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T74-76, Sotenkanalen, Marstrand und Högö

Vom Ankerplatz ohne echten Namen bis nach MARSTRAND sind es über 40 Seemeilen wilde herumkurverei um die kleinen und großen Felsen der schwedischen Westschären. Die Route führt durch den beschaulichen SOTENKANALEN und am geschäftigen SMÖGEN vorbei.

SOTE KANAL (Sotekanalen)

An diesem Sonntagmorgen ist es sehr still auf dem Wasser. Kaum andere Boote in Sicht und wenn, dann nur kleine Fischerboote in denen gut verpackte Männer mit ihren Angelrouten auf Fisch hoffen. Und so sind wir in der nördlichen Ansteuerung des SOTE-KANALS völlig alleine unterwegs. Das ist gut & schlecht zugleich. Gut, weil man nicht wie ein Schießhund auf viele andere Dampfer aufpassen muss. Schlecht, weil man sich selbst darum kümmern muss, das die einzige Brücke über den Kanal rechtzeitig geöffnet wird.

SOTE KANAL (Sotekanalen)

Am Ufer erkennen wir ein Schild: Ab hier möge man sich bitte bei der Brückenwache melden und die Durchfahrt klären. Der Skipper ist präpariert: Auf UKW Kanal 6 ruft er “SOTENÄS BRIDGE”, teilt seine Position mit und bittet um Brückenöffnung. Eine Frauenstimme antwortet unverzüglich: “STORMVOGEL, you are WELCOME!”. Na, das hört sich doch sehr freundlich an. Doch bedeutet “WELCOME”, dass sie die Brücke auch wirklich aufmacht?
Wir laufen weiter südlich mit knapp fünf Knoten Fahrt und nach einer weiteren Biegung kommt die Brücke in Sicht. Signal auf “Rot” und noch ist die Brücke nicht geöffnet. Also sehr langsame Fahrt voraus, um einen Wartefestmacher zu vermeiden. Da vernehmen wir das Glockensignal der Straßenschranken und die historisch anmutende Drehbrücke wird recht zügig geöffnet. Lichtsignal auf “Grün” und los gehts!

Klasse. Das klappt ja wie am Schnürchen!

SOTE KANAL (Sotekanalen)

Nordgehend kommt uns nach der Brückenpassage ein anderer Dampfer entgegen, aber der hat sich nicht über UKW Funk angemeldet und daher schließt die Brücke erst mal wieder. Spaßiger Weise muss man gar nicht funken, man kann wohl auch ein Schallsignal geben: 0,5 Seemeilen vor der Brücke LANG LANG KURZ KURZ für Südgehend und LANG LANG KURZ für Nordgehend. Wenn die Brückenwache das gehört hat, wird sie mit KURZ KURZ antworten. Na denn mal zu, ihr Schiffsschallsignalhörner dieser Welt!

Das Fahrwasser von SMÖGEN ist genau so hässlich und doof wie nordgehend. Nur und das wirklich zum Glück: Immer noch kaum Bootsverkehr, obwohl schon früher Nachmittag.

Großsegler in MARSTRAND, bereits vor ein paar Wochen auf LYR gesehen

In der Nähe von MARSTRAND dann wie üblich und an einem Sonntag ganz erst Recht: Sehr viel Bootsverkehr! Draußen vor den Felsen findet scheinbar eine Regatta statt, Urlaubssegler mischen sich mit Wochenendseglern und ganz bekloppte müssen mal wieder zeigen, wie toll sie sind und durchsegeln kreuzender Weise mit ihren großen Yachten das MARSTRAND Fahrwasser, obwohl sie sicherlich eine gute Maschine im Rumpf führen.

Ankerplatz von HÖGÖ, ca. 3 Seemeilen südlich von MARSTRAND

Nun denn, wir finden schnell einen Platz im Hafen, denn trotz Hochsaison gibt es genug freie Liegeplätze. Der Trick der örtlichen Hafenbetreiber: Mache die Liegegebühren so teuer, das hier keiner länger als nötig rum hängt. So zahlen wir 57 Euro die Nacht – echter Rekord in dieser Saison. Dafür sind die Waschmaschinen immer noch kostenlos und so holen wir uns über das Waschen schmutziger und trocknen sauberer Wäsche einen Teil der Liegegebühren zurück. Und über Müllentsorgung. Und über Wasser tanken. Und über einkaufen. Und über Pizza ToGo und so weiter und so fort.

Ankerplatz von HÖGÖ, ca. 3 Seemeilen südlich von MARSTRAND

Nach zwei Nächten ist alles erledigt und wir vorholen uns auf den Ankerplatz von HÖGÖ (57°50,8’N 11°37,6’E, 3M) etwa 3 Seemeilen südlich von MARSTRAND. Dort treffen wir unseren Segelfreund wieder. Der Ankerplatz ist klasse und so dicht an MARSTRAND, das man mit einem schnellen Dingi da mal eben vorbei brettern könnte, so man denn ein schnelles Dingi hat. Haben wir nicht. Allerdings liegen hier auch schon vier oder fünf feste Mooringsbojen der schwedischen Segelvereinigung herum, so das es hier bestimmt auch mal eng werden kann. Wir sind das zweite Boot, später kommen noch vier oder fünf dazu. Platz bleibt genug.

Ankerplatz von HÖGÖ, ca. 3 Seemeilen südlich von MARSTRAND

Das Wetter ist mittlerweile so lausig, das wir nicht mal mehr an Land gehen. Vom Schwimmen gehen ganz zu schweigen. Da auch die nächsten Tage für Süd gehende Boote nichts gutes verheißen, gehen wir am nächsten Tag direkt weiter. Der ist schließlich der harmloseste der kommenden.

Eindeutig auf Rückreise.

Und wie immer dieses komische Gefühl.

Peter.

Tag 54 bis 56: Drei auf einen Streich

Die drei sind Marstrand, Vrängö und Anholt, letzteres sicher ein kleiner Frevel.

Doch der Reihe nach:

Der Gast steigt planmäßig in Marstrand aus und wird mit dem Bus nach Göteborg, mit der Fähre nach Kiel und mit der Bahn nach Elmshorn reisen. Der Mannschaft ist der Trennungsschmerz anzumerken und auch der Skipper sorgt sich ein wenig, ob der Gast denn wirklich diese komplizierte Reiseroute meistern wird. Doch, wie immer, hilft Rationalität: Der Gast ist nicht nur einfach Kind. Wird er ja auch ewig bleiben. Nein, er ist mittlerweile selbst ein erfahrener Reisender, der hat schon ganz andere Wege in der Welt zurück gelegt.

Abschied, ein wenig Wehmut, doch wir werden uns ja schon bald wieder sehen.

Es ist bereits Nachsaison in Marstrand, doch der Liegeplatz ist super-teuer im Vergleich zu einem Ankerplatz. (Toller Vergleich, oder?) Der Unterschied liegt jedoch nicht nur einfach im Preis. Die Nutzung der Waschmaschinen im Hafenhaus ist mittlerweile im Liegegeld enthalten und so waschen wir tapfer 4 (in Worten VIER) Ladungen und trocknen sie auch gleich. Schon erscheint einem das Liegegeld sehr angemessen, geradezu attraktiv! Doch wir würden nicht soweit gehen, das man nach Marstrand gehen sollte, um seine Wäsche zu waschen.

Eine kurze Abkühlung an der nahe gelegenen Badestelle, eine leckere Pizza am Hafen in neuer alter Zweisamkeit und die Entscheidung, am kommenden Tag nach Vrängö, südlich von Göteborg zu gehen.

Einmal mehr vollständig unter Maschine.

Auf dem Weg dorthin scouten wir zwar noch die eine oder andere alternative Ankerbucht, doch an einem Sommerwochenende in der Nähe von Göteborg braucht man wohl nicht ernsthaft nach Ruhe und Abgeschiedenheit zu suchen. Jeder Schwede hat mindestens ein Boot. Und wenn die Sonne scheint, ist er damit unterwegs. Logisch.

Eigentlich wollen wir in den netten kleinen Hafen von Vrängö, doch gleich gegenüber der Hafeneinfahrt liegen ein paar Boote bei nahezu völlig glattem Wasser auf Anker. Ein Blick in die Seekarte verrät, das man hier ganz gut aufpassen muss: Ein Felsen mit 1 Meter Wasser darüber, ein anderer mit 1,5 Meter. Gut, das sich Felsen in der Regel nicht bewegen und man diese Untiefen mit langsamer Fahrt und Sicherheitsabstand gut umschiffen kann.

Wir ankern etwas zu nah an einem Tagesausflügler auf 6 Meter Wasser (57° 34,8’N 11° 45,4’E) vor den unbewohnten Felseninseln Lockholmen, Mavholmen und Mavholmeskar. Der Tagesausflüger geht am späten Nachmittag Anker auf und so liegen wir ohne eigenes Zutun perfekt.

Keine Quallen in Sicht und der Skipper stürzt sich erst mal tapfer in die Fluten.

Benötigt er doch ein wenig Abkühlung, denn er muss sich endlich mal entscheiden:
Wir wollen stramm nach Süden. Aber hier oben im Kattegatt ist auf Tage hinaus kein Segelwind angesagt. Einfach gar kein Wind. Erst südlich von Anholt wird es wieder wehen. Nun könnte man Stur hier liegen bleiben und warten…oder unter Maschine die 55 Seemeilen nach Anholt abspulen und direkt am folgenden Tag unter Segeln gut nach Samsö kommen.

Keine leichte Kiste. Selbst wenn man die naheliegenden Termine mit einem kurzen Landabstecher per Mietwagen erledigen könnte, Mitte September wäre unsere Segelsaion sowieso vorbei, da die Mannschaft zur Reparatur muss und zwei, drei Wochen ausfällt.

Außer in den Schären sind wir in dieser Saison nicht besonders viel motort und so entscheidet sich der Skipper am späteren Abend für die klassische Form des Niederländischen Segelns: Motorsegeln.

Die Mannschaft ist´s zufrieden. Hauptsache Süd!

Sehr früh los, gegen 6:00 Uhr. Herrlich. Diese Stille! Einmalige Stimmung am frühen Morgen, nur der Wind fehlt. Die letzten Felsen an der schwedischen Südwestküste, dann bis zum Horizont nur noch Wasser. Jede Menge blaues Wasser. Auch mal wieder gut zu sehen.

Wir setzten und trimmen das Groß und machen später dadurch gut 0,5 bis 1,0 Knoten mehr Fahrt. Durch den seit Tagen fehlenden Wind gibt es auch absolut keine Welle. Wie ungewöhnlich auf dem offenen Meer. Die Schifffahrtswege passieren wir ohne Ausweichmanöver.

Irgendwann am Nachmittag kommen wir auf Anholt an. Das Wochenende ist vorbei, die dänischen Ferien auch. Ergebnis: Der Hafen ist nur zu einem drittel belegt und fest in deutscher Hand. Schnell den Dampfer aufgeklart, noch ein paar Sachen einkaufen (…der Laden am Hafen ist noch geöffnet!) und dann geschwind an den einmaligen Strand in das einmalige Wasser! Wenigstens für eine Stunde oder so. Mitnehmen, was geht.

Die Mannschaft bleibt unternehmungslustig und wir pilgern später zum Sundowner in die Orakel Bar am Hafen. Noch einen Sonnenuntergang ansehen. Hatten ja in diesem Jahr erst 1.000 oder so. Der Skipper, experimentierfreudig wie er nun mal ist, möchte standesgemäß einen roten Cocktail im tiefroten Abendrot genießen und beauftragt die Mannschaft, eine Bloody Mary am Tresen zu beschaffen.

Ein Fehler, wie sich kurze Zeit später heraus stellt.

Denn offenbar hat die Mannschaft den Barmixer bestochen und ihn dazu veranlasst, beim Mixen auf jeglichen Wodka zu verzichten und so sitzt der Skipper leicht betrübt im Abendrot mit seinem vereisten Tomatensaft, während die Mannschaft frohlockend an ihrem leckeren kalten Bier nippt.

Es gibt halt wirklich nichts ehrlicheres als ein einfaches, kaltes, frisch gezapftes Bier.

Peter.