NASA2627: Verschiffung ab ANTWERPEN

Die anstehende Wohnmobilreise in das südliche AFRIKA wollen wir selbstverständlich mit KNAUSi antreten. Dafür muss das Auto erst mal in die Region gebracht werden denn eine Transafrika Fahrt von Nord nach Süd scheint leider derzeit immer noch viel zu unsicher. Das wäre der Traum.

Also muss das Wohnmobil in der Realität in die Zielregion mit einem Schiff transportiert werden. Ganz so wie im Winter 2022/2023 für die Südamerikatour SA2223.

Frisch gewaschener KNAUSi im Hafen von ANTWERPEN auf dem Weg nach NAMIBIA

Die möglichen Start- und Endpunkte einer solchen Reise werden somit durch die Schifffahrtslinien der Reedereien bestimmt, die Autotransporter einsetzten. Es gibt zwar im Prinzip auch die Möglichkeit, Wohnmobile als normales Stückgut zu verschiffen, aber das ist eine völlig andere Abteilung.

Wir verschiffen KNAUSi immer als RoRo, also als Roll On, Roll Off, also wird das Auto auf eigenen Rädern an Bord eines Schiffes gefahren und ebenso verlässt das Wohnmobil das Schiff auch wieder. Ganz so wie auf einer Fähre. Nur das man nicht selbst das Auto auf das Schiff bringt, sondern andere.

Aus welchen Gründen auch immer:
Der Hafen WALVIS BAY in NAMIBIA ist so ein Autotransporter Knotenpunkt im mittleren westlichen AFRIKA.

Den KNAUSi Transport für SA2223 hatten wir damals mit dem Unternehmen SEABRIDGE in Düsseldorf zu unserer vollsten Zufriedenheit angewickelt. Also waren die auch für NASA2627 der erste Ansprechpartner. Allerdings sind die Kosten für NAMIBIA deutlich höher als für URUGUAY und auch der Abfahrtshafen ANTWERPEN ist nicht besonders sexy, weil weit, weit weg von ELMSHORN (580 km).

Selbstverständlich auch andere Angebote eingeholt. CARAVAN SHIPPERS aus HAMBURG bot eine Verschiffung nach WALVIS BAY ab BREMERHAVEN für gut 30% weniger an. Rechnet man die nicht unerheblichen Dieselkosten für zwei Fahrzeuge (wg. Rückreise nach Anlieferung) mit ein, war das ein ganzer Batzen Geld, den man durch einen Anbieterwechsel sparen konnte.

Also fix das Pferd gewechselt und darauf gewartet, das sich CARAVAN SHIPPERS mal mit den Details der Verladung meldet. Der grob geplante Verladetermin rückt näher, keine Info. Also entgegen der Verabredung am 2. Oktober 2026 mal selbst angerufen. Die Assistentin meint, ja ja, alles klar! Man hätte sich sowieso Montag oder Dienstag mit den Anweisungen für die Verladung gemeldet.

Na dann ist ja gut.

Wohnmobile, die per RoRo verladen werden, müssen „Blickleer“ angeliefert werden

Am Abend dann selbst noch mal den Fahrplan auf der Internetseite von CARAVAN SHIPPERS überprüft und sehr überrascht fest gestellt, das der geplante COSCO Dampfer mit Namen YONG LE KOU schlicht verschwunden ist.
Etwas beunruhigt, aber in jedem Fall erbost eine ungehaltene eMAIL an CARAVAN SHIPPERS mit der Bitte um Aufklärung geschickt. Wegen Wochenende und Feiertag erst mit Montag für eine Antwort gerechnet.
Die kam aber schon am Samstag Abend in Form eines Telefonanrufes. Ja, COSCO hätte die Passage kurzfristig gestrichen und man arbeite schon an einer Alternative. Montag gibt es eine Lösung!

Na gut.

Den Sonntag über dann zur Erkenntnis gekommen, das man einen Plan B in der Rückhand haben sollte. Zu viel war schon organisiert und gebucht, als das man die Reise mal eben so um 4 Wochen hätte verschieben können.
Also wieder bei SEABRIDGE vorstellig geworden und die haben mal eben telefonisch sicher stellen können, das wir noch einen Platz auf der GRIMALDI GRANDE TIANJIN ab ANTWERPEN bekommen könnten. Dafür müsse das Auto aber bis spätestens 20. Oktober 2026 angeliefert werden.

OK, das beruhigt. Aber erst mal CARAVAN SHIPPERS (CS) abwarten.

Montag, kein CS Lebenszeichen.

Dienstag Mittag, kein CS Lebenszeichen.

Dienstag, 1500, SEABRIDGE gebucht.

Dienstag, 1600 CARAVAN SHIPPERS aktiv abgesagt. Fehlendes Vertrauen hat schon so manches Geschäft ruiniert.

Das Abgabeverfahren in ANTWERPEN ist deutlich wirrer, komplizierter und aufwendiger als das in HAMBURG.

Zunächst muss man mit einen Zollagenten vor Ort einen festen Termin zur Abwicklung der Zollformalitäten vereinbaren. In Englisch, per eMAIL. Der Zufall will es, das wir sowieso mit unseren lieben Segelfreunden aus DUISBURG verabredet sind und die beiden kein Problem damit haben, wenn wir ihr Heim als Relaisstation für die KNAUSi Anlieferung in ANTWERPEN nutzen. DUISBURG -> ANTWERPEN schicke 180 km. Sehr attraktiv!

Der Termin mit dem Zollagent ist für 1100 angesetzt, ein Aufbruch um 0700 erscheint opportun, schließlich muss man eventuelle Stauzeiten auf der Autobahn einrechnen und, jetzt kommt´s, eine Autowäsche!

Im SEABRIDGE Briefing für die Anlieferung wird betont, das man nur saubere Autos abgeben darf und auch eine Quittung über die im Großraum ANTWERPEN zu erledigende Autowäsche ist vorzuweisen.

KNAUSi in der LKW Waschstraße von WASHVILLE / Hafen von ANTWERPEN

Nun, WASHVILLE liegt dicht am Abgabepunkt, da sollte diese erste Aufgabe ja wohl leicht zu erledigen sein?

Immer diese Ahnungslosen Ersttäter!

Ankunft um 0940. Riesige Anlage. Da werden nicht nur LKW´s gewaschen, sondern auch Tanks auf LKW´s oder Tankcontainer von innen gereinigt. Hochsicherheitsbereich. Erst mal mit Ausweis und Foto im Büro eine Zutrittskarte am Self-Service Terminal erstellen.

6°C, blauer Himmel, steifer, eisiger Wind.

Zum Glück keine Warteschlange an der LKW Waschstrasse, aber unvermittelt einen spontanen Krampf im Geldbeutel: 61 € für eine Handwäsche von zwei durchgefrorenen armen Wichten. Mit Rechnung, selbstverständlich!

Um 1035 weiter zum Zollgebäude, Ankunft 1055. OK, das hat ja mal gerade so geklappt. Aber der Zollagent ist auf dem Parkplatz nicht zu sehen. Wo und wie trifft man sich denn hier?

Sinnlos suchend herum laufen, irgendwann klingelt das Telefon. Die lebenslange Begleitung, zurück gelassene Bewacherin von gleich zwei Fahrzeugen, hat den Zollagenten auf dem Parkplatz gefunden. Der Agent ist eine Agentin. Zack, Zack, durch eine Hintertür ab in das Zollgebäude, alle gewünschten Unterlagen ausgehändigt, die werden an einen Zollbeamten weiter gegeben, der macht seine Stempel und schwupps bekommt man seine ganzen Papiere zurück und soll die abgestempelte BOOKING CONFIRMATION fotografieren.

BOOKING CONFIRMATION der Reederei GRIMALDI

Nach weniger als 5 Minuten ist der Fall erledigt und das Auto soll als nächstes im Hafen abgeben werden. Eine Überprüfung der Fahrgestellnummer (Dokumente vs. Realität) findet erstaunlicher Weise nicht statt.

Jetzt muss man eigentlich nur noch wissen, das diese Aktion einzeln 150 € kostet und die auch zu bezahlen sind, wenn das Auto aus irgend einem Grund gar nicht verladen wird.

Neuer Traumberuf: Zollagent!

Oder Zollagentin?

Nun ja, keine Zeit über so was nach zu denken. Weiter!

Doch wo hin?

Rotes Backsteingebäude von AET (Antwerp Euro Terminal) Pier 1333 für die Reederei GRIMALDI

Das eigentlich sehr gute SEABRIDGE Briefing ist für die nächste Station leider etwas ungenau. Die erste genannte Adresse zur Abgabe des Autos im Hafen ist schlicht falsch. Da werden zwar auch Autos verladen, aber da steht wie eigentlich gefordert kein rotes Backsteingebäude und auch die Reederei GRIMALDI residiert hier nicht. Also einfach mal die im Dokument erwähnte „Pier 1333“ direkt in GOOGLE MAPS eingetragen und da hin gefahren. Auch hier werden offenbar Autos verladen, aber hier steht endlich das gewünschte rote Backsteingebäude.

War der Tag bisher nur anstrengend mit leichter Tendenz zu Stress, wird er ab hier regelrecht unangenehm!

Auch im folgenden Ablauf ist das SEABRIDGE Briefing mindestens ungenau, wenn nicht veraltet.

Hat man endlich mal den richtigen Eingang gefunden, muss man sich an einem Self-Service Terminal erst mal wieder selbst eine Zutritts Chipkarte ausstellen. Dazu wird der Reisepass gescannt. Kein Mensch überprüft, ob der Reisepass zu dem Menschen passt, der sich da die Chipkarte ausstellt.

Inhaltlich völliger Nonsens.

Offenbar durch die Sachbearbeiter selbst erstellte stümperhafte „Hinweisschilder“ sollen so was wie eine Prozessfolge erläutern. In Englisch und Russisch. Oder sonst was. Im zweiten Anlauf versteht man, das man an einem Schalter der vier Sachbearbeiter(innen) ein Formular bekommt, das man ausfüllen soll.

Es ist Mittagszeit und die durch Glasscheiben von ihren Kunden getrennten Mitarbeiterinnen verzehren genüsslich ihre mitgebrachten Stullen am Arbeitsplatz, jegliche Kunden vor der Glasscheibe ignorierend. Von vier Mitarbeiterinnen kümmert sich nur eine um die schlange stehende Kundschaft.

Der Schreiberling bittet eine gerade nicht essende Kollegin um Hilfe. Die mürrisch dreinblickende Frau, Anfang 50, in einem dunkelgrünen Strickpullover der nur ansatzweise ihre vielen Tattoos an Hals und Armen verdeckt, zückt ein Formular und erklärt in Höchstgeschwindigkeit, wie man das auszufüllen habe. Ist das erfolgt, solle man wieder kommen.

Auszufüllendes AET Formular

Nach drei Minuten ist der Job erledigt und als geübter reisender denkt man sich, man geht genau da hin, wo man gerade schon mal war. Diesmal starrt die mürrische Frau angestrengt auf ihren PC Monitor und tippt mit ihren super langen, grün lackierten Fingernägeln irgendwas auf der Tastatur. Nur nach rechts, da wo der Schreiberling steht, da schaut sie nicht hin. Auch wenn sie natürlich genau weiß, das da der große dicke Kerl von vor drei Minuten steht.

Der will selbstverständlich nicht nerven und sie ihre offenbar sehr wichtige Aufgabe erst erledigen lassen, bevor er bedient wird.

Gefühlt 10, oder eher 15 Minuten vergehen. Zwei Frauen sind immer noch nicht mit ihren Broten fertig, die Dritte kämpft immer noch mit einem (wie sagt man des jetzt korrekt?) People of Color der weder englisch spricht noch die notwendigen Papiere bei sich hat. Das kann dauern.

Irgendwann platzt der mürrischen Frau der Kragen ob des wartenden Kunden, dreht sich auf dem Stuhl nach rechts herum und bölkt unverständlich sehr unfreundliches. So was wie, frei interpretiert: „Wieso wartest Du Hornochse hier und belästigst mich mit Deiner Anwesenheit? Geh doch wo anders hin!“.

Äh, Entschuldigung?

„Karte, Karte! KARTE! KAAARRRRTTTTEEE!“

Hä, welche Karte?

„Na, die Zutrittskarte, Du dämliches Stück Kunde!“

OK, OK, Zutrittskarte und Papiere unter der Glasscheibe durchgeschoben. Die nun nicht mehr mürrische, sondern leicht aggressive Frau hackt was in ihren Computer, geht zu einem Drucker und nach ca. 3 Minuten ist der Fall erledigt. Ein Stapel Papiere wird zurück gereicht.

In Abfertigungslinie 4 einreihen!

Danke, Danke, Danke und Entschuldigung für die Störung!

KNAUSi im Hafen von ANTWERPEN ohne Heckverzierungen, die sind alle im Kofferraum

In dem unglaublichen Gewühl von schweren LKW Zugmaschinen und Autotransportern erst mal Abfertigungslinie 4 identifizieren und sich dann mit KNAUSi geduldig in die Warteschlange stellen. Pro Fahrzeug werden ca. 10 Minuten benötigt, nach einer Stunde ist man endlich selbst an der Reihe!

Mit der Chipkarte die Zufahrtsschranke öffnen und dann auf der LKW Waage vorfahren bis ein freundlich drein blickender junger Mann in orangener Warnweste das Zeichen zum Anhalten gibt. Auf Englisch bittet er um alle Papiere, der soeben im Büro erhaltene Stapel wird einfach weiter gegeben und der Mann verschwindet in einem kleinen Bürocontainer.

Dort bleibt er gefühlt 10 Minuten, kommt wieder, befestigt einen Aufkleber an der Fahrer Seitenscheibe und sagt irgendwas auf französisch.

Oh, sorry, sorry, nix Francais!

Der junge Man blickt auf, tritt einen Schritt zurück und sagt mit bedeutungsschwangerer Miene: „So many strange people are here. Some English, some French, so many strange people are around here!“

Ja, und nu?

„Go over there where all the other cars are!“.

Wie lustig. Der riesige Platz ist voll mit Autos bis zum Horizont!

„Do you mean where the yellow car is?“

„Yes go there“.

Sagt es, öffnet die Ausfahrtschranke und verschwindet in seinem kleinen Bürocontainer.

Was das jetzt wieder genau war ist schwer zu sagen, einfach mal weiter fahren. Da, wo das gelbe Auto steht stehen nur offenkundige Schrottkisten herum und die Aufkleber sind völlig andere als der an KNAUSi. Das kann ja hier nicht richtig sein?!

Mal um den Block fahren, ah´ da hinten stehen ja ein paar Wohnmobile! Irgendwelche Kerle, die mit Sicherheit nichts mit den Wohnmobilen zu tun haben posieren vor / auf schicken MERCEDES SPRINTER 4×4 Autos mit britischen Nummernschildern und machen Selfies. Als sie KNAUSi kommen sehen verschwinden sie schlagartig.
Die Aufkleber an diesen Autos weisen auf MONTEVIDEO hin, aber ein riesiges Expedi mit KFZ Kennzeichen von ROSENHEIM geht offenbar auch nach WALVIS BAY! Diese Ecke scheint echt dicht beparkt zu sein. Wohin also bloß?

Kommt ein offiziell aussehendes Auto vorbei, mit wildem Armfuchteln zum stehen gebracht und den Fahrer befragt: Ja, ja, einfach hier irgendwie hinstellen und den Schlüssel stecken lassen! Aber die meisten Autos hier gehen doch nach MONTEVIDEO? Egal, hier stehen immer alle Wohnmobile!

OK?!.

KNAUSi in Reih und Glied neben einer alten Feuerwehr geparkt, letzte Kleinigkeiten zusammen gesammelt, Schlüsselbund wie gefordert am Schalthebel befestigt und das Auto mit unguten Gefühl unverschlossen alleine zurück gelassen.

Blick in den Sicherheitsbereich von AET, Fotografieren verboten, andere Wohnmobile

Zu Fuß dann über den halben riesigen Parkplatz Richtung Eingang, denn da wird auch der Ausgang vermutet. Das Ausgangstor funktioniert anders als gedacht. Ein vorbei hastender Mitarbeiter verweist auf ein anderes Lesegerät für die Chipkarte, das eben jene auch direkt einsammelt und schon ist man wieder draußen.

Zurück zur lebenslangen Begleitung, die strickender Weise auf ihren Auslieferungsfahrer im PKW auf dem Parkplatz vor dem roten Backsteingebäude geduldig wartet.

Uff.

Was war das für ein Erlebnis?!

Was war das denn für ein Scheiß!

Wenn das mal alles gut geht!

Die üble menschliche Behandlung durch die AET (Antwerp Euro Terminal) Mitarbeiter ist ja vielleicht noch das eine. Aber das KNAUSi da jetzt offen herum steht und jeder Lieferant da völlig frei herum strolchen kann, das kann doch nicht gut gehen?

OK, der Bereich an sich ist gesichert. Aber da laufen genug Typen über den Platz denen man nicht pauschal vertrauen kann. Fahrer, Beifahrer und Helfer von liefernden Autotransportern, die alle selbst ihre mitgebrachten Autos abladen und parken müssen. Absolut kein Vergleich zum perfekten Abgabeverfahren in HAMBURG.

Nun, so lange die potentiellen Strolche nur Selfies machen wollen ist ja alles OK.

Die Rückfahrt nach DUISBURG fordert ihren körperlichen Tribut. Die sich breit machende Müdigkeit verbietet eigentlich eine Weiterfahrt, aber gegen 1600 ist denn auch dieser letzte Schritt erfolgreich beendet.

Hoffen wir, wie immer, das Beste!

Peter.

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