T10: Mystras & Dimitrios

Noch ein Tag in der Sonne am Strand, dann entwickelt sich das Wetter an unserem schicken Strandplatz in der Nähe von MONEMVASIA zwar mit Ansage, aber leider zum schlechten hin. Genau genommen zum lausig schlechten. Scharfer auflandiger Wind der das Meer gut zwei Meter höher an den Kieselstrand treibt und, total nervig, sogar Regen!

Hallo? Sonne war gebucht!

Wir parken am letzten Abend das Auto um. Etwas weiter weg vom Meer und auf jeden Fall sollen die Reifen auf gutem Untergrund stehen. Falls der Regen viel wird und alles andere aufweicht.

Auf dem Weg nach MYSTRAS

Die Nacht verläuft unruhig, die Böen zerren ordentlich an unserem Kastenwagen. Dieser Abschied fällt nun wirklich leicht. Den Morgenkaffee kuschelig im Auto, kein Bad in der aufgewühlten See und los geht es Richtung Inland, Richtung MYSTRAS. Sightseeing weather.

Die Beifahrerin hat im Reiseführer WOHNMOBIL UND WANDERN davon gelesen und möchte da hin. Also kutschieren wir uns selbst mal wieder zu einer riesigen Ruinenstadt, davon ausgehend, dort auch die Nacht zu verbringen.

MYSTRAS

MYSTRAS ist als Freilichtmuseum im Berg aufgezogen und man verlangt satte 12 € Eintritt pro Person. Na ja, wenn es jetzt denn sein muss? Doch je länger der Fahrer den über 200 Meter hohen Berg durch die Ruinen irrend erklimmt, um so mehr reift in ihm der Gedanke, das dieser Ausflug zwar anstrengend, aber völlig belanglos sein könnte. Im Gegensatz zu dem ganz famosen MONEMVASIA sind hier wirklich nur Ruinen erhalten. Ganz oben, völlig außer Atem auf der Burg angelangt tröstet zwar der Ausblick, doch auch hier: Nur längst zerstörte Gemäuer. Enttäuscht geht es an den mühsamen Abstieg, den, wie üblich, die Beifahrerin völlig mühelos absolviert. Der Fahrer hingegen muss verdammt gut aufpassen, auf diesem Geröll richtig aufzutreten und ja nicht mit den Füßen umzuknicken.

Eine der vielen Kapellen vom MYSTRAS in der METROPOLIS

Irgendwann wartet die Beifahrerin netter Weise auch mal auf den Fahrer und meint, wir sollten noch einen Abstecher nach METROPOLIS machen. Klar, auch das, wenn es sein muss.

Gewölbegang in der METROPOLIS von MYSTRAS

Es folgt die Entschädigung:
Dieser Gebäudekomplex ist bereits vollständig restauriert und eine echte Wucht! Hier könnte man glatt leben! OK, die kleine sehr hübsch anzusehende Kapelle wäre sicher nicht häufig besucht. Hier endlich spürt man den Hauch der Historie und kann sich ausmalen, wie das Leben viel, viel früher wohl gewesen ein mag. Jedenfalls für die vermutlich besser stehenden Bewohner an dem Berg. Da auch an einem anderen, viel größeren Gebäude sichtbar gearbeitet wird, kann man wohl davon ausgehen, das die ganze Anlage in den kommenden Jahrzehnten an Attraktivität gewinnen wird. Vielleicht rührt daher auch der Wunsch nach einem hohen Eintrittspreis. Nichts ist umsonst.

Grandioser Ausblick von der Burg MYSTRAS

Je mehr wir solche Antiken Städte besichtigen, um so weniger schätze ich die Leistungen der HERR DER RINGE, HOBBIT oder GAMES OF THRONES Macher. Was die Städte und das Leben darin in diesen frei erfundenen Geschichten angeht, hat man sich ganz offenbar dreist in der Vergangenheit bedient. Gab es alles schon mal. Auf der Leinwand schön zum Leben erweckt, in den Ruinen braucht man schon viel Phantasie. Und die wird natürlich auch durch solche Filme angeregt. Vermutlich bekommt man so nur ein falsches Bild in den Kopf. Also doch auch die Ruinen besuchen und schön auf dem Teppich bleiben.

METROPOLIS von MYSTRAS

Zurück am Auto fragen wir uns, ob wir wirklich auf diesem abschüssigen Parkplatz im Berg bei bleigrauem Himmel übernachten wollen. Es ist um und bei 1600. Da kann man auch noch ein Stück fahren…?

Oberer Parkpkatz am Eingang zur Ruinenstadt MYSTRAS

Ja, kann man.

Zurück ans Meer!

Aber natürlich an einen anderen Strand. Jetzt zum Schiffswrack DIMITRIOS.

Schiffswrack DIMITRIOS

Oh je, zwei touristische Highlights an einem Tag. Ob das gut gehen kann?

Der Dampfer liegt in der Nähe der Stadt VALTAKI auf dem Strand.

Es folgt eine kleine Story Of The Sea:
Der Kapitän der DIMITRIOS war sehr krank, daher lief der Dampfer in den Hafen von GYTHIO ein, brachte den Alten in ein Krankenhaus und die Mannschaft wartete tapfer auf seine Rückkehr. Das Problem: Kein Geld für die Liegegebühren in der Bordkasse. Außerdem stand die DIMITRIOS im Ruf, als Zigarettenschmuggler unterwegs zu sein. Also haben die Hafenbehörden die DIMITRIOS aus dem Hafen gejagt und in der Bucht auf Anker geschickt.
Tja, das Ankermannöver ging wohl gehörig schief. Musste ja auch so sein. So ganz ohne Kapitän kann es ja wohl auch nicht gehen. Versteht meine Mannschaft bis heute nicht, diese über jeden Zweifel erhabene Bedeutung des Kapitäns.
Auf jeden Fall kam Wind auf, einige sprechen gar von Sturm, der Anker hielt nicht, die Maschine war nicht klar und schwups lag der damals wohl noch schmucke kleine Dampfer auf dem schönen Sandstrand gegenüber der geldgierigen Hafenstadt.

Schiffswrack DIMITRIOS

So kann man natürlich auch Sehenswürdigkeiten für Touristen erzeugen!

Keine Ahnung, wie sehr die unmittelbare Umwelt leiden musste, aber Anfang der 80´iger des vergangenen Jahrhunderts war die Strandung der DIMITRIOS sicher kein großes (Umwelt)Problem.

Schiffswrack DIMITRIOS

Und ist es nicht erschreckend, wie schnell der Dampfer verrottet? Wie sich ehemals dicke Stahlplatten buchstäblich in Luft auflösen? Ein paar Jahre noch, dann wird die ehemals stolze Stahlkonstruktion einfach mit lautem Getöse krachend in sich zusammen stürzen und noch ein paar weitere Jahrzehnte als schmuckloser Schrotthaufen am Strand herum liegen. Um 2050 oder so hat das Meer dann gesiegt. Wie es das im übrigen immer tut.

Schiffswrack DIMITRIOS

Der Parkplatz in der Nähe des Wracks gleicht auf den ersten Blick eher dem Camp einer Hippie-Kommune. Kunterbunt zusammengewürfelte Autos, Nationen und Menschen. Alle wollen hier for free übernachten. Und keiner schickt sie weg. Wie nett! Im Sommer mag es hier geschäftiger und lauter sein, doch an diesem Abend ist wohl in nicht verabredeter Einigkeit um 1900 Bettruhe. Totenstille, kein Licht, kein Lagerfeuer, keine Party.

Wohnmobilcamp beim Schiffswrack der DIMITRIOS

Vielleicht Zufall, vielleicht ändert aber CORONA doch viel mehr an unserem Verhalten als wir uns oberflächlich betrachtet so vorstellen können.

Die Angst vor der Ansteckung.

Sie darf nicht dazu führen, das wir fremden Reisenden uns nicht mehr kennen lernen.

Peter.

Schiffswrack DIMITRIOS

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