MAROKKO 2022 MT64 Merzouga Wüstentour

[Achtung: Das wird lang, sehr lang, sehr sehr lang!]

Das OMAR SHARIF Double aus dem vorherigen Beitrag heißt in Wirklichkeit Mohamed und ist ein örtlicher Wüstenführer. Umgangssprachlich: Tourguide. Wie versprochen fährt er mit seinem Jeep vorweg zu einem recht entlegenen, rechteckigen flachen Haus am Rande der Wüste. Campingplatz würde man wohl eher nicht dazu sagen. Sieht aber ganz OK aus, jedenfalls für den, der unbedingt die Wüste sehen, der die Wüste mit allen Sinnen erleben will!

Camping LA TRADITION, MERZOUGA, MAROKKO

Der freundliche und auf Anhieb sympathische Mohamed liefert uns im Haus bei einem Kerl ab, der zwar freundlich tut, aber mit absoluter Sicherheit in der oberste Liga der „Touristen über den Tischzieher“ spielt. Er sei der Boss von Mohamed und würde uns jetzt mal bei einem Begrüßungstee sein Wüstentourangebot vorstellen wollen. Wir könnten auch gleich in die Wüste aufbrechen, wenn wir wollten. Powerselling as its best.

Oh je, wo sind wir bloß hineingeraten?

Von der langen Fahrt sind wir müde und wollen eigentlich erst mal in Ruhe in der Wüste ankommen. „Campingplatz“ ist hier ganz offenbar nur der Köder, 5 € die Nacht spricht Bände. Wüstentouren verkaufen, das ist das Geschäft!

Nun, der unangenehme Kerl ist so unangenehm, dass wir uns gar nicht erst seinen Namen merken wollen. Wir verstehen grob, was auf der Tour alles geboten wird und fallen direkt vom Stuhl, als er endlich mit dem Preis herausrückt. Wir sind ehrlich entsetzt! Doch ein waschechter arabischer Verkäufer nimmt auf solche Befindlichkeiten von weißen Touristen natürlich keine Rücksicht.
Nach zähem Ringen ohne Notwendigkeit gespielter Entrüstung einigen wir uns auf einen Preis und den Aufbruch am kommenden Morgen um 1000. Vorkasse, versteht sich. Nach Übergabe des Geldes haben wir dann den unangenehmen Kerl nie wiedergesehen. Auch OK.

Der Abend bricht schnell herein, leider auch ein kleiner Sandsturm, der in keinem dem Autor bekannten Kinofilmen so viel Sand und Staub einfach überall hin befördert, wo er nicht hingehört. Erstaunlich: Wüstenfilme auf dem Sofa anschauen war so viel einfacher: Keine drückende Hitze, kein Sand auf den Zähnen, kein Sandstaub im A…….ach lassen wir das einfach.

Campingplatz LA TRADITION in MERZOUGA, MAROKKO

Nach einer unruhigen, einsamen Nacht sind wir am frühen Morgen eher gerädert als erholt. Gegen 0400 ist der Wind weg und wir können die Fenster und Dachluken im Wohnmobil öffnen. Eine herrliche klare und kühle sandfreie Luft umgibt uns und wir sind allein. Eine Zeitlang nur, dann erscheint Mohamed gegen 0900 und spült erst mal sein Auto mit Wasser ab. „Zuviel Sand überall!“.
Wir laden unser Gepäck in seinen Jeep und los geht die, um das hier mal vorweg zu nehmen, sensationell tolle 24-Stunden Wüstentour für Anfänger:
 
1) Fossilien suchen
2) Miene besichtigen
3) Verlassene Lehmhaussiedlung besichtigen
4) Ausgedehnte Mittagspause bei Nomaden vom Stamme der Berber
5) Bezug des Wüstencamps
6) Begrüßungstee
7) Dromedareiten
8) Abendessen
9) Lagerfeuer und Stammesmusik
10) Frühstück
11) 4×4 Sanddünenralleyfahrt
12) Gärten von Merzouga

Immer und überall: Shopping on the road

Die Gegend um MERZOUGA herum nennt man ERG CHEBBI. Das bedeutet so viel wie „schwarze Wüste“. Denn neben ein paar großen Sanddünen gibt es riesige flache Flächen, in denen schwarzes Gestein, schwarzes Geröll den Boden bedeckt. Bis zum Horizont, dort ist mal wieder eine begrenzende Bergkette zu erkennen und die Grenze zum Feind Algerien zu vermuten.

Fossilien in der ERG CHEBBI Wüste bei MERZOUGA, MAROKKO suchen

Mohamed kurvt mit uns ein wenig über diese schwarze Schotterlandschaft herum, hält an und meint, jetzt wollen wir hier erst mal Fossilien suchen. Klar, kann man hier in der Steinwüste in bückender Haltung selbst machen, oder aufrechtstehend in einem der zahlreichen Shops am Straßenrand auch einfach kaufen. Obwohl erst 1100 ist es schon kochend heiß.
Und tatsächlich: Hier und da finden wir eine kleine versteinerte Schnecke, da den Rest eines Schildkrötenpanzers. Oder auch nur einen ordinären Stein, der gut aussieht.
Hier treffen wir auch auf den ersten fliegenden Händler. Sitzt da mitten in der Wüste und vertraut darauf, dass die Tourguides Touristen vorbei bringen. Unsere Strategie für solche Fälle: Interessiert schauen und den Ausführungen des Verkäufers folgen und nur bei Gefallen ein Erinnerungsstück nach zähem feilschen käuflich erwerben. Die, die eigentlich die Beifahrerin ist, entwickelt sich im Laufe der Tour zu einer waschechten Berberin, mit denen die durchweg männlichen Verkäufer so manche nervenaufreibende Verhandlung führen werden. Wer die Frau herausfordert ist selber schuld, denkt der, der den Zündschlüssel bewacht.

Verlassene Erz Mine in der ERG CHEBBI Wüste, am linken Bildrand ein Fossilienhändler

Zu Fuß laufen wir zu einer alten Erz Mine hinüber. Mohamed verspricht, mit dem Auto nachzukommen. Da ist unser ganzes Gepäck und auch die Fotoausrüstung drin. Vertrauen! Ohne Vertrauen geht gar nichts.

Die Erz Mine besteht aus sehr, sehr tiefen Löchern oder Gräben in der Erde. Betrieben von den damals herrschenden Kolonialherren aus Frankreich, Mangement only versteht sich. In den gefährlichen Spalten und Löchern hackten natürlich nur Ein geborene herum. Gefährlich sind die Löcher immer noch, die zu erkennende Absperrung hat eher symbolischen Charakter. 20, 30 Meter geht es da in die Tiefe. Gleich neben an, weiter oben auf dem nächstgelegenen Berg wurde das Erz offenbar direkt verarbeitet, denn alte zerfallene Gebäude zeugen von einer Produktionsstätte längst vergangener Tage. Von dort ist der Rundumblick phänomenal.

In der Zwischenzeit ist auch Mohamed mit dem Auto aufgetaucht und bewacht eben jenes. Hier oben ist der Bär los, jede Menge Touristen mit anderen Tourguides und anderen Autos. Vermutlich alles Flugtouristen, so weiß, so sauber und so schick angezogen, wie sie sind.

Lehmhaussiedlung der Minenarbeiter der Erz Mine von ERG CHEBBI

Die damaligen Bergarbeiter haben gleich neben der Mine in einer Siedlung aus flachen Lehmhäusern gewohnt. Die französischen Dienstherren hatten schon damals auf einer Anhöhe schicke Steinhäuser. Die gibt es immer noch, da ist jetzt das Militär drin und bewacht den Feind. Die Siedlung ist allerdings fast vollständig zerfallen und doch scheint das ein oder andere Haus noch bewohnt zu sein. Recht deprimierend, die Szenerie und die Geschichte dazu. Keine Lust, Fotos davon zu machen.

Diese endlose Geröllwüste bis zum Horizont!

Endelose Gerölsswüste inklusive Fata Morgana

Unsere nächste Station führt uns zum Mittagessen in ein Nomadenzelt. Die stehen hier weit verteilt in der Fläche, je Familie ein Lager. Seit Jahren ziehen die Nomaden nicht mehr weiter. Die extreme Trockenheit ist ein Grund, ein anderer ist, dass MAROKKO mit ALGERIEN im Streit liegt und die Algerier peinlich genau darauf achten, dass keiner, wirklich keiner die Grenze überquert. Auch wenn das für die Nomaden seit Jahrhunderten Brauch war.

Berberzelt in der Wüste von ERG CHEBBI bei MERZOUGA

Unsere Gastgeberin Karima gehört wie Tourguide Mohamed zum Stamme der Berber und sie wohnt hier alleine mit ihrem Sohn Ali und der Oma. Es gab auch mal einen Mann im Haus, aber der ist schon seit Jahren fort. Mohamed verschwindet mit einer großen mitgebrachten Einkaufstasche im Wohnzelt, wir setzten uns auf Teppiche in einem der drei für Touristen aufgebauten halboffenen Berberzelte. Zwei Seiten sind geschlossen, zwei offen. Wie angenehm kühl und frisch es unter dem Zeltdach ist! Ganz hervorragend, denn natürlich machen wir die Wüstentour im Auto ohne Klimaanlage. 

Ali, der anfangs schüchterne kleine Junge, macht den Service und bringt den hier üblichen stark gesüßten Pfefferminztee. Berberwhisky nennen sie das hier. Getrunken wird aus kleinen Gläsern. Und dann geht unser mittägliches Wüstenfestmal so richtig los: Köstliches Eieromlette auf würzig passierten Tomaten, Salat aus Tomaten, Zwiebel und Paprika mit Thunfisch und Brot. Köstlich! Mit gutem Essen bekommt man den, der normalerweise den Zündschlüssel bewacht, immer!

Auch in den anderen beiden Touristenzelten gibt es Betrieb. Aber einige kommen nur zum 2,5-minütigen Fotoshooting, andere trinken nur kurz einen Tee und brausen weiter.

Begrüßungstee im Berberzelt der Wüste ERG CHEBBI bei MERZOUGA

Wir haben derweil Mühe, alles Aufgetischte aufzuessen. Während des Essens sind wir alleine in unserem luftigen Zelt. Zum Nachtisch gibt es Orangen und Äpfel. Es wird abgeräumt und Mohamed gesellt sich zu uns. Wir lümmeln uns ja sowieso auf den erstaunlich sauberen Teppichen mitten in der Wüste herum, aber Mohamed schnappt sich ein Kissen und macht sich lang. Pause machen, wenn Pause möglich ist. Irgendwann kommt der schüchterne Ali dazu und noch später Mutter Karima. Wir verbringen gut drei Stunden im schattenspendenden Berberzelt und lernen ein wenig dazu:

Als Nomadenkind wird Ali niemals eine Schule besuchen. So wie auch Mohamed niemals eine Schule besucht hat. Denn seine ersten 16 Lebensjahre hat er als Nomade in Zelten in der Wüste verbracht. Umso faszinierender, wie gut er deutsch, englisch und französisch spricht. Und auch schreiben kann. „Alles von den Touristen gelernt!“. Und tatsächlich: Oft macht er sich in seinem Handy Notizen zu Wörtern und Begriffen, die wir verwenden, die er aufschnappt und deren Klang er gut findet. Wir erklären ihm das er ja eigentlich ein Koberer sei, aber andererseits ja auch nicht, weil er die gekoberte Tour dann ja auch selbst durchführt. Er versteht den Unterschied: Wenn er beim Verkaufen Mist verspricht, muss er die Suppe selber auslöffeln.
Das Wort, seine Bedeutung und die Bilder von echten Koberern in Hamburg faszinieren ihn so sehr, dass dieses Wort noch sehr oft während unserer gemeinsamen Tour fällt.
Wir wollen verstehen, wie das Touristengeschäft genau läuft, doch Antworten darauf bekommen wir nicht. Nur, dass Karima Geld für unseren Besuch bekommt. Wie groß, oder besser wohl wie klein ihr Anteil am Kuchen ist erfahren wir leider nicht. Karima ist 30 Jahre alt und hat ein wirklich hübsches Gesicht. Doch wenn sie mit Mohamed über Dinge spricht, die wir nicht verstehen, wird das hübsche Gesicht von einer Sekunde auf die andere hart, grimmig und hässlich.

Aus Spaß versuchen wir Ali die deutschen Zahlen von eins bis fünf beizubringen. Und stellen betroffen fest, das er noch nicht mal in seiner Sprache bis fünf zählen kann. So ein hübscher, niedlicher kleine Junge. Es wird Zeit sich emotional abzugrenzen: Wir können und wir wollen auch nicht in das Leben anderer eingreifen. Ganz offenkundig ist Ali glücklich mit seinem Leben. So freundlich wie er ist, so viel, wie er lacht.

Wüstencamp für Touristen in der ERG CHEBBI Wüste bei MERZOUGA, MAROKKO

Die Sonne beginnt bereits am Himmel zu sinken und wir verlassen diese freundliche nette kleine Familie in der Wüste. Wir wissen, das Geld nicht glücklich macht, aber ein gutes Trinkgeld lassen wir da und auch einen Kugelschreiber für Ali. Am tollsten findet er das Klicken der Mine daran. Schreiben kann er ja nicht.

Die Fahrt zu unserem Wüstencamp für die Nacht ist kurz. Wir nähern uns den Sanddünen von der anderen Seite: Geschätzt 2 bis 3 Kilometer hinter den Dünen steht unser Wohnmobil. Es gibt ungefähr 15 Camps am Rand der Sanddünen. Alle anderen sind weiße Plastikzelte, die fast wie eilig aufgebaute Flüchtlingscamps aussehen. Alle Zelte in unserem Camp sind fast schwarz und bestehen außen aus dem gleichen dicken Stoff wie die Berberzelte am Mittag. Jedes Zelt hat eine hässliche Eisentür und ein kleines Fenster, das sich öffnen lässt. Im Zelt sind mit bunten Stoffen die Wände und die Decke ausgeschlagen. Eine Doppel- und eine Einmanmatratze liegt auf dem mit Bastmatten aus Plastik ausgelegten Boden. Bettlaken, Kissen und Decken.
Die Fachfrau der Reisegruppe ist froh´ dass wir unsere Reservedecken aus dem Wohnmobil mit genommen haben.

Wüstencamps für Touristen in der Nachbarschaft, 4×4 Buggyplage, ähnlich Jetski auf dem Meer

Das Wüstencamp besteht neben den Unterkünften für die Gäste aus einem Speisezelt, einem Teezelt sowie aus zwei Sanitärzelten mit je zwei Toiletten und sogar Duschen! Damit man nicht permanent durch den Wüstensand stolpert, liegen auf den Laufflächen überall Teppiche herum. Verrückt. Klasse verrückt!

Der Campmanager, ein hagerer großer freundlich dreinblickender Typ heißt uns willkommen und bringt sofort den obligatorischen Pfefferminztee. Wir sind die ersten Gäste für diesen Abend, kurze Zeit später kommen noch zwei französische Familien standesgemäß auf Dromedaren angeritten, ein Schweizer Vater mit seinem Sohn per Jeep und später am Abend zwei Frauen aus Argentinien, von denen eine ganz offensichtlich was mit ihrem Tourguide am Laufen hat 😉

Die eine Frau, die als Mannschaft die halbe Welt umsegelt hat, die in Malaysia einen Elefanten geritten hat, die in Indonesien mit Schildkröten geschwommen ist, die möchte nun auch mal in Marokko auf einem Dromedar reiten. Das Tier hat natürlich einen Namen: JIMI HENDRIX, im Ernst jetzt. Der Tierbetreuer führt JIMI an der Leine mit der Beifahrerin darauf in die Wüste und der, der den Zündschlüssel bewacht denkt kurz darüber nach, wann er bei anhaltendem Fernbleiben der Beifahrerin wohl unruhig werden sollte? Die obligatorischen Fotos, ein kleines Trinkgeld für den, der Überstunden machen musste und zurück ins Camp.

Ganz schön weit weg, die Beifahrerin von dem, der den Zündschlüssel bewacht

Zu unserer schönen kleinen, sympathischen Runde. Wir essen alle zusammen im Esszelt Linsensuppe, Tajine mit Huhn und Gemüse und Orangen zum Nachtisch. Lecker. Der Campmanger bittet uns sitzen zu bleiben. Eine der Frauen aus Argentinien habe Geburtstag. Licht aus, kleine Zeremonie und gemeinsamer Gesang. Und als Lohn für die Kulisse anteilig ein kleines Stück Sahnetorte.

Lagerfeuer und Trommelmusik im Wüstencamp von ERG CHEBBI

Doch damit ist der Abend noch nicht vorbei: Vor dem Camp brennt jetzt ein Lagerfeuer und alle Tierführer, Köche und Tourguides, die trommeln können, machen Musik für uns staunende Touristen. Absolute Dunkelheit, grandioser Sternenhimmel über uns, hypnotisch wildes aber doch rhythmisches Trommeln, angenehme Abendkühle und die Flammen des offenen Feuers. Die Trommelstücke sind lang, nach drei sehr verschiedenen Stücken brechen die ersten in Richtung Koje auf, wir auch. Eigentlich nichts getan, doch davon völlig erschöpft.

Druckbetankung.

Eine weitere sehr unruhige Nacht folgt. Die erste Nacht seit über 60 Tagen nicht im eigenen Auto. Alles stockdunkel, extrem still und gegen Morgen sehr kalt. Muss halt so sein. Gehört dazu.

Wecken um 0540: Zack, Zack, Sonnenaufgang in der Wüste bewundern! Die Bewunderung hält sich in Grenzen, denn es ist sehr diesig und trüb. Kann man machen nix, oder doch, man kann nach Rückkehr ins Camp gegen 0700 auch mal frühstücken. Brot, Omelette, Marmelade. Was das Herz begehrt!

Irgendwann taucht Mohamed wieder auf. Er hat wohl die Nacht auch im Camp verbracht, war aber für uns mehr oder weniger Unsichtbar. Wenn wir fertig seien, könnten wir ja los zu den Gärten von MERZOUGA.

Ja klar, weiter geht die Wüstentour!

Im Garten von MERZOUGA – Kleingarten auf Marrokanisch

Jeder Einwohner von MERZOUGA hat ein Anrecht auf eine Parzelle in dem bewässerten Gebiet, aber kein Nomade. Nicht jeder nutzt dieses Angebot. Das Bewässerungssystem ist faszinierend: Über ein unterirdisches Rohleitungssystem kommt Wasser aus der fast leeren Talsperre einige hundert Kilometer weiter im Norden, die wir bei der Anfahrt nach MERZOUGA bereits gesehen hatten. Das Rohleitungssystem läuft parallel zur Nationalstraße, alle paar hundert Meter sieht man Inspektionsluken am Straßenrand. So wird die ganze Gegend hier mit Wasser versorgt, denn zuletzt hat es so richtig 2006 geregnet. Durch die Gartenanlage läuft ein betonierter Graben. Man erkennt die Strömung im Wasser – unglaublich, das die Erbauer ein so geringes Gefälle über eine so weite Strecke erreicht haben. Die Abzweigkanäle zu den einzelnen Parzellen werden einfach mit Lehm verschlossen. Unbegreiflich, das niemand aus Versehen oder aus „Spaß“ (Dummheit) einen dieser kleinen Lehmdämme entfernt und dadurch das ganze Wasser ableitet!
Wir sehen eine Reihe von Leuten, die ihre Parzelle beackern. Unkraut jäten, ernten, pflanzen, was auch immer. Wie überall auf der Welt.

Zum Abschluss noch in einen unangenehmen Tourishop, denn die Beifahrerin möchte unbedingt eine TAJINE mit nach Hause nehmen. Wir wollten es so und Mohamed war so nett, uns vorbei zu fahren. Doch diese Läden mit diesen aufdringlichen Verkäufern sind nicht unsere Sache. Schon klar: Leben und leben lassen, sagen hier alle. Aber dieses ungute Gefühl, über den Tisch gezogen zu werden, das mag wohl niemand.

Einmal mehr überzeugt die Beifahrerin, das auch eine nette kleine deutsche durchaus wie eine echte Wüstenfrau feilschen kann. Diesmal sogar mit dem Angebot des Verkäufers, das der, der den Zündschlüssel bewacht seine Frau einfach dalassen soll: Die könne man hier gebrauchen!

Nein, nein, lieber nicht. Der sonst so gerne angebrachte schlechte Witz: „OK, für zwei Kamele gebe ich sie her“, bleibt unausgesprochen.

Nicht, dass am Ende noch jemand auf den Handel eingeht!

Nun, schließlich bringt uns Mohamed zurück zu unserem Wohnmobil, alles ist so, wie wir es hinterlassen haben.

Unsere Wüstentour ist vorbei, wir sind völlig platt von den vielen, vielen Eindrücken und werden uns heimlich und unbeobachtet zu dem ursprünglich geplanten Campingplatz, 6 Kilometer weiter im Norden vorholen. Durchschnaufen durchaus nötig!

Überschwängliche Verabschiedung, Mohamed will uns auf Rückkehr im kommenden Jahr mit der ganzen Familie und vielen Freunden verpflichten. Er könne da ganz tolle Touren auf die Beine stellen.

Ja klar, Mohamed. Das glaube wir Dir sehr gerne!

Egal, was wir nun für diese tolle Wüstentour bezahlt haben, egal, dass der eine Typ am Anfang so unangenehmem war.

Es war ein sehr guter Ausflug in eine ganz andere Welt.

Peter.

P.S: Wer sich auch von Mohamed in MERZOUGA (ver)führen lassen will, hier seine Handynummer: +212 667 586 925. Er ist bei Facebook und Whatsapp. Sprache kein Problem.

Das Auto von Mohamed, Wüstentourguide in MERZOUGA, Marokko, mit Telefonnummer

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