Makkum – Amsterdam – Scheveningen

Am Samstag, den 4. August 2012 brechen wir endlich auf. Der Werftmanager hat selbst am Freitag noch mal richtig rein gehauen und alle beauftragen Arbeiten sind nun erledigt. Ein (leicht) ungutes Gefühl wegen unseres Motors haben wir aber noch…

…also ein herzlicher Abschied am Samstag von der HUTTING Werft und wie schon fast zur Regel: Unter Motor! Das ganze Ijselmeer runter, dann durch die Schleuse bei Enkhuizsen in das Makrameer bis ins Amsterdam Fahrwasser. Auf halben Weg im Makrameer erwischt und ein schweres Gewitter mit viel Wind, Hagel und natürlich viel Regen (siehe Bilder!). Navigationslichter an, Fahrt runter, Radar an (obwohl man nicht viel sehen kann bei Regen) und ein Ausguck an Deck…aber gesehen hat man nicht viel…

Der Sixthaven in Amsterdam soll laut Reeds Almanach immer rappel voll sein, also biegen wir vorher ab in einen kleinen Kanal zum Aquadam. Wir finden auf Anhieb einen Super Liegeplatz und wundern uns, das dieser “Yachthafen” im Reeds steht. Der Hafen ist eher sowas wie damals Schnalles Hafen in Wedel (Zitat Hamburger Abendblatt: “Abenteuerspielplatz für Erwachsene”).  Die Sanitär-Einrichtungen sind ein Witz – aber die Lage in diesem (unbekannten) Stadtteil ist super! Richtig gute Stimmung!

Am Sonntag dann weiter durch Amsterdamm und den Nordseekanal…durch leichten Nieselregen und  sehr trüben Himmel.

Mittags erreichen wir die Schleuse in Ijmuiden und treffen zwei Boote aus dem Rheinland (Köln und Remscheid) wieder, die wir schon tags zuvor in der Oranjeschleuse getroffen hatten. Kurzer Schnack, dann raus aus der Schleuse auf die sonnige, wellenlose Nordsee! Ein neues Nordsee-Erlebnis für uns.

Der Wind (wie sollte es anders sein) schwach, aber gegenan. “Die anderen” setzen Segel und gehen weit, weit raus auf die Kreuz.

Ich denke mir, das lohnt nicht für die 25 sm und gehen dicht unter die Küste unter Motor gegenan. Das Groß als Stürzsegel gesetzt. Aber nicht lange: Am Horizont braut sich wieder was zusammen und mit der Erfahrung vom Samstag im Nacken bergen wir das früher, als notwendig.

Mit Regen laufen wir dann gegen 17:00 Uhr in Scheveningen ein…kleiner Schenkelklopfer für die Verkehrslenkung: Alle Schiffe und Boote müssen sich vor dem Ein- bzw. Auslaufen dort per UKW Funk anmelden. Also lange am Spruch gefeilt und dann beherzt zum Funkgerät gegriffen:

“TRAFFIC CONTROL SCHEVENINGEN FOR STORMVOGEL”

“STORMVOGEL”

“WE ARE 1 MILE EAST OF THE HARBOR ENTRY AND LIKE TO PROCEED TO THE MARINA”

“CAN YOU PLEASE REPEAT IT”

“WE ARE 1 MILE EAST….”

“NOBODY CAN BE 1 MILE EAST, BUT GO AHEAD”

Hm, wieso sind wir nicht 1 Seemeile östlich vom Hafen? Oh je: Der Kartenplotter ist auf “Kurs vorraus” eingestellt und nicht auf “Nord vorraus”. Daher denkt man leicht beim Blick auf dem Plotter, das man Östlich steht – in Wirklichtkeit aber nördlich ist. Wie peinlich!!!

Aber die Konzentration liegt nun auf den Hafenmanövern und die sind anspruchsvoll: Wir haben noch nie so einen verwinkelten Hafen erlebt. Als wir dann im “2. Hafen” sind wirkt der rappelvoll. Aber ein Schild weist auf UKW Kanal 31 hin – den Hafenmeister angefunkt und einen super Liegeplatz in einer Box abseits vom Trubel ergattert. Ein Bier auf TRAFFIC CONTROL SCHEVENINGEN und die Welt ist in Ordnung.

Am Abend dann die Planung für den Montag. Keine leichte Etappe: Man muss an der Maas-Mündung (Hafen Rotterdam) vorbei und bestimmte Wege und Regularien einhalten. Danach sind die Häfen rar gesät. In einem Rutsch nach Dünkirchen ist uns zu weit.

Wir treffen die Rheinländer wieder, die wohl einen guten Segeltag hinter sich hatten (…hätten wir ja auch mal versuchen können!). Die haben ihre Boote auf dem Versemeer liegen und kennen das Revier. Aus deren Sicht sollten wir (wie sie selbst auch) zur Rompsluis an der Osterschelde laufen und dort übernachten.

Also Montag aufstehen, noch Proviant besorgen und letzeren Boots-Check durchführen. Achterbilge OK,Motoröl und Kühlwsassser OK…aber was ist das? Wieso steht in der Motorbilge etwas ÖL?

Mist.

Die Impellerpumpe (…versorgt den ersten Kühlkreislauf mit Seewasser) trieft an der Unterkante voll ÖL. Bei unserem NANNI Diesel ist diese Pumpe direkt auf den Motor montiert und wird über eine Welle direkt aus dem Motor angetrieben (andere Fabrikate werden über den Keilriemen mit angetrieben).

So will ich nicht in das schwierige Revier starten!

Die Rheinländer meinen zwar, damit könne sicher weiter fahren, aber wenn man noch viel vorhabe, dann solle das sicher in Ordnung gebracht werden.

Tja, so hängen wir also in Scheveningen fest und warten auf Ersatzteile. Auf der einen Seite sehr, sehr ärgerlich. Auf der anderen Seite ist das Wetter seit Montag so mies, das wir schon fast dankbar für diese technische Panne sein müssen. Regen, Regen, Regen und viel Wind aus SW (Süd-West) – also da, wo wir hin wollen. Wir hätten uns sicher nicht wohl gefühlt, wenn wir los gefahren wären…

Vielleicht sollte ich in meinem nächsten Leben Motortechniker in den Niederlanden werden. So ausgebucht wie die sind, müssten die drei Sommermonate reichen, um das Jahr bestreiten zu können.

Heidi nimmt die Situation (wie immer) viel gelassener und nutzt die “freie Zeit” zum stricken: Das Ziel ist zwei Pinguin-Pullover für die Enkel im Rekordzeit herzustellen. Schließlich steht der Winter vor der Tür!

Hier noch die Bilder zu diesem Eintrag.

Peter, mit Freigabe durch den Kmmunikationsoffizier Heidi.