Hydraulikpumpe

Im Juli 2016 verabschiedete sich ohne große Ankündigung die Hydraulikpumpe der elektrischen Selbststeueranlage des STORMVOGELS. Kann man hier zur Einstimmung noch mal schnell nach lesen.

SIMRAD RPU160 im eingbauten Zustand

Nun, die Pumpe wurde damals komplett ausgetauscht, das defekte Teil noch ein paar Monate durch die Gegend gefahren und schließlich in einer Kiste in Elmshorn gelagert.

Bis jetzt!

Um die folgende Geschichte etwas würziger zu gestalten, müssen wir, ausnahmsweise, mal mit Zahlen hantieren. Mit Zahlen, die das Geld der Welt bedeuten, um genauer zu sein.

Die Pumpe vom Typ SIMRAD RPU160 12 Volt kostet neu im Internet-Versandhandel 765,00 Euro. Na ja. Ist ein Teil für ein Boot. Muss per Definition teuer sein!

Gehäuse RPU160

Als die Pumpe damals ausfiel, wurde von telefonisch kontaktierten Fachleuten vermutet, dass einfach die Kohlestifte abgenutzt seien. Kein echtes Problem. Die kann man bei der Pumpe im eingebauten Zustand tatsächlich selbst austauschen, wenn man denn an die Pumpe irgendwie heran kommt. Heidi schaffte es damals im zweiten Anlauf und baute die Kohlenstifte aus – Erstaunen: Die waren auf keinen Fall so abgenutzt, als das diese die Fehlerursache hätten sein können. Also Geschwind eine komplett neue Pumpe gekauft und einbauen lassen. Problem gelöst.

SIMRAD sagt im Handbuch zur Pumpe, das der Hydraulikteil alle 1.000 Betriebsstunden gewartet werden müsse. Das ist echt keine lange Standzeit. Aber von mir aus. Bis auf die Kohlestifte (oder auch Kohlebürsten genannt) ist der Elektromotor allerdings wartungsfrei.

Schön sauberer Kupfer des Kollektors

Gestern nun habe ich das defekte Teil also auseinander gebaut. Ging relativ einfach: Elektromotor vom Gehäuse der Hydraulikpumpe getrennt, hinteren Deckel des Elektromotors abgeschraubt und den Anker (so nennt man das drehende Innenleben eines Elektromotors) heraus gezogen. Zusammen mit jeder Menge Bröselkram.

Aha, hat sich also im Motor irgendwas zerlegt. Nur was? Auf dem ersten Blick nichts erkannt, auf den Zweiten und Dritten auch nicht. Also alles gereinigt, wieder zusammen gesetzt und nach dem Prinzip Hoffnung ausprobiert.

Tote Hose.

Geht (natürlich) nicht.

Nochmal auseinander gebaut, weil es ja so schön einfach geht.

Diesmal noch genauer hin geschaut. Speziell auf die Stelle, an der die Kohlestifte den Strom auf den Anker leiten sollen. Dieses Teil wird beim Elektromotor Kollektor oder auch Schleifring genannt. Denn hier handelt es sich ja um einen Schleifkontakt.

Merkwürdig: Zwei Drittel des Schleifringes sehen schön kupferfarben aus, aber bei einem Drittel ist kein Kupfer zu erkennen.

Da ist alles schwarz?
Muss das so sein?
Ist da vielleicht nur besonders hartnäckiger Dreck drauf und deshalb wird kein Strom geleitet?

Kein Kupfer mehr am Kollektor

Mit dem Schraubenzieher herum gekratzt – nö, kein Dreck. Aber auf einmal fällt ein kleines Stückchen Kupfer von einem benachbarten Element ab…
…und das ist dann die Erklärung: Der Kollektor ist nur dünn mit Kupfer beschichtet und an den schwarzen Stellen ist diese Beschichtung abhandengekommen. Das war wohl der Bröselkram, der mir beim ersten Auseinander bauen entgegen kam.

So was kann ja eigentlich nur passieren, wenn die Kohlestifte soweit abgenutzt sind, das ihre Feder anfängt, auf dem Kollektor zu schleifen? Die Kohlestifte sind ja extra aus einem weicheren Material, damit sich diese austauschbaren Teile abnutzen – und eben nicht die Kupferschicht des Kollektors. Aber die Kohlestifte sahen (sehen!) ja noch recht gut aus! Bleibt also nur, wie so oft in diesen Tagen, ein Qualitätsproblem zu vermuten. Die obligatorische GOOGLE Recherche hat schnell ergeben, dass man den Kollektor nicht reparieren kann – jedenfalls nicht mit vertretbarem Aufwand.

Die Kohlestifte sollen den Strom auf den Kollektor übertragen

Ja, und nun also die Preisfrage: Was kostet wohl ein neuer Elektromotor?

Die gute Nachricht zuerst: Es gibt den Motor tatsächlich als Ersatzteil.

Toll!

Für schlappe 435,00 Euro, plus Versand. Der Wahnsinn! Der hat aber dann immerhin auch neue Kohlestifte. Denn dieses angebliche Verschleißteil kostet unglaubliche 73,95 €! Materialwert maximal 50 Cent. Aber bloß nicht aufregen. Auch nicht darüber, dass SIMRAD den Elektromotor in Norwegen natürlich nicht selbst baut, sondern vermutlich die Firma LEMAC in Schottland. Deren Modell PM70 kommt dem verwendeten SIMRAD Teil schon sehr nahe…aber natürlich unternimmt SIMRAD alles, um die Herkunft zu verschleiern und so eine Alternativbeschaffung zu unterbinden.

Interessant: Die eigentliche Hydraulikpumpe gibt es nicht als Ersatzteil. Die geht wohl nicht kaputt. Auch wenn man sie nicht alle 1.000 Stunden überholt.

Tja, das war also nix mit Reparatur. Leider.

Wir nehmen die Kohlestifte und die Hydraulikpumpe ohne den kaputten Elektromotor als Ersatzteile wieder an Bord.

Eigentliche Hydraulikpumpe der PRU160

Und hoffen, das in Wirklichkeit nicht der ganze Elektromotor das Verschleißteil ist.

Peter.

2 Kommentare

  1. ich musst schmunzeln, weil mir ganz was ähnliches mit selbiger Pumpe passiert ist. ich hatte den Autopiloten (nagelneu) auf Lanzarote noch schnell vor der Atlantiküberquerung eingebaut. Er funktioniert auch auf Anhieb, jedenfalls eine halbe Stunde lang, dann meinen Muxer mehr. Also die ganze Überfahrt von Hand steuern. War nicht tragisch, weil meine Mitsegler eh froh waren, dass der unliebsame Steuerkonkurrent ausgebootet war. In Martinique war ich bei einem Simrad-Vertragspartner. Der hat den Fehler nicht gefunden, hat aber dafür das Setup völlig vermurxt. Dann hat mir der Simrad Kundendienst den einzen Techniker in der gesamten Karibik genannt der sich wirklich auskennt. Das stimmte auch. Der Mann war genial. Nach einer Stunde lief der Autopilot wieder. Was war? Die Kohlen (wie gesagt nagelneu) waren verklemmt. Mit dem Messer ein bisschen dünner geschabt und schon funktionierte der Motor und die Einstellungen wurden auch gleich richtig gesetzt. Kosten: 180 Euro! Der mann musste nicht mal anreisen weil wir zu ihm gefahren sind.
    Als ich das Geld von Simrad wieder haben wollte, es bestand ja noch Garantie, wurde diese abgelehnt. Weil das Setup vermurxt war – von einem Simrad- Vertragshändler.

    Mittlerweile war fast jedes Tel was ich vor der Firma habe schon mal kaputt. Das „wasserdichte“ AP24 Steuergerät war schon zwei mal defekt weil Wasser eingedrungen ist. Die Simrad-Funke konnte ich nach 8 Jahren wegwerfen weil es das defekte Kabel der Sprechmuschel nicht mehr gab. Der Plotter ließ sich nach einem halben jahr nicht mehr steuern, wenigstens das wurde auf Garantie repariert. Lediglich die Rechnereinheit des AP und der Ruderlagegeber arebietn von Anfang an.
    Was habe ich daraus gelernt? nie wieder was von Simrad. Die Qualität entspricht nicht meinen Wünschen er Support ist entäuschend und die Ersatzteilpreise (siehe Kohlen) sind einfach nur eine Unverschämtheit.

    Mast und Schotbruch
    Rupert

    1. Moin,

      das Problem ist aber, das man kaum richtig gute Alternativen finden wird. Die gesamte Elektronik an Bord des STORMVOGELS war von FURUNO. Eigentlich OK, aber ein Tochterinstrument im Steuerstand hat nach drei Jahren auch Wasser gezogen und die Elektronik zerfressen. Es bleibt ein Rätsel, warum man solche (teueren) Teile nicht wirklich Wasserdicht bauen kann…oder will.
      Wenn mal wieder ein Hersteller auf den Markt käme, der wirklich gute Qualität liefert, dann wäre das ja mal ein Lichtblick. Gerade solche Teile wie zuverlässige Elektromotoren müsste man ja bauen können, wenn man nicht nur auf den Herstellungspreis schielt…

      vg Peter.

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