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Tag 7, Mommark Triathlon

Das mit dem Treffen von Segelfreunden hat weder auf LYÖ noch in MARSTAL geklappt.

Absolut kein Wetter für berufstätige Segler.

Also vorholen wir uns am Montag erst mal zu anderen Freunden auf der Halbinsel ALS. Zielhafen MOMMARK, knapp 20 Seemeilen von MARSTAL. Mit den angesagten 20 Knoten Wind aus Süd-Ost sicher gut zu machen.
Da waren wir noch nie und die Hafenangaben über MOMMARK reichen von “geschlossen” über “versandete Ansteuerung” bis “gemütlicher Gasthafen”. Kann man sich wohl was aussuchen? Den Skipper stört die erwartete Welle bei Ankunft. Die steht natürlich voll auf den hoffentlich gebaggerten Einlaufkanal. Doch es herrscht ja nun wirklich kein Sturm, sondern “nur” 20 Knoten. Kann ja wohl nicht so schwer sein?

Kleiner Yachthafen in Momark mit Schwimmstegen

Ist es auch nicht.

Vier große Spierentonnen markieren den kurzen Kanal, zwei kleine Kanister unmittelbar vor den Molen geben letzte Gewissheit. Und schon ist die Welle auch weg. Einfach gegen den Wind längsseits an den Schwimmsteg, der Anleger verdient leider dennoch nur ein “ausreichend”, da wir irgendwie noch nicht ganz klar mit den Leinen waren und die Spring nur als großes Wuhling auf den Steg ging. Wie peinlich!

Ententeich, einen Tag später bei Westwind

Merke:
Skipper war zu schnell für die Mannschaft und die Mannschaft hätte auf die Idee kommen können, eine kürzere Leine als Spring zu nehmen. Kann und wird besser werden. Wie jedes Jahr. Zuversicht!

Kaum angekommen, geht es auch schon zu Fuß zu den Freunden. Bus war geplant, doch der fährt wegen Feiertag leider nicht, wie sich erst nach Studium der Haltestelleninformation herausstellt. 9 Kilometer auf der Straße. Wie anstrengend! Die am Morgen noch in MARSTAL besorgte Erdbeertorte wird ganz ordentlich durchgeschüttelt. Bei Kilometer 7 fragt sich der Skipper, was er hier eigentlich genau macht? Lieferdienst für dänische Erdbeertorten á la Delivery Hero? Ja klar, in jedem Fall Hero!

Mehr Hafen ist nicht. Das ist alles.

Entsprechend spät kommen wir an, freuen uns bekannte Gesichter zu sehen und hoffen auf geliehene Fahrräder für den Rückweg. Die bekommen wir auch, doch die beiden Teile sind wahre Höllenmaschinen. Sättel, die eher einer Sattelstange denn einem komfortablen Seniorensattel nahe kommen, eine Gangschaltung, die das Studium der Raketenwissenschaft voraussetzt und natürlich, kein Licht. Aber: Einem in der Fremde geliehen Drahtesel schaut man auch in Dänemark nicht ins Maul. Auch nicht auf den Sattel, die Gangschaltung oder dem Licht. Schon gar nicht, wenn die eigenen Füße nicht mehr tragen!

Und so schaffen wir im Grundsatz doch eher faulen Menschen es doch glatt, an einem Tag 20 Seemeilen zu segeln, 9 Kilometer zu Fuß zu gehen und noch mal 9 Kilometer mit dem Fahrrad zu fahren.

Hat der Skipper doch glatt irgendwie die Buchungsbestätigung für den OSTSEE Segeltörn 2021 nicht richtig gelesen?

Da stand doch nichts von Super-Aktiv-Urlaub?

Oder etwa doch?

Ach, im Kleingedruckten?

Nein.

Doch.

Uuurrrrrrrr!

Peter.

Ohne Worte

Tag 4,5,6: Aerö

Da ist es wieder!

Es ist sofort wieder da. Hervorgekrochen aus der untersten Bilge.

Unbemerkt hat es das Kommando an Bord übernommen. Heimlich, still und leise. Beharrlich in der Absicht, unbeschwert in der Ausführung.

STORMVOGEL im Gasthafen von MARSTAL

Das gemeinhin bekannte Bord-Lotterleben hat uns voll vereinnahmt!

So schnell, wenige Tage nur hat es gedauert. Eigentlich sogar noch in Stunden auszudrücken.

Zugegeben. Beim Skipper hatte das Bord-Lotterleben wie üblich ein leichtes Spiel. Einmal in einem Hafen angekommen verliert er nur zu leicht die Kontrolle und diese heimliche Macht aus der Bilge kann ohne große Mühe die Kontrolle über den wichtigsten, weil einzigen Mann an Bord übernehmen. Bei der Mannschaft fällt ihr das schon schwerer. Fängt diese doch in der Regel an, den Dampfer aufzuräumen, gar zu putzen! Doch auch dieses ungebührliche Verhalten von getarnten Landratten schwächt sich zusehends bei der Mannschaft ab. In diese aufklaffende Lücke breitet sich das Bord-Lotterleben somit auch bei jenen aus, die Standhaft bleiben wollen.

Tisch im Garten

Kann Mann machen nix.

Frau im übrigen auch nix.

Die Koje wird je nach Wetterlage am Vormittag verlassen. Regnet es, dauert es länger. Scheint die Sonne, auch mal früher. Nur selten erbarmt sich einer der beiden Reisenden, wenigstens nur kurz die Koje zu verlassen um die Heizung einzuschalten. Denn das ist im Moment allen Tagen, egal ob Regen oder Sonne, gemein: Kalt, kalt, viel zu kalt.
So eine belegte Doppelkoje, zumal eine warme, ist da schon deutlich attraktiver als der kühle Decksalon am Morgen.

Strandhäuser in MARSTAL

Nun, irgendwann ist mal also kurz vorm Wundliegen und steht endlich auf. Eine kocht Kaffee, der andere wartet geduldig auf dessen Fertigstellung, während er durch aufmerksamen Rundumblick die Lage sondiert. Sitzen beide endlich beim Kaffee, werden Vorsätze für den neuen Tag gemacht. Zumeist gilt es, die wichtigste Frage des Tages zu klären: Was gibt es heute Abend zu essen? In der Regel ergibt sich daraus eine kleine Pilgerreise in das Zentrum von MARSTAL.

Hochzeitshaus am Strand von MARSTAL

Nach der zweiten Tasse Kaffee fällt dem Skipper in der Regel endlich auch ein sinnvoller Bootsjob ein, den man mal erledigen könnte. Betonung liegt auf “MAL”. Also nicht jetzt, nicht hier und heute, schon gar nicht unmittelbar. Die Mannschaft in ihrer nahezu unmerklichen Bestimmtheit verfügt dann aber doch ein “Was Du heute kannst besorgen, verschiebe nicht auf Morgen” und der Skipper überlegt als nächstes, wie er aus der Nummer wieder raus kommen könnte.
Doch vertiefen wir an dieser Stelle diese kleine Schraubereien am Boot nicht weiter, sondern wenden uns wieder dem viel schöneren Bord-Lotterleben zu.

Anker des Küstenmotorschiffes SAMKA in MARSTAL

Verlangt also der abendliche Speiseplan einen Besuch des Supermarktes wird ein Rucksack als Transportbehältnis gewählt, die Wanderschuhe angezogen und mit Chance vor Aufbruch klugerweise sogar ein Einkaufszettel geschrieben.

Navigationshinweis für Leute mit schwachen Navigationskenntnissen

Der Weg vom Gasthafen zu eben jenem begehrenswerten Einkaufstempel namens Burgsen führt an der alten Schiffswerft vorbei in die kleinen Gassen und Straßen von MARSTAL. Die kleinen Häuser mit ihren Sprossenfenstern sind alle bunt zurecht gemacht und strahlen eine große Gemütlichkeit aus.
Erreicht man die kleine Einkaufsstraße hat man es fast geschafft. An deren Ende liegt eigentlich das Ziel. Nur wird es nun zunehmend schwieriger, dieses auch tatsächlich zu erreichen, wird man je nach Tageszeit doch durch allerlei interessantem links und rechts des Weges abgelenkt. Die eine mehr, der andere weniger.

Schutzhütte für Fischer

Endlich dort angekommen, wo es die Dinge zu kaufen gibt, die erst Stunden später gebraucht werden, fällt es schwer standhaft zu bleiben und sich an den Einkaufszettel zu halten. Erdbeertörtchen, Fischfrikadellen und Tuborg Classic in Dosen stehen nicht darauf, verlangen aber dennoch nach Beachtung.

Der Grund für jene unerfindliche Empfänglichkeit für diese geradezu luxuriöse Verführung ist schnell gefunden:

Dieses elendige Bord-Lotterleben!

Endlich eine neue Farbe!

Nun denn, wer schwelgen will muss zuvor leiden. Jedes Erbeertörtchen, jede Fischfrikadelle, ja ein jedes Tuborg Classic will verdient sein! Und damit ist nicht der kurze Weg zwischen Boot und Supermarkt gemeint.
In trauter Zweisamkeit strolchen Skipper und Mannschaft zu Fuß sozusagen in jeder freien Minute (nein, nein, keine Übertreibung) über die Insel. In die Nähe zu den hübschen, bunten Strandhäusern, oder in das ferne Aerösköbing. Immerhin 11 Kilometer. One Way! Aber nur, nach dem die beiden heraus gefunden haben, das der Inselbus auch an Feiertagen verkehrt. Ein Rückmarsch auf eigenen Füßen würde wohl bleibende Schäden verursachen?

Zurück an Bord:

Irgendwo muss doch hier noch ein Stück Schokolade sein?

Ach, dieses herrliche Bord-Lotterleben lässt einen nicht los.

Peter.

Zerbochener Steg
Kleiner Steg

Tag 3: Marstal

Ursprünglich haben wir uns über Pfingsten mit Segelfreunden auf LYÖ verabredet. Doch der Wetterbericht verheißt nichts gutes. Regen und starker Südwind – das macht dann keine wirkliche Freude auf Anker. Wenn es sein müsste, dann würde es wohl gehen, aber es muss ja nicht sein.

Sonne in Sicht

Ausweichtreffpunkt ist MARSTAL. Da kann man bei jedem Wetter im Ort rumstrolchen, gemütlich an Bord im Hafen Bücher lesen oder auch mal angespültes am Strand suchen.

Aufbruch um 0730, der Himmel wolkenverhangen, keine 10°C. Vom Westwind ist hier dicht unter Land noch nichts zu spüren, aber der kommt schon noch. Bei dem Himmel. Auf der ganzen Kieler Förde sehen wir nur drei andere Sportboote. Könnte wohl auch November sein?

Kiel Leuchtturm achteraus

Querab von STRANDE setzen wir Vollzeug. Ganz in Ruhe, denn nach dem Anschlagen der Segel ist es ja das erste Mal in dieser Saison, das diese “white flappy things” wieder am Mast hängen. Und siehe da, nach dem auch das große Yankee draußen ist laufen wir gute 6 Knoten. Brüllaffe aus, es wird gesegelt!

So läuft es eine Weile, irgendwann sind wie bei 7+ Knoten, die Welle ist OK und dem ersten Törn der Saison durchaus angemessen.

Aus dem Ei gepellt, gell?

Kommt ein Schmetterlingssegler von Backbord. Wie doof. Wer muss denn nun wem ausweichen? Äh, noch mal kurz ins Buch schauen. Könnten wohl wir selbst sein? Ach nö, keine Lust, läuft doch so gut. Also Stand-By hinterm Ruder im zugigen Wind, jederzeit bereit in den Wind zu schießen, sollte es doch zu knapp werden. Aber dank einer kräftigen Böe sind wir gut 300 Meter vor ihm rüber.

Keiner da

Knapp zwei Stunden später wird die Sache mit dem Ausweichmannöver größer. Ein riesiger Saugbagger stiehlt offenbar Sand von einer 6 Meter Untiefe in der Marstal Bucht. Heimlich, still und Leise. Schon ganz gut abgeladen, das Arbeitsschiff. Kaum sind wir in der Nähe, macht sich der vermeintliche Dieb auf nach Süden. Wie gut, das wir ihn Windwärts passieren und so mehr als genügend Abstand behalten.

Noch eine Stunde später erreichen wir die Ansteuerung des Marstal-Fahrwassers, bergen in aller Seelenruhe die Segel, schmeißen den Brüllaffen an und gehen wie gewohnt in den gebaggerten Kanal.

Keine schlechte Fahrt…

Wie gewohnt?

Irgendwas ist anders, stellt der Skipper mit einem Male verdutzt fest.

Wieso steht ER, der Skipper, nicht am Ruder?

Wieso posiert da angeberisch mit beiden Beinen auf beiden Backskisten abgestemmt stehend die Mannschaft herum und steuert den STORMVOGEL?

Na ja, denkt sich still der Skipper: Hat sich wohl so ergeben und die paar Fender und Leinen kann er ja auch mal selbst klar machen. Durch die Bewegung wird ihm bestimmt auch wieder warm. Der Mannschaft wird noch mollig warm sein, hat sie doch während der Passage ein paar hundert Seiten eines neuen Buches im Deckssalon verschlungen und dem Skipper so das Gefühl vermittelt, er sei Einhand unterwegs.

Kurz vor der Hafeneinfahrt regt der Skipper vorsichtig an, etwas Fahrt heraus zu nehmen, damit der 90° Backbord-Abzweig nicht zu schwungvoll genommen wird. Kurz darauf möchte die Mannschaft aus unerfindlichen Gründen dann doch lieber das Ruder abgeben und will wissen, wie wir denn heute genau fest machen.

Immer diese Fragen.

Woher soll ein Skipper so was wissen?

Es ist einfach.

Der STORMVOGEL ist das schönste Segelboot im Gasthafen und darf sich daher den Liegeplatz auch frei aussuchen.

Oder liegt beides schlicht daran, das kein anders (gar kein anderes!) Boot da ist?

Ein jeder, der MARSTAL ein wenig kennt und den Kalender im Kopf hat, bekommt wohl das kalte Grausen. Der Hafen ist um diese Jahreszeit immer voll, an Wochenenden dann übervoll. Jetzt also das Gegenteil von voll.

Aha, endlich mal wieder ein echtes Schiff!

Der böige Seitenwind macht den Anleger schwieriger als eigentlich nötig, klappt aber doch ganz gut und trotz der äußeren Leere fühlen wir uns innerlich schon mal sehr erfüllt. Gute erste Passage 2021 beendet, die Sonne kommt raus, Erbeertörtchen und Fischbrötchen im Ort warten schon bestimmt auf uns.

Schauen wir mal, was die kommenden Tage außer Regen und Wind noch so bringen.

Peter.