HORNET 33: Bootspolster überholen

Obwohl die finale ToDo Liste für unsere Neuerwerbung STÖRTEBECKER vom Typ HORNET 33 noch nicht mal im Ansatz vorhanden war wurde einseitig mit weiblicher Bestimmtheit entschieden, das sämtliche Bootspolster an Bord neu gemacht werden müssten.

„Neu gemacht“, das sagt sich so leicht hin. 

Mit STÖRTECKER verfolgen wir sehr bewusst einen anderen Weg als mit STORMVOGEL. Das Budget, für was auch immer, steht absolut im Vordergrund. Man kann ein sehr altes Boot mit begrenztem Aktionsradius wirtschaftlich sinnvoll nicht neuwertig machen.

Aber ja, die Bootspolster bedürfen ohne jeden Zweifel der Bearbeitung, will man es unter Deck schön gemütlich haben. 

Man ist ja doch erstaunt, wie viele Schaumstoffmatratzen an Bord einer 10 Meter Yacht sind. Eine Bestandsaufnahme:

HORNET 33: Bootspolster – Schlafmatratze Vorschiff

a) Schlafmatratzen:
Derer gibt es vier, alle mit VELOURS Bezügen. Vermutlich irgendwann zwischen 2000 und 2008 einmal komplett durch TEDSEN-YACHTPOLSTER neu gemacht. Der Schaumstoff macht noch einen guten Eindruck, die Bezüge müssten allerdings mal richtig gewaschen werden. Die haben zwar Reißverschlüsse, aber auch Polsterknöpfe mitten in den Flächen um den Bezugsstoff straff zu halten. Diese Bezüge nimmt man nicht aus Spaß mal eben ab!

HORNET 33: Bootspolster – Rückenteile Salon

b) Sitzpolster:
Im Salon gibt es zwei riesige Sitz/Schlafpolster Schaumstoffmatratzen, zwei entsprechend große Rückenteile auf Holz sowie zwei kleine Teile. Alle sind vermutlich noch original, also von 1979. Sechsundvierzig Jahre (46!), verdammt lange Zeit. Neben verblichener Farbe kommt das verwendete Stoffmuster recht altbacken daher. Kann sein, das die Sitzpolster doch neuer sind, denn die haben auch wie die Schlafpolster die schwarzen Gittermatten von AIRFLOW als Zwangsbelüftung unter dem Schaumstoff. 

In Summe also 10 Schaumstoffteile, die irgendwie „neu“ gemacht werden müssten.


b) Bootspolster Refit oder Neu?
Nun, wirklich „NEU“ scheidet relativ schnell aus. Der Aufwand für eine genaue Angebotserstellung durch die diversen Internetanbieter ist schlicht zu hoch, wollen die doch alle genaue Skizzen & Maße der Polster haben bevor sie echte Angebote abgeben können. Aber Aufgrund der dort gemachten Angaben lässt sich ein notwendiges Budget von locker 4.000 € bis 7.000 € für alle neuen Bootspolster einer HORNET 33 abschätzen. 
25% des Anschaffungswertes nur für neue Polster? Das kann ja wohl nicht sein. Das Boot segelt dadurch nicht einen Knoten schneller. Ferner muss wohl die Restlebenszeit des Bootes ebenfalls bedacht werden?

Bleibt also nur ein wie auch immer durchzuführendes Refit – also die Überholung aller Polster in, soweit irgendwie möglich, Eigenregie. 

Schnell wird klar, das man versuchen sollte, die VELOURS Polster zu reinigen und die Bezüge der gemusterten Polster im Salon zu färben. So der erste, einfachste Plan. Egal was kommt, irgendwie müssen alle Bezüge erst mal ab.

Bereits seit Oktober, direkt nach STÖRTEBECKER´s Ankunft in der W.Y.K. lagern alle Bootspolster in der heimatlichen Garage. Im Haus gibt es ein kleines Platzproblem, aber die Teile müffeln in der Tat auch ein wenig. Negative Geruchsquellen will man ja nicht im Haus haben?

HORNET 33: Bootspolster – Unterseite der TEDSEN Schlafpolster, mit AIRLIFT

c) Die VELOURS Schlafpolster:
Die Qualität der TEDSEN Bezüge ist wirklich erstklassig. Die Reißverschlüsse lassen sich nach zwei Jahrzehnten noch 1A bedienen. Die Bänder der Polsterknöpfe lassen sich auf der Rückseite mit einer Spitzzange von der Plastikkappe trennen, arbeitet man zu zweit. Während die VELOURS Bezüge im Vorschiff nur etwas schmuddelig aussehen, ist der Bezug der Lotsenkojenmatratze ordentlich mit Rotwein eingesaut. Nicht besonders schlau ein sei es auch noch so kleines Glas auf den Kartentisch zu stellen. Die patente Hausfrau haut ordentlich Fleckenzeug darauf und wäscht alle VELOURS Bezüge mit einem besonderes intensiv reinigenden Waschmaschinenprogramm.

HORNET 33: Bootspolster – VELOUR natürlich nicht im Wäschetrockner trocknen, sondern an der Raumluft

Nach drei Stunden Waschzeit kommen sehr ansehnliche VELOURS Bezüge aus der Maschine. Selbst der Rotwein ist futsch. Klasse Sache das!

Nach dem die Schaumstoffteile gereinigt wurden (siehe unten) also einfach wieder beziehen und gar nicht mal so einfach die ebenfalls gewaschenen Polsterknöpfe wieder einsetzen. Dazu haben wir uns 20cm lange Nähnadeln gekauft und ziehen die vorhandenen Schlaufen der Polsterknöpfe mit einem Hilfsfaden durch den Schaumstoff um diese dann wieder mit den Plastikkappen zu fixieren. Wieder ein Zweimann Job. Ohne Zweifel.

HORNET 33: Bootspolster – Schlafmatratzen noch ohne Polsterknöpfe


Und fertig sind die Schlafpolster. 1A Ergebnis. Nicht neu, aber alle male gut für die kommenden 10 Jahre!

HORNET 33: Bootspolster – Fertige Schlafmatratze Vorschiff



d) Schaumstoff waschen oder reinigen?
Doch was machen wir mit dem Schaumstoffkern und der darunter liegenden Lüftungsmatte? Nun, einige Internetmitmenschen behaupten, Schaumstoff könne man in der Badewanne waschen. Schwer vorstellbar, 10cm dicke Ungetüme in die gar nicht mal so kleine Badewanne zu bekommen.

HORNET 33: Bootspolster – Versuch dicken Schaumstoff in Badewanne zu waschen

Wie schön das es eine kleine, ca. 50 mal 20 cm große Matratze zum Üben gibt. OK, prinzipiell ist so ein Schaumstoffteil ja nichts anderes als ein Schwamm und wenn man so was sauber bekommen will, muss man erst das Reinigungswasser hinein und später dann auch wieder hinaus bekommen. 

Ersteres, das Seifenwasser hinein bekommen ist schon ein echter Akt. Sämtliche Tricks zur Beschwerung angewandt, damit das Teil unter Wasser bleibt. Dann manuell im Wasser durchgeknetet, versucht mit Klarwasser zu spülen und so viel Wasser wie möglich heraus zu drücken. Faktisch unmöglich. Auch der Versuch mit dem Allessauger das Waschwasser aus 10cm Schaumstoff heraus zu saugen bringt nicht viel. 

Am Ende liegt das Teststück gut vier Wochen auf dem beheizten Boden des Wintergartens, der Skipper bringt einmal am Tag sein gesamtes Gewicht zum Einsatz, um mit seinen Füßen das verbliebene Waschwasser aus dem Kern an den Rand des Schaumstoffes zu drücken. 

Nein, das ist kein gangbarer Weg für die Reinigung der Schaumstoffteile. 

Zwei Dinge fallen auf: 
Seit dem die Bezüge ab sind müffelt der Schaumstoff selbst nicht. Wäscht man die AIRFLOW Gittermatten mit normalen Waschpulver im handwarmen Wasser in der Badewanne, kommt ohne großes Zutun eine richtig schicke Dreckbrühe zu Stande. 

HORNET 33: Bootspolster – AIRFLOW Matten in der Badewanne reinigen

Mittels einer 1:4 angesetzten Essigessenz in einer Sprayflasche wird im folgenden zumindest die Oberfläche der Schaumstoffpolster gereinigt. Nach dem das Gemisch abgetrocknet ist fühlen sich die Schaumstoffteile gut an und riechen absolut nicht.  

HORNET 33: Bootspolster – Essigessenz verdünnt zum Reinigen des Schaumstoffes

Vielleicht, mit Chance, hätte man die Schaustoffteile im Hochsommer mit dem Hochdruckreiniger durchpusten können und die pralle Sonne hätte, vielleicht, vielleicht, sämtliches Wasser heraus verdunstet. Oder auch nicht und man hätte mit dem Hochdruckstrahl den Schaumstoff beschädigt und auf ewig verfaulendes Restwasser in den Matratzen. 

Nein, so wie wir es jetzt gemacht haben sind wir zufrieden!


e) Die Sitzpolster:
Gemessen an den Schlafpolstern steigt der Aufwand nun auf das Dreifache. Weiß man aber nicht vorher und so stolpert man wie üblich nach oben, zum Ziel hin! Auch hier zunächst alle Bezüge vom Schaumstoff abziehen. Die Reißverschlüsse der großen Sitzpolster zerbröseln halb, aber am Ende bekommt man die Bezüge gut ab, wenn man die auch hier vorhandenen Polsterknöpfe abbaut. 
Die Rückenteile sind da schon schwieriger. Denn hier ist der Stoff mittels einer Millionen Klammernadeln auf das Rücklehnenholz getackert und alle Nadeln müssen heraus. Sicher, es gibt da wohl ein hebelndes Spezialwerkzeug für 40 plus Euro, aber mit einem spitzen flachen Schraubenzieher geht es auch wenn man sich die Millionen Klammern auf zwei oder drei Tage aufteilt. 

Auch hier wird getestet bevor entschieden wird. Am einfachsten wäre es wenn man die Stoffbezüge waschen und dann färben könnte. Also geschwind SIMPLICOL gekauft und ein kleines Teil in der Waschmaschine gefärbt. 

HORNET 33: Bootspolster – SIMPLICOL Färbemittel -nur für Naturfasern geeignet


So der Plan, der dann leider nicht aufging. Der Testbezug kommt genau so aus der Waschmaschine wieder heraus, wie wir ihn hinein gegeben haben. WAT DENN DAT!? Aha, offenbar 100% irgendeine Synthetik, das geht mit SIMPLICOL nicht. 

Aber mit RIT DyeMore!

HORNET 33: Bootspolster – RIT DyeMore Färbemittel – für Synthetik

Allerdings funktioniert RIT DyeMore nicht mehr in der Waschmaschine denn man braucht annähernd 100°C heißes Färbewasser. Der Hersteller empfiehlt die Herdmethode, leichtsinng der, der dieses teuflische Zeug in der heimischen Küche anrührt. 

Über KLEINANZEIGEN einen 20 Liter Heizkessel für wenig Geld aus dem Nachbardorf geschossen und stunden lang darauf gewartet, das das sowieso schon heiß eingefüllte Wasser auf die geforderten 97°C kommt. 

HORNET 33: Bootspolster – Synthetik färben mit RIT DyeMore im sehr heißen Kessel

Randnotiz: 
Der Hersteller betont, das reine Kunstfasern diese hohen Temperaturen durchaus vertragen können und nicht etwa einlaufen. Und das die Temperatur tatsächlich benötigt wird damit das Färbemittel aufgenommen wird.
Wie empfohlen köcheln wir unsern Testbezug gut 40 Minuten unter stetigem Wenden und rühren. Bereits im Topf ist zu erkennen das das Färbemittel aufgenommen wird. 

Doch als der Testbezug den Heizkessel verlässt gefällt das Ergebnis auf keinen Fall. Zum einen wird das Dunkelblau eher ein Jeansblau und an einigen stark gemusterten Stellen erscheint das Ergebnis gar grün. Nö, das sieht nicht schön aus! Das ist nicht der Weg zum Ziel, wie gut das wir nur eine Testflasche von dem teuren Zeug gekauft haben.

HORNET 33: Bootspolster – RIT DyeMore Ergebnis – Funktioniert, aber nicht so schön wie erhofft

OK, wenn nur waschen nicht reicht und färben auch nicht gefällt, dann müssen wohl neue Bezüge her. Alle, die auf Holzrücken getackert werden trauen wir uns selber zu. Aber das Nähen der beiden großen und des einen kleinen Bezugs übersteigt ganz klar die selbsteingeschätzten Nähkünste. Da müsste man also jemanden finden, der die Bezüge vernünftig nähen kann.

Aber zuvor muss, so oder so, erst mal ein Bezugsstoff beschafft werden. Und zwar nicht „aus dem Internet“, sondern aus einem Laden! Denn man will den Stoff ja schon mal anfühlen und in Realität sehen, bevor man teuer kauft, nähen lässt und selber baut.

Der Zufall will es das es in HALSTENBEK eine große Filiale des dänischen Anbieters SELFMADE.COM gibt. Die haben angeblich eine riesige Auswahl, also einfach mal gucken fahren. SELFMADE.COM hat tatsächlich unglaublich viele Stoffe vor Ort vorrätig, aber, viel wichtiger, auch sehr kompetente Verkäufer die Polstereinovizen auf die richtige Spur setzten. 

HORNET 33: Bootspolster – Rückenteil neu bezogen und getackert

Und so schauen wir auch nicht doof herum, sondern kaufen auch direkt nach langwieriger interner Abstimmung einen schicken dunkelblauen Polyesterstoff mit einer MARTINDALE von 20.000. Erst ab diesem Wert ist ein Stoff als Bezug geeignet. 

Nun, die vier einfachen Ecknähte der Rückenlehnen bekommt man selbst hin. Also los und wenn denn auch die neu aus dem Internet beschafften Polsterknöpfe wieder drin sind, sieht das Ergebnis recht gut aus. Natürlich wurde auch der Schaumstoff der Rückenlehnen wie oben beschrieben zuvor gereinigt. 

HORNET 33: Bootspolster – Einfache Ecken kann man selber nähen

Mit dem Fahrrad, den alten Bezügen und dem neuen Stoff klappert die Neueignerin sämtliche Nähstuben in ELMSHORN ab und fragt nach, ob die Spezialisten die Bezüge nachnähen könnten und was das wohl kosten würde? Einer winkt ab, einer schaut halbherzig hin und nennt einen recht geringen Preis X, der Dritte schaut genau hin und erläutert wie er die Bezüge nähen würde und verlangt das Doppelte von X. Logisch, der Dritte wird beauftragt denn hier geht es ausschließlich um das Vertrauen in das zu leistende Handwerk. 
Die Nähstube hat gut zu tun und so wird eine Fertigstellung in zwei Wochen versprochen, am Ende werden es zwei Wochen und drei Tage aber das Ergebnis ist wie erhofft sehr gut. Die Bezüge passen ganz genau, prima.
Der Einbau der Polsterknöpfe entpuppt sich bei diesen riesigen Schaumstoffmonstern als recht schwierig, müssen die Teile doch irgendwie senkrecht gehalten werden, will man beide Seiten gleichzeitig zugänglich halten. 
Vermutlich haben wir an dieser Stelle die Schnurspannung der Polsterknöpfe nicht einheitlich hin bekommen, einige werden zu locker sein, andere zu fest. Aber was soll´s? Die Teile sind dran und das Ergebnis sieht vernünftig aus. 

HORNET 33: Bootspolster – Salonpolster von unten
HORNET 33: Bootspolster – Salonpolster von oben

Damit wird das gar nicht mal so kleine Bootspolster Refit nach gut zwei Kalendermonaten endlich fertig gestellt. Selbstverständlich dürfen die neuen alten Polster nun im Haus überwintern, aber aus Platzgründen nur auf dem fernen Dachboden. 
 
Über den Dicken Daumen liegt das Gesamtbudget (also inklusive der Färbelernkurve) bei ca. 600 € – für **ALLE** Polster.

OK, und jede Menge Zeit braucht man auch dafür.

Wie immer.

Peter.  

P.S.: Unter Deck soll im Frühjahr noch die Bordwand mit neuer Folie beschichtet werden, ebenso die giftgrünen Arbeitsflächen von Kombüse und WC. Vermutlich auch kein „mal eben fertig machen“ Projekt. Aber jetzt nicht.

Ein Kommentar

  1. Schade, etwas sehr spät Wind von der Sache bekommen. Ich hätte folgenden Versuch angeregt: Das nasse bzw. nach händischem ausdrücken feuchte Poster in einen großen Müllsack stecken und dann den Rüssel eines Nasssaugers reinhalten. So platt und „trocken“ wie der bekommt man von Hand ein Polster nie. Hätte man eine richtige Vakuumpumpe zur Verfügung, bekäme man das teil sogar wohl richtig trocken. Ein anderer (ergänzender) Versuch: das feuchte Schaumstoffteil in einer Frostnach (ge)frieren lassen. Was nicht verdunstet könnte man wohl ausklopfen. Aber hattet ihr nicht sowieso festgestellt, dass der Muff gar nicht in Schaumstoff gesteckt hat? Bei Polstererneuerung würde ich darüber nachdenken, geschlossenporigen Schaumstoff zu wählen. Habe allerdings keine Ahnung, ob der überhaupt verfügbar ist und wenn, was der kostet. Dann wäre so ein Poster eventuell auch eine Schwimmhilfe :-)) .

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