Die Segelyacht STORMVOGEL segelte vom 14. Juli 2012 ab HAMBURG (DEUTSCHLAND) bis nach OPUA (NEUSEELAND), das sie 27. Oktober 2013 erreichte.
Auf dieser Reise überquerte das 14,5m lange aus Aluminium gebaute Boot den ATLANTIK und auch weite Teile des PAZIFIKS. Als niederländischer Werftbau verfügte die Segelyacht über einen so genannten Schwenkkiel. Diese Unterwasserkonstruktion ermöglichte es den Besatzungen auch nahezu gegen den Wind zu segeln. Dazu wurde der Schwenkkiel mit Hilfe einer hydraulischen Pumpe ausgefahren und so der Tiefgang der Segelyacht auf 2,70m vergrößert. In küstennahen Gewässern oder bei anderen Windverhältnissen wurde der Schwenkkiel in den Bootsrumpf einfahren und so der Tiefgang auf 1,50m verringert.

STORMVOGEL konnte auf allen Kursen immer sicher ohne ausgefahrenes Schwenkkiel navigieren, da der bei einem Segelboot dieser Größe notwendige Ballast im Schiffsrumpf und nicht im Schwenkkiel untergebracht war.
Auf der über 14.000 Seemeilen (ca. 26.000 Kilometer) langen Reise nach NEUSEELAND funktionierte die Schwenkkiel Mechanik jederzeit einwandfrei, obwohl das Boot bereits 1995 gebaut wurde.

Vor der Abreise im Sommer 2012 wurde STORMVOGEL umfangreich auf der renommierten niederländischen Yachtwerft HUTTING umgebaut und sämtliche technischen Einrichtungen vorsorglich professionell gewartet.
So wurde auch der Schwenkkiel vollständig demontiert, überholt und fachmännisch wieder zusammen gesetzt.
Dennoch beobachtete die Mannschaft auf der 470 Tage dauernden Reise von DEUTSCHLAND nach NEUSEELAND immer mal wieder geringe Mengen von Tropfwasser in der Bilge. Eine Bilge ist im inneren einer Segelyacht der tiefste Punkt im Rumpf und es ist normal, das sich hier Tropfwasser, woher es auch immer stammen mag, sammelt.
Je nach Nutzung des Schwenkkiels konnte die Besatzung manchmal bis zu 5 Liter Seewasser pro Woche in der entsprechenden Schwenkkiel Bilge feststellen. Es macht durchaus Sinn, dieses aggressive Salzwasser aus einem Boot regelmäßig zu entfernen. Um diesen tiefsten Punkt im inneren der Segelyacht STORMVOGEL zu erreichen musste man jedes mal allerdings einige Möbelstücke und Ausrüstung zur Seite räumen. Nur dann konnte man das eingedrungene Seewasser durch abschöpfen manuell entfernen.
Alleine diese routinemäßige und durchaus lästige Aufgabe veranlasste die Besatzung dazu, auf der NORDAND Yachtwerft in WHANGEREI, NEUSEELAND nach einer Verbesserung der Schwenkkiel Mechanik zu suchen damit diese absolut wasserdicht werden konnte.
In Absprache mit der HUTTING Yachtwerft in den NIEDERLANDEN, der NORSAND Yachtwerft in NEUSEELAND und der vor Ort befindlichen STORMVOGEL Besatzung wurde beschlossen, die Schwenkkiel Mechanik auf der NORDAND Yachtwerft in WHANGEREI erneut zu demontieren um andere Dichtungen sowie eine auf wasserfestem Schmierfett basierende zusätzliche Dichtung einzubauen.
Die Aufgabe wurde ausführlich besprochen, abgestimmt und von der NORSAND Yachtwerft mit einem Kostenvoranschlag in Höhe von 3.200 NZ$ (ca. 2.000 €) versehen.
Da noch zahlreiche weitere Wartungs- und Verbesserungsarbeiten an STOMVOGEL durchgeführt werden sollten wurde vereinbart, die deutsche Segelyacht die gesamte Wintersaison über bei NORSAND zu belassen, damit die Werftmitarbeiter ohne jeden Zeitdruck alle Arbeiten an der Segelyacht in Ruhe durchführen konnten.
Auf der Südhalbkugel treten im Winter gehäuft Stürme, Hurricane genannt, auf weswegen nahezu alle Weltumsegler hier länger Station machen.
Die Besatzung des STORMVOGELS lieferte ihre Yacht wie verabredet am 2. Dezember 2013 beim Manager der NORSAND Werft, Herrn Peter Palmer, ab, verbrachte Weihnachten zu Hause in DEUTSCHLAND und bereiste danach AUSTRALIEN und NEUSEELAND mit dem Wohnmobil, bis sie am 19. April 2014 wieder nach WHANGEREI zurück kehrte um STORMVOGEL für die geplante Weiterreise nach VANUATU vorzubereiten.
Während der Abwesenheit der STORMVOGEL Besatzung hielt Peter Palmer die STORMVOGEL Besatzung mit zahlreichen eMAILS und Fotos über die Arbeiten an der Segelyacht auf dem laufenden.

Insgesamt hatte die STORMVOGEL Besatzung jederzeit das gute Gefühl, kompetent von Peter Palmer und seinem Team auf der NORSAND Yachtwerft betreut zu werden. Auch über die nicht unerhebliche Höhe der Rechnungen (65.282 NZ$ bzw. 39.580 €) gab es keine Diskussionen. Im Gegenteil: Als Dank für die geleistete Arbeit besorgte die STORMVOGEL Besatzung fünf Kisten bestes neuseeländischen Bier für das gesamte Werftteam, neben individuellen Trinkgeldern für die Hauptakteure.
Am 9. Mai 2014 schließlich verließ STORMVOGEL nach mehr als 140 Tagen Werftaufenthalt NEUSEELAND mit dem Ziel VANUATU.
Die 8 Tage dauernde Seereise wurde in der zweiten Hälfte durch einen Sturm mit über 40 Knoten Wind geprägt. Da der starke Wind aber schräg von achtern (hinten) kam wurde der Schwenkkiel auf dieser Reise nur selten benötigt.
Wie nach der technischen Verbesserung erhofft blieb die Schwenkkiel Bilge absolut trocken.
Nach einer ausgedehnten Erkundung der Inseln von VANUATU verließ STORMVOGEL am 19. Juni 2014 die kleine Inselgruppe mit Kurs auf CAIRNS, AUSTRALIEN. Die auf ca. 7 Seetage angesetzte Reise wurde zusammen mit der Segelyacht ODA (NORWEGEN) und der Motoryacht SOUTHERN STAR (NEUSEELAND) angetreten.
Am Tag der Abreise herrschte zunächst eine Starkwindsituation die den Einsatz des Schwenkkiels erforderte, später verbesserte sich das Wetter und damit die Segelbedingungen.
Bis es am 22. Juni 2014 um 19:20 Uhr auf Position 16°02,3‘S / 159°14,1‘E völlig unerwartet zu der beinahe Katastrophe an Bord von STORMVOGEL kam. 700 Seemeilen (ca. 1.400 km) bis nach AUSTRALIEN, 500 Seemeilen (ca. 1.000 km) zurück nach VANUATU, aufgrund der Wetterverhältnisse eher unmöglich.
Die Beschreibung der Unfallnacht und der Notreparatur auf hoher See Tags darauf können hier nachgelesen werden.
Alleine durch den zeitlichen Verlauf der Arbeiten an der Schwenkkielmechanik entstand bereits sehr früh die Vermutung, das ein Montagefehler der NORSAND Werft in NEUSEELAND für die beinahe Katastrophe verantwortlich sein musste.
470 Tage problemlos von DEUTSCHLAND nach NEUSEELAND. Tropfwasser zwar, aber sehr wenig.
44 Tage von NEUSEELAND über VANUATU nach AUSTRALIEN, massiver Wassereinbruch an der Schwenkkielmechanik und drohender Totalverlust der Segelyacht.
Am 21. Juli 2014 informierte die STORMVOGEL Besatzung Peter Palmer von der NORSAND Yachtwerft schriftlich per eMAIL über den Vorfall. Dieser zeigte sich zwar persönlich betroffen, übergab aber den Vorfall ohne weitere Kommentierung direkt an den Versicherungsmakler CROMBIE LOCKWOOD (NZ) LIMITED und die gaben den Vorfall an den Versicherer VERO MARINE (NZ) der NORSAND Yachtwerft und deren Anwälte weiter.
Die weitere Kommunikation mit dem Verursacher des Schadens erfolgte daraufhin ausschließlich über die Anwälte der Versicherung von NORSAND, eine vernünftige Einigung wurde damit unmöglich.
Neben dem klaren zeitlichen Zusammenhang lässt sich insbesondere folgendes zur Schuldfeststellung anführen:
a) Im Januar 2014 hat der NORSAND Yachtwerft Mitarbeiter Andy Hutton die Mechanik des Schwenkkiels der Segelyacht demontiert, alle Bauteile gereinigt und zum Wiedereinbau bereit gelegt.
Rechnung
b) Im März 2014 hat der NORSDAND Yachtwerft Mitarbeiter Karl Fuller die Schwenkkiel Mechanik wieder montiert und die Arbeiten daran beendet.
In den folgenden 1,5 Jahren ging es immer wieder darum woran die NORSAND Mechaniker Andy Hutton und Karl Fuller tatsächlich gearbeitet haben. Im Wesentlichen bestritten die NORSAND Anwälte im Nachhinein durchgeführte Teilarbeiten an der Schwenkkielmechanik. Allerdings wurden diese eben jene während des Werftaufenthalts der Segelyacht bei der NORSAND Yachtwerft durch eMAILS und Fotos von ihrem Mitarbeiter Peter Palmer gut dokumentiert.
Für den damaligen Eigner des STORMVOGEL´s stand relativ früh´ fest das die unsachgemäße Montage der Schwenkkiel Mechanik die Ursache für die beinahe Katastrophe war:
Demnach entstand die Leckage weil der montierende Mechaniker Karl Fuller übersehen hatte, zwei große Sechskantmuttern der Schwenkkielmechanik zusätzlich zum gegenseitigen kontern mit einem Flüssigkunststoff (LOCTIDE o.ä.) gegen Losdrehen in Folge von Vibration zu sichern.

Durch das unbemerkte Lösen der Muttern an Backbord (links) konnte die Drehachse des Schwenkkiels zur Steuerbordseite (rechts) wandern und dadurch das Gehäuse der zwingend notwendigen Dichtungen vom Boot abreißen. Infolge dessen kam es dann zum Wassereinbruch.

Im Laufe der Auseinandersetzung mit den Anwälten der NORSAND Yachtwerft wurde unter anderem behauptet, die ganze Schwenkkielkonstruktion sei unzuverlässig und technisch fragwürdig. Das ist mit Sicherheit unzutreffend, denn nach damaliger Auskunft der HUTTING Yachtwerft in den NIEDERLANDEN wurden über 1.000 Yachten mit dieser Technik ausgerüstet. Diese Schwenkkielkonstruktion ist Industriestandard.
Als Andy Hutton die Sechskantmuttern im Januar 2014 demontiert hatte, muss er Rückstände von dem in den NIEDERLANDEN verwendeten Kunststoffkleber zur Sicherung der Sechskantmuttern bemerkt haben. Durch die Reinigung aller Bauteile ist diese Information offensichtlich verloren gegangen und die Mechaniker der NORSAND Yachtwerft waren sich der elementaren Bedeutung dieser beiden Muttern nicht bewusst.
Sicherlich ist eine solche implizite Schraubensicherung mit Kunststoffklebern schon lange technischer Standard, aber nicht für jeden erkennbar. Daher wurde später bei der Reparatur in AUSTRALIEN ein explizites Sicherungssystem in Form von doppelt gesicherten Madenschrauben eingeführt. Dazu in den noch folgenden Beiträgen mehr.
Die NORSAND Yachtwerft in WHANGEREI, NEUSEELAND hat niemals ihre Schuld eingestanden.
Enttäuschend, das sich Peter Palmer nie wieder gemeldet hat.
Peter.
P.S: Im nächsten Beitrag wird es um das unsägliche Zeitspiel der Anwälte der NORDSAND Yachtwerft gehen.










