B26: Kiel, Nord-Ostsee-Kanal, Brunsbüttel und Elmshorn

Die Wetterprognose bekommt in der Wettervorhersage Recht:

Donnerstag wird guter Segelwind für die kurze Passage nach KIEL herrschen, aber nur, wenn man sehr früh´ aufbricht und vor 1100 bei KIEL LEUCHTTURM aufschlägt. Danach soll der Wind dann wieder völlig einschlafen. Das sagen am Mittwoch WINDY und DMI. Dann wird das ja schon mal stimmen.

Der letzte Tag in MARSTAL wird noch mal richtig heiß, bekommt aber unerwartet einen Besucherhöhepunkt. Ein Segelfreund hat sich trotz des sehr wenigen Windes entschlossen von SONDERBORG nach MARSTAL zu kommen. So verbringen wir zusammen einen sehr herzlichen letzten Abend, Boot an Boot liegend in dem sich nun zusehends füllenden Hafen. Die Hauptsaison naht.

Gästefahrt auf der KIELER WOCHE

0530 Aufbruch, sicherheitshalber in der Hafeneinfahrt zum Tanken. Man weiß ja nie. Ein nicht tankendes großes Motorboot versperrt den besseren Platz, kann man machen nix. Zum Glück kann der Schlauch der Zapfpistole durch weiteres Abrollen von der Trommel noch mal verlängert werden. Ungewollter Frühsport.

An der Ansteuerungstonne werden alle Segel gesetzt und getrimmt. Mittlerweile sind bestimmt fünf andere Boote hier in der Gegend, wer heute segeln will muss früh´ aufstehen.

Perfektes, schnelles Segeln bis ziemlich genau KIEL LT. Innerhalb von 10 Minuten stirbt der Wind und kommt auf dieser Reise auch nicht mehr wieder. Es ist KIELER WOCHE und entsprechend viele Boote und Schiffe sind als Gästefahrer auf der KIELER FÖRDE. Viel Verkehr, aber nicht sehr viel und somit gut passierbar.

SY TRIVIA, immer wieder sehr schön anzusehen (KIELER WOCHE 2026)

Durch das Fernglas kann man wartende Sportboote vor der großen Schleuse erkennen. Über UKW Funk kommt denn auch die Einlauferlaubnis für die wartenden Sportboote und die Ansage, das alle anderen Boote auf der Förde, die noch mitschleusen wollen, 10 Minuten Zeit haben ebenfalls einzulaufen. Hebel auf den Tisch und gerade noch so mit gekommen. Was für ein großes Glück!
In der Schleuse liegt ein großer Containerjäger. Dessen Schraube/Maschine ist nicht abgestellt und selbst im Leerlauf sorgt das Maschienenherz dieses Stahlmonstes für ordentlich Strömung im Schleusenbecken. Das soll eigentlich ja nicht sein. Eigentlich.

Jetzt, am frühen Nachmittag ist es wieder brütend heiß. Es muss entschieden werden, ob wir bereits nach 15 Kanalkilometern Feierabend machen oder bis RENDSBURG, noch 4 Stunden weiter, durchziehen. Keine Not, der Freitag wird ja sowieso auf dem Nord-Ostsee-Kanal (NOK) verbracht werden.
Also binden wir unseren Dampfer nach beschilderter Anleitung erstmals an den riesigen Pfählen des FLEMHUDER SEE´s an, räumen kurz auf und springen ins trübe, aber herrlich erfrischende Wasser. Was für ein Luxus: Anlegestelle mit eigenem Badesee. Ganz so wie früher auf der großen Reise: Anker schmeißen und sofort hinterher springen.
Später kommen noch fünf weitere Boote die festmachen und drei weitere, die ankern. Das darf man hier wohl auch. Toller Ort und ab jetzt fest gebucht, wenn das Wetter gut ist.
Das nächtlich Fußballspiel muss wieder alleine gesehen werden, zu feiern gibt es dieses mal nichts, sehr ernüchternd.

Stahlmonster in Schleuse KIEL HOLTENAU

Wer bereits nach 15 Kanalkilometern Feierabend macht und nach Westen will, der weiß, das noch 85 Kilometer folgen. Bei um und bei 10 km/h also gut 8 Stunden. Also schon wieder früh´ aufstehen und den langen Weg antreten.

Viel Schiffsverkehr, auch viel Marine.

Am späten Nachmittag im noch völlig leeren Schleusenhafen von BRUNSBÜTTEL fest gemacht. Hier steht die Luft und die Sonne verbrennt alles, was sie mit ihren Strahlen erreichen kann. Gleich gegenüber im TORHAUS sitzen viele Menschen schön im Schatten bei kühlen Getränken, da lässt es sich wohl aushalten?

Per Zufall kommt des STÖRTEBECKERS Besatzung in ein Gespräch mit Motorbootfahren die im alten Hafen (auf der Elbseite) liegen. Der Mann übernimmt die Gesprächsrunde schnell und zwischen allgemeinen Weisheiten streut er immer wieder Andeutungen der großen Verschwörung ein.

Eine Weisheit:
Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten.

Neues Schleusentor der 5. Schleusenkammer in BRUNSBÜTTEL / NORD-OSTSEE-KANAL

Das hört die Nochmannschaft und designierte Gärtnerin natürlich gerne, eine Zeitlang grübelt der Skipper, zu welcher Gruppe er wohl gehören möge? Mit jedem Bier mehr wird das Gespräch unterhaltsamer, wenn man denn die geäußerten Andeutungen und Mythen des Mannes nicht für bare Münze nimmt. Die weibliche Begleitung des Mannes wird immer unruhiger und mahnt den baldigen Aufbruch an. In erste Linie weil der Mann bei dieser Hitze den Alkohol nicht so gut verarbeitet, aber sicher auch, weil sie schon weiß wohin seine immer drastischeren Worte führen werden?
Wie konnte es passieren, das so ein offenbar gut situierter, nicht doofer Mensch sich so unterdrückt, bevormundet und erniedrigt fühlt? Und Ohnmächtig, daran etwas zu ändern?

Da ist er ja bekanntlich nicht der einzige. Aktuell denken gut 29% der Wahlberechtigten das die anderen die Lösung sind und die Organisation des Zusammenlebens (viel) besser können. Was für ein absurdes Gesellschaftsproblem: Ein Drittel der wohlhabendsten und freiesten deutschen Bevölkerung (Wahlberechtigten) die es jemals gab denkt, es ginge ihnen schlecht und in Zukunft sogar noch schlechter.

Grandios, diese Wahrnehmungsverzerrung.

SY STÖRTEBECKER Reiseroute B26: Im Westen nach Norden, im Osten nach Süden

Der Nachmittag ist ohnehin gelaufen und, man ahnt es schon, am nächsten Morgen muss es wieder früh´ weiter gehen, will man den Heimathafen an der KRÜCKAU Mündung in einem Rutsch erreichen.
Im Prinzip kann man diesen letzten Reisetag sowieso nicht ernsthaft planen. Die große Unbekannte ist der Zeitpunkt der Ausschleusung auf die ELBE. Während man in HOLTENAU im Prinzip bei fast jeder Berufsschiffsschleusung mit kommt weil zwei der vier Schleusenkammern außer Betrieb sind, wartet man in BRUNSBÜTTEL bei vier Schleusen auch schon mal stundenlang.

Also legt sich STÖRTEBECKER am frühen Morgen eine halbe Stunde vor Niedrigwasser vor der kleinen Schleuse auf die Lauer und hat schon wieder großes Glück! Nach gut einer Stunde geht es denn auch schon weiter. Eigentlich viel zu früh, aber besser langsam auf der ELBE tuckern als stundenlang vor der Schleuse herum zu lungern und die Tide zu verpassen.

Immer noch gar kein Wind, welch dramatische Kontraste dieser große Fluss ganz ohne unser zu tun so hervorbringt! Bei Ausreise noch ein hungriges Wellenmonster, bei der Heimreise ein freundlich daher strömender Ententeich.

Trotz aller Drehzahlreduzierungen kommt STÖRTEBECKER eine Stunde zu früh´ in der W.Y.K. an und muss am Warteschlengel festmachen bis das Hafentor geöffnet wird. Auch hier steht die Luft, auch hier schmilzt alles, was die Sonnenstrahlen erreichen. Wie schön, das unser neuer Heimathafen viele schattige Plätze bietet und sich die Wartezeit durch Schnacken mit Vereinskameraden verkürzen lässt!

Tja, und das war er dann, der Sommertörn 2026 mit dem neuen alten Dampfer STÖRTEBECKER.

29 Reisetage, 496 Seemeilen, nur 11 echte Segeltage, 12 Hafentage, 6 Motortage mit 53 Motorstunden (darin 2*10 NOK Stunden) und jede Menge schöner Erlebnisse, tollen Begegnungen und Freunden entlang des Weges.

Die nächste Reise ist knapp drei Wochen entfernt. Mit dem Auto nach SCHWEDEN. Nur kurz.

Jetzt also erst mal drei Wochen Sommer in ELMSHORN verbringen.

Auch nicht schlecht!

Peter.

P.S.: Nur der Ordnung halber: Die Reise B26 fand vom 30. Mai bis 27. Juni 2026 statt. Zum Reiseende hin bin ich mit dem Schreiben nicht mehr hinterher gekommen, daher dieses kleine Chaos in der Chronologie.

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