MAROKKO 2022: MT 18-20, NAZARE (Stadt)

Es gab einige Gründe noch mal nach NAZARE zu kommen.

2012 haben wir mit dem STORMVOGEL an diesem Ort Kontinentaleuropa verlassen und nach nur zwei Seetagen eine der schwersten Niederlagen der ganzen „Reise der Reisen“ erlitten.

2016 hat der STORMVOGEL an diesem Ort das eigene Kielwasser gekreuzt und damit seine Umrundung der Erde abgeschlossen.

Am Strand von NAZARE

2022, fast genau zehn Jahre nach dem ersten Besuch sind wir wieder hier. Diesmal mit dem Wohnmobil KNAUSi, unsere Segelyacht STORMVOGEL haben wir verkauft. Die Idee für einen erneuten Besuch hatte der Fahrer. Wollte er doch mal die sagenhafte, die berühmte und die eindrucksvolle Welle von NAZARE in Ruhe fotografieren. Das hat er auch gemacht, an zwei aufeinander folgenden Tagen und die Besten Bilder werden in einem weiteren Beitrag das Licht der Welt erblicken. Doch hier geht es erst mal um die Stadt NAZARE.

Auf dem Campingplatz von NAZARE

Der Campingplatz liegt eigentlich recht gut am Rande der Stadt, die man über die Straßen gut zu Fuß erreichen kann. Nicht zu unterschätzten sind allerdings die zurück zu legenden Höhenunterschiede! Das steile Auf&Ab in der Stadt scheint uns sehr geeignet für ein NEPAL Tracking-Training. Eigentlich wollen wir Motorroller mieten und in der Gegend herum kurven. Doch der einzige Vermieter, natürlich hoch oben auf dem Berg, meint erst in der Hauptsaison lohne sich das Geschäft. No Scooter today! Um diese Jahreszeit gebe es nur eBikes unten am Strand.

Blick auf die Unterstadt von NAZARE

Also wieder runter in die Unterstadt. Bergab geht ja immer! Im kleinen Laden von e-Motion treffen wir auf das wohl motivierteste Unternehmerpaar Portugals. So freundlich, so zuvorkommend, so „Kunde ist König“ orientiert, unglaublich. Wir verhandeln kurz, weil wir eigentlich 1,5 Tage mieten müssten aber nur einen Tag bezahlen wollen. Kein Problem, es ist sowieso nichts los.  Am nächsten Morgen sollen wir kurz rein kommen und die Akkus gegen voll aufgeladenen tauschen.

In den engen Gassen von NAZARE

Ja klar, falls nötig…

…im Laufe des Tages stellt sich heraus, das die Leistung eines Akkus sehr wohl vom Gewicht des Fahrers oder (dies sei ausschließlich zwecks Vernebelung von Tatsachen erwähnt) der Fahrerin abhängig ist. Jedenfalls wenn es bei 8% Steigung im TURBO Mode zur Sache geht. Wie ernüchternd. Wie einschüchternd. Wie erschütternd! Ist die Batterie erst mal alle, droht der Stillstand! Wird etwa das Fahrergewicht auch bei der Reichweite eines eAuto´s eine Rolle spielen? 

Wracks für die Ewigkeit am Hafen von NAZARE

An einem Tag fällt das späte Frühstück bewusst aus, denn wir wollen in der Stadt zu Mittag Fisch essen. Fisch und Portugal – das ist wohl eine nicht zu trennende Einheit. Vermutlich gibt es kein Land auf der Erde, wo man besser gegrillten Fisch essen kann (?).
Nun denn, abseits der Touristenfallen an der Waterfront landen wir in einer dieser engen Stadt-Berggassen im „ROSA DOS VENTOS„. Wegen CORONA wollen wir immer noch draußen sitzen, wenn es irgendwie möglich ist. Zunächst von uns nicht zur (Er)kenntnis genommen sitzen wir auf einfachen Holzbänken an einfachen Holztischen direkt an der schmalen Straße, die alle Gelb und Blau gestrichen sind.

Kleine Schnappskrüge vom Restaurant ROSA DOS VENTOS, bekommt man geschenkt, wenn man sie mitnehmen möchte

Hä?

GELB BLAU?

BLAU GELB?

Sind das nicht die Landesfarben der UKRAINE?

Ja, das sind sie! Hm, sieht der nette, perfekt englisch sprechende Wirt eigentlich wie ein Eingeborener Portugiese aus? 

Nö, eher nicht.

Kann man ihn einfach nach seiner Herkunft fragen? Ist fragen doof?

Wie immer: Die Antwort darauf ist NEIN!

Fragen darf man immer, wenn man wirklich interessiert ist und immer hübsch freundlich bleibt. Also fragt der Fahrer, ermutigt durch zwei Glasampullen á 0,25cl. Und lernt, das er, mal wieder, auf einem völlig falschen Dampfer ist. Der erste Anscheint trügt, wie so häufig. Zu viel Spekulatius im Hirn!

Der Wirt lacht bei der schüchtern vorgetragenen Herkunftsfrage. Er ist tatsächlich waschechter NAZARE´er und die Farben BLAU/GELB sind die Farben der Familie Väterlicherseits. Die Familie der Mutter hätte die Farben WEISS/ROT, drinnen im Lokal wäre alles WEISS/ROT. Nun, da waren wir ja nicht. Nicht, das wir da auf einmal an KÖLN gedacht hätten. Oder POLEN. Oder INDONESIEN?

Steiler Fußweg in die Oberstadt von NAZARE

Wie auch immer:
Die Familienfarben leiten sich ursprünglich von den Fischerbooten ab. Jedes Fischerboot einer Familie hat/hatte seine eigenen Farben. Das hat er einfach für sein kleines Restaurant übernommen. Er fand es gut das wir gefragt haben, das wir zwar eine falsche, aber doch gute Verbindung hergestellt haben und schließlich natürlich auch, das wir bei ihm essen waren. Und so versucht er uns mit einem ultrasüssen Likör in eigens herstellten Minikrügen abzufüllen. Bei der Dritten Runde muss der Fahrer jedoch abwinken, in diesem Straßengewirr betrunken mit dem eBike herum zu kurven erscheint keine gute Idee. Die Beifahrerin, wie sowieso im allgemeinen, ist, schlau wie sie nun mal ist, schon viel früher ausgestiegen.
Beim Abschied möchte der Wirt noch wissen, wie wir ihn gefunden haben. Zufall, purer Zufall. Alte Pfadfinderregel: Waterfront vermeiden und in den Seitenstraßen suchen…

Ach ja, es gab übrigens gegrillte Sardinen und Dorade mit Salat und gekochten Kartoffeln. Lecker. Wenn man bloß selbst so Fisch grillen könnte…

Mit den Fahrrädern ist der zwingend notwendige Abstecher in den Hafen von NAZARE ein Klacks. Zu Fuß wäre es eine Wanderung. Unglaublich, wie man an einigen (wenigen) Orten der Welt einfach die Zeit anhalten kann. Muss schon was besonderes sein. Die Pontons, an denen wir damals STORMVOGEL fest gemacht haben, gibt es nicht mehr. Vermutlich einfach abgesoffen. Oder verschleppt für eine andere Verwendung. Selbst die Wracks an Land stehen noch da, wo sie damals standen. Und wohl auch immer stehen werden.

Blick vom Monte de São Bartolomeu auf NAZARE

Gleich neben dem Campingplatz ragt ein großer Felsen aus der Landschaft, auf dessen Gipfel ein Kreuz und ein Aussichtsturm steht. „Monte de São Bartolomeu“ ist sein Name und natürlich hören wir den leisen Ruf des Berges, der ja eigentlich eher nur ein Fels in der Landschaft ist. Unglaublich, wie anstrengend so ein Aufstieg sein kann. Endlose Treppen. Steil, sehr steil doch zum Glück überall mit Geländer. Völlig risikolos. Der Blick von oben grandios. Wie immer wenn man den Überblick hat, fühlt man sich erhaben und über den Dingen schwebend.

Egal von wo man auf die Stadt NAZARE blickt, im Herzen findet man immer ein herausragendes Gebäude auf einem herausragenden Grundstück. Doch es ist eine herunter gekommene Ruine und als ahnungsloser Tourist fragt man sich, wieso das Gebäude der COLONIA BALENAR keiner sinnvolleren Aufgabe nachgeht als da nur nutzlos in der Gegend herum zu stehen. Das fragen sich die Einwohner von NAZARE offenbar auch, wie dieser Artikel vermittelt.

In der Bildmitte, das große Haus mit den Bäumen und Rasen davor: Das ist die verlassene und leerstehende COLONIA BALENAR

Irgendwie könnte man den Gedanken bekommen, in ein paar Jahren nochmals hierher zu kommen. Mehr Entdecken, mehr Fragen aufwerfen. Mehr Fisch essen.

Einfach ein guter Ort, um länger zu bleiben.

Peter.


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