Wenn es in TUNESIEN eine Insel (KERKENNAH) gibt, warum dann auch nicht zwei? Genau genommen gibt es vermutlich noch ein paar mehr, aber da kommt man mit dem Auto nicht hin.
DJERBA ist in der Tat eine Insel, denn man kann sie über die nördliche Wasserroute erreichen oder über einen künstlichen Damm in Süden. Den haben aber nicht wir Menschen der Neuzeit gebaut, sondern, wer auch sonst „Die Römer“. Wer auch immer das genau war?
Nun denn. Wo eine Fähre ist, da ist auch ein KNAUSi und so wählt der aktuelle Fahrer die nördliche Anfahrt.
Noch auf dem Festland wird die Landschaft immer karger, mitten im Nichts ragt eine Zementfabrik mit ihren Produktionstürmen in den Himmel. Offenbar steht die Anlage still. Ramadan oder nix zu tun?
Auf dem Weg gibt es verschiedene Dinge zu organisieren: Müll los werden, selbstverständlich in einem der vielen Container am Wegesrand. Allerdings muss eine fachgerechte Entsorgung in diesem Land bezweifelt werden. Wasser tanken! Auch am Wegesrand an einem Fußballplatz. Der Hausmeister wird um Erlaubnis gefragt und per Kanister werden gut 60 Liter aufgefüllt. Wie immer: Den Stoff trinken wir lieber nicht, reines Brauchwasser. Na ja. Und dann doch das schmutzigste Camperthema der Entsorgung in die Pampa. Während wir bisher ganz gut mit öffentlichen Toiletten zurecht kamen, bleibt nun keine andere Wahl als die abgelegene Botanik.
Entlang des Weges fallen immer wieder die riesigen Richtfunktürme auf mit denen TUNESIEN sein mobiles Telefon / Internet Netz realisiert. Eigentlich eine einfache und zuverlässige Sache, doch heftige Regen- oder Sandstürme beeinträchtigten die Netzleistung dann doch ganz erheblich. Bisher allerdings haben wir in Bezug auf Internetversorgung nicht den geringsten Grund zu Klage.
Trotz aller Bemühungen gelingt es nicht, frisches Brot aufzutreiben. Verhungern muss in KNAUSi natürlich keiner. Dauerbrot tut es auch. An der Fährstation in JORF angekommen und in die kleine Warteschlange eingereiht, klopft ein gut aussehender, sehr gut angezogener Kerl an des aktuellen Fahrers Scheibe und will irgendwas. Der, in seiner Ignoranz und Vorurteilsbestimmtheit nicht zu überbietende schickt den Menschen weiter, ohne das Fenster zu öffnen. Kurz darauf begibt sich der aktuelle Fahrer auf Fotosafari und lässt die aktuelle Beifahrerin alleine im Auto zurück…
…nach dem ein paar Bilder im Kasten sind kehrt der aktuelle Fahrer zurück und trifft auf eine vorzüglich schmatzende Beifahrerin, die schwelgerisch an einem pikanten, warmen Pfannkuchen, gefüllt mit einer scharfen Paste beißt.
Hä?
Wo hat sie denn dieses Teil her?
Oh, sogar zwei?
Oh, wie lecker!
Selbstverständlich stellt sich schnell heraus, das der gut aussehende Kerl keine bescheuerten Souvenirs an doofe Touristen verkaufen wollte, sondern köstliche Pfannkuchen zu einem äußerst fairen Preis (3 TDN).
Also gut. Man muss, besser, man WILL ja auch im fortgeschrittenen Alter dazu lernen. Vielleicht doch erst einfach mal anhören was die Leute tatsächlich von einem wollen?
Die Fähre MV KHEIRDDINE kommt und kämpft sich gegen eine gigantische Strömung. Erst im letzten Moment dreht sie über Steuerbord um an den Anleger zu kommen. Fährkapitäne, weltweit, sind die wahren Helden auf See. Unter welchen Bedingungen die ihre kleinen und großen Dampfer tagtäglich manövrieren müssen toppt bei weitem jede Leistung eines weiß bedressten Traumschiffskapitäns. Und sowieso die Leistung eines jeden Yachtskippers.
An einem kleinen Häuschen wird das spottbillige Ticket gelöst, danach geht es direkt auf die Fähre. Gute Einweiser, aber scheißen eng. An das Öffnen der Fahrerhaustüren ist nicht zu denken. Also Schiebetür und gewaltig den Bauch einziehen. Zum Glück haben die Eingeborenen ein sehr entspanntes Verhältnis zum Lack ihrer Autos. Wie auch wir.
Die MV KHEIRDDINE erinnert doch sehr an die Fähren auf der Linie GLÜCKSTADT – WISCHHAFEN auf der ELBE. Nur alles irgendwie eckiger. Und das keine Elbegedeck ( Bockwurst & ASTRA) gibt es hier selbstverständlich auch nicht. Auf das Aussichtsdeck, an beiden Seiten vorhanden. Natürlich wird man angesprochen. Die Eingeborenen lieben es mit Fremden zu reden. Der ansprechende Mann, ebenfalls sehr gut angezogen, lebt eigentlich in PARIS und ist zu Hause um das Ende des Ramadan mit der Familie zu feiern. Nette, freundliche Unterhaltung über dieses und jenes, aber auch die eindringliche Warnung, den Landsleuten nicht einfach alles zu glauben.
Klar.
Aber das gilt ja eigentlich weltweit. Nur weil bei uns einer einen Anzug und Krawatte trägt spricht er ja auch nicht notwendiger Weise die Wahrheit.
Die Fahrt auf DJERBA zum Stellplatz in der Nähe von AGHIR ist genau so wie auf dem Festland, nur alles etwas dichter besiedelt, Bauruinen inklusive. Die anderen Autos der Reisegruppe warten am Strand schon auf KNAUSi und geschwind wird eine ordentliche Wagenburg für die Nacht gebaut.
Das ist das was das Reisen im Wohnmobil (im Vergleich zu Hotelreisen) so besonders macht: Am Ende eines schönen Reisetags an einem schönen Ort ankommen und sein Lager mit eigenem Bett für die Nacht aufschlagen.
Klasse.
Peter.





