In diesen Tagen jährt sich das Ende unserer großen Reise mit der Segelyacht STORMVOGEL bereits zum zehnten Male.
Absurd, wie schnell die Zeit vergeht, bedenklich, was in Vergessenheit gerät.

Der folgende zuvor unbekannte blöde Textschnipsel wurde neulich absolut unerwartet durch die GOOGLE KI in das Sichtfeld des Schreiberlings gespült. Damit wird er zum
Auslöser für diese kleine Beitragsreihe. Der kurze anonyme Kommentar erschien am 23. August 2014 in dem neuseeländischen Seglerforum CREW.ORG.NZ:
Guests
Posted August 23, 2014
I did some work on Stormvogel when it was in Vanuatu. Repaired watermaker (warranty claim on manufacturer) and repaired an electrical job done in NZ which never worked from day one. They whined that I was expensive when I handed them an invoice for around NZ$300. I’m guessing the original electrical job by itself cost more than that in the first place. Maybe they didn’t want to spend enough money to have the centreboard job done properly in the first place.
Ins deutsche übersetzt:
Ich habe einige Arbeiten an der *Stormvogel* durchgeführt, als sie in Vanuatu lag. Dabei habe ich den Wassermacher repariert (ein Garantiefall gegenüber dem Hersteller) sowie eine Elektroinstallation instand gesetzt, die in Neuseeland ausgeführt worden war und von Anfang an nicht funktioniert hatte. Als ich ihnen eine Rechnung über rund 300 NZ$ vorlegte, beschwerten sie sich darüber, dass ich teuer sei. Ich vermute, dass allein die ursprüngliche Elektroinstallation schon mehr gekostet hat. Vielleicht wollten sie von vornherein nicht genug Geld ausgeben, um die Arbeiten am Schwert fachgerecht ausführen zu lassen.
Das hat den Schreiberling dann mal wirklich geärgert! Wenn man dem Skipper des STORMVOGELS sicherlich eines nicht vorwerfen konnte/kann, dann war es Geiz bei der Beschaffung von Ersatzteilen oder bei der Bezahlung von Arbeitslöhnen von arbeitenden Mechanikern.
Warum der Mann als Ursache für das MAYDAY (Seenotfall) im Korallenmeer am 22. Juni 2014 mangelnde Wartung infolge von Geiz suggeriert ist völlig unklar.
Was soll denn das?
Richtig ist das wir in PORT VILA (VANUATU) einen Mechaniker an Bord hatten der den Wassermacher repariert hat, auf Garantie des Wassermacherherstellers. Ferner hat er die Magnetschalter für die Ventile der Wasserleitungen der Anlage neu verkabelt weil diese neu in NEUSEELAND installierte Technik nicht funktionierte. Dafür haben wir ihn bezahlt und auch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Trinkgeld springen lassen, denn das haben wir immer gemacht.

Interessant, das dieser Mechaniker ein paar Wochen zuvor auch auf den ebenfalls berichtenden PENDANABLOG unter dem Namen „Pete“ am 2. Juli 2014 folgendes zum Besten gab:
Glad it all worked out for Stormvogel. I must admit my heart skipped a beat when I heard that a yacht I had worked on in Port Vila was close to foundering mid ocean.
by Pete on Jul 02, 2014, 05:35 AM EST
Ins deutsche übersetzt:
Ich bin froh, dass für die „Stormvogel“ alles gut ausgegangen ist. Ich muss zugeben, dass mir das Herz stehen blieb, als ich hörte, dass eine Yacht, an der ich in Port Vila gearbeitet hatte, mitten auf dem Ozean kurz vor dem Untergang stand.
Nun denn.
Mit diesem unerwarteten Auslöser fiel dem Schreiberling auf, das diese Beinahe-Katastrophe in diesem eigentlich alles dokumentierenden Blog nie weiter aufgearbeitet wurde. Die Weiterreise stand damals eindeutig im Vordergrund.

Es wurde nie über den weiteren Verlauf der Geschichte berichtet, nie nochmal in die Ursachenforschung eingestiegen, nie Namen und Kosten benannt, nie über die anwaltliche und versicherungstechnische Aufarbeitung des Vorfalls berichtet und auch nie der Zusammenhang für den Jahre später entdeckenden kapitalen Rumpfschaden an STORMVOGEL hergestellt.
Vielleicht macht es Sinn, in diese dramatische Geschichte anhand von Unterlagen, eMails, Fotos und Erinnerungen noch mal einzusteigen?
Daher gibt es jetzt auf WIEDEKAMM.COM die neue Kategorie „MAYDAY“ in der alle bereits vorhanden, aber auch alle neuen, noch zu erstellenden Beiträge zu diesem Thema zusammengefasst sind/werden.
Medial hatte der Vorfall damals in der englischsprachigen Yachtpresse ein kleines Echo gefunden, weil mit MV SOUTHERN STAR eine Motoryacht des amerikanischen Herstellers NORDHAVN beteiligt war.
James Ellingford, Eigner der MV PENDANA, einer anderen NORDHAVN, griff unsere Geschichte in seinem PENDANABLOG auf und veröffentlichte eine wunderbar geschriebene Zusammenfassung.
Unglücklicherweise ist PENDANABLOG nicht mehr online, aber der damalige Artikel ist zum Glück über die zuverlässige WAYBACK MACHINE noch verfügbar. Aus Gründen der Dokumentation habe ich die archivierte Beitragseite vom 30. Juni 2014 hier in diesem Blog 1:1 nach gebaut und somit wieder für jeden einfach verfügbar gemacht. Ferner habe ich eine deutsche Übersetzung davon angefertigt.
Neue Texte zum eigentlichen Unfallhergang werden nicht erstellt. Die damals im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang erstellten Blogbeiträge sind authentisch und beschreiben die Situation hinreichend ausführlich:
a) Video Auslaufen VANUATU (in der zweiten Hälfte) vom 19. Juni 2014, 3 Tage vor dem Seenotfall
b) Seenotfall auf halber Strecke zwischen VANUATU und AUSTRALIEN
c) Bilder der Notreparatur auf hoher See
d) Reparatur in AUSTRALIEN
e) Nacharbeit in SINGAPUR
f) Zusammenfassung des Seenotfalls von James Ellingford (deutsch)
g) Zusammenfassung des Seenotfalls von James Ellingford (englisch)
h) Bericht in YACHTING & BOATING WORLD
i) Bericht in SAIL WORLD
j) 5 Jahre später: Kapitaler Rumpfschaden

Was bisher hingegen völlig fehlt ist das „…was danach geschah“. In den folgenden Beiträgen wird es in lockerer Folge um folgende Themen gehen:
1) MAYDAY: Ursache
Werftzeit in NEUSEELAND / Arbeiten am Schwenkkiel / Kosten
2) MAYDAY: Verantwortungslosigkeit
Einigungsversuch / Anwälte / Zeitspiel
3) MAYDAY: Schadensbegrenzung
Werftzeit in AUSTRALIEN / Versicherung
4) MAYDAY: Spätfolgen
5 Jahre später kapitaler Rumpfschaden / Sanierung / Kosten

Von links: Robbi & JoJo (MV SOUTHERN STAR), Heidi & Peter (SY STORMVOGEL), Per & Elisabeth (SY ODA). Aufgenommen am 16. August 2024 bei einem Wiedersehen in NORWEGEN.
Das ist doch mal ein schönes Sommerlochprojekt: Stöbern in der Vergangenheit!
OK, das Thema könnte erfreulicher sein. Auf der anderen Seite: Es wurde alles gut überstanden und schon fast vergessen!
Peter.




