Den Liegeplatz in MIDDELFART müssen wir sowieso verlassen, unsere ursprünglich gewünschte nächste Etappe SEJERÖ haben wir irgendwie stillschweigend beerdigt.
Echt kein Wind um 40 Meilen gen Ost zu machen.
Aber wie wäre es mit gut 20 Seemeilen gen Nord-Ost kreuzen? Die angesagten 10 bis 15 Knoten Wind laden doch geradezu dazu ein, dieses für uns doch eher ungewohnte Manöver mal wieder richtig auszukosten?

Wir starten früh am Morgen. Der Strom wird noch mit uns sein und später am Nachmittag soll es auffrischen. Erstmal unter Maschine durch das S-Kurven Fahrwasser zwischen MIDDELFART und FREDERICIA, das Groß ist schon gesetzt. Dann Fock und Yankee raus und wir starten zu unserem (für unserer Verhältnisse) großen Kreuzzug.

Die Wenden klappen erstaunlich gut, als wir uns nach der Dritten Wende daran erinnern, wie es am Besten geht: Der Skipper schmeißt beide Back stehenden Vorsegel auf einmal los, die Mannschaft holt die Fock, der Skipper das Yankee durch. Der Autopilot steuert eine sichere 100° Wende. Sobald die Segel wieder stehen geht der Skipper ein paar Grad höher an den Wind und schon läuft der Dampfer wieder.

Ich will nicht sagen, das es mir Spaß macht, nur auf einem verrückten Zick-Zack Kurs zum Ziel zu kommen. Doch als die Sonne uns wohlig wärmt und auch die Welle sich dem schönen Wetter völlig ergibt, ist es schon erquicklich, dieses Kreuzen.

Wir gönnen uns sogar den Luxus, um die große Untiefe von JUELSMINDE (BJOENRSKNUDE FLAK) zu kreuzen. Denn: 2,70 Meter Tiefgang sind mehr als 1,50 Meter!
Kiel einfahren, Maschine an und direkter Kurs?

Normalerweise vermutlich schon, heute nicht. Erst kurz vor dem Hafen bergen wir die Segel, machen den Dampfer Hafenklar und laufen in diesen sehr großen Sportboothafen mit gleich vier Hafenbecken ein. Die Mannschaft macht einen erstklassigen freien Liegeplatz aus, easy going gegen den Wind und schon sind wir fest. Diesmal mit ohne Geschrei.

Der Hafen vibriert von den vielen Touristen. Gleich drei Restaurants im Hafen, ein erstklassiger Fischhändler und: Kostenlose Waschmaschinen und Trockner! Den Rest des Tages machen wir einen auf Max. Max hießen die Chinesischen Wäscher auf den großen Berufsschiffen. Keine Ahnung, ob es die noch gibt?

Klar, die vielen Touristen irritieren ein wenig, doch ist es nicht auch herrlich, das die Menschen wieder draußen sind, die Kinder johlen, Eis gegessen wird und alle den Tag genießen?
Doch, ist es! Ganz eindeutig.

Das mit dem Waschen finden wir so toll, das wir nach dem obligatorischen Morgenspaziergang am nächsten Tag einfach weiter waschen. Die Mannschaft hat fest gestellt, das wir schon fast seit drei Wochen im gleichen Bettzeug schlafen.
Donnerknittel.
Woran man alles merken kann, wie die Zeit vergeht?
Peter.
