B26: Samsö, Langör

Das erste WM Spiel ist glatt gewonnen, der ANHOLT Trip Geschichte, das Wetter hat sich beruhigt und die volle Landabdeckung des dänischen Festlandes von GRENAA bis EBELTOFT garantiert bei dem vorherrschenden Nordwest Wind Null Welle für die ersten paar Segelstunden.

Also weiter nach Süden!

Was gibt es zu meckern? Ach ja, es könnte am frühen Morgen wärmer sein. Ein wenig.

Die Lagune von LAGÖR, SAMSÖ, Dänemark

Fünf Boote machen sich an diesem herrlichen Segelmorgen auf den Weg, STÖRTEBECKER läuft voran. OK, zwei Boote ändern später ihren Kurs gen EBELTOFT, aber eine lange Zeit gibt der alte Zossen das Speedlimit vor.

Wie erwartet bricht der Wind zwischen der Südspitze des dänischen Festlandes und dem Nordende der Insel SAMSÖ im AARHUS BUGT Fahrwasser wieder völlig zusammen. Als die Bootsgeschwindigkeit unter 4 Knoten (mithin nicht mal mehr 8 km/h) fällt muss einmal mehr die Unterwassergenua an.

Das heutige Ziel LANGÖR auf der Insel SAMSÖ liegt in einem Naturschutzgebiet mit viel flachem Fahrwasser. Wie immer in Dänemark hervorragend betonnt und auch ohne Seekarte einigermaßen navigierbar. Klar, wenn der Strand mal auf 50 Meter an das Boot heran kommt bekommt man kalte Füße, aber Fahrwasser ist Fahrwasser.

Zwei andere Boote sind auch in der Ansteuerung von LANGÖR unterwegs, unter Segeln mit wenig Wind, entweder Revierkenner oder Leichtsinnige.

SY STÖRTBECKER im Hafen von LANGÖR, SAMSÖ, Dänemark

Gähnende Leere im Hafen. Drei andere Boote liegen schon in dem aus jeder Faser spürbar herunter gekommenen Hafen. Der Törnführer behauptet, LANGÖR sei der schönste Ort für Segler in DÄNEMARK.
Steile These. Ja, es ist schön und durch die riesige Lagune auch besonders hier. Aber ganz offenbar will man gar keine Segler hier mehr haben. Die Steganlage herunter gekommen, die alten Poller viel zu flach um daran vernünftig seinen Dampfer anzubinden und die Wassertiefe bedenklich gering. Dennoch wird hier vermutlich in wenigen Wochen sicherlich der Bär los sein, wenn die Sommerferien der dänischen Schulkinder anfangen.

Der kleine Ort besteht aus wenigen Ferienhäusern, absolut tot. Auf der Straße treffen wir einen Mann der sich dafür entschuldigt das der nächste Laden 7 Kilometer entfernt sei. Was kann er dafür?
Der einige Lichtblick ist der örtliche Hafenimbiss. Der hat am späten Nachmittag noch auf. Die Besucher kommen mit dem Auto oder dem Fahrrad. Oder, sehr exotisch um diese Zeit, mit dem Boot. Bewirtschaftet von einem zuvorkommenden Mann mittleren Alters, irgendwo aus dem Osten Europas stammend und recht gut englisch sprechend. Bier vom Fass, logisch, wir sind in DÄNEMARK und eine wirklich clevere Speisekarte. Im Wesentlichen irgendein Räucherfisch auf Grünzeug und offenbar vorgekochte dänische Frühkartoffeln die nur schnell in der Mikrowelle warm gemacht werden. Keine Pommes. Kein totes Schwein oder Rind.

Der Hafen von LANGÖR, SAMSÖ, Dänemark

Das ist echt clever, weil super schnell in der Zubereitung, in jedem Fall köstlich und alle Zutaten sind lange haltbar. Faire Preise bietet der Mann auch noch.

Also, wie kann man an einem solch der Welt entrückten Ort mehr erwarten?

Der Liegeplatz für einen Winzling wie STÖRTEBECKER nun mal einer ist kostet knapp 50 € die Nacht. Ganz klar ein „wir wollen keine Besucher Preis“, oder? Objektiv muss man fest halten das die Duschen 1A in Ordnung waren, es eine gut eingerichtete Seglerküche gibt und auch der Grillplatz OK ist. Aber 50 Kracher?

Es fühlt sich richtig gut an wenn das Wetter sich beruhigt und die langen Sommerabende mit dem spät versiegenden Sonnenlicht in zuvor unbekannten Häfen zu einmaligen Momenten führen.

Doch es ist nicht nur der hohe Preis für eine Übernachtung die LANGÖR für Segler nicht wirklich erstrebenswert macht: Die Revierfahrt über Norden oder Osten ist viel zu lang um hier nur mal so vorbei zu schauen. Klar, Familienboote hier die ein paar Tage Urlaub machen wollen betreiben diesen Aufwand, wenn sie denn genug Geld im Portemonnaie haben.

Der ursprüngliche Plan, hier länger als eine Nacht zu bleiben wird noch am Abend aufgegeben. Denn der eigentlich vor Ort befindliche Fahrradverleih hat noch gar keine Fahrräder und so ist der mögliche Aktionsradius für die Erkundung der Umgebung doch arg beschränkt.

Andere Boote schippern Klappfahrräder übers Meer. Und Kajaks. Oder Dingis. Kinderwagen an Deck, auf schon öfters gesehen. Wenn man auf einem Segelboot einen Dachgepäckträger verpassen könnte, würde man wohl viele Yachten damit sehen. Seespediteure in eigener Sache.

STÖRTEBECKER hat da andere Prioritäten: Grundsätzlich aufgeräumtes Deck, nur ein mobiler Grill darf seinen Platz in einer Backskiste finden. Denn so ein Teil ist ja wirklich wichtig, schließlich lässt sich nur so totes Tier an jedem Ort köstlich zubereiten.

Peter.

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