Alle Beiträge von Thorsten

Im Pazifik brennt die Sonne heiss

Nur mit Verwirrung durch zu viel Sonne auf’s Haupt und nicht anders lässt es sich erklären, daß unsere Weltreisenden ein Paket mit erlesenem Inhalt packen und um die halbe Welt herum dem Blog Mod nach Hause schicken. Als Entlohnung für seine bescheidene Tätigkeit. Nun ja, große Freude ist allenthalben ausgebrochen und die Tasche wird – wie vom Skipper und sin Fru bestimmt – meinem Weib zugute kommen. Lieben Dank, liebe Grüße und als Revanche … ein Foto 🙂

Gastbeitrag: Mit dem Zuschauen wird doch was!

Als Peter schrieb, dass wohl keiner zuschauen wird, weil die Schleusenpassage im Panamakanal zur deutschen Ortszeit um Mitternacht stattfindet, hatte er wohl vergessen, mit welchen Kollegen er noch bis vor kurzem gearbeitet hat.
Die fragen sich alle beim ersten Blick auf die Webcams der Panama Kanalgesellschaft, ob man da nicht was hacken kann. (Oder sind um Mitternacht noch wach, weil man dann endlich mal “in Ruhe was am Rechner machen kann”).

Nun gut. Da man am Sonntag auch als IT-Mensch mal gerne früh ins Bett geht, fiel die Entscheidung auf “Hacken” anstatt “wach bleiben”. Also fix überlegt, wie man die Webcams unter http://www.pancanal.com/eng/photo/camera-java.html
anzapfen kann. Nach schon 5 Minuten war klar, wo das Ding zu packen ist. Also ein kleines Programm geschrieben, das die Bilder der Webcams abgreift und dann ein Timelapse-Video rendert. Und schon kann das Blogpublikum sich das in Ruhe nochmal anschauen.

Schöne neue Welt.

Durchfahrt Gatun Schleuse (Etwas schlecht zu erkennen in der hinteren Schleuse)

 

Durchfahrt Miraflores Schleuse

 

Liebe Grüße und eine gute Weiterreise,

Oliver G. aus K.

Stormvogel – 4. Seetag: Wir erzeugen grünen Strom!

Die Seekrankheit ist auf dem Rückzug und wir haben heute wie geplant unseren Schleppgenerator ausgebracht.Das Teil kann man sich wie einen großen Dynamo vorstellen, den wir an der Heckreling montiert haben. Daran haben wir heute eine 30 Meter lange Leine befestigt und daran dann die “Turbine”. Das ist ein massives Metallteil bestehend aus Propellerschaft und Propeller. Sauber über Bord geworfen – keine Finger und Ösen darin – und schon dreht das Teil und erzeugt grünen Strom. Ausgelegt ist die Anlage für maximal 8 Knoten, wenn wir eine Welle runter surfen haben wir auch mal 10 drauf – dann springt die Turbine aus dem Wasser wie ein Fisch 😉

Ferner haben wir heute die Segelstellung drastisch verändert. Wir haben das Großsegel geborgen (gar nicht so einfach bei der Welle und dem Wind) und nun beide Vorsegel draußen: Das große Yankee an Backbord ohne Baum und die kleinere Fock an Steuerbord mit Baum. So segeln wir besser und die Windfahne kann besser Kurs halten. Außerdem kontrollieren wir die Vorsegel einfacher falls der Wind weiter auffrischt.

Heidi kocht jeden Tag – es ist ein Wunder, wie sie das bei der extremen Vor-Wind-Schaukelei immer wieder hinbekommt. Gestern gab es Curry-Huhn mit Bandnudeln und Bohnensalat. Heute steht serbisches Reißfleisch auf dem Zettel. Ich finde es unglaublich, wie wichtig so eine warme Mahlzeit ist. Selbst wenn man wg. Seekrankheit keinen großen Appetit hat geht es einem danach gleich viel besser – es passiert halt alles nur im Kopf.

Soweit für heute. SY STORMVOGEL heading 250° at 7 knots. Over and out.Peter.

Stormvogel – and than there where three…

(GENESIS Album aus den frühen 80´igern mit dem Klassiker “Follow you follow me” und dem weniger bekannten, viel besserem “Many too many”)

Nun denn. Wir sind auf See!

Diesen Blogeintrag schreibe ich schaukelnder Weise auf den Notebook und werde ihn gleich via eMail -> Satellit -> Blog in den Orbit schicken. Wenn alles funktioniert wie es soll dann ist dieser Beitrag auf der ARC
Website und unter www.wiedekamm.com zu lesen.

Eigentlich gibt es viel zu berichten – und in der Tiefe eigentlich dann doch nicht. Wir sind nicht nur den Dritten Tag auf See, nein, wir sind auch nur noch zu Dritt.

Unser erster nautischer Offizier Knut ist erkrankt und wir beide haben am Tag der Abreise (genau 3 Stunden vor Ralleye Start) entschieden, das es besser und sicherer ist von Bord zu gehen. Und zwar nicht nur für ihn, sondern auch für uns.

Das mag sich blöd und unsozial anhören, aber ein krankes Crewmitglied wird auf einem so kleinem Boot schnell zu einer Belastung für die übrigen…und die haben ja in der Regel genug mit sich selbst zu kämpfen (…Seekrankheit, Schlafmangel und so).

Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Alles ist gut und ich hatte kurz den Gedanken, das der Stormvogel (alias Bad Luck Bird) nun seine Weh-Wehchen auf die Menschen überträgt – nachdem an Bord alles durchrepariert ist 😉

Zu unserem Glück hat Knut aber trotz Krankheit sofort die Rolle des METABO wieder übernommen und sendet Zusammenfassungen vom Wetter und von der Flottenbewegung. Das hilft uns sehr!

Tja, auf See. Der Dritte Tag, ca. 17 werden wohl noch kommen.

Wir haben Nord-Ost Wind der Stärke 5-6 bei 3-4 Meter Welle. Seit gestern Abend laufen wir eher 250° Süd-West Kurs. Segeln Schmetterling (Groß an BB im 1. Reff, Yankee an STB im Baum, ebenfalls gerefft). Das Boot rollt und giert, man muss sich jede Minute abstützen.

Die mechanische Windfahne ist seit gestern im Dauerbetrieb um Strom zu sparen. Die hält sich ganz gut, aber den Stromverbrauch haben wir noch nicht im Griff. Wenn es uns Morgen besser geht. wollen wir den Schleppgenerator ausbringen. Dann müsste sich die Situation etwas entspannen.

Noch 642 Seemeilen bis zum empfohlenen Wegpunkt AN514 auf 20° 00,0′ Nord und 30° 00,0′ West. Ab dieser Position soll man mit stetigen Ostwinden rechnen können. die einen geschwind über den Ozean tragen. Wenn man den direkten Kurs gehen würde, könnte man zwar Wegstrecke einsparen, müsste
aber mit Zonen von Gegenwind und/oder Windstille oberhalb dieser Position rechnen. Laut 3 fachem Weltumsegler und vielfachen Buchautor Jimmy Cornell (von dem diese Empfehlung stammt) hat sich an dieser
Segelanweisung seit Kolumbus´s Tagen nichts verändert.

Soweit ich das im täglichen Flottenbericht nachvollziehen kann, gibt es wie in jedem Jahr auch diesmal Direktläufer und Umwegfahrer. Das muss wohl so sein 😉

Vielleicht noch ein Nachsatz zu Jimmy Cornell:

Mit großer Vorfreude bin ich zu seinem ARC Seminar in Las Palmas gegangen – immerhin habe ich fast alle Bücher von ihm. Und war enttäuscht vom Vortragsstil, vom Inhalt und auch von der Person. Hatte ich mir alles anders, strahlender, wegweisender ausgemalt. Dieser alte Mann sollte Jimmy Cornell sein – der auf den Buchcovern vor Zuversicht und Tatkraft nur so strotzt?

Und wie so häufig ist es Heidi, die mir klar macht, das der Mann wohl auch älter wird und nun so um die 75 Jahre alt sein muss. Da hat er wohl einfach nur alte Fotos verwendet…

..hm, ja, hm, ja, das ist ja ein guter Gedanke:

Als Buchautor bleibt man also ewig jung!

Peter, mit Freigabe durch den Kommunikationsoffizier Heidi.

P.S.:
Maximum Surfspeed: 10,5kn