Im Zusammenhang mit der Aufarbeitung des Seenotfalles im Korallenmeer (Pazifik) 2014 sind einige bisher nicht verwendete Videoclips aufgetaucht die die Situation am Tag nach dem Unfall auf hoher See ganz gut dokumentieren.
Insbesondere den tatsächlichen Seegang bei strahlend blauen Himmel und königlich blauem Ozean 😉
Daher hier als Ergänzung zu Text und Bildern im Blog das Bewegtbild bei YOUTUBE sowie einigen Texttafeln dazwischen zur Erklärung. Siehe weiter unten. Hier der Link zum Video (einfach auf das Bild cklicken):
Vielleicht hilft zum Verständnis der ganzen Aktion mit dem Dingi auf dem offenen Meer folgende zeitliche Abfolge:
1) SY STORMVOGEL:
Feststellung Wassereinbruch am Sonntagabend, leichte Panikattacken, Alarmierung SY ODA via UKW Seefunk.
2) SY ODA:
Zu diesem Zeitpunkt vielleicht 2 Seemeilen entfernt, kommt sofort dichter an SY STORMVOGEL heran. Via Satellitentelefon wird das MRCC (Seenotfallstelle) in NORWEGEN sowie die ca. 30 Seemeilen vorausfahrende MV SOUTHERN STAR alarmiert.
3) SY ODA:
MRCC NORWEGEN und SY STORMVOGEL bitten SY ODA innigst darum in der Dunkelheit das kleine Dingi nicht ins Wasser zu bringen um zu SY STORMVOGEL über zu setzten. Extrem hohes Risiko.
4) SY STROMVOGEL:
Bekommt nach ca. 4 Stunden die Situation halbwegs unter Kontrolle und kann mehr Seewasser abpumpen als eindringt. Telefonjoker empfiehlt im Satellitentelefonat die Verfüllung der Schwenkkiel Bilge mit Zement. Kein Zement an Bord der drei Yachten.
5) MV SOUTHERN STAR:
Trifft später in der Nacht auf die beiden Segelyachten und übernimmt die Kommunikation mit MRCC AUSTRALIEN, die den Seenotfall von MRCC NORWEGEN übernommen haben. MRCC AUSTRALIEN organisiert Zement auf Containerschiff MV KWEILIN welches zur Unfallstelle umgeleitet wird.
6) MV SOUTHERN STAR & SY ODA:
Bei Tagesanbruch setzt MV SOUTHERN STAR ihr großes Dingi ins Wasser, eskortiert von SY ODA für den Fall das jemand über Bord fällt.
7) Dingi SOUTHERN STAR:
Nimmt Skipper von SY ODA samt Material und Werkzeug auf und setzt zu SY STORMVOGEL über.
8) SY STORMVOGEL:
Zu Dritt wird mit Holz die Schwenkkiel Achse weiter / fester fixiert und eine weitere, größere Bilgenpumpe mit Stromversorgung und Ablaufleitung montiert und in Betrieb genommen. Danach warten auf Ankunft MV KWEILIN.
9) MV KWEILIN:
Trifft am frühen Nachmittag an der Unfallstelle ein, stoppt die Maschine und legt sich quer zur See um Lee für die anstehenden Manöver zu geben.
10) Dingi SOUTHERN STAR:
Beide Skipper verlassen SY STORMVOGEL im Dingi und nehmen zwei 40 kg Säcke Zement, verpackt in Jutesäcken an der Bordwand des Containerschiffes entgegen. Im Gegenzug werden alle Zigaretten, sämtliches Bargeld und die letzte Flasche Whisky von SY STORMVOGEL als Dank an die MV KWEILIN Crew übergeben.
11) Dingi SOUTHERN STAR:
Kommt längsseits SY STORMVOGEL, liefert die beiden Zementsäcke aus und kehrt zurück in Lee von MV KWEILIN.
12) SY ODA:
Kommt ebenfalls in Lee vom MV KWEILIN und nimmt eigenen Skipper aus Dingi wieder auf.
13) MV KWEILIN:
Wird gebeten noch länger Lee zu geben damit auch das Dingi von MV STOUTHERN STAR wieder aufgenommen werden kann. Der Kapitän von MV KWEILIN sagt: Nehmt euch die Zeit die ihr braucht, wir bleiben so lange bis alle wieder sicher an Bord zurück sind.
14) MV SOUTHERN STAR:
Die Stabilisatoren der kleinen Motoryacht können nur arbeiten, wenn das Boot ausreichend Fahrt macht. Daher extreme Bootsbewegungen bei Annäherung an MV KWEILIN. Erster Anlauf schlägt fehl weil MV SOUTHERN STAR und MV KWEILIN viel zu dicht zusammen kommen.
15) MV SOUTHERN STAR:
Zweiter Anlauf klappt besser. Das Problem bei der Aufnahme des Dingi´s ist das MV SOUTHERN STAR in unmittelbarer Nähe von MV KWEILIN nicht auf Autopilot laufen kann und daher die Brücke von MV SOUTHERN STAR besetzt bleiben muss. Also muss der Skipper im Dingi erst alleine an Deck klettern, den Dingikran klar machen, wieder in das Dingi steigen um es in das Kranseil anzupicken und wieder an Bord zurück kehren und das Dingi hinauf ziehen.
Das gelingt auch, doch sobald MV SOUTHERN STAR aus dem Lee von MV KWEILIN heraus ist schlägt das Dingi unhaltbar auf das Bootsdeck von MV SOUTHERN STAR und richtet dort Schäden an. Schließlich kann das Dingi aber doch gesichert werden.
16) SY ODA und SY STORMVOGEL:
Während dessen bleiben die beiden Segelyachten in unmittelbarer Nähe für den Fall das jemand über Bord geht.
17) SY ODA, SY STORMVOGEL, MV SOUTHERN STAR und MV KWEILIN:
Nehmen Fahrt und ihre Kurse wieder auf.
18) SY STORMVOGEL:
Rührt den Zement im Cockpit mit Frischwasser an, verfüllt die Masse in die Schwenkkiel Bilge und schöpft weiter eindringendes Wasser zunächst mit der Hand ab um die mobile Bilgenpumpen mit der Zementbrühe nicht zu verstopfen. Nach dem sich die Zementpampe etwas verfestigt hat Umstellung auf die Pumpen.
19) MV SOUTHERN STAR, SY ODA und SY STORMVOGEL:
Erreichen sicher nach fünf weiteren Seetagen um 02:00 Uhr am 28. Juni 2014 CAIRNS in AUSTRALIEN.
Soweit zum Verständnis der Abläufe in absoluter Kurzform.
Peter.


