Aus der Abteilung „mal wieder eine kleine Bastelei“ eine weitere Verbesserung an unserem Wohnmobil KNAUSi.
Ein PARK DISTANCE CONTROL (kurz PDC, auch Einparkhilfe genannt) System misst bei einem Fahrzeug den Abstand zu Hindernissen beim Einparken. Das hilft ungemein, wenn man das gesamte Fahrzeug nicht vernünftig überblicken kann. Kommt irgend ein Hindernis zu nahe, dann piept es laut im Auto, kommt irgend etwas ganz nahe, piept das PDC ganz aufgeregt.

Auslöser für diese Aufrüstung war der kleine Unfall mit einem Linienbus in SANTIAGO DE CHILE. Ein unerwartetes PDC piepen hätte mit Sicherheit zu einer Vollbremsung geführt und den Unfall verhindert. Doch bisher hatte KNAUSi kein solches System.
Einige Menschen behaupten denn auch, das brauche man gar nicht weil man ja in Wohnmobilen üblicher Weise eine Rückfahrkamera habe. Ja, so was hat KNAUSi auch. Aber für die Beobachtung des in der Fahrzeugmitte liegenden Bildschirms braucht man die Augen, die müssen aber auch noch rechts und links in den Rückspiegel sehen. Damit ist der Sehsinn schon mal völlig ausgelastet.
Außerdem hilft die Kamera bei viel Sonnenlicht nur bedingt. Entweder ist die Kamera oder der Bildschirm geblendet.

Ein zusätzliches PDC hingegen strapaziert zusätzlich den Hörsinn, die parallele Warnung durch zwei Sinnesorganen ist schon mal per se besser als nur eine. Bei einem Wohnmobil wie KNAUSi auf Basis eines FIAT DUCATO Lieferwagens ist die Sicht nach vorne gut, wenn nicht sehr gut. Da braucht man weder Kamera noch PDC. Aber das Rückwärtsfahren ohne Rückspiegel und ohne direktes Sichtfeld ist schon deutlich schwieriger.
Und wenn man in ganz besondere Situationen wie die in SANTIAGO DE CHILE kommt, dann ist es mit Sicherheit hilfreich, ein PDC zur Rückfahrkamera an Bord zu haben.
Getreu dem Motto „Verbessern, wenn es was zu verbessern gibt!“ also ans Werk.
Es gibt wohl auch ein original PDC für den DUCATO von FIAT, aber so richtig was dazu findet man im INTERNET nicht. Dafür gibt es um so mehr Anbieter für Nachrüstsysteme. Nach Recherche und Vergleich fiel die Entscheidung auf das System „VALEO beep & park„. Im Karton soll alles sein, was man für die Selbstmontage braucht. Bei langen Autos wie dem DUCATO muss man allerdings noch ein Verlängerungskabel für das Display (Anzeige- und Tongerät) beschaffen.

Das Display ist tatsächlich so brillant und klar wie auf den Produktfotos. Richtig toll wäre es natürlich, wenn es Nachrüstsysteme für die Eierlegende Wollmilchsau (PIONEER EVO1) im KNAUSi gäbe. Aber heterogene Systemintegration ist bekanntlich eine hohe Hürde.
Nun denn, das Display baut man am Besten in der Nähe des linken Spiegels an. Darauf sehen muss man nicht, denn darin ist auch ein Lautsprecher verbaut dessen Lautstärke dreistufig einstellbar ist. Also besser hören statt sehen.

In einer alten VALEO Anleitung im Internet stand geschrieben, der Einbau daure drei bis vier Stunden. Bis dann alles fertig war hat der hier schreibende Hobbybastler vier Nachmittage á drei Stunden gebraucht. Lahme Ente!
Weil im Internet einige Kommentare zu lesen sind, das einzelne Sensoren bei Lieferung defekt waren, zunächst ein Systemtest auf dem trockenen. Gut, wenn man eine 12 Volt Batterie in der Garage herum stehen hat!
Die mitgelieferte VALEO Anleitung für den Einbau ist brauchbar, aber ganz modern in Symbolsprache mit sehr, sehr wenig Text gehalten. Klar, das spart in der Erstellung der Anleitung, hilft aber nur bedingt dem Kunden.
Das Verlegen der Kabel ist wie immer die eigentliche Herausforderung bei einem solchen Projekt. KNAUSi wurde direkt nach Kauf in einer Werkstatt mit zusätzlichen Rückfahrtscheinwerfern ausgerüstet. Das Kabel dafür wurde unter dem Fahrzeugboden verlegt und diente nun beim PDC Einbau als Orientierung. Die Werkstatt hatte für die Zusatzlampen einen Dreiwege Schalter im Cockpit vorgesehen:
Stellung „0“: Zusatzrückfahrtscheinwerfer immer AUS
Stellung „1“: Zusatzrückfahrtscheinwerfer gehen mit an, wenn der Rückwärtsgang eingelegt wird
Stellung „2“: Zusatzrückfahrtscheinwerfer immer AN
Passt ideal für das nun einzubauende PDC, da das unter dem Fahrzeugboden verlegte Zusatzkabel zweiadrig ist und über plus und minus verfügt.

Das Steuergerät für das PDC muss in der Nähe der Sensoren verbaut werden, also in diesem Falle im linken Fahrzeugheck. Der Kabelbaum für die vier Sensoren ist vernünftig steif und die Verlegung von der Stoßstange in das Fahrzeuginnere war OK, weil der DUCATO am Heck für Kabeldurchführungen (z.B. Kabelbaum der Anhängerkupplung) vorbereitet ist.
Erst im zweiten Anlauf eine Methode gefunden, wie man die vier Sensoren auf der Stoßstange positioniert. Dazu muss die Heckstoßstange des DUCATO´s erst mal abgebaut werden, Kinderspiel die paar Torx Schrauben zu finden und das Teil ab zu bekommen.
Die Sensoren dürfen maximal 44 cm voneinander entfernt sein, die Anschlüsse im Kabelbaum sind denn auch kaum länger. Mit einer Skizze dann das Positionierungsproblem gelöst: Von der Mitte der demontierten Stoßstange ausgehend, 22 & 44 cm nach links und rechts und gut ist.
Bei der Montage der Sensoren ist es nun wichtig, die richtigen Hülsen zu verwenden. Die Hülsen dienen dazu, die Sensoren horizontal korrekt auszurichten. Hier ist die VALEO Anleitung gut und es befinden sich tatsächlich 12 Hülsen für unterschiedliche Stoßstangenhöhe im Karton.

Das Steuergerät ist auf der Innenseite einer kleinen Wartungsklappe des Gaskastens montiert. Damit ist es außerhalb des Gaskastens und da, wo sowieso das Rücklicht ist und viele Kabel lang laufen.
Zwei Abweichungen zur VALEO Einbauanleitung:
1) Stromversorgung:
Für die Stromversorgung verlangt die VALEO Anleitung, das man einmal an „geschaltetes Plus“ vom Zündschloss geht, einmal an „Rückfahrscheinwerfer Plus“ und einmal an „Fahrzeug Minus“. Wozu das geschaltete Plus gut sein soll, wird leider nicht erklärt. Im schlauen INTERNET stand geschrieben, man könne auch einfach beide Plus an das Rückfahrscheinwerfer Plus hängen.
Im Trockentest ausprobiert und ja, wenn man beide Plusleitungen des Steurgeräts damit versorgt, funktioniert das VALEO PDC einwandfrei. Starke Vereinfachung, denn man müsste ja erst mal heraus finden, wo ein „geschaltetes Plus“ verfügbar ist und dann noch mal ein (vermutlich) langes zusätzliches Kabel verlegen.
2) Radiostummschaltung
Wenn man wirklich bei schwierigen Parkmanövern so laut Radio hört, das man das Piepen des PDC überhören könnte, dann muss man ein „Mute-Kabel“ vom PDC Steuergerät an das Autoradio anschließen. Unnötig aufwendig. Nicht gemacht.
In dem „VALEO beep & park Kit 632201“ ist wirklich alles was man braucht, inklusive dem 18,2mm Bohrer für die Sensorlöcher. Klar, Werkzeug, ein paar mehr Kabelbinder, Isolierband und Zeit braucht wohl auch noch.
Bei langen Fahrzeugen (KNAUSi: 6,40 Meter) unbedingt auch das Verlängerungskabel für das Display beschaffen. Ganz geschickte können dieses dreiadrige Kabel aber wohl auch selbst verlängern.
Soweit dazu.
Gut, das auch mal was geklappt hat!
Peter.
P.S.:
Also eigentlich müsste man so ein Teil auch auf Booten montieren. Wenn nur die Reichweite größer wäre! Die Entfernungsmessung ist erstaunlich genau, bei mit Zollstock gemessenen 130cm zeigt das Display 120cm an. Runter bis 20cm. Echt nicht schlecht!

