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Computer sind immer noch doof

Ja ja, ich weiß.

Ich wollte keinen weiteren Beitrag zu meinem liebsten aller Blechaffen schreiben…

…muss ich aber. Sozusagen als emotionalen Befreiungsversuch und sicher auch ein wenig Selbstbeweihräucherung.

Die beim letzten male angesprochene Geschichte mit der Verbesserung der Wärmeabführung von der CPU (genannt „Thermal repaste“) habe ich mittlerweile generalstabsmäßig vorgeplant durchgeführt. Alle Teile (Wärmeleitpaste, Reinigungsalkohol, Tupfer, Thermal Pad und Kupferplatte) hatte ich gemäß dem anleitenden Youtubevideo im Vorfeld beschafft und bin dann beherzt zur Tat geschritten.

Alle Utensilien zusammen…

Ganz schön aufregend!

Aber mit Ruhe und Geduld sehr gut machbar. Das teuerste an der ganzen Sache war die im Video verlangte Kupferplatte – und ausgerechnet die konnte ich gar nicht verbauen, denn bei meinem treuen Rechenknecht ist bereits eine Kupferplatte fest mit dem Heatpipes verlötet. Eine weitere kann nicht sinnvoll sein.

Mitte CPU, rechts etwas oberhalb die GPU und links, noch höher der Chipsatz. Alles muss gekühlt werden…
Die Heatpipe mit den drei Wärmeabnehmern (von oben nach unten: Chipsatz, CPU, GPU) und dem Kühlkörper (ganz unten) sowie alte Bröselplaste

Nun denn. Paste auf die CPU, das Thermal Pad zugeschnitten und auf das Chipset und die GPU geklebt, auch da Wärmeleitpaste drauf und die Heatpipe wieder montiert. Gehäuseboden angeschraubt, Test. Läuft super und gefühlt wird der Rechner auch nicht mehr so schnell heiß.

Neue Wärmeleitpaste auf CPU, Thermal Pad und Wärmeleitpaste auf GPU und Chipsatz

Wie schön. Operation geglückt. Held des Tages.

Könnte man meinen.

Denn am gleichen Tag, nur etwas später begann ein wahrhaft kleines Computerdrama.

Nach der geglückten Operation natürlich einen beobachteten Probelauf gemacht. HWINFO als Informations- und PRIME95 als Stressquelle. Alles wunderbar. Doch irgendwann stutze ich bei einem der vielen angezeigten Werte und fragte mich, wieso eigentlich trotz Superstress durch PRIME95 die CPU nie den vollen Takt von 2,8 GHz erreicht? Hängt wie angenagelt bei 2,18 GHz fest.

Messfehler? Anzeigefehler?

Nun, der normale WINDOWS 10 Taskmanager zeigt genau den gleichen Wert an. 2,18 GHz, 79% CPU Last obwohl es 100% und 2,8 GHz sein sollten.

Schlechtes Beispiel: Wenn „Geschwindigkeit“ dauerhaft und deutlich unter „Basisgeschwindigkeit“ bleibt, stimmt was nicht

Was soll denn das? Klarer Fall von Fahren mit angezogener Handbremse!

So dasitzend und auf die Zahlen starrend sinniere ich noch, das ich eigentlich seit dem Upgrade von WINDOWS 7 auf WINDOWS 10 denke, das die Kiste etwas langsamer geworden ist. Hatte ich aber (unterbewusst) wohl immer auf WIN 10 geschoben. Kennt man ja. Neue Software macht alte Rechner noch älter. Und langsamer.

Nur, diese 2,18 GHz CPU Taktrate (Geschwindigkeit, CPU Clock) geht ja wohl gar nicht. Wenn Software Leistung anfordert, muss sie kommen und die vollen 2,8 GHz müssen gefälligst geliefert werden. Dafür ist die ganze Technik schließlich da.

Die fragende Saat war somit gesät:

Wer oder was ist hier die Handbremse?

Wenn man das Thema googelt, ahnt man schon, das so was recht häufig vorkommt und das es vor allem keine Universallösung gibt. Ganz skurrile Lösungen („Löse Schraube C vom unteren Gehäuse“ oder „Kaufe neues Netzteil„) gesellen sich zu allgemeinen Vorschlägen für die WINDOWS Stromspareinstellungen oder halbgaren BIOS Einstellungsvorschlägen.

Kann man völlig ohne Gefahr mal rumspielen: Einfach mal z.B. bei Netzbetrieb auf 50% setzten und sehen, wie lahm so eine Kiste werden kann…

Nun, die Wahrheit ist: Ich habe in den vergangene Tagen locker 30 Stunden mit diesem Problem gekämpft und (Stand heute) gewonnen. Wurde wirklich Zeit. Das Teil stand kurz vor Entsorgung via eBAY Auktion! Strafe muss sein!

Zunächst war ich auch auf der WINDOWS Betriebssystemebene unterwegs, dann runter auf die Treiber. Aber das schien mir alles nachvollziehbar und auch OK. Mit den beiden INTEL Tools (Intel Extreme Tuning Utility, Intel Processor Diagnostic Tool) zwar keine Problemlösung erreicht, aber die Bestätigung, das alles technisch OK sei und die CPU auch 2,8 GHz takten könne.

Macht sie aber nicht. Doch wer oder was bremst?

Mit THROTTLESTOP sicher gestellt, das die CPU auf einmal nicht wegen Wärmeentwicklung herunter geregelt wird. Hätte sowieso nicht gepasst, denn auch bei kaltem Rechner war die Handbremse direkt bei Systemstart aktiv.

Also eine Ebene tiefer.

Ins BIOS. Mehr im Vorbeigehen als im vollen Bewusstsein hatte ich vor ein paar Wochen den Blechaffen auf die aktuellste Version A26 gebracht. Ich weiß gar nicht mehr, ob das WIN 10 Update kurz davor oder kurz danach statt fand?

BIOS. Könnte sein.

Durch einen Hinweis im DELL Forum darauf gestoßen, das dieses A26 vielleicht gar nicht so passend sein könnte. Steht zwar eindeutig auf der DELL Treiberseite für den E6420XFR, wenn man aber das Kleingedruckte liest, stellt man fest, das dort namentlich nur die Brüder E6420 und E6420ATG erwähnt werden.

Im BIOS: Intel C Step

Vermutlich ist es bei keinem anderen Computerhersteller einfacher, dem BIOS eine neue/andere Version zu verpassen. Also von der gleichen Seite die letzte BIOS Version in der der E6420XFR tatsächlich erwähnt wird (A24) herunter geladen und installiert.

Ergebnis: Die Handbremse ist weg! 2,8 GHz bei Stress, ganz wie es sein soll. Klasse. Gut gemacht. Der neue Tag war bereits nach wenigen Stunden gerettet.

Heiter weiter…

Doch anmaßend wie ich nun mal bin, Tags darauf, so dachte ich mir, reproduziere ich das mal und schreibe die Lösung ins DELL Forum damit nicht andere auch in diese BIOS Update Falle stolpern und DELL vielleicht diesen Treiber da raus nimmt?

„NEVER TOUCH A RUNNING SYSTEM“

Ja, ja. Ich kenn‘ doch die Lösung. Kein Problem! Alles unter Kontrolle.

Also von A24 auf A26 geändert. Sehr schön: Handbremse ist wieder da!

Jetzt der also der finale Beweis: Von A26 runter auf A24 und SCHEIßE: Die Handbremse ist immer noch da! So ein Mist! Und nun?

Ach ja, beim ersten mal hatte ich noch in A26 ein BIOS Reset gemacht, um die Handbremse los zu werden.

Erneut von A24 auf A26. BIOS Reset in A26. Jedes mal Reboot und erhöhter Pulsschlag, ob ich wohl alles BIOS Einstellungen richtig vorgenommen habe?

Im BIOS: Bloß keine Einstellung vergessen

Dann wieder zurück auf A24. Handbremse immer noch da. 2,18 GHz. Nicht ein Takt mehr.

So eine Mist. Und alles nur, weil ich auch öffentlich glänzen wollte? Kann ja wohl nicht wahr sein!

Gestern dann ein Gewaltmarsch durch die verschiedenen BIOS Versionen.

Runter auf A18 und von da aus Schrittweise auf A21 – immer mit BIOS Reset, keine Chance. Die 2,18 GHz sind angenagelt.

Am Abend dann der ernsthafte Gedanke, sich doch von dem alten Teil zu trennen und auf einen neuen umzusteigen. Kein Computer dieser Welt darf so viel Liebe verlangen!

In der Nacht im Tiefschlaf das Problem verarbeitet.

Ein wenig komisch läuft das BIOS Update ja schon.

Bei A26 und A24 bestand der eigentliche Update Prozess aus vier Schritten:

1) Update System Bios
2) Sending Intel Management Engine FW Update
3) Waiting Intel ME Firmware to complete
4) Update EC Bios

Bei den älteren Versionen fehlten die Schritte (2) und (3).

Warum? Und was passiert wohl bei einem Downgrade? Bleiben die eingespielten Informationen von (2) und (3) erhalten oder werden die gelöscht? Keine Ahnung.

Und wie ist das überhaupt mit dem BIOS Reset. Eigentlich heißt die Funktion ja nicht Reset, sondern „Load Default“ – damit wird das BIOS auf die jeweiligen Auslieferungswerte zurück gesetzt. Aber nutürlich wohl nur die Werte, die die jeweilige BIOS Version auch kennt. Denke ich.

Was, wenn durch A24 oder A26 etwas ins BIOS geladen wurde, was durch die anderen Versionen nicht gelöscht wird?

Also mal wieder ganz ans eingemachte. Jeder Rechner hat eine Mini-Batterie, mit der der Speicher (CMOS), der die BIOS Einstellungen aufnimmt, betrieben wird. Doch wo steckt diese CMOS Batterie bei meinem Ziegelstein?
Wieder einmal bin ich von DELL begeistert: Das umfangreiche Handbuch beschreibt genau die Position und die Schritte, wie man an das Teil heran kommt. Hatte ich mir noch nie angesehen. Eine Schande, diese Ignoranz.

Die Kiste wieder auseinander gebaut, den Batteriestecker von der Platine abgezogen, etwas gewartet, wieder eingesteckt und los gehts…

CMOS Batterie (Schwarzes rundes Teil mit gauem Aufkleber) und Stecker auf der Platine (gleich dem dem WLAN Modul)

…doch schon beim booten wird klar, das ich keinen Erfolg hatte. Denn der Rechner fährt direkt WINDOWS 10 hoch. Wären alle BIOS Einstellungen gelöscht worden, hätte er das nicht gekonnt. Klar, der Stecker vom Netzteil war gezogen, aber das Akku steckte noch im Schacht. Ist das Teil so clever und bekommt auch darüber Strom, damit die kleine Batterie entlastet wird?

Könnte sein. Also noch mal.

Diesmal wirklich vollständig vom Strom getrennt (Netz, Akku, CMOS Batterie) und noch länger (ca. 30 Minuten) so liegen lassen.

Alles wieder angesteckt und wie erwartet (besser „innig gehofft“!) scheitert der Start von WINDOWS 10, weil das BIOS die Bootpartition nicht finden kann. Im BIOS den SATA Mode auf AHCI umgestellt, UEFI und Bootpartition verdrahtet und neu gestartet.

Gewonnen!

Die Handbremse ist weg!

Volle Leistung!

Ach ist das schön.

Also eigentlich müsste man (ich!) diese Nummer ja noch mal reproduzieren…

Aber mal ganz ehrlich:

„Ich bin zu alt für diesen Scheiß“
(Bruce Willis in Stirb Langsam 2)

Peter.

P.S.1: Theorie „Netzteil“
Es gibt tatsächlich „Experten“, die behaupten, das dieses Problem gerne mal bei DELL Rechnern auftritt, bei denen das Netzteil oder der Stecker, der in den Rechner kommt, defekt sei. Denn ein DELL Rechner „kommuniziere“ mit dem Netzteil über den mittleren Pin. Die Theorie: Wenn das Netzteil ein Problem hat oder nicht original ist, drosselt der Rechner seine Leistung.
Kann sein, kann auch nicht sein. Fakt ist, das der Rechner erkennt, wie viel Watt das Netzteil hat. Wenn nicht genug Saft da ist, wird das Akku nicht geladen. Macht ja auch Sinn. Doch wenn der Rechner im Akkubetrieb ist und über den Windows Energiesparplan volle CPU Leistung bringen soll, muss er die gewünschte Leistung auch über Akku liefern können. Das hat mit dem Netzteil wohl nichts bis gar nichts zu tun.
Und doch: In meiner Not war ich kurz davor, ein neues Originalnetzteil zu kaufen und diesen Strohhalm zu ergreifen….

P.S.2: Theorie „Schraube“
Der Hinweis bezog sich zwar auf einen anderen Rechner, klingt aber so abenteuerlich, das ich das nicht zu glauben vermag.

P.S.3: Theorie „CPU defekt“
Na ja, wenn die eine Macke hätte, dann würde dieses höchst komplexe Teil wohl eher gar nicht laufen und nicht mit angezogener Handbremse.

Im BIOS: Intel Speed Step

P.S.4: Theorie „BIOS Einstellungen falsch“
Wird auch gerne angeführt. Doch „INTEL Speed Step“ und „C Steps“ sind eher Techniken, um die CPU zu drosseln, wenn sie nichts / wenig zu tun hat. Dadurch spart man Energie und erzeugt entsprechend weniger Abwärme. Denn das ist ja absolut geniale an den Computer genannten Teilen: Wenn die nix zu tun haben, rasen sie ungezügelt einfach auf Vollgas. Könnte ja was kommen…Den Wikipedia Artikel dazu sollte man lesen, wenn man auf dieser Fährte unterwegs ist.

P.S.5: Reproduzierbarkeit
Immer dann, wenn Software bei gleichen Voraussetzungen beim zweiten mal zu anderen Ergebnissen kommt, wird es schnell mal fatal. Wieso die Handbremse beim ersten Downgrade verschwunden war bleibt mir ein Rätsel. Aber das werde ich nicht lösen. Es gibt zwar nichts anderes zu tun, aber jetzt ist wirklich genug mit Rechnerbasteln!