MAROKKO 2022 MT69-71 Drei auf einem Streich

Die drei in der Reihenfolge ihres Erscheinens:

TATA
EL OUATIA (TAN TAN PLAGE)
SIDI IFNI

Vermutlich ist es ungerecht, drei besuchte Orte in einem Beitrag unter zu bringen. Aber in der Tat handelt es sich für uns nur um Übernachtungsplätze auf dem Weg in die angeblich schönste Stadt MAROKKO´s, TAROUDANNT mit Namen. Jedenfalls laut Frank S. aus B.. Da sind wir gerade erst angekommen. Morgen große Stadttour, der Beifahrerin versprochen, für den, der den Zündschlüssel bewacht, eher ein Zugeständnis. Stadttour…

Das Autofahren im Süden von MAROKKO wird dem Spaß machen, dem karge Landschaften und sensationelle Felsformationen eine Freude bereiten. Der Autoverkehr ist einfach, nur wenige Fahrzeuge sind unterwegs.

KNAUSi in der Wüste SAHARA, ein wenig, wenigstens…

Eine ganze Weile spekulieren wir über mysteriöse 30-Tonner (Sattelschlepper), die irgend eine schwere Last auf ihrem Auflieger transportieren. Unter einer undurchsichtigen Plane bleibt die Ladung uns lange verborgen.
Es ist nicht so, das es sich um einzelne LKW´s handelt. Nein, über die Tage kommen bestimmt über 100 große Lastwagen zusammen, die aus der Wüste auf die Nationalstraße stürmen und mit unbekanntem Ziel davon brausen.

Doch wie immer, wenn es gar zu geheimnisvoll wird: Über die Zeit werden alle Geheimnisse dieser unseren Welt von ganz alleine offenbart!

Es ist Erntezeit in MAROKKO!

Gerade werden hunderttausende originale MAROKKO MONSTER MELONEN geerntet!

Melonenlaster in der Wüste

Darauf gekommen sind wir, als einer dieser großen Sattelschlepper am Straßenrand mit eingeschaltetem Warnblinklicht stand und dessen Fahrer dem Fahrer eines PickUp, voll bepackt mit grünen Melonen, beim Reifenwechsel behilflich war. Wir sind langsam vorbei gefahren und missverstanden das wilde Gewinke der beiden. Wir dachten, sie brauchen Hilfe, sie wollten nur grüßen. Im Irrglauben stoppen wir unser Auto, setzten zurück und fragen, ob und wie wir helfen können?

Nein, nein! Alles klar. Aber Danke, das ihr gestoppt habt. Wollt ihr eine Melone haben? Hier, wir schenken euch eine!

MAROKKO MONSTER MELONE

Nun, so kommen wir zu einer echt riesigen MAROKKO MONSTER MELONE und haben keine Ahnung, wie wir die jemals alleine aufessen könnten. Melonenbowle (mit ohne ganzen Früchten) wäre eine Lösung, hätte man genug Sekt, Weißwein und Eis zur Hand. Haben wir nicht und so karren wir das schwere Teil nun schon seit vier Tagen durch die Landschaft.

TATA haben wir von vornherein als reinen Transitstopp eingeplant. Die Beifahrerin ist erschöpft und so wackelt der, der den Zündschlüssel bewacht am späten Nachmittag alleine in den Ortskern um Essbares für den Abend aufzutreiben. Dieses Gewühl auf den Straßen, dieser Geruch von frischem und verwesendem, dieses extrem reichhaltige Angebot von Gemüse, Obst, gebackenem und Fleisch, das ist wohl das, was marokkanische Dörfer und Kleinstädte in Wirklichkeit ausmacht.

Nach Sondierung der Lage kauft dieses Mal ausnahmsweise der einzige Mann in der Reisegruppe folgendes: Eingelegte Oliven, Eier, Brot, kleine Schmorgurken, Paprika und was gebackenes süßes zum Dessert. Totes Tier liegt noch vom letzten Markt im Kühlschrank.
Zurück auf dem Campingplatz in TATA wird in der Dämmerung unverzüglich mit dem Kochen begonnen. Ein Berliner Schweizer-Messer-Pickup kommt noch dazu, doch Kontakt nehmen wir erst am nächsten Morgen zu denen auf – zu den ersten Deutschen seit über 10 Tagen.

Von TATA geht es auf direktem Weg nach TAN TAN PLAGE, oder EL OUATIA, wie es in der Karte steht. Einmal mehr ist Frank S. aus B. der Grund, warum wir da hin fahren. Doch die über 100 Kilometer Baustelle auf der N1 lassen die Fahrt tief in den Süden MAROKKO´s nicht zur echten Freude werden. Der Ort selbst? Na ja, wenn gerade kein RAMADAN wäre und er zu dem voller Touristen wäre, dann wäre hier wohl was los. Aber jetzt, am 28. April kann man hier besser einen Endzeitfilm drehen.

Am Hafen von TAN TAN Plage, vermutlich eine aufgebene Fischauktionsplattform

Obwohl, auf der ewigen Suche nach dem Positiven:
Man ist in fünf Minuten zu Fuß auf dem Straßenmarkt und kann gegen 1700 dort die leckersten aller Leckereien für wenig Geld erstehen. Gefüllte Sardine, paniert in Fett ausgebraten. Mit Gemüse gefüllte Teigtaschen. Erdbeeren. Und natürlich vom Schlachter neues totes Tier, das man nur noch selbst zubereiten muss.

Folgendes nur, weil wir Deutsche ja gerne über den Preis kommen:
So eine delikatessiöse gefüllte Sardine kostet auf der Straße 2 DH, also mithin 20 Eurocent. Keine Ahnung wie sich das rechnet? Aber, und das ist die Wahrheit: Niemals, wirklich niemals werden wir auf diesen Straßenmärkten für Lebensmittel über das Ohr gehauen. Die Händler rechnen auf die Dirham genau ab und geben auch das raus, was sie raus geben müssen. Ehrlich währt am längsten!

Auf dem Straßenmarkt von TAN TAN Plage

Tags darauf wollen wir den Hafen besuchen. 2,5 Kilometer Fußmarsch.

Erfolglos.

Denn die drei uniformierten und bewaffneten Polizisten am Gate wollen uns nicht herein lassen. Kein Boot oder Schiff, kein Zutritt. So ein Mist! Aber schon klar. Als elendige Landratte hat man in einem richtigen Hafen einfach nichts zu suchen.

Der restliche Tag wird so vertrödelt, Abends wieder lecker einkaufen und gut ist.

Von TAN TAN PLAGE gehen wir nach SIDI IFNI. Noch so ein Badeort am Atlantik, der in normalen Camperzeiten wohl vollständig in französischer Hand ist. Aber jetzt nicht. Jetzt sind drei Autos auf dem Platz. Einer aus Deutschland, zwei aus Frankreich. OK, 1:2, verloren.

Campingplatz in SIDI IFNI, KNAUSi ist gerade so vor der blauen Treppe zu erkennen

Wir sind die gut 200 Kilometer ohne Frühstückspause durchgefahren und speisen nun erst mal ausführlich. Dann in die Stadt, in Küstennähe eher Modell Geisterstadt. Gleiches Problem wie in TAN TAN PLAGE: RAMANDAN und keine Touristen. Diesmal ist es die Beifahrerin, die den Markt findet und schon kehrt Leben in die Bude ein. Wir Nordeuropäer haben ja keine Ahnung, was wir mit der Einführung von Supermärkten und, noch schlimmer, Discountern alles verloren haben!

Die Beifahrerin kann dem Ort mehr abgewinnen als der, der den Zündschlüssel bewacht. Spielt aber auch keine Rolle. Uns zieht es weiter, wie immer weiter.

Muss sein: Ein Räuber der Meere – Brandungsfischer vor SIDI IFNI

Das nächste Ziel, TAROUDANNT könnte man schneller erreichen, doch wir machen einen StopOver in AGADIR. Denn da gibt es einen Laden, in dem man Bier und Wein kaufen kann. Besser darf.
Für 160 Kilometer spuckt das NAVI glatt drei Stunden Fahrzeit aus. Das kann ja heiter werden. Denn natürlich ist der Großraum von AGADIR eher ein wüstes Tier denn eine ruhige Sandwüste. Schließlich erreichen wir UNIPRIX, parken direkt vor der Haustür und sollen neue Scheibenwischer kaufen.

Hä?

Doch, doch, so meint der Typ auf dem Bürgersteig. Unsere Scheibenwischer seien völlig kaputt und er hätte hier super passende für nur 80 DH. Er würde die auch anbauen. Nein Danke. NEIN DANKE. NEIN, NEIN DANKE!

Aber guckst Du hier: Der Typ nimmt den einen Wischarm in die Hand und drückt das Gummi aus der Halterung: Siehst Du? Kaputt!

Hey Mann, ich sagte NEIN DANKE. Hier hast Du ein paar Dirham für Deine Bemühungen, aber lass uns jetzt bitte in Ruhe. OK, OK, alles klar, Mann!

Im Laden gibt es Alkohol bis der Arzt kommt, doch der, der den Zündschlüssel bewacht, ist unruhig. So richtig traut er dem Typen mit den Scheibenwischern vor der Tür nicht. Das führt zu einem kleinen Zielkonflikt, denn im Laden gibt es auch Tüdelütt (Souvenirs) aller Art und die Beifahrerin möchte in Ruhe stöbern.

Wir einigen uns auf einen zweiten Gang. Erst mal den Stoff weg bringen und dann noch mal rein in den Laden.

Doch der Typ mit den Scheibenwischern ist einfach verschwunden. Komisch. So viel Geld haben wir ihm doch gar nicht gegeben? Na ja, das Auto steht ja gut, ist abgeschlossen und wir drehen noch mal in aller Ruhe eine Runde im Laden. Dessen Kundschaft besteht ausschließlich aus Weißen, meist Kerle gehobenen Alters. Wo ist denn bloß der Spiegel?

Später im Auto rechnet die Beifahrerin vor, das man für das Geld, was der Stoff gekostet hat, auch das Auto hätte volltanken können.

Wie jetzt?

Was soll das denn?

Diesel ist explosiv, jedenfalls unter Druck im Zylinder eines Motors. Und verbrennt, stinkt und belastet die Umwelt!

Bier hingegen, das ist erwiesen, Bier beruhigt!

Peter.

P.S.:
OK, dann sind wir noch bummelig 80 Kilometer nach TAROUDANNT gekurvt, haben den Campingplatz gut gefunden und harren der Dinge, die da hier und jetzt noch kommen mögen: Die Beifahrerin hofft auf einen TAJINE Lieferdienst für das Abendessen, der, der den Zündschlüssel bewacht würde gegen 1700 auch die 2 Kilometer zur nächsten Kreuzung latschen, um auf dem Straßenmarkt das Abendessen zusammen zu kaufen. Wir werden uns einig und sehen…

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