Archiv der Kategorie: Griechenland 2020

Greece 3&4 , Fähre, Egialia

Die Fähre!

Die Fähre in Norditalien die uns nach Südgriechenland bringen soll!

Ganz anders als die Fähren in Deutschland, Australien, Dänemark, Schweden und Norwegen (…Angeber!). Statt einfach mit dem Auto an einem Schalter vorzufahren und sein Ticket und die Bordinglane auf dem Warteparkplatz an der Verladestation in Empfang zu nehmen, muss man in Ancona (Italien) erst mal ganz schnöde ins Büro. Das ist zwar auch irgendwo im Hafen, aber eben nicht da, wo die Fähren sind. Nun denn, Büro gefunden, mit Maske das Gebäude betreten und nach 20 Minuten Tickets erhalten und der Schnitzeljagd folgend, das nächste Ziel im Hafen in Angriff nehmend: Die Pier.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Im Fährhafen von Ancona

Wir fahren also wie befohlen zur Pier 16, da gibt es keine nummerierten Wartereihen, sondern einen Typen der meint: Stellt euch mal da hin. Das machen wir auch so, nur damit viel später andere Typen kommen, die meinen, wir stehen da falsch, wir sollten da und da hin. Wohlgemerkt immer noch an Pier 16.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Im Fährhafen von Ancona

Als unsere Fähre, die Helenic Spirit der Anek Line, am Nachmittag in Ancona ankommt, bekommt der eigentlich im Winterlager befindliche Skipper nicht genug zu sehen! Coole Hafenmanöver von einem schnittig großen Dampfer, völlig ohne Schlepperunterstützung. So entstehen ungestört viele Bilder aus nächster Nähe, bis einem Hafenmann auffällt, das da ein Tourist wie doof Fotos direkt an der Pier macht. Der soll da bloß mal ganz schnell verschwinden…ja, ja, schon klar!

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Die Fähre Helenic Spirit im Hafen von Ancona der Fährgesellschaft Anek Lines
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Die Fähre Helenic Spirit im Hafen von Ancona der Fährgesellschaft Anek Lines
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Die Fähre Helenic Spirit im Hafen von Ancona der Fährgesellschaft Anek Lines
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Die Fähre Helenic Spirit im Hafen von Ancona der Fährgesellschaft Anek Lines

Was dann folgt wirkt auf den Außenstehenden wie eine gehobene Form des absoluten Chaos. Die beiden Laderampen öffnen sich und spucken jede Menge große 30-Tonner LKW´s aus. Sie entkommen dem großen Schiffsbauch Vorwärts, Rückwärts, auf der Pier wendent, nur Meter vom nächsten rückwärts fahrenden Truck. Noch haben wir ja keine Ahnung, was im inneren dieses Schiffes gerade abgeht. Dock spätestens als über die eine Laderampe bereits LKW´s an Bord fahren während auf der anderen immer noch die Trucks aus dem Schiff heraus quellen wird klar: Das hat System! Welches ist unklar, aber es hat ein System! Es muss ein System haben!

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Die Fähre Helenic Spirit im Hafen von Ancona der Fährgesellschaft Anek Lines
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Die Fähre Helenic Spirit im Hafen von Ancona der Fährgesellschaft Anek Lines
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Die Fähre Helenic Spirit im Hafen von Ancona der Fährgesellschaft Anek Lines

Wir stehen immer noch auf unserer neuen Warteposition, die meisten der zu verladenen LKW´s sind schon an Bord. Irgendwann kommt ein uniformierter und meint, “to the ship, to the ship!”. Ja ja, schon klar, wir wollen zum Schiff, aber sollen wir jetzt im Ernst in diesem Getümmel etwa los fahren? Ja, sollen wir.

Über die linke Rampe in den Laderaum. Es dröhnen die LKW Motoren, Geschrei aus allen Richtungen, Abgase dringen in die Nase. War es eben noch gleißend Hell in der prallen Nachmittagssonne von Ancona, wird es mit einem Male schummrig dunkel. Wir sollen im Laderaum über eine dort befindliche weitere Rampe ein Deck höher in Richtung Bug fahren.Für uns anspruchsvoll, doch wenn die großen Lastwagen da rauf und runter kommen, werden wir das ja wohl auch hin bekommen. Oben angekommen geht es wieder zurück in Richtung Heck. Zwei laut schreiende Einweiser bugsieren die ankommenden Fahrzeuge in ihre endgültige Parkposition. Laut schreien müssen sie auch. Denn es ist unglaublich laut! Beide Ladedecks sind eigentlich nur rechteckige Schuhkartons die in der Mitte längsschiff durch Treppenhäuser und Versorgungsleitungen getrennt sind. Wir sollen wenden und rückwärts vor einen LKW. Kein Problem, doch jetzt wird es sehr eng und stählerne, gelb gestrichene Stützen die das darüber liegende Deck tragen tauchen unvermittelt im Rückspiegel auf. Die ob der Mannöver arg geforderten LKW Motoren und das Geschrei in allen Sprachen dieser Welt ist ohrenbetäubend. Als es um die Feinarbeit geht vernehmen wir mit einem male Deutsch: Rechts, Links, Weiter, weiter, weiter und schließlich Stop!

Knapp 10 Zentimeter kommen wir vor dem Führerhaus eines LKW´s zu stehen, zu beiden Seiten ist der Abstand etwas größer, aber von einem dieser gelben Stahlträger trennen unsere noch makellose Fahrzeugaußenhaut vielleicht 5 Zentimeter. Derweil kommen weitere LKW´s, die meisten parken nun vorwärts ein. Das heißt, sie müssen bei Ankunft rückwärts wieder raus bugsiert werden.

Unsere Sachen sind schon längst gepackt. Klamotten für eine Nacht, Waschzeug, Computer und Kamera gegriffen, Auto abgeschlossen und sich das Heck von Deck 6 als Parkposition gemerkt. Über das erste erreichbare Treppenhaus nach oben. Komisch, das hier jetzt so gar nichts beschriftet ist? Wohl nicht für Passagiere gedacht. Nicht ein Hinweisschild findet sich und so kommen wir auf Deck 10 heraus und müssen uns erst mal zurecht finden. Mittschiffs ist ja immer gut, zwei Decks runter und schon sind wir da, wo wir sein sollten: An der Rezeption!

Seit dem wir das Auto verlassen haben tragen wir unsere Masken, das wird an Bord auch so verlangt. Wir bekommen unsere Kabinenkarten und ein Page bringt uns mit dem Aufzug zurück auf Deck 10. Welch Luxus!
Die Kajüte ist OK und ähnelt sehr denen auf den Fähren im Norden. Zwei Einzelbetten, Nasszelle und ein leerer Kühlschrank. Eigentlich sind diese Fähren wohl auch gar nicht auf Passagiere ausgelegt, sondern auf den Transport von LKW´s. Die Fahrer sind dann eher Beiwerk. Keine Ahnung, wo die unter kommen. Würde mich nicht wundern, wenn die Fahrer einen Urlaubstag für die gut 20 stündige Passage einreichen müssten und ihr Essen an Bord selbst bezahlen sollten. Bier, so finden wir heraus, bekommen die LKW Fahrer zum halben Preis. Wir nicht. Wir sind halt schnöde Touristen.

Obwohl die beiden Laderäume sehr voll wirkten, laufen auf dem “Vergnügungsdeck” kaum Menschen herum. Schade ist, das man nur achtern nach draußen kann und keinen freien Außenblick nach voraus bekommt. Aber so verfolgen wir am Heck aufmerksam das Ablegemanöver und wundern uns noch immer darüber, das es beim Ent- und Beladen keine Unfälle gegeben hat.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Im Hafen von Ancona

Nach passieren der Hafeneinfahrt gehen wir auf dem Vergnügungsdeck 8 nach vorne in die leere Mythos Bar und genießen den Blick auf eine völlig ruhige Adria. Wir können uns nicht erinnern, jemals ein so ruhiges Meer gesehen zu haben.
Derweil hat unser Gastdampfer nun Reisegeschwindigkeit erreicht und selbst ganz vorne ist die Vibration der Maschinen noch sehr wohltuend zu spüren.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: An Bord der Fähre Helenic Spirit – Auf See

Für den Abend haben wir uns ein Picknick aus dem Auto mitgebracht. Die wie unsere Kajüte auf Deck 10 befindliche Disco ist Coronabedingt geschlossen und so wird das mit dem sowieso nicht vorgehabten Tanzen auch spontan nichts. So eine leicht schwankende und vibrierende Koje ist ja zur Abwechselung auch nicht schlecht.

Bei Sonnenaufgang passieren wir an der Backbordseite Albanien und an der Steuerbordseite Corfu. Tatsächlich waren wir 2015 mit dem STORMVOGEL genau in diesem Revier auf Nordwestkurs, jetzt in die Gegenrichtung und halt ein paar Nummern größer.
Die Handys stellen wir lieber auf Flugmodus, loggen sie sich doch immer wieder in das Mobilfunknetz von Albanien ein – das ist immer noch richtiges Ausland! Nix EU Rooming.

Wir nähern uns dem planmäßigen Zwischenstopp Igoumenitsa in Griechenland und sind gespannt, wie das Hafenmanöver gefahren wird. Gutes Wetter, aber ordentlich ablandiger Wind. Unser Dampfer geht mit dem Heck zu Pier, keine Landverbindung zu beiden Seiten, kurz mal zwei Heckleinen rüber, dann offenbar Maschine langsam voraus und in einem Affenzahn verlassen ungefähr 50 Trucks und ein paar PKW´s das Schiff. Keine 30 Minuten später sind wir wieder unterwegs. Dolle Sache das!

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: An Bord der Fähre Helenic Spirit – Zwischenstop in Igoumenitsa
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: An Bord der Fähre Helenic Spirit – Zwischenstop in Igoumenitsa
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: An Bord der Fähre Helenic Spirit – Zwischenstop in Igoumenitsa
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: An Bord der Fähre Helenic Spirit – Zwischenstop in Igoumenitsa
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: An Bord der Fähre Helenic Spirit – Zwischenstop in Igoumenitsa

Im Prinzip kann man die Küste immer gut erkennen und wir verbringen den Nachmittag auf dem Achterdeck. Direkter Kurs auf Patras, der großen Stadt im Norden des Peloponnes, gleich neben der riesigen Rio Andirrio Brücke, die wir 2015 auf Heimatkurs mit dem eigenen Boot passiert haben.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: An Bord der Fähre Helenic Spirit – Ansteuerung Patras

Gegen 15:00 Uhr ist der Dampfer angebunden und wir sitzen schon seit 20 Minuten startklar in unserem Auto. Doch vor uns stehen viele, sehr viele LKW´s und die müssen alle die schmale eine Rampe runter. So mancher LKW Fahrer macht seine Sache sehr gut, andere brauchen viel Unterstützung von den Einweisern. Die ihre Sache wirklich sehr gut, aber auch sehr riskant machen. Oft sind weniger als 10 Zentimeter Abstand zwischen den Fahrzeugen, das ist eng. Das ist sehr eng. Die Einweiser turnen und wuseln nur so um die LKW´s herum, ein falsches Manöver und sie würden eingequetscht. Spätestens wenn die Trucks dann die Rampe runter fahren wird es noch enger, denn die Außenspiegel sind jetzt ausgeklappt und schleifen manchmal am Geländer. Aber da steht kein Einweiser mehr. Gegen 16:30 Uhr sind wir frei geparkt und wir dürfen los. Endlich!

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: An Bord der Fähre Helenic Spirit – Ansteuerung Patras

Wir verlassen das schwimmende Parkhaus ohne Blessuren am Fahrzeug über die innere und äußere Rampe und sind froh´, die Anreise nach Griechenland hinter uns gebracht zu haben.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: An Bord der Fähre Helenic Spirit – im Laderaum
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: An Bord der Fähre Helenic Spirit – im Laderaum
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: An Bord der Fähre Helenic Spirit – im Laderaum
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: An Bord der Fähre Helenic Spirit – im Laderaum

Nun wird es jedoch noch mal spannend. Wie von Griechenland gefordert, haben wir im Vorfeld der Reise online ein PLF (Passenger Locator Form) ausgefüllt und wie von Griechenland versprochen, haben wir tatsächlich in der Nacht eine eMail mit einem Barcode von der Griechischen Regierung bekommen. Dieser Barcode ist für eine Einreise in Coronazeiten zwingend notwendig. Und, tärä, wir werden tatsächlich angehalten und müssen das PLF Dokument (als eMail Anhang PDF) mit dem Barcode vorweisen. Ein Scan, ein Blick, alles klar.

Nun aber wirklich: Willkommen in Griechenland, willkommen in Patras!

Die Verkehrsführung will uns zügig auf die Autobahn leiten, das wollen wir aber nicht. Ein Supermarkt wäre jetzt nicht schlecht und dank Herrn GOOGLE finden wir auch einen. Auf dem Weg dahin tanken wir das Auto voll mit Diesel. Für 1,019 € je Liter. Sensationell günstig. Jedoch, so denken wir später, irgendetwas stimmt mit dem Stoff nicht. Keine andere Tankstelle ist so günstig (eher 1,109 €) und die Verbrauchsnadel bewegt sich relativ schnell gen leer.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Egialia, PLO Beach Cafe

“Voll” getankt und frisch versorgt machen wir uns auf den Weg zu unserem ersten Übernachtungsplatz. Mal wieder mit PARK4NIGHT ausgekundschaftet. 60 Kilometer in der Abenddämmerung gen Osten, nach Egialia, ins PLO Beach Cafe. Angenehm warm. Und aufregend fremd die Fahrt durch die Straßen. Definitiv Mittelmeer, fast schon ein wenig eine arabische Anmutung. Vielleicht auch Einbildung.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Egialia, PLO Beach Cafe

Den Platz bei Egialia zu finden ist trotz Navi gar nicht so leicht, aber natürlich gelingt es doch. Um diese Jahreszeit sind wir zunächst die einzigen Gäste und der geschäftstüchtige, aber durchaus sehr freundliche Besitzer überzeugt uns schnell, bei ihm zu Essen. Sein Geschäftsmodell: Wenn man 30 € für Essen und Trinken in seiner kleinen Taverne bei ihm lässt, braucht man für den Standplatz nichts zu bezahlen. Das bekommen wir hin, natürlich.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Am Strand von Egialia

Später am Abend kommt nur noch ein weiteres Auto und so bleibt sie sehr ruhig, unsere erste Nacht auf dem Peloponnes.

Nach drei Tagen unterhaltsamer Anreise, 1.700 Autokilometern und gut 20 Stunden Fährfahrt sind wir da, wo wir hin wollten.

Im warmen und sonnigen Griechenland!

Hurra!

Peter.

Greece 2, Offagna

Wer früh´ zu Bett geht, wird auch früh wieder wach!

(So Gott, oder wer auch immer, will!)

Das macht am zweiten Reisetag auch wirklich Sinn, denn wir wollen 650 Kilometer schaffen. Die zu erreichende Fähre nach Griechenland startet am Dienstagnachmittag ab Ancona, das liegt in Nordost Italien. Also besteht der heutige Montagsplan darin, so nah wie möglich an den Fährhafen zu kommen um am Folgetag so stressfrei wie möglich das Schiff zu erreichen.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Offagna in der Nähe des Fährhafens von Ancona

Gegen 06:30 Uhr geht es los, nach 30 Minuten sind wir schon wieder auf der Autobahn Richtung Brenner. Die in Österreich notwendigen Vignetten und Streckenmaut haben wir vorab im Internet gekauft. Nur wenn man sich als Geschäftsmann ausgibt, kann man die elektronische Variante auch noch einen Tag vor der Reise buchen. Das ist mal wieder so ein Verbraucherschutznonsens: Wer als Privatmensch einen Vertrag über das Internet abschließt, hat ein 14-tägiges Widerspruchsrecht. Im Geschäftsleben gilt das nicht. Bedeutet: Man könnte sich eine elektronische Vignette kaufen, damit die Straße in Österreich befahren und dann, innerhalb von 14 Tagen nach Kauf, von eben jenem Kauf zurück treten und sein Geld zurück verlangen. Der Gedanke ist offenbar so verlockend, das vermeintlich clevere Zeitgenossen so was wohl auch glatt versuchen würden. Um jeder Diskussion aus dem Weg zu gehen wird der kurzfristige Vignettenkauf für Privatkunden also einfach vom Betreiber verhindert und man wird ordentlicher Mensch gezwungen, etwas nicht ganz sauberes zu machen, weil nicht ganz saubere Trickser tricksen. Irre!

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Altstadt von Offagna in der Nähe des Fährhafens von Ancona

Die elektronische Vignette und die elektronische Streckenmaut funktioniert anhand des Nummernschilds. Also beim Buchen sicher sein, was da wirklich am Auto dran hängt! Für das Befahren der Brennerautobahn und des Brennertunnels muss man neben der normalen Vignette noch eine so genannte Streckenmaut berappen. Geld, immer kostet alles Geld! Könnte man denken. Doch wenn man die Strecke mal gefahren ist, wird man anerkennen müssen, das solche Bauwerke wohl auch enorm teuer sind.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Offagna in der Nähe des Fährhafens von Ancona

In der Morgendämmerung erheben sich die mächtigen Berge der Alpen entlang der Autobahn. Der Verkehr läuft, aber die Fahrspuren sind so eng, das der Fahrer wohl doch besser immer auf die Straße und nicht auf das grandiose Bergpanorama schaut! So befindet jedenfalls die stets aufmerksame Beifahrerin. Der Brennertunnel hoch oben ist mit ein paar hundert Metern so, das er eigentlich gar keine Show ist. Danach, nun auf der Italienischen Seite, geht es gefühlt endlos bergab.

Aber irgendetwas ist auch anders. Das Verkehrsaufkommen ist eigentlich gleich geblieben, doch wieso sieht sich der Fahrer mit einem Male Streß ausgesetzt?

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Offagna in der Nähe des Fährhafens von Ancona

Nach kurzer, wie immer präziser Analyse:
In Österreich darf man 100, manchmal 110 km/h fahren. Die LKW´s wie bei uns 80 km/h. In Italien dürfen die PKW´s 130 Kilometer pro Stunde zurücklegen – und darauf achten die auch genau. Ferner ist die Nutzung des Blinkers offenbar kostenpflichtig und am Jahresende erhält derjenige Fahrer, der die kürzesten Abstände zum Vordermann ohne technische Hilfsmittel einhalten konnte, die Ehrenmitgliedschaft auf Lebenszeit im Italienischen Automobilclub.

Versucht nun der gemeine Deutsche, mit seinem Bus mit ca. 100 km/h die gleiche Straße wie die Eingeborenen zu befahren, kommt es zu einer Alternativlosen Konfliktsituation. Oder besser: Es könnte dazu kommen, wenn man als gemeiner Deutscher auf sein Europäisches Koexistenzrecht bestehen würde.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Offagna in der Nähe des Fährhafens von Ancona

Die Autobahnmaut in Italien ist klassisch über Mautstationen geregelt: Man zieht ein Ticket und wenn man von der Autobahn abfährt, errechnet ein Blechaffe die zu bezahlende Gebühr. Kann auch mal mehr werden!
Das Tanken ist in Italien zu vermeiden – deutlich teurer als in Österreich oder, in unserem Fall, Griechenland. Wie schön das unser Bus 120 Liter Kraftstoff aufnehmen kann!

Über PARK4NIGHT haben wir uns den Ort Offagna, ca. 20 Kilometer von Ancona entfernt, als Übernachtungsplatz ausgesucht. Historische Altstadt auf einem Berg (andere würden Hügel dazu sagen), offizieller Wohnmobilstellplatz mit allen Versorgungsmöglichkeiten für 5 Euro die Nacht. Prima!

15 Kilometer vor dem Ziel verlassen wir endlich die Autobahn, die Beifahrerin schluckt kurz an der Mautstelle ob der knapp 50 Euro mit denen wir den Straßenbau in Italien zwischen dem Brenner und Ancona finanzieren sollen. Deren Land, deren Regeln. Deren Straßen, unser Geld.

Das Navi führt uns über eine Nebenstrecke auf den Berg, kein Gegenverkehr, kein Problem.

Der Stellplatz ist super gelegen, bietet Platz für 8 Autos, zwei Eingeborene sind schon da. Es ist früher Nachmittag, grandioser blauer Himmel, Sonnenschein und gute Laune! Also Latschen aus, Wanderschuhe an und den Ort erkunden!

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Offagna in der Nähe des Fährhafens von Ancona

Wir sehen kaum andere Menschen, aber die, die wir sehen, tragen alle ihren allseits bekannten Mund-Nase-Schutz. Auch im freien. Auch, wenn sie vollkommen alleine sind. Also Herrn GOOGLE konsultiert und fest gestellt, das hier tatsächlich auch im freien eine Maske getragen werden soll. Also Maske an, fühlt sich nun reichlich bescheuert an, und weiter.

Alle Restaurants sind geschlossen. Das hat aber wohl nichts mit Corona zu tun, sondern mit der Uhrzeit. Siesta gibt es nicht nur in Spanien. Wir scouten die Pizzeria Sotto la Rocca bei der man auch draußen sitzen kann und die schon ab 18:00 Uhr öffnet. Das wird dann wohl die unsere sein!

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Offagna in der Nähe des Fährhafens von Ancona

Eine echte Pizza in Italien muss ja wohl drin sein.

Natürlich sind wir zu früh´ und stellen verwundert fest, das gleich neben an ein Schlachter sein Geschäft hat. Gegen erbitterten Widerstand der Mitreisenden werden überschaubare Portionen von Mortadella, Salami und Schinken gekauft. Made in Italy. So, für unterwegs. Statt Obst.

Die Pizza ist klasse. Das liegt auch am Konzept, das sich der Koch überlegt hat. Eine normale Pizza kostet je Person so zwischen 6 und 8 Euro. Er hat sich aber eine Pizza für zwei Personen ausgedacht, die man mit (anteilig) mit vier verschiedenen Belägen bestücken kann. Die wählt man einfach aus den normal zur Verfügung stehenden Pizzen aus. Die zwei Personen Pizza kostet dann 19 Euro – und ist jeden Cent Wert. Gute Idee, mehr Umsatz, zufriedene Gäste.

Weniger gut war die Idee des berichtenden, so viel davon zu essen und auch noch den örtlichen Wein, Grappa und Nachtisch zu sich zu nehmen. Aber das wäre eine andere Geschichte, wollte man darüber wirklich schreiben.

Die Nacht verbringen wir ruhig und zufrieden im geheizten Auto.

Peter.

Greece 1, Pill

Die aktuelle Reise beginnt vor der Haustür. Mitten in der Nacht. Genauer gesagt um 01:30 Uhr an einem Sonntag Morgen. Das Auto am Samstag gepackt, gewartet und gewienert. Nur noch die warmen Bettdecken und die Kopfkissen rein, Kaffee kochen und in Thermobecher umfüllen und dann los!

Der frühe Start hat Gründe. Wir wollen in einem Rutsch bis an die Grenze nach Österreich kommen. Bei dem Autoverkehr in Deutschland sind gute 900 Kilometer kein Pappenstil. Also haben wir uns folgendes ausgedacht: Wir starten in der Nacht zu Sonntag und brausen mit 100 km/h auf der “Ostautobahn” (A7 bis Hannover, A2 bis Magdeburg, A14 bis Leipzig, A9 bis München, A8 nach Rosenheim, A93 zur Grenze) nach Süden. Die A7 ist schon lange keine Option mehr. Endlose Baustellen und elendig viel Verkehr. Durch den Osten ist die Strecke nur unwesentlich länger. Spätestens alle 350 Kilometer Zwangspause.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Zwischenstop in Pill / Österreich – Plankenhof

Wie erhofft läuft es super, in den ersten Stunden spielt auch die Müdigkeit keine Rolle. Leider auch bei der Beifahrerin nicht und so sind unsinniger Weise beide Reisenden wach und können sich nicht wie geplant gegenseitig beim Fahren ablösen. Der Morgengrauen ist schwierig, doch die zunehmende Helligkeit macht wach! Erst gegen 10:00 Uhr nimmt der Verkehr deutlich zu, bleibt aber gut im Fluss.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Zwischenstop in Pill / Österreich – Plankenhof

So kommt es also, das wir nicht wie geplant auf der Deutschen Seite der Grenze übernachten, sondern gut gelaunt noch ca. 60 Kilometer weiter, in den Österreichischen Ort Pill weiter fahren. Laut PARK4NIGHT gibt es dort einen netten kleine Campingplatz, ohne Umwege zu erreichen. Landschaftlich wirklich gut gelegen, Corona und Saison bedingt natürlich relativ tot. Für ein paar Fotos, aber auch zwecks allgemeiner Ertüchtigung machen wir uns zu einer kleinen Ortsbegehung auf. Der hier fließende Inn führt schon ganz ordentlich Wasser, doch erst bei der Schneeschmelze wird das üppige Flussbett wohl richtig ausgefüllt. Wir lassen uns die Abendsonne auf den Pelz brennen und verkrümeln uns füh´ in den Bus samt Gasheizung.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Zwischenstop in Pill / Österreich – der Fluss Inn

Der kleine Campingplatz gehört zum Hotel Plankenhof. Vom Wirt haben wir erfahren, das er den Platz im Winter nicht offen halten kann, weil die einfachen, aber sehr sauberen sanitären Anlagen bei Frost einfach einfrieren würden. Neben Duschen und WC gibt es sogar eine Spülküche mit Waschmaschine und Trockner. Es hat in den vergangenen Tagen ordentlich geregnet und so ist die große von Bäumen umsäumte Wiese recht matschig. Ein PÖSSL Bus aus Norwegen hat sich bereits auch glatt darin fest gefahren. Wir mit unseren Monsterbreiten Reifen nicht – zum Glück! Am Abend, es ist schon dunkel, kommt noch ein großes Wohnmobil, bemerkt rechtzeitig das vorübergehende Sumpfgebiet und parkt wie wir mutig zwischen den Bäumen.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Zwischenstop in Pill / Österreich – der Fluss Inn

Das war so ziemlich die letzte Beobachtung an diesem langen Tage. Denn der Tag endet für uns früh´, hat er doch auch sehr früh begonnen!

Peter.

P.S.: Griechenland ist im Deutschen ein so langes Wort. Greece im Englischen ist so schön kurz…

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Zwischenstop in Pill / Österreich – Unterwegs


Griechenland 2020

Mit den offiziellen Corona Regeln fest im Blick waren wir im Herbst 2020 mit dem Wohnmobil in Griechenland, auf dem Peloponnes unterwegs.

Drei Wochen WoMo-Leben, Sonnen- und Strandurlaub mit gutem Essen während in Norddeutschland der trübe Herbst Einzug hält.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Am Strand von Kamari

In der Rubrik “Griechenland 2020” haben wir in dreizehn Reiseberichten mit viele Fotos unsere letzte Reisemobil Tour in diesem Jahr “live on the road” beschrieben.

Die Reiseroute führte uns zunächst von Norddeutschland über Österreich und Italien zum Fährhafen von Ancona in Norditalien. Mit der Fähre über Nacht komfortabel nach Patras in im Nordosten des Peloponnes geschippert. Gleich zu Anfang der Reise ein unerwartetes echtes Highlight mit dem Besuch der historischen Altstadt von Monemvasia im Südwesten erlebt. Beeindruckend, aber auch wirklich anstrengend, wenn man die über viele Treppenstufen zu erreichende Oberstadt sehen will.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Taverne in Korfos

Nach Historie und Kultur folgte die absolute Einsamkeit von Vlychada Beach, einem Strand, an dem es außer Felsen, Wasser und Kiesel wirklich gar nichts gibt. Noch nicht mal ein Handynetz. Eigentlich ist man in Griechenland tatsächlich überall erreichbar – aber an diesem auch bei Felskletterern bekannten Ort herrscht absolute Funkstille. Über die beiden Stationen Notia und Kazarma erreichen wir Saladi Beach. Hier steht eine seit vielen Jahren verlassene weltberühmte Hotelruine. Der riesige Strand davor hat uns so begeistert, das wir gleich drei Tage dort geblieben sind.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Historische Altstadt von Monemvasia

Und wie es der Zufall so wollte: Von einem Lost Place zum nächsten. Auf dem Gelände der ebenfalls verlassenen Hotelanlage Club Apollo Beach findet man viele Stellplätze für Wohnmobile, wenn man will auch direkt am Wasser.
Nach so viel Einsamkeit und verlassenen Häusern wollten wir mal wieder einen belebten Ort besuchen. Tagsüber die hübsche Touristeninsel Poros erkundet, übernachtet vor Nisis Soupia und Tags darauf Fischessen in einer Taverne im Hafen von Vathy.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Am Hafen von Korinth

Ein ungeahntes Offroad-Abenteuer in spektakulärer Kulisse erlebten wir in Epidavros. Vielleicht hätten wir den steilen Berg besser nicht mit Wohnmobilen befahren sollen, doch dann würden uns ein tolles Erlebnis und das Titelbild dieses Beitrags fehlen. Das tags darauf besuchte kleine Städtchen Korfos war bereits im Winterschlaf, am Kanal von Korinth bewunderten wir den Mut der Bungeejumper und am wilden Strand von Kamari erlebten wir unsere einzige Griechische-Wilde-Hunde Geschichte der ganzen Reise.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Das Tal von Tripoli

Die Corona Situation hatte sich mittlerweile in Griechenland, aber auch in ganz Europa verschlechtert, doch der dünn besiedelte Peloponnes war nach wie vor kein Risikogebiet. Für den Rückweg nach Deutschland wählten wir die gleiche Route wie für die Anreise über Patras, Fähre und Ancona. Da die unverzügliche Durchreise durch die Risikogebiete Italien und Österreich als Transit und nicht als Aufenthalt bewertet wurde, mussten wir in Deutschland auch nicht in Quarantäne und konnten so unsere wirklich tolle Tour glücklich beenden.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Die Insel Poros

Wie üblich auf unseren Reisen zu Land und See lief unser Satellitengestützter GPS Tracker mit. Alle zwei Stunden wurde die genaue Position protokolliert. Wer sich dafür interessiert kann einfach in die Karte klicken und kommt auf die interaktive Ansicht, in der man alle Details sehen kann.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: GPS Track

Peter.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Auf dem Weg nach Notia
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: In der Nähe von Epidavros