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Griechenland 2021 – Fazit

Ende 2021 zum zweiten Mal mit dem Wohnmobil nach GRIECHENLAND, genauer gesagt auf den PELEPONNES!

Nach dem wir im letzten Jahr eher den Osten mit unserem WoMo KNAUSi bereist haben, stand in diesem Jahr der Westen auf dem Programm. Keine halbe Sachen und wenn schon, denn schon!
Mal wieder dem Norddeutschen Herbst entkommen, um ein paar Wochen mehr Sonne und Wärme im Jahr aufsaugen zu können!

Wohnmobil-Tour 2021: Griechenland – Peleponnes – West. Quelle: GOOGLE Maps / Yellowbrick

Während der Reise entstanden für unseren Blog www.wiedekamm.com 12 Reiseberichte „on the road“ mit vielen Bildern der besuchten Orte, die wir alle in der Rubrik „GRIECHENLAND 2021“ gesammelt haben.
Mit unserem Wohnmobil KNAUSi auf Basis FIAT DUCATO KNAUS haben wir diesmal genau 4.404 Straßenkilometer zurückglegt. Der Bordcomputer hat einen Verbrauch von 11,2 Litern Diesel auf 100 KM, eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 64 KM/h und eine reine Fahrzeit von 68,41 Stunden errechnet. Stimmt erstaunlich genau mit unseren eigenen Berechnungen überein. Was den Spritverbrauch angeht: Ein FIAT DUCATO ist halt kein MERCEDES SPRINTER.

ANCONA

Da wir im letzten Jahr sehr gute Erfahrungen mit der Anreiseroute ELMSHORN -> ANCONA (Italien) -> ADRIA FÄHRE -> PATRAS (Griechenland) gemacht hatten, wählten wir  diesen Weg auch in diesem Jahr. Nach der stark verspäteten Ankunft der Fähre EUROPA PALACE der Reederei MINOAN in PATRAS kurz vor Mitternacht mussten wir zwar irgendwo in der Pampa kurz übernachten, der gewollte Startpunkt war aber wieder MONEMVASIA im Südosten.

Freistehen am Strand in der Nähe von MONEMVASIA

Die wunderbar zurecht gemachte Altstadt hatten wir schon letztes Mal ausgiebig erkundet, daher blieben wir diesmal bei viel Sonne einfach länger am Strand. Das Freistehen an diesem Ort ist einfach. Es gibt viel Platz, eine Stranddusche und Müllentsorgung. Wenn die Vorräte ausgehen schafft man es über den Strand auch gerade so zu Fuß in die Stadt zum Einkaufen. Nach einer Pause in einer der zahlreichen Tavernen natürlich auch wieder zurück!

Freistehen am Strand in der Nähe von MONEMVASIA
Die Ruinenstadt MYSTRAS in der Nähe von SPARTA

Als das Wetter für einen Tag schlechter wurde machten wir zunächst einen Ausflug in die historische Stadt MYSTRAS in der Nähe von SPARTA und übernachteten später am Strand von VALTAKI. Dort liegt, wirklich direkt am Strand, das spektakuläre Schiffswrack der DIMITRIOS. Wer will kann das Wrack trockenen Fußes sogar anfassen. Je nach Wetter und Licht sicher ein sehr lohnendes Fotomotiv.

Das Schiffswrack DIMITRIOS am Strand von VALTAKI

Die stürmische Einsamkeit von KAP MATAPAN mag sicher nicht jeder. Der südlichste Punkt des PELEPONNES kann nur zu Fuß erreicht werden und führt im wahrsten Sinne des Wortes über Stock und Stein. Doch jeder Meter, jede Anstrengung lohnt sich. Garantiert!
Die Anfahrt zum KAP MATAPAN über den MANI genannten „Mittelfinger“ des PELEPONNES über die östliche Straße ist spektakulär und sicher das Highlight der diesjährigen Reise.

Der Leuchttrum von KAP MATAPAN

Wer um den 28. Oktober herum in GRIECHENLAND unterwegs ist, sollte in einer Stadt den OCHI-Tag erleben. Wir begehen diesen zweit wichtigsten Feiertag in KALAMATA, passender Weise der zweit größten Stadt des PELEPONNES. Beeindruckender Marsch durch die Stadt, der Freiheit Willen.

Kleines Paradies am Strand von FINIKOUNDA

In FINIKOUNDA entdecken wir auf einem Campingplatz ein kleines Paradies und bleiben dort viel länger als eigentlich gedacht Gutes Wetter, gute Leute, guter Platz: Warum sollte man eigentlich immer weiter reisen, wenn man doch genug Zeit hat?

Die fast kreisrunde Bucht von VOIDOKILIAS, auch Ochsenbauchbucht genannt

In einer Tagestour erkunden wir mit dem Auto die Städte METHONI und PYLOS und überlegen, ob wir in der VOIDOKILIAS Bucht übernachten wollen. Am Ende kehren wir doch lieber nach FINIKOUNDA zurück.

Palmen am Strand von GLIFA

Die letzte Station unserer Reise führte uns an den Palmenstrand von GLIFA, im Nord-Westen des PELEPONNES gelegen. Immer noch schön warm mit viel Sonne, aber bereits winterlich ruhig.
Einen Tag später erleben wir in PATRAS noch eine kleine Räuberpistole, bevor uns die Fähre ZEUS PALACE der MINOAN LINES pünktlich zurück nach ANCONA (ITALIEN) bringt. Mit dieser kleinen Seereise auf der ruhigen ADRIA endet diese sehr schöne Wohnmobilreise, denn über die langweiligen Autobahnstrecken zum Kilometerfressen gibt es nichts sinnvolles zu berichten.

Zurück im trübgrauen ELMSHORN planen wir nun einfach schon mal die nächste Reise.

Vorfreude ist bekanntlich die Beste aller Freuden!

Peter.

P.S.: Wäre da nur nicht dieser CORONA Mist, aber irgendwas ist ja immer…


T10: Mystras & Dimitrios

Noch ein Tag in der Sonne am Strand, dann entwickelt sich das Wetter an unserem schicken Strandplatz in der Nähe von MONEMVASIA zwar mit Ansage, aber leider zum schlechten hin. Genau genommen zum lausig schlechten. Scharfer auflandiger Wind der das Meer gut zwei Meter höher an den Kieselstrand treibt und, total nervig, sogar Regen!

Hallo? Sonne war gebucht!

Wir parken am letzten Abend das Auto um. Etwas weiter weg vom Meer und auf jeden Fall sollen die Reifen auf gutem Untergrund stehen. Falls der Regen viel wird und alles andere aufweicht.

Auf dem Weg nach MYSTRAS

Die Nacht verläuft unruhig, die Böen zerren ordentlich an unserem Kastenwagen. Dieser Abschied fällt nun wirklich leicht. Den Morgenkaffee kuschelig im Auto, kein Bad in der aufgewühlten See und los geht es Richtung Inland, Richtung MYSTRAS. Sightseeing weather.

Die Beifahrerin hat im Reiseführer WOHNMOBIL UND WANDERN davon gelesen und möchte da hin. Also kutschieren wir uns selbst mal wieder zu einer riesigen Ruinenstadt, davon ausgehend, dort auch die Nacht zu verbringen.

MYSTRAS

MYSTRAS ist als Freilichtmuseum im Berg aufgezogen und man verlangt satte 12 € Eintritt pro Person. Na ja, wenn es jetzt denn sein muss? Doch je länger der Fahrer den über 200 Meter hohen Berg durch die Ruinen irrend erklimmt, um so mehr reift in ihm der Gedanke, das dieser Ausflug zwar anstrengend, aber völlig belanglos sein könnte. Im Gegensatz zu dem ganz famosen MONEMVASIA sind hier wirklich nur Ruinen erhalten. Ganz oben, völlig außer Atem auf der Burg angelangt tröstet zwar der Ausblick, doch auch hier: Nur längst zerstörte Gemäuer. Enttäuscht geht es an den mühsamen Abstieg, den, wie üblich, die Beifahrerin völlig mühelos absolviert. Der Fahrer hingegen muss verdammt gut aufpassen, auf diesem Geröll richtig aufzutreten und ja nicht mit den Füßen umzuknicken.

Eine der vielen Kapellen vom MYSTRAS in der METROPOLIS

Irgendwann wartet die Beifahrerin netter Weise auch mal auf den Fahrer und meint, wir sollten noch einen Abstecher nach METROPOLIS machen. Klar, auch das, wenn es sein muss.

Gewölbegang in der METROPOLIS von MYSTRAS

Es folgt die Entschädigung:
Dieser Gebäudekomplex ist bereits vollständig restauriert und eine echte Wucht! Hier könnte man glatt leben! OK, die kleine sehr hübsch anzusehende Kapelle wäre sicher nicht häufig besucht. Hier endlich spürt man den Hauch der Historie und kann sich ausmalen, wie das Leben viel, viel früher wohl gewesen ein mag. Jedenfalls für die vermutlich besser stehenden Bewohner an dem Berg. Da auch an einem anderen, viel größeren Gebäude sichtbar gearbeitet wird, kann man wohl davon ausgehen, das die ganze Anlage in den kommenden Jahrzehnten an Attraktivität gewinnen wird. Vielleicht rührt daher auch der Wunsch nach einem hohen Eintrittspreis. Nichts ist umsonst.

Grandioser Ausblick von der Burg MYSTRAS

Je mehr wir solche Antiken Städte besichtigen, um so weniger schätze ich die Leistungen der HERR DER RINGE, HOBBIT oder GAMES OF THRONES Macher. Was die Städte und das Leben darin in diesen frei erfundenen Geschichten angeht, hat man sich ganz offenbar dreist in der Vergangenheit bedient. Gab es alles schon mal. Auf der Leinwand schön zum Leben erweckt, in den Ruinen braucht man schon viel Phantasie. Und die wird natürlich auch durch solche Filme angeregt. Vermutlich bekommt man so nur ein falsches Bild in den Kopf. Also doch auch die Ruinen besuchen und schön auf dem Teppich bleiben.

METROPOLIS von MYSTRAS

Zurück am Auto fragen wir uns, ob wir wirklich auf diesem abschüssigen Parkplatz im Berg bei bleigrauem Himmel übernachten wollen. Es ist um und bei 1600. Da kann man auch noch ein Stück fahren…?

Oberer Parkpkatz am Eingang zur Ruinenstadt MYSTRAS

Ja, kann man.

Zurück ans Meer!

Aber natürlich an einen anderen Strand. Jetzt zum Schiffswrack DIMITRIOS.

Schiffswrack DIMITRIOS

Oh je, zwei touristische Highlights an einem Tag. Ob das gut gehen kann?

Der Dampfer liegt in der Nähe der Stadt VALTAKI auf dem Strand.

Es folgt eine kleine Story Of The Sea:
Der Kapitän der DIMITRIOS war sehr krank, daher lief der Dampfer in den Hafen von GYTHIO ein, brachte den Alten in ein Krankenhaus und die Mannschaft wartete tapfer auf seine Rückkehr. Das Problem: Kein Geld für die Liegegebühren in der Bordkasse. Außerdem stand die DIMITRIOS im Ruf, als Zigarettenschmuggler unterwegs zu sein. Also haben die Hafenbehörden die DIMITRIOS aus dem Hafen gejagt und in der Bucht auf Anker geschickt.
Tja, das Ankermannöver ging wohl gehörig schief. Musste ja auch so sein. So ganz ohne Kapitän kann es ja wohl auch nicht gehen. Versteht meine Mannschaft bis heute nicht, diese über jeden Zweifel erhabene Bedeutung des Kapitäns.
Auf jeden Fall kam Wind auf, einige sprechen gar von Sturm, der Anker hielt nicht, die Maschine war nicht klar und schwups lag der damals wohl noch schmucke kleine Dampfer auf dem schönen Sandstrand gegenüber der geldgierigen Hafenstadt.

Schiffswrack DIMITRIOS

So kann man natürlich auch Sehenswürdigkeiten für Touristen erzeugen!

Keine Ahnung, wie sehr die unmittelbare Umwelt leiden musste, aber Anfang der 80´iger des vergangenen Jahrhunderts war die Strandung der DIMITRIOS sicher kein großes (Umwelt)Problem.

Schiffswrack DIMITRIOS

Und ist es nicht erschreckend, wie schnell der Dampfer verrottet? Wie sich ehemals dicke Stahlplatten buchstäblich in Luft auflösen? Ein paar Jahre noch, dann wird die ehemals stolze Stahlkonstruktion einfach mit lautem Getöse krachend in sich zusammen stürzen und noch ein paar weitere Jahrzehnte als schmuckloser Schrotthaufen am Strand herum liegen. Um 2050 oder so hat das Meer dann gesiegt. Wie es das im übrigen immer tut.

Schiffswrack DIMITRIOS

Der Parkplatz in der Nähe des Wracks gleicht auf den ersten Blick eher dem Camp einer Hippie-Kommune. Kunterbunt zusammengewürfelte Autos, Nationen und Menschen. Alle wollen hier for free übernachten. Und keiner schickt sie weg. Wie nett! Im Sommer mag es hier geschäftiger und lauter sein, doch an diesem Abend ist wohl in nicht verabredeter Einigkeit um 1900 Bettruhe. Totenstille, kein Licht, kein Lagerfeuer, keine Party.

Wohnmobilcamp beim Schiffswrack der DIMITRIOS

Vielleicht Zufall, vielleicht ändert aber CORONA doch viel mehr an unserem Verhalten als wir uns oberflächlich betrachtet so vorstellen können.

Die Angst vor der Ansteckung.

Sie darf nicht dazu führen, das wir fremden Reisenden uns nicht mehr kennen lernen.

Peter.

Schiffswrack DIMITRIOS

T4-8, MONEMVASIA (in der Nähe)

(Wer hier Bilder des historischen MONEMVASIA erwartet, der sei auf den Vorjahresbeitrag verwiesen)

Du meine Güte!

Ist das überhaupt erlaubt?

Darf man das?

Dürfen wir das wirklich?

Urlaub ist das ja nicht. Urlaub, wo von eigentlich? Von einem gar nicht anstrengenden Segelsommer?

Ah, ich hab´s: Wir machen Urlaub von CORONA.

CORONA ist für alles gut. Passt immer als Ausrede, als Fassade, als Streitpunkt.

Stellplatz am Strand in der Nähe von MONEMVASIA

Da lungern wir schon drei Nächte am gleichen Strand in der Nähe von MONEMVASIA herum. Die vierte Nacht bricht gleich an. Eigentlich wollten wir hier nur kurz mal bleiben, sozusagen als Startpunkt unserer diesjährig geplanten West-Exkursion der PELOPONNES, nach der grandiosen Osttour im letzten Jahr.

Doch die Sonne strahlt so ganz famos vom Himmel, warum sollte man da eigentlich im Auto sitzen und durch die Gegend kurven? Am Strand ist es doch eindeutig viel schöner! OK, man muss manchmal auch aufpassen, das das Strandleben nicht zu(uuuu) langweilig wird.

Am Strand in der Nähe von MONEMVASIA

Als Gegenmittel erprobt:

1) Morgens durch die Gegend laufen und die nähere Umgebung erkunden
2) Aufgeschobene Sachen formulieren und endlich mal aufschreiben
3) Bücher verschlingen (lesen wäre glattes Understatement)
4) Kleine Reparaturen / Verbesserungen am Auto vornehmen

Zwischendurch immer mal ein Bad im 10 Meter entfernten Meere. Kristallklares Wasser, wärmer, als es jemals in diesem Jahr in dem OSTSEE war.

Ansonsten passiert nicht viel. Reicht ja auch.

Am Strand in der Nähe von MONEMVASIA

Gestern Abend waren wir in der gut 2,5 Kilometer entfernten Taverne THE ATHAS zum Abendessen. Zu Fuß versteht sich. Beide Wege! Super gepflegtes Lokal, astreines Essen für wenig Geld. Am tollsten in solchen Tavernen ist ja immer der Preis für den Tafelwein: 6 € der Liter. Sollte mal in Deutschland ein Restaurant auf die Idee kommen, einfachen Tafelwein für 6 € auf den Tisch zu stellen. Und dazu auch noch sehr gut zu kochen.

Schon prima, wie schnell, nach nur einer Woche (!) Deutschland ganz weit weg ist. Und das dortige Wetter auch 😉

In der Nähe von MONEMVASIA

Die Anreise, so weit:
Um vom Norden des PELOPONNES ganz in den Süden zu kommen braucht man gut und gern 360 Landstraßenkilometer. Hört sich nicht viel an und die ahnungsloseren Navigationssysteme rechnen denn auch mal nur 4 Stunden Fahrzeit dafür aus. Die wissenden Navi´s kommen auf 8 Stunden. Und das ist noch optimistisch. Viel Verkehr ist gar nicht mal das Hauptproblem, eher sind es die vielen Windungen, Steigungen und engen Straßenzügen in den Dörfern, die auf dem Weg die Durchschnittsgeschwindigkeit auf unter 50 Km/h drücken. So zu fahren macht zwar auch Spaß, aber nach der bisherigen Anreise nur bedingt. Nun, man kann ja auch die Autobahn nehmen. Ist etwas länger, doch dafür ist man in nur vier Stunden am Ziel seiner Reise. Einziger Wermutstropfen: Es handelt sich um eine MAUT Autobahn und man bezahlt gefühlt ganz schön oft. Doch am Ende kommen „nur“ 34,10 Euro zusammen. Zieht man den vermutlich gesparten Diesel ab und addiert die entspannteren Nerven zur Ersparnis ist die Welt doch auch wieder in Ordnung. Einfache Formel, gell?
So konnten wir wenigstens direkt bei Ankunft noch mit Sonnenlicht ins Meer hüpfen, erstmals den neuen Außengrill in Betrieb nehmen und die Ankunft gebührend feiern.

Alleine, diesmal. Leider.

Immerhin zu zweit.

Neustadt MONEMVASIA

Bleibt noch nachzutragen, das unsere Fähre bei Ankunft in PATRAS gut fünf Stunden Verspätung hatte. Nix mit schnellerer Fahrt die Verspätung wieder rein holen. Zum Glück kamen wir recht schnell von Bord, ein Uniformierter am Hafengate wollte unsere PLF sehen und dann wurden wir auch schon in die Nacht von PATRAS entlassen. Übernachtet haben wir auf einem mehr schlecht als rechten Stellplatz 50 KM außerhalb von PATRAS (AKILO BEACH), wie immer mit PARK4NIGHT vorher ausgekundschaftet. Am Ende war der Platz zwar weit weg von eventuell finsteren Gestalten in PATRAS, aber viel zu nah an einem Wohngebiet. Für eine kurze Nacht OK. Längst schon wieder Vergangenheit.

Nun denn, schauen wir mal wohin wir weiter ziehen. So lange uns die Sonne hier fest nagelt, könnten wir ja auch einfach bleiben wo wir sind 😉

Peter.

In der Nähe von MONEMVASIA

Greece 5&6, Monemvasia

Wer glaubt schon einem Navi, das für 280 Kilometer 7,5 Stunden Fahrzeit mit dem Auto angibt?

Wir nicht.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: In den Bergen von Aigeira

Die schnellere Strecke über die Maut-Autobahn auf den Dritten Finger im Südosten des Peloponnes soll 340 Kilometer in 4,5 Stunden sein. Auf Autobahnen im allgemeinen sieht man nichts, wir haben die Anreise hinter uns gebracht, das Wetter ist mit Sonnenschein und 24°C optimal und wir haben ja Zeit.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Das Tal von Tripoli

Stellt sich nur die Frage, wieso wir am ersten Tag direkt so weit in den Süden wollen? Das ist einfach zu beantworten: Da sind Freunde von uns. Die gondeln schon seit Wochen in Griechenland herum und wir wollen einige Zeit zusammen verbringen.

Das eingebaute PIONEER NAVGATE EVO Navi an Bord soll die Camperedition sein. Was auch immer dieses Marketingsprech bedeuten mag – wie schon in Schottland im letzen Jahr wählt es Straßen oder besser Wege, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Geschweige denn von einem Wohnmobil befahren wurden. Stimmt im einzelnen natürlich so nicht, kommt uns aber so vor. Als wir schließlich eine Schotterpiste in eine wie eine Sandkuhle anmutende Senke fahren sollen zögert der Fahrer kurz, doch ein Seemann schaut bekanntlich nie zurück, also weiter!

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Unterwegs

Und so kommt es, das wir tatsächlich über sieben Stunden unterwegs sind. Ein paar Pausen zwar, aber die waren kurz. Das Landesinnere ist eigentlich ein grandiose Gebrigslandschaft und so durchfahren wir auch mal einen Gebirgspass in 1.200 Metern Höhe. Gar nicht mal so schlecht, wenn man bei Abreise aus Deutschland nur Strand, Baden und Sonne im Kopf hatte!

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Am Strand in der Nähe von Epidavros Limera (Monemvasia)

Später am Nachmittag wird es noch wärmer, wir durchfahren Gebiete mit Orangenbäumen und Olivenplantagen. Die Straßen sind nun wieder breiter und gegen 17:00 Uhr erreichen wir den Strand in der Nähe von Monemvasia, an dem bereits die Freunde stehen. Strand bedeutet hier in der Gegend wie überall auf der Welt zwar auch irgendetwas mit Meer und Sand, letzterer ist allerdings nur sehr spärlich vorhanden. Auf einem Streifen von 10 bis 30 Metern besteht der Strand direkt am Wasser aus Kieselsteinen aller Größen, mehr oder minder steil abfallend in Wasser. Also ist man entweder im früheren Leben Fakir gewesen und kann ohne Schmerzen Barfuß über den Kiesel laufen, oder man zieht sich Gummilatschen an die Füße um ins erfrischende, aber nicht wirklich kalte Wasser zu gelangen. Das ist, im Gegensatz zur Ostsee ,sehr salzig und es ist klug, den Mund zu halten. Einmal mehr.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Am Strand in der Nähe von Epidavros Limera (Monemvasia)

Am Strand stehen noch einigermaßen weit verstreut vier andere Wohnmobile. Eigentlich ist Wildcampen („Freistehen“) wie in fast allen anderen Ländern Europas auch in Griechenland verboten, doch genau Griechenland ist dafür bekannt, das es durchaus einige Plätze gibt, in denen das frei stehen geduldet, oder wohl richtiger, ignoriert wird. An vielen solcher Strände gibt es eine Frischwasserdusche und Mülleimer, Toiletten sind hingegen sehr selten. Aber die fährt ja immer mit uns.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Am Strand in der Nähe von Epidavros Limera (Monemvasia)

Vermutlich basiert die Ignoranz auf der Menge. Jetzt, im nahenden Winter sind zwar einige Wohnmobile (die meisten im übrigen aus Deutschland!) hier unterwegs, aber im Sommer werden es ungleich mehr sein und Gastfreundschaft und Toleranz werden mancher Orts offenbar über strapaziert. Daher stellen einige Gemeinden nun explizit „Campen Verboten“ Schilder auf. Im Prinzip versuchen wir die zu beachten, wenn aber wirklich nichts (Dörfer, Häuser, Höfe) und niemand (Menschen, Tiere) in der Nähe ist, verstoßen wir gegen diese Gastregel. Nicht schön. Das wissen wir selbst.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Am Strand in der Nähe von Epidavros Limera (Monemvasia)

Griechenland hat nur knapp 11 Millionen Einwohner und in manchen Landstrichen ist es sehr, sehr einsam. Zum Vergleich die Einwohner pro Quadratkilometer: Griechenland 83, Deutschland 232. Da stören wir wohl eher nicht, wenn wir uns abseits der bewohnten Gebiete halten.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Gasse in der historischen Altstadt von Monemvasia
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Kirchturm in der historischen Altstadt von Monemvasia
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Kirchen in der historischen Altstadt von Monemvasia

Am nächsten Tag leihen wir uns den mitgebrachten Motorroller der Freunde und fahren 10 Kilometer in den von außen betrachtet wenig spektakulären Ort Monemvasia. Klar, da liegt ein riesiger Felsen vor dem Ort. Aber solche absurd anmutenden Landschaften gibt es öfters auf der Welt. Über eine kleine Brücke gelangt man zum Felsen und fährt zunächst auf der von unserem Strand aus nicht einsehbaren Seite verwundert eine kleine Küstenstraße längs. Verwundert, weil hier hunderte Autos in Reihe geparkt sind. Wo sind all diese Menschen, die zu diesen Autos gehören?

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Historischen Altstadt von Monemvasia
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Historischen Altstadt von Monemvasia
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Historischen Altstadt von Monemvasia

Die Straße endet an einer kleinen Wendeschleife an deren Kopfseite sich ein kleines Portal aus massiven Steinblöcken befindet. Offenbar was antikes. Gibt es in Griechenland zuhauf. Während sich der Fahrer nun darauf einrichtet, irgend einen Betrag als Eintritt zu berappen nur um dann Ruinen längst vergangener Tage betrachten zu können, trifft ihn fast der Schlag, als er das Portal durchschritten hat:

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Historischen Altstadt von Monemvasia
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Oberstadt der historischen Altstadt von Monemvasia
Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Oberstadt der historischen Altstadt von Monemvasia

Aus dem dunklen Gewölbe wieder ins strahlende Sonnenlicht hinaus tretend, erblickt er eine niedliche kleine Gasse mit völlig intakten Häusern, kleinen Läden und Geschäftchen. Die Gasse ist mit groben Felssteinen gepflastert, nur wenige Menschen sind zu sehen. Eine Kasse, an der man einen Eintritt hätte bezahlen müssen, gibt es nicht. Dafür aber eine große Hinweistafel, das es ratsam sei, hier eine Maske wegen COVID-19 zu tragen. Dann mal auf Mund und Nase mit dem Teil, denn bei der engen Gasse ist klar, das man die 1,5 Meter Abstand zum nächsten nicht ernsthaft einhalten wird.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Weg in die Oberstadt der historischen Altstadt von Monemvasia

So pilgern wir staunend die leicht ansteigende Gasse entlang und entdecken neben den Geschäftchen auch urige Restaurants und Bars. Und kleine Gebäude, in denen sich offenbar Rezeptionen befinden. Denn da stehen Menschen mit kleinen Rollkoffern vor dem Tresen und melden sich ab oder an. Später stellen wir dann fest, das man in diesem wunderbar wieder aufgebauten historischen Dorf kleine Häuschen mieten kann. Statt langweiliger Hotelzimmer in Bettenburgen urige Steinhäuser in einer antiken Stadt. Gute Idee!

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Gasse der historischen Altstadt von Monemvasia

Die Gasse führt uns auf einen Marktplatz mit Kirche und eröffnet zur Rechten den Ausblick auf das Meer, zu linken auf den riesigen Felsen, der fast senkrecht die Stadt überragt. Nun, der geneigte Leser ahnt es sicher schon: Es gibt eine Treppe. Eine Treppe zur Oberstadt. Denn wo immer Menschen sich am Fuße eines Berges nieder gelassen haben, gab es auch immer schon Menschen, die den Gipfel dieses Berges erklimmen wollten, um über den anderen zu leben.

Während es die Mitreisende durchaus bestimmt ablehnt, die Treppen empor zu steigen, sieht der Berichterstatter seine persönliche Erstbesteigung dieses Felsbrockens im Meer geradezu als persönliche Pflicht an. So trennt sich die kleine Reisegruppe für eine Weile und verabredet den Marktplatz als Treffpunkt.

Der Aufstieg ist mühsam. Mund-Nasen-Schutz, holprige Treppen aus kleinen Felssteinen und die nachmittagliche Wärme machen neben dem jahrelangen Übergewicht den Aufstieg zur sportlichen Höchstleistung. Doch wie immer, wenn man sich anstrengt: Man wird belohnt. Belohnt mit grandiosen Blicken auf den Ort als ganzes, aber auch auf sehr schön zurecht gemachte einzelne Häuschen. Nachdem die Unterstadt zu Füßen liegt, windet sich in Serpentinen ein Treppenpfad recht schnell in die Höhe. Ein Gewölbe bildet mal wieder den Eingang und dann steht man in der Oberstadt. Jedenfalls in dem, was davon übrig ist. Denn hier sind in der Tat nur Ruinen zu sehen. Nun, was nicht ist, kann ja noch werden.

Mit dem Wohnmobil in Griechenland/Peloponnes: Unterwegs

Der Abstieg ist wie üblich nicht einfacher als der Aufstieg. Auf dem Marktplatz trifft sich die kleine Reisegruppe wie verabredet wieder und beschließt, in diesem kuscheligen Open-Air Ambiente noch einen Drink zu nehmen. Die eine Kaffee, der andere Bier. Mythos heißt das hier, im eiskalten Glas, leicht angefroren serviert. Oh Mann, wie köstlich! Der Kaffee 😉

Mit dem Motorroller am frühen Abend zurück zum Strand.

Was für ein Gefühl von grenzenloser Freiheit!

Peter.