HORNET 33: Boatjobs 04

Bevor es auf die erste echte Sommerreise im Juni 2026 mit STÖRTEBECKER ging, mussten noch einige Dinge am neuen alten Boot erledigt werden. In der Tat war der Dampfer erst am Vortag der geplanten Abreise wirklich fertig.

Perfektes Projektmanagement, könnte man meinen.

Hört das denn nie auf, das Leben als elendiges Projekt zu begreifen?

Wie war das noch?
Wer glaubt das Projektleiter Projekte leiten, der glaubt auch das Zitronenfalter Zitronen falten.

In diesem Beitrag geht es um:

a) Neue Winschen und Fallenstopper
b) Mobile Lenzpumpe
c) Motorwartung II
d) Elektrik & Elektronik
e) Gardinen
f) Ruderschmierung

a) Neue Winschen und Fallenstopper:
Das mit weitem Abstand teuerste Projekt im Winter 2025/2026 war der Umbau der vorhandenen nicht selbstholenden Winschen und Curryklemmen im Cockpit. Wirklich nicht mehr zeitgemäß dieses 48 Jahre alte technische Design. Das nennt man wohl Fortschritt, also mal eben richtig Geld ausgeben.

Blechschablone der neuen Backbord Fundamentplatte

Über die Vorarbeiten wurde ja schon in BOATJOBS 02 berichtet. Die Firma, die den Auftrag für die Herstellung der Edelstahlplatten als Fundamente für die neuen Winden („ANDERSEN 12 single speed„) und Fallenstopper („EASYLOCK MIDI„) bekam machte den guten Vorschlag, zunächst nach den selbst hergestellten Schablonen aus Pappe weitere Schablonen aus sehr dünnem Edelstahlblech zu fertigen. Denn es wäre unwahrscheinlich, das die ganzen Bohrungen tatsächlich, auf den Millimeter genau an den richtigen Stellen landen würden. Dafür sei die Pappschablone bei der großen Anzahl von Bohrungen schlicht zu ungenau.

Nacharbeiten an der Fundamentplatte in der Metallwerkstatt der W.Y.K.

Dadurch, das die Pappschablone komplett als Konstruktionszeichnung im Computer angelegt werden muss damit der Laserroboter das Teil bauen kann sind spätere Änderungen und Anpassungen dann leicht machbar, so lange eben, bis es passt. Später lernt der interessierte Laie das so ein Laserroboter etwas über 500.000 Euro kostet und dieses Model aus JAPAN stammt. Ach was, wie war das noch mal mit weltweit führenden deutschen Maschinenbau?

Dank der hervorragend mitdenkenden Arbeit der Metallbauer brauchten wir nur zwei weitere Anpassungsrunden auf Blechbasis, bis die echten, aus 8mm Edelstahl gefertigten Fundamentplatten gelasert werden konnten.
Versenkte Bohrungen für die Befestigung der Fundamentplatten in den vorhanden Bohr/Gewindelöchern der alten Winden und Curryklemmen. 6mm Gewindelöcher für die Verschraubung der neuen Winden und Fallenstopper in die Fundamentplatten.

Probemontage im heimischen Wintergarten, eigentlich ist das Arbeitsergebnis viel zu Edel um es auf einem Dampfer zu montieren?

Bis hierhin war irgendwie alles viel zu einfach, viel zu schnell und viel zu gut.

Der bei einem solch teuren Projekt zwingend notwendige Haken an der Sache tauchte erst beim Anschlagen der Segel auf:
Mit einem Male hakte der mittlere Fallenstopper und stoppte die Leine nicht mehr. Na nu? Etwa schon kaputt? Ausprobiert wurde das nagelneue Teil vor der Montage ja nicht. Kann aber wohl nicht sein? Einfachste Mechanik.

Neue Winschen und Fallenstopper auf SY STÖRTEBECKER

Zu blöd das EASYLOCK absolut keine Installationsanleitung und schon gar keine Bohrschablone dem Gerät beilegt. Bei genauer Betrachtung gar nicht blöd, sondern unglaublich überheblich. Auch im „Internet“ lässt sich keine Montageanleitung finden.

Das Ding bei diesen dreier- oder Mehrfachblöcken ist, das diese Mehrfachfallenstopper nicht auf einer gemeinsamen Montageplatte sitzen. Die Mehrfachfallenstopper werden schlicht durch Querschrauben mitten durchs Gehäuseplastik zu einem optischen Block miteinander verbunden, technisch bleiben es Einzelfallenstopper.
Hat man also wie hier z.B. einen Dreierblock, reicht es nicht den Fallenstopperblock durch die vier äußeren Löcher auf die neue Fundamentplatte zu verschrauben. Dann verkantet das Plastik unter Last, ein wenig nur und der mittlere Fallenstopper funktioniert einfach nicht mehr.

Problem erkannt, Problem gebannt:
Alles noch mal demontieren und je Fundamentplatte noch mal zwei Gewindelöcher für den jeweils mittlerem Fallenstopper herstellen. Selber machen oder Metallbauer fragen? Unser neuer Segelverein (W.Y.K.) verfügt über eine hervorragend ausgestattete Metallwerkstatt und wenn man die richtigen Leute fragt, darf man die auch benutzten. Darin stehen z.B. solide Standbohrmaschinen.

Also fix Bohrer und Gewindeschneider für Edelstahl besorgt und sich trotz Unkenrufen aus der Familie selbst ans Werk gemacht.

Huuuuuu, Edelstahl, das sei gar nicht mal so einfach zu bearbeiten!

Nonsens.

Mit dem richtigen Werkzeug geht bekanntlich immer alles. Na ja, vieles wenigstens. Von den vorsorglich fünf beschafften Edelstahlbohrern wurde nur einer gebraucht. Schön langsame Drehzahl, schön viel Öl und vor allem sanfter Vortrieb. Die vier neuen Löcher waren schnell an der richtigen Stelle gebohrt. Da nur 6mm Gewinde benötigt werden, kann man direkt mit 5mm vorbohren.

Mehr Zeit und Geduld kostete da schon das Schneiden der Gewinde.

Es gibt zwar mittlerweile auch einstufige Gewindeschneider für die Maschine, damit hat der Schreiberling aber wirklich so gar keine Erfahrung. Also ein dreiteiliges Gewindeschneiderset für Edelstahl verwendet. Vom groben zum feinen, auch hier viel Öl, Geduld und Gefühl von Nöten. Insgesamt 12 mal viele Kreise gedreht. OK, das wird dann auch schnell wieder langweilig, aber das Ende ist ja absehbar.

Fix wieder alles montiert und nun funktioniert die ganze mechanische Installation wie gewollt. Eine große Verbesserung für das Handling der Mastleinen.

Vorsegel: Reffwinsch und Fallenstopper an Bord von SY STÖRTEBECKER

Da durch die Demontage der alten Installation gleich vier Winden in das heimische Bootslager wanderten, wurde eine davon direkt an Steuerbord zusammen mit einem einzelnen EASYLOCK Fallenstopper als Reffwinde für das Vorsegel montiert. Auch das ist ein bewährtes System um das Vorsegel auch bei Starkwind jederzeit justieren zu können.
Noch nicht ganz perfekt, denn es handelt sich ja um eine nicht selbstholende Winsch. Also muss einer an der Leine ziehen, wenn gekurbelt wird. Bei Gelegenheit mal das Teil „BARTON WINCHER“ kaufen und ausprobieren. Vielleicht reicht das ja für den Gelegenheitseinsatz?

Nun denn, Projekt erfolgreich, sogar mit Lernkurve, abgeschlossen.

b) Mobile Lenzpumpe:
Ein schnelles Beschaffungsprojekt. Getrieben aus langsam verstaubender, doch niemals zu vergessender Erfahrung. Für die aktuelle Besatzung des STÖRTEBECKERS ist eine mobile Lenzpumpe so was wie der Hosenträger zum Gürtel.

Mobile Lenzpumpe an Bord von SY STÖRTEBECKER

Aber bitte kein Spielzeug. 110 Liter/Minute Pumpleistung sind schon mal nicht schlecht. 5 Meter Schlauch auf der einen, 3,5 Meter Anschlusskabel auf anderen Seite zum direkten Anschluss an eine 12 Volt Batterie. Zu diesem Zweck aus dem Autozubehör ein günstiges Starthilfekabel erworben und auf der einen Seite die Krokodilklemmen abgeschnitten und das lange Ende wasserfest mit den Kabeln der Pumpe verbunden.
Nun liegt das Teil relativ schnell greifbar in einer Backskiste im Salon und wird hoffentlich nie, nie, nie gebraucht!

c) Motorwartung II:
Nach dem im letzten Herbst noch schnell ein Öl- und Ölfilterwechsel an der Hauptmaschine durchgeführt wurde und im Winterlager das Getriebeöl des Saildrive erneuert wurde, fehlten in diesem Frühjahr noch der Dieselvor- und Feinfiltertausch sowie der Impellerwechsel.

Das Ding mit solch vorausschauenden Wartungsarbeiten ist ja immer:
Muss das denn wirklich schon wieder sein?

Nun, hier und heute ist die Entscheidung einfach: Niemand weiß wann Filter und Impeller das letzte Mail getauscht wurden und so schafft man jetzt immerhin mal einen Status Quo und dokumentiert den selbstverständlich im Logbuch.

Dieselvorfilter an Bord von SY STÖRTEBECKER

Leider verhindern die körperlichen Dimensionen des Schreiberlings ein eigenes Handanlegen beim Vorfiltertausch. Denn der sitzt so bekloppt an einem Schott in der Backbord Backskiste, da kommen nur „…was bin ich froh´ das ich so ein dürrer Hering bin!“ (1978, der geniale Marius Müller Westernhagen) rein. Der Handwerker in der Familie hilft, nach dem zuvor ein derzeit auf MADEIRA weilender Sparingspartner gedankliche Unterstützung für die einzelnen Arbeitsschritte lieferte.

Der Vorfilter ist schnell getauscht und in der Tat hat der Skipper schon (viel) schlimmer verschmutzte gesehen. Der Feinfilter direkt an der Maschine ist so schlecht zugänglich, der lässt sich im montieren Zustand nicht lösen. Wer baut so einen Mist? Ach, die Premiumtruppe von VOLVO PENTA?

Halterung für den Dieselfeinfilter VOLVO PENTA D1-30B mit Balgenpumpe, Entlüftungssschaube und 2 Schlossschrauben

Aber die Halterung des Feinfilters hängt nur mit zwei Schlossschrauben am Motorblock und die Schläuche geben etwas Spiel. Also die Schlossschauben heraus gedreht, das Teil in die Hand genommen, eine kleine Plastiktüte darüber gestülpt und ohne weiteres Werkzeug den Filter abgedreht und durch den neuen Filter ersetzt. Das Teil wieder montiert und den wirklich lustigen Teil einer solchen Filtertauschaktion begonnen:

Dieselkreislauf entlüften!

Einmal mehr beweist STÖRTEBECKER welch klugem Erzeuger er sein Dasein zu verdanken hat. Der Konstrukteur ERNST HATECKE hat nämlich den Dieseltank der HORNET 33 direkt unter dem Cockpitboden, aber ÜBER der Maschine angeordnet. Durch schlichte Schwerkraft findet der Kraftstoff also immer einen Weg in den Motor.
Ja klar, die beiden trockenen neuen Filter müssen noch mit Diesel gefüllt werden und auch hier muss die Luft aus dem System raus, aber das ist natürlich viel, viel einfacher wenn der Diesel nicht angesaugt werden muss.
Warum VOLVO PENTA beim D1-30B so eine super einfache Balgenpumpe mit separater Entlüftungsschraube vorgesehen hat ist unklar. Das war bei des STORMVOGELS NANNI N4.85 deutlich besser geregelt, Entlüften ohne Entlüftungsschraube.

Nun denn, hier saut man also etwas mehr herum und braucht noch mehr saugfähige Tücher um das aus der Entlüftungsschraube sprühende Luft/Dieselgemisch aufzufangen. Immer schön am schwarzen Balg pumpen, bis man denkt es kommt nur noch Diesel und die Entlüftungsschraube mit Gefühl schließen. Denn, nur so zur eigenen Erinnerung: Das Teil ist ja hohl-, keine Vollschraube.

Nun, die Maschine springt wie erwartet sofort an und läuft ruckelfrei. Astrein. Das kommt davon wenn der Kraftstoff von oben nach unten laufen darf.

Genial, diese Schwerkraft!

Der Impellerwechsel war super einfach, weil die Pumpe sehr gut erreichbar ist. Vielleicht wäre der Impeller auch noch für ein paar Saisons gut gewesen, aber wer will allen Ernstes einen überhitzten Motor wegen zerbröseltem Impeller riskieren?

Sehr gut zugängliche Seewasserpumpe des VOLVO PENtA D1-30B an Bord von SY STÖRTEBECKER

Der Vollständigkeit halber müsste man nun auch noch den Keilriemen tauschen, aber der sieht wirklich so was von neu aus, ein Austausch fällt so was von schwer und wird daher erst mal so was von schick verschoben.

d) Elektrik und Elektronik:
Das Dampfer und Deckslicht funktionierte nicht. Bei liegendem Mast Kabel und Lampen mit 12 Volt Batterie überprüft, funktionieren astrein. Unter Deck muss die entsprechende Sicherung gedrückt sein, dann sollte mit einem Dreiwegekippschalter Erleuchtung einkehren.
Wie eigentlich fast immer bei solchen Problemen sind es die Steckverbindungen, die für Ärger sorgen. Diese befindet sich in der Bilge direkt am Mastfuß des durchgesteckten Mastes. Man ahnt es schon: Da ist es niemals so richtig trocken und auch wenn Stecker und Buchse „eigentlich“ noch gut aussehen sind sie schlicht marode und sorgen, mit Chance, wenigstens für Wackelkontakt oder eben für ewige Finsternis.

OK, schlecht gebastelt aber in Funktion. Stromversorgung für Dampfer- und Deckslicht an Bord von SY STÖRTEBECKER

Nach dem im Heimathafen durch herum probieren die Sache mit einem male zu funktionieren schien, stellte sie später ihre Funktion wieder ein. Stecker und Buchse temporär völlig unprofessionell durch Nüsterklemmen ersetzt und siehe da, geht doch! Muss spätestens im Winter 2026/2027 richtig gemacht werden.

In die gleiche Kategorie (nasse Stecker) fällt auch das UKW Kabel. Nach dem auf der Überführungsreise 2025 alle Nase lang ein „AIS Stehwellenfehler“ auf den RAYMARINE Anzeigen für Aufregung sorgte, wurde nun ein vom Masttop durchgehendes UKW Antennenkabel bis zum Antennensplitter verlegt. Der Fehler tritt nicht mehr auf, das ist gut.
Schlecht ist, das man jetzt den Mast nicht mehr so ohne weiteres ziehen kann denn der Anschlusstecker im Boot passt nicht durch die vorhandenen Verlegelöcher. Also, vielleicht, doch noch irgendwo eine Steckverbindung einfügen? Oder, und das wäre zweifelsohne die Beste, aber aufwendigste Lösung, die Verlegelöcher größer machen damit es bei der durchgehenden Kabelverbindung bleiben kann.

Das gewählte GLOMEX Set bestehend aus UKW Antenne und 25 Meter Antennenkabel entpuppt sich zwar als funktionstüchtig, aber technisch zweifelhaft: An der Antenne gibt es keinen Stecker, das Kabel wird speziell geformt und dann mit Kraft in die Antenne geschoben. Wenig vertrauenerweckend und wenn man das Teil demontieren will, muss man wieder friemeln und basteln. Am Besten, man lässt nun die Antenne für immer am Mast!
Zum anderen ist das 25 neue Meter UKW Antennenkabel so was von dünn. Es tat regelrecht weh, das alte, super dicke UKW Antennenkabel mit mindestens vier mal kostbareren Metallen aus dem Mast zu ziehen und durch diesen neumodischen Kram zu ersetzten.

Aber, und nur das zählt: Funktioniert.

RAYMARINE iCT-5 konvertriert analoge in digitale Signale

Ebenfalls wieder zu Leben erwacht ist der RAYMARINE Windsensor. Der war auf dem Überführungstörn 2025 ohne Funktion und lässt sich im Winterlager ohne Geräte auch nicht auf Funktion prüfen.
Eine genaue Betrachtung der kleinen Anschlusskabel ergab das offenbar jemand beim abisolieren mehr Kabelisolierung als gewollt beschädigt hat und es so zu einem unbemerkten Kurzschluss kommen konnte. Da kann das Teil ja auch nicht funktionieren!
Das Kabel war lang genug, also neu machen, neue Kabelschuhe quetschen und schon funktioniert auch dieses teure Teil wieder. Sehr schön!

Irre:
Der Sensor mit 30 Meter Kabel (Modell „E22078“) kostet ca. 580 Euro, damit der im Bordnetz funktioniert braucht man noch die Anschlussbox „iTC-5“ die analoge Signale in digitale umsetzt. Noch mal ca. 330 Euro. Nur damit man weiß woher und wie stark der Wind weht.

Weiß man doch als Segler sowieso:

Windrichtung:
Immer aus der falschen Richtung.

Windstärke:
Immer zu viel oder zu wenig.

e) Gardinen:
Kleines Randprojekt der Besatzung: Selbstverständlich sollten neben neu bezogenen Polstern und neu verkleideten Bordwänden auch neue Gardinen des STÖRTERBECKERS Salonfenster schmücken.

Herstellung von Gardinen für SY STÖRTEBECKER

In einer Art Last-Minute Aktion wurden diese noch geschwind aus original indonesischem farbenfrohen Stoff genäht, gewaschen, gebügelt und befestigt.
Erstaunlich, diese handwerkliche Geschwindigkeit, wenn es darauf ankommt!

Neue Gardinen und frisch bezogene Bootspolster auf SY STÖRTEBECKER

f) Ruderschmierung:
Die gar nicht mal so unaufwendige Ruderanlage von STÖRTEBECKER hat verschiedene Schmiernippel und eine Schmierfettdose damit alles hübsch gangbar bleibt. Alles einmal mit frischem wasserfesten Fett versorgt, aber, vermutlich, nicht ausreichend.

Denn viele Wochen später (JETZT-Zeit) bahnt sich ein ernsteres Problem an der Ruderanlage an. Jedenfalls schnarrt, schleift irgendwas um die +/- 5° Mittschiffs. Auch nochmaliges, diesmal nun sehr intensives Nachschmieren bringt bisher keine Verbesserung.

Doch das, liebe bis hier hin durchhaltende Leser, ist eine andere Geschichte die zu einem späteren Zeitpunkt hier erzählt werden soll.

Peter.

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