Tag 50: Gullholmen

Obwohl ODA längst in Süd-Norwegen angekommen ist, beeinflusst Per zunächst unseren kleinen Schweden-Ausflug.

Gullholmen sei ein muss, wenn man schon mal in der Gegend ist. Der Ort läge auf einer kleinen Insel und die zahlreichen Häuser seien so dicht aneinander gebaut, das man kaum dazwischen laufen könne. Nun, das hört sich interessant an. Der dazugehörige Hafen ist auf der Seekarte einziges WirrWarr an Zu- und Abfahrten. Nach dem Ankern in freier Wildbahn also mal wieder eine kleine Herausforderung für den Skipper bei Ankunft.

Die 12 Seemeilen nach Norden spulen wir unter Maschine ab. Segelwind wäre vielleicht so gerade eben, doch wird das Fahrwasser durch die Felsen so eingeengt, das der Skipper auf die großen weißen Dinger lieber verzichtet. Die Eingeborenen hingegen segeln überwiegend…oder Motorsegeln bei genauerer Betrachtung 😉

An der ohne Ortskenntnisse kaum zu erkennenden Hafeneinfahrt fahren wir fast vorbei. Als wir das bemerken, haben wir vor lauter Schiffsverkehr Schwierigkeiten, auf die andere Fahrwasserseite zu kommen. Doch wenn man sich einfach mal quer zum Fahrwasser legt wird den anderen Booten schnell klar, wo man hin möchte und es tun sich Lücken auf in den Ameisenkolonnen ähnelnden endlosen Schiffsverkehr.

Genau so viel Verkehr ist im kleinen Hafenbecken. Rein, Raus, Liegeplatz wechseln und dann noch wir. Ein junger Mann (offenbar eine Art Hafenmeister) fragt, ob wir über Nacht bleiben wollen…dann wäre da hinten neben dem gelben Boot ein Platz für uns. Da kommen wir aber erst mal gar nicht hin, weil ein anderer Dampfer seinen Liegeplatz wechseln möchte. Als geklärt ist, das der Deutsche Gast ist, kommen wir um dieses schwimmende Hindernis herum. Zu freundlich, diese Schweden!

Stehen wir nun unmittelbar vor dem zugewiesenen Liegeplatz, erkennen wir, das ein Boot, drei Plätze weiter, dorthin vorholen will. Hallo? Hafenmeister hat gesagt…ach ja, dann vorhole ich eben nicht, bitte sehr, Dein Platz. Zu freundlich, diese Schweden!

Rückwärts quetscht sich der Stormvogel endlich an seinen Platz, die Nummer mit dem Grundgeschirr kennen wir ja schon. Doch es dauert seine Zeit, bis man die Vorleine zwischen den ganzen Fendern nach vorne gezottelt hat. Wie schon öfters mal überragt das Vorschiff des Stormvogels die umliegenden Boote um ein weites. Alle drei Personen an Bord haben unmittelbar das Gefühl, in einem Bienenstock gelandet zu sein. Liegt das nur am Kontrast der einsamen Ruhe des Ankerplatzes die Tage zuvor oder steppt hier wirklich der Bär?

Schnell ist die Umgebung abgechekt: Supermarkt in unmittelbarer Nähe, Duschen und WC sowie ein Hotelrestaurant, in dem man Take Away Pizza bekommen kann. Schon mal gut.

Ob der frühen Stunde am frühen Nachmittag machen sich Mannschaft und Skipper auf zur Inselerkundung, der Gast beliebt in Ruhe gelassen zu werden. Klar, so alleine auf einem Luxusdampfer zurück bleibend, lässig mit Sonnebrille im Cockpit sitzend und die zahlreichen Komplimente (“I like your boat”, “What a beautiful boat”) entgegen nehmend.

Die Brücke zur kleinen Insel wird gerade saniert und ist eine betretbare Baustelle. Wirkt wirklich alles sehr beengt, klein und lieblich. Wir fragen uns, was die Leute damals wohl geritten hat, ihre Häuschen so dicht aufeinander zu bauen. Vermutlich Armut. Doch heute sind die hübsch zurecht gemachten Häuschen allesamt Feriendomizile. Jedes Haus, das irgendwie einen Blick auf das beidseitig verfügbare Wasser hat, verfügt auch irgendwie über eine Terrasse, auf der man sitzen könnte, würde man ein solches Haus bewohnen.

Beide Inseln sind Autofrei. Klar, ein paar Servicevehikel kurven hier rum, um z.B. das Gepäck der Feriengäste zu befördern, die hier zahlreich mit der Fähre ankommen oder abfahren.

Auf dem Weg zur Badestelle an der Westseite kommen wir an einem großen Kinderspielplatz, einem Picknickbereich sowie einem Fussballplatz vorbei. Alles im satten Grün. Doch Wiese und Rasen hören schnell auf und die Felsen dominieren wieder. Eine kleine kurze Kraxelei und wir erreichen die Badestelle: Eine Leiter, die hinunter ins Meer führt. Die Temperaturen verlangen nach einem Bade im Meere, die zahlreichen Feuerquallen wohl auch, allein die Furcht der kleinen Reisegruppe vor diesen Dingern überwiegt und wir verlassen diese Mondlandschaft.

Doch nun wird es gespenstisch: Rasch und unbemerkt breitet sich mitten am Nachmittag Seenebel aus und hüllt alles und jeden in ein ein kühles Wattepäckchen. Erst als wir wieder den Hafen erreichen wird uns klar, wie schwierig die Situation werden kann, wenn man noch im Fahrwasser mit dem Boot unterwegs ist: Zahlreiche Boote legen an und warten auf den Abzug des Nebels. Scheint hier wohl gar nicht so selten vorzukommen. Der Skipper möchte nicht darüber nachdenken, ohne Sicht unterwegs zu sein.

Nun, der Inselrundgang hat ein paar Eindrücke und Bilder gebracht, doch die Entscheidung steht fest. Am nächsten Morgen schnell weiter.

Bienenstöcke waren noch nie unser Ding. Zu geschäftig hier.

Peter.

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