendwie auf ein Projektende hätte hinweisen können.

Nun aber! Es ist weiter gegangen. Aber Vorsicht, zum Ende hin wird es recht technisch.

Das Deutsche Schweißerteam (“Anlauf 1”) hatte nach in Augenscheinname im Oktober 2019 einen guten Job gemacht. An Land sah´ alles gut aus, die Schweißnähte schön geschliffen, die neue Bordwand, wie neu!
Doch der erste Schwimmtest offenbarte in der neuen Schweißnaht (ca. 4 umlaufende Meter) 8 (ACHT!) Leckagen. Das war dann doch sehr ernüchternd. Für alle. Nun ja, kann wohl passieren. Also nachbessern. In Summe drei mal. Doch jeder erneute Schwimmtest verlief negativ. In der Sekunde, in der der Rumpf vom Wasser umgeben war, diffundierte das Hafenwasser durch die neuen Schweißnähte, immer an verschiedenen Stellen. Das schlägt aufs Gemüt.

OK, wenn etwas nach vier Versuchen nicht gut wird, steht zu befürchten, das es nie gut wird. Und trotz der langen beruflichen Abstinenz kommt dann wieder der Projektleiter in mir durch und zwingt mich zum Handeln.

Kurz vor Weihnachten ein für alle Parteien unangenehmes Gespräch geführt. Ich wollte das Projekt mit dem Deutschen Schweißerteam abbrechen, die Kollegen wollten nachbessern bis es dicht ist. Wenn es sein müsste, auch noch zehn mal…also eigentlich, bis der Arzt kommt.
…solche Trial & Error Versuche sorgen in der Regel nicht für Vertrauen und Vertrauen ist bei der Reparatur des Unterwasserschiffes einer Hochseeyacht wohl der Punkt, auf den es wirklich ankommt.

Trennung, mit Geldverlust und Frust bei allen Parteien.

Schiete sacht Fiete.

Was auch jetzt noch wirklich bedrückt: Das Deutsche Schweißerteam bestand aus Profis, die tagtäglich Aluminium im Boots- und Schiffbau verarbeiten. Wenn die einfach nur doof wären, gäbe es das Unternehmen nicht. Wieso war ihre Arbeit nicht von Erfolg gekrönt?

Also Teamwechsel und nicht, wie im Fußball üblich, Trainerwechsel. Wäre ja auch noch schöner. Einfach den Skipper austauschen…

Das neue Schweißerteam kommt aus den Niederlanden (“Anlauf 2”) und besichtigte STORMVOGEL Anfang Januar 2020. Kurz ein paar Maße nehmen, ein paar Schablonen herstellen und ja klar, das bekommen wir ordentlich repariert, überhaupt kein Problem!
Nun sind wir ja ehrliche Menschen und haben die erfolglosen Versuche natürlich auch bekannt gemacht. Tja, was sollen die Niederländer sagen: Keine Ahnung was schief gegangen ist, aber wir bekommen das hin!
So viel Selbstvertrauen steckt an und so war es auch nicht ganz so schlimm, bis Anfang März warten zu müssen. Erst dann war Zeit für die Reparatur im fernen Deutschland.

Und schon alleine der Zeitbedarf könnte unterschiedlicher nicht sein: Die Niederländer stecken Montags Morgen noch in ihrem Land im Stau fest und kommen erst gegen 13:00 Uhr in Glückstadt an. Gearbeitet bis 17:30 Uhr. Dienstags von 07:00 bis 17:00 Uhr. Mittwoch, 13:00 Uhr Schwimmtest. Erfolgreich. Zwei Stunden warten. Immer noch trocken. Heimfahrt.

Sicherheitshalber das Boot über Nacht im Kran und Wasser gelassen. 24 Stundentest. Absolut trocken.

Das wäre also geschafft!

Anodentasche, Bordwand, 2. Anlauf

Jetzt geht es an den Zusammenbau und das wird sicher eine andere Geschichte. Stand heute planen wir Anfang Mai segelfertig zu sein. Wird auch Zeit, denn unser Verein TRANS-OCEAN e.V. hat zum Sommertreffen nach Fehmarn geladen. Mit Boot, natürlich.

Soweit die organisatorische Entwicklung der Vergangenheit. Hier jetzt noch ein paar technische Details:

Alte, ausgebaute Anodentasche

a) Anodentasche
Die in 2019 neu eingesetzte Anodentasche wurde wieder heraus getrennt und nochmals erneuert. Grund: Das deutsche Team hat die Tasche kreisrund vorgefertigt und konnte diese nur von außen schweißen. Das, so die Niederländer, sei unzulässig: Unterwasser müssten alle Schweißnähte grundsätzlich beidseitig ausgeführt werden. Nun hatten die Deutschen das ja nur gemacht, weil man von innen an den unteren Kreisbogen der Anodentasche nicht heran kam…der Denkfehler: Statt mühsam die Rundung beidseitig zu schweißen, stellt man eine neue Anodentasche her, setzt die auf eine quadratische Platte, trennt großzügig die Bordwand heraus und ersetzt die Bordwand mit der neuen Tasche samt Rahmen. Dadurch kommt man auch in engsten Verhältnissen von beiden Seiten heran.

Neue Andodentasche, 1. Anlauf mit dem Team aus Deutschland, Bordwand vom 1. Anlauf wieder raus
Neue Anodentasche, 2. Anlauf mit dem Team aus den Niederlanden
Schweißnaht Bordwand, innen, 1. Anlauf

b) Bordwand
Die in 2019 neu eingesetzte Platte wurde wieder komplett heraus getrennt und die Reste der alten Bordwand direkt mit. Bis zum Kiel hinunter. Die Idee: Wie beim Neubau möglichst wenig Schweißnähte.

2. Anlauf: Neue Bordwand bis zum Kiel hinunter, Strömungskeil demontiert

Es war wohl generell problematisch, im Kielbereich 2cm der alten Bordwand stehen zu lassen und daran die neue anschweißen zu wollen. Beim Aluminiumschweißen kommt es wohl extrem auf Temperaturen und Wärmeableitung an. Und wenn dann zwei Zentimeter neben einer alten Schweißnaht eine neue entsteht, beschädigt man durch die Hitze auch ganz einfach die alte Naht.
Von außen wurde die neue Platte nur punktuell angeheftet, um dann zunächst von innen mit einer sauberen Vollnaht verschweißt zu werden. Dann wird von außen zwischen alter und neuer Platte und in das volle Material der inneren Schweißnaht ein “V” hinein gefräst. Damit vergrößert man die Fläche, auf die nun die äußere Schweißnaht aufgebracht wird. Man will dabei erreichen, das die Kanten der alten und neuen Platte mit der inneren Schweißnaht verschmilzt.

Schweißnaht Bordwand, innen, 2. Anlauf
Schweißnaht Bordwand, innen, 2. Anlauf, Anodentasche (links), Bordwand (rechts)

Klar: Das Risiko besteht darin, das die innere Schweißnaht an einigen Stellen nicht genug Material aufweist und beim “V”-fräsen von außen Mikro-Löcher entstehen, die dann die äußere Schweißnaht auch nicht mehr ordentlich abdichten kann. Wohl eine Übungs- und Erfahrungssache. Doch der Schweißer aus den Niederlanden ist ganze 26 Jahre alt…

Anströmkeil (vor dem Schwenkkiel, Unterkante Rumpf)
Strömungskeil an Steuerbord, vor 1. Anlauf, nach Sandstrahlen. Dunkler Fleck weist auf Wasser von innen hin.

c) Kielkasten / Anströmung
Das Team aus den Niederlanden war sicher: Die beiden Anströmkeile vor dem Kielkasten müssen auch erneuerst werden. Die sorgen eigentlich nur dafür, das es einen schönen Langkiel gibt und kein senkrecht nach unten heraus ragender Kielkasten irgendwo hängen bleiben könnte. Die Anströmkeile mussten sowieso entfernt werden, weil wir ja nun die neue Bordwand direkt an den Kielbalken anschweißen wollten.

Demontierter Strömungskeil an Steuerbord, Vorderkante Kielkasten. Neue Bordwand (2. Anlauf) bereits eingesetzt. Backbord ist in diesem Bild noch nicht demontiert / erneuert.

Bei der Demontage fiel dann auf, das die Schweißnähte aus der Bauzeit an dieser Stelle durchaus erneuert werden sollten. Also im vorderen Bereich aufdoppeln und komplett neu verkapseln. Dann die Bordwand, dann die neuen Anströmkeile. Auf beiden Seiten, auch wenn Backbord kein Problem zu erkennen war. Sicher ist sicher und wenn man schon mal dabei ist…

Demontierter Strömungskeil

Durch die Geschichte mit dem Anströmkeil haben wir dann auch direkt noch eine neue Theorie, warum wir überhaupt Seewasser im Ballast hatten:
Als wir 2013 auf den TUAMOTOS auf ein Innenriff gelaufen sind, könnte in diesem Bereich an einer Schweißnaht ein Haarriss entstanden sein, durch den über die Folgejahre das Seewasser in den Ballast eingedrungen ist.
Hört sich gut an, doch die Gegenprobe ist schwach: Wenn durch den Haarriss Seewasser eingedrungen wäre, hätte es in den Winterlagern 2016-2019 ja dort auch sichtbar wieder austreten müssen. Ist aber niemanden aufgefallen und es hätte spätestens beim Antifoulingmalen wohl auffallen müssen.

Das war es also erst mal.

Gut zu wissen, das unser Boot wieder schwimmen kann.

Peter.

Weltreise 2012-2016

Unsere Reise der Reisen haben wir “Projekt: Lange Reise” genannt. Die liegt schon eine kleine Weile zurück. Auf einer anderen Seite kann man alle Reisen, auch die aktuellen, nachlesen.

Die Reise der Reisen: In der Zeit von Juli 2012 bis Juli 2016 waren Heidi und ich auf unserem Segelboot STORMVOGEL auf einer (sagen wir mal) langen Segelreise.

Gestartet sind wir in Hamburg. Die erste Etappe führte uns über die Nordsee und Biskaya auf die Kanarischen Inseln. Von dort aus in einem Rutsch über den Atlantik in die Karibik, Weihnachten 2012 auf St. Lucia verbracht und Rum-Punsch-Fan geworden.

Dann weiter durch den Panama-Kanal und die lange Pazifiküberquerung. Unter anderem Marquess, Tuamotos und natürlich im Juli 2013 Tahiti besucht. Über die Cook-Inseln und Tonga im November 2013 in Neuseeland gelandet.

Kurze “Winterpause” in Deutschland über Weihnachten 2013, Anfang 2014 Neuseeland und Australien mit dem Wohnmobil erkundet, um die Zyklon-Saison im Südwest-Pazifik abzuwarten und mal was anderes als Wasser zu sehen 😉

Ab April 2014 wieder mit dem Boot weiter Richtung Westen. Von Neuseeland nach Vanuatu und von August bis November 2014 im wundervollen Indonesien unterwegs.

Erneute Winter-Weihnachtspause 2014 in Deutschland. Kurze Werftzeit im Januar 2015 in Singapur. Februar 2015 Malaysia, März und April 2015 Thailand – brüten in der schwülen Hitze Süd-Ost Asiens!

Der STORMVOGEL wurde im Mai 2015 per Seeschiff von Thailand in die Türkei transportiert, wir erkundeten in der gleichen Zeit die Türkei auf dem Landweg – mal wieder mit einem Wohnmobil.

Von Mai bis November 2015 die ganze nördliche Mittelmeerküste abgesegelt. Die Türkei, Griechenland, Italien, Frankreich und Spanien ausführlich besucht. Sieben Monate La Dolce Vita am Stück.

Winterpause 2015/2016 an der COSTA DEL SOL, in AGUADULCE.

Ab März 2016 waren wir auf der Heimreise nach HAMBURG. Das Mittelmeer haben wir durch die Meerenge von GIBRALTAR verlassen und sind auf Nord-Kurs über LISSABON    und durch den Englischen Kanal am am 30. Juli 2016 wieder im CITY SPROTBOOTHAFEN HAMBURG eingelaufen und haben diese Reise planmäßig beendet.

In der Kategorie “Lange Reise” wurden alle Reiseberichte und Bilder dieser Segelreise veröffentlicht. Jeder, der Lust hat, kann die Berichte natürlich kommentieren!

KOOPMANS YACHT zu verkaufen / for sale / te koop

(english version below)
(dutch version below)

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[DEUTSCH]

KOOPMANS YACHT 48 Aluminium zu verkaufen!

Es ist vollbracht! Wir haben unser Projekt “Lange Reise” am 30. Juli 2016 nach vier Jahren beendet und sind zurück in der Heimat.

Unsere KOOPMANS Segelyacht mit dem schönen Namen “STORMVOGEL” ist gebaut und ausgerüstet für die großen Weltmeere, für lange Seereisen, für einsame Ankerplätze, für neue Freundschaften und für echte Abenteuer auf See. Dort draußen in dieser Wunderbaren Welt fühlt sich der STORMVOGEL wohl – und die Besatzung auch!

In der Wintersaison 2016/2017 wurde  der STORMVOGEL von einer Werft in der Nähe von HAMBURG optisch (Neulackierung, Teak Ausbesserung) wieder her gerichtet – das lohnt sich bei jeder soliden KOOPMANS Yacht.
Technisch ist der STORMVOGEL in einem guten/sehr guten Zustand – außer normaler Wartung sind in diesem Bereich keine Arbeiten notwendig oder geplant. Seit der Saison 2017 sind wir mit unserer Aluminium Segelyacht auf der Ostsee unterwegs.

Der STORMVOGEL ist das ideale Fahrtenboot für lange Segelreisen. Jeder der auf der Suche nach einem schönen und soliden Boot für den großen Blauwasser-Törn ist, sollte sich mit KOOPMANS Yachten aus Aluminium auseinander setzen und sich natürlich auch unseren STORMVOGEL ansehen!

Wir suchen für den STORMVOGEL einen neuen Eigner, eine neue Eignerin. Mit ähnlichen Träumen, Plänen und Ansprüchen für den großen Segeltörn auf den Weltmeeren, wie wir sie Anfang 2012 hatten.

Die Blauwasser Segelyacht STORMVOGEL wird verkauft.

Jetzt oder später.

Eine detaillierte Bootsbeschreibung in Deutsch befindet sich hier:

Auf unserer neuen Verkaufsseite unter www.koopmans48.de befinden sich weitere Beschreibungen und viel mehr Bilder vom Boot.

Kontaktaufnahme jederzeit über peter(at)wiedekamm.com

stormvogel_sail_0001

[ENGLISH]

KOOPMANS YACHT 48 Aluminium for sale!

We did it! We have finished our project “Long journey” on 30 July 2016 after four years of traveling and are back at home now.

Our KOOPMANS yacht with the beautiful name “STORMVOGEL” is constructed and equipped for the great oceans, for long voyages, for lonely anchorages, for new friends and for real adventure at sea. Out there in this marvelous world of STORMVOGEL feels comfortable – and the crew also!

In the winter season 2016/2017 STORMVOGEL was at a shipyard near HAMBURG to do an optical refit (repainting, repairing teak) – this pays off with every solid KOOPMANS yacht.
Technically the STORMVOGEL is in good / very good condition – except normal maintenance no work is required or planned in this area. Since summer season 2017 we sail this beautiful aluminium sailing yacht at the Baltic Sea.

The STORMVOGEL is the ideal tour boat for long sailing trips. Anyone who is looking for a beautiful and solid boat for the big blue water trip, should look for KOOPMANS aluminum yacht and of course for our STORMVOGEL!

We are looking for a new owner for STORMVOGEL. With similar dreams, plans and requirements for the big cruise at the high seas, as we them had early 2012.

The Blue Water Yacht STORMVOGEL is for sale now.

Now or later.

A detailed boat description is located here:

Additional information could be found at our new sales-website at www.koopmans48.com with more text and much more pictures.

Contacting any time peter (at) wiedekamm.com

 

stormvogel_sail_0011

[DUTCH]

KOOPMANS YACHT 48 Aluminium te koop!

We hebben het gedaan! We hebben ons project “Lange reis” geëindigd op 30 juli 2016 na vier jaar van reizen en zijn weer thuis nu.

Onze KOOPMANS jacht met de mooie naam “STORMVOGEL” is gebouwd en ingericht voor de grote oceanen, voor lange reizen, voor eenzame ankerplaatsen voor nieuwe vrienden en voor de echte avontuur op zee. Daar in deze prachtige wereld van STORMVOGEL voelt comfortabel – en de bemanning zo!

In het winterseizoen 2016/2017 was STORMVOGEL op een scheepswerf in de buurt van HAMBURG voor een optische aanpassing (verversen, repareren van teak) – dit loont bij elk solide KOOPMANS-jacht.
Technisch is het STORMVOGEL in goede / zeer goede staat – behalve normaal onderhoud is er op dit gebied geen werk vereist of gepland. Sinds het zomerseizoen 2017 varen we met dit prachtige aluminium zeiljacht aan de Oostzee.

De STORMVOGEL is de ideale rondvaartboot voor lange zeiltochten. Iedereen die op zoek is naar een mooi en solide boot voor de grote blauwe water reis, shoulderstand zoek naar KOOPMANS aluminium jacht en natuurlijk voor onze STORMVOGEL!

We zijn op zoek naar een nieuwe eigenaar voor STORMVOGEL. Met gelijkaardige dromen, plannen en vereisten voor de grote cruise op de volle zee, zoals wij ze hadden begin 2012 Design.

The Blue Water Yacht STORMVOGEL is te koop nu.

Nu of later.

Een gedetailleerde beschrijving boot is hier te vinden:

Aanvullende informatie kan worden gevonden op onze nieuwe saleswebsite op www.koopmans48.nl    met meer tekst en nog veel meer foto’s.

Contact opnemen met elk moment peter (at) wiedekamm.com