SA2223: T-30: Wohnmobil fährt schon mal los

Ungewöhnlicher Anfang einer neuen Reise.

Bisher sind wir immer gemeinsam mit unserem mobilen Zuhause auf Zeit aufgebrochen. Klar, einer (!) musste das Boot „STORMVOGEL“ oder das Wohnmobil „KNAUSi“ ja auch fahren. Wirklich alles war immer an Bord: Ausrüstung, Proviant, Mannschaft und Skipper bzw. Fahrer.

Bei der jetzt anstehenden Reise in den Süden von Südamerika (URUGUAY, ARGENTINIEN und CHILE) ist das alles anders.

Bürogebäude OSWALDKAI von UNIKAI mit Ticketcontainer davor

Das Wohnmobil KNAUSi fährt heute schon mal los. Aus Sicherheitsgründen mit nur einem Teil der benötigten Ausrüstung. Auf dem wohl hässlichsten Schiff, das jemals gebaut wurde. Gleich gegenüber liegt mit der CAP SAN DIEGO das wohl schönste Frachtschiff der Welt.
Und das das hässliche Entlein mit dem wüsten Namen „GRANDE SIERRRA LEONE“ der Reederei GRIMALDI dann auch noch den Heimathafen PALERMO hat, lässt tief blicken. Ob das wohl gut gehen wird?

Die Abgabe am Montag bei UNIKAI im Hafen von HAMBURG war relativ unspektakulär, aber sehr ungewohnt und eine kleine Geschichte wert.

Erst mal die Umgebung:
MEGA-Hafen, am Horizont die ELPBHILHARMONIE gut zu erkennen. Ein Gewusel aus tausenden von LKW´s, mit und ohne Container. Zielstrebig unterwegs.

Dann die hoch effiziente Abläufe, um in den Hafen zu kommen:
Für den Autotransport werden Neufahrzeuge natürlich mit entsprechenden LKW´s angeliefert. Aber es werden hier auch ganz normale PKW´s, Schrottkisten und eben Wohnmobile auf eigenen Rädern angeliefert und später durch Stauer an Bord gefahren. Zentrales Erkennungsmerkmal ist die Fahrzeugidentifikationsnummer, heutzutage gut sichtbar im unteren Bereich der Windschutzscheibe angebracht.

Auto für die Verladung auf dem Seeschiff GRANDE SIERRA LEONE nach MONTEVIDEO abgeben

Doch zunächst zieht man aus einem doofen Automaten eine Nummer wie beim Schlachter für die Verladung von Wohnmobilen in einem Container vor dem Bürogebäude „TERMINAL OSWALDKAI„. Mit der Nummer in der Hand geht man dann im Erdgeschoss des schmucklosen Zweckbaus in den Warteraum und starrt gebannt auf die Anzeigetafel. Wird die Nummer aufgerufen geht man zügig über eine schmutzige Treppe in den ersten Stock an einen mit Sicherheitsglas gesicherten Schalter. KFZ-Schein (wg. der Fahrzeugidentifikationsnummer) und Personalausweis (wg. personifizierten Zutritt zum gesicherten Hafenbereich) wird übergeben und zurück bekommt man neben den Papieren einen gelben DIN A4 Karton, auf dem genau diese Daten stehen, mit Barcode auf beiden Seiten. Und einen Piepser, wie man ihn aus Self-Service Restaurants kennt um an sein bestelltes Essen zu kommen. Erst wenn der piept und rappelt darf man zur beschrankten Einfahrt vorrücken.

Das dauert länger als gedacht, doch irgendwann legt der Piepser unmissverständlich los und der, der den Zündschlüssel bewacht fährt auf die vorgegebene Spur. Die Schranke öffnet sich, KNAUSi fährt ein, die Schranke schließt sich.

Und nix passiert.

Keiner kommt, kein Licht weist einem den weg und eine weitere Schranke versperrt stur die Ausfahrt. Und der Piepser nervt munter weiter.

Hm, richtig ist das jetzt hier nicht.

Also mal den Motor ausmachen und aussteigen. Vielleicht gibt es hier ja auch Menschen?

Ja, in der Tat! Drei Spuren weiter lungert ein Artgenosse in Sicherheitsweste rum.

Mal rüber rufen: „Was muss ich machen?“

Antwort: „Den gelben Karton scannen!“

Ah, klassischer Fall von Self-Service! Nach nur zwei Anläufen den Scanner gefunden, da noch mal zwei Versuche, den Karton so in das Gerät zu bekommen, das es auch scannen kann und schon öffnet sich von Zauberhand die zweite Schanke. Tolle Wurst. Hätte man ja auch mal sagen können…?

Mehr Prosche als Wohnmobile, doch darin kann man doch gar nicht schlafen?

Nach 500 Metern anhand der guten Lageskizze einen weiteren Container gefunden, bei dem nun das Auto endgültig übergeben werden soll. Auf den großen Parkplatz sind vielleicht 20 bis 30 andere Wohnmobile zu sehen, aber im wesentlichen stehen hier nur hunderte Porsche doof herum. Ein netter junger Mann meint, er wäre der, der ab jetzt den Zündschlüssel bewacht. Her damit!
Er schaut sich KNAUSi genau an und macht Fotos, die macht der, der jetzt keinen Zündschlüssel mehr hat, auch. Die Übergabe dauert gerade mal fünf Minuten. Zu Fuß darf man das Gelände nicht verlassen. Es wird ein Shuttle gerufen. Das kommt aber nicht und nach 20 Minuten dumm herum stehen bringt der, der jetzt den Zündschlüssel bewacht den zurück, der mal einen Zündschlüssel zu bewachen hatte.

Das war es.

Von dem von uns beauftragten Seefrachtmakler (SEABRIDGE) wissen wir, das bei der nächsten Abfahrt ca. 80 Wohnmobile alleine von diesem Anbieter verladen werden. Zwei mal Zwanzig WoMo´s werden in zwei organisierten Touren die PANAMERICANA bereisen und um Weihnachten herum in USHUAIA auflaufen. So wie wir auch und bestimmt auch die anderen 40 Freifahrer. Das kann ja voll werden…
…die designierte Beifahrerin harrte unterdessen alleine im PKW tapfer vor dem Bürogebäude aus und zusammen treten wir schweigend die Heimfahrt an.

Irgendwie komisches Gefühl.

Mit der erfolgreichen Abgabe des Wohnmobils im Hafen kann man im übrigen noch nicht sicher sein, das das WoMo auch wirklich auf die lange Schiffsreise geht. Denn die Schiffsbesatzung selbst macht vor Verladung noch selbst eine Sicherheitskontrolle. Insbesondere mögliche Brandherde werden überprüft. Wir haben uns akribisch an alle Sicherheitsvorgaben gehalten und ein reines Gewissen. Wird schon in Ordnung sein.

Auf der Internetseite von UNIKAI kann man nachsehen, wie es weiter geht. Wenn man denn seine Fahrzeugidentifikationsnummer hat. Aber ob nun „Ausgeliefert“ gleichbedeutend mit „Verladen“ ist, bleibt unklar.

UNIKAI Online Tracking von Fahrzeugen

Doch die Website von UNIKAI hat noch mehr in Petto: Eine Webcam, die die Pier im Fokus hat. Genial!

Bei der Fahrzeugabgabe am Montag war schon klar, das der Dampfer noch gar nicht da ist. Die GRANDE SIERRA LEONE lümmelte sich zunächst eine kurze Zeit in EMDEN herum um dann zwei Tage auf Anker bei der Reede von ELBE1 zu gehen.

Quelle: UNIKAI WEBCAM abgerufen am 14.09.2022 12:44

Erst in der gestrigen Nacht ist sie langsam, schön von dem auflaufenden Wasser (Flut) angeschoben, die ELBE hoch gedampft und in HAMBURG um 04:06 Uhr angekommen. Am Vormittag konnte man auf der WEBCAM noch Verladeaktivitäten erkennen, aber leider zeigt die WEBCAM nur das Vorschiff, auf dem Container transportiert werden. Die Heckrampe für die Autos ist nicht erkennbar. Der gesamte hintere Bereich (weiß) ist eine schwimmende Parkgarage für Autos, auf anderen Bildern kann man erkennen, das manchmal auch Autos auf dem Oberdeck stehen.

Wo KNAUSi wohl geparkt wurde?

Hoffentlich unter Deck. Sollen sich doch die Porsches in salzigen Seeluft sonnen!

Unseren persönlichen GPS Tracker haben wir noch nicht aktiviert, der würde ja unter Deck auch nicht funktionieren. Doch kann man über AIS und z.B. VESSELFINDER die aktuelle Schiffsposition jederzeit komfortabel nachsehen. Leider kann man in der kostenlosen Variante nur die letzten 24 Stunden sehen. Eine Trackaufzeichnung gibt es da nicht. Aber die nächsten geplanten Stationen der GRANDE SIERRA LEONE sind ja auch dem Fahrplan zu entnehmen:

Von HAMBURG aus geht es zunächst nach ANTWERPEN (16-17 September 2022), dann über den ATLANTIK nach VITORIA (BRASILIEN, 1-2 Oktober 2022) und vier weiteren Häfen in BRASILIEN/ARGENTINIEN bis die GRANDE SIERRA LEONE schließlich MONTEVIDEO am 13 Oktober 2022 erreichen wird.

Fahrplan der GRANDE SIERRA LEONE von HAMBURG nach MONTEVIDEO

Eigentlich ist alles gebongt, doch unterschwellig gibt es natürlich schon eine gewisse Sorge über Beschädigungen am Fahrzeug oder gar Diebstahl.

Schließlich hat der, der sonst wirklich immer den Zündschlüssel bewacht, eben jenen in fremde Hände abgegeben.

Auf der Suche nach dem positiven:

Besser den Zündschlüssel abgeben als den Löffel.

Peter.

P.S.: Unklar, wann die GRANDE SIERRA LEONE genau ablegt. Auf der UNIKAI RoRo Trackingseite wird 23:10 Uhr angegeben, das macht aber keinen Sinn, denn Hochwasser ist im Hafen um 20:10 Uhr. Wenn man Treibstoff sparen will, sollte man um&bei 20:00 Uhr los fahren, damit das ablaufende Wasser wieder schieben kann.
Also werden wir immer mal wieder hin sehen und wenn die WEBCAM von der Pier keine GRANDE SIERRA LEONE mehr zeigt, bei VESSELFINDER nachsehen und mit Chance auf dieser oder dieser WEBCAM noch einen Blick erhaschen… 😉

Die Stadt WEDEL hat noch viel mehr WEBCAMS… 😉

P.S.2:
Schade. Die GRANDE SIERRA LEONE ist erst gegen 21:00 Uhr ausgelaufen und da war es dann schon mal richtig dunkel. Daher sind alle dunklen Bilder in der nachfolgenden Galerie echt von „unserem“ Dampfer.
Am späten Nachmittag ist aber ein genau gleich aussehendes Schwesterschiff ausgelaufen, die GRANDE GABON mit Ziel TILBURY / UK. Davon ein paar WEBCAM Shots von den Kameras der Stadt WEDEL. Offenbar sind diese gesponsert von der IT Firma Grassau GmbH. https://grassau.com/
Klasse Arbeit von GRASSAU, mit der freundlichen Möglichkeit, jederzeit einen Schnappschuss zu machen. Danke!
(Quelle aller nachfolgenden Bilder: UNIKAI und Stadt WEDEL / GRASSAU GmbH)

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