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KNAUSi Technik: Lautsprecher

Unser Wohnmobil KNAUSi auf Basis FIAT Ducato haben wir 2019 gekauft.

Wir haben es neu von einem KNAUS Händler in Norddeutschland, so wie es bei ihm auf dem Hof stand, gekauft. Außer der Auto- und Wohnmobilserienausstattung waren bereits einige Extras verbaut, die wir mit kaufen „mussten“, wollten wir dieses Wohnmobil unser Eigen nennen. Wollten wir. Schließlich sollte es ja auf Reisen gehen!

PIONEER AVIC-EVO1 ausbauen: Erst mal die geklemmte Frontblende ohne Schrammen aushebeln

So bekamen wir auch an das Autoradio – oder besser Car-Multi-Media-System in unserem DUCATO.

Denn diese Eierlegendewollmilchsau kann nicht nur einfach UKW Radio abspielen, nein, auch das gar nicht mehr so neue Digitalradio DAB+ kann es, über USB Anschlüsse Musik von anderen Datenträgern abspielen, sich über Bluetooth mit Gott und der Welt verwinden, irgendwie ANDROID AUTO oder APPLE CARPLAY verwenden und so weiter und so fort.

PIONEER AVIC-EVO1 ausbauen: Von der Frontblende die beiden Stecker abziehen (auf links/rechts achten)

Europaweit kann es via GPS und entsprechendem Kartenmaterial das Fahrzeug und den Fahrer navigieren. Manchmal auf abenteuerlichen Wegen. Telefonieren kann man dank der eingebauten Freisprecheinrichtung natürlich auch. Und schließlich hat es auch noch die Funktion eines Bildschirms für die Rückfahrkamera bei eingelegtem Rückwärtsgang. Sehr sinnvoll.

PIONEER AVIC-EVO1 ausbauen: Das Autoradio ist (bei uns jedenfalls) mit vier TORX Schrauben in einen Rahmen verschraubt. Alle vier los drehen und aufpassen, das sie nicht in den Spalt fallen 😉

Dieses wahnsinnig vielfältige und edle Teil hat einen Namen und einen Preis: PIONEER AVIC-EVO1, knapp über 1.000 € Neupreis

So weit, so gut. Ging halt irgendwie in der viel üppigeren Fahrzeuganschaffung einfach so unter.

Tragisch nur, das die Helden, die das PIONEER Teil nachträglich in KNAUSi eingebaut haben, sich ganz offenbar nicht die Lautsprecherfrage gestellt haben. Vermutlich haben sie noch nicht mal über die Lautsprecher nachgedacht. Es ging wohl in erster Linie um NAVI und die Rückfahrkamera.

PIONEER AVIC-EVO1 ausbauen: Ein wenig vorsichtiges Gezerre, ein wenig getüddel und schon hat man den Kabelsalat, der hinten aus dem Radio herausragt, in voller Pracht auf dem Armaturenbrett

Denn nur so ließe sich erklären, das sie dieses edle Teil (hallo: 4×50 Watt Musikleistung!) einfach so an die Standard-Fiat-Ducato Lautsprecher angeklemmt haben. Und das sind natürlich die billigsten, die es überhaupt geben kann. Das muss ja so sein, sonst kann man den günstigen Fahrzeugpreis eines DUCATO bei der Herstellung gar nicht erst erreichen. Build to Budget. Wenn diese super einfachen Lautsprecher (bei eBay für unter 5 € zu haben, das Paar!) dann auch noch durch ein simples 08/15 Autoradio bespielt werden, ist die Audiowelt ja noch in Ordnung, weil in sich konsistent. Kann man mit leben, wenn man einfach so nebenbei Radio hören will.

Nun, ein jeder der Musik liebt und mit so einer unglücklichen Kombination konfrontiert ist, wird über kurz oder lang danach streben, bessere Lautsprecher in sein Auto zu verbauen.

So also auch der große Musikliebhaber der derzeitigen KNAUSi Besatzung. Es ist allerdings nicht so, das der andere Teil (oder schreibt man neudeutsch „die andere Teil“?) keine Musik mag. Nur anders. In erster Linie vielleicht leiser?

PIONEER AVIC-EVO1 Bessere Lautsprecher einbauen: Nicht nur auf DUCATO achten, sondern auch auf die Impendanz

Ein mal mehr:
Der sehr große Vorteil des DUCATO besteht darin, das es ein sehr weit verbreitetes Auto ist. Es gibt einfach alle mögliche Teile und viel wichtiger, es gibt eine große Anzahl von Menschen, die die Teile selbst verbauen. Einige dokumentieren als Pioniere ihre Projekte im Internet auf ihren Websites und/oder bei YOUTUBE. Und schon können so einfach gestrickte Menschen wie dieser DUCATO fahrende Musikliebhaber das abkupfern und einen kleinen Erfolg ihr Eigen nennen.

PIONEER AVIC-EVO1 Bessere Lautsprecher einbauen: Alte Lautsprecher in den Türen ausbauen – Abdeckung nur geklemmt

Schon klar:
Bei meinem Daimler stellen sich solche Aufgaben nicht. Da war & ist von Anfang an alles perfekt. Am liebsten höre ich Musik im Daimler 😉

„…wenn sie laut ist.“
(der unvergleichliche Herbert Grönemeyer in „Musik nur, wenn sie laut ist“)

PIONEER AVIC-EVO1 Bessere Lautsprecher einbauen: Alte Lautsprecher in den Türen ausbauen – Abdeckung mit vier Klemmen

Doch wie so oft, wenn man heutzutage ein technisches Problem lösen möchte:
Die Systemauswahl der neuen Komponenten ist extrem schwierig. Das war früher doch echt einfacher. Heute gibt es nicht nur eine Vielzahl von Anbietern und Geräten, sondern auch eine Internet Kakophonie von „Kritikern“, die mehr oder weniger fundiert das eine Gerät in den höchsten Tönen preisen oder ein anderes in Grund und Boden vernichten.

PIONEER AVIC-EVO1 Bessere Lautsprecher einbauen: Neue Lautsprecher in die Türen einbauen. Steckverbindung und Schrauben

Hein Blöd sitzt vor dem Bildschirm, liest, versucht zu verstehen. Und um so mehr Hein Blöd liest, um so mehr ist er verwirrt, verdutzt und wird immer planloser. Nicht das der Kaufpreis das entscheidende Kriterium wäre, es soll halt nur das „richtige Teil“ fürs „richtige Geld“ sein. Alles andere wäre ärgerlich. Früher was das teuerste auch einfach das Beste. Ist heute nicht mehr so. APPLE? Schließlich muss das Teil dann ja mit einigem Zeitaufwand eingebaut werden. Das kann zwar auch Spaß machen, aber eigentlich nur, wenn man dann auch Erfolg hat. Oder?

PIONEER AVIC-EVO1 Bessere Lautsprecher einbauen: Etwas mehr Fummelkram bei den Hochtönern
PIONEER AVIC-EVO1 Bessere Lautsprecher einbauen: Etwas mehr Fummelkram bei den Hochtönern – die Halterung der Sichtschutzbelnde muss gelockert werden.

Nun denn, die Lautsprecher ESX DCS 165, passgenau für unseren DUCATO sollten es also sein.

Mit Hilfe von YOUTUBE und GOOGLE (sprich, anderen Internet Seiten) gelang der Einbau dann auch völlig problemlos, ganz wie versprochen. Beim Ausbau der „alten“ Lautsprecher fiel noch mal deren billigste Machart besonders auf. Membranen aus Pappe, das Magnetgewicht entsprach in etwa dem einer Briefmarke.

PIONEER AVIC-EVO1 Bessere Lautsprecher einbauen: Etwas mehr Fummelkram bei den Hochtönern

Um einen satteren Sound zu erhalten, wurden auch noch schicke ALUBUTYL Dämmplatten in die Fahrzeugtüren geklebt, ganz so wie es die Spezialisten empfehlen. Wenn schon, denn schon.

Das Ergebnis: Sagen wir mal „Überraschend“.

PIONEER AVIC-EVO1 Bessere Lautsprecher einbauen: ALUBUTYL Dämmplatten einseitig selbstklebend

Anders, in den Mitten und Höhen besonders gut. Doch egal was man an der Eierlegendenwollmilchsau auch einstellte, der Bass war mager, sehr mager sogar. Dabei kommt es auf den doch genau an! Jedenfalls wenn man alleine im Auto ist.

Hm, braucht man vielleicht doch noch einen extra Basslautsprecher, auch SUB-WOOFER genannt?

PIONEER AVIC-EVO1 SUB-WOOFER einbauen: TS-WX130EA

UND/ODER habe ich etwa die falschen Lautsprecher gekauft?

Denn, das wurde mir erst viel später bewusst: Auf der Packung der Lautsprecher steht groß und breit: Impendanz 3 Ohm.

Da war doch was?

Im kleingedruckten der Einbauanleitung der Eierlegendenwollmilchsau steht im Abschnitt „Zu Vermeidung von technischen Schäden“:

„Warnung:
Verwenden Sie Lautsprecher über 50 W (maximale Eingangsleistung) und zwischen 4 und 8 Ohm (Impendanzwert). Verwenden Sie für dieses Gerät keine 1 bis 3 Ohm Lautsprecher.“

Tolle Wurst.

Das hatte ich vorher nicht gelesen (weil zu klein, falscher Abschnitt, wer liest schon „Warnung“?) und wenn etwas genau für das Auto angeboten wird, was man gerade fährt, vermutet man ja wohl, das es schon richtig sein wird.
Aber auch richtig: Woher sollen die Lautsprecherleute wissen, welches Autoradio man eingebaut hat?

PIONEER AVIC-EVO1 SUB-WOOFER einbauen: Ausgebaute Mittelkonsole

Dank Herrn GOOGLE erst mal Entwarnung:
Dass das Autoradio wegen der „falschen“ Lautsprecher stirbt, ist wohl recht unwahrscheinlich. Vielleicht, ganz vielleicht, wenn man stundenlang am Strand Poweplay bei voller Lautstärke machen würde. Eher unwahrscheinlich. Also nicht das WÜRDE, sprich WOLLEN, sondern eher das KÖNNEN, oder besser das DÜRFEN.
Aber vielleicht entfalten die Lautsprecher keinen Bass, weil sie die falsche Impendanz haben?

PIONEER AVIC-EVO1 SUB-WOOFER einbauen: Ausgebaute Mittelkonsole – SUB-WOOFER an der Unterseite mit Spitzschrauben über Kopf anbauen
PIONEER AVIC-EVO1 SUB-WOOFER einbauen: Ausgebaute Mittelkonsole – Rückseite: Die vielen flachen Pins sind der Grund für den Ruck. Beim EInbau unbedingt auf richtige Position achten, sonst knicken die einfach so ab

„…gib mir Bass, Bass“
(Jan Delay in „Türlich, türlich“)

Also auch noch ein SUB-WOOFER!

Geht der ganze Scheiß noch mal los!

Welches Teil?

Wie baut man das ein?

Welches Werkzeug?

Welcher Zeitbedarf für Anfänger?

PIONEER AVIC-EVO1 SUB-WOOFER einbauen: Zwei Kabel von oben – CHINCH für das Audiosignal und Steuerleitung

So viel wird schnell klar:
Der Einbau eines SUB-WOOFERS wird deutlich schwieriger als der Austausch der Standardlautsprecher. Grund: Das Teil muss extra an das Radio angeschlossen werden und braucht auch noch eine eigene Stromversorgung direkt von der Autobatterie. Und schließlich muss dieses Teil ja auch irgendwo hin.

Einmal mehr recherchiert was das Zeug hält, eine Kaufentscheidung („PIONEER TS-WX130EA„) getroffen und das Projekt gewohnt beherzt in Angriff genommen.

Wie gut das einen Seemann so leicht nichts erschüttern kann, glaubt man Hans Albers.

PIONEER AVIC-EVO1 SUB-WOOFER einbauen: Abzeig der Steuerleitung

Die schier unendliche Anzahl von Kabeln, die einem entgegen quillt wenn man das PIONEER AVIC EVO1 aus seinem DUCATO ausbaut, könnte einen sonst leicht aus den Socken hauen. Wer diese vielen Kabel wohl alle an dieses kleine Gerät getüddelt hat? Menschen oder Roboter?

Will man ordentlich Bass haben, braucht man Strom. Viel Strom. Daher wird der SUB-WOOFER direkt an die Autobatterie mit einer eigenen Sicherung angeklemmt. Damit der Bassmacher nun nicht die ganze Zeit an ist und so lange Strom verbraucht, bis die Starterbatterie leer ist (und der Anlasser keinen Saft mehr hat), wird das Teil über einen Soft-Switch gesteuert. Die Eierlegendewollmilchsau stellt für solche Fälle eine Steuerleitung zu Verfügung. Wird das Autoradio (egal wie) eingeschaltet, führt die Leitung ein wenig Strom. Darüber wird dann ein Bauteil im SUB-WOOFER wach und schaltet elektronisch den Hauptstrom ein. Und auch wieder aus, wenn das Autoradio aus geht (egal, warum).

PIONEER AVIC-EVO1 SUB-WOOFER einbauen: Funktionstest auf dem Fahrersitz 😉

Nun, die Steuerleitung war dank der Farbcodierung leicht zu finden. Doch da hing frecherweise schon etwas anderes dran: Die aktive DAB+ Antenne.

Na ja, wird schon richtig sein (?).

Das Audiosignal wird ganz normal über eine CHINCH Verbindung übermittelt, ebenfalls eigener Anschluss am Autoradio, ebenfalls leicht zu finden.

Verbaut wurde der SUB-WOOFER unter der Mittelkonsole. Zum einen bekommt man da alle Kabel leicht hin, zum anderen ist da gut Platz und zum Dritten bekommt man die mit einer Schrauber und einem Ruck recht schnell raus – man braucht etwas länger, um sie wieder rein zu bekommen. Aber wieder mit einem Ruck 😉

Nun denn, im wesentlichen hat dieses Projekt auf Anhieb geklappt. Wenn auch mit mehrmaligen Nervenkitzel, denn es sind schon verdammt viele Kabel!

Allein, in der Formulierung „im wesentlichen“ steckt Luft für etwas nicht funktionierendes.

Der SUB-WOOFER schaltet sich in 2 von 10 Fällen einfach nicht mit ein. Schaltet man dann das Autoradio aus und wieder ein, wird der SUB- WOOFER in 10 von 10 Fällen auch mit eingeschaltet.

Nach vielen Überlegungen:
Entweder der SUB-WOOFER hat ´ne ganz besondere Macke oder die DAB+ Antenne klaut beim Einschalten ab und zu zu viel Strom von der Steuerleitung und der SUB-WOOFER bekommt den Einschaltvorgang einfach nicht mit.

Die Dramatik:
Auf unseren gemeinsamen Wohnmobiltouren wird der viele Bass gar nicht unbedingt benötigt.

Oder besser: Nicht gewünscht.

Oder noch besser: Verboten.

Irgendwie beschleicht mich ja gerade der Verdacht, das dies nicht der letzte Beitrag zum Thema Lautsprecher im Wohnmobil gewesen sein könnte.

Peter.

P.S.: Wer auch so ein Projekt vorhat: Es gibt viele Einbauanleitungen. Einfach mal ausgiebig GOOGEL nutzen 😉

KNAUSi Technik: LED Scheinwerfer

Unser Wohnmobil KNAUSi auf Basis FIAT Ducato haben wir 2019 neu gekauft.

Zur Serienausstattung gehörten herkömmliche H4 Scheinwerfer, merkwürdigerweise aber schon ein modernes LED Tagfahrlicht.

Das Foto war gar nicht so einfach zu machen, zeigt aber sehr deutlich den Unterschied von LED zu H4 Birnen

Ein jeder, der den Unterschied zwischen normalen (besser: alten!) H4 Abblend- und Fernlicht zu XENON oder LED Abblend- und Fernlicht kennt, wird zustimmen:

Ein Unterschied wie Tag & Nacht.

(Wie platt)

Man baut den ganzen Scheinwerfer aus – der ist mit nur zwei TORX Schrauben am Fahrzeug montiert.

Das moderne LED Licht ist so viel heller, so viel besser, das man eigentlich heulen müsste, wenn man nur H4 hat.

Und in der Konsequenz auf Nachtfahrten verzichten. Im dunklen mit verheulten Augen, da sieht man wohl gar nix.

Den Anschlussstecker VOR dem Lösen der TORX Schrauben am grauen Sicherungsring entriegeln und abziehen.

Doch hier kommt er, der technische Fortschritt, von denen unter anderem AUDI („Vorsprung durch Technik“) und die FDP („Nix tun, abwarten. Einfach auf den technischen Fortschritt vertrauen“) immer wieder gerne sprechen.

In diesem Fall hat OSRAM was für den technischen Fortschritt getan. Die haben LED Birnen im H4 Sockel entwickelt und sie beim Kraftfahrt-Bundesamt zum nachträglichen Einbau in Fahrzeugen mit H4 Licht zugelassen.

Die neuen OSRAM LED NIGHT BREAKER haben am hinteren Ende einen elektrischen Lüfter und einen eigenen Stecker mit Kabel für den elektrischen Anschluss

Das Problem dabei:
Jedes einzelne Fahrzeug, sogar jeder einzelne Scheinwerfertype muss einzeln zugelassen werden. Hut ab, ihr Leute von OSRAM, das ihr diese Odyssee durch die deutschen Zulassungsbestimmungen auf euch genommen habt! Vermutlich stimmt die Marge.

Nun denn. Im Mai 2021 war es dann soweit. OSRAM hat die Zulassung für ihre OSRAM NIGHT BREAKER LED Birnen auch für den Vorgänger FIAT DUCATO erwirkt und somit stand einer Umrüstung nichts im Wege!

Zieht man den Scheinwerferstecker erst nach lösen der TORX Schrauben ab und hat keine dritte Hand, die einen Putzlumpen zwischen Scheinwerfer und Kotflügel-Plastik bekommt, gibt es halt Kratzer…

Denn, das ist der Clou an der Geschichte: Das kann man beim DUCATO selber machen!

OK, man braucht noch einen TORX Schraubenzieher der Größe 27 und einen ordentlichen Putzlumpen, um Kratzer am vielen Plastik umzu zu vermeiden.

Und YOUTUBE, denn da ist in vielen Videos zu sehen, wie man diesen Umbau am Besten macht.

Wenn selbst der Schreiber dieser Zeilen in weniger als 15 Minuten die (in Fahrtrichtung) Rechte Seite umgerüstet hat (OK, mit Schrammen), die Linke danach aber in 10 Minuten ohne Schrammen, dann kann es wohl wirklich jeder. Oder jede. Neudeutsch.

Eine OSRAM LED Birne kostet 50 €, will man es beim DUCATO richtig machen, braucht man 200 € und den Schraubenzieher.

Es lohnt sich.

Wir sind nun schon öfters in der Nacht gefahren und es ist einfach nur klasse. Und somit jeden Euro wert!

Danke technischer Fortschritt!

Danke OSRAM!

Also nachmachen, wer einen FIAT DUCATO sein Eigen nennt!

Peter.

P.S.:
Der Schreiber dieser Zeilen gibt unter Druck zu, das er zusammen mit seiner lebenslangen Begleiterin 50 (oder so) unglückliche OSRAM Aktien im gemeinsamen Aktiendepot hält, die wir im Rahmen der SIEMENS Abspaltung irgendwann einfach so bekommen haben. Aber die leuchten trauriger Weise bei weitem nicht so doll wie die neuen NIGHT BREAKER unserem DUCATO.

Echt jetzt!

Kein Scheiß.

Tag 1-3, PILL, ANCONA und ADRIA

Der Lärm ist ohrenbetäubend.

Die Kulisse in der jetzt anbrechenden Nacht gespenstisch. Es riecht nach Diesel, verbrannten Öl und Hafen. Die riesigen Scheinwerfertürme um uns herum versuchen die allgegenwärtige Dunkelheit zu erhellen. Wir auf der Erde mitten im Getümmel, weit darüber zieht der Vollmond in aller Seelenruhe am Nachthimmel auf und spendet zusätzliches Licht für das merkwürdige Geschehen um uns herum.
Den grellweiße Strahl des Leuchtturms hoch über der Stadt hingegen bemerkt man nur, wenn man länger in seine Richtung sieht, so selten erscheint er. Nutzlos für uns an Land, früher hilfreich für die Leute auf See.

Abgaswolke in Blau

Wir befinden uns in einer wahren Orgie der Pferdestärken. Die noch verbliebenen 50, 60 oder gar 70 LKW´s warten mittlerweile sehr ungeduldig darauf, endlich auf die Fähre EUROPA PALACE der MINOAN LINES verladen zu werden. Die mächtigen Dieselmotoren der großen Sattelschlepper laufen seit Stunden warm. Geschätzt gut 20.000 PS dröhnen um uns herum, doch fast gewöhnt man sich daran. Unsere 150 PS nicht mit gerechnet, die sind abgestellt.

EUROPA PALACE läuft endlich in Hafen von ANCONA ein

Gegen 2200, drei Stunden nach der geplanten Abfahrt, setzt unerwartet ein wahres akustisches Inferno ein. Zunächst vernimmt man nur eines der mächtigen LKW Signalhörner, doch dann stimmen fast alle anderen LKW´s mit ein und es wird laut. Richtig laut. So beeindruckend laut, das ein Fahrer eines deutschen Wohnmobils ernsthaft überlegt, ob man wohl ein so gewaltiges Schallsignal auch im eigenen Fahrzeug einbauen könnte. Oder dürfte. Das Auto ist schließlich in Deutschland registriert und da ist nicht alles, was möglich ist, auch erlaubt.

Arbeiter auf Laderampe einer RoRo Fähre (anderer Dampfer)

Die verwegen aussehenden LKW Fahrer sind mächtig sauer.

Erst einmal hat die Fähre schon bei Ankunft drei Stunden Verspätung und dann klappt das Beladen im Hafen von ANCONA ganz offensichtlich auch nicht. Des öfteren passiert minutenlang kein Fahrzeug die breite Laderampe. Das kann so nicht gewollt sein. Das sehen natürlich auch die Kapitäne der Landstraße und werden immer ungehaltener. Kommt ein Loadmaster auch nur in die Nähe der aufgebrachten Meute muss er sich wüste Beschimpfungen anhören. Selbstverständlich verstehen wir kein Wort, doch Lautstärke, Wiederholungen und Grimassen sprechen mehr als 1.000 verstandene Worte. Handgreiflichkeiten bleiben aus. Zum Glück.

Aus PALERMO, so so…

Einige ganz verärgerte LKW Fahrer halten sich nun nicht mehr an die Anweisungen der Loadmaster und fahren einfach drauf los. Nutzen jede Lücke um zur Laderampe der EUROPA PALACE zu kommen. Durchaus beeindruckend, wie diese Fahrer ihre Trucks in der umgebenden Enge beherrschen. Doch wir erwarten bei der Aktion nun richtigen Ärger. Diese versuchte Eigenmächtigkeit kann nicht ohne Folgen bleiben. Darf nicht ohne Folgen bleiben! Zur Verblüffung der anwesenden Deutschen kommen die Fahrer mit ihrer Unverfrorenheit durch! Man lässt sie tatsächlich passieren, obwohl sie gar nicht an der durch die Loadmaster vorgegeben Reihe sind. Das bekommen auch andere Fahrer mit und nun bricht das absolute Chaos vor und auf der Laderampe der EUROPA PALACE aus. Alle wollen sich nun selbst verladen. Eine Zeitlang geht gar nichts mehr, doch dann klariert sich die Situation und es wird gemächlich weiter geladen.

Markthalle von ANCONA

Gegen 2230 gehen wir fest davon aus, das wir im Hafen übernachten müssen weil wir nicht mehr mitkommen werden – wenn beim Beladen einer RoRo Fähre der stärkere gewinnt, bleibt die Vernunft wie so oft auf der Strecke und am Ende fehlt der Platz. Nur wer ordentlich staut bekommt alles mit.

Völlig unerwartet kommt durch die Dunkelheit ein Loadmaster daher geschlendert und meint, wir sollten jetzt auch mal auf das Schiff fahren. Das lassen wir uns nicht zwei mal sagen und sind geschätzt eine Minute später mit unserem Auto bereits im großen Bauch des Schiffes. Über eine Rampe fahren wir ein Deck höher und vernehmen schon vom weiten das Geschrei der Einweiser. Fast könnte man denken, es handele sich bei dem Job der Einweiser um ein Aggressionsabbau-Programm für ganz schwierige Fälle, so aggressiv, so gehetzt, so ungeniert laut brüllen sie ihre Kommandos. Statt den eintreffenden Fahrern sittsam erst mal klar zu machen, wo sie ihr Auto eigentlich abstellen sollen bellen sie im unangenehmsten aller Töne schwer verständliche Rangierkommandos (vermutlich: left, right, back, forward) und erwarten schnellste Umsetzung durch den völlig entgeisterten Fahrer.

Kirche in Ancona

Schon klar.

Die Einweiser stehen unter höchstem Druck denn sie und nur sie werden die Ursache für die enormen Verspätungen der EUROPA PALACE sein. Das Zusammenspiel der Loadmaster vor der Laderampe und den Einweisern auf den Ladedecks muss perfekt laufen, sonst gibt es Verzögerungen durch Lücken, wo keine sein sollten oder durch unnötige, aber zeitaufwändige Rangiermannöver weil da wo man hin soll gar nicht so viel Platz ist.
Schicken unten die Loadmaster ein gerade unpassendes Fahrzeug hoch, kämpfen die Einweiser oben auf engstem Raum gegen Windmühlen und die normative Kraft einer faktischen Bordwand aus Stahl.

FINCANTIERI Werft in Ancona

Nun haben wir ja dieses im Grundsatz funktionierende chaotische Lade/Löschsystem schon des öfteren bewundert. Steht es doch im krassen Gegensatz zu den durchorganisierten nordeuropäischen Verfahren zum Be-/und Entladen von Fähren in Deutschland, Dänemark, Schweden oder Norwegen.

Doch diesmal zeigt das Chaos endlich mal sein wahres Gesicht. Es funktioniert nicht.

Gegen 2330 beziehen wir unsere bescheidene Innenkabine, kurz vor Mitternacht legt der Dampfer endlich ab.

FINCANTIERI Werft in Ancona

Was wir nicht wollen, aber wohl auch nicht ändern können: Mitten in der Nacht in PATRAS ankommen. Das ist immer doof. In Dunkelheit auf unbekannten Terrain einen halbwegs guten Platz für die Nacht zu finden. Schauen wir mal.

Am Nachmittag zuvor haben wir ungeplant zu Fuß die Altstadt von ANCONA erkundet. Das Auto stand sicher und videoüberwacht auf dem Parkplatz vor dem Büro der Fährgesellschaften. Erstaunlicher Weise gibt es einen kurzweiligen Fußweg durch das Hafengebiet in die Altstadt. Die Idee zu diesem Ausflug hatte die Frau im Ticketoffice. Sicher nicht das erste mal, das eine Fähre drei oder vier Stunden Verspätung hat und die Wohnmobilgäste vor Langeweile zu platzen drohen.

Camperstop in OFFAGNA

Von weitem sehen die alten (historischen) Gebäude super gepflegt aus, doch je näher wir kommen um so deutlicher erkennen wir den Verfall. Als wir ganz oben bei dem alles überragenden DOM VON ANCONA angekommen sind haben wir einen guten Blick über die Altstadt, aber einen wirklich grandiosen Ausblick auf die FINCANTIERI Werft direkt zu Füßen des Berges. Muss man mögen, so eine extrem detailreiche Industriekulisse. Mag zumindest einer der anwesenden reisenden sehr!

Auf dem Friedhof von OFFAGNA

Die Nacht zuvor haben wir wieder im nahe gelegenen Bergdorf OFFAGNA übernachtet. Mit dem klaren Vorsatz, sich in der ortsansässigen Pizzeria erneut den Bauch voll zuschlagen. Es folgt ein Satz mit X: Das war wohl nix! Der Laden ist umgezogen. Es dauert eine kleine Weile bis wir mittels Übersetzung verstehen, das sie leider nicht innerhalb von OFFAGNA umgezogen sind, sondern ans Meer in einen direkten Vorort von ANCONA. Tolle Wurst. Die Ausweichlokalität macht keine Pizza, Vorspeise war OK, Hauptgang für´n Hintern. Es bleibt beim X, kann man machen nix!
Doch der Ort bleibt natürlich schön und somit jederzeit einen Abstecher wert. Wer braucht in Italien schon Pizza?

Auch bei der ersten Station dieser Herbstreise blieben wir auf der Fährte der letzten Griechenland-Tour. PILL in Österreich. 950 Kilometer von ELMSHORN entfernt. Nach gut 11 Stunden problemlos über die Ostdeutschen Autobahnen erreicht. Während wir im letzten Jahr wegen CORONA auf österreichische Spezialitäten verzichten mussten, konnten wir nun im KLAUSEN zu PILL Kartoffelknödel, Schweinebraten und Sauerkraut genießen. Und KAISER Bier. Wie köstlich!

Und wie immer, wenn man eine Sache ein zweites Mal macht und denkt, man kennt schon alles: Beim zweiten mal hat man die Hälfte der akribischen Vorbereitung der ersten Reise längst vergessen (z.B.: neben der digitalen Streckenmaut braucht man ein zweites Mautticket für den Brenner) oder die Welt hat sich unerwartet weiter gedreht: Im letzten Jahr galt es unbedingt zu vermeiden, in Österreich zu tanken. Schon gar nicht in Italien! Diesmal sind Tankstellen in Österreich, natürlich abseits der Autobahn, erste Wahl: 1,399 € für einen Liter Diesel in der Nähe von PILL. 100 Liter des 120 Liter fassenden Autotanks haben wir für die Anreise verbraucht, so macht das Tanken zwar nicht unbedingt Freude, doch es verschafft eine gewisse Befriedigung nicht für 1,759 € (Österreich Autobahn) oder 1,589 € (Deutschland, Landstraße) getankt zu haben.

In der Altstadt von OFFAGNA

Doch das ist alles Vergangenheit.

Jetzt sitzen wir in der prallen Sonne auf Deck 9 der zwanzig Jahre alten EUROPA PALACE, schlürfen unseren Vormittagskaffee und lassen den Blick über das tiefblaue Wasser der ADRIA schweifen. Der Dampfer wurde bei HDW 2001 in KIEL gebaut und wenn man hin sieht, erkennt man überall das Alter.

Das mit der Sonne, das ist ja in Wahrheit der eigentliche Sinn dieser Reise.

Die in der Regel mit der Sonne verbundene Wärme im übrigen auch.

Peter.