MAROKKO 2022 MT72-74, TAROUDANNT, TIZI ´N TEST

Der Campingplatz von TAROUDANNT liegt zwar sehr schön im grünen gelegen, aber auch leider weit abseits von der Stadt. Zur Not könnte man zum Einkaufen zum nächsten Kreisverkehr in den Vorort laufen, ca. 2 Kilometer. Aber wer ist in dieser Reisegruppe schon in Not?

Es ist fast unerträglich heiß. 32°C im Schatten, gefühlt viel mehr.

Stadtmauer von TAROUDANNT, 7 Kilometer lang

Also buchen wir standesgemäß eine hier übliche Pferdekutsche um uns am nächsten Morgen in die Stadt bringen zu lassen. Doch wie üblich in MAROKKO, wenn man etwas einfaches, genau definiertes haben möchte, bekommt man das bestellte und einfach noch viel mehr, selbstverständlich auch für mehr Geld. Und so haben wir auf einmal eine drei Stunden Pferdekutschentour mit Reiseführer gebucht. Ist ja auch OK. Der Autofahrfreie Tag will schließlich genutzt werden!

Die Beifahrerin, MOHAMED, der Kutscher, OSKAR, das Pferd auf dem Campingplatz

Doch die Tour entpuppt sich leider als eher langweilig. Unser Reiseführer RACHID möchte uns sehr gerne auch noch Schuhe verkaufen, denn eigentlich ist er ein Schuster der schon lange keine weißen Touristen mehr gesehen hat. Während also MOHAMED, der Kutscher mit dem Pferd OSKAR am Stadtrand (bezahlt) wartet, laufen wir zu Fuß in die Stadt – zum überdachten Markt (SOUK) von TAROUDANNT. Hier und da was kleines zum Mitbringen ergattert, wie üblich nach zähen Verhandlungen. Manchmal ringen wir aber auch um Fassung. Einige Verkäufer denken offenbar, auf der Stirn von weißen Menschen steht tatsächlich: ICH BIN DOOF!

Auf dem Markt von TAROUDANNT

Und auch RACHID bekommt sein erhofftes Geschäft.
Nicht, weil er aufdringlich oder aggressiv wäre. Eher im Gegenteil: Sehr still, eine auf dem Markt in sich selbst ruhende Autorität ausstrahlend. Kurze graue Haare, sehr schlank, Poloshirt, Jeans und Turnschuhe. Eine eigene Erscheinung. Nein, RACHID hat in der Tat wirklich schöne Sachen zu verkaufen und schwört außerdem Stein&Bein, das alles in seiner Werkstatt hergestellt wurde. So freuen wir uns alle. Nach nicht ganz so zähen Verhandlungen.
Das die Freundlichkeit von guten marokkanischen Verkäufern nicht einfach aufgesetzt ist, merkt man daran, das sie auch nach dem Geschäft freundlich bleiben. Wir erleben das Ende des RAMADAN in MAROKKO in aller Stille auf dem Campingplatz in TAROUDANNT. RACHID hat am Abend Gäste auf dem Campingplatz und er bringt uns leckere Süßspeisen auf einem Teller ans Auto. Einfach so, ohne noch was verkaufen zu wollen 😉

Aber, so viel ist auch klar: TAROUDANNT hat uns nicht in seinen Bann gezogen und einen weiteren Tag werden wir hier nicht bleiben.

Anfahrt vom Süden zum TIZI ´N TEST Pass (ATLAS Gebirge)

Am Tag nach der Pferdekutsche nehmen wir lieber eine handfeste, spektakuläre Passstraße über das ATLAS Gebirge in Angriff: Der TIZI ´N TEST führt auf um und bei 2.100 Höhenmeter und bietet durchaus insbesondere auf der Südseite eine atemberaubende Aufstiegsfahrt. Manchmal ist die Straße ganz schön schmal, manchmal sind die Felsen in unmittelbarer Nähe des Autos ganz schön groß. Tolle Tour, den Berg hinauf!

Schade nur, das wir es völlig verpennt haben, Brot zu kaufen! So kommen wir auf dem TIZI ´N TEST Pass hungrig an und nur dem Charme der sehr hungrigen Beifahrerin ist es zu verdanken, das ein anderer Tourguide, der dort oben gerade einen einzigen Fahrradtouristen aus NEUSEELAND betreut, in die Küche geht und uns ein leckeres Omlette backt. Der alte Mann, der da oben auf dem Berg eigentlich alleine die Stellung hält, wollte das leider nicht.

TIZI ´N TEST – klasse Straße (Südseite)

Auf dem Pass kann man auch mit dem Wohnmobil übernachten! Sehr rustikal zwar, aber bemerkenswert. Doch die kleine Reisegruppe wird sich nicht einig. Und sicher ist der, der den Zündschlüssel bewacht sich auch nicht wirklich. Ganz schön windig und kalt hier oben. Wir treffen auf dem Berg noch (endlich mal) einen anderen Camperbus aus Deutschland und schnacken einen aus. Mit den drei französischen Bikern und den vier bald weiterfahrenden polnischen Jeepfahrern kommen wir leider nicht ins Gespräch.

Schon witzig, wer sich an diesem abgelegen Ort hoch oben in den Bergen herum treibt.

TIZI ´N TEST Pass, 2.100 Meter im ATLAS Gebrige, MAROKKO 2022

Die sehr lange Abfahrt auf der Nordseite ist auch wirklich schön, aber nicht so spektakulär wie die Südseite. Und am Ende zieht sich die Fahrt bis zum Campingplatz im Südosten von MARRAKESH doch noch wie ein Kaugummi. Wenige Tageskilometer zwar nur, aber viele Stunden Fahrzeit. Diesen Übernachtungsplatz haben wir nur gewählt, um am nächsten Morgen nochmal von Nord nach Süd über das ATLAS Gebirge zu fahren, diesmal auf dem TIZI TICHKA, der Pass liegt sogar noch 100 Meter höher als der TIZI ´N TEST.

Frühstücksplatz auf der alten N9 auf der Nordseite des ATLAS Gebirges, MAROKKO 2022

Anfangs kurven wir mehr oder weniger irre durch die flache Vorgebirgslandschaft im Süden von MARRAKESH. Der ATLAS ist kaum zu erkennen, als ob Smog oder anderweitig verunreinigte Luft einen Nebelfilter aufgelegt hätte. Das Navi jagt uns die kürzesten Wege zur N9. Über Stock & Stein, über Feld, Wald und Wiese. Oder so ähnlich.
Neben dem Umstand, das sich die N9 ebenfalls als eine einzige Baustelle enpuppt (wie ja auch die N1 im Süden), ist die Passstraße so dicht befahren, das es wirklich keinen besonderen Spaß macht, diesen Weg zu nehmen. Aber er steht ja im Törnführer als besondere Empfehlung. Und schließlich müssen wir sowieso noch mal in den Süden, wollen wir Rosenfelder und spektakuläre Schluchten erleben.

TIZI TICHKA Pass, ATLAS Gebirge an der N9, 2.260 Meter hoch

Also:
TIZI TICHKA zwar ganz OK, aber nicht wirklich besonders toll. TIZI ´N TEST ist Trumpf!

Das Tagesziel ist OUARZAZATE, eine Stadt am Rande der Wüste, in der früher Kinofilme wegen der grandiosen Wüstenkulisse gedreht wurden.

Ja, und ungefähr 40 Kilometer vor dem Ziel, der, der den Zündschlüssel bewacht freut sich schon auf ein schönes kühles Bier, steht mal wieder so ein Typ am Straßenrand.

In einem kleinen Wäldchen. Im ganz feinen lokalen Zwirn. Echt Chic. Mit ohne Haare auf dem Kopf. Freundliches, aber ernstes Gesicht mittleren Alters. Fast so wie ein Mönch. Er steht seitlich auf der Straße neben seinem Auto, die Motorhaube ist offen. Offenbar Autopanne.

Und bringt uns mit wilden Handzeichen zum stoppen.

Mal wieder einer!

Und es folgt eine kleine Geschichte, die es sich exklusiv im nächsten Beitrag zu erzählen lohnt, obwohl sie sich noch vollständig am 74sten Reisetag abgespielt hat.

Wirklich!

Ganz bald. Hier!

Peter.

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