AOK WebIdent App / Nect Wallet App

Die AOK NordWest zählt ca. 2,22 Millionen Mitglieder.

Gehen wir mal davon aus das nur 1% der AOK NordWest Mitglieder ähnlich technisch unterfahren, alt und doof wie der Schreiberling sind hat sich diese Krankenkasse, die ja für das Wohl ihrer zahlenden Mitglieder mit verantwortlich ist, mit der Einführung der „AOK WebIdent App“ auf Basis der „Nect Wallet App“ mal so richtig ins eigene organisatorische Knie geschossen.

Mindestens 22.000 Klärfälle, die alle bearbeitet werden müssen, will man diese neue Software tatsächlich einführen.

AOK WebIdent App: Von wegen 3 Minuten. Wegen der vielen Fehlversuche eher 3 Stunden!

Dabei müsste der IT Verantwortliche bei der AOK NordWest eigentlich aus seinen Fehlern gelernt haben. Denn auch die bisher angebotenen „Self Service“ Lösungen waren technisch ein schlecht gemachter Witz. Alleine der komplizierte Seitenaufbau des Webportals scheint auf Raketenphysik zu beruhen, dabei werden darin nur einfachste Geschäftsvorfälle abgebildet. Das Wort Usability ist zu Recht ein Fremdwort mit dem man sich als verantwortlicher nicht befassen muss. Lange Mauswege, keine Defaultfelder und ungewöhnliche Layouts. Egal.

Das bisherige Login-Verfahren fuhr dankenswerter Weise immerhin noch zweigleisig:

Altmodisch mit Benutzernamen, Kennwort und einer via SMS versendeten TAN. 

Neumodisch mit der „Meine AOK App“, einem Barcode und einer daraus resultierenden TAN.

AOK WebIdent App: Kann man das nicht besser formulieren? Klar, Deutschland gehört ja zur EU, aber ab welchem Ausstelldatum funktioniert ein Reisepass?

So oder so, mal eben einloggen und nachsehen, was die AOK da einem gerade geschrieben hatte war nicht. Jedenfalls nicht altmodisch im Internetbrowser. Macht nichts. Man gewöhnt sich auch als AOK Mitglied an alles und jeder Aufwand, der auf die Versicherten abgewälzt werden kann hält ja wohl die Höhe der Krankenkassenbeiträge stabil?

Offenbar dachte man sich nun im Rahmen von „…wir müssen für Digitalisierung mehr Geld ausgeben…“ was neues aus. Oder der Dienstleister, der die bisherigen Anwendungen verbrochen hatte suchte einen Anschlussauftrag. Oder der Investor einer der beteiligten neuen Dienstleister hat durch gute Lobbyarbeit „innovative“ Technologien an den Mann gebracht. Respekt!

Jedenfalls besteht die AOK NordWest nun darauf, das man für den Login zukünftig die neue „AOK WebIdent App“ verwenden solle.

Ganz einfach!
Ganz einfach einzurichten!
Ganz einfach zu nutzen!

Nect Wallet App: Statt bunter Bilder wären Angaben zur Anforderung an den Pass hilfreicher

Logisch. Dabei weiß doch jedes AOK NordWest Mitglied das „AOK“ und „Einfach“ im natürlichen Widerspruch steht. 

Neben der technologisch katastrophalen Umsetzung der „AOK WebIdent App“ in Kombination mit der „Nect Wallet App“ muss man aber auch ernsthaft den Einsatz der „Nect Wallet App“ ungläubig hinterfragen. 

Schon klar, die AOK NordWest hat den Mist nicht alleine verbockt, sondern im AOK Verbund. Die Allgemeinen Ortskrankenkassen Deutschlands haben ca. 21 Millionen Mitglieder. Greift die 1% Regel also mindestens 210.000 Klärfälle.  Ach je.
Diese Versicherten haben 2024 die unglaubliche Summe von 320 Milliarden Euro an Mitgliedsbeiträgen bezahlt. 

Und diese offenbar super mächtige AOK, die beauftragt zur automatisierten Feststellung der Identität ihrer Mitglieder das kleine Hamburger Unternehmen „NECT GmbH“ mit einer Bilanzsumme von 11 Millionen Euro und knapp 100 Mitarbeitern (2024). 

Nect Wallet App: In allen Beispielen wird vom Personalausweis ausgeganen. Daher kann die App nicht offenbar nicht immer klar unterscheiden, was sie da vor sich hat.

Unabhängig von der Frage, ob man für die wenigen Geschäftsvorfälle die ein Krankenkassenmitglied mit seiner Krankenkasse regeln kann, ein ähnlich hohes Sicherheits- und Vertrauensniveau braucht wie etwa beim Homebanking muss man sich fragen, wieso man diese höchstdelikate Aufgabe, den eigentlichen Kern der Aufgabe, einfach komplett an einen Dritten outsourct?  

Das kann man doch nur als Wegducken vor der Verantwortung verstehen!

Die „Kollegen“ der „NECT GmbH“ fotografieren die Personalausweise oder Reisepässe der AOK Versicherten, sie scannen sämtliche darauf enthaltene Daten, sie machen ein Livevideo der AOK Versicherten und versuchen dann anhand der so gewonnen Daten automatisiert, mit“KI“ selbstverständlich, heraus zu finden, ob man wirklich derjenige ist, der man vorgibt zu sein.

Selbstverständlich ist das sicher! 
Selbstverständlich bleiben die Daten geheim!
Selbstverständlich wird nur das gespeichert, was nötig ist!

Und wenn demnächst irgendwann heraus kommt, das dem nicht so ist, dann war es ja schließlich nicht die AOK sondern ein „spezialisierter Dienstleister“. 

Wirklich?

Oder ist die „NECT GmbH“ nicht einfach nur ein im Verhältnis winziges StartUp das erst noch seine eigene Geschäftsidee und seine eigene Technologie (er)finden und marktreif bekommen muss?
Die „NECT GmbH“ wirbt innerhalb der App mit „Millionen von glücklichen Nutzern“. Wirklich? Haben die Geschäftsführer, Herr Benny Bennet Jürgens und Herr Carlo Ulbrich jemals ihre Software selbst genutzt, oder noch verwegener, die vernichtenden Kommentare in den Appstores gelesen?

Die AOK hat es jedenfalls nicht getan. 

Nect Allet App: Nein, nicht NFC erforderlich, sondern NFC ab einer bestimmten Version!

Wissentlich kann niemand verantworten so eine wackelige Softwarelösung auf Millionen AOK Versicherte los zu lassen. 

OK, genug der Fassungslosigkeit. 

Ein paar Fakten:

a) Nach ca. 17 Versuchen über etwa 3 Stunden verteilt ist es nicht gelungen, die „AOK WebIdent App“ auf Basis der „Nect Wallet App“ in Betrieb zu nehmen.

b) Insbesondere das Zusammenspiel der beiden Apps scheint extrem wackelig zu sein. In der Schnittstelle muss es ungelöste Schwierigkeiten geben. Hat man es in der „Nect Wallet App“ nach 4 (?) kompletten Durchläufen endlich mal geschafft sich zu identifizieren, scheint in der „AOK WebIdent App“ ein Timer abgelaufen zu sein, denn nach Rückkehr in die „AOK WebIdent App“ behauptet diese, die Identifikation sei fehl geschlagen und man solle es noch mal versuchen.
Allein, das geht nicht mehr, denn die „Nect Wallet App“ denkt ja, sie habe ihren Job erledigt und wird nicht mehr durch die „AOK WebIdent App“geöffnet.

c) Die Apps beenden und deren Cache löschen bringt keine Lösung. 

d) Durch das löschen der „Nect Wallet App“ und anschließende neu installieren eben jener verliert man natürlich die mühsam erlangte Identifikation. Nach einer Neuinstallation der „Nect Wallet App“ kann man darin nicht nachsehen, sondern man muss einen neuen Identifikationsvorgang in der „AOK WebIdent App“ starten. 

e) Erst wenn man beide Apps löscht und noch mal neu Installiert kann man wieder bei Null anfangen…und selbstverständlich wieder scheitern.

Nect Wallet App: Wiederholung ohne Ende – und ohne Erfolg!

f)  Das Auslesen der auf den Pässen enthaltenen NFC Chipdaten gelingt nur bei neueren Chips. Die „AOK WebIdent App“ weist korrekt, aber widersprüchlich darauf hin, das erst Pässe ab 2021 ausgelesen werden können. 
Obwohl vorher auch schon NFC Chips in den Pässen verbaut wurden. Die alten NFC Chips werden von der „Nect Wallet App“ auch erkannt, können aber nicht ausgelesen werden. Jeder Versuch scheitert und es erfolgt die völlig unnötige Bitte, es noch mal zu versuchen. Na ja, ein Hinweis auf die neueren NFC Chips ist ja auch zu viel verlangt in Software, die offenbar noch im Entstehen ist.

g) Hat man glücklicher Weise einen anderen Pass, zum Beispiel einen Reisepass neueren Datums zur Hand, kann man also damit sein Glück versuchen. Hier funktioniert das NFC Auslesen in der Tat einwandfrei, allerdings hat die „Nect Wallet App“ öfters mal Probleme damit zu erkennen, das es sich um einen Reisepass handelt. Dann wird die Vorderseite fälschlicherweise als Personalausweis „ordnungsgemäß“ eingelesen, die dann verlangte Rückseite hingegen wird nicht mehr erkannt, da es sich ja um die Rückseite des Reisepasses und eben nicht des Personalausweises handelt. Einen Zurück-Funktion gibt es selbstverständlich nicht, also wieder von vorne anfangen. 

h) Das Problem mit den permanenten Versuchen: Aus angeblich gesetzlichen Gründen kann man nur fünf mal versuchen, seine Identität automatisiert mit der „Nect Wallet App“ feststellen zu lassen. Scheitern alle fünf Versuche wird man zurück auf die „AOK WebIdent App“ geworfen und muss dort wieder einen neuen Auftrag zur Identitätsfeststellung starten. Könnte es sein das sich die „NECT GmbH“ nach Anzahl der erteilten Aufträge bezahlen lässt?

i) Hat man irgendwie das Fotografieren und auslesen des Passes überstanden muss ein Live-Video der zu überprüfenden Person mit der Selfie Kamera des Handys erstellt werden. Damit will man sicher stellen, das es sich um eine lebende Person handelt. In der kurzen Videoaufnahme von sich selbst muss man zwei nacheinander angezeigte Wörter sagen. 

j) Danach wird der ganze gesammelte Datenschatz irgendwo hin hoch geladen und nach Anzeige jedenfalls in wenigen Minuten verarbeitet, sprich überprüft. In **KEINEM** der endlos vielen Versuche dauerte es wenige Minuten, sondern zur Überbrückung der langen Wartezeit wurden alle möglichen Schwachsinns-Vertröstungstexte angezeigt. Kostprobe gefällig? 



Zitat:
„Finden Sie heraus, wer Sie wirklich sind
Manche Menschen benötigen ein ganzes Leben, um herauszufinden, wer sie wirklich sind, als KI brauche ich nur ein paar Minuten.“

Nect Wallet App: Völlig verblödet: Ich weiß wer ich bin, aber Du dumme DFKI gestützte Software weist es nicht!

OK, ich habe auch keine Ahnung von Rechtschreibung und Kommaregeln, aber sind die hier wirklich alle richtig? Und wie schön das „KI“ mal wieder erwähnt wird. Das hebt doch glatt die Bewertung des kleinen Hamburger StartUps um 100%. Zu blöd nur, das diese „NECT GmbH“ „KI“ offenbar strohdumm ist. Noch blöder ist das die Abkürzung „DFKI“ bereits mit „Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz“ besetzt ist. Mir kam da gerade für den allgemeinen Sprachgebrauch „DFKI – Dumm Fick Künstliche Intelligenz“ in den Sinn. 

Manchmal sagt die „Nect Wallet App“ dann, man möge den Pass noch mal neu einlesen und/oder das Video neu machen, manchmal wird auch komplett abgebrochen und man muss wieder von vorne anfangen.


k) So oder so: Nach dem Hochladen wird offenbar versucht, die Eingaben zu plausibilisieren. Also wird z.B. überprüft, ob das Foto im Ausweis zu dem Gesicht in dem Video passt. Nur, kann das System wirklich Brillen unterscheiden? Lange Haare? Lässigen Dreitage Bart? Zwischen Passfotos und der aktuellen Realität liegen in der Regel Ewigkeiten. Versucht man das Video ohne Brille aufzunehmen weil man auf dem Passfoto noch ohne Brille herum lief kann man die vorzulesenden Wörter allerdings kaum noch lesen. Hilft aber auch nichts. 
Im übrigen, dies sei noch kurz erwähnt: Haare schneiden ist im Moment indiskutabel, liebes NECT Team!

l) Zwischendurch mal den Service der „NECT Gmbh“ eingeschaltet. Die Möglichkeit dazu wird in der „Nect Wallet App“ im App-Menü geboten. Da steht, man solle sich kurz halten. OK, gemacht, auch das Pass Ausstelldatum 2019 genannt und dann mal wieder so eine selten dämliche automatisierte Antwort angeblich im Namen einer „Customer Success Managerin“ bekommen. Was für ein Bullshitbingo: Wenn ein „Customer“ „Success“ hätte, dann bräuchte der den Service doch wohl gar nicht? Man habe fest stellen können, das der verwendete Pass keine „ePass-Funktion (NFC)“ habe. Ach ja, es ist ja auch so schwer mit einer klaren Kundenkommunikation: Punktvorteil AOK, die sagen klipp & klar nur Pässe ab 2021, wenn man denn den Hinweis liest. Ganz toll, das durch „NECT GmbH“ mit versendete PDF! Total flüssig: Überflüssig.

m) Wieso die beiden Apps so riesig groß sind kann man nur vermuten. 61 MB bzw. 82 MB sind schon eine Menge für so kleine Anwendungen. Vermutlich werden riesige Bibliotheken verwendet mit denen man so nebenbei auch andere Dinge erledigen kann?
Die „Nect Wallet App“ ist auf dem Handy jedenfalls strohdumm: Jubelt man ihr einen alten Personalausweis unter und liest dann für den NFC Scan einen neueren Reisepass aus, merkt sie das zwar, aber man korrigiert dann manuell die Passdaten (Passnummer, Geburtsdatum und Gültigkeitsdatum) und dann macht das Teil weiter als sei nichts geschehen. Erst nach dem alle Daten „hochgeladen“ worden, merkt das Teil das da was nicht stimmt. 

OK, man könnte sich noch viele Stunden mehr mit diesem Schrott beschäftigen.

Aber wozu? 

Peter.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert