UK26: Abreise

Nach einer sehr ruhigen Nacht auf dem Uniparkplatz in PORTSMOUTH geht es also am Sonntag Morgen wie geplant wieder gen Heimat.

Fast alles Autobahn, dichter Verkehr zwar, aber kein Stau.

Die Fähre von DOVER nach DÜNKIRCHEN ist erst für den Abend gebucht, ein Besuch eines touristischen Highlights ist zeitlich durchaus drin. Allein, ein lohnenswertes Ziel hätte man vorher mal in Ruhe recherchieren müssen.

Parkplatz von SAMPHIRE HOE, nähe DOVER, UK

Und so landet des KNAUSi´s irgendwie mal wieder erschöpfte Besatzung unversehens in SAMPHIRE HOE.

SAMPHIRE HOE!

Vermutlich ist jeder kontinentale ENGLAND Fahrer da schon mal vorbei gekommen…und hat es ignoriert, wie wir selbst viele Jahre auch.

Der kleine Naturpark liegt direkt an den berühmten Kreidefelsen, wenige Autominuten von DOVER entfernt. Die Abfahrt an der A20 Autobahn ist etwas tricky, denn man kann nur Nordgehend den steilen Weg zum Wasser herunter fahren. Also erst mal dran vorbei fahren, am ersten Kreisel von DOVER wieder zurück und dann aufmerksam links raus. Ein Ampelsystem regelt die Durchfahrt eines langen, steilen Tunnels durch den Kreidefelsen.

Heraus kommt man an einem ganz besonderen Flecken Erde. Zur einen Seite, das raue Wasser des englischen Kanals, zur anderen Seite die hoch aufragenden berühmten Kreidefelsen. Dazwischen ein vielleicht 500 Meter breiter, hügeliger Landstreifen mit viel Gras und Tieren darauf. Das ist SAMPHIRE HOE.

Wie üblich in GROß BRITANIEN laufen eine Reihe von ehrenamtlichen Helfern herum, räumen auf oder beantworten Fragen von Touristen. Der PKW Parkplatz ist randvoll, der Überlauf- und Busparkplatz hingegen leer. Zu schade, das man hier absolut nicht übernachten darf!

Schutzwall von SAMPHIRE HOE, nähe DOVER, UK

Im Zuge der Errichtung des Eisenbahntunnels musste die Betreibergesellschaft EUROTUNEL offensichtlich massiv in den Küstenschutz investieren und eine riesige „Seemauer“ aus stählernen Spuntwänden und Megatonnen an Beton errichten, um dieses kleine Stück Land zu schützen.

Sieht zwar scheiße aus, erfüllt aber sicher seinen Zweck. Und dann denkt man wieder mal als doofer Tourist: Geht doch! Irgendwie schaffen wir es ja doch uns mit der Natur so zu arrangieren, das wir sie in unserem Dasein nicht völlig zerstören.

Schöner Spaziergang, noch mal ordentlich durchgepustet!

Just als wir uns zur Fähre vorholen wollen kommt per SMS die Info, das sich die Abfahrt um 60 Minuten verzögert. Passt uns eigentlich ganz gut, denn auf der Warteposition vor der Fähre wollen wir im Auto noch kochen und zu Abend essen. Der DFDS Mitarbeiter beim CheckIn kann nicht glauben, das wir lieber warten als eine andere, viel früher fahrende Fähre nach CALAIS zu nehmen.

Tja, der junge Mann weiß noch nichts davon was es bedeutet, ein Zeitmillionär zu sein.

Wegweise von SAMPHIRE HOE, nähe DOVER, UK

Die Nacht wollen wir wieder auf dem Parkplatz des DFDS CheckIn Gebäudes in DÜNKIRCHEN verbringen. Eine, genau genommen die auf dieser Reise Erste, Borddusche wäre auch mal ganz angenehm. Etwas mehr Wasser im Tank wäre ja ganz praktisch?

Weil die klugen DFDS Leute um die Nöte von Reisenden und LKW Fahrern wissen, haben sie an der Wartepostion in DOVER ganz passable Toiletten eingerichtet. Und einen Wasserhahn mit Trinkwasser! Also mal eben über den Kanister 30 Liter Duschwasser nachgetankt, lecker gegessen, das Auto verladen, die zwei Stunden auf der Fähre abgebummelt, das Nachtlager auf französischem Boden bezogen und nach herrlicher Dusche gegen 0100 zufrieden ins Bett gesackt! Wieder ein Tag weniger wech.

Einen Wecker braucht man an der Küste nicht. Das einsetzende Tageslicht und die Millionen Möwen sorgen für rechtzeitiges Erwachen.

Auf jeden Fall soll noch am frühen Morgen ein französischer Supermarkt samt dessen Tankstelle geplündert werden, bevor es auf den weiten Weg nach ELMSHORN geht. Das klappt auch alles gut, doch später lernen wir, das man in diesen Zeiten besser nicht an einer Tankstelle eines französischen Supermarktes tankt.

Denn:
Die werden meistens von TOTAL ENERGIES beliefert. Aber die haben für ihre eigenen Tankstellen so was wie einen freiwilligen Sprittrabatt eingeführt, verkaufen aber im Großhandel weiter zu Marktpreisen. Das führt dazu, das Benzin und Diesel derzeit an den TOTAL ENERGIES Tankstellen billiger ist als an den Supermarkttankstellen. Deren Betreiber wollen nun dagegen klagen. TOTAL ENGERIES hat nach eigenen Angaben wohl irgendwas mit 200 bis 300 Millionen Euro weniger Gewinn gemacht. Da denkt man wohl: Wow, was für edel Gesellen!
Na ja: In Frankreich wird eine neue Steuer für Großkonzerne diskutiert und TOTAL ENERGIES sagt, wenn die kommt, dann helfen wir der Regierung auch nicht mehr bei der Begrenzung der Treibstoffpreise.
Es wird schlicht so sein, das die neue Steuer viel teurer sein wird, als der freiwillige Tankrabatt, oder?

Glücklicherweise haben Südamerikafreunde, die entlang des Heimweges wohnen einen Pausenbesuch angeboten und so verbringen wir noch ein paar sehr schöne Stunden nach etwas über der Hälfte der Strecke.
Unsere Freundin geht gerade in Rente und berichtet ganz entrüstet davon, das ihre Kollegin, die eine Woche vorher bereits in Rente gegangen ist, lausig verabschiedet wurde. Es waren mit Chef, Chef Chef und sogar Chef Chef Chef gleich drei Vorgesetzte anwesend, doch keiner der drei hat es hin bekommen, wenigstens ein paar freundliche Abschiedsworte an die versammelte Abteilung zu richten. Nach 45 Jahren im Betrieb!
Mittlerweile hat unsere Freundin den Betrieb auch verlassen, auch bei ihr hat kein Vorgesetzter Dankesworte für ebenfalls 45 Betriebszugehörigkeitsjahre gefunden. Doch es waren nur die unteren beiden Vorgesetzten anwesend, Chef Chef Chef stand auf der A1 im Stau und konnte nicht rechtzeitig kommen.

Wer da fragt, was denn in diesem unseren Lande nicht mehr in Ordnung ist, der nehme mal zum Beispiel das hier:

Wertschätzung!
Wer 45 Jahre in einem Betrieb gearbeitet hat, der hat zum Abschied ja wohl eine ausgesprochene Anerkennung verdient! Nun könnte man sagen, scheißegal, die Person ist doch sowieso weg und und Rente. Warum sich darum noch bemühen?

Fährhafen von DOVER, UK

Ja, hallo, geht es noch?
Was sollen sich denn die in der Abteilung verbleibenden Mitarbeiter denken? Die können doch nur, die müssen doch nur denken: Denen „da oben“ sind wir scheiß egal. Warum sich also krumm machen?

Liebe so handelnde Chefs, Chef Chefs und Chef Chef Chefs: 6. Setzen.

Die späte Weiterfahrt durch die dunkle Nacht verläuft Ereignislos. Der völlig übermüdete Fahrer ärgert sich mehr als einmal, nicht wie angeboten vor der Haustür der Freunde im Auto übernachtet zu haben und erst nach einem frischen Morgenkaffee weiter zu fahren. Wie blöd kann man sein?

Oder wie getrieben!

Ich schreibe jetzt nicht, wer getrieben hat!

Nein, das mache ich nicht!!!

Nein!

Nur so viel.

Ich war es NICHT!

Peter.

P.S.: Das war sie also dann, die diesjährige Englandreise. Anfang November geht es weiter. Woanders hin!

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