SA2223: PUERTO NATALES

Eigentlich eine Kurzstrecke, der Weg von EL CALAFATE in ARGENTINIEN nach PUERTO NATALES in CHILE.

Aber bis wir wirklich in EL CALAFATE los kommen ist es schon 1030. Zuvor einkaufen im Supermarkt zu den sehr guten argentinischen Preisen. CHILE soll teuer sein, oder zumindest teurer. Die guten argentinischen Preise sind es ja auch nicht, die das Leben hier billig machen. Es ist der extrem gute inoffizielle Wechselkurs.

Allerdings geht mehr als das im Supermarkt gesparte Geld kurze Zeit später für eine weitere argentinische Gasflasche drauf. Unsere, in CONCORDIA gekaufte, hat die Farbe Violett und ist fast alle. Die will hier aber keiner tauschen. In diesem Teil ARGENTINIENS ist Gelb ist die vorherrschende Farbe der Gasflasche. Dabei sind die Flaschen und deren Anschlüsse sind völlig identisch. Hier herrscht schlicht eine andere Vertriebsgesellschaft. So ein Vertriebssystem ist nicht auf Reisende ausgelegt. Befüllen will der Mann vom SUR GAS Gashandel in EL CALAFATE unsere violette Flasche auch nicht. Frieren wollen wir demnächst auch nicht. Die Heizsaison ist zwar noch nicht eröffnet, aber das mag sich 300 Kilometer weiter südlich schnell ändern.
Also kaufen wir mit knirschenden Zähnen eine weitere, diesmal also knall gelbe Flasche. Jetzt kutschieren wir drei große metallische Zylinder durch die Gegend und so langsam wird es wirklich voll im Kofferraum. Besser wären ja eindeutig viele kleine metallischen Zylinder im Kühlschrank, gell?

Nich in der Nähe von EL CALAFATE

Die Landschaft während der Fahrt nach Süden ist mal wieder von großer Ödnis geprägt. Doch die Aussicht, heute endlich mal ein wirklich ganz neues Land zu erreichen hilft über die uns umgebene Tristes hinweg. In CHILE war noch keiner von uns! Das TOMTOM GO führt uns über die kürzeste Strecke und den kleinen Grenzübergang DOROTEA.

Die Ausreise in ARGENTINIEN besteht aus zwei Schritten: Erst reisen die Personen aus, dann das Auto. Für die Personen ist die Grenzpolizei zuständig, für das Auto der Zoll. Man parkt das Auto und geht in ein Gebäude um beide Vorgänge zu erledigen. Leider bekommen wir wieder keine Stempel in die Pässe. Alles elektrisch. Machen wir uns doch demnächst einfach selbst einen? Natürlich nicht, weil verboten. Für das Auto geben wir den bei Einreise in CONCORDIA erhaltenen Zettel ab und das war es dann schon.

Erst drei oder vier Kilometer weiter kommt die chilenische Grenzstation. Es stehen zwar viele Autos parkend davor deren Fahrer offenbar auch einreisen wollen, aber insgesamt brauchen wir für unsere Grenzformalitäten in beiden Ländern keine 60 Minuten. Die Abläufe in CHILE sind die gleichen wie in ARGENTINIEN. Auto parken, ins Büro gehen, als Personen beim Schalter der Grenzpolizei einreisen, wieder keinen Stempel, aber einen Laufzettel bekommen und zum Zoll. Fahrzeugpapiere und Laufzettel abgeben, der Zollbeamte trägt alle Fahrzeugdaten in den Computer ein und druckt zweimal einen DIN A4 Zettel, die beide vom Fahrzeughalter unterschrieben werden müssen. Einen Zettel bekommt der freundliche Mensch hinter der Plexiglasscheibe zurück, den anderen Zettel verwahren wir wie immer wie einen Goldschatz. Denn den brauchen wir ja, wenn wir mit dem Auto wieder aus CHILE heraus wollen.
Eine Besonderheit hat CHILE dann vielleicht doch: Jeder Reisende muss eine Bio-Selbsterklärung ausfüllen. Darin bestätigt der Reisende, keine unerlaubten Waren einzuführen. So genau wissen wir gar nicht, was alles verboten ist. Aber der Zettel ist so aufgebaut, dass man an den drei Stellen „Nein“ angeben muss, um einreisen zu dürfen. Von anderen Reisenden wissen wir, das frisches Fleisch, Obst und Gemüse nicht willkommen ist. Irgendwie ähnlich zu NEUSEELAND und/oder AUSTRALIEN. Nur das die damals immer ganz genau kontrolliert haben. Hier glaubt man der Beifahrerin jedes Wort und schaut nur widerwillig in den gähnend leeren Kühlschrank, weil die Beifahrerin darauf besteht.

Das ging ja einfach!

Campingplatz in PUERTO NATALES

Die Landschaft ist eine andere, denn faktisch sind wir ja jetzt schon auf der anderen Seite der ANDEN. Aber die Straßen sind es, die ein völlig anderes Bild prägen. Statt Asphalt und weißen Fahrbahnmarkierungen nun Betonplatten mit gelben Fahrstreifen unter den Reifen. OK, wir sind also tatsächlich „wo anders“.

Sehr wenige Kilometer später erreichen wir PUERTO NATALES und finden den zu drei Seiten mit großen Blechplatten eingezäunten Campingplatz sofort. Die Blechplatten sollen den Wind abhalten, wie auch die vielen Holzzäune auf dem Platz selbst. Einfach, damit die vielen kleinen bunten Zelte der tapferen Backpacker nicht weg fliegen. Denn den Wind, den gibt es in CHILE auch. Offenbar kein nationales „Problem“.
Für Wohnmobile gibt es 15 Stellplätze, 4 davon sind einfach so benutzbar, weil eben. 4 weitere würde man Keilen begradigen können, die anderen sind so hoffnungslos uneben, dass es deswegen einige böse Kommentare bei iOVERLANDER gibt.
Ungerecht, denn der Platz ist im Wesentlichen super. Erst recht, wenn man mit unverbaubarem Blick auf die Stadt parkt. Der junge Betreiber arbeitet mit Work&Travell Angestellten und alles was gut in Schuss sein muss, ist sehr gut in Schuss.

Sonnenaufgang in PUERTO NATALES

Neues Land, alte Reisejobs: Eingeborenes Bargeld und lokale SIM Karte fürs Telefon und Internet beschaffen.

Erst finden wir nur einen kaputten Geldautomaten und der Fahrer bekommt schon fast wieder eine Krise. Immer dieses Scheiß Geld!
Dann taucht wie eine Fata Morgana eine super aufgebrezelte SANTANDER Filiale mit gleich zwei funktionierenden Geldautomaten vor uns auf! In einem Vorgang bekommt man maximal 200.000 chilenische Pesos, also in etwa 200 Euro und zahlt dafür dann 7 € Gebühren. Zusätzlich natürlich die Gebühren und „Wechselkursschwankungen“, die die herausgebende Kreditkartenbank erhebt.
Mit der Zeit wird man gelassener. Besser so eine miese, aber immerhin nachvollziehbare Abzocke als dieser ganze Bargeldmist mit WESTERN UNION in ARGENTINIEN.

Die SIM Karte ist noch einfache zu bekommen. In einem Elektronikladen bekommen wir zwei kostenlose SIM Karten, die wir neben an in einem Drogeriemarkt mit Geld aufladen und dann selbst über die spezielle, auch ohne Guthaben funktionierende Internetseite MIPORTAL.CLAROCHILE.CL mit dem Maximalpaket 8GB 100 Minuten 30 Tage für umgerechnet 6,50 Euro erfolgreich in Betrieb nehmen.
Bei diesen günstigen Mobilfunkpreisen in der Welt denkt man doch unwillkürlich darüber nach, wie genial wir in Deutschland von „unseren“ Telekomanbietern abgezockt werden. Für CHILE haben wir uns wieder für CLARO entschieden. Hat in ARGENTINIEN ja die ganze Zeit super funktioniert. CLARO stammt wohl aus MEXIKO? Irgendwas ist ja immer. Auch wenn an den eigenen Vorurteilen nichts dran sein mag.

Sonnenaufgang in PUERTO NATALES

Leider bei der Einreise völlig vergessen:
Irgendwo stand geschrieben, dass man seine Telefone bei der Einreise anmelden muss, damit sie nach 30 Tagen nicht automatisch deaktiviert werden. Macht ja erst mal nix, denn wir reisen ja bald wieder aus und neu ein. Dann aber nicht vergessen!

Freizeit!

Aber ein Problem.
Es wird bereits dämmrig und kalt. Also zurück zum Campingplatz, kochen, duschen und ganz offiziell ins geheizte Auto setzten und die tolle Aussicht genießen. Stadt, Wasser, schneebedeckte Berge.

Wie kuschelig!

Am nächsten Tag dann Stadterkundung ohne besonderen Auftrag. Noch nicht mal Werkzeug  muss besorgt werden.

PUERTO NATALES hat für eine fußläufige Erkundung die optimale Größe. Übersichtlich. Selbstverständlich wird der „Hafen“, den es im klassischen Sinn hier gar nicht gibt, als erstes besucht. Ein, zwei Piers, eine Fährrampe und jede Menge Fischerdampfer im Päckchen. Und ein völlig bekloppter Kreuzfahrer mit negativem Steven. Das manche Schiffbauer jetzt dem Zeitgeist folgen und absurde Schiffsformen bauen, nur um sich von anderen zu unterscheiden um dadurch höhere Preise für die Kreuzfahrt bei den Passagieren durchzusetzen ist doch wohl allerhöchst bedenklich.

Absurder Kreuzfaher von NATIONAL GEOGRAPHIC

PUERTO NATALES ist aber sicher auch ein Touristennest, so viele Touristen hier herumlaufen. Der riesige chilenische Nationalpark TORRES DEL PAINE liegt in guter Tourbusreichweite. Davon profitiert die Stadt. Offenbar stimmt hier einfach das Mischungsverhältnis von uns Touris mit den Eingeborenen und deren eigenen, vom Tourismus unabhängigen Geschäften.

Die kleine Reisegruppe jedenfalls findet die Stadt recht schnell sehr schön, sehr gut überschaubar und möchte auf jeden Fall mehr Zeit in ihr verbringen. Doch noch nicht jetzt. Wir kommen ja spätestens im Januar 2023 noch mal her um die Fähre nach Norden zu erreichen.

Peter.

2 Kommentare

    1. Ahoi Frank,
      gut zu wissen, das ein Seemann mit liest! Danke für den Link, hatte ich nicht recherchiert. Erklärt aber, wieso „ULSTEIN“ am Bug stand. OK, mt meinen Worten: Der Bug soll also gut sein, um bei schlechtem Wetter besser gegenan brettern zu können 😉
      Das kann kann ja sein, aber irgendwann unterschneidet der Steven und dann gute Nacht. Mal sehen, wann die ersten Rennyachten so herum gondeln… glg Peter.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert