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Marillion im Mehr Theater

Einmal mehr MARILLION.

Einmal MARILLION im MEHR THEATER in HAMBURG.

Gesehen am 2.Dezember 2018.

Die Halle heißt wirklich so und befindet sich auf dem Gelände des HAMBURGER Großmarkts. Gar nicht mal so schlecht, aber auch ganz schön groß. 1.500 Menschen gehen da rein, wir waren gestern Abend vielleicht 1.200 Besucher. Und obwohl HAMBURG, norddeutsch zurückhaltend, schwer aufzutauen und so weiter: Wir waren durchaus 1.200 enthusiastische Besucher!

Blick zurück

Na klar, mit fortschreitendem Publikumsalter sind Sitzplätze eigentlich ganz schön angenehm, aber bei dieser Art von Musik nicht wirklich förderlich für die Entfaltung von jeglich möglichen Bewegungsdrang der Zuhörer. Zumal die mobil aufstellbaren Sitzreihen den Nachbarn zum passiv Mitzappeln zwingen – gesundheitlich durchaus vergleichbar mit passiv Rauchen. Könnte ich mir jedenfalls vorstellen, als rücksichtsloser aktiv-zappler.

Blick nach vorn: Man beachte: Ungewohnt breite Bühne, rechts und links locker 4 Meter Platz…

Vor der Darbietung der eigentlichen Helden des Abends trällern Al Bano und Romina Power ein paar Schnulzen von der Bühne. Die drei ersten der gefühlt 50 Stücke wurden von Romina vorgetragenen und waren gerade noch erträglich. Als dann Al Bano neben der überaus theatralischen Bedienung des Tasteninstruments auch noch selbst sehnsuchtsvoll ins Mikrofon schmachtete, fühlte ich mich kurz im falschen Film – sprich, in der falschen Vorstellung! Oh Schreck! Aber auf dem HAMBURGER Großmarkt gibt es nur diese eine Bühne. Keine Verwechselung möglich. Hier muss ich also richtig sein!

Al Bano und Romina Power- alias Jennifer und Riccardo

Der durchaus vorhandene Respekt für den Herrn Vater von Romina, die in Wirklichkeit offenbar Jennifer Rothery heißt, führt anfangs meine Hände am Ende eines Stückes zögerlich zusammen, um ein leise klatschendes Geräusch abzusondern. Aber, wenn man es genau nimmt, war diese Handlung einfach nur heuchlerisch, im Besten Fall vielleicht nett. Familienbande kann man ja für Bühnenauftritte eigener Kinder noch gelten lassen. Machen andere auch. Peter Gabriel hat schon länger Tochter Melanie auf Tour mit dabei. Das hat Charme und ist durchaus ein Privileg eines stolzen Künstlervaters. Aber Freundschaft reicht nicht aus – da muss dann schon auch Leistung eine Rolle spielen. Und die fehlt bei Riccardo Romano, alias Al Bano, völlig. Seine Darbietung muss man als Grausam bezeichnen. Völlig unpassend, völlig schmalzig, völlig für den A…!

Aber hübsch die Ruhe bewahren, auch wenn es schwer fällt. Ist von den hier herrschenden Kräften so gewollt und es kann ja nicht immer nach dem Publikum gehen. Zumal, und das ist schon sehr verwirrend: Einige Zuhörer applaudieren tatsächlich fanatisch (jawohl, FA-NA-TISCH!) Ganz so, als hätten sie gerade Bob Geldorf, Paul McCartney, Bono, Michael Jackson, Madonna, Lady GaGa und den Papst in einer Person auf der Bühne erlebt.

Nach fünf, nicht fünfzig, Liedchen hat die Qual ein Ende. So eine  Vorgruppe hat ja seit jeher eine ganz klare Aufgabe: Die Messlatte so weit abzusenken das die eigentlichen Helden des Abens bei ihrem Auftritt locker darüber springen können. Doch eben jene eigentlichen Helden des Abends betreten immer noch nicht die Bühne. Umbaupause. Fragt sich nur, wieso das Abräumen eines Mikrofonständers und eines Keyboards samt Hocker 25 Minuten dauert. Und Umbaupause heißt. Vielleicht, weil es dann 21:00 Uhr ist und es endlich los gehen kann…

…und wie es los geht: MARILLION eilt auf die Bühne, kein langes rum-gelabere, sondern mal eben kraftvoll THE LEAVERS in allen fünf Akten als Opener aufgeführt. Die Mitmenschen in der Halle sind außer sich. Ich auch!

Pete, ganz hinten, Steve H. vorne

Vom Start weg toller Sound, tolle Lightshow und mindestens die beiden sehr gut gelaunten Steve Hogart (Gesang) und Pete Trewawas (Bass) wirken unmittelbar ansteckend. Der Drummer, Herr Mosly war wohl auch da. Jedenfalls konnten wir die herrlich satt abgemischten Trommeln erfreut in der Magengrube spüren, doch gesehen haben wir ihn nicht wirklich. Das übliche Versteckspiel mit diesem Herrn. Kennt man ja.

Steve Rothery

Steve Rothery, also sozusagen der Vater von oben genannter Romina, war anfangs offenbar nicht gut drauf. Schaute sehr ernst, haderte ein wenig mit den Einstellungen an seinem Gitarrenverstärker, spielte aber mal wieder sehr brillant. Man möge mir meine große Bewunderung und Achtung vor diesem Menschen bitte abnehmen – warum zur Hölle findet sich aber niemand in seinem Umfeld, der Herrn Rothery ein ganz klein wenig, wirklich nur sehr vorsichtig, sehr behutsam, ein paar freundschaftliche Hinweise zu seinem Bühnen-Outfit gibt? Würde ich ihn persönlich kennen, würde ich das machen. Nach ein paar Bier oder so. Dann würde ich mich trauen. Bestimmt! Auf der anderen Seite. Warum habe ich solche Gedanken? Warum schreibe ich das? Ist doch völlig egal, was der Mann anzieht. Ich interessiere mich doch nur für die exzellente Bearbeitung der Saiten seiner vielen Gitarren. So lange er das ehrlich, live und ohne doppelten Boden macht, kann er doch machen, was er will. Oder anziehen, was er will? Die Erklärung für diesen recht bescheuerten Gedanken ist recht einfach: Immer dann, wenn man jemanden besonders gerne mag, möchte man ihn (in der Regel ungefragt) verbessern. Das kennt jeder. Zumindest jeder der in einer seriösen Beziehung lebt. Das Gegenteil ist Gleichgültigkeit – weil einem der/die andere völlig egal ist. Herr Rothery ist mir nicht egal.

Mark Kelly

Mark Kelly hingegen wie immer sehr souverän als Herrscher über allem, hier und da mal ein Lächeln wenn der Herr Sänger mit mäßigem Erfolg das Publikum versucht zu beruhigen. Sein Keyboard-Solo von THIS STRANGE ENGINE: Einmalig! Die Geräusche und Klangeffekte von GAZA bringen einen an einen Ort, an dem man dann lieber doch nicht sein möchte.

Die drei schmerzlos eingestreuten (ich nenne sie mal) alten Schlager NO ONE CAN, BEAUTIFUL und COVER MY EYES muss ich geduldig hin nehmen – frage mich dabei allerdings, wie so was mit GAZA oder QUARTZ zusammen geht. So ist das wohl, wenn man 18 Platten erfunden hat und 1.200 anwesende Geschmäcker auf einmal befriedigen will, oder muss, oder sogar KANN?!

SEASONS END und THE PARTY sehr gut ausgesucht!

Und ganz zum Schluss einer aus der Mottenkiste. GARDEN PARTY. Da bin ich mir ja nicht so sicher, ob das wirklich schlau ist. Der Herr Sänger mag das Asbach-Uralt Lied offenbar nicht – jedenfalls kann er immer noch nicht den ganzen, vom damaligen MARILLION Sänger ausgedachten Text. Warum also wird hier und jetzt dieser sehr schwungvolle Klassiker als Rausschmeißer gespielt? Könnte sein, das Herr Rothery da Meinungsbildend tätig war. Denn eben jener spielt dieses Stück ja auch im zweiten Teil seiner STEVE ROTHERY BAND (SRB) Tour (im übrigen mit dem o.g. Riccardo Romano am Keyboard) und weiß aus eigener Anschauung, das das Publikum dabei regelrecht ausflippt. Doch es gibt zwei gewaltige Unterschiede zum hier und jetzt: Zum einen kann der (Cover-)Sänger der SRB, Martin Jakubski, den Text sehr, sehr gut und weiß auch durchaus ihn zu präsentieren. Zum anderen spielt SRB im unmittelbaren Anschluss, nahtlos an GARDEN PARTY das noch etwas ältere MARKET SQUERE HEREO und erlegt damit das nun vollständig ausrastende Publikum vollends – man ist wirklich froh´ wenn es dann vorbei ist. Weil man körperlich nicht mehr kann! Stimme, Muskeln, Arme, Beine – alles kaputt, ausgelaugt, erschöpft. Also bei SRB. Nicht im hier & jetzt.

OK, die sitzende Tätigkeit als enthusiastisches Publikum (teils in Abendgarderobe) in einer 1.500 Menschen fassende Halle ist offenbar etwas völlig anderes, als die paar hundert stehenden Kerle im KNUST.

Aber das muss ja auch so sein. Denn MARILLION als außerordentlich gut zusammenspielendes Rockkollektiv ist weit MEHR als alle Solo-Ausflüge einzelner Künstler, die ihr Repertoire mit ollen Kamellen aufpeppen wollen. Müssen?

Peter.

Steve Rothery Band 2018

Eines der tollsten (besser: Erschöpfensten!) Konzerte 2017 war sicherlich das der STEVE ROTHERY BAND Anfang Januar in Hamburg. Als dann Ende des Jahres 2017 die Ankündigung kam, er würde mit einem sehr ähnlichem Set und gleicher Besetzung im März 2018 wieder nach Hamburg kommen, waren die Karten schnell gekauft und die Vorfreude hielt sich ganz anständig über den Winter.

Gitarre: Steve Rothery

Während mich im Jahr zuvor DAVE FOSTER als Vorgruppe nicht wirklich in seinen Bann sog, war ich in diesem Jahr von STIJN GRUL sehr begeistert. Somit fing der Abend am 7. März 2018 im Hamburger KNUST schon mal sehr gut an!

Gitarre: Dave Foster

Nach einem schnellen Bühnenumbau kam dann der Meister aller Gitarren auf die Bühne und spielte einige Songs seines letzten Solo-Albums THE GHOSTS OF PRIPYAT. STEVE ROTHERY ist (zumindest auf der Bühne) kein Mann vieler Worte und so wurde nicht viel herum geredet, sondern kraftvoll musiziert. Und live sind die Instrumental-Titel um einiges Besser, als die super sauber abgemischten Studio Versionen.

Bass: Yatim Halimi

Einmal mehr war ich beeindruckt, mit welcher Präzision STEVRE ROTHERY und der zweite Gitarrist auf der Bühne, DAVE FOSTER, synchron spielen können. Für einen nicht-Musiker ist das pure Magie!
Besonders möchte ich an dieser Stelle auch den Schlagzeuger LEON PARR erwähnen. Sitzt da hinten irgendwo fast unsichtbar, haut wie wild auf die Trommlen und sorgt so für den extrem druckvollen Sound. Spitzenklasse!

Keyboards: Riccardo Romano

Nach einer kurzen Pause kommt MARTIN JAKUBSKI zusätzlich die Bühne – denn nun werden alte MARILLION Songs gespielt und deren Darbietung benötigt natürlich einen echten Sänger. Und wie schon 2017 geht das Publikum nun richtig ab.

Vocals: Martin Jakubski

Es entbehrt nicht einer gewissen Tragik, das der ursprüngliche MARILLION Sänger FISH nach vier Platten das Weite suchte, die Musik von MARILLION über die Jahre deutlich anders wurde und sich so in meinen Augen sehr positiv weiter entwickeln konnte. Da passen die alten Songs einfach nicht mehr in ein MARILLION Konzert. STEVE ROTHERY scheint diese Tragik in der MARILLION Bandgeschichte erkannt zu haben und befriedigt dieses unausgesprochene Verlangen nach Altem im Rahmen seiner Solo-Auftritte.

Steve Rothery Band

Elegante Lösung…

…wäre es nur nicht so, das diese alten MARILLION Songs heute einen unglaublichen Wums haben! Wenn ganz am Ende des Konzerts die MARILLION Debüt Singel MARKET SQUERE HERO aus dem Jahr 1984 den Saal 34 Jahre später vollständig zum kochen bringt und man selbst trotz völliger Erschöpfung noch kräftig mit zappelt, dann fragt man sich unwillkürlich, wie das wohl in den nächsten Jahren noch weiter gehen soll?

Nehmen denn diese Musiker niemals Rücksicht auf das willig zappelnde, aber gnadenlos älter werdende Publikum?

Doch, doch, manche Musiker ahnen scheinbar etwas!

So ist zum Beispiel das MARILION Konzert am 2. Dezember 2018 im Hamburger Mehr! Theater wieder bestuhlt. Das mit Sicherheit begeisterte Publikum wird also bequem im sitzen zappeln können.

Steve Rothery Band

Doch das war Herrn ROTHERY am letzten Mittwoch Abend offenbar völlig egal. Schließlich hätte ja jeder Besucher wissen können, worauf er sich einlässt. Also jedenfalls die Besucher, die 2017 auch schon da waren.

Und genau deshalb war ich ja schließlich auch wieder da! 😉

Peter.

Steve Rothery Band im Knust, Hamburg 4. Januar 2017

Unsere Konzertsaison 2017 haben wir  jetzt schon Anfang Januar eröffnet. Der Lifetime Gitarrist von MARILLION, Herr STEVE ROTHERY spielte im Rahmen einer kurzen Solo-Deutschlandtourne am Mittwoch, den 4. Januar 2017 im HAMBURGer KNUST.

Sehr trickreich hatte ich Heidi zwei Eintrittskarten zu Weihnachten geschenkt. Schlau, nicht wahr? Heidi war denn auch ganz froh´ ein paar vertraute Gesichter vom Fanclub THE WEB GERMANY wieder zu sehen und einen Platz mit guter Sicht zu bekommen.

Natürlich macht es wenig Sinn, wenn ein Gitarrist alleine auf der Bühne stehen würde. Also gibt es die Steve Rothery Band (STB) – wie sich heraus stellt, eine echt muntere Truppe! Die Begleitcombo besteht aus den Herren DAVE FOSTER (Gitarre), YATIM HAIMI (Bass), RICCARDO ROMANO (Keyboards) und LEON PARR  (Drums).

Eben jener Dave Foster macht auch eigene Musik und spielte zu Anfang des Konzerts ein paar Stücke seiner neuen Platte “DREAMLESS”. War OK, aber aus meiner Sicht eben auch nur Vorband. Danach betrat dann der Meister selbst die Bühne und in gleicher Formation ging es weiter. Erstaunlich, wie anders sich die Musik auf einmal anhört. Das aktuelle Solo-Album von STEVE ROTHERY heißt “THE GHOSTS OF PRIPYAT” und kommt völlig ohne Gesang aus. Mit zwei Gitarren kommen solche Instrumental-Stücke live natürlich schon sehr kraftvoll rüber. Ich kannte die Platte vorher nicht und “muss” mir die jetzt “leider” kaufen…denn die paar Stücke haben mir spontan sehr gut gefallen!

Aber, und das ist leider wirklich wahr:
Erst im Dritten Teil des Konzerts ging es richtig, also ich meine so richtig, richtig ab: Der Sänger MARTIN JAKUBSKI betritt die Bühne und es werden die Uralt-Kamellen der ersten vier MARILLION Platten aus den 1980´igern zum Besten gegeben. Ich bin ja nicht so für das alte. Alles hat seine Zeit. Auch die Musik. Aber ich muss zugeben: Ich war sofort voll mit dabei! Mensch, hat das Spaß gemacht! Mein absolutes Highlight war WHTITE RUSSIAN von der 1987 erschienen LP CLUTCHING AT STRAWS.

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Da stehe ich also. Über fünfzig Jahre alt. Inmitten anderer reiferer Herren, die aber mit meist weniger Haaren auf dem Kopf. Dreißig Jahre später.

Und gröle voller Inbrunst den Refrain mit: “RACIN´ THE CLOUDS HOME”.

Aus dem Stehgreif. Ohne nachzudenken. Alles noch da.

Wie gesagt. Eigentlich stehe ich nicht auf die Darbietung Uralter Sachen. Als wir dann mit GARDEN PARTY und einem extrem kraftvollen MARKET SQUERE HERO verabschiedet werden, tobt das KNUST und nicht nur ich frage mich, was denn hier gerade abgegangen ist. Ein sichtlich erfreuter STEVE ROTHERY verabschiedet sich dankbar und taucht später auch noch für Autogramme am Merchendise Stand auf.

Wer also immer die Gelegenheit hat, STEVE ROTHERY auch mal solo live zu sehen, der sollte sich Karten besorgen. Es lohnt sich. Absolut!

Peter.

P.S.:
Die paar beschissenen Bilder in diesem Beitrag habe ich wieder mit der GOPRO gemacht. Das war das letzte Mal. Das Teil nehme ich nie wieder auf ein Konzert mit. So ein Schrott. Jetzt suche ich also nach einer kleinen handlichen Kamera, mit der man super Konzertbilder machen kann. Also muss sie extrem lichtstark sein. Und sehr einfach zu bedienen. Robust. Keine beweglichen Teile. Ich habe eine Mission…