MAROKKO 2022 MT62 Ait Ayach nach Merzouga

Im Prinzip kurven wir die ganze Zeit auf einer Höhe zwischen 1.500 und 1.800 Metern herum. Tagsüber sind die Temperaturen durchaus als warm zu bezeichnen, aber nachts ist es echt kalt. Nur gut, das wir unsere Winterdecken mit haben. Nach dem Motto „Freistrampeln kann man sich immer!“

Bei MIDELT, MAROKKO

Einmal mehr nach dem frühen Kaffee und der Entsorgungsrunde direkt wieder auf die Piste. Allerdings mit Planänderung. Denn beim Studium der Umgebung sind wir darauf gestoßen, das gleich in der Nähe der CIRQUE DE JAFFAR sein soll: Eine Ansammlung von hohen Bergen mit einem tiefen Tal und einer Schlucht, die bei Allrad- und Motorradfahrern sehr beliebt sein soll. Nun, hohe Berge und tiefe Täler sind durchaus die unsere Sache, die Nummer mit dem unwegbarem Gelände und kippenden Fahrzeugen müssen wir nicht haben. Fragt man sich ja sowieso, wie sinnvoll das ist einen (gefühlt) 30 Tonner durch enge Flußbetten zu prügeln und dabei jegliche Vegitation platt zu machen.

Auf dem Weg zum CIRQUE DE JAAFFAR

Nur 45 Kilometer to go, aber fast zwei Stunden Fahrzeit. Das liegt an den letzten 24 Kilometern, die man ab MIDELT auf einer recht guten Schotterpiste durch den Berg zurücklegen muss. Auf dem Hinweg treffen wir nur einen Menschen. Kein anderen und auch kein anderes Fahrzeug.

Auf dem Weg zum CIRQUE DE JAAFFAR

Der, auf den wir stoßen heißt Hamit und ist Ziegenhirte von Beruf. Wir treffen ihn auf der Abfahrt ins Tal. Eigentlich suchen wir schon seit einiger Zeit eine geeignete Stelle zum Wenden. Zweimal haben die Antriebsräder (vorne) nicht mehr gegriffen und nur mit Glück sind wir weiter den Berg herauf gekommen. Jetzt, bei der Abfahrt wird die Piste immer schmaler und durch den lockeren Schotter rutschiger. Die Beifahrerin sitzt eindeutig näher am Abgrund als der, der den Zündschlüssel bewacht. Eigentlich ist es wie beim Segeln: Wenn man ans Reffen denkt, soll man reffen. Wenn man beim Wohnmobil fahren ans Wenden denkt, dann sollte man bei nächster Gelegenheit wenden.

Hamit, Ortskundiger Ziegenhirt

Wegen der großen Ziegenherde voraus müssen wir sowieso zum Stillstand kommen und Hamit fängt an die Herde auseinander zu treiben, damit wir passieren können. Was wir aber ja gar nicht so recht wollen. Motor aus und den einzigen ortskundigen weit und breit fragen: Kommen wir mit unserem Auto weiter? Nein, meint Hamit. Eher nicht. Die Straße werde noch enger und ein guter Platz zum Wenden sei in der Tat hier. Die Konversation erfolgt mit Händen, Füßen und ein paar Brocken Englisch.

Blick ins Tal bei CIRQUE DE JAAFFAR

Alles klar. Nach der erfolgreichen Wende auf schmaler Piste verabschieden wir uns von Hamit, will er denn gar kein Trinkgeld haben? Doch, natürlich. Im letzten Moment kommt er noch mal ans Beifahrerfenster und fragt nach etwas Geld. Klar, kann er haben, so freundlich und hilfsbereit wie er ist. Aber dafür muss noch ein Foto heraus springen.

Frühstück auf ca. 2.200 Meter Höhe (…leider verpennt, die exakte Höhe aus dem GPS zu notieren)

Zurück auf dem Pass beschließen wir an Ort und Stelle zu Frühstücken. Das Auto steht gut auf einer Ebene, der Blick zu beiden Seiten ist sensationell. Wasser kochen, Eier gibt es heute auch mal wieder. Während die Beifahrerin emsig in der Küche werkelt, strolcht der fotografierende Wohnmobilfahrer durch die Gegend auf der Suche nach einem extravaganten Motiv…

…kommt mit einem Male mit irrer Geschwindigkeit ein VW Bus den Berg herauf geschossen, gejagt von gleich vier Motorrädern. Wäre das jetzt ein Western mit Cowboys und Indianern wäre die ja Sache klar, aber der Fall hier scheint anders zu liegen. Kombiniere: Der VW Bus führt Fahrräder am Heckträger mit, der wird mit den Motorrädern nichts zu tun haben. Tatsächlich, der Bus jagt nun ins Tal hinab, die Motorräder aber bleiben stehen, alle Fahrer nehmen die Helme ab, vertreten sich die Beine und staunen so wie wir zuvor ins Tal hinab. Aus der Ferne ist die Sprache der Franzosen zu erhören.

Die Wüste bei Merzouga

Was für ein Schreck! Hoffentlich brettert niemand Hamid oder seine Ziegen über den Haufen! Erst mal Frühstücken. Als die Motorradfahrer weiter fahren, ist auch wieder völlige Ruhe.

Bald darauf sind wir wieder reisefertig und fahren sittsam über die Schotterpiste zurück nach MIDELT. Geht jetzt schneller. Nicht, weil wir schneller fahren, sondern weil wir keine (…OK, ertappt, kaum noch) Fotos machen.

Was folgt sind viele gefressene Kilometer, unterbrochen nur durch Fotostopps. Und vom ersten Tanken in MAROKKO. Wir wollen das mühsam umgetauschte Bargeld schonen und Kreditkarte bezahlen. Schließlich wird die Tankrechnung in die tausende gehen. Dirham, versteht sich.
Doch obwohl das VISA Zeichen klar erkennbar ist, will man nur Bargeld haben. OK, dann eben Bargeld. Kassiert wird direkt an der Zapfsäule, eine Quittung bekommt man nicht. Das Geld wandert offenbar ohne weitere Notizen in die Tasche des Tankwartes. Wie die wohl hier aus der Erinnerung ihre Buchhaltung machen?

Kleiner Sandsturm bei Merzouga

Je weiter wir nach Süden vordringen, um so mehr ahnt man die Wüste. Ein fast ausgetrockneter Stausee mit türkis grünem Wasser zur linken, Grünpflanzen nur dort, wo es Wasser gibt und sie auch gewollt sind. Die Strecke (N13) ist sensationell toll zu fahren! So viel zu sehen bekommt man wohl selten. Manchmal fährt man 10, 15 oder 20 Minuten an einer Ortschaft entlang, weil die Häuser wie an einer Perlenkette aufgereiht an der Straße stehen. In ERRACHIDIA gibt es einen sehr großen Militärstützpunkt und dementsprechend auch einen Flughafen. Und einmal mehr Polizeikontrollen. Die erleben wir in nahezu jedem Ort: Am Ortseingang sitzt ein uniformierter Polizist und winkt die Autos durch. Manchmal schreibt ein anderer, nicht uniformierter die Kennzeichen auf. Und wenn man zuvor Opfer einer der zahlreichen gut versteckten Radarfallen wurde, wird man hier gestoppt. Bisher wurden wir aber nur einmal ermahnt, wir seien 80 KM/h in einer 60 KM/h Zone gefahren. Oh Schreck! Echt jetzt? Sollen wir nicht noch mal machen, weiterfahren. Wie freundlich!
Seit dem achtet der, der den Zündschlüssel bewacht noch intensiver auf 60iger Zonen – denn nur die scheinen den Polizisten wichtig zu sein.

Die Wüste bei Merzouga

Die letzten 50 Kilometer ziehen sich wie Kaugummi, ein langer Tag, kurz vor 1700.

Das NAVI führt uns runter von der N13 in den Ortskern von MERZOUGA.

Kaum passieren das Ortsschild werden wir faktisch von einem Jeep gestoppt. Heraus springt ein Omar Sharif Double mit tiefblauem Turban und schicken blauen Pumphosen. Herzlich Willkommen ruft er uns in deutsch zu!

Wenn wir einen Campingplatz suchen würden, er kenne da einen ganz tollen und er könnte uns den Weg zeigen. Äh, ja, äh, eigentlich haben wir eigene Pläne und wissen wo wir hin wollen. Ja ja, das mag ja sein, aber wir könnten uns seinen Platz doch wenigstens mal ansehen…?

…klarer Fall von Touristenjäger, oder Koberer, wie man in Hamburg sagt.

Wir verdrängen unser antrainiertes Misstrauen und lassen uns auf ein richtiges kleines Wüstenabenteuer ein, weil nur durch unvorhersehbares unerwartetes passiert.

Doch das ist eine andere kleine Geschichte, demnächst hier in diesem Wüstenblog.

Oder ist das hier etwa ein wüster Blog?

Peter.

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