Wohnmobil Solaranlage, Kühlschrank und Winter

Als KNAUSi noch neu war, direkt nach der Jungfernreise nach SCHOTTLAND, haben wir auf dessen Dach eine Solaranlage installieren lassen und uns seit dem so gut wie nie um Strom im Auto gekümmert.

Der war halt immer da.

Während der Südamerikareise 2022/2023 gab es einmal einen „Schreckensmoment“, als wir in SAN PEDRO DE ATACAMA nach vier Tagen unter einem schicken schattigen Baum keinen Strom mehr im Auto hatten – jedenfalls stieg das Ladegerät des DELL Notebooks wegen zu wenig 12 Volt Strom aus und der damals ehemalige Fahrer legte mal ganz Geschwind Landstrom um die Batterien wieder auf Vordermann zu bekommen. Wer hätte das gedacht? Im Schatten kein Solarstrom?

Vorbereitung für SOLAR und SAT TV bei KNAUS BOX STAR 630: In dem Kasten!

Des KNAUSi´s Solaranlage stammt vom Hersteller ALDEN-DEUTSCHLAND und besteht aus zwei ALDEN 100 Watt Solarpaneelen, flach auf das Dach mit Abstandshalterungenhalterungen aufgeklebt, dem Laderegler ALDEN SPS 220 und dem Kontrollinstrument ALDEN SOLAR-FERNANZEIGE. Als Verbrauchsbatterien (Housing) fährt KNAUSi seit jeher zwei 95Ah AGM Batterien.

Nun, auf KRETA Ende 2023 gab es wieder einen solchen „Oh Gott, die Batterien sind alle“ Moment. Und das, obwohl hier seit Ankunft so was von praller Sonne auf die Solarpaneele brennt! Nun, wir standen vier Tage an einem Strand in der Sonne, kein schattiger Baum in der Nähe und der Kühlschrank als einzig ernsthafter Verbraucher hatte natürlich gut mit der Kühlung kleiner metallischer Zylinder zu tun.

KNAUS BOX STAR 630: Regalbretter raus, dann erreicht man die relevanten Schrauben für die Rückwand

Eigentlich sollte, eigentlich MUSS die Solarleistung für das bisschen Verbrauch doch reichen?

(Dazu später mehr, denn so blöd das auch ist, man kommt ums Rechnen nicht umzu, siehe unten).

Oder doch nicht?

Oder ist was kaputt gegangen?

Klarer Fall von umfangreicher Detektivarbeit!

Mal das schicke Anzeigeinstrument genauer beobachten. Wieso erzeugen die beiden Paneele auf dem Dach denn in praller Mittagssonne zusammen nur 125 Watt?

Müsste ja wohl irgendwas bei knapp 200 Watt sein? War doch früher auch so?

Im Regelfall, also Morgens, am Nachmittag, werden mit 70, 80 oder 60 Watt nur noch Werte deutlich unter 100 Watt angezeigt.

Das kann doch nicht in Ordnung sein?

KNAUS BOX STAR: Abteilung großes schwarzes Loch

Denkt der aktuelle Fahrer und überlegt krampfhaft, wo denn eigentlich damals vom professionellen Handwerker der Solarladeregler verbaut wurde? Das ist ja immer der Nachteil wenn man etwas in Auftrag gibt und nicht permanent dabei ist: Man weiß nicht wie & wo die Teile verbaut wurden.

Nun, schrauben wir doch erst mal einfach die Fernanzeige ab und schauen mal, wo dessen Kabel so hinläuft. Aha, nach oben! Ach ja, oberhalb der Fernanzeige ist eindeutig vom KNAUS Möbelbauer so eine Art Kasten gebaut worden. Doch wie öffnet man den bloß zerstörungsfrei?

Logisch:
In dem man erst mal alles abbaut, was geht: Kaum sind die drei Regalbretter (im übrigen an der Rückwand verschraubt, daher fallen die während der Fahrt auch nicht raus) raus, kommen zwei weitere Schrauben zum Vorschein, nach deren Lösen die Rückwand herausgenommen werden kann und der Blick auf ein großes schwarzes Loch freigegeben wird.

Tolle Wurst.

ALDEN Solarregler SPS 220

Eine Menge Kabel liegen da rum. Und an einigen von denen klappert der Solarladeregler. Nicht fixiert, einfach nur so feierlich auf das Kabelwuhling gebettet. Ob das wohl richtig ist?

ALDEN-DEUTSCHLAND schreibt in der Montageanleitung ganz klar:

  • Der Laderegler muss mit den Lüftungsschlitzen nach oben / Kabel nach unten fixiert werden
  • Die Zuleitung zur Batterie soll maximal 2 Meter lang sein

Na ja, das trifft ja wohl beides nicht zu, wird aber nicht Teil des vermuteten Problems sein, denn das war ja „schon immer so“.

Am Laderegler sind keine Kabel locker, keine mechanischen Defekte erkennbar, außer ein wenig Staub sieht das Teil wie neu aus.

Wie kann man bloß die Paneele auf dem Dach testen? Keine Ahnung, für einen Anruf bei der Servicehotline von ALDEN-DEUTSCHLAND ist es schon zu spät.

Am nächsten Morgen, es ist ausnahmsweise bedeckt und noch zu früh´ für einen Anruf in Deutschland, die spontane Entscheidung, einfach mal ein Minuskabel von einem Paneele vom Solarladegerät zu trennen. Ist ja im Moment nicht so viel Strom drauf wie bei praller Sonne, trotzdem wird peinlichst genau vermieden, mit den abisolierten Teil der Kabel in Kontakt zu kommen.

ALDEN Solar Fernanzeigemodul

Sind beide Paneele angeschlossen, zeigt die Fernanzeige 36 Watt an. Klemme ich ein Minuskabel das von einem Paneel kommt ab, sind es nur noch 18 Watt. Stecke ich es direkt wieder an, sind es wieder 36 Watt.
Nein, das scheint so was von in Ordnung zu sein! Die Kabelverbindungen und die Paneele müssen OK sein.

Mittlerweile kann man bei der ALDEN-DEUTSCHLAND Servicehotline anrufen und ist schnell angenehm überrascht, endlich mal ohne Warteschlange mit einem wirklich kompetenten Servicemitarbeiter sprechen sprechen zu dürfen. Der Spezialist hört sich meine Beobachtungen an und fragt ein paar Sachen ab, insbesondere den Ladezustand der Housingbatterien interessiert ihn. Logisch, wären die voll, müsste der Solarladeregler ja herunter regeln. Sind sie aber nicht, leider eher leer, weil wir schon wieder drei Tage ohne Landstrom stehen.

Dann der Schlüsselsatz:
„Jetzt im Winter steht auch bei Ihnen in KRETA die Sonne viel tiefer, auch Mittags und daher werden die beiden Paneele weit von ihren maximalen 200 Watt entfernt bleiben.“

Wie jetzt, echt 40% weniger?

Ja, durchaus. Wenn die Sonne nicht im 90° Winkel auf die Paneele treffen kann, kommen die einfach nicht an ihre Maximalleistung. Später schätzt der Fahrer, das derzeit Mittags die Sonne mit knapp 60° auf die Paneele strahlt.

OK, wieder was gelernt. Wenn man das mal googelt stellt man fest, das bei fest installieren Solaranlagen auf Hausdächern in Deutschland sogar davon ausgegangen wird, das durch den im Winter deutlich niedrigeren Sonnenstand durchaus auch 50, 60% Leistungsverlust entsteht. Ach was?

Natürlich kann man die Sonnenstunden in Deutschland nicht so einfach beeinflussen, aber hier, auf KRETA müsste man jetzt also einfach eine Solarpaneel-Ausrichtungsanlage auf dem Autodach haben, um bei freier Sicht auf die Sonne (wie am Strand im allgemeinen üblich) die Solarpaneele zu jeder Tageszeit exakt auf die den richtigen Sonnenwinkel auszurichten. OK, das ist dann doch wohl Overkill: Zusätzliches Gewicht, zusätzlicher Stromverbrauch und vor allem wieder technischer Klimbim, den eigentlich keiner will.

Nun, die schlechte Nachricht des Tages ist also, das man trotz 200 Watt Solaranlage nicht endlos am Herbststrand von KRETA stehen kann, wenn man auch noch den Kühlschrank für gut gekühlte kleine metallische Zylinder in Betrieb halten will. Landstrom auf einem Campingplatz wäre eine Lösung, die andere ist schlicht weiter fahren und den Housingbatterien ein paar Ampere aus der Lichtmaschine des Automotors zu spendieren.

Und wenn man schon mal einen kompetenten Techniker am Telefon hat, direkt noch mal was zum Solarladegerät und dessen Einstellmöglichkeiten für den Batterietyp gefragt. Selbstverständlich soll man bei AGM Batterien auch AGM am Ladegerät einstellen! Bei dem ALDEN SPS 220 kann man bei AGM zwei verschiedene Ladeschlussspannungen einstellen, 14,4 Volt oder 14,8 Volt. Welche davon richtig ist, müsse man dem Datenblatt der Batterie entnehmen. Doch viel wichtiger als die Ladeschlussspannung sei aus seiner Sicht die Erhaltungsspannung. Denn so lange das Auto unter freiem Himmel steht laden die Solarpaneele die Batterien auf und wenn die dann immer die falsche Erhaltungsspannung bekommen, würden die Batterien auf jeden Fall leiden. Leuchtet auch ein.

Interessant dabei ist ja, das die Ladeschlussspannung bei AGM höher als bei Blei oder GEL ist, die Erhaltungsspannung bei AGM aber dann niedriger ist. Was das nun wieder soll?

ALDEN Betriebsanleitungen – hervorragend gemacht, ganz so wie deren Kundenservice!

Nun, immerhin war der Solarladeregler schon auf AGM1 eingestellt, also auf Ladeschlussspannung 14,4 Volt und nicht völlig falsch. Unsere VARTA LA95 hätte aber gerne 14,8 Volt. Also den Laderegler auf AGM2 mit 14,7 Volt umgestellt. Schon ein wenig tragisch: Trotz intensiver GOOGLE Suche findet man kein offizielles Datenblatt von VARTA zu den gewünschten Spannungen, was soll denn das?

OK, nun wie angedroht ein wenig rechnen. Denn nur wenn man ungefähr weiß, wie groß der Strombedarf ist, kann man weiter planen.

Hauptverbraucher an Bord ist zweifellos der DOMETIC RC 10.4.90 Kühlschrank. Dessen 24-Stundenverbauch wird mit 0,45 kWh angegeben. Nach einiger Überlegung und Überschlagsrechnung (hier) kann das nur ein Idealwert sein, ganz so wie die allzu optimistischen Reichweitenangaben bei Elektroautos. Wenn die 0,45 kWh alltagstauglich wären, müssten die Batterien ja mühelos drei, vier Tage den Kühlschrank beliefern können. Ohne Solar. Gehen wir einfach mal von 1,0 kWh Stromverbrauch realistisch aus.

In der Summe wird das Strom-Problemchen also drei Ursachen haben:

1) Kühlschrank verbraucht deutlich mehr als angegeben
2) Batterien sind nicht mehr richtig frisch
3) Solarleistung im Winter selbst bei voller Sonne höchstens bei 50%

Am Ende läuft es also mal wieder darauf hinaus, die Batterien zu erneuern. Vielleicht nicht jetzt sofort, aber in den kommenden 12 Monaten auf jeden Fall. Stand jetzt kommt aber kein AGM mehr an Bord, sondern GEL weil die etwas dynamischer bei der drohender Tiefenentladung sein sollen.

LiFePO4 Batterien mögen vielleicht der letzte Schrei sein, aber technischer Aufwand und Kosten stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen. Außerdem steht vor allem das Thema „Ersatzteilversorgung“ auch im Ausland. Einfache Technik kann man auch einfach reparieren (lassen).

Peter.

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