Wer heutzutage ein Auto oder ein Wohnmobil privat verkaufen möchte, der kann was erleben!
Hier ein Bericht über den Verkauf eines Wohnmobils im August 2024 mit echten Zahlen.
Vorgeschichte, in aller Kürze:
Freunde aus AUSTRALIEN zu Besuch. Der Plan: Neun Monate mit dem Wohnmobil durch EUROPA reisen. Absolut davon überzeugt ein Wohnmobil zu Beginn der Reise zu kaufen und nach Abschluss eben jener wieder zu verkaufen. Keine Widerrede erlaubt. Auch von guten Freunden nicht.
Im Januar 2024 einen vier Jahre alten, guten teilintegrierten ETRUSCO für 52.500 Euro in Hamburg bei Kilometerstand 23.000 von privat gekauft. Der Verkäufer wollte ursprünglich 56.000 Euro, wurde das Auto aber nicht los und hatte gerade an diesem Tag den Verkaufspreis auf 52.500 Euro gesenkt. Zufall.
SOG, SOLAR, 2. Verbrauchsbatterie, ALUGAS Travelmate und neuen Kühlschrank nachgerüstet. Alles in allem vielleicht noch mal 3.000 Euro reingesteckt.
Gemeinsame Reise auf die KANAREN, alleine nach IRLAND und ENGLAND, wieder zusammen nach NORWEGEN.
Nun denn.
Nach acht Monaten packt die AUSTRALIER schweres Heimweh und der ETRUSCO soll schnell verkauft werden. Vermutlich gar nicht mal so einfach zum Saisonende bei fallenden Wohnmobilpreisen in EUROPA ein gebrauchtes Fahrzeug zu verkaufen?
Verkaufsmöglichkeiten sondiert und auf CARAVANMARKT24 gestoßen. Bei YOUTUBE eine ausführliche Besprechung von drei realen Verkäufern angesehen und entschieden, sich dieses Maklers zu bedienen statt sich die Wildwestnummer mit MOBILE.DE und Co. zu geben.
Das Geschäft von CARAVANMARKT24 funktioniert so:
Privatpersonen stellen ihr Wohnmobil mit Beschreibung, Bildern und eigenem Mindestverkaufspreis (Wunschpreis) auf deren Plattform und aktuell ca. 300 registrierte Fachhändler können dann 24 Stunden lang auf das Wohnmobil bieten.
Um zu einer reellen Einschätzung über den Mindestverkaufspreis zu kommen, bietet CARAVANMARKT24 eine interne Bewertung an, die man vorher unverbindlich erfragen kann.
Wird der eigene Mindestverkaufspreis bei der Auktion mindestens erreicht oder überboten, ist das Wohnmobil verbindlich zu diesem Preis an den Höchstbietenden verkauft. Gehen Gebote ein, der eigene Mindestverkaufspreis wird aber nicht erreicht, kann man Kontakt zum Höchstbietenden aufnehmen und zu dem geringeren Preis verkaufen.
In CORONA Zeiten, als kaufbare Wohnmobile faktisch nicht verfügbar waren wird dieses Auktionsmodell wohl sehr gut für Verkäufer gewesen sein. Aber jetzt bei dem dramatischen Überangebot auch neuer Modelle zu günstigen Preisen?
Mittlerweile hat das Wohnmobil knapp 49.000 Kilometer auf der Uhr, ein Service incl. Öl- und Bremsflüssigkeitswechsel gemacht, kein Unfall oder ähnliches hat sich ereignet.

Also drei Tage lang den ETRUSCO gewienert und poliert, viele Fotos, auch von den kleinen Macken die durch ganz normale Benutzung entstanden sind, zusammen mit einer vernünftigen Textbeschreibung auf CARAVANMARKT24 hochgeladen und um eine preisliche Einschätzung gebeten.
Sagenhafte 49.000 Euro bis 53.000 Euro lautet die Einschätzung der Fachleute in Berlin. Und das obwohl CARAVANMARKT24 nach Registrierung in nahezu jeder eMAIL darauf hinweist, dass die Preise für gebrauchte Wohnmobile stark fallen würden. Professionelles Erwartungshaltungsmanagement.
OK, dann also noch schnell ein paar ergänzende Informationen nachreichen und durch elektronische Übermittlung einer Fahrzeugscheinkopie nachweisen, dass man das Wohnmobil auch tatsächlich sein Eigen nennt.
Das Wohnmobil soll schnell verkauft werden, es handelt sich um eine Auktion in der sich ein Marktpreis durch das Verfahren selbst findet, also den eigenen Mindestpreis auf 48.500 Euro fest gesetzt.
Tatsächlich geht das Angebot an die bei CARAVANMARKT24 registrierten Händler noch am gleichen Tag online und nach zwei Stunden kommt sogar ein erstes Gebot über 42.900 Euro.
Na ja, nicht gerade das was man sich vorstellt, aber immerhin gibt es offenbar Interesse!
Am nächsten Tag endet die Auktion nach 24 Stunden gegen 13:50 Uhr. Über jedes eingehende Gebot wird man als Verkäufer per eMAIL informiert und so finden sich kurz vor Auktionsende auf einmal 27 Nachrichten im Postfach und Schwups, um 13:50 Uhr ist der ETRUSCO für 48.700 Euro verkauft.
Gar nicht mal so schlecht! Tolle Sache!
Nach der ersten Freude setzt bei erwachsenen Menschen üblicherweise Ernüchterung ein. Jetzt muss ja auch noch die Übergabe klappen und der Mensch, der das Wohnmobil schon am Montag (zwei Tage nach der Auktion) abholen will wird sicher genau hinsehen, ob die gemachten Angaben denn auch wirklich stimmen. Bei so einer großen Summe muss das ja wohl auch so sein.
Lieber mit schlimmsten Nachverhandlungen rechnen als unglücklich aus allen Wolken fallen.
Die CARAVANMARKT24 Regeln sehen vor, das vor Ort grundsätzlich nicht nachverhandelt werden darf.
Außer, ja außer der Abholer entdeckt Mängel, die nicht in der vom Verkäufer selbst gemachten Fahrzeugbeschreibung enthalten sind. Dann darf der Abholer vor Ort nachverhandeln. Wird dabei der Mindestverkaufspreis unterschritten und man wird sich nicht einig, kommt es zum Streitfall, den CARAVANMARKT24 wohl zu schlichten versuchen wird. Denn nur bei tatsächlich erfolgtem Verkauf bekommt CARAVANMARKT24 vom Käufer die Verkaufsgebühr.
Nun, wir als Verkäufer sind felsenfest davon überzeugt das das Wohnmobil in einem sehr guten Zustand ist und die Beschreibung genau den Tatsachen entspricht. Schließlich war der ETRUSCO in den vergangenen acht Monate in täglicher Benutzung, da kennt man das Fahrzeug wohl sehr, sehr genau.
Die Anspannung vor der Übergabe steigert sich mit jeder Stunde, am Ende kann man nur warten bis es soweit ist.
Der Mensch, der das Wohnmobil abholen soll wird in den vorbereitenden Telefongesprächen mit dem Käufer als „Fahrer“ bezeichnet. Selbstverständlich ist allen klar, dass diese Person weit mehr als ein „Fahrer“ sein muss. Denn er muss das Wohnmobil genau prüfen und selbstverständlich am besten auch ein paar nicht erwähnte Macken finden um den Kaufpreis doch noch zu drücken. Das ist sein Job.
Den „Fahrer“ kurz vom Bahnhof abgeholt und schon beginnt er seine Begutachtung auf der heimatlichen Auffahrt.
Kurze optische Kontrolle von außen, Dauer 5 Minuten.
Dann wird unverzüglich ein Feuchtigkeitsmessgerät gezückt und alle erreichbaren Flächen, wirklich ALLE werden mit der Sonde abgefahren. Dach, Wände, Böden, Bad, WC und natürlich die Garage. Gefühlt 20 Minuten dauert diese Untersuchung.
Das Feuchtigkeitsmessgerät gibt derweil gut vernehmbare entspannte Piepstöne von sich, doch in der Garage, von innen, in Höhe der unteren Halterung des Fahrradträgers wird das piepsende Teil wahrnehmbar hysterisch.

Das hört sich nicht gut an.
Da war doch nichts!
War da was?
Was soll denn da sein?
Nö, niemals ein Anzeichen von Feuchtigkeit oder gar Wasser gesehen. Geschwind das eigene Gerät heraus gekramt (hätte man ja auch früher schon mal machen können!). Tatsächlich.
Das eigene Gerät piepst zwar nicht, zeigt mit dem Wert von „80“ aber Feuchte (nicht Nässe) in der Heckwand an. OK, so viel ist schon mal klar, dass wird Ärger geben.

Der „Fahrer“ bemerkt später noch einen nicht erwähnten Minikratzer unter einer Heckgaragentür und bemängelt das die Reifen nur das „M+S“ Symbol hätten. Wirkliche Ganzjahresreifen (wie von uns angegeben) müssten zusätzlich noch das Schneesymbol tragen. OK, mag sein, scheint aber tatsächlich erst im Oktober 2024 so zu sein? Beide „Probleme“ werden später nicht als kaufpreisreduzierende Argumente angebracht.
Keine echte Probefahrt. Nur mal kurz Motor anlasen, Kupplungstest mit angezogener Handbremse. Alles in allem vielleicht noch mal 10 Minuten Begutachtung.
Langes Lamento über den nicht angegebenen „Wasserschaden“ und dessen vorgeblich kostspielige Beseitigung. Freundlich erklärt der „Fahrer“, dass diese aus mehreren Schichten bestehenden Verbundplatten sich wie ein Schwamm mit Wasser vollsaugen bis sie nichts mehr aufnehmen könnten und dann das Wasser auch irgendwo austritt. Soweit sei es ja noch nicht, aber der Schaden müsse beseitigt werden.
Ja, ja, gebongt. Wussten wir ja selber nicht.
Die ausführlichen Erklärungen des „Fahrers“ lassen schlimmstes erahnen, doch verlangt der „Fahrer“ am Ende „nur“ einen Nachlass von 1.800 Euro (…um auf glatt 47.000 Euro zu kommen), nach weiterer kurzer Verhandlung einigt man sich per Handschlag auf 1.500 € Nachlass, mithin auf einen Verkaufspreis von 47.200 Euro.
CARAVANMARKT24 liefert einen fertigen Kaufvertrag mit, Kaufpreis angepasst und unterschrieben.
Nun geht es also ums Bezahlen.
Das Zauberwort dafür heißt in diesen modernen Zeiten „Sofortüberweisung„.
Der „Fahrer“ nimmt telefonisch Kontakt mit seinem Büro auf, übermittelt die Verkäuferkontodaten der POSTBANK, der Mensch im Büro trägt alle Daten in sein Sofortüberweisungsformular ein und Schwups, eine Sofortüberweisung von der SPARKASSE an die POSTBANK ist nicht möglich! Fehlermeldung.
OK, dann nehmen wir doch ein anders Verkäuferkonto bei einer ganz anderen Bank und tatsächlich, das klappt dann sofort: Erst wird das verfügbare Guthaben entsprechend erhöht, zwei, drei Minuten später ist dann auch die vollständige Buchung zu sehen.
Tolle Sache, wenn man noch andere Konten als eines bei der POSTBANK hat. Auch ja, die POSTBANK…
Also denn, das Geld ist auf dem Konto, sämtliche Papiere, Rechnungen, Handbücher und Schlüssel sind übergeben. Der „Fahrer“ montiert noch schnell die mitgebrachten roten Nummernschilder am Fahrzeug, denn am frühen Morgen haben wir das Wohnmobil noch schnell selbst abgemeldet um auf der ganz sicheren Seite zu bleiben.
Und schon fährt das rollende ehemalige europäische Zuhause der AUSTRALIER für immer vom Hof.
Alles in allem viel besser gelaufen als gedacht!
Hurra!
Wären wir bloß mal selbst auf den Gedanken mit dem Feuchtigkeitsmessgerät gekommen. Unangenehme Überraschung, aber durchaus unklar, ob man was hätte ändern bzw. verbessern können. Und schließlich ging es am Ende ja „nur“ um 1.500 Euro.
Geht man von einem Anschaffungspreis von insgesamt 55.500 Euro und dem Verkaufspreis von 47.200 Euro aus, haben die AUSTRALIER für acht Monate intensive Wohnmobilnutzung 8.300 Euro ausgegeben. Finden die beiden durchaus OK, das Beste Händlerangebot für eine Langzeitmiete lag im Januar 2024 bei 15.000 Euro.
Alles hat seinen Preis.
Zwei Tage später fliegen die AUSTRALIER zurück nach Hause, eigentlich ist alles OK.
Eigentlich.
Wäre man bloß nicht so doof neugierig und würde zwei Tage später auf der Händlerverkaufsseite nachsehen, ob der ETRUSCO schon gelistet ist?
Tatsächlich, das Wohnmobil ist schon im Angebot!
Satte 58.990 Euro möchte der Händler nun dafür haben. 11.790 Euro Wertsteigerung, nur weil das Teil jetzt beim Händler steht?
OK, versuchen wir fair zu bleiben:
Genau zu diesem Preis wird er das Fahrzeug wohl nicht verkauft bekommen, er muss ein Jahr Garantie geben, er muss den Makler CARAVANMARKT24 bezahlen, er hat eigene Kosten und im April 2025 muss der TÜV neu gemacht werden.
Ob der „Wasserschaden“ tatsächlich beseitigt wurde (wird) oder wenigstens dessen Ursache abgestellt wurde wird man wohl nie erfahren.
Der Handel lebt ausschließlich von der Differenz zwischen Einkaufspreis und Verkaufspreis.
Muss man sich immer mal wieder vor Augen führen.
Peter.






