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Tag 18&19: Juelsminde

Den Liegeplatz in MIDDELFART müssen wir sowieso verlassen, unsere ursprünglich gewünschte nächste Etappe SEJERÖ haben wir irgendwie stillschweigend beerdigt.

Echt kein Wind um 40 Meilen gen Ost zu machen.

Aber wie wäre es mit gut 20 Seemeilen gen Nord-Ost kreuzen? Die angesagten 10 bis 15 Knoten Wind laden doch geradezu dazu ein, dieses für uns doch eher ungewohnte Manöver mal wieder richtig auszukosten?

Dänischer Kreuzfahrer

Wir starten früh am Morgen. Der Strom wird noch mit uns sein und später am Nachmittag soll es auffrischen. Erstmal unter Maschine durch das S-Kurven Fahrwasser zwischen MIDDELFART und FREDERICIA, das Groß ist schon gesetzt. Dann Fock und Yankee raus und wir starten zu unserem (für unserer Verhältnisse) großen Kreuzzug.

So sieht unserer Kreuzzug auf dem YellowBrick Tracker aus…nur alle zwei Stunden eine Position

Die Wenden klappen erstaunlich gut, als wir uns nach der Dritten Wende daran erinnern, wie es am Besten geht: Der Skipper schmeißt beide Back stehenden Vorsegel auf einmal los, die Mannschaft holt die Fock, der Skipper das Yankee durch. Der Autopilot steuert eine sichere 100° Wende. Sobald die Segel wieder stehen geht der Skipper ein paar Grad höher an den Wind und schon läuft der Dampfer wieder.

So sieht der Kreuzzug bei MARINETRAFFIC aus. Die lesen einfach unser frei empfangbares AIS Signal mit. Weltweit, wo immer sie können

Ich will nicht sagen, das es mir Spaß macht, nur auf einem verrückten Zick-Zack Kurs zum Ziel zu kommen. Doch als die Sonne uns wohlig wärmt und auch die Welle sich dem schönen Wetter völlig ergibt, ist es schon erquicklich, dieses Kreuzen.

Und so sieht der Kreuzzug auf unserem FURUNO Plotter aus, der den eigenen zurückgelegten Pfad als Track protokollieren kann

Wir gönnen uns sogar den Luxus, um die große Untiefe von JUELSMINDE (BJOENRSKNUDE FLAK) zu kreuzen. Denn: 2,70 Meter Tiefgang sind mehr als 1,50 Meter!

Kiel einfahren, Maschine an und direkter Kurs?

Die Untiefe vor Juelsminde

Normalerweise vermutlich schon, heute nicht. Erst kurz vor dem Hafen bergen wir die Segel, machen den Dampfer Hafenklar und laufen in diesen sehr großen Sportboothafen mit gleich vier Hafenbecken ein. Die Mannschaft macht einen erstklassigen freien Liegeplatz aus, easy going gegen den Wind und schon sind wir fest. Diesmal mit ohne Geschrei.

Hafen von Julesminde

Der Hafen vibriert von den vielen Touristen. Gleich drei Restaurants im Hafen, ein erstklassiger Fischhändler und: Kostenlose Waschmaschinen und Trockner! Den Rest des Tages machen wir einen auf Max. Max hießen die Chinesischen Wäscher auf den großen Berufsschiffen. Keine Ahnung, ob es die noch gibt?

Umgebung von Juelsminde

Klar, die vielen Touristen irritieren ein wenig, doch ist es nicht auch herrlich, das die Menschen wieder draußen sind, die Kinder johlen, Eis gegessen wird und alle den Tag genießen?

Doch, ist es! Ganz eindeutig.

Umgebung von Juelsminde

Das mit dem Waschen finden wir so toll, das wir nach dem obligatorischen Morgenspaziergang am nächsten Tag einfach weiter waschen. Die Mannschaft hat fest gestellt, das wir schon fast seit drei Wochen im gleichen Bettzeug schlafen.

Donnerknittel.

Woran man alles merken kann, wie die Zeit vergeht?

Peter.

Böser Schwimmsteg im neuen Hafenbecken von Juelsminde

Tag 16&17: Middelfart

Den späten Nachmittag auf Anker vor dem Hafen von LYÖ nutzten wir für Polierarbeiten. Mal schön in aller Ruhe in der Abendsonne dem kostbaren Edelstahl an Deck was gutes tun, mit Musik, natürlich.

Gute Laune!

Vor Anker vor LYÖ

Die Nacht wird unruhig. Das war so nicht geplant. Doch der Wind frischt unerwartet auf und in den Böen heult es bedenklich im Mast. Muss der Skipper doch glatt nach Mitternacht für ein paar Stunden Ankerwache gehen? So ein Mist. Meteorologe müsste man sein. Viel Geld, erzählen was man will. Kommt eh anders.

Mit dem ersten Tageslicht beruhigt sich das Wetter und es ergibt sich doch noch ein wenig Schlaf für den Skipper. Die Mannschaft hat nicht viel mit bekommen. Nur schlecht geträumt.

Gegen 0800 dann Anker auf und mit bummelig 10 Knoten Wind aus Südost gen Norden.

Roter Vermesser

Es läuft zwar, aber nicht schnell. Der raume Kurs trägt sicher dazu bei. Ein knallroter Vermesser fährt auf unserer Strecke auf und ab und begegnet uns so glatt drei mal. Muss ja ganz schön langweilig sein, so ein Job?

Roter Fischer

So richtig mag das Wetter sich nicht entscheiden. Mistigkalt, doch auf der ewigen Suche nach dem positiven: Es ist trocken!

Die Passage der Bägö/Ärö Inseln gelingt dank mitlaufendem Strom so gerade unter Segeln, danach geht endlich die Post ab! Halbwind, Vollzeug und in Böen macht der STORMVOGEL 9,2 Knoten Fahrt. Klasse! Wirklich klasse! So stellt man sich das Segeln auf einer Talsperre vor. Absolut keine Welle, dafür aber maximaler Speed. Ganz so, wie wir es im letzten Jahr auf Südkurs erlebt hatten. Merkwürdig, aber dieser Abschnitt des kleinen Belts scheint in beiden Richtungen eine optimale Rennstrecke zu sein.

High-Speed Segeln im kleinen Belt

In der Abschattung der hohen Bäume rund um das Fahrwasser von MIDDELFART läuft es natürlich nicht mehr ganz so gut, aber erst auf der letzten Meile müssen wir die Maschine starten. Passt ganz gut, schließlich muss der Dampfer ja klar zum Anleger gemacht werden.

Getreu dem Motto, in diesem Jahr öfters mal was neues, wollen wir im Stadthafen (GAMMELHAVN) fest machen. Der ist natürlich immer noch so eng wie der Inspektion im letzten Jahr, doch nun wissen wir ja, worauf wir uns einlassen.

Denken wir jedenfalls.

In Ermangelung eines Liegeplatzes gehen wir bei einem Segelkutter längsseits. Bei allen anderen hängen Schilder wie „bloß nicht fest machen“ oder „verlasse den Hafen um 15:45 Uhr“. An unserem Päckchengeber hängt nix. Und es ist auch keiner zu sehen. Nach einer Stunde immer noch nicht und so verlassen wir das Boot, um dem Grund unserer Ankunft nachzukommen: Einkaufen und Bargeld beschaffen.

Anderthalb Stunden später sind wir zurück und auf dem Kutter sehen wir eine Horde Menschen.

Unser Boot bewegt sich!

Die Kuttermannschaft will den STORMVOGEL gerade fachmännisch vorholen, damit sie ablegen können. Wir entschuldigen uns für die Blockade, die Dänen entschuldigen sich, das sie ablegen wollen und bieten an, uns beim erneuten Festmachen zu helfen. Um 2100 seien sie zurück und müssten dann wieder innen an die Pier. Also nochmal vorholen….

Nix für uns.

Kurzerhand beschließen wir, einen Hafen weiter zu gehen. Zum Glück haben wir noch keinen Landstrom gelegt und auch keine Hafengebühren bezahlt. Maschine an und los.

Die nächste Liegeplatzmöglichkeit ist nur ein paar hundert Meter weiter nördlich. Die Mannschaft wirbelt ordentlich, um das Deck klar zu bekommen, der Skipper kann Fragen bezüglich des Festmachers natürlich wieder nicht beantworten. Hin fahren und nachsehen, wie immer bei neuen Häfen.

Die Boxengasse bei Einlaufen an Steuerbord ist eng und verläuft in einem Bogen. Immerhin Heckpfähle. Aber so eng, das da vier Meter wohl nicht durch passen. Also rückwärts wieder raus, an Wenden ist nicht zu denken.

Wer baut denn so was?

Gleich Backbord neben der Einfahrt gibt es auch freie Plätze, doch das System von Pfählen und Mooringbojen erschließt sich dem Skipper nicht. So gehen wir längsseits in eine offenbar freie Box, vielleicht 16 Meter Länge und ein Stahlband mit fetten Schrauben ca. 50 Zentimeter über der Wasserlinie.

Wer baut denn so was?

Das fragen wir uns dann noch des öfteren in diesem Hafen.

Doch zunächst gibt es Streit. Der Anleger geht schief. Die Mannschaft bekommt zwar die Spring zum Eindampfen rüber, aber die Geschichte mit der Vorleine geht völlig schief. Durch den Wind wird das Boot immer wieder nach Achtern gedrückt und das Stahlband der Hafenmole kommt dem schönen blauen Lack des STORMVOGELS gefährlich nahe. Nur mit Maschine und Spring ist das Boot einigermaßen auf Position zu halten.

Zunächst schreit der Skipper nur, um gegen den Wind gehört zu werden. Dann schreit er, weil er vor Wut fast platzt. Und erreicht damit, wie im übrigen immer, das genaue Gegenteil von dem, was er eigentlich erreichen will.
Statt die Mannschaft zurück ins Cockpit zu rufen und ihr zu erklären, was anliegt und wie wir die Situation in Ruhe zu lösen können, gerät er immer weiter in Rage und macht die Mannschaft völlig konfus. Zeit ist genug, denn mit Maschine und Spring ist das Boot ja auf Position zu halten.

Ganz schlechte Seemannschaft.

Digitalisierte Liegeplatzvergabe: Wer findet hier grün, wer rot?

Das ernennt der Skipper immerhin noch selbst, bekommt zu gerade die Kurve, die Mannschaft bekommt die Vorleine fest und die Stimmung ist erst mal völlig versaut. Wegen Peanuts.

Wie blöd kann Mann sein?

Digitalisierte Liegeplatzvergabe: Nur zu erkennen, wenn keine Sonne scheint und man direkt davor steht. Links ein Sensor, der merkt, ob ein Boot auf dem Platz liegt

Wie zum Hohn erkennt der Skipper später eine dieser „famosen“ elektronischen Anzeigetafeln auf der geschrieben steht, das der Platz ab Übermorgen reserviert sei. Na toll, immerhin zwei Nächste dürfen wir also bleiben, wenn wir wollen.

Digitalisierte Liegeplatzvergabe: Man legt auf Grün an und auf einmal springt das Teil auf Rot – reserviert….

Diese NYHAVN 2 genannte Marina ist eigentlich ein Witz. Mit viel Geld für wirklich luxuriöses Material gebaut, aber völlig verplant und auf Gäste eindeutig nicht eingerichtet. Die ganze Anlage ist eher ein Parkplatz für große Motorboote. Mehr nicht. Die Sanitärcontainer auf dem Wohnmobilstellplatz sind immerhin luxuriös groß….

NY HAVN 2 Marina in Middelfart

Und wieder:
Auf der Suche nach dem Positiven findet sich ein sehr guter KVICKLY Supermarkt 3 Minuten entfernt. Also ideal zum Bunkern von Bier und sekundären anderen Lebensmitteln. In der darauf folgenden Nacht schütteln uns mehrere Sturmböen gehörig durch. Ganz komfortabel, wenn man gut abgefendert in einer Marina und nicht vor Anker liegt.

Bauen was das Zeug hält…

Genau wie in Deutschland wird auch in Dänemark gebaut, was das Zeug hält. Direkt am Hafen luxuriöse Penthouse Wohnungen, Einkaufszentren und weiter oben in der Stadt, in der Nähe der alles überragenden NY LILLEBAELTSBRO Brücke auch Einfamilienhäuser. Ganz schön laut, der Straßenverkehr auf der Brücke. Warum bloß baut man sein Heim in der Nähe einer Autobahn?

Bauen was das Zeug hält…

Warum denn nur?

Ganz schön viele offenen Fragen in einem einzigen Beitrag.

Peter.

Großstadtkulisse in der NY HAVN 2 Marina Middelfart