OK, fangen wir mit dem lustigen Teil an:
Insel ANHOLT.
Noch mal Fahrräder gemietet um ein wenig auf der Insel herum zu kurven. Durchwachsenes Wetter. Auf dem Rückweg zum Hafen noch mal bei BRUGSEN in ANHOLT City Station gemacht. Der Supermarkt am Hafen ist zwar auch vernünftig sortiert, aber in der Vorsaison in der Auswahl doch beschränkt. Die Fahrräder haben Transportkörbe am Lenker montiert, also kann man ganz gut kleine metallische Zylinder, Traubensaft enthaltene Kartons und verpackte tote Tiere ohne große Schlepperei über die Insel in den Hafen bringen.

Es nieselt, Unterschlupf unter dem großen Plastikdach vor dem BRUGSEN Eingang gefunden. Obwohl das schäbig werdende Dach wirklich groß ist, kann man kaum darunter stehen: Hier stehen alle möglichen Gartenartikel herum, Blumenerde in Säcken, Blumentöpfe und natürlich auch eine Palette mit Säcken biologischer Grillkohle. Das alles steht zum Verkauf, das alles bleibt hier auch völlig ungesichert stehen, wenn der Laden geschlossen ist. Dänische Inselverhältnisse, einfach mal Vertrauen.
Should we stay or should we go?
Och, warten wir einfach noch ein bisschen bis es aufhört zu regnen.
Kommt ein Paar um die Ecke. Der Mann stutzt, sieht den Schreiberling unvermittelt mitten ins Gesicht und fragt:
„Bist Du Peter?“
Äh, ja, äh, kennen wir uns? Nein, noch nicht. Dieser Mensch in Damenbegleitung ist, Achtung, großer Kracher, ein real existierender, bisher unbekannter, aber leibhaftiger Blogleser! Man glaubt es kaum: Er folgt diesem völlig unterbelichtetem Blog schon seit Jahren und versteigt sich gar zu der Aussage, das der Schreiberling „schön schreibe“.
Überhaupt, Andere würden ja nur noch Videos machen. Es sei so erfrischend das überhaupt noch einer schreiben würde.
Donnerknittel! Der Schreiberling. Erfrischend!
OK, Leser Nummer 6 gefunden! Besser vom Leser gefunden worden. Gut zu wissen.
Am Abend ein paar mehr Sätze in der ORAKEL Bar im Hafen von ANHOLT miteinander gewechselt. Der freundliche Blogleser ist auf dem Weg nach SCHWEDEN, mal sehen ob man sich im Winter zu Hause mal trifft. Wohnen die beiden doch glatt in einem Nachbardorf von ELMSHORN.
Der Wirt schlägt indes vor an einem Tisch eine Messingtafel mit des Schreiberlings Namen zu montieren, so häufig wie er sich hier herum treibe.
Nein, nein, nicht nötig! Morgen wird die Insel verlassen.
Die Wettervorhersage gar nicht mal so schlecht für einen langen Schlag in den Norden von SAMSÖ, nach LANGÖR. Ob der vielen Meilen, aber auch wegen (angeblich) nachlassendem Wind früher Start.
Nach zwei Stunden steckt STÖRTEBECKER in sehr unangenehmer 2 Meter Welle und Starkwind größer 20 Knoten.
Was soll denn das nun wieder? Der Skipper ist voll genervt, was soll denn dieser unvorhergesehene Scheiß? Die Besatzung nimmt es pragmatisch, wie es halt kommt. So viel ist klar: Bei diesem mistigen Wetter geht es nicht noch stundenlang nach LANGÖR, sondern es wird so schnell und direkt wie möglich nach GRENAA abgelaufen!
Die schweren Regenböen mit noch viel mehr Wind am immer noch ausgeschalteten GRENAA Windpark tauchen die ganze Szenerie in ein geradezu unheimliches, bedrohliches grauschwarzes Licht. Im Wellental gerät der Horizont immer wieder außer Sicht. Von achtern kommt eine kleine HANSE auf und motiviert den Skipper doch noch mal nach den eigenen stark eingereffeten Segeln zu sehen um wenigstens einen halben Knoten mehr Fahrt zu machen.
Wenn hier & jetzt was echt zu Bruch geht wird das übel enden. Das Wasser ist viel zu kalt um darin 10 Minuten zu überleben. Aber STÖRTEBECKER (eine HORNET 33) beweist seine sehr guten Segeleigenschaften. Das gibt, trotz der Umstände, großes Vertrauen in das Boot. So ein Grundvertrauen in ein neues altes Boot muss sich jeder Dampfer erst noch verdienen, das gibt es nicht einfach so.
Also, ist das Rigg gut genug um dieses schwere Wetter abzufangen?
Laut PANTAENIUS (unserem Versicherer) nicht:
Wenn das stehende Gut älter als 10 Jahre ist oder man keinen Nachweis über dessen Alter erbringen kann, dann wollen die das nicht mehr versichern, obwohl sie das bis zum Eignerwechsel ja gemacht haben. Versicherungsstatistik: Riggschäden bei alten Booten. Großes Risiko, besser gar nicht erst versichern, es könnte ja ein Schadensfall eintreten.
Nun denn, auf uns Laien macht das Rigg den allerbesten Eindruck. Nicht das kleinste Anzeichen von Schwierigkeiten mit dem Material. Wie beruhigend!
Kurz nach Ankunft in GRENAA überlegt der Skipper ob er nicht besser den Dampfer für 1 € bei eBAY anbieten sollte? So einen Scheißtrip braucht niemand, schon gar nicht dieser leicht überhebliche Schönwetter Luxusskipper!
Den Trip mal ganz schnell ausbuchen. Mit einer Vielzahl von kleinen metallischen Zylindern eine schnelle Sache.
Am Abend alleine das erste WM Fußballspiel der deutschen Mannschaft im öffentlich rechtlichen Livestream verfolgt. Selbst ein sehr kleines Public Viewing konnte mangels Public nicht zu Stande kommen. Immerhin hat des STÖRTEBECKERS Skipper den Rest des Hafens mit dem Signalhorn über jedes deutsche Tor informiert.
Schon eine tolle Sache: Die EU (glaube ich) hat die WM Vermarkter dazu verpflichtet das GEO Blocking auf EU Europa auszuweiten und nicht nur wie bisher auf das Heimatland des Streaminganbieters zu beschränken. Kein lästiges VPN mehr nötig.
Ob der kleinen metallischen Zylinder, ob der zahlreichen deutschen Tore, die miese mistige Überfahrt ist schon wieder vergessen.
Und das Boot wird selbstverständlich nicht bei eBAY inseriert.
Noch mal Glück gehabt.
Der alte STÖRTEBECKER!
Peter.




