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Yachthafen Anholt

Der Yachthafen von ANHOLT liegt im gleichen Hafenbecken wie die Pier für die Berufsschiffahrt, bestehend aus Fähre, Fischern und Arbeitsschuten. Er ist nahezu perfekt gegen den Schwell des Kattegats durch einen großen Vorhafen und einem verschwenkten Fahrwasser abgesichert. Allerdings kann Starkwind oder Sturm aus NORD, WEST oder SÜD doch dafür sorgen, das man lieber ein paar Stunden an Land verbringt, denn der gesamte Hafen wurde zu Füßen des Nordbjergs ganz im Westen der Insel ins Meer hinein gebaut und ist entsprechend windanfällig.

Ordentlich Wind im Hafen von ANHOLT
Ordentlich Wind im Hafen von ANHOLT

Dadurch, das die Yachten und die Berufsschiffe sich das gleiche Hafenbecken teilen, gibt es zwei Uhrzeiten am Tag, an denen der durch Yachten verursachte Bootsverkehr unerwünscht ist. Nicht direkt verboten, sondern typisch dänisch ausdrücklich, per Aushang im Hafenhaus nachzulesen, unerwünscht. Immer dann, wenn die Fähre ANHOLT – GRENAA – ANHOLT an- oder ablegt, braucht sie die ganze freie Wasserfläche vor ihrer Pier für das Manöver. Morgens legt sie in ANHOLT pünktlich um 0800 ab und muss einmal drehen um dann durch das verschwenkte Fahrwasser die Hafenausfahrt zu erreichen. Am Nachmittag, irgendwann zwischen 1530 und 1600 kommt sie dann wieder und legt an ihrem Liegeplatz in ANHOLT ohne Wende an. Dadurch, das man aus allen Blickrichtungen, von See und im Hafen, erkennen kann, das die Fähre gerade einläuft, kann man sich gut frei halten und wenige Minuten warten.

Freifläche im Hafen von ANHOLT. Die in Husum gebaute Motoryacht SANSOUCI STAR für eine Nacht zu Besuch

Auf keinen Fall sollte man versuchen, kurz vor der Fähre einzulaufen, denn man wird nicht sofort einen Platz im Yachthafen finden und dann wird es schnell unnötig eng.
Die genauen Zeiten sind sehr gut auf der Internetseite der Fährgesellschaft nachzulesen. Samstags in der Hochsaison und Sonntags gibt es abweichende Zeiten.

Hafeneinfahrt, verschwenktes Fahrwasser, Freifläche und Fähre im Hafen von ANHOLT. Rechts hinter der Fähre die Notpier

Außerhalb der Hochsaison (Dänische Schulferien) könnte man den Eindruck bekommen, es gebe keinen Hafenmeister auf ANHOLT. Doch man kann versichert sein, es ist immer einer da und sieht nach dem Rechten. Bezahlt wird, wie in Dänemark üblich, bei einem eisernen Hafenmeister, dem bekannten BEAS Automaten im Hafenhaus.
Doch zur Hochsaison gibt es ein richtiges Hafenmeisterteam, das sich im gut motorisierten RIB um die einlaufenden Yachten kümmert. Also Liegeplatzzuweisung und sogar (auf Wunsch) Hilfe beim Festmachen an der Mooringboje.
Eigentlich ist es nicht notwendig, im voraus Kontakt mit dem Hafenmeister aufzunehmen. Ist bei Ankunft einer mit dem Schlauchboot auf dem Wasser, richtet man sich (selbstverständlich) nach seinen Anweisungen. Ist keiner da, kümmert man sich gefälligst selbst. Wie sonst auch immer. Will man dennoch auf Nummer Sicher gehen, kann man gerne anrufen. Alles was wichtig ist, auch die Kontaktdaten, ist auf der Internetseite der Hafens von ANHOLT nachzulesen.

Einlaufend an Steuerbord die Pier für größere Yachten. Gut zu erkennen die Mooringbojen

Hat man einlaufend das innere Hafenbecken erreicht, befindet sich die Pier der Berufsschifffahrt gleich an Backbord. Sehr viele Hinweisschilder weisen darauf hin, das man dort auf keinen Fall festmachen darf. In der hintersten Ecke, vor dem Kaufmannsladen SPAR KONGE erkennt man an der Pier eine gelb gestrichelte Markierung, dort befindet sich die ebenfalls frei zu haltende Tankstelle.

Ganz hinten die Tankstelle im Hafen von ANHOLT, links daneben die wirklich großen Yachten, dann die Fischer

Ganz an Steuerbord befindet sich eine hohe feste Pier, an der die größeren Yachten fest machen sollen. Die vielen Hinweisschilder weisen jeden Skipper auf eine Mindestbootsgröße von >= 13 bis 15 Meter hin. Wenn kleinere Boote hier fest machen, müssen sie die gleiche Hafengebühr wie die großen bezahlen. Außerhalb der Hochsaison kümmert sich aber nie jemand darum.

Hafenmeister im RIB im Hafen von ANHOLT

Aber in der Hochsaison hält der Hafenmeister aktiv die Liegeplätze für große Yachten frei. So passiert es regelmäßig, das kleine Boote erst mal fest machen und froh´ sind, einen Liegeplatz zu haben und dann kommt der Hafenmeister mit seinem RIB und schickt einen wieder weg.
An einigen der äußeren Plätze hängt ein „Reserviert“ Schild.

Reserviert-Schilder abgehangen, 14-Meter Schild aufgehangen im Hafen von ANHOLT

Doch in Wirklichkeit gibt es keine Reservierung, sondern die Hafenmeister wollen damit nur erreichen, das wenigstens ein paar Plätze für große Boote frei bleiben. Sozusagen als zusätzliche Abschreckung. Ganz große Yachten von 20 oder mehr Metern machen sowieso auf Anordnung des Hafenmeisters in der Nähe der Tankstelle fest. Es gibt zwar einen Plan, eine neue Pier für wirklich große Yachten im Vorhafen zu errichten, doch ob & wann die kommt kann der Hafenmeister nicht sagen.

Doch keine Angst:
Der Hafenmeister schickt einen nicht einfach so weg, sondern bringt einen Falschlieger zu einem geeigneteren Liegeplatz an einem der drei Schwimmstege im zentralen Hafenbecken. Dort sind freie Plätze für Ankommer mitunter gar nicht so leicht zu entdecken. Aber wenn die anderen Boote ein wenig geschoben werden, passt schon noch ein weiteres dazwischen.
Ist kein Helfer auf dem Schwimmsteg, muss man sich auf einen kleinen Sprung vom Bug oder Heck einstellen, denn naturgemäß sind die Schwimmstege sehr flach. Wenn dann wirklich nichts mehr frei ist, wird in zweiter Reihe fest gemacht. Sieht wild aus und ist es wohl auch, man möchte so liegend sicher keinen Starkwind erleben.

Die Zeiten, in denen man per Heckanker in ANHOLT fest machte, sind lange vorbei. Nun gibt es fest verankerte Mooringbojen, die ca. 1 Meter aus dem Wasser ragen. An deren Kopf befindet sich ein Rundauge, in dem idealerweise ein solider Bojenhaken mit einer guten langen Festmacherleine daran eingeklinkt wird. Doch scheinbar nur etwa die Hälfte der Yachten führt diesen nützlichen Helfer mit sich. Alle anderen müssen mehr oder weniger mühsam eine Leine während des Anlegemanövers in das Auge einfädeln. Je nach Windstärke und Windrichtung kann das schon mal schwieriger werden. Ist die Leine dann auch noch zu kurz, misslingt der Anleger, weil das Boot die Pier nicht erreicht.

Es ist nicht so, das jedem Boot eine eigene Mooringboje „zusteht“. Oft muss eine Mooringboje zu zweit oder dritt geteilt werden. Daher ist mit größter Vorsicht in einer Boxengasse zu manövrieren: Häufig sind die Bojen, an denen Boote fest gemacht sind, unter Wasser und als Festmacherleinen werden der Länge wegen oft dünne, fast unsichtbare Schooten verwendet. Dadurch wirkt die Boxengasse viel breiter, als sie in Wirklichkeit ist. Diese Mooringbojen sind schwer zu erkennen und leicht zu überfahren. Also wie immer: So lange wie möglich immer hübsch in der gefühlten Mitte bleiben und dann zügig rechtwinklig in den Liegplatz eindrehen.

Große Motoryachten im Hafen von ANHOLT im Päckchen

Wird es wirklich eng im Yachthafen, wird angefangen am hintersten (innersten) kleinen Schwimmsteg Päckchen zu bauen. Dorthin werden Boote bis ungefähr 12 Meter gelotst, denn die Boxengasse ist wirklich sehr eng.
Liegt man dort ist es klug, sich direkt am nächsten Tag zu vorholen, wenn die ersten Boote wieder auslaufen und einen besseren Platz frei machen. Die großen Motoryachten liegen auch in dieser Ecke. Auch im Päckchen, wenn es sein muss.

Notpier im Aussenhafen von ANHOLT, einlaufend an Backbord – noch leer
Notpier im Aussenhafen von ANHOLT, einlaufend an Backbord – jetzt im 3er Päckchen

Einlaufend an Backbord gibt es im verschwenkten Fahrwasser eine hohe Holzpier an der man längsseits beidseitig fest machen kann. Völlig ab vom Schuss, aber immerhin Landzugang mit Strom und Wasser an der Pier. Bei viel Südwind sehr unruhig weil der Schwell dort ungehindert aufläuft. Also eher ein Notplatz für maximal vier Boote, wenn kein Päckchen gebildet wird. Direkt an der Backbord-Außenmole gibt es auch noch einen Liegeplatz für Großsegler und ähnliche schwer zu manövrierenden Fahrzeuge, ungeeignet für normale Yachten.
Im Vorhafen kann man außerhalb des Fahrwassers (einlaufend an Steuerbord) auf gut haltendem Sandgrund ankern. Platz für zwei, drei oder sogar vier Boote, wenn sich nicht gerade einer genau in die Mitte gelegt hat. Doch Obacht: Auch hier sind die Hafengebühren zu bezahlen.

Ankerlieger im Aussenhafen von ANHOLT

Im Prinzip kann man rund um die ganze Insel ankern, außer natürlich im großen Naturschutzgebiet im Osten beim Leuchtturm von ANHOLT. Sehr beliebt ist der Ankerplatz gleich neben dem Hafen vor dem Weststrand, aber natürlich nur, wenn es die Wind- und Schwellbedingungen erlauben. Denn eine geschützte Bucht oder auch nur Einbuchtung gibt in der ganzen Küstenlinie der Insel nicht. Vor Anker liegt man auf ANHOLT immer zur offenen See.

Einsamer Ankerlieger vor dem Weststrand in der Nähe des Hafens von ANHOLT

Interessant zu sehen ist, das die dänischen Boote eindeutig die Schwimmstege im inneren Hafenbecken bevorzugen. Da findet man kaum deutsche Boote. Die liegen lieber weiter außen. Könnte schlicht an lokalen Revierkenntnissen liegen, oder daran, das die Dänen gerne in der Nähe des öffentlichen Grillplatzes sind.

Grillplatz im Hafen von ANHOLT (Blick vom Hafenhaus)

Schwierig sind eigentlich nur Starkwindverhältnisse aus NORDWEST und SÜDOST. Dann macht man quer zur Windrichtung fest und wird entsprechend schnell vertrieben. Klappt es dann mit der Bojenleine auf Anhieb nicht, ist es keine Schande, mit einer Spring erst mal am Nachbarboot fest zu machen, die Stegleine zu klarieren und dann in Ruhe die Bojenleine klar zu bekommen. Wenn man Glück hat, ist gerade ein helfendes Dingi oder SUP Board in der Nähe. Wenn nicht und die Boje ist unter Wasser, muss wohl einer baden gehen.
Was gar nicht geht ist einen Festmacher ohne ausgebrachte Fender zu fahren. Passiert offenbar nur Charterbooten. Gerade wenn viel Seitenwind herrscht lässt sich ein Bootskontakt zu einem eng liegenden Nachbarboot nicht vermeiden. Ordentlich abgefendert für niemanden ein Problem.

Ist der Hafen leer und kein Nachbar da, kann man ja beliebig oft einen Anlauf nehmen um das Bojenmanöver erfolgreich hin zu bekommen. Allerdings machen viele Boote dann lieber längsseits fest. Vermutlich weil es einfacher erscheint. Allerdings ändert sich die Liegeplatzsituation täglich und so ist es im Juni passiert, das eine kleine Flotte von HALBERG RASSYs durch längsseits liegen alle Plätze für große Boote dicht gemacht hat.

Kleine HALBERG RASSY Flotte längsseits im Hafen von ANHOLT

Das ist für große Neuankommer doof, weil sie auf kleinen Plätzen die Bojenleine dann als Mittschiffsspring legen müssen und die Boje an der Bordwand haben. Kann man versuchen abzufendern, aber schön ist es nicht. In dieser Zeit war der Hafenmeister nahezu unsichtbar, dann hat er wohl doch mal was gesagt…

…und die Boote haben bei Windstille in aller Ruhe den vorgesehenen Liegeplatz eingenommen und gut ist.

Peter.

Zweite Reihe Festmacher im Hafen von ANHOLT
Zweite Reihe Festmacher im Hafen von ANHOLT
Zweite Reihe Festmacher im Hafen von ANHOLT
Nach außen (links) verlängerte Päckchen am Schwimmponton
Zu kleines Boot auf zu großem Platz mit zu kurzen Leinen
Mooringbojen unter Wasser im Hafen von ANHOLT
Hafenmeister weist Neuankommer im Hafen von ANHOLT ein
Leerer Hafen von ANHOLT
Radarturm über dem Hafen von ANHOLT