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T73, Langö, Furön, Valön

Passiert uns wirklich nicht oft.

So ganz genau wissen wir diesmal nicht, wo wir sind. Geografisch, nach Länge und Breite natürlich schon. Die zeigt das GPS Gerät mit 58°29,4’N 11°18,0’E klar und deutlich an. Immerhin etwas.

Schwedische Westschären: Bei Langö, Furön, Valön

Dem Namen nach wissen wir aber diesmal nicht, wo wir sind. Liegen wir nun auf Anker vor Langö, vor Furön oder gar vor Valön?

Schwedische Westschären: Bei Langö, Furön, Valön

Nicht, das es wirklich eine Rolle spielen würde. Hier ist es schön, ruhig und dem nahen Saisonende entsprechend auch fast einsam. Wer braucht da schon einen genauen Ortsnamen? Doch unterschwellig kommt man sich schon recht doof vor. Offenbar so eine Art Zwangserdung für ansonsten alles wissende Skipper. So jedenfalls die Selbsteinschätzung eben jenes handelnden.

Schwedische Westschären: Bei Langö, Furön, Valön

Wie geplant kommen wir am frühen Nachmittag auf dem sehr großzügigen Ankerplatz an und haben daher genug Zeit, mit dem Dingi das Land ein wenig zu erkunden. Spektakuläre Aussichten ergeben sich, als wir den dicken Felsbrocken direkt vor des STORMVOGELS Bug erklimmen. Der Aufstieg ist wie so oft einfach, herunter müssen wir an anderer Stelle doch auch mal auf dem Hosenboden rutschen. Seeleute sind halt keine Bergsteiger. So nackt wie die Felsen auf den ersten Blick hin wirken, sind sie bei näherer Betrachtung gar nicht. In Kuhlen haben sich kleine Regenwasser gespeiste Tümpel gebildet, oft umsäumt von Heidekraut, das bereits in prächtigen Farben blüht.

Schwedische Westschären: Bei Langö, Furön, Valön

Die dichten Wolken über uns wirken mittlerweile bedrohlich, doch auch die gehören eindeutig zum schwedischen Sommer. Das einzige, sehr einfache Ferienhaus weit und breit, erhaben über der Bucht thronend, hat schon was besonderes. Lage, Lage, Lage. Es stehen Autos vor der Tür, also muss es irgendwo einen Weg zum Festland geben. Wäre bestimmt reizvoll, von dort oben das Kommen und Gehen der Segelyachten in der Bucht bei dem ein oder anderen Glas Rotwein zu beobachten. Und zwischendurch vielleicht ein paar Zeilen zu schreiben?

Schwedische Westschären: Bei Langö, Furön, Valön
Schwedische Westschären: Bei Langö, Furön, Valön. Kühe am Strand.

Ein kleines Rätsel geben uns die Kühe am Strand auf. Am Sandstrand, wohlgemerkt. Woher wissen die Tiere, das es am Strand am schönsten ist? Würden Kühe nicht einfach saftige Wiesen, gleich nebenan großzügig vorhanden, bevorzugen? Sind das eventuell auch solche Luxuskühe wie ihre damals auf dem Berg in England sonnenbadenden Artgenossen? Ist Höhenluft besser als Seeluft? Oder umgekehrt? In jedem Fall scheinen sie intelligent zu sein.

Schwedische Westschären: Bei Langö, Furön, Valön. Kühe am Strand

Denn am nächsten Morgen verlagern die Kühe ihr beschauliches Beachcamp von dem einen Strand unterhalb des Ferienhauses an einen anderen, etwas südlicher gelegen Strand. Doch der einzige Weg dahin führt durch das Wasser. Durch das salzige Meer! Wie kommt man wohl als gemeine Kuh auf solch komischen Ausflüge? Einfach Rätselhaft.

Schwedische Westschären: Bei Langö, Furön, Valön. STORMVOGEL vor Anker

Die Nacht verläuft sehr ruhig und am nächsten Morgen geht es gleich weiter, weil wir uns in MARSTRAND neu verproviantieren wollen und, viel wichtiger, einen Segelfreund treffen möchten, den wir vor langer Zeit im Pazifik auf der Insel NIUE kennen gelernt haben.

So werden wir das Geheimnis der schlauen Kühe von Langö, Furön oder Valön in diesem Jahr wohl nicht mehr lösen. Und schon gar nicht heraus finden, wo wir da eigentlich genau geankert haben.

Ist vielleicht auch besser so.

Wer keine Namen kennt, der kann wenigstens auch keine vergessen.

Peter.

T70-72, Die Insel Resö

Die Insel RESÖ liegt bummelig 20 Seemeilen (40 Kilometer) südlich von STRÖMSTAD in den schwedischen Westschären. Eigentlich war es mal eine richtige Insel, also per Definition einer Insel vollständig von Wasser umschlossen. Doch irgendwann hat man einen Damm zu der nach GOOGLE MAPS (unglaublich, namenlosen oder? GOOGLE weiß doch nicht alles!) Nachbarinsel und dem Festland gebaut. Dadurch wurde der Autoanschluss an die E6 Schnellstraße zur Minutensache.

Straßenverbindung auf die Insel RESÖ

Und so kommt es vermutlich das eine eigentlich einsame Insel im großen Nationalpark KOSTERHAVETS geradezu durchsetzt mit schwedischen Ferienhäusern ist. In der Nähe des Damms gibt es tatsächlich richtige Bauernhöfe, ansonsten nur unendlich viele Ferienhäuser. Manche einsam und malerisch in die Landschaft eingebettet, viele andere in regelrechten Siedlungen, die jetzt in den schwedischen Sommerferien auch gut belebt wirken. Jeder so wie er will.

Fereinhaus auf der Insel RESÖ

Wir sind nun offiziell südgehend und liegen ein paar Tage auf dem sehr guten Ankerplatz vor LÖNNTÄG im Südosten (Position 58° 47,9’N 11° 11,7’E, 6M) von RESÖ. Vor ein paar Wochen, noch nordgehend hatten wir das Ziel KOSTER INSELN vor Augen und sind nur eine Nacht vor RESÖ ohne Landgang geblieben, jetzt erkunden wir ausführlich mit dem Dingi die Insel. Zunächst zu Fuß über einen gut markierten Wanderweg (“grün”) in den kleinen Ort am Westende der Insel. Später fahren wir tatsächlich noch mal mit dem Dingi außen um die Insel herum. Eine Reise von gut 2,5 Seemeilen – one way! Das ist insofern erwähnenswert als das das Vertrauen in den lange meckernden Außenborder wieder hergestellt ist. Ein neuer Vergaser bewirkt wahre Wunder bei so einer kleinen Höllenmaschine.

Ankerplatz vor der Insel RESÖ

Der Ort RESÖ bietet einen kleinen Supermarkt, eine Landbäckerei samt Café vom feinsten und einen Hafen, vornehmlich für kleine Motorboote, aber an den Außenstegen liegen auch größere Segelyachten und richtige Motorkreuzer. Drei Fischkutter finden auch ihren Platz. Recht harmonisch in die Landschaft passend.

Bäckerei und Cafe PANGET auf RESÖ
Bäckerei und Cafe PANGET auf RESÖ

Direkt bei unserem Ankerplatz bei LÖNNETAG gibt es nur eine kleine Pier für einheimische Motorboote. Hervorragend als Dingipier geeignet. Dort angelandet werden die mitgebrachten Wanderschuhe angezogen und es geht ein kurzes Stück westwärts durch die kleine Ansammlung von Ferienhäusern. Dann verlässt man die autotaugliche Schotterpiste und biegt rechts auf den Wanderweg “grün” ab, direkt in den dichten Wald. Der Pfad ist nicht zu verfehlen und windet sich munter durch die Bäume und das Gebüsch. Ein verwunschener See entlang des Weges und schon ist man im Außenbezirk des Ortes RESÖ. Logisch: Nur Ferienhäuser, was auch sonst. Hier ist die Straße nun asphaltiert und per GOOGEL MAPS orientieren wir uns dorthin, wo wie einen Supermarkt vermuten.

Steg auf der Insel RESÖ. Sieht wacklig aus, ist es auch

Zuhause ist Einkaufen oft eher eine Pflicht, auf so einer langen Reise in unbekanntem Revier sind die kleinen Supermärkte entlang des Weges so etwas wie eine Mission. Hier gibt es immer wieder was zu entdecken, in der Regel die ein oder andere Leckerei, natürlich. Berge von Lebensmittel kann man so nicht einkaufen, der Rückweg wäre viel zu lang. Einen soliden Grundstock an Lebensmitteln haben wir ja sowieso immer an Bord. Aber das I-Tüpfelchens darf durchaus so gesucht werden.

Im Hafen von RESÖ
Im Hafen von RESÖ

Direkt neben dem kleinen Supermarkt ist die Bäckerei PANGET. Durch eine offene Tür können wir eine Palette mit 25 Kilo Mehlsäcken in der Backstube sehen, hier wird tatsächlich selbst gebacken!  Die Erkenntnis alleine ist schon Grund genug, sich hier nieder zu lassen, einen Kaffee zu schlürfen und eine süßes Gebäck zu vernaschen. Und die vorbei kommenden Leute zu beobachten. Keiner geht hier mit einer kleinen Tüte weg. Manche müssen warten, bis alle Tüten mit gebackenen Köstlichkeiten zusammen gestellt sind. In der Regel blendend aussehende junge Eltern mit ihren noch bezaubernder wirkenden Kinder. Absolute Bullerbü Idylle wohin man blickt. In dieser Massivität fast schon ein wenig bizarr, denn das ist natürlich nicht die Wirklichkeit in der wir in Westeuropa leben.

Dingitour um RESÖ

Coffee-Refil, so wie in Amerika üblich, erleben wir in den schwedischen Cafés auch allerorten. Nix mit der deutschen Frage nach “Kännchen oder Tasse?”. Man bekommt einen frisch gespülten Pott und geht zur Kaffeestation, an der Milch, Zucker und eben der Kaffee steht und bedient sich selbst. Man geht noch mal hin, wenn der Kaffee schmeckt. Und nochmal, wenn man noch bleiben möchte und das Treiben um einen herum weiter beobachten möchte. Und vielleicht nochmal, wenn man immer noch keine Lust auf den Rückweg hat.

Klare Sache: Wir sind im KOSTERHAVETS NATIONALPARK

An einem anderen Tag spazieren wir ostwärts, landen leider relativ früh´ auf der engen Straße die auf das Festland führt und machen uns wenigstens ein Bild von dem Damm. Die Mannschaft möchte nicht darüber gehen – einen eigenen Fußweg gibt es nicht und trotz Ausweichbuchten ist die Fahrspur so eng, das die Mannschaft um ihre körperliche Unversehrtheit fürchtet. Alleine möchte der Skipper des STORMVOGELS sich auch nicht in unnötige Gefahr begeben, also pilgern wir auf gleichem Wege zurück.

Im Hafen von RESÖ
Im Hafen von RESÖ

Der Vorteil an so einem einsamen Ankerplatz (wir waren die ganze Zeit alleine) ist, das man schwimmen gehen kann, wenn man will. Jederzeit. Nun, ganz alleine waren wir da draußen dann doch nicht. Denn ab und zu trieb eine der furchterregenden Feuerquallen vorbei und vermieste uns kurzfristig die Aussicht auf eine (erhebliche) Abkühlung. Die Strategie der ansonsten eher furchtlosen (andere sagen naiven) STORMVOGEL  Crew ist folgende: Aufmerksamer Rundgang an Deck, das Wasser in der nähren Bootsumgebung fest im Blick. Kein rotes Monster in der Nähe – ab ins Wasser. Das wird wie gewohnt und dem Alter entsprechend über die Badeleiter und die Badeplattform am Heck einigermaßen komfortabel erreicht. Der Skipper, ausgerüstet mit Taucherbrille und Schnorchel, selbstverständlich zuerst. Keine Sorge, davon wird es nie Bilder geben.

Die gemeine rote Feuerqualle – ein rotes Monster im Meer

Kurzer Rundumblick unter Wasser. Ist kein rotes Monster in Sicht, folgt die Mannschaft. Sind beide im Wasser, wird auf der Sonnenseite zum Bug geschwommen, immerhin satte 14,5 Meter. Der Skipper als Scout voraus, die nähere Unterwasserumgebung fest im Blick. In der Regel kann er die ein, zwei Meter in die Tiefe zeigende Ankerkette erkennen, aber dann verliert sich ihre Spur. Obwohl nur auf fünf bis sieben Meter Wasser liegend, kann man nie den Grund erkennen. Kein Vergleich zu anderen Orten auf der Erde. Auch nicht so wichtig. Irgendwo da unten wird der Anker schon sein. Ein rotes Monster mit seinen elendig langen Tentakeln frühzeitig in der Nähe zu sehen schon eher.
Elegant wird schwimmender Weise die Ankerkette gekreuzt um dann auf der Schattenseite des Bootes die 14,5 Meter zum Heck zurück zu schwimmen. Je nach Lust und Laune wird noch eine zweite Runde gedreht, eher selten eine Dritte. Man bedenke: Das wären ja auch schon knapp 100 Meter und Olympia ist eh´ schon vorbei.

EIne Feuerqualle dicht an Land – gefangen in den Algen

Doch während die Mannschaft einfach nur vergnügt so durch das Wasser planscht, hat der Skipper mit seiner Schnorchelbrille neben der Beobachtung der roten Monster gleich zwei weitere ernsthafte Aufgaben zu erledigen. Als da wäre zum einen: Reinigen des weißen Wasserpasses mit dem Zauberschwamm. Üblicherweise ist dieser nach einem Aufenthalt in einem Hafen nicht mehr weiß. Das geht natürlich gar nicht. Makelloses Auftreten ist des STORMVOGELS erste Pflicht. Zum anderen gilt es, die Funktion der unter Wasser befindlichen Logge wieder herzustellen. Die Logge misst mit einem kleinen Schaufelrad die Geschwindigkeit, die das Boot durch das Wasser macht. Nach ein paar Tagen des Stillstands nisten sich irgendwelche Meeresbewohner in den komfortablen Schaufelrädern ungefragt ein und blockieren dieses mit ihrer bloßen Anwesenheit. Das geht so natürlich nicht! Wenn die Bordelektronik nicht weiß, wie schnell das Boot durch das Wasser fährt, kann sie auch nicht die wahre Windgeschwindigkeit und die wahre Windrichtung errechnen und dem Skipper anzeigen. Also taucht der Skipper kurz ab, dreht die Schaufelräder mit der Hand und schmeißt somit die unliebsamen Passagiere aus ihrem Versteck und fertig ist.

Kleiner Etikettenschwindel: Das Bier wird nicht auf RESÖ gebraut, sondern in STRÖMSTAD



Nun werden die wahren Seeleute unter uns erwidern:

Was braucht ein echter Skipper denn die Navigationselektronik um den wahren Wind zu erkennen?

Tja, an dieser Frage ist leider was dran und ich werde darüber noch eine kleine Weile nachdenken müssen.

Peter.

Im Wald von RESÖ
Verwunschener See auf RESÖ
Weg auf RESÖ
Einfacher, aber sichtbare Markierung des “grünen” Wanderwegs

Tag 48&49, Danholmen

Die Überfahrt von Skagen in die Schwedischen Westschären ist perfekt.

Halbwind, kaum Welle, Sonnenschein!

Den vor der Schwedischen Küste nordlaufenden Strom kennen wir zwar schon, sind aber doch wieder von dessen Heftigkeit überrascht. Neben dem Vorhalten des Boots erkennt man die Strömung sehr gut an den Fischerbojen, die heftig umspült werden.

Die anzusteuernde Ankerbucht bei Danholmen haben wir aus einem Buch von Per (ODA): HAVENGUDIEN 5 (ISBN 978-82-92284-97-1). Es gelingt, trotz einiger zu passierenden Felsen und Inseln, den Ankerplatz komplett unter Segeln anzusteuern, wenn auch am Ende der Wind einschläft.

So fällt nach 37 Seemeilen auf 9 Meter endlich mal wieder der Anker in Position 56° 06,9’N 11°25,5’E. Ein paar mehr Boote sind auch hier, aber die Bucht ist groß. Es gibt die klassischen Felslieger (Bug an Fels mit Leine, Heckanker), 7 Boote hängen an drei Mooringbojen und ein paar Ankerlieger wie wir.

Alle an Bord wollen sofort schwimmen gehen – doch im Wasser sehen wir jeden Menge Feuerquallen. Das wird erst mal nichts. Dann pumpen wir doch schon mal das Dingi auf und machen den Außenborder klar. Vielleicht kann man ja in der Nähe der Felsklötze schwimmen gehen?

Nein, kann man nicht. Die spätere Erkundungstour bringt jede Menge Feuerquallen, Seetang und Algen in Felsnähe. Also hier fällt Schwimmen leider aus.

Mit dem Dingi setzten wir zum größten Felsen über und erklettern ihn kühn. Nur so können wir uns mal einen Überblick verschaffen, wo wir hier wohl gelandet sind. Ein paar gute Fotos gelingen, der Gast wird temporär auf einer Mini-Felsinsel ausgesetzt…und vertraut offenbar dabei darauf, das die Eltern wieder kommen.

Schließlich liegt der Stormvogel im Sonnenuntergang und zeigt sein schönstes Ankerantlitz.

War eine gute Idee, nach Schweden rüber zu segeln.

War eine gute Idee, nördlich vom schon bekannten Marstrand den Landfall zu planen.

War eine gute Idee, segeln zu gehen.

Peter.